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Aufgegebene Domainnamen: Besucher aus zweiter Hand

Websites und Domainnamen kommen und gehen. Das war immer schon so. Die alten Netz-Immobilien sind mitunter Bares wert. Früher genügte ein automatischer Linkchecker, wenn es darum ging eine längere Linkliste oder Vergleichbares zu prüfen. Heutzutage macht dies…

von Sven Lennartz

Websites und Domainnamen kommen und gehen. Das war immer schon so. Die alten Netz-Immobilien sind mitunter Bares wert.

Früher genügte ein automatischer Linkchecker, wenn es darum ging eine längere Linkliste oder Vergleichbares zu prüfen. Heutzutage macht dies nur noch eingeschränkt Sinn, die Prüfroutine findet einfach nicht mehr genug. Der Grund: frei gewordene Domains werden sofort wieder registriert.

Das ist interessant für Domainhändler und Netzwerker, die mit Partnerprogrammen ihr Geld machen. Gebrauchte Domains sind bereits den Suchmaschinen bekannt, verfügen möglicherweise über einen brauchbaren PageRank und sind durch diverse eingehende Links in das Web eingebunden. Dieser Traffic fliesst noch jahrelang, auch wenn er – das liegt in der Natur der Sache – stetig geringer wird. Die Mühlen der Webmaster mahlen eben langsam. So kann es – bis der letzte Link dereinst verschwunden sein wird – kleine Ewigkeiten dauern. Auch unter Gesichtspunkten der Link Popularität sind gebrauchte Domains interessant. Und schließlich handelt es sich um „echten“ Traffic.

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Ein typischer Fall: die aufgegebene Domain des Fotografen und Netzkünstlers Thomas Popinger wird von einem Domainhändler in Beschlag genommen. Sämtliche Links verweisen auf Partnerprogramme.

Je bekannter ein Projekt einmal war, desto besser. Doch wie von dessen Ableben erfahren? Eine Möglichkeit besteht darin, in Frage kommende Websites zu beobachten und gegebenenfalls ein Angebot zu unterbreiten. Es geht vordringlich um Projekte, die schon länger keine Aktualisierung mehr erfahren haben. Hier dürfte es in der Praxis oft schwierig sein, einen Ansprechpartner ausfindig zu machen. Sofern das gelingt, könnte dieser einem finanziellen Angebot nicht abgeneigt sein. Eine Automatik, die beispielsweise die Datenbank der DeNIC im Auge behält, gibt es nicht.

Der Zufall kann helfen. Stößt man beim Surfen auf einen Link, dessen Domain der Browser nicht (mehr) konnektieren kann, können sich Nachforschungen lohnen. Man prüft, ob die Domain tatsächlich verfügbar ist und durchforscht im zweiten Arbeitsgang Google und Konsorten auf Verweise und Aussagen zur ehemals dort untergebrachten Website. Auch unter juristischen Gesichtspunkten sollte wissen, wen man dort beerben möchte.

Der einzige bekannte Dienst, der in die Bresche springen kann, nennt sich Domainbroadcasting. Im Mittel können hier – nach eigenen Angaben – 379 gelöschte Domains pro Tag ermittelt werden.

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Man zeigt was man hat.

Wie das geschieht bleibt im zwar Dunkeln, doch es funktioniert. Das Domainboadcasting schlägt in verschiedenen Tarifen mit Preisen zwischen 19,00 Euro pro Monat (Basic) oder 79,- Euro für ein halbes Jahr (Premium) zu Buche.. Nur mit Letzterem sind Realtime-Anzeigen für de, com, uk, org, info, biz, at, ch, fr, it, nl und net-Domains möglich und können bis zu 10 Domains aktiv überwacht werden.

Provider und Domainhändler spielen jedoch in der selben Liga und sind in der Lage selbst eine Vielzahl von Domains zu überwachen. Es ist schwierig sich gegen die Profis durchzusetzen, die unter Umständen auch Vorteile bei der Neuregisrierung haben. Hier gilt ein altes Gesetz: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Wer auf der Suche nach einem noch freien Domainnamen ist, der kann sich eines der zahlreichen Hilfsservices bedienen. Eine Alternative wäre, gar nicht erst bei Null anzufangen und eine bereits eingeführte Domain zu kaufen. Das hat, vorausgesetzt man findet das Richtige zum vernünftigen Preis, eine Reihe von Vorteilen. Ältere Domains verfügen mitunter über starke Backlinks, die den Domainnamen im Ankertext beinhalten, haben dank ihrer Linkpopularität und ihres Page Ranks bereits ein gewisses Standing in der Suchmaschine Nr. 1. Und während frisch registrierte Domains meistens in der „Sandbox“ landen, das heißt ihre Zeit brauchen, bis Google sie auf den Index loslässt und sie erstmals in den Suchtrefferergebnisseiten auftauchen, sind alte Domains schon etabliert. Hinzu kommt, dass je nach dem was der jetzige Eigentümer mit dem Projekt gemacht hat, noch Traffic geerbt wird, der sofort in Werbeeinnahmeneuros umgemünzt werden kann.

Doch wie kommt man an alte Projekte heran? Eine hilfreiche Anlaufstelle könnte hier der Old Domain Digest sein. Es listet zum Verkauf stehende Projekte auf, die sich nach Kategorie, Page Rank, Yahoo-Links und Registrierungsdatum ordnen lassen. Das Gebotsverfahren selber läuft dann über den Domainbroker Sedo.

Erstveröffentlichung 01.07.2005

Von Sven Lennartz

Ex Webdesigner, Gründer von Dr. Web und Smashing Magazine. Heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger unterwegs. Schau was er jetzt macht…

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