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Ausstattungmerkmale internationaler Blogs – eine kleine Studie

Wir sind neugierige Leute und wollen nach Möglichkeit alles wissen. Darum haben wir 50 Blogs angeschaut und nach typischen Merkmalen gesucht. Was wird verwendet? Wo liegen die Trends? Um nicht nach dem Zufallsprinzip zu arbeiten, haben wir uns an die Technorati…

Wir sind neugierige Leute und wollen nach Möglichkeit alles wissen. Darum haben wir 50 Blogs angeschaut und nach typischen Merkmalen gesucht. Was wird verwendet? Wo liegen die Trends? Um nicht nach dem Zufallsprinzip zu arbeiten, haben wir uns an die Technorati Top Liste gehalten und die ersten 50 dort aufgeführten Blogs in die Untersuchung einbezogen.

Ganz egal, ob diese Liste nun stimmt und in jedem Fall auf dem neuesten Stand ist. Das spielte für unser Vorhaben keine Rolle. Die Top sind es auch gewohnt, als Vorbilder und Anschauungsobjekte herhalten zu müssen.

Dieser Artikel ergänzt unsere 4-teilige Webdesignerseiten-Studie. Daten dieses Artikels sind in den auf englisch erschienenen Artikel A Small Design Study Of Big Blogs eingeflossen. Die Daten wurden im Juli erhoben.

Das Layout

90% der untersuchten Blogs verwenden ein Layout mit fester Breite. 92% sind zentriert. Also fast alle. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Ausrichtung nach links oder rechts ist zumindest unter Blogs kaum üblich. 62% sind zweispaltig, 32% setzen auf 3 oder mehr Spalten. 50 Blogs sind genug, um auch auf Besonderheiten zu treffen. Weitgehend einer Beurteilung entziehen sich der Drudgereport mit einem echten Anti-Layout und TPM.

Die Anordnung der Menüleisten

Nur in 12% der Fälle wurde eine Menüleiste allein auf der linken Seiten gefunden. 58% benutzen die rechte Seite. 20% brauchen Menüleisten sowohl links als auch rechts. Der Rest verwendet entweder kein Menü oder man findet es oben. Die obere Leiste wird häufig verwendet, wenn auch selten allein. 54% der untersuchten Blogs verwenden eine solche Leiste. Dem Gast ist das im Prinzip egal. Er hat weder mit der einen, noch mit der anderen Variante ein Problem. Besucher sind nicht verwirrt, wenn das Design den Konventionen des Menüs nicht folgt. Nicht wenige bevorzugen die Platzierung auf der rechten Seite, sie ist ihnen angenehmer.

Die meisten Surfer sind sowieso Rechtshänder, ergo befindet sich auch die Maus aus der rechten Seite – von der Tastatur aus gesehen. Der Weg zum Menü erscheint, zumindest subjektiv, kürzer. Auch der Rollbalken liegt rechts. Ist kein Mausrad vorhanden, wird der Rollbalken erheblich häufiger verwendet als es die Browserbuttons werden. Man benötigt ihn auf vielen Seiten beinahe unablässig, weshalb der Mauszeiger häufiger auf der rechten Bildschirmseite ruht, als auf der linken. Bevor es Blogs gab, war das noch anders. Die Menüleiste musste links zu sehen sein.

Fußzeile

Die meisten Websites nutzen das Seitenende als Fußzeile, dort finden sich Aufreger, wie der Link zum Impressum oder zu den AGB, W3C-Hinweise, Disclaimer, Copyrights, Nachobenlink, Anschrift oder Telefonnummer. Dabei sind die Möglichkeiten durchaus zahlreich. Eine zeitlang galt es als Trend, die Fußzeile zu einem eigenen Bereich aufzuhübschen. Das ist vorbei. Immerhin 26% zeigen hier mehr als nur einen Urheberhinweis oder ein paar Links. Beispiele hierfür sind Zenhabits (mit einer Art Sitemap) und Netorama. Problogger Darren Rouse bringt noch die About-Seite hier unter. 60% verwenden das klassische Format, das auch minimal ausfallen kann (Techcrunch). Ein Rest benutzt überhaupt keine Fußzeile. Siehe auch: Footers In Modern Web Design: Creative Examples and Ideas

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Die klassische Variante: Daily Blog Tips

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Aufgebohrte Variante wie sie Dooce verwendet

Werbung

Durchschnittlich 3,2 Werbeblöcke finden sich pro Blog. Diese Werbe-Inseln bestehen zum Teil aus mehreren kleinen Anzeigen. 30% der Blogger verwenden Google-Adsense. Die geschieht zumeist zusätzlich zu anderen Werbevermarktungsformen. Die breiteste Anzeige fanden wir bei Kotaku, die sich nicht scheuen, die Werbung auch mal bis 1000 Pixel in die Breite auszudehnen.

Blogroll

30% machen von dieser guten alten Tradition unter Bloggern Gebrauch. Bei Top-Bloggern sieht man ansonsten gelegentlich Linkblöcke in das eigene Netzwerk (Gawker und andere).

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Blogroll (Ausschnitt) bei Daily Kos

Tagclouds

Die Wolken spielen zumindest auf den Startseiten, und nur die wurden angeguckt, keine Rolle. Nur in 8% der Fälle konnte eine solche ausgemacht werden. Das bedeutet nicht, dass eine Tagcloud nicht woanders doch zu finden gewesen wäre. Ein Grund für den relativ seltenen Gebrauch dürfte schlicht Platzmangel sein. See also: Tag Clouds Gallery: Examples And Good Practices

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Illustrated Tagcloud on Webdesignerwall

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Tagcloud im Fußbereich einer Startseite

Popular- oder Top-Posts und Kommentare

Sie wurden zu 64% herausgestellt. Ein Block mit aktuellen Kommentaren hingegen konnte nur zu 24% ausgemacht werden.

Paginierung

Sie konnte auf lediglich 16% der Sites gefunden werden. In den meisten Fällen kommt ein Standard zum Einsatz,: nämlich der „next“- oder „previous“ Link. Dem Besucher wird so nur eine Möglichkeit zum Klicken geboten. Eine Paginierung bietet mehr und lässt darüber hinaus in manchen Fällen ahnen, wie viel Content vorhanden ist. Was man kreativ herausholen kann (von den Top 50 Bloggern tat das niemand), zeigt unser Beitrag: Pagination Gallery: Examples And Good Practices

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Paginierung bei Gigaom

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Ungewöhnliches findet sich beim Treehugger. Dort gibt es neben dem Next-Link auch eine Art Mini-Inhaltsverzeichnis der zu erwartenden Beiträge.

Social Buttons und Icons

Auf 34% der untersuchten Blogs wurden wir fündig. In manchen Fällen wurden auch einfache Textlinks verwendet. Auch Dienste wie Addthis spielen eine Rolle. Man bietet Buttons per Auswahlmenü an. Die gängigsten Nachrichtensammler und Bookmarkdienste werden zur Verfügung gestellt. Es bleibt so übersichtlich, allerdings ist der Weg für den Leser vielleicht schon zu weit.

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Social Buttons bei Netorama

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Social Links bei Zenhabit

Validität

Standards interessieren Blogger nicht, zumindest nicht die der Top-Fraktion. Lediglich ein einziges von 50 konnte als valide bezeichnet werden. Das war Noscope. Ein untypisches Blog, das es überhaupt nur aufgrund eines WordPress-Themes mit dem Namen Fauna in die Technorati Liste geschafft hat. Eigentlich wäre ja auch das Smashing Magazine valide, wären da nicht die Codes der Anzeigen…

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Adserver sind aus Sicht der Standards eine schreckliche Sache, sie liefern praktisch nie validen Code. Dies ist auch ein Grund für das schlechte Gesamtergebnis. Der Seitenbetrieber kann diese Codes nicht validieren, er muss sie in Kauf nehmen, wenn er verdienen will.

Wie viele RSS-Leser gibt es?

22% machen ihre Abo-Zahlen öffenttlich. Meisten geschieht dies über Feedburner. WordPress-Benutzer können übrigens auch auf ein PlugIn zurückgreifen. Mit Feedcount spart man sich Arbeit und kann sich selbst ein Design gestalten. Feedburner ist aber auch hier Voraussetzung. ™

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Das Feedcount Plugin im Einsatz

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Zenhabits – solche Zahlen zeigt man doch gern…

Links zum Thema:

Erstveröffentlichung 26.08.2008

Von Sven Lennartz

Ex Webdesigner, Gründer von Dr. Web und Smashing Magazine. Heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger unterwegs. Schau was er jetzt macht…

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