Guideline-Vorschlag: Warum scanbare Inhalte so wichtig sind

Guideline-Vorschlag: Warum scanbare Inhalte so wichtig sind

Andreas Hecht

ist freier Journalist, WordPress-Entwickler und Spezialist für WordPress-Sicherheit. Er schreibt seit 2012...

Scanbare Inhalte zu schreiben kann durchaus zur Folge haben, dass mehr Besucher zu Fans einer Website werden. Somit kann die Art des Schreibens bereits die Konversionsrate sehr positiv beeinflussen.

Hier ein Artikel zum Thema, falls es interessiert:

Menschen lesen nur sehr selten Blog-Beiträge vom Anfang bis zu Ende. Vielleicht liegt es am Informations-Overkill unserer Gesellschaft. Oder vielleicht auch dran, dass viele Millionen Artikel im Internet um die Gunst des Lesers werben.

Doch wahrscheinlich liegt es eher daran, dass das Lesen vom Bildschirm zirka 25 Prozent länger dauert, als von einem Papier.

Woran es auch immer liegen mag, es ist wichtig, den richtigen Ansatz für das Schreiben für Online-Leser zu finden. Einen neuen Ansatz, der die Leser fesselt, anstatt sie zu vertreiben.

Das digitale Schreiben unterscheidet sich deutlich vom Verfassen eines traditionellen Textes auf Papier.

Wenn Du also mehr Besucher in wiederkehrende Leser umwandeln möchtest, dann musst Du den Code knacken und eine andere Strategie fahren. Du musst lernen, scanbare Inhalte zu schreiben.

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Früher habe ich einfach geschrieben, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie Menschen online lesen möchten. Mittlerweile habe ich eine wesentlich bessere Vorstellung davon, was ein Leser von einem Online-Inhalt erwartet.

Er möchte von uns, dass wir scanbare Inhalte schreiben.

Scanbare Inhalte schreiben: Warum überhaupt?

Texte lassen sich am Bildschirm wesentlich schlechter lesen, als von einem Papier.

Texte lassen sich am Bildschirm wesentlich schlechter lesen, als von einem Papier.

Hast Du gewusst, dass 55 Prozent der Menschen weniger als 15 Sekunden aktiv auf einer Website verbringen? Das ist nicht gerade eine gute Voraussetzung für Blogger, die gelesen werden möchten.

Und es ist eine schlechte Voraussetzung für Menschen, die Online ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen möchten.

Du hast also nur ein kleines Zeitfenster, um die Aufmerksamkeit der Besucher zu erregen und sie zu motivieren, Deine Artikel zu lesen.

Erwarte von Deinen Besuchern nicht, dass sie Deine Beiträge komplett durchlesen werden. Das wäre eine sehr unrealistische Annahme. Nur sehr wenige Menschen machen das.

Nach einer Studie lesen nur ungefähr 16 Prozent aller Menschen einen Artikel online Wort für Wort durch. Der überwiegende Teil – 79 Prozent – scannen die Inhalte, um nützliche Informationen zu finden.

Das bedeutet, dass weniger als zwei von 10 Besuchern Deine Artikel tatsächlich lesen werden. Die große Mehrheit wird den Text überfliegen und sich dadurch die Informationen sichern.

Das nennt man dann scannen.

Lesen wir die Artikel, die wir teilen?

Kurioserweise werden auch Inhalte geteilt, ohne dass sie vorher komplett gelesen worden sind.

Eine Studie ermittelte, dass einem geteilten Inhalt nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde, als normal.

Die Grafik zeigt sehr schön das Phänomen:

Die Grafik zeigt, dass wir die Artikel, die wir teilen, nicht unbedingt auch lesen.

Die Grafik zeigt, dass wir die Artikel, die wir teilen, nicht unbedingt auch lesen.

Was ist denn nun scanbarer Content?

Scanbarer Inhalt ist knackig, interessant und kommt auf den Punkt. Sätze und Absätze sind kurz. Wichtige Textstellen werden hervorgehoben. Links zu anderen Inhalten gehören ebenfalls dazu.

Wir erschaffen also Inhalte, die auf die Besucher des 21. Jahrhunderts ausgelegt sind. Inhalte, die leicht und einfach auf einem Bildschirm gelesen werden können.

Die Informationen werden gestrafft angeboten, um den Nutzen des Textes für den Leser leichter erfassbar zu machen.

Am besten wirfst Du Deinen bisherigen Ansatz aus dem Fenster und wirst ein Fan des scanbaren Inhalts. Ich versichere Dir, es funktioniert!

Hier kommt nun die Schritt für Schritt Anleitung, der Du ganz einfach folgen kannst.

1 – Schreibe kurze Absätze

Du hast sicher bemerkt, dass ich sehr kurze Absätze schreibe. Manchmal wirklich sehr kurz. Oftmals ist ein Satz auch ein Absatz.

Das ist keinesfalls zufällig so gewählt. Meiner Meinung nach ist dies die wichtigste Technik der Erstellung scanbarer Inhalte.

Als Beispiel wähle ich einen richtig großen, fetten Textblock:

Eine sogenannte Textwüste. Am Bildschirm unlesbar.

Eine sogenannte Textwüste. Am Bildschirm unlesbar.

Du hast wahrscheinlich bemerkt, dass sich dieser Textblock nur sehr schwer lesen lässt. Unsere Augen haben keinen Punkt, den sie fixieren können.

Hier der gleiche Text in viele kleine Absätze unterteilt:

Dieser Textbereich lässt sich sehr viel leichter für unsere Augen erfassen.

Dieser Textbereich lässt sich sehr viel leichter für unsere Augen erfassen.

Welchen Text empfindest Du als besser lesbar? Ich wette, dass es der Zweite ist. Deine Augen finden stets eine Möglichkeit, den Text zu fixieren, um die richtige Zeile zu finden.

Das ermöglicht Dir nahtlos von einem Punkt zum nächsten zu finden, um flüssig und ohne Anstrengung lesen zu können.

Schreibe nur eine Idee pro Absatz und nicht mehr als drei bis vier Sätze. Ich bin mittlerweile ein Fan von maximal drei Sätzen.

Der Weißraum ist Dein Freund, also verwende viel davon. Breche Deine Texte in kleine Häppchen.

2 – Halte Deine Sätze kurz und prägnant

Es existiert wirklich kein Grund für einen Blogger, seine Sätze lang und extrem verschachtelt zu gestalten.

Eine Ansammlung von Fremdwörtern in die Sätze zu packen ergibt ebenfalls keinen Sinn. Was nützt Dir ein Text, den nur die akademische Elite versteht?

Deine Besucher werden sich aus einem unterschiedlichen Bildungsniveau und Wortschatz zusammensetzen. Das darfst Du niemals vergessen.

Kein Leser wird neben sich ein Wörterbuch liegen haben, um bei jedem dritten Wort die Bedeutung nachzuschlagen.

Daher ist es sehr klug, kurze Sätze und allgemein verständliche Worte zu benutzen. Als Faustregel gilt, das Du nicht mehr als 16 Wörter pro Satz verwenden solltest.

Versuche ebenfalls, komplexe Informationen so einfach wie nur möglich darzustellen. Jeder Leser sollte Deine Texte verstehen können.

Dein Inhalt sollte so hochwertig wie möglich sein. Und für jedermann verständlich.

Unverständlichkeit ist noch lange kein Beweis für tiefe Gedanken.
Marcel Reich-Ranicki

3 – Verwende Zwischenüberschriften

Der Großteil der Leser wird nicht an jedem einzelnen Punkt Deines Beitrags interessiert sein.

Stattdessen werden die meisten Leser von einen Teil des Textes zum anderen hüpfen. Sie versuchen herauszufinden, wo sich die Informationen verbergen, die sie suchen.

Diese Lesetechnik kannst Du dadurch unterstützen, indem Du gute und aussagekräftige Zwischenüberschriften verwendest.

Teile also die einzelnen Bereiche Deines Contents auf und füge dort Zwischenüberschriften ein, wo es passen könnte.

Das bricht Deinen Text in logische Stücke auf und versetzt Deinen Leser in den »Flow«. Er wird automatisch auf die gesuchten Informationen hingeführt.

Achte darauf, dass die Zwischenüberschriften das wiedergeben (im Ansatz), was der Inhalt darunter behandelt.

Auf diese Weise unterstützt Du den Scannvorgang und beschleunigst ihn. Versuche keinesfalls, coole oder witzige Zwischenüberschriften zu schreiben. Halte sie einfach, praktisch und logisch.

4 – Verwende Aufzählungslisten

Wer liebt keine Aufzählungslisten? Ich liebe sie eindeutig. Sie brechen wichtige Informationen in kurze Häppchen um und sind extrem leicht zu erfassen.

Deine Leser können die für sie wichtigen Informationen sehr schnell finden, ohne viel nachdenken zu müssen.

Anstatt viele Sätze zu schreiben, schreibe einfach mal eine Aufzählungsliste.

Hier ein Beispiel:

  • Schreibe kurze Absätze
  • Schreibe kurze Sätze
  • Nutze stets Zwischenüberschriften
  • Nutze gern Aufzählungslisten wie diese hier
  • Lies den Artikel weiter…

5 – Streue Bilder in längere Texte ein

Bilder dienen zwei verschiedenen Zwecken:

Zuerst dienen sie als Augensüßigkeit und erfüllen das unterbewusste Verlangen des Lesers nach visuellen Reizen.

Wichtig für Dich als Blogger hingegen ist, dass Inhalte mit Bildern 94 Prozent mehr Pageviews bekommen.

© Infografik
© Infografik

Zum Zweiten bieten sie den Augen eine angenehme Pause zwischen den Textblöcken. Beide Argumente helfen Dir, die Leser länger auf Deiner Website zu halten.

Du ermutigst sie, mehr von Deinen Inhalten zu lesen.

Ich versuche zumindest bei längeren Beiträgen mehrere Bilder einzubauen. Allerdings sollten die Bilder einen Nutzen für Deine Leser bieten.

Sie sollten weitere Informationen zu Deinen Lesern transportieren. Manchmal funktioniert das auch mit Stock-Images. Doch am besten funktionieren immer die Grafiken, die weitere Infos für den Besucher bieten.

6 – Füge Links zu externen Quellen hinzu

Um Glaubwürdigkeit und Autorität für Deine Texte zu erreichen, ist es eine sehr gute Idee, Deine Quellen zu verlinken.

Ich mache das mit fast jedem Inhalt, den ich schreibe. Es unterstützt meine Argumentation und beweist, dass meine Meinung nicht nur hohles Geschwätz ist.

Du musst nicht jedes Detail nachweisen können. Verlinke einfach einen wichtigen Satz in deinem Absatz.

Wenn Deine Leser dann mehr über ein Thema erfahren möchten, so können sie die verlinkten Informationen besuchen. Diese Taktik hilft Dir, Deinen Inhalt nicht mit fremden Informationen zu belasten.

7 – Nutze die Kraft der Zitate

Zitate sind eine wunderbare Sache, um einen Text aufzulockern und ihm mehr Autorität zu geben.

Wann immer es angebracht erscheint, solltest Du daher ein Zitat nutzen. Natürlich nur, wenn Du ein passendes Zitat zur Hand hast.

Ansonsten kannst Du versuchen, selbst ein Zitat zu erstellen. Versuche eine wichtige Aussage Deines Beitrags in ein oder zwei knackige Sätze zu verpacken.

Damals sagte ich zu meiner Frau: “Ich werde ein ganz gefährliches Experiment beginnen. Ich werde für das Publikum schreiben, und ich werde so schreiben, dass alle verstehen, was ich meine.”
Marcel Reich-Ranicki

Das ist ein gutes Beispiel, meinst Du nicht auch?

8 – Erstelle Listenbeiträge

Ich liebe es, Listenbeiträge zu schreiben und zu lesen. Dir wird es wahrscheinlich ebenso ergehen.

Listen helfen Dir, Deine Inhalte in einer logischen Reihenfolge zu verfassen. Ein Listenbeitrag sieht sauber und ordentlich aus. Wenn Du wirklich scanbare Inhalte schreiben möchtest, verfasse mehr Listen. Daher tust Du Deinen Lesern damit immer einen Gefallen.

Eine Studie von Buzzsumo und Okdork analysierte mehr als 100 Millionen Artikel, um herauszufinden, welche Artikelform am meisten geteilt wird. Die Ergebnisse zeigten, dass Listen das zweithäufigste Format waren.

Nur Infografiken werden häufiger geteilt.


© okdork.com

Wenn Du wirklich scanbaren Inhalt schreiben möchtest, dann verwende viele Listenbeiträge.

Natürlich sollte nicht jeder Inhalt in eine Liste gezwängt werden, doch 50 Prozent Deines Contents sollten schon Listen sein.

9 – Erstelle eigene Infografiken

Infografiken können eine wunderbare Waffe des absolut scanbaren Inhalts sein. Du kannst sie richtig und falsch nutzen.

Richtig genutzt lockern sie Deine Texte auf und bringen Entspannung und Information für Deine Leser. Richtig eingesetzt teilen sie Deinen Inhalt in entspannende Häppchen auf.

Als beste Art des Einsatzes hat sich die folgende bewiesen:

  • Teile die Grafik in kleine Häppchen auf. Schneide sie mit Photoshop oder einem ähnlichen Fotobearbeitungs-Programm zu.
  • Setze pro Häppchen eine Zwischenüberschrift
  • Füge den Grafikteil unter die Überschrift ein
  • Beschreibe den Inhalt des Infografik-Häppchens
  • Verlinke am Ende des Beitrags die komplette Infografik in voller Auflösung

Für das Erstellen einer Infografik gibt es ausreichend Online-Tools im Netz. Kostenlos kann das der Dienst Canva für Dich erledigen.

Weiterführende Informationen:

Fazit

Scanbare Inhalte zu schreiben ist noch nie so wichtig gewesen wie heute. Durch die Anpassung Deiner Text-Formatierung kannst Du den Anforderungen der modernen Online-Lesern gerecht werden.

Diese Technik ist auch wirksam zur Verhinderung der »kognitiven Überbelastung«, die die geistige Energie eines Lesers vermindert.

Das Endergebnis ist ein glücklicher Leser, der mehr Zeit auf Deiner Website verbringen wird und eher bereit ist, Deinen Newsletter zu abonnieren. Oder eines Deiner Produkte zu kaufen, je nachdem.

Der Text ist ein Artikel von Techbrain.de.

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Andreas Hecht

ist freier Journalist, WordPress-Entwickler und Spezialist für WordPress-Sicherheit. Er schreibt seit 2012 für Dr. Web. Auf seinem Blog TechBrain.de schreibt er über das Bloggen und veröffentlicht nützliche WordPress-Snippets.

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