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Content-Qualität: So gehst du mit Fachbegriffen um

Die Empfehlung ist ebenso beliebt wie billig. „Zielgruppengerecht” soll im Web getextet werden. Also muss sich der Texter dem Kenntnisstand der Leser anpassen. Der kleinste gemeinsame Nenner sagt: „Bloß keinen Fachjargon, keinen Fachausdruck, kein Fremdwort, Kürzel oder Anglizismus verwenden”. Geht das? Natürlich nicht. Aber was geht dann?

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Webdesign: So beeinflusst uns die römische Antike auch heute noch

Fragen wir uns, was die Antike mit Webdesign zu tun hat, müssen wir uns die Antwort geben: Eine ganze Menge. Ästhetische Prinzipien und Denkweisen beeinflussen vieles, was wir heute gestalten. Ein kleiner Rundblick soll Bezüge aufzeigen zwischen römischer Antike und heutiger Praxis.

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Das Märchen von der Relevanz, oder: Die Mehrheit schweigt

Reaktionen auf deine Netzaktivitäten sind viel wert? Du bedauerst, dass deine Beiträge so selten kommentiert werden? Derlei Reaktionen werden häufig überschätzt. Warum das so ist, erfährst du im folgenden Beitrag.

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Schritt für Schritt texten: Die Kleinigkeiten

Die meisten Webseiten bestehen nicht aus langen Fließtexten. Eine gute Webseite ist schließlich kein Buch, sondern multimedial und zergliedert. Oft muss man deswegen keine langen Geschichten, sondern Mikrotexte schreiben. Und gerade hier zählt jedes Wort.


Foto: Flickr – KaiChanVong

Lange Texte schreiben kann jeder. Schon in der Schule lernen wir, wie man in einem schönen, zusammenhängenden Aufsatz eine Geschichte erzählt. Was wir oft nicht lernen, ist die Beschränkung aufs Wesentliche. Auf den Punkt zu kommen ist im Netz eine hohe Tugend. In der Reduktion aber liegt die Herausforderung: Je kürzer der Text, desto wertvoller ist jedes einzelne Wort.

Keine Panik

Möglichst kurz und möglichst perfekt texten ist eine Profession für sich. Je nach Perspektive kann man Lyriker oder Werbetexter zu den Meistern dieser Disziplin erklären. Aber wer bereits einen Job hat (zum Beispiel Webdesigner), muss deswegen nicht klein beigeben. Aus der Grundforderung, jeden Text ernst zu nehmen, erwachsen einige einfache Grundregeln für den Umgang mit Textschnipseln auf Webseiten. Die Regeln sind leicht zu befolgen, werden aber gern missachtet. Sorgfalt, nicht Genialität, ist also die wesentliche Zutat für Texte, die schmecken.

Wo was anfällt

Dreieinhalb Bereiche unserer Webseite sind klare Kandidaten für Kurztexte. Das Portfolio ist ein wichtiger Bereich mit unklarer Struktur und mit unklaren Textmengen. Erläuternde Texte zu einzelnen Arbeitsbeispielen wären interessant, werden hier aber ausgelassen. Wir konzentrieren uns auf das bisschen Einleitung, das auf jeden Fall her muss.

Die Kontaktseite muss perfekt sein. Neben der Startseite könnte man sie zu den wichtigsten Bereichen einer Webseite als gelungenem Werbemittel erklären. Hier gibt es viele Standards und wenig Text. Trotzdem ist nicht alles selbstverständlich.

Hilfe oder FAQ-Seiten sind schließlich die anderthalb übrigen Bereiche. In der Regel werden nicht beide Bereiche nötig sein. Richtet sich die Seite auch an Laien, dann sollte der Titel der Seite „Hilfe“ sein, egal, wie sie strukturiert ist. Hier gibt es viele Spielräume und unter Umständen viel zu schreiben. Wir picken uns wenige Beispiele heraus.

Ziele der Texte

Kurze Texte besitzen auf unserer Webseite allgemeine Ziele, die immer gelten.

Auf den Punkt kommen – Wenn der Besucher mit einem bestimmten Ziel vor Augen auf einen Link klickt, dann muss ihm so schnell wie möglich gegeben werden, was er sucht — aber nicht schneller. Wichtiger als originelle Formulierungen ist die unbedingte Verständlichkeit und die Reduktion der Informationen auf das Wesentliche. Trotzdem sollte man von einem niedrigen Kenntnisstand des Publikums ausgehen — es sei denn, man will nur Fachleute ansprechen.

Richtung geben – Ein Kurztext am Anfang einer Seite mit klarer Funktion (die selbst kein Text ist) soll vor allem der Einordnung der Inhalte dienen. Was finde ich wo? Wie sind Inhalte organisiert? Solche Fragen müssen wenn, dann gleich zu Beginn geklärt werden.

Neben diesen groben, übergeordneten Prinzipien besitzt jeder Text individuelle Anforderungen. Damit wir wissen, woran wir arbeiten, formulieren wir diese Ziele. Allerdings sind die mit jedem Projekt anders.

Portfolio – sollte jeder verstehen, also ist wenig einleitender Text erforderlich. Wir gehen von einem jungen Studio aus, das wenig Beispiele zeigen kann. Gäbe es gar keine, sollte man die Rubrik vorerst weglassen. Weil die wenigen Beispiele ohne besondere Anstrengungen in eine kleine, bebilderte Liste passen, ist keine Vorab-Erklärung nötig. Der Text soll Neugier wecken und dem Leser nach Möglichkeit den Bezug zu eigenen Bedürfnissen aufzeigen.

Kontakt – möglichst einfach, einladend, eindeutig. Reaktionszeiten angeben, dazu nur Kontaktmöglichkeiten geben, die auch zeitnah bearbeitet werden.

Hilfe/ FAQ – Hier kann man nichts richtig machen. Zwei gegenläufige Ziele stehen ganz oben. Der Besucher ist wahrscheinlich unzufrieden, wenn er auf „Hilfe“ klickt. Also muss alles möglichst knapp und eindeutig, dazu einfach strukturiert sein. Allerdings erfordern komplexe Themen, von denen es hier gleich mehrere gibt, lange Texte. Möglichst alle häufigen Probleme müssen angesprochen werden. Die Nutzungsmöglichkeiten der Seite müssen erklärt, weitere Hilfsangebote formuliert werden.

Probieren wir‘s:

Portfolio

Jeder Auftrag ist eine neue Herausforderung. Lösungen sind immer individuell. So haben wir anderen Kunden geholfen.

Kontakt

Wollen Sie mehr wissen? Sind Sie an einer Zusammenarbeit interessiert? Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf! Wir antworten 365 Tage im Jahr innerhalb von 24 Stunden. Ob per Mail, Telefon oder per Post.

Felder: Name, Organisation (optional), Ich will kontaktiert werden per (E-Mail, Telefon, Fax, Post), kontextabhängige Felder, Ihre Mitteilung, Abschicken

FAQ

Diese Fragen werden uns häufig gestellt. Schnell zum Ziel kommen Sie, indem Sie Suchwörter in das Textfeld eingeben oder direkt auf Rubriken klicken. Ist Ihre Frage nicht dabei? Dann fragen Sie uns persönlich.

Beispiel 1:
Wie teuer sind die Leistungen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wir erstellen nach Auftrag und Rahmenbedingungen individuelle Angebote. Macht aber nichts: Einen Kostenvoranschlag bekommen Sie von uns gratis und unverbindlich.

Beispiel 2:
Was ist ein CMS?

Ein „Content Management System“, wörtlich übersetzt also ein System zur Pflege und Bearbeitung des Inhalts einer Seite. Mit der auch Redaktionssystem genannten Software sind auch Laien in der Lage, ihre Webseite zu pflegen. Der Einsatz von CMS ist bei uns Standard.

Manöverkritik

Diesmal wird nicht jeder Text einzeln überarbeitet. Das wäre in der Praxis natürlich erforderlich; Möglichkeiten dafür haben wir aber bereits in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie durchgekaut. Stattdessen werfen wir einen kurzen Blick darauf, warum, was, wie getextet wurde.

Im Portfolio wird nur die gebotene Information eingeordnet. Was heißt das Zu-Sehende für den Kunden? In welchem Bezug stehen die Beispiele zu ihm? Drei kurze Sätze sind schneller zu lesen als ein langer. Vielleicht hätte man allerdings den Kunden direkt ansprechen können. Außerdem sind die ersten beiden Sätze nah an der Plattitüde. Geht also vielleicht noch kürzer.

Die Kontaktseite soll einen wichtigen Trick umsetzen, um das Formular zu entschärfen. Der Kunde gibt erst an, wie er Kontakt aufnehmen will, dann wird ihm das entsprechende Formularfeld gezeigt. So ist völlig eindeutig, welche Informationen benötigt werden und warum. Die Fragen wirken freundlich, sind aber nicht besonders originell. Die Gegenfrage schwebt im Raum, ob der Kunde nicht selbstverständlich Kontakt aufnehmen will, er hat ja auf den Link geklickt. Wichtig: Kontaktmöglichkeiten und Reaktionszeit werden genannt. Bevor man kurze Antwortzeiten anbietet, muss aber auch klar sein, wer feiertags auf Anfragen reagiert.

In der Hilfe-Rubrik ist das frühe Angebot zur persönlichen Hilfe wichtig. Besucher, die etwas nicht verstehen, sind verlorene Kunden. Die beiden Beispiele sollen demonstrieren, wie man auf zentrale Fragen verständlich und kurz antworten kann. Die Frage nach dem Preis ist vielleicht zu wichtig, um erst in der Hilfe-Rubrik aufzutauchen. Besonders bei CMS wird darauf geachtet, dass Informationen an dem Informationsbedürfnis des Kunden ausgerichtet sind. „Webseite pflegen“ ist trotzdem etwas schwach als Erklärung. Sicher gibt es Laien, die auch nach dieser Antwort noch nicht weiter wissen.

Auch diesmal konnten wir also nur ein paar Hinweise und Tipps sammeln. Dass auch kurzer Text Sorgfalt verdient und Gestaltungsspielräume lässt, ist hoffentlich klar geworden. ™

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Was messen wir eigentlich?

Wir lieben Zahlen und Statistiken. Die Welt der Mathematik ist unbestechlich, unfehlbar und objektiv. Wir Menschen sind es allerdings nicht. Deswegen sollten wir aufpassen, was unsere Analysewerkzeuge überhaupt messen. Ist ein „Unique Visitor“ ein Besucher, eine „Page Impression“ ein Seitenaufruf?

Die Kritik an Unique Visitors und Page Impressions ist nicht neu. Beides sind schwammige, unperfekte Größen, die nicht das messen, was der Name suggeriert. Kein Wunder; zu den angestrebten Messungen kommen wir nur über technische Hürden, die nicht zu meistern sind. Wir müssen uns mit Näherungswerten zufrieden geben.

Screenshot

Die IP-Adresse weilt im Nirvana, irgendwo zwischen dynamischer Vergabe durch den ISP und der Studenten-WG, die an einem Router hängt. Cookies können abgelehnt werden. Accounts werden gemeinschaftlich genutzt, vergessen, neu angemeldet und so weiter. Eigentlich weiß das jeder, der sich ein wenig mit der Analyse der Besucherströme auseinandersetzt.

Kein Problem sollte das sein, weil es ja Standards gibt. Wenn jeder dieselben Messfehler macht, sind die Daten doch nachher noch vergleichbar, oder? Hier setzt eine Unsicherheit ein, die mit einem kleinen Exkurs in einfache Grundlagen der Statistik gelichtet werden kann.

Die Welt erklären…

Jede statistische Untersuchung steht vor dem Problem, aus einer normalen Frage eindeutig messbare Fragen abzuleiten. Wer also fragt, wie viele Besucher eine Seite hat, der muss sich Indikatoren überlegen. Wie ist ein Seitenbesucher definiert? Gemeinhin werden wir einen Menschen darunter verstehen, der eine Seite vollständig lädt und dann zumindest einen Blick darauf wirft. Das klingt banal, aber sonst haben wir Suchmaschinenroboter und Fehlaufrufe (etwa durch versehentliches Klicken auf Anzeigen) als „Besucher“ verstanden. Weil wir nicht jedem Menschen über die Schulter schauen können, müssen wir die Frage beantworten, wie man vom Server aus messen kann, wer die Seite wie aufruft. Und hier wäre die ehrliche Antwort: gar nicht.

Wer quantitativ forscht, also über das Zählen von Merkmalen zu Aussagen über die Realität kommen will, der muss viel Arbeit und Zeit in die Indikatorenauswahl stecken. Er muss sich also überlegen, welche messbaren Dinge uns möglichst eindeutige Antworten auf die ursprüngliche Frage geben. An dem Problem knacken Statistiker seit vielen Jahrzehnten. Die meisten Begriffe, mit denen wir im Alltag hantieren, sind nicht eben mit eindeutiger Genauigkeit definiert. Deswegen brauchen wir einen Plan, wie die Begriffe aus der Frage genau definiert werden sollen, und in welchem Verhältnis sie zu welchen Messgrößen stehen. In diesem Feld hat die Sozialforschung eine lange Tradition und viel Erfahrung. Trotzdem sind gravierende Fehler an der Tagesordnung. Dass in der jungen Disziplin der Seitenanalyse vieles daneben gehen muss, liegt auf der Hand.

…können wir nicht.

„PI“ und „UV“ sind mehr oder weniger genormte Größen und, dass sich dahinter Schätzungen und Annahmen verbergen, ist kein Geheimnis. Immerhin bemühen sich zum Beispiel AGOF und IVW um eine überarbeitete Definition des Begriffs. Aber wir müssen zugeben, dass PI und UV momentan nichts Konkretes messen, nicht genau sind und leider auch zu keinen sinnvollen Vergleichen führen.

Die Verweildauer ist zurecht aus der Mode gekommen. Dass hier der falsche Indikator gewählt wurde, um Vorzüge eines Auftrittes zu bewerten, ist leicht zu verstehen. Besucher sind nicht unbedingt glücklich, wenn sie lange bleiben. Manchmal finden sie einfach nicht, was sie suchen. Dass Browser und Mensch nicht dasselbe sind, ist ebenso klar.

Besucher sind nicht so freundlich, eine Seite in Ruhe komplett laden zu lassen und dann anzuschauen. Viele Menschen surfen mit mehreren Tabs. Der Browser bleibt offen, wenn man ins Bad geht, einen Kaffee kocht, oder das Telefon klingelt. Längst beeinflussbar und daher mit Vorsicht zu genießen sind Auskünfte über das Herkunftsland der Surfer, das Betriebssystem, den Browser und so weiter. Wir haben also Messfehler von unklarer Größe in unseren Seitenanalysedaten. Die Frage ist: Wer verliert dadurch?

Screenshot

Versteckte Gemeinheiten

Gute Suchmaschinenoptimierung führt zum guten Ranking und das führt zu guten Besucherzahlen. Über die Qualität der Inhalte aber sagt das wenig aus. Sollte für Werbekunden nicht die Zufriedenheit der Nutzer interessant sein, die Intention, mit der sie eine Seite ansurfen, und das Vertrauen, das sie ihr entgegenbringen? Überhaupt ist Werbung, die gut zum Thema passt und die Besuchern geboten wird, die gern und wiederholt zu einem Ort surfen, wahrscheinlich wertvoller. Ist der Kunde bereits unzufrieden, wenn er auf die Anzeige klickt, dann ist er auch ungeduldiger und weniger zur Beschäftigung mit etwas Neuem bereit.

Populäre Seiten, die echte Partnerschaften mit ausgewählten Werbekunden eingehen, stellen dagegen zugegeben eine Luxuslösung dar. Aber der Erfolg, die Übertragung von Kundenbindung und Vertrauen, ist nachhaltiger. Natürlich kommt man an Größen wie PI und UV nicht vorbei, so lange sich Anzeigenkunden dafür interessieren. Das kann man schlimm finden. Man kann sich aber auch freuen, dass die angesprochenen Größen zumindest kritisch gesehen und immer wieder diskutiert, überarbeitet werden. ™

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Moderne Architektur und Webdesign

Wir lieben die Vergangenheit. Wir gehen ins Museum, besichtigen Ruinen, bauen historisierend. Aber wir leben in modernen Zeiten. Auch, wenn die Postmoderne ausgerufen wurde, prägt die Moderne unser Denken, unsere Ästhetik und unser Stadtbild bis heute. Die Ideen und Debatten der Moderne zu kennen, hilft jedem Designer.

Neues Denken

Die Architektur hatte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts gründlich verrannt. Aus der Orientierung an der Vergangenheit hatte sich der historisierende Stil gebildet: Neue Fragen sollten mit alter Formensprache beantwortet werden. Die Geschichte wurde zum Eintopf, die zitierte Epoche zu einer beliebigen Entscheidung.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatten immer mehr junge Architekten die Nase voll von der Imitation der Vergangenheit. Die moderne Gesellschaft brauchte eine Architektur, die auf die revolutionären Änderungen des Zusammenlebens einging. Die vielleicht wichtigste Schnittstelle, an der Protagonisten des Bauhaus ansetzten, war das Verhältnis von Form und Funktion. Mit strengem Rationalismus wurden funktionale Anforderungen an Architektur umgesetzt. Das Ornament, das gute Aussehen als Selbstzweck, wurde strikt abgelehnt.

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Bauhaus Dessau – Foto: Flickr – Ilpo’s Sojourn

In der Ästhetik von Bewegungen, die wir heute mit der Moderne assoziieren — nachschlagen kann man Bauhaus, De Stijl, Neue Sachlichkeit, Internationalen Stil — ist die Funktion zentral. Und der Funktionsbegriff wurde streng umrissen. Assoziationen mit Fabriken, der Technisierung und Industrialisierung der Gesellschaft führten zu unseligen Vergleichen wie etwa dem Haus als „Wohnmaschine“. Der Begriff war gar nicht negativ gemeint, für viele, die ihn hören, ist er es garantiert.

Neue Zweifel

Neue Ideen müssen sich durchsetzen. Nicht anders ging es der Bewegung moderner Architektur, die sich über mehrere Generationen erst etablieren, dann zum Mainstream aufschwingen und sich behaupten musste. Begriffe wie Bauhaus sind fast durchweg positiv besetzt. Aber ganz selbstverständlich halten viele Menschen moderne Architektur für schrecklich.

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MetLife Building – Foto: Flickr – caspermoller

Modernes Bauen hat immer Stilkritik provoziert. Die Hinwendung zu einfachen geometrischen Formen und die strikte Rationalität lässt sich sinnvoll begründen. Genau so kann man bemängeln, dass viele moderne Bauwerke (vor allem öffentliche Gebäude, Wolkenkratzer) steril wirken, sich menschlichen Bezugskriterien entziehen, und die „Wohnmaschine“ allzu wörtlich nehmen. Der Mensch wird vom Maß aller Dinge zum Funktionsglied.

Die Standardisierung und Armut der Formen führt ebenso zu einer gewissen Uniformität. Der internationale Stil wird unsichtbar. Wer in einer Metropole vom Flughafen zum Hotel fährt, so behaupten Kritiker, der weiß nicht, in welcher Stadt er sich befindet.

Wer schließlich die Funktion zum obersten Prinzip seiner Arbeit ernennt, der muss sich anhaltend mit der Frage auseinandersetzen, was Funktion ist. Wie sind die Funktionen hierarchisiert? Ist Wohlfühlen eine Funktion? Repräsentieren?

Nach der Moderne

An den hier skizzierten Fragen und Antworten arbeiten wir noch heute. Die Diskussionen um einheitlichen, nüchternen Stil, um den Stellenwert und die Bedeutung der Funktion, die Legitimation von schmückendem Ornament — all das kennt jeder Designer. Gerade, wer sich mit Webdesign befasst, ohne in die Richtung geforscht oder studiert zu haben, hat noch einiges nachzuholen. In den vielen Denkschulen der modernen Architektur verstecken sich Ideen, die auch im Web funktionieren.

Zum Anfassen

Damit nicht alles graue Theorie bleibt: zwei handfeste Beispiele für modernes Denken in Architektur und Design. Hier lässt sich erkennen, wie aus Konzepten fertige Produkte werden; hier beweisen die Theorien ihre Praxistauglichkeit.

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Haus SchminkeFoto: Julia Baatz

Ein gutes Gegenbeispiel zu der Annahme, modernes Bauen bestehe aus Schuhkartons, ist das Haus Schminke in Löbau. Architekt Hans Scharoun formte die Bewegung der organischen Architektur mit. Die Umgebung des Gebäudes und seine Wirkung auf die Menschen werden aufgewertet.

Mit dem Einfamilienhaus für die Industriellenfamilie Schminke, das deren Lebensbedingungen bis ins Detail berücksichtigte, schuf Scharoun ein Meisterwerk der Architektur. Wer vom Gartenteich aus auf die Fassade schaut, dem erscheint das Haus wie ein Schiff auf See. Der Familienvater, Fritz Schminke, liebte die Seefahrt. Die Betten waren so angeordnet, dass die Mutter mit dem Blick auf die aufgehende Sonne, der Vater mit dem Blick auf die Fabrik aufwachten. Über ein kleines Fenster konnten die Kinder vom Spielzimmer aus direkt in den Garten klettern.

Der Bauprozess war zeit- und kostenintensiv. Am Ende stand ein Haus, das erstaunlicher Weise nicht nur in den Jahren seiner urprünglichen Nutzung eine Familie glücklich machte, sondern das auch in anderen Zusammenhängen gut funktioniert. Dass strenge Ausrichtung auf Funktionalität und Metaphern, die Berücksichtigung ästhetischem Empfindens kein Widerspruch sind, ist hier beispielhaft demonstriert.

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Frankfurter Küche – Foto: Wikimedia – Christos Vittoratos

Wer sich mit Usability Tests und Eyetracking auskennt, dem ist womöglich auch die Frankfurter Küche ein Begriff. Architektin Margarete Schütte-Lihotzky nahm es mit der Rationalisierung genau und analysierte Bewegungs- und Arbeitsabläufe in der Küche. Die Frankfurter Küche entstand als ideales Arbeitsumfeld für eine Person und ist der logische Vorläufer der heutigen Einbauküche.

Die strenge Ausrichtung an genau ermittelten Arbeitsabläufen hat in der Praxis ein klassisches Problem des funktionalen Designs offenbart: Die Nutzer müssen sich auch daran halten. Damit die Frankfurter Küche gut funktionierte, mussten sich Familien gründlich umstellen. Die Küche war nicht mehr als Mittelpunkt sozialen Zusammenlebens konzipiert, Kochen sollte nur eine Person, Kinder hatten in dem schmalen Raum nichts verloren, kurz: Die elegant konzipierte Küche funktionierte bei vielen Familien einfach nicht.

Vorgedacht

Statt Küchen oder Häusern bauen wir Webseiten. Aber Entsprechungen zwischen den Disziplinen liegen auf der Hand. Unser Arbeitsumfeld ist dynamisch. Trends werden durch das globale Dorf gejagt und längst nicht alles, was im Webdesign gang und gäbe ist, muss auch so sein. Wer auf der Suche nach eigenständigen Positionen und kreativen Anregungen ist, der kommt an der Architektur des 20. Jahrhunderts nicht vorbei. ™

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Schritt für Schritt texten: Die Leistungsbeschreibung

Beim letzten Mal haben wir uns gefragt, wie man mit dem Texten anfängt und wie ein Text für die Startseite eines Webdesign-Studios aussehen könnte. Nach demselben Schema, aber ohne lange Vorarbeiten, versuchen wir uns nun an dem Kernstück der Seite: Der Beschreibung des angebotenen Leistungsspektrums.

Schön, wenn man als Studio einen klaren Fokus bei Zielgruppe oder Art der Projekte hat, die man anvisiert. Solche Vorüberlegungen müssen eigentlich sein. Dieser Artikel soll aber möglichst weit vergleichbar bleiben. Also versuchen wir, alle Leistungen um das Webdesign anzubieten, ohne einen Waschzettel zu produzieren oder beliebig zu klingen.

Gedanken über allgemeine Ziele der Webseite haben wir beim letzten Mal angestellt. Und zumindest einige der Erkenntnisse aus dem Blick auf die Konkurrenz vom letzten Mal können wir hier anwenden. Ein Arbeitsschritt gehört zwingend vor jeden Text: Ziele und eventuell auch eine Struktur festlegen. Sonst schreibt man ins Blaue.

Ziele des Textes

Den Faden aufnehmen – nach Möglichkeit schließen die Texte einer Seite aneinander an. Weil die Wege über die Seite nicht klar sind, kann man das nicht explizit machen. Was funktioniert, ist, sprachliche Figuren und Metaphern über die ganze Seite fortzuführen. Idealerweise sind die mit dem Design abgestimmt.

Leistungen vorstellen – das Hauptziel. Vermittelt werden soll, dass komplette Projekte oder einzelne Arbeitleistungen angeboten werden. Dann müssen die Leistungen auch beim Namen genannt werden.
verständlich bleiben. Gleichzeitig erklären und einführen, ist kaum möglich. Also sollten wir knapp und ohne Fachausdrücke erläutern, was wir anbieten.

Konkret werden – Leistungen beschreibt man am besten anschaulich. Beispiele gehören in eine eigene Rubrik (Referenzen), aber der Besucher muss sich unter den Leistungen etwas Konkretes vorstellen können.

Übersicht – Für die Startseite habe ich mich gegen Stichpunkte ausgesprochen. Hier sind sie sinnvoll; der Besucher hat ein klares Interesse an bestimmten Infos und die müssen schnell geliefert werden.

Kurz bleiben – Auf einer gut strukturierten Seite steht genau das in einer Rubrik, was der Name verspricht; hier also eine Beschreibung der Leistungen, nicht mehr. Genauere Infos (etwa zu verwendeten Techniken) würde ich über weiterführende Links in Unterrubriken oder in einer FAQ bereit halten. Unter 300 Wörtern zu bleiben, wäre gut.

Probieren wir‘s:

Was können wir für Sie tun?

Wir sind ein kleines Team mit großen Möglichkeiten. Ob Sie den ganzen Weg mit uns gehen wollen oder nur Hilfe bei bestimmten Schritten brauchen — wir können darauf eingehen.

Geht ein Projekt über unsere Maßstäbe hinaus, greifen wir auf feste Partner zurück, die nahtlos in unseren Arbeitsprozess integriert sind. Sind die verlangten Leistungen klein, behandeln wir Ihr Projekt trotzdem persönlich und professionell.

Was wir bieten

Komplette Webseite mit Pflege – Sie kümmern sich um gar nichts. Wir bringen Sie online, geben Ihnen eine Plattform, auf der Sie Ihre Inhalte umsetzen können und stehen Ihnen bei Inhalt und Technik dauerhaft beratend bei.

Einzelne Leistungen – ob Sie bereits mit anderen Partnern arbeiten und Unterstützung benötigen oder Ihre bestehende Seite Hilfe braucht; wir bieten passgenau das, was Sie brauchen.

  • Design – vom Foto bis zur professionellen Grafik, vom Portrait bis zur kompletten Projektgestaltung
  • Struktur – ein gutes Inhaltsverzeichnis ist der erste Schritt zum Bestseller
  • Text – wir finden die richtigen Worte für Sie und für Ihre Besucher
  • Tests und Überarbeitung – Webdesign ist nicht nur Gefühl, auch Wissenschaft. Wir testen die Nutzbarkeit ihrer Seite, machen die Wege kürzer und helfen, dass man Sie auch findet.
  • Pflege – Webseiten sind dynamisch. Nur, wenn Technik und Inhalt immer wieder überarbeitet werden, bleiben Sie auch auf dem neuesten Stand

Sie sehen: Wir verstehen uns auf Webdesign von A bis Z. Beispiele für jeden dieser Bereiche finden Sie in unseren Referenzen. Wollen Sie auch dazugehören? Dann freuen wir uns auf Ihre Meldung.

Verbesserungswürdig

Schauen wir uns den Text genauer an. Die Länge ist mit 244 Wörtern im grünen Bereich. Wieder wird mit einer Frage eröffnet, die zum Kontext passt. Originell ist sie allerdings nicht.

Die Metapher vom Weg zur Seite ist von der Startseite übernommen. Das „eingehen“ klingt dann aber schief, gehört nicht mehr zur Metapher. Geht da jemand auf dem Weg ein oder auf den Kunden? Auch „bestimmte Schritte“ passen zum Sprachbild, klingen aber ungenau.

Im darauf folgenden Absatz ist „Projekt“ etwas unspezifisch und taucht gleich zweimal auf. „Über unsere Maßstäbe hinaus“ klingt nach Überforderung. Die Betonung, dass auch externe Partner zum Team gehören, wirkt glaubwürdig. Dass aber kleine Projekte „trotzdem“ ernst genommen werden, glaubt man bei einer so herablassenden Formulierung kaum.

Mit einer Zwischenüberschrift zu den Leistungen zu kommen, ist angemessen. Die darf dann auch trocken und auf den Punkt sein. Die gestaffelte Gliederung (komplettes Projekt vs. Einzelleistung, dann die Schritte in Stichpunkten) ist optisch anspruchsvoll, aber vielleicht nicht besser zu lösen. Versuchen sollte man es aber. „Um gar nichts kümmern“ ist wohl übertrieben. „Inhalte“ steht doppelt, und „Inhalte umsetzen“ klingt schwammig. „Brauchen“ ist klarer und kürzer, als „benötigen“. Aber „Wir bieten passgenau das, was Sie brauchen“ ist platter Werbestil, der keinen Eindruck mehr schindet.

Die Gliederung der Stichpunkte ist im Wesentlichen verständlich, bei „Struktur“ aber sehr unkonkret. Beim Text wird zu sehr betont, dass „Sie“ und „Ihre Besucher“ zwei verschiedene Dinge sind — als wollte man wirklich zwei verschiedene Versionen texten. Der Unterschied zwischen Überarbeitung und Pflege ist nicht klar. Das Webdesign „Gefühl“ sei, ist erstens schlecht ausgedrückt und zweitens kein klarer Gegensatz zur Wissenschaft.

Im letzten Absatz auf Referenzen und die Kontaktseite zu verweisen, ist keine schlechte Idee. Verweise auf nähere Infos zu den Tätigkeitsbereichen und Testimonials fehlen aber. Und „von A bis Z“ klingt altbacken.

Also ist nicht alles schlecht; aber wie immer müssen mehrere Überarbeitungen folgen, bis der Text vielleicht passt. An der ersten Runde versuchen wir uns jetzt:

Was können wir für Sie tun?

Wir sind ein kleines Team mit großen Möglichkeiten. Ob Sie den ganzen Weg mit uns gehen wollen oder nur Hilfe bei einzelnen Schritten brauchen — wir begleiten Sie.

Verlangt ein Auftrag nach Verstärkung, greifen wir auf feste Partner zurück, die nahtlos in unseren Arbeitsprozess integriert sind. Auch wenn die verlangten Leistungen klein sind, behandeln wir Ihr Projekt persönlich und professionell.

Was wir bieten

Die komplette Webseite: Sie sagen uns, wo Sie hinwollen. Wir bringen Sie online und geben Ihnen eine Plattform, mit der Sie Ihr Ziel erreichen. Bei Inhalt und Technik stehen wir Ihnen dauerhaft beratend bei.

Einzelne Leistungen: ob Sie bereits mit anderen Partnern arbeiten und Unterstützung erforderlich wird oder Ihre bestehende Seite Hilfe braucht; wir bieten, was Sie brauchen.

  • Design – vom Foto bis zur professionellen Grafik, vom Portrait bis zur kompletten Projektgestaltung
  • Struktur – Inhalte müssen geordnet werden. Wir zeigen, wo es langgeht.
  • Text – wir finden die richtigen Worte für Sie und Ihre Besucher
  • Tests und Optimierung – Webdesign ist nicht nur Erfahrung, sondern auch Wissenschaft. Wir testen die Nutzbarkeit ihrer Seite, machen die Wege kürzer und helfen, dass man Sie auch findet.
  • Pflege – Webseiten sind dynamisch. Nur, wenn Technik und Inhalt immer wieder überarbeitet werden, bleiben Sie auch auf dem neuesten Stand.

Sie sehen: Wir verstehen uns auf alle Bereiche des Webdesigns. Beispiele für unsere Arbeit finden Sie in unseren Referenzen, für unsere Kundenzufriedenheit in den Testimonials. Wollen Sie auch dazugehören? Dann freuen wir uns auf Ihre Meldung.

Manöverkritik

Der Text ist besser, aber noch lange nicht gut genug. Die Länge ist kaum verändert. Die Weg-Metaphern im ersten Absatz stimmen jetzt, sind aber auch im restlichen Text häufiger geworden („wo Sie hinwollen“, „wo es langgeht“). Zu häufig? Geschmackssache.

„Auftrag“ ist kaum konkreter als „Projekt“, wenigstens ist die Wiederholung raus. Ebenso sind Doppelpunkte statt Bindestrichen ab „Was wir bieten“ nur ein Detail, trennen aber die ersten beiden Absätze und die folgenden Stichpunkte. „Wir bieten, was Sie brauchen“ ist immer noch nicht originell, hat aber Rhythmus und ist um eine Leerformel ärmer.

Die Erläuterung bei „Struktur“ ist etwas (nicht viel) klarer. „Optimierung“ ist klarer von „Pflege“ getrennt, aber an der Grenze zum Fachausdruck.

Der letzte Absatz ist mit „allen Bereichen“ statt „A bis Z“ besser, auch die Testimonials sind jetzt verlinkt. Die näheren Infos zu Leistungen werden vielleicht eleganter durch Verlinkung der Stichpunkte, als durch einen expliziten Hinweis unter der Liste angeboten. Das „Wollen Sie auch“ war vorhin schon etwas unklar und wäre bei einer weiteren Überarbeitung anzugreifen.

Fertig ist der Text also noch lange nicht. Erst nach mehreren Durchläufen und der Absprache mit Kollegen und Kunden kann man das erreichen. Aber die Arbeitsweise ist sicher klar geworden. ™

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Webdesign

Schritt für Schritt texten: Die Startseite

Artikel darüber, was einen guten Text ausmacht, gibt es viele. Ratgeber für die Überarbeitung noch viel mehr. Aber all das hilft manchmal nicht weiter, wenn man mit einer losen Zielvorstellung vor dem Rechner sitzt, Textblöcke hin- und herschiebt und am Ende wieder kein packender Text entstehen will. Wie schreibt man also in der Realität? Probieren wir es aus.

Wie man einen Text für eine Webseite schreibt, kann man eindeutig an der Praxis demonstieren. Natürlich gibt es keinen pauschal richtigen Prozess. Flexibilität ist bei Teamarbeit nunmal wichtig. Probieren wir uns an einem gängigen Beispiel: ein Webdesign-Studio.

In der Praxis kann man Text nicht isoliert betrachten. Viele Einflüsse kommen von außen, die hier ganz bequem ignoriert werden. Es soll nur darum gehen, wie mit klarer Zielsetzung ein Text entstehen kann. Andere Fragen werden von anderen Artikeln geklärt.

Vor dem Aufbruch

Vor dem Schreiben kommen Vorarbeiten. Besonders, wenn man kein routinierter Texter ist, sollte man sich die einzelnen Arbeitsschritte immer bewusst machen und sich möglichst daran halten. Schnell springt man voreilig zum nächsten Schritt. So sind umfangreiche Revisionen bis hin zum komplett neuen Entwurf vorprogrammiert.

Zuerst müssen die Rahmenbedingungen klar sein. Dabei müssen alle mitreden, die maßgeblich an der Gestaltung der Seite mitarbeiten. Wie die Struktur einer Seite aufgebaut ist, wie das Design aussehen könnte, das beeinflusst maßgeblich, wie der Text aussehen kann und soll.

Blick nach außen

Auf der Suche nach Ideen kann man früh eine Konkurrenzanalyse ansetzen. Die wäre sinnvoll, wird hier aber nur angeschnitten, soweit sie für den Text relevant ist. Bei einer Untersuchung 30 populärer, zufällig ausgewählter Design-Studios habe ich schnell diese häufigen Probleme gefunden:

  • Texte sind zu lang – Warum das auf einer Startseite nicht geht, ist klar. Nach wenigen Absätzen lässt beim schnellen Lesen die Aufmerksamkeit stark nach.
  • Der Stil passt nicht – Negativ aufgefallen sind umgangssprachlicher Ton auf seriös designten Webseiten, überdrehtes Werbedeutsch (zu viele Sprachspiele und Superlative) und vor allem zu förmlicher Ton (Nominalstil, lange Sätze)
  • Fachausdrücke – könnte man zum schlechten Stil rechnen, ist aber besonders häufig und problematisch. „CMS“ ist als unerklärte Überschrift inakzeptabel. Von „W3C-validierten Seiten“ sind Laien schwer zu beeindrucken.
  • Nur Stichpunkte – An sich gut, aber ein paar echte Sätze kann man auf der Frontseite schon platzieren.
  • Rechtschreib- und Grammatikfehler – passieren jedem Mal. Aber auf der Startseite?

Das Ziel bestimmen

Die Erkenntnisse mögen alle nicht neu sein. Sie geben uns aber wichtige Anhaltspunkte, wie wir es besser machen können. Versuchen wir mal, ein paar Ziele des Textes zu definieren.

Länge – Die optimale Länge ermittelt man zusammen mit dem Design. Der wichtigste Teil muss unbedingt sofort zu sehen und schnell zu lesen sein. Aber auch nicht zu kurz. Als Kompromiss setzen wir maximal 250 Wörter an.

Publikum – Gehen wir von einem kleinen, aber flexiblen Studio aus. Wir wollen möglichst viele Kunden ansprechen, die vielleicht nur etwas Ahnung von Technik haben.

Stil – Was wir über die Zielgruppe gesagt haben, gibt maßgeblich den angestrebten Stil vor: Wir wollen seriös sein, verschiedene Bildungsniveaus ansprechen, also einfach, aber nicht umgangssprachlich texten. Auch die Fehler der Konkurrenz wollen wir vermeiden: Fachsprache ist auf der Startseite tabu. Und, anstatt den Besucher wie ein Werbeplakat anzuschreien, setzen wir auf gut lesbaren Stil.

Ziele des Textes

Auch bei kurzem Text ist eine Gliederung, die gleichzeitig unsere Ziele formuliert, angebracht. Der Text soll:

  • Besucher ansprechen „Hallo“ klingt abgedroschen. Ein klares Signal, dass es hier losgeht, reicht. Schon der erste Satz muss Interesse wecken.
  • Inhalt einführen – Klar sagen, worum es geht. Was wird geboten? Das ist immer die erste Frage, wenn man auf eine neue Webseite kommt.
  • Appetit machen – Der Text ist werbend. Also muss man dem Kunden auch das Gefühl geben, dass man sich lohnt.
  • Orientieren – Gerade Kunden, die wenig Ahnung vom Medium haben, wissen vielleicht gar nicht, wo sie hinwollen. Außerdem ist es klug, den Besucher direkt auf weitere Bereiche der Seite zu lenken, statt den Text einfach zu beenden.

Manche Webseiten erreichen alle diese Ziele in zwei Sätzen. Das ist gerade in Web2.0-Designs sehr in. Wir gehen aber davon aus, dass unsere weniger medienaffine Kundschaft schon ein paar Sätze lesen will.

Probieren wir’s

Sie brauchen eine Webseite. Ist das so schwierig?

Nein. Sie brauchen nur den richtigen Partner. Zum Beispiel uns. Wir bringen Sie online. Und wir bringen Sie durch den ganzen Prozess, von der ersten Idee bis zur vollständigen Onlinepräsenz. Mit unserer mehrjährigen Erfahrung wissen wir, was eine gute Webseite ausmacht. Und wir wissen, wie lange ein Projekt dauert, wie viel es kostet und wie man es zum Erfolg macht. Alle Leistungen, die eine Webseite ausmachen, bieten wir Ihnen aus einer Hand; gute Bilder, überzeugende Texte und ein Produkt, das am Ende einfach funktioniert. Und die fertigen Webseiten können Sie ganz einfach selbst inhaltlich betreuen oder sie profitieren auch in Zukunft von unsererer Expertise.

Wollen Sie von unserer Erfahrung profitieren? Wir sind immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Geben Sie uns eine Chance, auch Sie zu begeistern. Wir werden Sie nicht enttäuschen.

Das Internet ist ein komplexes Medium; fangen wir ganz einfach an. Werfen Sie einen Blick auf unsere Referenzen und Testimonials, um sich von unserer Arbeit zu überzeugen. Prüfen Sie, ob unser Leistungsspektrum zu Ihnen passt. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Verbesserungswürdig

Das ist der erste Entwurf. Kann man das noch besser machen? Natürlich. Klären wir aber zuerst, wie die Ziele umgesetzt wurden. Die Länge des Textes bleibt mit 182 Wörtern vielleicht zu weit hinter den Forderungen zurück. Im Web ist zu kurz aber besser als zu lang.

Der zweite Absatz bringt – sehr beliebig – die Leistungen der Agentur, also den Inhalt. Was fehlt, sind individuelle Stärken. Und der Absatz ist zu lang. „Bringen“ und „einfach“ werden wiederholt. Der „ganze Prozess“ klingt schwammig. Die „mehrjährige Erfahrung“ klingt nicht ausdrucksstark. Wieviel denn genau? Adjektive wie „gut“ sind dazu viel zu ungenau, um ein Bild beim Leser zu erzeugen. „Expertise“ wird falsch angewendet. Mit dem Verweis auf inhaltliche
Betreuung wird immerhin das Konzept CMS eingeführt, ohne Laien zu überfordern.

Zu generisch klingt ebenfalls der Appetizer. Inhaltlich stimmt die Richtung, aber Formulierungen wie „Wir werden Sie nicht enttäuschen“ hat man schon x-mal gelesen. Dass am Anfang die Erfahrung aufgegriffen wird, ist gut. Dass „profitieren“ wiederholt wird, nicht.

Der letzte Absatz gibt tatsächlich einfache Orientierung. Dass nachher Rubriken in etwa so heißen wie die gegebenen Links, muss natürlich abgestimmt sein.

Wie wird es besser?

Sie brauchen eine Webseite. Ist das so schwierig?

Nein. Sie brauchen nur den richtigen Partner. Zum Beispiel uns. Wir bringen Sie online. Seit vier Jahren betreuen wir Kunden auf dem Weg von der ersten Idee bis zur vollständigen Online-Präsenz. Mit dieser Erfahrung wissen wir, was eine gute Webseite ausmacht. Und wir wissen, wie lange ein Projekt dauert, wie viel es koste, und wie man es zum Erfolg macht.

Alle Leistungen, die eine Webseite ausmachen, bieten wir Ihnen aus einer Hand; professionelle Fotos, überzeugende Texte und ein Produkt, das am Ende funktioniert. Die fertigen Webseiten können Sie ganz einfach selbst inhaltlich betreuen oder sie setzen auch in Zukunft auf unsere Fachkenntnis.

Wollen Sie von unserer Erfahrung profitieren? Wir sind immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Geben Sie uns eine Chance, auch Sie zu begeistern. Wir werden Sie überraschen.

Das Internet ist ein komplexes Medium; fangen wir ganz einfach an. Werfen Sie einen Blick auf unsere Referenzen und Testimonials, um sich von unserer Arbeit zu überzeugen. Prüfen Sie, ob unser Leistungsspektrum zu Ihnen passt. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Manöverkritik

Fast dieselbe Länge, mit einem Absatz mehr, aber mehr Platz verbraucht: Die erste Überarbeitung adressiert alle angesprochenen Fehler. Ist sie deswegen gut?

Natürlich nicht. Einiges ist deutlich besser: Die Wiederholungen sind beseitigt, der Absatz schafft bessere Lesbarkeit. „Vier Jahre“ klingen konkreter, ebenso ist der „Weg“ anschaulicher, als der „Prozess“. „Professionelle Fotos“ sind nicht perfekt, besser als „gute Bilder“ aber allemal.

Die Überarbeitung eines Textes, vor allem, wenn er so häufig gelesen wird, muss gründlich und wiederholt erfolgen. Aber das Schema bleibt dasselbe: Den Text immer wieder kritisch durchschauen. Klar formulierte Ziele sind überprüfbar. Wenn die erreicht werden, hat man vielleicht auch einen guten Text. ™

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Webdesign

Teamwork: Text und Design gehören zusammen

Wer Webseiten designt, gestaltet die Optik der Webseite wie ein Gefäß, in das noch Inhalt hereingefüllt werden muss. Die Trennung von Text und Design ist nicht unberechtigt. Dass eine Person sowohl optisch ansprechend gestalten als auch spannend texten kann, ist selten. Je höher die Ansprüche und je größer der Umfang eines Projektes, desto eher arbeiten verschiedene Personen an Design und Text.

Aber entwickelt man Text und Design einer Seite isoliert voneinander, dann verpasst man zumindest Chancen. Häufig bringt die Trennung Probleme und schafft Mehrarbeit. Teamwork hilft — auch Einzelgängern.

Illustration

Warum zusammen entwickeln?

In einer idealen Welt würden alle Elemente einer Webseite zusammen entstehen. Nur so könnte man sichern, dass in Gestaltung und Funktion alles ineinander greift. In der Praxis ist das utopisch. Elemente entwickeln sich unterschiedlich schnell. Und wer allein arbeitet, kann nicht alles gleichzeitig machen. Wer räumlich von Kollegen getrennt ist, kann denen nicht ständig über die Schulter schauen.

Aber Entwicklungsstände abzustimmen und fortlaufend aufeinander zu beziehen, hat viele Vorteile:

Elemente, die Text und Grafik unmittelbar verbinden, sind die deutlichsten Beispiele. Ein Logo, ein Slogan, der als Grafik entworfen und auf der Seite platziert wird, die Navigationsleiste — diese grundlegenden Bestandteile der Seite vereinen Text und Design. Natürlich müssen Texter und Designer hier eng zusammenarbeiten.

Offensichtliche Probleme kann man durch gute Kooperation früher erkennen und ausmerzen. Wer Webseiten erstellt, kennt die Beispiele aus der Praxis. Häufig stimmt der Platz auf einmal nicht: Die Navigationsleiste ist zu schmal, der Begrüßungstext rutscht zur Hälfte unter den Fold, die Spalten sind zu breit, um flüssig gelesen zu werden — bei solchen Problemen wünscht sich jeder, das hätte man früher bemerkt. Manchmal sehen Text und Design auch einfach nicht stimmig zusammen aus. Überhaupt sollten Entscheidungen über Schrifttypen und -größe, Zeilenabstände und Spaltenbreite möglichst immer mit echtem Text gefällt werden. Niemand liest Lorem Ipsum-Platzhalter und auch alten Text, den man schon kennt, sollte man nicht verwenden.

Wer an einer Webseite arbeitet, hat sich hoffentlich Gedanken über das Image gemacht, das er prägen will; damit zusammen hängen die Zielgruppe und ihre ästhetischen Vorlieben. Auch wenn man sich vorher abgesprochen hat — in der Umsetzung liegt immer gestalterische Freiheit. Wer sich nicht versichert, dass alle am selben Strang ziehen, der darf sich nicht wundern, wenn das nicht der Fall ist. Schnell wirkt am Ende die Optik wilder, seriöser, oder jünger, als der Text.

Das einfachste Argument für die starke Integration der Prozesse liegt in der Natur des Mediums. Die fertige Webseite vereint alle Bausteine. Der Nutzer sieht am Ende nicht Text und Design getrennt, sondern als Ganzes. Arbeiten auch Texter und Designer gut zusammen, besitzen die Textblöcke eine ansprechende Länge, brechen die Zwischenüberschriften normalerweise nicht um, reflektiert jeder Text, wo auf der Seite er sich befindet.

Aber wie?

Gutes Teamwork ist wichtig. Allein schon der Begriff ist längst zu einer beliebten Worthülse geworden, die irgendwie immer angestrebt wird. An dieser Stelle nachzubeten, wie man zusammen arbeitet, hat also wenig Sinn; dazu gibt es genug Literatur. Statt dessen soll kurz erläutert werden, welche einfachen Regeln sich in der Praxis bewährt haben. Faustregel dabei: Die Zusammenarbeit muss nicht perfekt sein. Aber sie muss besser werden.

Nur regelmäßige Absprachen bringen Klarheit, ob und wie die Kooperation läuft. Öfter als einmal täglich sind die selten nötig. Wird intensiv an einem Projekt gearbeitet, reicht ein Termin einmal pro Woche aber auch nicht aus. Ideale Empfehlungen gibt es also nicht. Bewährt haben sich feste Besprechungstermine einmal in der Woche, in denen mehr Zeit bleibt, um auch Grundsätzliches anzusprechen; dann kurze Absprachen (zum Beispiel in der Mittagspause) nach Bedarf.

Der Ton der Absprachen muss für alle klar verständlich bleiben. Nicht jeder weiß sofort, was Gradients sind, was mit „dynamischem Design“ gemeint ist, was man unter Nominalstil versteht und wieviel Platz 250 Wörter benötigen. Deswegen sind Absprachen immer auch eine Herausforderung an die kommunikativen Fähigkeiten aller Beteiligten. Zielführendes Nachfragen und knappes Erläutern kann man üben.

Absprachen brauchen Verbindlichkeit. Die Zusammenarbeit funktioniert nicht, wenn erst nach einer Woche herauskommt, wer sich welche Freiheiten genommen hat. Natürlich stellt man oft erst im Ausarbeiten fest, was man warum anders machen möchte. Hier ist allerdings eine zeitnahe Benachrichtigung aller betroffenen Mitarbeiter wichtig.

Was zeigefertig ist, muss gezeigt werden. Besser als luftige Beschreibungen, was wie aussieht, ist die direkte Demonstration. Sitzen nicht alle Beteiligten im selben Büro, ist gute Vernetzung wichtig. Auch Entwürfe, die noch überarbeitet werden müssen, sollten gezeigt werden.

Idealer Weise greifen die Komponenten automatisch ineinander. Dass Text und Designänderungen sukzessive in einem funktionierenden Entwurf der Webseite landen, ist leicht umzusetzen. Füttert man ein CMS durch den ganzen Designprozess mit immer weiter entwickelten Entwürfen, wächst die Webseite am Ende wirklich als die Einheit, die sie am Ende bilden sollte.

Leider läuft nicht alles in der gleichen Geschwindigkeit. Das kann man nicht verhindern. Man sollte aber schon darauf achten, dass man nicht Details überarbeitet, während die Partner gerade ihren ersten Entwurf fertigstellen. Als Ideal kann man anstreben, möglichst lange möglichst viel der eigenen Arbeit noch grundlegend ändern zu können. Hat man ein abgesprochenes Ziel erreicht, steht eigentlich die nächste Absprache an, nicht die eigenständige Weiterentwicklung. Im Zweifelsfall hat man hoffentlich andere Projekte, die man in der Wartezeit bearbeiten kann.

Nach jedem Projekt muss eine offene Aussprache folgen. Was hat nicht funktioniert? Wie kann man es besser machen? Was hat zu lange gedauert? Irgend etwas kann man immer verbessern. Und falls viel schiefgelaufen ist, wird die Einigung über Maßnahmen zur Verbesserung überlebenswichtig. Wird die Aussprache nach dem Projekt zum Standard, kann man auch den Frust während der Arbeit besser verdauen. Anstatt sich in der Hochdruckphase zu ärgern, sollte man notieren, was einen stört — und weitermachen.

Hand in Hand

Ist das alles selbstverständlich? Ich bin schon öfter von Kunden angesprochen worden, die ein fertiges Design hatten – nur der Text fehlte noch. Manchmal ist das nicht zu vermeiden, oft allerdings schon. In der Praxis kann man die hier formulierten idealen Bedingungen leider oft nicht umsetzen. Aber anstreben sollte man sie. Gute Webseiten entstehen ab einem gewissen Maßstab nur im Team. Gute Zusammenarbeit entsteht nur aus Planung, Pragmatik und gegenseitigem Respekt. ™

Erstveröffentlichung 02.10.2008

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Webdesign

Von Games lernen?

Alle Wege führen über das Interface. Standards müssen das Maß aller Dinge sein, damit eine Webseite funktioniert. Aber manchmal gibt es gute Gründe, die ausgetretenen Wege zu verlassen. Mia Northrop hat dazu vor ein paar Wochen den sehr guten Artikel Your New Excuse to Get an Xbox geschrieben; eine Anregung, wie Webdesigner von Videospielen lernen können. Ich habe schon eine Xbox und ein paar Anmerkungen.

Northrop gibt eine interessante und sehr konkrete Liste, wie Webdesigner von Games lernen können. Ich stimme fast immer zu. Aber ein paar Einschränkungen scheinen mir wichtig.

1. Besucher herausfordern
Viele Games fordern den Spieler heraus. Wird die Zielgruppe gern herausgefordert, kann das Interface ruhig ungewöhnlicher sein und
neue Möglichkeiten bieten. Aber viele Spiele verwechseln schlecht designte Steuerung und echte Herausforderung. Jede neue
Komplexität braucht am Ende einen Effizienzgewinn. Was schwieriger zu bedienen ist, muss im Gegenzug spezifische Vorteile bieten.

3. Konfiguration durch User
Viele Spieler freuen sich, wenn sie Avatare oder Musikauswahl mitgestalten können. Aber wehe, wenn man gezwungen ist, sich alles
selbst zu basteln. Und wehe, wenn das Interface unnötig kompliziert ist. Wenn man die Tiefe der Augenhöhlen, den Abstand der Augen und den Winkel der Augenbrauen selbst einstellen kann, kommt oft eines heraus: Hässliche Figuren.

Selber einstellen sollte immer optional bleiben. Die Grundauswahl muss bereits gut aussehen. Bei aller Komplexität muss jede
Einstellmöglichkeit leicht zu bedienen sein und vorhersagbare Resultate bringen.

4. Erzählungen
Das Beispiel von Northrop spricht für sich. Würden Sie gern die Geschichte einer Firma als Chatskript lesen? Ich nicht. Der
Beispieltext ist uneffektiv, nicht witzig und wiederholt nur Werbebotschaften.

Stories müssen vor allem eines sein: gut. Gerade auch Games bilden sich oft völlig unnötig ein, sie müssten einen
miesen B-Movie-Plot entfalten, damit die Spieler dranbleiben. Dann lieber gar nichts. Der Spieledesigner John Carmack hat es auf den Punkt
gebracht: Storys in Spielen besitzen oft dieselbe Funktion wie in Pornos. Wenn Sie eine spannende Geschichte zu erzählen haben –
gern. Aber von Spielen gibt es da leider noch nicht viel zu lernen.

5. Transitions, Animationen
Wenn es funktioniert, sind schön gestaltete Übergänge und Animationen sinnvoll. Meistens funktionieren sie nicht besonders gut. Schöne Interfaces kann man auch ohne Flash designen. Und gerade bei den Kernelementen einer Webseite muss man sehr genau überlegen, ob man sich das innovativ gestaltete Interface wirklich leisten will. Erstens muss das PlugIn in der Zielgruppe weit verbreitet sein. Zweitens sind unwichtige Effekte mit langen Ladezeiten selten eine gute Idee.

6. Ladebildschirme nutzen
Einen großen Trend übersieht Northrop, wenn sie von der Gestaltung von Ladebildschirmen spricht: Den Verzicht darauf. Das
ideale Spiel versteckt jeden Ladevorgang, streamt neue Daten im Hintergrund in den Speicher, bevor der Spieler sie benötigt.

Ist ein Ladebildschirm nicht zu vermeiden, muss der gut gestaltet sein. Das stimmt. Aber wenn, dann richtig. Viele Games bringen immer
dieselben zehn Tipps in Ladebildschirmen unter. Der Spieler kennt sehr schnell alle und ist noch mehr genervt, als wenn er sich einfach nur
einen Fortschrittsbalken anschauen müsste.

7. Audiocues
Das kann ich nicht nachvollziehen. Wann ist Audio auf einer Webseite gut? Ich würde sagen: Nie. Ich höre gern Musik, wenn ich am Rechner sitze. Das tun sicher viele. Und all diese Menschen hören Klangsalat, wenn eine Webseite ungefragt losplärrt. Besonders in
Zeiten von Tabs kann das auf die Nerven fallen: Welche der fünf aufgerufenen Seiten wird da gerade laut? Nur, wenn der Nutzer
vorgewarnt wurde und den Prozess bestätigt, halte ich Audio für eine gute Idee.

Insgesamt stimme ich Mia Northrop voll zu: Wer Webseiten designt, sollte sich auch andere Medien angucken. Da ist besonders die Wii
empfehlenswert, deren Controller am ehesten mit der normalen Maussteuerung am Rechner vergleichbar ist. Und Spaß kann die
Forschung an der Spielkonsole auch machen.

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Webdesign

Webdesign ist Architektur

Webdesign ist Pionierarbeit. Neue Ideen, neue technische Möglichkeiten, neue Standards gehören für uns zum Alltag. Wir setzen unseren Fuß dahin, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir in der neuen Welt allerdings Fußabdrücke. Und denen sollten wir folgen.

Wer das Gefühl hat, sich im völligen Neuland zu bewegen, der weiß schnell nicht mehr, wohin. Wenn wir uns fragen, was Webdesign kann, dann schauen wir uns in Design-Galerien um und suchen nach guten Beispielen, von denen man ein bisschen abschauen kann. Aber natürlich kochen wir nicht einfach im eigenen Saft.

Einige Einflüsse auf unser Medium klopfen wir regelmäßig ab. Viele Webdesigner beschäftigen sich mit Typografie und Printdesign. Viele Fotografen und Grafiker wissen ihr gutes Auge auch im neuen Medium einzusetzen. Das ist gut. Denn wichtige Inspiration kommt auch von außen. Sich anzuschauen, was die Künste anderswo hervorbringen, hilft. Natürlich kann man nichts einfach übernehmen. Jeder kennt Webseiten, die erfolglos versuchen, Print-Ästhetik eins zu eins ins Netz zu übertragen.

Viele Künste, die traditionell nicht unbedingt in die Nähe des Webdesigns gerückt werden, verdienen mehr Aufmerksamkeit. Viele glauben, Webdesign sei eine junge Disziplin. Je nach Blickrichtung ist sie allerdings nur eine Fortsetzung der ältesten Kunst: der Architektur.

Die Vorstellung ist nicht neu und findet sich in Bezeichnungen wie der Informations- und auch der Webseiten-Architektur bereits wieder. Aber ein genauer Blick, was uns verbindet und was uns trennt, bietet mehr, als luftige Konzepte. Es gibt ganz konkrete Entsprechungen zwischen Webdesign und Architektur. Und aus denen kann man ganz konkrete Schlüsse ziehen.

Was uns verbindet
Architektur ist die Gestaltung eines Raumes. Sie umgibt uns jeden Tag und in der Regel nehmen wir sie kaum noch wahr. Wo sie uns vertraut ist, fallen uns vor allem ihre Funktionen auf. In diesem Rahmen entsteht Architektur auch. Sie besitzt zuerst einen Zweck, ein Ziel, zu dem sie gebaut wird. Beeinflusst wird sie zum einen durch natürliche Bedingungen, vom Klima bis zum Baustoff, die einen Rahmen des Machbaren vorgeben. Zum anderen üben Kultur und Gesellschaft einen starken Einfluss aus. Aus diesen Vorgaben plant der Architekt einen Entwurf und führt ihn aus.

Diese grundsätzliche Beschreibung lässt sich passgenau auf Webdesign anwenden. Grob gesagt, wir gestalten auf ein Ziel, eine Funktion hin. Eine Webseite ist nicht nur dazu da, schön auszusehen. Wir arbeiten im Rahmen der Möglichkeiten des Mediums und den Erwartungen des Publikums. Ein bisschen genauer müssen wir allerdings ins Detail gehen, wenn wir mit diesem Wissen etwas aus der Architektur herausholen wollen.

Zu Kultur und Gesellschaft: Gestaltung ist immer beeinflusst durch Ideologie und gesellschaftliche Verhältnisse. Einladend oder abschreckend? Nach unserem Maßstab gebaut oder einschüchternd? Design muss der gerade gültigen Ästhetik entsprechen.

Dass jedes Medium Gesetze mitbringt, ist banal. Architektur arbeitet mit den Eigenschaften der eingesetzten Materialien, muss der Schwerkraft und dem Klima trotzen. Webdesign kennt die Bandbreite als Nadelöhr, das Display als unklare, begrenzte Sichtfläche, bestimmte Eingabemedien, bestimmte Standards, denen die Seite entsprechen muss. Interessant ist allerdings, dass in beiden Disziplinen diese Gesetze herausgefordert werden. Was gibt die Schwerkraft vor? Fast immer glaubte man, das zu wissen. Mit der Fortentwicklung der Bauweisen, mit der Erschließung neuer Materialien können wir heute riesige, frei spannende Konstruktionen umsetzen.

Mit der Fortentwicklung der Web-Technologien bringen wir komplexe Programme im Browser unter, machen User zu Produzenten; mit größerer Bandbreite entstehen optisch neue Möglichkeiten, kann man hochwertige Videos streamen. Wir müssen im Blick behalten, dass der nächste Paradigmenwechsel nie weit entfernt ist.

Den Gegenpol bilden die geltenden Standards. Die Typisierung, der es zu entsprechen gilt. Wo eine Tür oder eine Navigationsleiste hingehört, ist nicht frei verhandelbar, sondern an Konventionen gebunden. Dass diese Typisierung im Netz nicht so tradiert ist, wie in der Baukunst, heißt nicht, dass sie weniger verbindlich sein sollte.

In der Architektur gibt es Körper, die einen Raum definieren. Im Webdesign übernehmen grafische Elemente dieselbe Funktion.

Grundlagen der Ästhetik sind im Webdesign kaum anders, als in der Architektur. Wenn wir uns Baukunst anschauen, können wir über Proportionen, über Raumerlebnisse Dinge lernen, die genauso im Netz gelten. Einfache geometrische Formen wirken auf uns vollkommen.

Die Arbeitsschritte auf dem Weg zum fertigen Produkt sind schließlich so weit vergleichbar, dass viele Erkenntnisse übertragbar sind. Auch Architekten arbeiten erst in der groben Vorstellung, entwickeln Ideen, wie ein Programm, eine Funktion in den Raum übertragen wird, skizzieren und entwickeln diese im Team bis zur Konstruktion.

Was uns trennt
Dass Architektur und Webdesign dasselbe seien, ist zugegeben eine zugespitzte Behauptung. Offenkundig sind die Unterschiede.

Primäre Funktionen der Architektur (Einen Raum schaffen, abgrenzen, der uns schützt) gibt es im Webdesign nicht. Wir arbeiten nur mit dem, was man in der Architektur sekundäre Funktionen nennen würde; dem, was man auf der Webseite macht.

Webdesign ist zweidimensional. Diesem Unterschied fällt auch das Verhältnis von innen und außen zum Opfer. Wir sehen nur eine Gestalt, keine Raumwirkung. Höchstens die Frontpage einer Webseite und die Fassade eines Gebäudes sind vergleichbar.

In einem Raum hält man sich auf. Er ist begrenzt, man kann sich nicht beliebig schnell in ihm bewegen. Im Webdesign springen wir zwischen Tabs, jeder externe Link ist eine Möglichkeit, den Raum in Sekunden zu verlassen. Der Raum bindet hier nicht.

Was wir damit anfangen können
Mit diesem Blick auf Bezüge kann man arbeiten. Ansichten von Baukunst sagen jedem etwas und müssen nicht übersetzt werden. Aber in vielen Fragen, die über bloßes Schönfinden hinausgehen, können wir diese Hinweise sinnvoll einsetzen. Wie wird eine Bauweise begründet? Welches Ziel wird mit welcher Strategie umgesetzt? Wie wird Ästhetik gesehen, begründet, wie wird sie umdefiniert, weiter entwickelt? Auf diese Fragen gibt Architektur seit Jahrtausenden Antworten. Und wir stellen uns seit Jahren dieselben Fragen. ™

Die Fotos stammen von Jonas Repke

Erstveröffentlichung 12.09.2008

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Webdesign

Frauen, Männer und Text

Spätestens seit den immer wiederkehrenden Aufregern um „Political Correctness“ macht sich Müdigkeit breit. Viele wollen am besten gar nicht mehr über Fragen wie das Geschlecht der Besucher nachdenken. Aber unsere Sprache verrät oft, ob wir männlich oder weiblich sind und sie erzielt entsprechende Reaktionen beim Publikum.

Das Geschlechtsspezifische an der Sprache bleibt zuerst nebulös. Mit der häufigen direkten Ansprache „Sie“ geht keine Zuweisung einher. Aber, wenn auf der Autoseite gefragt wird, ob „Sie Lust auf Girls“ hätten oder auf der Modeseite erklärt wird, dass „Sie perfekte Beine brauchen, um einen Minirock tragen zu können“, dann wird Ihnen sehr deutlich unterstellt, welcher Gruppe sie angehören.

Jenseits solcher Extrembeispiele einzuschätzen, womit man eine Gruppe spezifisch anspricht oder wie man allgemein bleibt, ist nicht leicht. Einige verbreitete Ansichten sind ein guter Ausgangspunkt, um die Problematik zu beleuchten.

Abbildung

Fachsprache
Häufig wird behauptet, Männer würden Fachjargon schätzen, Frauen dagegen allgemeinverständliche Sprache, die Fachausdrücke weitgehend umgeht. Aber was soll eine derart platte Trennung für die Praxis aussagen? Will eine fachkundige Webdesignerin wirklich erklärt bekommen, was AJAX ist? Schlagen männliche Laien gern Ausdrücke nach, die sie nicht kennen?

Je nach Art der Seite kann ein Glossar Abhilfe schaffen. Auch einmalige Begriffserklärungen, bevor dann in der Folge der Fachausdruck verwendet wird, müssen den Lesefluss nicht stören.

Beziehung zum Leser
Auch hier soll es einen typischen Unterschied zwischen Mann und Frau geben. Frauen schätzen demnach eher den kollegialen Ton. Identitifikation und Sympathie sind wichtiger, als Knappheit und Seriösität. Da ist auch Raum für Höflichkeitsfloskeln und klar markierte Bescheidenheit. Statt das eigene Urteil als möglichst gewichtig darzustellen, muss der Autor seine Fehlbarkeit einräumen.

Männer sind dieser Logik zufolge auf der Suche nach einer Autorität, die möglichst nützliche Informationen anbietet, statt Unterhaltung oder Sympathie. Sich vom Kenntnisstand des Lesers abzusetzen, wird da gerade als Vorzug begriffen. Steht der Autor höher als der Leser, wird er eher als Autorität akzeptiert.

Den richtigen Ton treffen
Angeblich suchen vorrangig Männer nach einem Stil, der Seriösität vermittel:. korrektes Deutsch, nur vorsichtige Wertungen und gern etwas spröde. Lieber frisst man sich durch einen Relativsatz zuviel, als dass man den Eindruck bekommt, der Artikel über Hochdruckreiniger könnte nicht fundiert und ernstzunehmen sein. Umgedreht das Klischee bei Frauen. Die wollen vor allem unterhalten werden und das gern mit informellem Stil. Dass ein Text sprachlich unterhält, ist genau so wichtig, wie der Inhalt.

Klischees
Viele der oben getroffenen Zuweisungen sind statistisch belegt. Damit sind sie aber immer noch bestenfalls Trends, schlimmstenfalls ein sicheres Mittel, Leser abzuschrecken. Oder haben Sie sich in jeder dieser Zuweisungen wiedergefunden?

Natürlich spielt das Geschlecht des Zielpublikums eine wichtige Rolle – aber es bleibt eine Einzelstimme im Chor der Faktoren. Wie alt, wie gebildet, wie fachkundig die Leser sind, das ist alles mindestens genau so wichtig wie das Geschlecht. Und natürlich bestimmt vor allem der Kontext der Webseite den Ton. Die Sprache, die sie auf einer Webseite sprechen, beeinflusst maßgeblich, wer sie lesen will. Je stärker Sie also sprachliche Klischees bedienen, desto eher werden Sie von den lebenden Vertretern des Klischees besucht. Das kann eine gewisse Erwartungssicherheit schaffen, aber auch das Publikum von Anfang an einschränken.

Guter Text versucht, mehrere Faktoren auf einmal zu berücksichtigen. So lange die Zielgruppe eines Textes (wie etwa bei einem Frauen- oder Männermagazin) nicht klar definiert ist, sollten Sie Klischees vermeiden. Und auch dann sollten Sie im Auge behalten, dass die typischen Vorlieben immer höchstens auf eine Mehrheit zutrifft – dass es also große Minderheiten in ihrem Publikum gibt, die sie mit vorschnellen Rollenzuweisungen abschrecken.

Berücksichtigen Sie ruhig die oben aufgelisteten Klischees, aber überbewerten Sie die nicht. Und seien Sie besonders vorsichtig, wenn die Hauptzielgruppe nicht dem eigenen Geschlecht entspricht, hier ist ein gutes Lektorat besonders wichtig.

Alle ansprechen
Ein offensichtliches Problem wurde noch nicht behandelt: Die richtige Anrede, die so genannte geschlechtergerechte Sprache. Gerade an der Frage entzünden sich häufig oberflächliche Debatten um vermeintliche Sprachverstümmelungen. Hier helfen vor allem Ruhe und ein paar Grundsatzentscheidungen.

Vorsicht ist geboten bei Formulierungen mit Schrägstrich („Leser/innen“) und Binnen-I („LeserInnen“). Beide Varianten haben den Vorteil zu verdeutlichen, hier werden beide Geschlechter angesprochen. Tauchen die Formulierungen allerdings durchgehend in Fließtexten auf, dann fühlen sich viele Leser gestört. Das muss nicht an einer Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau liegen, sondern kann auch mit Desinteresse oder persönlicher Sprachästhetik zu tun haben. Deswegen sind die Formulierungen vor allem für Stellenanzeigen oder zentrale Stellen auf der Webseite, an der die Inklusivität der Seite verdeutlicht werden soll, wichtig.

Man kann aber auch umformulieren. Viele Wörter sind in der Grundform grammatisch männlich. Geschickte Wortwahl kann den Verdacht ausräumen, Sie würden jenseits der Grammatik vor allem Männer ansprechen. Sie können aus den Besuchern „das Publikum“ machen, aus den Kunden „die Kundschaft“ und so weiter. Ist das systematische Durcharbeiten aller Texte nicht realistisch möglich oder wollen Sie auf bestimmte Ausdrücke nicht verzichten, hilft zumindest ein kurzer Hinweis an zentraler Stelle, dass sich natürlich auch Frauen angesprochen fühlen sollen.

Wenn Sie Geschlechtergerechtigkeit beim Texten nicht für eine Zumutung halten, sondern gezielt auch den weiblichen Teil des Publikums ansprechen wollen, finden Sie zum Beispiel beim Webservice der Stadt Wien eine schöne Checkliste.

Kompromisse
Die Geschlechterproblematik ist ein Minenfeld – kein Wunder, dass gern so getan wird, als gebe es da keine Probleme. Einfache Strategien oder immer richtige Taktiken im Umgang mit der Problematik gibt es nicht. Ein Bewusstsein für die Herausforderungen zu entwickeln, ist zumindest ein nötiger Anfang. ™

Erstveröffentlichung am 02.09.2008

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Webdesign

Verschiedene Welten: Frauen, Männer und Design

Das Web ist nicht mehr einfach ein Ort, dessen Optik von Geschlechterklischees dominiert wird. Längst hat Design viele Gesichter und kann ebenso feminin wie maskulin wirken. Aber die Frage bleibt wichtig,  wie gehen Webseiten mit der Frage nach Mann oder Frau um?

Erläuterungen, was männlich und was weiblich im Webdesign ist, gibt es genug. Auffallend dabei ist immer wieder der Hang zur Generalisierung. Wer wirklich glaubt, Männer würden pauschal eckig, Frauen dagegen rund denken, der muss sich auf Überraschungen gefasst machen. Während der Recherche für diesen Artikel musste ich oft feststellen, dass ich als Web-User offenbar eine Frau bin – viele befreundete Frauen dagegen Männer. Sind pauschale Aussagen über männlich und weiblich deswegen abzulehnen?

Wenn dem so wäre, dann hätte der Komiker Mario Barth nicht so viel Erfolg. Gerade, weil wir uns heutzutage des sozial auferlegten Geschlechts bewusst sind, weil wir mitbestimmen können, in welchem Bereich wir uns typisch männlich oder weiblich verhalten, haben Rückversicherungen Konjunktur. Ein großer Teil des Publikums hört immer noch gern, dass Männer und Frauen auf verschiedenen Welten leben.

Für Designer heißt dass, dass sie natürlich auch auf Geschlechtszugehörigkeit des Publikums achten müssen, daraus aber keine voreiligen Schlüsse ziehen sollten. Design, das Klischees bedient, findet bei einer großen Gruppe vielleicht mehr Zustimmung. Eine kleinere Gruppe fühlt sich dagegen abgestoßen. In der Praxis ist deswegen ein Balance-Akt gefragt. Eine gute Webseite spricht vor allem ihre Zielgruppe an. Je größer die ist, desto mehr sollte man es allen recht machen und desto weniger Spielraum bleibt für polarisierende Design-Entscheidungen.

Wie soll das funktionieren? Und wie gehen verschiedene Webseiten mit der Problematik um? Ein paar Beispiele.

Frauenzeitschriften

Brigitte

Auffallend trocken: Bei Brigitte.de geht die Funktion eindeutig vor Konzessionen an eine vermeintlich weibliche Seite. Das Farbschema mit Rot, Orange und Pastelltönen lässt die Gewichtung ahnen.

Freundin

Das Design der Freundin wirkt insgesamt verspielter: Die Farben sind hell und warm, Ecken werden abgerundet. Einige Elemente verschwinden fast vor fehlendem Kontrast, viele Inhalte bleiben unter dem Fold versteckt, einzelne Felder bekommen dafür viel Raum. Das Design soll offenbar einladend, einfach und übersichtlich wirken.

Herrenzeitschriften

Men's Health

Auf den ersten Blick sind nur die Inhalte bei Men‘s Health geschlechtsspezifisch. Das Design wirkt funktional, die starken Farbtöne für die Rubriken setzen Akzente. Insgesamt ist das Farbschema mit den Grundtönen weiß und beige eher nüchtern – das war es aber auch bei Brigitte.

GQ

So stellt man sich die Startseite eines Herrenmagazins vor: Klare Formen, Ecken und Kanten, dazu eine Farbgebung, die spröder nicht sein könnte. Die Seite weicht stark vom nüchternen Standard-Schema ab und transportiert so ein starkes Image.

Soweit Webseiten, die ein klar definiertes Publikum besitzen. Aber was ist mit weniger klaren Zielgruppen?

Shopping

Otto

Thematisch liegt der Akzent bei Otto klar erkennbar auf Frauen: Alle Models sind weiblich, Modetrends werden mit High Heels beworben. Vor allem in der Navigation tauchen starke Farben auf, ansprechend große Flächen für Angebote und Aktionen dominieren das Design. Die Schrifttypen sind alle serifenlos und rund.

Baur

Auch bei Baur verrät vor allem das Angebot, welches Geschlecht angesprochen wird. Alle Portraits auf der Startseite sind von Frauen, die einzige Mode, die explizit präsentiert wird, sind Pumps. Abstrakt verrät das Design aber keine Vorlieben. Sehr seriös wirkt das Layout und die Farbgebung. Die Rubrikenfarben werden erst durch Mausberührung sichtbar. Ein bisschen Pastellrot taucht rechts auf.

Autos

Autobild

Auch optisch würde die Titelseite der Autobild eher als männlich durchgehen. Sehr nüchtern und farblos würde das Design wirken — wenn da nicht zwei Frauen im Minirock wären, die sehr deutlich ein männliches Publikum ansprechen sollen.

Auto Motor und Sport

Mehr als ein bisschen ähnelt der Auftritt von Auto Motor und Sport dem der Autobild. Das Farbschema ist im Prinzip dasselbe, das Ergebnis auch hier auf den ersten Blick nüchtern und seriös.

Und was lernen wir daraus?
Tatsächlich scheint zu stimmen, was schon 2005 in einer internationalen Studie der University of Glamorgan behauptet wurde: Männer bevorzugen gerade Linien ohne Abrundungen, wollen wenige Farben und förmliche, vor allem gut lesbare Schrifttypen. Der Umkehrschluss scheint bei weiblichem Design zuzutreffen: Hier sind runde Formen besser als eckige, Verzierungen und ornamentale Elemente im Design eindeutig erwünscht. Dünne, serifenlose Schriften werden bevorzugt. Frischere oder auch Pastellfarben sowie etwas mehr Farbtöne insgesamt machen den typischen Look „weiblichen“ Designs aus. Das sind natürlich alles nur grobe Trends. Aber in den Beispielen sind sie zumindest als Tendenz wiederzufinden.

Dass Frauen auch anders designen als Männer, zeigt als Beispiel sehr anschaulich die Webseite des Studios My Graphic Garden. Organisch wirkende, verspielte Designs mit überwiegend hellen Fartbtönen findet man im Portfolio des Studios.

Bei den untersuchten Auto- und Shoppingseiten kann man geschlechtsspezifisches Design noch deutlicher erkennen, als bei Herren- und Damenmagazinen. Da sehen vor allem Freundin und GQ erwartungskonform aus, während sich Men‘s Health und Brigitte optisch zurückhalten. Frauen- und Männermagazine können sich das klischeehaft weiblich und männlich wirkende Design durchaus leisten, hier ist die Zielgruppe klar umrissen. Ob Autoseiten aber mit halbnackten Frauen nicht einen Teil der Kundschaft abschrecken? Ob Shoppingseiten nicht wenigstens untergeordnet auch Männer auf der Startseite unterbringen sollten?

Design signalisiert schnell und unterbewusst, für wen es gedacht ist – das gilt für alle visuellen Elemente. Da wird die Frage wichtig, wer sich vielleicht ausgeschlossen fühlt. ™

Erstveröffentlichung 25.08.2008

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Webdesign

Alte Hüte

Keine Frage, spielerische Sprache ist eine Zutat, die in jeden guten Text gehört. Streng genommen sind wir gar nicht in der Lage, auch nur einen Absatz ohne zu schreiben. Viele der sogenannten Alltagsmetaphern nehmen wir gar nicht mehr wahr. Und oft wissen wir auch nicht genau, warum wir was schreiben – wir orientieren uns an dem, was gut klingt, knackig wirkt, was uns gefällt.

Sich genauer zu überlegen, was man und warum schreibt, hat viele Vorteile. Vielleicht der wichtigste Vorteil ist, dass Sie mit der entsprechenden Wachsamkeit in der Lage sind, anders zu schreiben als andere. Oder platt gesagt, dass Sie nicht genau so klingen wie jeder Ihrer Konkurrenten auch.

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Der einfachste Weg zum Ziel liegt in einer guten Konkurrenzanalyse. Schauen Sie sich die Texte anderer Seiten an und überlegen Sie, was jeder andere auch formuliert.. Dabei geht es nicht darum, sprachliche Allgemeinplätze zu isolieren. Erwartungskonformes Texten ist immer noch wichtig, um schnell verstanden zu werden. Für Homepage, Kontakt und Impressum brauchen Sie keine originellen Namen.

Wonach Sie suchen können, sind jedoch allzu gängige Formen der Pfiffigkeit; jene Witze, über die jedem von uns das Lachen vergangen ist. Ein paar Beispiele:

Haben Sie auch die Nase voll von x und y?
Dämliche rhetorische Fragen gehören bei werblichen Absichten zum Standard. Möglich, dass immer noch jemand darauf hereinfällt. Allerdings nötigen Sie dem Kunden auch auf, sich durch den Text zu kämpfen, der sich mit dem Gegenteil seiner Wünsche beschäftigt. Kommen Sie zur Sache. Sagen Sie, was sie zu bieten haben.

Illustration

Wir lieben super
Discounter aller Art sind in den letzten Jahren mit Boulevardsprache an der Grenze zum Ungrammatischen erfolgreich. Die Regeln der Sprache zu überdehnen, kann tatsächlich als frech und originell wahrgenommen werden. Je nach Publikum wirken Sie damit allerdings eher ungebildet, laut und aufdringlich. Überlegen Sie also gut, welche Assoziationen Sie mit ihrem Sprachgebrauch wecken.

Ich lohne mich wirklich!
Qualitätsbezeugungen vom Hersteller sind billig. Natürlich wollen Sie nicht behaupten, dem Kunden ein schlechtes Produkt anzubieten. Aber entweder, sie haben glaubwürdige Außenstimmen, die sie gern genüsslich zitieren können, oder sie konzentrieren sich besser auf sachliche Gründe, warum sich Ihr Produkt wirklich lohnt.

Preishämmer, geschmolzene Preise und Preis-Infernos
Viele Metaphern sind schon lange überfällig. Manchmal kann es helfen, das allgemein bekannte Bild noch eine Ecke weiter zu strapazieren. Manchmal ist es klüger, die Botschaft bewusst einfach zu halten. Abgelutschte Bilder zwischen diesen Extremen werden schneller verstanden, aber auch schneller vergessen.

Überkracher und einmalige Chancen
Die meisten einmaligen Chancen kommen mindestens einmal monatlich. Vermeiden Sie Superlative, die ohnehin jeder benutzt. Platzieren Sie große Behauptungen nicht auf jeder Seite dreimal, sondern nur da, wo sie wirklich wichtig sind. Das wirkt.

Zarte Versuchungen sind doch nicht blöd.
Vorsicht beim Abwandeln von Werbeslogans, sie werden mit dem assoziiert, was Sie beim Kunden wachrufen. Image und Produktgruppe sollten zu Ihrem Angebot passen. Und hüten Sie sich vor urheberrechtlichen Schwierigkeiten.

Crazy Sprüche aus dem Irrenhaus
Es gibt einen Markt für bewusst dämliche Slogans. Wer über sich selbst lacht, kann um so selbstbewusster und unkonventionell wirken. Ganz schnell wirkt man aber statt dessen unprofessionell und aufdringlich. Und oft sind verrückte Slogans verschenkter Platz für sinnvolle Aussagen.

Ausrufezeichen!
Wenn Ihre Seite schon überladen ist und Sie sich fragen, wie dem Kunden die briefmarkengroße Aktionsfläche rechts oben auf der Seite noch auffallen soll – Großbuchstaben, Fettdruck und Ausrufezeichen sind nicht die Antwort. Viele Webseiten machen auf den ersten Blick blind. Liefern Sie nicht auch noch Text dazu, der diesen Eindruck verstärkt.

Keine dieser Gebrauchswarnungen ist universell gültig. Eine erfolgreiche Webseite orientiert sich am Publikum. Aber die hier genannten Beispiele findet man im Web an jeder Straßenecke. Nicht genau so zu klingen, wie alle anderen auch, ist ein wichtiger Vorteil. Überlegen Sie gut, wie sie das erreichen. ™

Erstveröffentlichung am 08.08.2008

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Webdesign

Bildzwang: wie Agenturbilder Designs zerstören

Webdesign muss gut aussehen. Diese Binsenweisheit verführt dazu, jenseits jeden Nutzens ein paar Agenturfotos hier und da mit auf die Seite zu holen. Schließlich gibt es überall Designer, die gern noch ein paar Details nachlegen. Hier noch eine geballte Faust, da ein Lächeln, hier einen zugeklappten Laptop. Aber hübsche Bildchen sind keine Zutat für gutes Design.

Die nächste Grundregel, die gern ignoriert wird: Jedes Element einer Webseite ist aus gutem Grund da. Wenn eine Webseite allzu klinisch trocken daherkommt, können Fotos tatsächlich eine wichtige Zutat sein, um das Design wärmer und menschlicher wirken zu lassen. Aber jeder Besucher erkennt drittklassige Agenturbilder. Wenn ich persönlich jubelnde Männer in Anzügen, in Unterwäsche surfende Frauen am Notebook oder Büroklammern sehe, dann schaue ich durch den Bildschirm. Solche Bilder transportieren längst überhaupt nichts mehr. Ein paar Beispiele:

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Detailfotos vom Rechner – solange Sie nicht wirklich die kleinen Schrauben verkaufen, die ein Notebook zusammenhalten, haben solche Bilder nichts auf einer Webseite verloren.

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Die Businessfrau – gern von hübschen Frauen angelächelt werden sicher die meisten männlichen Surfer. Aber dieses Motiv ist so überstrapaziert, dass es einfach nicht mehr auffällt.

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Die hinter dem Kopf verschränkten Arme des erfolgreichen Businesstypen haben wir schon oft gesehen. Was ist die Botschaft? Hat der Herr ein gutes Deodorant? Hier in Kombination mit der beliebigen, professionellen Besprechung haben wir zwei Bilder, die man auch vertauschen könnte. Der Informationsgehalt würde immer noch gegen Null gehen.

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Ganz ähnlich: Nur die Grafik in der Mitte hat erkennbar etwas mit der Überschrift zu tun. Alle drei Bilder sind allerdings so klein, dass nicht viel kommuniziert wird; außer, dass die Webseite überläuft. Der hier verschenkte Platz wäre für guten Text besser eingesetzt. In der kleinen Größe wären stark typisierte Grafiken möglich, Fotos verlieren jede Individualität.

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Traurig aber wahr: Dieses Beispiel ist von einer Webseite, die Webdesign anbietet. Ob man das mit viermal demselben Foto eines Notebooks und zwei nichtssagenden Agenturbildern erfolgreich kann?

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Mit dem Bild könnte man alles, was irgendwie mit dem Netz zu tun hat, illustrieren: Die Hand an der Maus, der Blick auf den Bildschirm. Das Bild sagt weniger aus als der Text, ist aber viel prominenter. Die Überschrift hat tragischer Weise weder mit Bild, noch mit Text erkennbar etwas zu tun.

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Doch, das ist ein klarer Zufall. Das offenbar werbliche Angebot verstehe ich nicht einmal. Das Foto wirkt gestellt. Detailliert kann man die Gesichtsausdrücke nicht erkennen. Im Briefmarkanlayout von web.de geht das Motiv völlig unter.

Wie macht man es besser?
Woran erkennt man also gute Fotos? Statt nun gute Beispiele zu zeigen, will ich versuchen, ein paar bestimmende Merkmale aufzuzeigen. Die klingen mehrheitlich banal. Aber ganz offensichtlich gehört es zum Alltag, diese Grundregeln zu ignorieren.

Schnell erfassbar
Der Größe und Position auf der Seite angemessen muss ein Foto sofort wirken. Je kleiner, desto einfacher und eindeutiger muss ein Motiv sein. Solange die Webseite nicht gerade verwirren soll, oder Fotos als Selbstzweck ausstellt, darf ein Foto den Blick auf die Seite nicht verstellen.

Mit dem Text zusammenarbeiten
Die wenigsten Bilder sprechen ganz für sich. In der Regel tauchen sie zusammen mit Text auf. Und da muss die wechselseitige Beziehung stimmen. Entweder, ein Bild stützt, modifiziert oder erweitert die Aussage des Textes – oder es ist fehl am Platz. Unter idealen Bedinungen müsste man gleichzeitig Bilder auswählen und texten. Das eröffnet bessere Möglichkeiten, beides als Einheit zu komponieren.

Erkennbar anders
Die oben gezeigten Beispiele sollen etwas verdeutlichen, das noch nicht bei jedem Designer angekommen ist: Motive können auch überstrapaziert werden. Schnell sieht man so aus, wie ein kostenloses Anzeigenblatt. Suchen Sie die Balance zwischen Individualismus und Erwartungskonformität.

Aus einem Guss
Oft nicht möglich, aber um so schöner, wenn es gelingt: Bilder gehen auf einer Webseite untereinander eine Beziehung ein. Meist ist die beliebig, aber gute Designer mit guten Ressourcen können darauf achten, dass Proportionierung, Stil, Bildsprache, vielleicht sogar das Farbschema ineinander greifen. Beim Rückgriff auf Agenturbilder ist das schwer zu erreichen. Wenn aber Gesichter auf einer Seite in etwa einem Maßstab folgen, Kleider das Farbschema der Seite aufgreifen und die Motive einem gewissen Rhythmus folgen, dann wirkt das sehr elegant.

Alles oder nichts
Auf einigen Webseiten herrscht ein erkennbarer Bildzwang. Das ist schade. Denn ein gutes Design kann grundsätzlich auch ohne Bilder funktionieren. Und Reduktion hilft ebenfalls weiter. Ein gutes, zentral platziertes Bild sagt eine Menge aus. Wenn dagegen jede Rubrik mit Agenturbildern illustriert wird, dann leiden Übersicht, Nutzbarkeit, letztlich das ganze Design der Seite. Tausend Bilder sagen manchmal weniger, als ein Wort. Widerstehen Sie im Zweifelsfall.

Erstveröffentlichung 25.07.2008

Kategorien
Webdesign

Navigation: Gut durchgedacht?

Über die Navigation auf Websites ist bereits viel gesagt worden. Das ändert nichts daran, dass bestimmte Fehler immer noch x-fach zu finden sind. Auch (und gerade), was den Text betrifft. Warum eigentlich? Eine Revue und ein paar Tipps, wie es besser ginge.

Usability zu predigen, ist meist eine einfache Beschäftigung; schließlich muss man nicht die Perspektive des Webdesigners einnehmen, der versucht, viele widerstrebende Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Aber gerade bei der Navigation muss immer wieder angesetzt und nachgebessert werden. Kann man sich auf einer Site nicht zielgerichtet und schnell bewegen, scheidet sie ganz schnell aus. Aber was leistet eine gute Navigation?

Von herkömmlichen, vorrangig technischen und optischen Kriterien zur Gestaltung einmal abgesehen, gibt es ein weites Feld, dass in der Praxis immer wieder stiefmütterlich behandelt wird: den Text. Viele der Faustregeln und Erfahrungen, auf die man als Webdesigner zurückgreifen kann, sind ganz banal und schon oft gesagt. Vielleicht kann man sie deswegen so leicht übersehen? Das will ich keinem Profi unterstellen. Aber erstens wird wohl zu oft versucht, allzu widerstrebende Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, wo harte Entscheidungen nötig geworden wären. Zweitens kennt jeder, der länger eine Website betreut hat, die Gefahr aufkommender Betriebsblindheit. Hier kommt noch ein Button dazu, dort noch zwei Links, und plötzlich sieht die Navigation der eigenen Website so aus:

Faz.net
Faz.net: So viele Links, so wenig Platz

Was also muss Navigation leisten? Vier Antworten:

Sie ist eindeutig
Jeder Begriff muss sofort verständlich sein. Ob er das ist, lässt sich nicht an sich bestimmen. Der jeweilige Kontext muss beachtet werden. “Hilfe” als Link ist etabliert und prima. Wenn Sie allerdings auch noch “So kaufen Sie bei uns ein” und “F.A.Q.” daneben stehen haben, wissen viele Besucher nicht mehr, wo sie hinklicken sollen. Im Zweifelsfall scheint es besser, die verschiedenen Bereiche unter einem Begriff zusammenzufassen. Das ist gerade bei der Hilfe ein wichtiger Tipp, schließlich klicken dort meist Leute hin, die mit Ihrer Site ohnehin nicht zurechtkommen.

StudiVZ
StudiVZ: Wo ist der Unterschied zwischen Einloggen und Immatrikulieren? Brauche ich dazu jetzt Hilfe oder will ich endlich Klartext hören?

Ähnlich gefährlich und nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt: Icons. Fragezeichen, Einkaufswagen, Briefumschläge — das sind Icons, die in der Regel verstanden werden. Was aber zwei Strichmännchen nebeneinander bedeuten, oder was eine Radarschüssel in der Navigation verloren hat, versteht niemand auf Anhieb.

Sueddeutsche.de
Sueddeutsche: Graue Männchen im ‚Sued-Café‘

Eine beliebte Technik, um Platz zu schaffen, sind Aufklappmenüs. Auftraggeber schwören oft auf den vermeintlichen Schick, der mit ihnen einhergeht. Ein ganz offensichtliches Problem wird dabei nicht genug berücksichtigt: Wir sehen mit den Augen, nicht mit dem Mauszeiger. Rollover-Effekte müssen klar gekennzeichnet werden und haben generell nichts auf Websites verloren, deren Besucher womöglich nicht technisch versiert sind. Nie sollte ein wichtiger, gesuchter Linktext hinter einem nichtssagenden Überbegriff versteckt werden. Und oft sind die schicken Menüs umständlich in der Bedienung.

Otto
Otto: Hektische, schwer manövrierbare Aufklappmenüs für geduldige Hausfrauen

Sie ist in sich schlüssig
Eine Website führt das Gespräch mit ihrem Besucher. Welchen Ton sie dabei anschlägt, ist wichtig. Besonders, wenn mehrere Personen texten, sind genaue Absprachen zum Stil unbedingt nötig. Sonst wirken Sie im besten Fall unprofessionell. Natürlich gilt das auch für Links. Anglizismen sind zwar oft ein beliebtes Mittel, kürzere Wörter einzusetzen, aber auf einigen Websites verbietet sich der Einsatz. Gleiches gilt für Kürzel (”FAQ” ist immer noch gefährlich) und für Umgangssprache.

Beliebt (und auf komplexeren Sites durchaus sinnvoll) ist die Verwendung von gleich drei oder mehr Navigationsbereichen auf einer einzelnen Seite. Metanavigation rechts oben, Hauptpunkte in einer Kopfzeile, und Navigation für die aktuelle Rubrik in der linken Spalte — das ist ein Standard. Wenn sich allerdings bestimmte Links nicht klar zuordnen lassen und womöglich an mehreren Stellen landen, oder wenn die Zahl der Bereiche noch weiter aufgebläht wird, würde ich nach Möglichkeit harte Schnitte vorschlagen oder zumindest Tests mit der Zielgruppe, um herauszufinden, ob irgend jemand das noch bedienen kann.

Yahoo
Yahoo: Platz sparen, indem man die Hilfe in der Fußleiste versteckt?

Die Mehrfachnennung von Links, besonders der Hilfe, hat nicht nur Vorteile. Klar, dass der Besucher einen Link schneller findet, wenn der dreimal auf der Seite auftaucht. Aber sind die Links nicht klar als exakt dieselben zu erkennen (und das kann schon an der Schriftgestaltung scheitern), dann halten viele inne und versuchen vergeblich, den “richtigen” Link zu erkennen.

BOL
BOL: Ist die Dame oben Trixie? Soll ich nicht doch lieber rechts oben klicken?

Sie ist gut gewichtet
Ein Schlüssel in der richtigen Gewichtung der Links liegt darin, effektiv zwischen Nutzergruppen zu unterscheiden. Glücklich ist, wer zum Beispiel per gesetztem Cookies zwischen neuen und Stammbesuchern unterscheiden kann und entsprechend beide mit unterschiedlich gewichteten Navigationen empfängt. Auch ohne Cookies setzen viele Sites darauf, Möglichkeiten zur Bestellungsverfolgung, Kontoverwaltung und Anmeldung in der Metanavigation rechts oben zu verstecken.

Darüber hinaus haben es aber Sites mit großem Inhalts- oder Warenangebot oft schwer, eine logisch nachvollziehbare Gewichtung zu erreichen. Natürlich sollten beim anstehenden Redesign die Zugriffszahlen für bestimmte Bereiche eine große Rolle spielen. Beliebte Inhalte müssen dem Besucher sofort entgegen lachen. Aber die innere Logik der Navigation sollte den Highlights nicht einfach geopfert werden.

Alice
Alice: “Box” und “Office” erklären sich nicht von selbst.

Wer einen eShop betreibt, möchte nicht einfach einen Link auf “Produkte” setzen. Die Zahl der Klicks zum Ziel sollte so niedrig wie möglich gehalten werden. Gerade hier sind aber keine idealen Lösungen zu erwarten. Usertests und regelmäßiges, vorsichtiges Nachbessern gehören dazu. Im Zweifelsfall müssen Elemente von der Startseite verschwinden, um mehr Übersicht zu schaffen. Was helfen populäre Produkte, Empfehlungen anderer Nutzer, Spezialaktionen und und Sonderangebote, wenn das Hauptsortiment nicht schnell und einfach zu erkennen ist?

Quelle
Quelle: Vom Nutzen erschlagen

Ganz besondere Vorsicht ist mit auffälliger Werbung in unmittelbarer Nähe der Navigation geboten. Sie untergräbt jede Übersicht. Natürlich geht es oft nicht ohne sie. Wer aber mehr schaffen möchte als ein suchmaschinenoptimiertes Sprungbrett und gern Besucher hätte, die wiederkommen, sollte hiervon die Finger lassen.

Sie ist schnell erfassbar
Doch ein paar Anmerkungen zur Typographie: Warum durchgängig groß- oder kleinschreiben? Der Mix ist übersichtlich und hilft, wichtige Wörter schnell zu erfassen. Auch keine Entschuldigung gibt es für Seiten, die den Text der Navigation zu klein machen (am ‚besten‘ noch als Grafik in fester Größe). Auch genügend Freiraum um die Navigation und ordentlicher Kontrast sollten ganz selbstverständlich sein. Ist es aber immer noch nicht.

Web.de
Web.de: Die Navigation im Kopfbereich ist so zurückhaltend, dass man sie gleich ganz weglassen könnte

Einen guten Grund sollte haben, wer auf bewährte Standards der Linkbenennung verzichtet. Die Startseite etwa sollte auch ‚Start‘ oder ‚Home‘ heißen, der Shop nicht unbedingt “Einkaufen” oder “Unser Sortiment”, sondern vielleicht einfach “Shop”. Sprachliche Originalität ist schön und gut; in der Navigation hat sie jedoch nichts verloren. Die Erwartungshaltung der Besucher ist bei allen Websites, die einen kommerziellen Hintergrund haben, das Killerkriterium.

Dreimal hinschauen
Kaum ein Webdesigner könnte die meisten dieser Regeln nicht eigentlich herunterbeten. Sie an die Pinwand zu heften oder sie zumindest regelmäßig an der eigenen Arbeit durchzugehen, ist aber eine Notwendigkeit. Regelmäßig überseht man irgend etwas. Oder man setzt falsche Prioritäten. Aber die Nutzbarkeit sollte in Kernbereichen (wie eben der Navigation) vorgehen. Kreativ werden oder experimentieren kann man immer noch anderswo. ™

Erstveröffentlichung 26.10.2007