Kategorien
Webdesign

Alte Hüte

Keine Frage, spielerische Sprache ist eine Zutat, die in jeden guten Text gehört. Streng genommen sind wir gar nicht in der Lage, auch nur einen Absatz ohne zu schreiben. Viele der sogenannten Alltagsmetaphern nehmen wir gar nicht mehr wahr. Und oft wissen…

Keine Frage, spielerische Sprache ist eine Zutat, die in jeden guten Text gehört. Streng genommen sind wir gar nicht in der Lage, auch nur einen Absatz ohne zu schreiben. Viele der sogenannten Alltagsmetaphern nehmen wir gar nicht mehr wahr. Und oft wissen wir auch nicht genau, warum wir was schreiben – wir orientieren uns an dem, was gut klingt, knackig wirkt, was uns gefällt.

Sich genauer zu überlegen, was man und warum schreibt, hat viele Vorteile. Vielleicht der wichtigste Vorteil ist, dass Sie mit der entsprechenden Wachsamkeit in der Lage sind, anders zu schreiben als andere. Oder platt gesagt, dass Sie nicht genau so klingen wie jeder Ihrer Konkurrenten auch.

Illustration

Der einfachste Weg zum Ziel liegt in einer guten Konkurrenzanalyse. Schauen Sie sich die Texte anderer Seiten an und überlegen Sie, was jeder andere auch formuliert.. Dabei geht es nicht darum, sprachliche Allgemeinplätze zu isolieren. Erwartungskonformes Texten ist immer noch wichtig, um schnell verstanden zu werden. Für Homepage, Kontakt und Impressum brauchen Sie keine originellen Namen.

Wonach Sie suchen können, sind jedoch allzu gängige Formen der Pfiffigkeit; jene Witze, über die jedem von uns das Lachen vergangen ist. Ein paar Beispiele:

Haben Sie auch die Nase voll von x und y?
Dämliche rhetorische Fragen gehören bei werblichen Absichten zum Standard. Möglich, dass immer noch jemand darauf hereinfällt. Allerdings nötigen Sie dem Kunden auch auf, sich durch den Text zu kämpfen, der sich mit dem Gegenteil seiner Wünsche beschäftigt. Kommen Sie zur Sache. Sagen Sie, was sie zu bieten haben.

Illustration

Wir lieben super
Discounter aller Art sind in den letzten Jahren mit Boulevardsprache an der Grenze zum Ungrammatischen erfolgreich. Die Regeln der Sprache zu überdehnen, kann tatsächlich als frech und originell wahrgenommen werden. Je nach Publikum wirken Sie damit allerdings eher ungebildet, laut und aufdringlich. Überlegen Sie also gut, welche Assoziationen Sie mit ihrem Sprachgebrauch wecken.

Ich lohne mich wirklich!
Qualitätsbezeugungen vom Hersteller sind billig. Natürlich wollen Sie nicht behaupten, dem Kunden ein schlechtes Produkt anzubieten. Aber entweder, sie haben glaubwürdige Außenstimmen, die sie gern genüsslich zitieren können, oder sie konzentrieren sich besser auf sachliche Gründe, warum sich Ihr Produkt wirklich lohnt.

Preishämmer, geschmolzene Preise und Preis-Infernos
Viele Metaphern sind schon lange überfällig. Manchmal kann es helfen, das allgemein bekannte Bild noch eine Ecke weiter zu strapazieren. Manchmal ist es klüger, die Botschaft bewusst einfach zu halten. Abgelutschte Bilder zwischen diesen Extremen werden schneller verstanden, aber auch schneller vergessen.

Überkracher und einmalige Chancen
Die meisten einmaligen Chancen kommen mindestens einmal monatlich. Vermeiden Sie Superlative, die ohnehin jeder benutzt. Platzieren Sie große Behauptungen nicht auf jeder Seite dreimal, sondern nur da, wo sie wirklich wichtig sind. Das wirkt.

Zarte Versuchungen sind doch nicht blöd.
Vorsicht beim Abwandeln von Werbeslogans, sie werden mit dem assoziiert, was Sie beim Kunden wachrufen. Image und Produktgruppe sollten zu Ihrem Angebot passen. Und hüten Sie sich vor urheberrechtlichen Schwierigkeiten.

Crazy Sprüche aus dem Irrenhaus
Es gibt einen Markt für bewusst dämliche Slogans. Wer über sich selbst lacht, kann um so selbstbewusster und unkonventionell wirken. Ganz schnell wirkt man aber statt dessen unprofessionell und aufdringlich. Und oft sind verrückte Slogans verschenkter Platz für sinnvolle Aussagen.

Ausrufezeichen!
Wenn Ihre Seite schon überladen ist und Sie sich fragen, wie dem Kunden die briefmarkengroße Aktionsfläche rechts oben auf der Seite noch auffallen soll – Großbuchstaben, Fettdruck und Ausrufezeichen sind nicht die Antwort. Viele Webseiten machen auf den ersten Blick blind. Liefern Sie nicht auch noch Text dazu, der diesen Eindruck verstärkt.

Keine dieser Gebrauchswarnungen ist universell gültig. Eine erfolgreiche Webseite orientiert sich am Publikum. Aber die hier genannten Beispiele findet man im Web an jeder Straßenecke. Nicht genau so zu klingen, wie alle anderen auch, ist ein wichtiger Vorteil. Überlegen Sie gut, wie sie das erreichen. ™

Erstveröffentlichung am 08.08.2008

Von Jan Bojaryn

Sprachwissenschaftler, freier Autor und Texter. Befasst sich seit fast 20 Jahren professionell mit Sprache, Webdesign, Usability und Kommunikation im Netz. Schreibt Artikel und Ratgebertexte zu verschiedenen Themen. Liebt guten Text, nutzerfreundliches Design und Currywurst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.