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Absehbarer Absturz: Groupon fällt unter 4 Dollar pro Aktie

Es war im Grunde von Beginn an absehbar. Ich selbst habe Beitrag um Beitrag geschrieben und vor Groupon gewarnt. Der Sendung mit dem Internet gab ich ein Interview, während mich aufgeregte E-Commerceler angriffen. Ich hätte nicht genug Fantasie und überhaupt, bei schnellwachsenden Unternehmen würden die traditionellen Regeln der Betriebswirtschaft nicht greifen. Ach so, kam in meinem Studium nicht vor, diese Ausnahme, entgegnete ich. Was sagen diese Euphoriker jetzt? Jetzt, wo sich unzweifelhaft ablesen lässt, was bereits vor mehr als einem Jahr offensichtlich war? Groupons Geschäftsmodell ist zum Scheitern verurteilt. Und jetzt, viel zu spät, erkennen das auch breitere Massen.

Kommenden Sonntag ist der IPO Groupons genau ein Jahr her. Mit 20 Dollar pro Anteil ist man gestartet, es war der größte Börsengang nach Google. Schon kurz nach dem Börsengang ging die Aktie wertmäßig in den Sinkflug über, um heute für einen Allzeittiefstwert von 3,85 Dollar gehandelt zu werden.

Sicherlich hat es Groupon nicht gut getan, dass Amazon jüngst einen massiven Verlust in Höhe von 169 Millionen Dollar aus den gehaltenen Anteilen des Groupon-Wettbewerbers LivingSocial verkünden musste. Das Daily Deals Gewerbe erweist sich als instabil. Wer davon immer noch überrascht ist, dem ist nicht mehr zu helfen…

Etwas optimistischere Betrachter geben Hurrikan Sandy eine Mitschuld an der aktuellen Situation. Immerhin sorge die Extremwetterlage für eine reduzierte Nachfrage nach Tagesangeboten, was natürlich zuerst der Marktführer spüre.

Interessant an beiden Erklärungsansätzen ist, dass sie – wie stets – mit den tatsächlichen Geschäftsentwicklungen nichts zu tun haben. Die Aktie verliert aufgrund von Ahnungen und Vermutungen und Zusammenhängen, die keine sind. Mitleid muss man dennoch nicht haben. Schließlich ist das Börsenspiel bestens dokumentiert und jeder, der sich darauf einlässt, muss wissen, dass objektive Geschäftszahlen auf dem Parkett nur noch insofern Einfluss haben, als sie im besten Falle die „Fantasie“ positiv beflügeln.

Davon ist Groupon weit entfernt. Bereits vor dem Börsengang konnte das Unternehmen positive Geschäftszahlen nur durch massive Kosmetik erreichen. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC musste mehr als einmal intervenieren und auf die Einhaltung etablierter Standards bestehen. Auch aktuell steht wieder eine SEC-Beschwerde im Raum, die sich allerdings auch mit Fragestellungen aus der Vergangenheit, etwa den kreativen Ertragsausweisen des Unternehmens aus dem letzten Jahr und der Änderung der Finanzberichterstattung im Frühjahr 2012 befasst.

Zwischenzeitlich ändert Groupon teilweise im Wochentakt seine Strategie und führt Payments, Goods und was nicht alles ein. Die Verzweiflung ist fast mit Händen greifbar. Schon nach nur einem Jahr an der Börse ist Groupon ein anderes, leider nicht erfolgreicheres Unternehmen geworden. Und es gilt nach wie vor die Warnung, bloß nicht diese Aktie zu erwerben…

Übrigens: Google hatte seinerzeit 6 Milliarden Dollar für die Übernahme geboten, aktuell ist das Unternehmen an der Börse weniger als die Hälfte wert. Und selbst das ist noch zu viel.

Von Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

2 Antworten auf „Absehbarer Absturz: Groupon fällt unter 4 Dollar pro Aktie“

Für Gewerbetreibende gibt es auch die Möglichkeit, über diverse Gutschein-Seiten kostenlose Gutscheincodes anzubieten, anstatt bei Groupon Gutscheine zu verkaufen. Dadurch kann die Höhe der (Gesamt-) Rabatte deutlich besser geplant und gesteuert werden. In der Regel werden die kostenlosen Gutscheine auch eher von wiederkehrenden Kunden eingesetzt, im Gegensatz zu den Coupons von Groupon.

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