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Dirk Metzmacher 31. Januar 2019

Das Auge kauft mit: Wie das perfekte Produktfoto entsteht

Besonders für den eigenen Online-Shop gilt: Das Produkt wird über die Fotos verkauft. Deshalb müssen diese Fotos möglichst perfekt sein. Wenn du darauf schon bei der Aufnahme achtest, kannst du dir einiges an Arbeit in der Bildbearbeitung ersparen. Doch welches Equipment, welches Licht-Setup ist dafür gefragt? Wir schauen uns heute die Standards der Produktfotografie an. Danach führe ich dich in Photoshop Schritt für Schritt zu noch besseren Ergebnissen.

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Auch wenn du die Qualität deines Produkts in Textform noch so ausführlich angepriesen hast, verkauft sich dein Produkt erst über das Foto. Und darüber solltest du die volle Kontrolle haben, von der Aufnahme bis zur Nachbearbeitung. Die nötige Studioausrüstung ist günstig wie nie und oftmals ist auch eine Bildbearbeitung schon installiert.

Produktfotografie-Schritt #1: Die Ausrüstung

Starten wir also, indem wir die Kamera während der Aufnahme auf ein stabiles Dreibeinstativ anbringen, um Unschärfen durch kleinste Bewegungen zu vermeiden, vielleicht in Kombination mit dem Timer oder einem Fernauslöser. Diese Kombination steht vor einem Tisch mit weißem Hintergrund. Manche biegen sich eine dünne MDF-Holzplatte zurecht (oder zunächst ein großes Stück weiße Pappe), so dass sich aus der waagerechten Position nach hinten heraus eine sanfte Kurve nach oben ergibt. Das ist eine gute Voraussetzung für den wichtigen unendlichen Hintergrund (Stichwort: Infinity White Background).

Auch ein professioneller Aufnahmetisch / Fototisch oder ein Hintergrundsystem mit Studiopapier von der Rolle helfen dabei, die Grundlage für die Produkte zu schaffen. Wer keinen Schatten unterhalb der Ware sehen möchte, experimentiert mit gebogenen Plexiglasscheiben. Wichtig ist natürlich auch eine genügende Zahl von Lichtquellen, die wir in einem eigenen Punkt besprechen.

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Photostudio equipment / Bildnummer: 68972554 / Kalabi Yau

Produktfotografie-Schritt #2: Kameraeinstellungen

Zunächst stellst du den Weißabgleich auf Auto. Der Blitz wird deaktiviert und die Bildgröße sowie -qualität auf die bestmögliche Stufe eingestellt. Unterstützt deine Kamera das Raw-Format, so nutze es auch. Starte mit einem ISO-Wert von 100. Stelle die Blendenöffnung sehr groß ein (f/1,4 oder etwa f/2) und die Belichtungszeit langsam von 1/80 auf 1/4.

Nutze den Zoom (doch niemals den digitalen Zoom). Kannst du diese Werte nicht regeln, so nutze eine der Auto-Funktionen, die gut zum Produkt passt, wie etwa Makro.

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DSLR camera / Bildnummer: 225719377 / lightpoet

Produktfotografie-Schritt #3: Produkt positionieren

Ist alles aufgebaut, so wird das Produkt auf dem Tisch positioniert. Dabei setzt du es nah an die Kamera, auch für den nötigen Abstand zum Hintergrund, der sich nach oben wölbt. Welche Position du mit deiner Kamera einnehmen solltest (also eher frontal oder vielleicht etwas von oben herab), entscheidet das aktuelle Produkt. Es gibt aber zahlreiche Tricks, um dieses für den Moment noch etwas schöner wirken zu lassen.

So werden Schuhe dick mit Papier ausgestopft, damit die Form gut sichtbar ist. Auch ein dünner Nylonfaden hat schon Wunder bewirkt, um unsichtbar für fast schwebende Posen zu sorgen. Sorge dafür, dass jetzt auf der Ware keine Fingerabdrücke oder Staub zu sehen sind.

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Fresh coffee / Bildnummer: 177254750 / Lostry7

Produktfotografie-Schritt #4: Licht setzen

Um die Lichtsituation bewusst steuern zu können, darf natürlich kein direktes Sonnenlicht auf das Produkt fallen. Die Schatten wären sonst viel zu hart. Vielmehr stehen links wie rechts vom Aufnahmetisch weitere Stative mit Studioleuchten. Deren Licht wird dank eines Schirms oder besser einer Softbox so weich gestaltet, das kaum Schatten entstehen. Von oben und etwas nach hinten verschoben, setzt du eine Leuchte auf einem Galgenstativ ein.

Du formst dann mit dem Licht von den Seiten, wie räumlich das Produkt wirken soll, wobei es keine Schatten werfen darf. Gganz lassen diese sich allerdings nicht entfernen, da ansonsten das Produkt überstrahlt würde.

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my small photo studio / Bildnummer: 217829275 / Jiri Vaclavek

Produktfotografie-Schritt #5: Produktfoto optimieren

Ist das Bild im Kasten, öffnest du die Aufnahme in Photoshop und definierst, welcher Bereich reines Weiß zeigt. Gehe dazu im Menü auf Bild > Korrekturen > Tonwertkorrektur und wähle aus dem Dialog das Pipetten-Werkzeug Weißpunkt aus. Klicke den weißen Hintergrund an.

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Fine blue eggplant / Bildnummer: 57365998 / Yurchyks

Gehe nun auf Filter > Camera Raw-Filter und verschiebe da den Regler der Belichtung bei gedrückter Alt-Taste. Die dunklen Bereiche zeigen an, wo das Foto nicht weiß ist. Verschiebe den Regler, um den Hintergrund komplett weiß wirken zu lassen. Diesen Schritt wiederholen wir mit dem Schwarz-Regler, um dann noch mit Tiefen und Lichter das Foto generell zu optimieren. Auch etwas Klarheit und Kontrast können nicht schaden.

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Zuletzt wechselst du zum Bereich Details, um eine Schärfung umzusetzen. Dort stellst du den Betrag vielleicht auf 75 ein, den Radius je nach Bildgröße auf ein bis zwei und Details auf 30. Über Maskieren klammerst du die flächigen Bereiche von der Schärfung aus, was du wiederum mit gedrückter Alt-Taste bei der Anwendung überprüfen kannst. Auch die Rauschreduzierung kannst du da einsetzen.

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Produktfotografie-Schritt #6: Produkt freistellen

Dieser letzte Schritt ist optional: nur bei Bedarf kannst du ein Produkt auch freistellen, um es gänzlich ohne Schatten auf weißem Hintergrund zu präsentieren. Für Produkte empfehle ich das Freistellen mit Pfaden.

Aktiviere das Zeichenstift-Werkzeug und stelle den Werkzeugmodus in der Optionsleiste auf Pfad ein. Weiter rechts (unter dem Zahnrad) aktivierst du das Gummiband. Setze nun mit dem Zeichenstift einen ersten Ankerpunkt am Rand des Bildobjektes.

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Diesem ersten Punkt lässt du zahlreiche weitere Punkte folgen, immer am Rand des Bildelements entlang. An kurvigen Bereichen setzt du den Ankerpunkt erst nach der Kurve. Halte dabei die Maustaste gedrückt, so dass du die Kurve durch Bewegung der Maus passend aufziehen kannst.

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Nach einer Kurve möchte Photoshop eine weitere Kurve aufziehen, weshalb du den zuletzt gesetzten Punkt mit gedrückter Alt-Taste anklickst. Jetzt legst du problemlos wieder eine gerade Linie an. Ist der Pfad geschlossen, drücke die Strg-Taste zusammen mit der Eingabetaste. Der Pfad wird in eine Auswahl umgewandelt. Klicke nun im Ebenenbedienfeld auf Ebenenmaske hinzufügen.

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Produktfotografie-Schritt #7: Inspirieren lassen

Nutze die Bildersuche, etwa bei Google oder Bing, um dich inspirieren zu lassen. So wirst du die unterschiedlichsten Möglichkeiten entdecken, Produkte zu fotografieren.

Schmuck wird etwa gerne vor schwarzem Hintergrund aufgenommen, vielleicht mit einer Glasscheibe oder einer Acrylplatte als Untergrund, um für ansprechende Reflexionen zu sorgen. Bei Nahrungsmitteln bietet es sich an, die sterile Umgebung einer komplett weißen Fläche zu verlassen, um vielmehr eine ganze Szene passend zum Produkt zu schaffen. Auch können Produkte für weitere Aufnahmen im Detail gezeigt werden, wie etwa die Oberfläche oder besondere Anschlüsse/Logos/Buttons.

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Wie im wahren Leben sammelst du durch Testen und Ausprobieren immer neuer Techniken genügend Erfahrung, um selbst problematische Produkte in Zukunft perfekt abzulichten.

(Der Beitrag erschien erstmalig im Mai 2015 und wurde seitdem regelmäßig aktualisiert, zuletzt am 30. Januar 2019.)

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

5 Kommentare

  1. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie man Produkte mit einer Menge Know-How ins richtige Licht setzen kann. Leider bin ich in der Materie noch recht unbedarft. Kennt jemand zufällig ein gutes Einführungs-Tutorial, welches einem Schritt für Schritt erklärt, wie man ein halbwegs professionelles Produktbild erstellen kann ohne dabei auf teures Equipment setzen zu müssen? Würde mich über Tipps und Anregungen sehr freuen!

  2. Auch wir dürfen uns für den Artikel bedanken. Als Automobilgarage in der Schweiz haben wir bisher unsere Fotos immer von professionellen Fotografen machen lassen. Als passionierter Hobbyfotograf und mit Hilfe Ihrer Tipps, werden wir dies nun selbst in Angriff nehmen und einmal den Versucht starten. Beste Grüsse, Gustaf

  3. Danke für den Artikel.
    Sehr schön erklärt.

    Wenn ihr es erlaubt würde ich ein bisschen Werbung machen.
    Wer sich bei mir auf der Seite in den Newsletter einträgt bekommt ein kleines E-Book „Produktfotos selber machen“.
    Dort erkläre ich wie man mit dem Smartphone Produkte fotografiert. Equipment liste ich auch auf.
    http://www.stefansteinbach.com

    Schöne Grüße
    Stefan

  4. Hallo Dirk,
    eine wirklich sehr gute Erklärung. Ich bin selber grade auf der Suche nach guten Softboxen um eigene Produkte zu Fotografieren – hast du da gute Erfahrungswerte wie Hell die Birnen sein sollten um das Perfekte Ergebnis zu erziehen?
    lg Chrisi

    • Danke! Und je heller, desto besser! Und es kommt dann auf die Verteilung der Lichter um dein Produkt an, um es möglichst Schatten-frei auszuleuchten…

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