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Firmenwikis: Entscheidungskriterien und wichtige Fragen bei der Auswahl von Wiki-Software

Wikis für den Einsatz im Unternehmen sind inzwischen sehr ausgereift, sowohl im kommerziellen als auch im Open-Source-Bereich. Dieser Artikel dient als Entscheidungshilfe für die Auswahl eines für die eigenen Zwecke am besten geeigneten Wiki-Systems.

Entscheidend bei der Beurteilung von Wiki-Systemen ist, dass man sich über die Anforderungen an das System klar wird – dies ist der erste und wichtigste Schritt. Anhand der zahlreichen Kriterien und Faktoren Ihres Leistungskatalogs können Sie beurteilen oder abschätzen, ob bestimmte Systeme diese Anforderungen erfüllen.

1. Open-Source-Software oder kommerzielles Firmenwiki?

Grundsätzlich sollte zwischen quelloffenen, kostenfreien Open-Source-Wikis und kommerziellen Systemen unterschieden werden. Setzt das Unternehmen gerne auf Open-Source-Software? Das ist beileibe keine Ausnahme: Im Open-Source-Bereich gibt es professionelle, ausgereifte Systeme, hinter denen große, engagierte Communities stehen. Und Open Source ist eben „sexy“. Oder ist Open-Source-Software generell zu vermeiden? Auch das ist keine Seltenheit und absolut legitim. In vielen Unternehmen gibt es jedenfalls eine klare Tendenz in diese oder jene Richtung.

2. Preis?

Ist das Unternehmen bereit, Lizenzgebühren für ein Wiki zu entrichten? Welche Gebühren fallen für welches System an? Bei kommerziellen Systemen sollte man nicht nur die Kosten der Software selbst, sondern auch die Folgekosten für den Support sowie für kostenpflichtige Plug-ins berücksichtigen, sofern man diese benötigt.

3. Sind hochwertige Plugins verfügbar?

Die Erweiterungen machen Wikis erst zu richtigen Firmenwikis. Werden abzubildende Prozesse von geeigneten Erweiterungen unterstützt? Sind diese Plugins ausgereift? Hier müssen die verfügbaren Erweiterungen auf Stabilität und Qualität geprüft werden.

4. Existiert eine aktive Community?

Es ist wichtig, dass Firmenwiki-Software weiterentwickelt wird. Enterprise 2.0 ist ein rasant wachsendes Feld, in dem sich immer neue Anforderungen und Möglichkeiten auftun. Wenn es keine Entwicklungsgemeinde gibt, die Trends aufgreift und Leistungswünsche nachvollzieht, ist ein System schnell veraltet. Ist ein kostenloser Support durch die Community – wie bei vielen Wikis üblich – gewährleistet? Wie viele verschiedene Dienstleister gibt es und wie ist die Qualität und Wissenstiefe dieser Dienstleister?

5. Handelt es sich bei dem Wiki um eine anerkannte Lösung?

Kein Unternehmen möchte unbedingt das erste sein, das herausfindet, dass eine scheinbar innovative neue Lösung gar keine ist. Firmenwikis gibt es seit 1998. Es ist wirklich ratsam zu schauen, wer im Markt etabliert und angesehen ist. Hier spielen Referenzen und Erfahrungen von anderen Unternehmen und Dienstleistern mit Wiki-Expertise eine große Rolle.

6. Verwendete Technologie?

Welche Programmiersprache kommt zum Einsatz (z.B. Java, Perl, PHP)? Arbeitet das Wiki auf Basis einer Datenbank (z.B. mySQL etc.) oder mit Dateien? Soll das Wiki in eine universelle Unternehmenssuche integriert werden? Welche Ansprüche an Performanz und Skalierbarkeit bestehen? Hier stellt nicht selten die IT bestimmte Bedingungen. Die Praxis zeigt allerdings, dass Anforderungen wie „Nur Java!“ oder „Auf jeden Fall mySQL!“ im Wiki-Tagesgeschäft und auch für die Systemadministration später keine Rolle spielen.

7. Funktionalitäten des Systems?

Der Funktionsumfang ist ein entscheidendes Kriterium: Das Wiki soll Unternehmensprozesse abbilden und muss die Anforderungen erfüllen können, die sich aus der täglichen Arbeit ergeben. In die Evaluation von Funktionalitäten sollte man nicht zu wenig Zeit investieren. Verfügt das System über ein durchdachtes, flexibles Berechtigungskonzept? Können Wiki-Bereiche angelegt werden? Kann das Wiki beispielsweise Tabellen, Charts usw. abbilden? Verfügt das System über einen nativen WYSIWYG-Editor? etc.

8. Usability und Design?

Die Mitarbeiteraktivierung und die Generierung einer kritischen Masse von Nutzern sind Erfolgsfaktoren bei der Wiki-Einführung. Mitarbeiter sollen tagtäglich (und gerne) mit dem Wiki arbeiten und es als festen, integrierten Bestandteil der Infrastruktur wahrnehmen. Erfüllt die Software also zentrale Usability-Standards? Ist die Oberfläche einfach bedienbar? Ist das Layout des Wikis an das Corporate Design des Unternehmens anpassbar? Wie aufwändig ist die Administration?

9. Anspruch an das Projekt?

Soll das Firmenwiki nur abteilungsintern oder flächendeckend eingesetzt werden? Handelt es sich um einen „Testballon“ auf Initiative eines Bereichs oder um einen Unternehmensbeschluss zum großflächigen Rollout? Wie hoch ist die voraussichtliche Anzahl der User? Skalierbarkeit und die Voraussetzungen für eine reibungslose Integration in die bestehende IT-Infrastruktur spielen eine wesentliche Rolle bei der Wiki-Einführung.

10. Migrierbarkeit der Daten?

Viele Unternehmen möchten bzw. müssen sich die Option offen halten, ihre Daten später umzuziehen und in andere Systeme zu übertragen. Können die Daten also möglichst automatisiert in ein anderes System migriert werden? Wie aufwändig ist der Umzug?

11. Bietet das Wiki eine einfache Systemadministration?

Entscheidend für eine einfache Systemadministration sind schnelle Backups, unkompliziert einzuspielende Updates oder kurzfristige Reaktionsmöglichkeiten auf Exploits. Auch die Lauffähigkeit unter verschiedenen Betriebssystemen muss bei der Evaluation geprüft werden.

Erfahrungsgemäß spielt der Faktor Technologie nicht die wichtigste Rolle bei einem Wiki-Projekt (erfolgskritisch sind vielmehr die organisatorischen Maßnahmen), zu vernachlässigen ist er aber keinesfalls. Es ist wichtig, im Vorfeld einer Wiki-Einführung die eigenen Anforderungen genau zu analysieren und herauszufinden, welches System die abzubildenden Prozesse optimal unterstützt.

(mm),

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Eye-Tracking: Möglichkeiten, Grenzen und Anwendung

Im Zusammenhang mit nutzerbasierter Usability-Forschung stößt man immer wieder auch auf die Ergebnisse von Eye-Tracking-Studien, die zweifellos wichtige Erkenntnisse liefern. Was kann Eye-Tracking nun? Und was kann Eye-Tracking nicht? Und wie ist Eye-Tracking im konkreten Usability-Projekt anwendbar? Ein Überblick.

Ähnlicher Testaufbau wie beim User-Test

Im Hinblick auf den eigentlichen Testaufbau unterscheidet sich eine Eye-Tracking-Studie nicht grundsätzlich von einem User-Test: Wie bei einer nutzerbasierten Usability-Studie werden Probanden rekrutiert und eingeladen, es findet eine Eins-zu-eins-Situation zwischen Testteilnehmer und Versuchsleiter statt, der Nutzer erfüllt bestimmte, im Vorfeld definierte Aufgaben und wird bei seinen Aktivitäten beobachtet, es werden Daten aufgezeichnet und ausgewertet.

Bei einem User-Test sind das der Bildschirm und die dort stattfindenden Aktivitäten und Eingaben. Der User selbst wird bei seiner Arbeit per Video aufgenommen, zusätzlich zeichnet ein Mikrofon alle Äußerungen des Teilnehmers auf, der animiert wird, die Methode lauten Denkens anzuwenden. Darin liegt das große Potenzial eines klassischen User-Tests: Die Probanden arbeiten nicht einfach mit der Anwendung, sondern kommentieren ihr Vorgehen, weisen auf Probleme hin, kommunizieren, was ihnen bei der Arbeit positiv und negativ auffällt, schlagen mitunter selbst Lösungsansätze vor etc.

Bei einer Eye-Tracking-Studie kommt nun eine weitere Datenquelle hinzu: Die Augenbewegungen und Blickverläufe des Testteilnehmers auf dem Bildschirm werden von einem Eye-Tracker registriert, man erhält also Informationen darüber, was der Nutzer fixiert und worauf sich seine Aufmerksamkeit fokussiert.

Stark verbesserte Hardware

Dazu ist eine sehr sensible Eye-Tracking-Hardware nötig, die aber in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen hat und deutlich besser geworden ist. Die Zeiten, in denen sich die Probanden wie Teilnehmer einer medizinischen Versuchsreihe fühlen und eine ziemlich bizarre Apparatur mit Helm und Brille tragen mussten, die eine normale Nutzung kaum erlaubt hat, sind jedenfalls vorbei.

Mit modernen Eye-Trackern haben Nutzer inzwischen vergleichsweise viel Bewegungsfreiheit, können sich problemlos um 20 oder 30 Zentimeter vor- oder zurückbeugen, das Tragen von Kontaktlinsen ist kein Problem mehr, die Kameras, die die Augenbewegungen erfassen, sind kaum als solche zu erkennen. Insofern haben sich die Testumgebungen stark verbessert und sich realen Nutzungssituationen deutlich angenähert.

Problem: Methode lauten Denkens nicht anwendbar

Modernes Eye-Tracking-Equipment bietet dem Probanden also einen gewissen Bewegungsspielraum, aber sicherlich keine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit im Kopfbereich. So kommt man auch zum grundsätzlichen Problem: Die Kombination aller oben genannten Methoden im Rahmen einer Test-Session ist schwer möglich.

Wenn bei einem Eye-Tracking-Test die Methode lauten Denkens zum Einsatz kommen soll, verfälschen natürliche Kopfbewegungen beim Sprechen die Ergebnisse; wenn der Nutzer darüber nachdenkt, wie er etwas ausdrücken soll, und dabei den Bildschirm betrachtet, hat dies zweifellos Einfluss auf die Blickverläufe. Es ist kaum gangbar, den Probanden anzuweisen, eine konkrete Aufgabe zu erledigen und währenddessen ständig zu kommunizieren, was ihm durch den Kopf geht, und zudem noch seine Blickverläufe aufzuzeichnen. Sobald der Test-Teilnehmer zu reden beginnt, besteht nicht mehr die gewünschte klassische Nutzungs- und Laborsituation. Deshalb kann bei Eye-Tracking-Studien die Methode lauten Denkens praktisch nicht angewendet werden.

Das ist das Kernproblem und ein elementarer Unterschied zu einem klassischen User-Test. Die Testumgebung ist im Grunde die gleiche, doch mithilfe einer zusätzlichen Apparatur werden zusätzliche Daten gesammelt – diejenigen Daten, die für die Identifikation von Usability-Problemen ungleich wichtiger sind, können im Rahmen dieses Testaufbaus jedoch nicht erfasst werden.

Wann sind Eye-Tracking-Studien sinnvoll?

In der Regel laufen Eye-Tracking-Tests aus den gerade genannten Gründen so ab, dass Testteilnehmer keine fest definierten, spezifischen Workflows innerhalb einer Anwendung durchlaufen, sondern nur sehr allgemeine Aufgaben erfüllen sollen – beispielsweise wird der Nutzer gebeten, sich die Startseite einer Website anzusehen. Als Ergebnis erhält man zwar eine recht eindrucksvolle Heat-Map, aus der hervorgeht, was der Nutzer fixiert hat und wie intensiv, doch die Usability-Probleme der Anwendung werden so kaum aufgedeckt. Deshalb ist Eye-Tracking häufig auch nicht sehr effektiv.

Wann Eye-Tracking sinnvoll ist, entscheidet sich im Einzelfall. Stellen wir dennoch eine Zahl in der Raum: Ich bin davon überzeugt, dass in 90% aller Fälle ein klassischer User-Test für die Verbesserung der Usability einer Web- oder Intranet-Anwendung sinnvoller ist als eine Eye-Tracking-Studie.

Gewiss möchte niemand dem Eye-Tracking die Daseinsberechtigung absprechen, die Anwendungsfälle sind, wie erwähnt, aber sehr speziell. Sinnvoll eingesetzt können diese Tests wertvolle Erkenntnisse liefern. Einige beispielhafte Fragen, auf die sich mithilfe von Eye-Tracking-Analysen gute Antworten finden lassen, lauten:

  • Wo muss ein Banner platziert werden, damit ihn möglichst viele Nutzer registrieren?
  • Welche von vielen Elementen auf einer Seite werden überhaupt gesehen und welche gehen unter?
  • Fixieren Nutzer Elemente in einer Reihenfolge, die für das Verständnis wichtig bzw. optimal ist?
  • Wird in Design A ein wichtiges Element besser wahrgenommen als in Design B?

Grundsätzlich kann Eye-Tracking sicherlich sinnvoll und erkenntnisbringend eingesetzt werden, gerade in den Bereichen Pre-Testing und Marktforschung. Im Hinblick auf die Testergebnisse ist aber eine Differenzierung notwendig.

Differenzierung: Messung von Aufmerksamkeit, nicht von Wahrnehmung

Beim Eye-Tracking wird Aufmerksamkeit gemessen, nicht Wahrnehmung: Es wird zwar aufgezeichnet, wo Probanden hinsehen, jedoch nicht, ob Informationen verarbeitet werden. Dass der Nutzer einen Bereich betrachtet, bedeutet nicht, dass er auch Inhalte liest.

Als Indikator für die Wahrnehmung gilt unter Eye-Tracking-Befürwortern zwar die sog. Fixationsdauer: Hier setzt man voraus, dass die Dauer der Fixierung und die Verarbeitungstiefe in einem direkten Zusammenhang stehen.  Diesem Argument entgegnen Psychologen allerdings, eine längere Fixiationsdauer ließe keine Rückschlüsse darauf zu, ob positive oder negative Emotionen beim Betrachter geweckt werden. Außerdem würden psychophysische Tests keine Erkenntnisse über die (gerade für die Werbung wichtige) Erinnerungsstärke liefern – Fixationsdauer hin oder her.

Fazit: User-Tests sind die beste Alternative, Eye-Tracking kann ergänzen

Im Rahmen der Usability-Forschung spielen Eye-Tracking-Studien unbestritten eine wichtige Rolle: Vor allem für das Forschungsfeld Mensch-Maschine-Interaktion sind Erkenntnisse beispielsweise über das sog. F-Muster sehr interessant und wichtig. In konkreten Projekten eignet sich Eye-Tracking zur Analyse spezifischer Anwendungen und Websites (die ja sehr komplex sind) aber selten und kann höchstens eine ergänzende Funktion einnehmen. Um die Usability-Probleme einer Software aufzudecken, ist der klassische User-Test in aller Regel die empfehlenswerte und beste Alternative.

In Zusammenarbeit mit Sebastian Preuss

(mm)

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Kommunikationswege im Unternehmen und ihre sinnvolle Nutzung

Ko-Autor: Matthias Rauer

Mittlerweile zeichnet sich die Kommunikationslandschaft bei vielen Unternehmen durch eine Vielzahl von möglichen Kommunikationswegen aus, mit deren Hilfe Kommunikation kanalisiert und ihre Effizienz erhöht werden soll und kann. Die Herausforderung besteht darin, auch tatsächlich eine Effizienzsteigerung der internen Kommunikation zu erreichen.

Neben der persönlichen Absprache vor Ort im Büro und per Telefon sowie der ebenfalls klassischen (und häufig missbrauchten) Kommunikation per E-Mail haben sich weitere Kanäle in vielen Unternehmen längst durchgesetzt: Instant Messaging, interne Micro-Blogs, Wikis und Weblogs.

Fragen wir also nach der Relevanz und der sinnvollen Nutzung der internen Kommunikationsmöglichkeiten. Es hat sich bewährt, hierbei grundsätzlich die Faktoren Dringlichkeit und Dauer bei der Relevanz von Informationen zu berücksichtigen:

Sinnvolle Fragen

Um eine sinnvolle, effiziente Nutzung dieser Kanäle zu erreichen, sollte sich also jeder Mitarbeiter, der Kollegen Inhalte kommunizieren möchte, zunächst immer einige Fragen stellen:

  • Welche Antwort sollte ich wo posten?
  • Muss beziehungsweise darf ich meinen Kommunikationspartner jetzt wirklich stören?
  • Wie dringend ist meine Nachricht eigentlich tatsächlich für die anderen?
  • Wer sind die Adressaten? Wer muss, wer darf sie lesen?
  • Ist es eine Information mit kurzer Lebensdauer oder ist sie längerfristig relevant?
  • Mit welchem Tool kann ich arbeiten, um welchen Kanal zu nutzen?

Effiziente Nutzung von Kommunikationskanälen

Telefon
Wenn eine Angelegenheit oder eine Anfrage höchste Priorität hat, sehr dringlich und eine persönliche Klärung unbedingt notwendig ist, sollte man zum Telefon greifen. Bei einem Telefonat wird der Adressat direkt angesprochen. Diese Form der Kommunikation hat für das Wissensmanagement keinen langfristigen Wert, da sie nicht dokumentiert wird.

Instant Messaging
Ähnlich wie beim Telefonanruf spricht man beim Instant Messaging jemanden direkt an beziehungsweise stört ihn unmittelbar. Für das Instant Messaging sollte man sich bei Nachrichten entscheiden, die dringend und langfristig eher irrelevant sind und kurz und knapp gehalten werden können.

  • „Schau Dir mal bitte dieses Ticket an: <Link>. Das Zwischenergebnis sollen wir morgen kommunizieren. Wie steht es damit?“
  • „Im heute veröffentlichten Blog-Artikel wird die Grafik nicht dargestellt. Kannst Du das bitte rasch beheben?“

Tools, die sich in Unternehmen etabliert haben, sind Jabber-Clients (zum Beispiel Psi oder Adium, iChat) oder Skype.

E-Mail
Auch bei der E-Mail-Nutzung sprechen wir den oder die Adressaten direkt an, die E-Mail ist ein Push-Medium. Nachrichten, die per E-Mail übermittelt werden, haben eine geringere Dringlichkeit als solche, für die ein Telefonanruf oder Instant Messaging angebracht ist. Der Sender erwartet in der Regel eine Antwort innerhalb eines Zeitkorridors von zwei Stunden bis maximal zwei Tagen.

E-Mails eignen sich für Informationen, die für einen beschränkten Nutzerkreis oder eine Einzelperson relevant sind, für Inhalte, die zwingend alle Mitarbeiter zur Kenntnis nehmen sollen, und auch für flüchtige Infos, die nur in diesem Augenblick relevant sind. Exemplarische Beispiele sind:

  • „Ich habe ein Problem mit meinem Rechner, das (bei Gelegenheit) gelöst werden soll.“
  • „Im Projekt müssen unbedingt ab sofort alle Einbuchungen wie folgt aussehen, wie es hier im Wiki dokumentiert ist: …“
  • „Eine wichtige Information zur Unternehmensstrategie 2010 findet Ihr im Wiki unter …“
  • „Da ist ein Päckchen für Dich angekommen.“
  • „Anbei finden Sie das besprochene Angebot …“

Bei E-Mails, die ein konkretes Projekt betreffen, besteht immer das Problem, dass Beteiligten, die erst später dazu stoßen, vorherige E-Mails und die darin enthaltenen Informationen nicht zur Verfügung stehen. Auch im Hinblick auf die Archivierung von Inhalten ist die E-Mail-Kommunikation problematisch – letztlich ist jeder selbst dafür verantwortlich, was er mit der E-Mail macht. Gängige E-Mail-Tools sind Outlook, Exchange, Lotus Notes, Mail, Thunderbird und Zimbra.

Jira
Jira von Atlassian ist das wohl mächtigste Aufgaben-Management-System für Unternehmen. Grundsätzlich gehören Aufgaben nicht in E-Mails: Stattdessen sollte immer ein Jira-Ticket angelegt werden. Optional kann dann zusätzlich aus Jira heraus noch der Vorgang per E-Mail an den Bearbeiter mit der Bitte um Erledigung verschickt werden. Jira ist ein Pull-Medium, sofern die E-Mail-Benachrichtigungen über neue Aufgaben standardmäßig deaktiviert werden. Die E-Mail-Kommunikation im Zusammenhang mit Jira sieht im Optimalfall beispielsweise so aus:

  • „Kannst Du bitte folgende Aufgabe für mich erledigen? Das Ticket ist hier …“
  • „Die neuen Infos zur Aufgabe habe ich direkt im Jira-Vorgang hinterlegt, siehe …“

Micro-Blog
Ein Micro-Blog (beispielsweise auf Basis von StatusNet, Communote oder Yammer) eignet sich einerseits für Nachrichten mit einem gewissen Informationsgehalt, welcher auch noch in der Zukunft gegeben ist. So empfiehlt sich die Nutzung des internen Micro-Blogs

  • für Nachrichten, die nicht unbedingt von allen Empfängern sofort gelesen werden müssen,
  • zur Erfassung von Informationen, die längerfristig relevant sind und die schnell und unkompliziert veröffentlicht werden sollen,
  • für Informationen, die öffentlich sind.

Andererseits ist der Micro-Blog auch die optimale Plattform für die bekannten (und für die meisten Empfänger irrelevanten und lästigen) An-alle-Informationen, die nach wie vor häufig per E-Mail kommuniziert werden und die nicht unmaßgeblich zur E-Mail-Flut in Unternehmen beitragen:

  • „XY ist krank und isst heute nicht mit. Eine Portion Lasagne wartet auf einen Nachzügler.“
  • „In der Küche ist eine Pizza angekohlt. Ich habe den Ofen jetzt ausgemacht.“
  • „Zur Erinnerung: Nächste Woche bin ich im Urlaub und hier sind die Vertretungsregelungen samt Statusberichten.“

Ein Vorzug von internen Micro-Blogs besteht darin, dass Nachrichten archiviert werden und durchsuchbar sind. Durch die Verwendung von Gruppen werden zudem wichtige Nachrichten von weniger wichtigen getrennt und an spezifische Empfängerkreise kommuniziert. Auch im Pull-Medium Micro-Blog besteht eine Holschuld, der Abruf kann aber zum Beispiel via RSS-Feed oder E-Mail-Digests automatisiert werden. Diese Informationen sind charakteristisch für die Abbildung im internen Micro-Blog:

  • Zwischenstände in Projekten mit Links
  • Persönliche Nachrichten mit wenig Relevanz beziehungsweise geringer Wichtigkeit („Lecker, heute gibt’s Klöße zum Mittagessen!“, „Alles Gute zum Geburtstag, lass Dich schön feiern!“)
  • Innovationen im Internet: Websites, Technik, Funktionen, Hardware
  • Vertriebserfolge („Kunde XY hat beauftragt!“)
  • IT-Logbuch
  • Projektlogbücher

Generell müssen Projekte im Wiki dokumentiert werden. Projektbezogene Kurzinformationen, die aktuell relevant sind – wie zum Beispiel Notizen aus Telefonaten, Bugs et cetera – werden allerdings via Micro-Blogging erfasst und im Wiki durch Integration der Micro-Blog-Gruppe angezeigt.

Wiki
Weiterführende Informationen, Dokumentationen, Konzepte und Know-how, das von dauerhafter Relevanz ist, gehören ausnahmslos ins Pull-Medium Wiki. Diese Inhalte können sicherlich über andere Kanäle wie E-Mail oder Micro-Blog angekündigt werden – zentrales Wissens-Management-System ist jedoch das Wiki. Ausgereifte Wikis für den Einsatz im Unternehmen sind das kommerzielle Confluence und das Open-Source-System Foswiki.

Blog
Im Blog werden in der Regel Erfahrungs- und Projektberichte veröffentlicht, Unternehmens-Know-how geteilt und interessante Trends thematisiert, die mit dem Leistungsportfolio zu tun haben. Bei nicht wenigen Unternehmen dient der Corporate Blog als wichtigster externer Kommunikationskanal, den jedoch auch alle Mitarbeiter regelmäßig lesen und gelegentlich auch kommentieren sollen. Blog-Nachrichten müssen ebenfalls akiv gelesen werden, es empfiehlt sich das Monitoring via RSS-Reader.

Fazit

Die Einführung neuer Kommunikationskanäle hat vor allem das Ziel, die Effizienz der internen Kommunikation und damit die Produktivität im Unternehmen zu erhöhen, denn vielfach werden Informationen per E-Mail kommuniziert, für deren Abbildung andere, viel besser geeignete Systeme zur Verfügung stehen. Firmenwikis, Micro-Blogs und professionelle Aufgaben-Management-Systeme sind zusätzliche Kommunikationskanäle, die – bestimmungsgemäß genutzt – die Unternehmenskommunikation dramatisch verschlanken und zu mehr Effizienz und Produktivität im Unternehmen führen.

(mm), ™

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Inspiration Showcases

Die Top-10 der vielleicht schlechtesten kommerziellen Websites im Netz

An zahllosen Stellen im Web und auch in diesem Magazin ist immer wieder die Rede von der Bedeutung von Usability und der Notwendigkeit eines professionellen Designs für Unternehmen, die im Internet erfolgreich sein und Umsatz generieren wollen. Und man möchte meinen, inzwischen hätten alle Unternehmen zumindest schon einmal davon gehört, dass Nutzerfreundlichkeit und Design Erfolgsfaktoren sind.

Doch weit gefehlt, denn nach wie vor gibt es zahlreiche wahrlich unerschrockene Firmen, die (unfreiwillig) auf Schocktherapie setzen. Wir haben uns einmal umgesehen und stellen Ihnen zehn kommerzielle Websites vor, denen man zu Weihnachten eine Design- und Usability-Beratung schenken sollte – ein Kuriositätenkabinett mit Augenzwinkern. – Die Sites sind ausnahmsweise und mit Absicht nicht verlinkt.

Platz 10: Dinghyinsurance.com

Konservative Zurückhaltung in Sachen Layout ist auf der Website der W. H. Insurance Consultants Trumpf. Den Unterschied macht jedoch das revolutionäre Navigationskonzept: Ein Alleinstellungsmerkmal wird nämlich dadurch geschaffen, dass unterstrichene Wörter hier einmal keine Links sind. Sie müssen schon auf die gelb-schwarzen Buttons klicken. Allein deshalb hat dinghyinsurance.com einen Platz in dieser Liste redlich verdient.

dinghyinsurance.com

Platz 9: Stexps.com

„Back to the Roots“ heißt es auch auf der Website des Sarasota-Tampa-Express. Doch nicht der (fast) konsequent durchgezogene Retro-Stil, nicht die Inverted-L-Navigation mit den gleichen Links im vertikalen und im horizontalen Menü, nicht der animierter Cursor, der eine wogende Schlange roter Buchstaben in einer anderen Schriftart hinter sich herzieht, nicht die in spacigen Regenbogenfarben blinkenden NEW-Elemente haben uns überzeugt, sondern das unübertrefflich hektische FlightView-Widget rechts, das Sie sich gerne auch als Bildschirmschoner herunterladen können.

www.stexps.com

Platz 8: CWOL.com

Wenn Websites aussehen wie das Faltblatt des 1-Euro-Marktes am Ende der Fußgängerzone, das man im Briefkasten findet, schlagen Designer-Herzen naturgemäß höher. Zudem sorgt der Web-Auftritt der Technikfachleute von CWOL dafür, dass nicht nur die Preise den Nutzer in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen, sondern auch das Farbkonzept.

cwol.com

Platz 7: 5safepoints.com

Zwar pfeifen die Leute der 5 Points Driving School unter anderem auf ein homogenes Bild- und Typografiekonzept, dafür berücksichtigen sie zwei andere interessante Usability- und Design-Erkenntnisse: 1) Heute haben User kein Problem mehr damit, nach unten zu scrollen. 2) Weißraum sorgt für Ruhe. Das nimmt man sich zu Herzen und verbindet dieses Wissen kongenial – lassen Sie sich überraschen! Und, wenn Ihnen das zu ruhig ist, können Sie Ihren Geist auf dieser Unterseite wieder in Schwung bringen.5safepoints.com

Platz 6: Videosoniclab.com

Eine Zeitreise in die Gründerzeit des Internets erwartet den Nutzer auf der Website von Videosonic, wobei gemütlichem Schwarz tatsächlich eine zentrale Bedeutung zukommt. Auch interessant: Die Buttons im linken Bereich sind zwar nicht anklickbar, sorgen aber beim genaueren Betrachten für Kopfschmerzen. Einen Blick wert ist zudem der Online-Shop.

videosoniclab.com

Platz 5: Webking.com

Zum Dienstleistungsumfang der Web King Internet Services LLC gehören nicht nur Online-Marketing, E-Commerce-Expertise und Hosting, sondern auch Web-Design. Hier muss die eigene Website natürlich als Referenz herhalten. Ein Klick auf den entsprechenden Menüpunkt hat den schönen Nebeneffekt, dass man seinen künftigen Dienstleister gleich einmal persönlich kennenlernt – eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme und Grundlage für eine enge, fruchtbare Zusammenarbeit.

webking.com

Platz 4: Lingscars.com

An Ideen mangelt es nicht: Zunächst klettert uns Autohändlerin Ling vom Header entgegen. Und was es nicht noch alles zu entdecken gibt. Live-Chat, Twitter-Integration, Office-TV, ein Quiz, ein ominöses Game namens „Hang Me“, es blinkt und flackert an allen Ecken und Enden … Man könnte sich wahrscheinlich stundenlang auf dieser Website amüsieren. Das ist alles so cool und offensichtlich gutgemeint, dass wir lingscars.com nur sehr schweren Herzens in diese Liste aufnehmen und das leise Gefühl haben, dieser ambitionierten Dame unrecht zu tun.

lingscars.com

Platz 3: Yvettesbridalformal.com

Man muss sich schon etwas Zeit nehmen, um herauszufinden, was Yvette nun genau verkauft. Nach einigen (von zentralasiatischen Klängen begleiteten) Klicks findet man immerhin heraus, dass Yvette nicht nur einen Shop betreibt, sondern offenbar auch Plätzchen liebt. Irgendwo gibt es eine Seite mit Rezepten (die leider nach fünfminütiger Suche nicht wiederzufinden ist und deshalb hier nicht verlinkt werden kann). Ohne diese Anleitungen eingehender studiert zu haben, drängt sich angesichts der Website der Verdacht auf, dass sich unter den Zutaten für die Kekse auch die eine oder andere … sagen wir bewusstseinserweiternde Substanz befindet. Wie dem auch sei, unser dritter Platz geht an yvettesformalbridal.com.

yvettesbridalformal.com

Platz 2: Arngren.net

Nur haarscharf am ersten Platz schrammt arngren.net vorbei. Beim Aufrufen der Seite stellt sich nur eine einzige Frage: Meinen die das ernst oder ist das ein Scherz? Ja, die meinen das ernst.

arngren.net

Platz 1: Havenworks.com

Sicherlich ist Content nach wie vor King. Doch wie teasert man das gesamte politische Wissen der Welt auf einer einzigen Web-Page an? Diese Frage beantwortet unser Sieger havenworks.com. Nehmen Sie sich gefühlte fünf Minuten Zeit für den Ladeprozess – auch Ihnen werden anschließend wahrscheinlich die Worte fehlen ;-)

havenworks.com

Kennen Sie weitere Beispiele?

Dies sind zehn eindrucksvolle Beispiele dafür, wie blauäugig auch heute noch manche Unternehmen im Web zugange sind und wie man Potenziale und Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswerfen kann. Wir wollen gewiss nicht hämisch sein oder hochnäsig wirken – manchmal verschlägt es einem aber eben schier die Sprache, wenn man durchs Web surft …

Oder sind manche dieser Seiten vielleicht sogar schon wieder so strange, dass sie innovativ sind? Kennen Sie andere kuriose Beispiele, die unter Mottos wie „… hat sich bemüht …“ oder auch „… ist dieser Zeit voraus …“ stehen? Wir freuen uns auf Ihre inspirierenden Hinweise.

(tm), (sl)

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Facebook: Potenziale für Unternehmen und Aussichten

Facebook ist das größte soziale Netzwerk der Welt, lag jedoch in Deutschland lange Zeit hinter StudiVZ zurück. Dies hat sich in den letzten Monaten verändert: Facebook hat in Sachen Marktanteile enorm zugelegt, die Mitgliederzahlen haben sich innerhalb weniger Monate verdoppelt, zuletzt sind die Nutzerzahlen monatlich um 10% gestiegen. Im November 2009 waren nun erstmals mehr als fünf Millionen deutsche Facebook-User registriert, die das Netzwerk überwiegend privat nutzen.

Angesichts dieser Daten muss man kein Prophet sein, um zu ahnen, dass Facebook in Sachen Social Media über kurz oder lang das Nonplusultra sein und vergleichbare Dienste weiter abhängen wird: Facebook hat die meisten Mitglieder und schlicht die besten Funktionen; die Größe und Akzeptanz, die der Dienst inzwischen erreicht hat, sind beeindruckend.

Aus Unternehmensperspektive hat Facebook in Deutschland aber noch längst nicht den Stellenwert, den es in Amerika bereits genießt. Ebenso wenig werden alle Potenziale, die es in sich birgt, genutzt. Wie nutzen Unternehmen Facebook und wohin geht der Trend? Kann Facebook auch den Business-Netzwerken gefährlich werden? Wie sieht es um den (vermeintlichen) Wettstreit zwischen Facebook und Twitter aus? Wir wagen einen Ausblick.

B2B-Bereich

Im B2B-Bereich spielt Facebook heute noch keine große Rolle und ist hierzulande (anders als in den USA) tatsächlich noch ziemlich uninteressant. Zwar gibt es auch hier bereits einige Firmen, die Facebook aktiv und erfolgreich für Marketing-Zwecke einsetzen, insgesamt verhalten sich deutsche Unternehmen jedoch eher zurückhaltend und abwartend.

Marketing-Maßnahmen müssen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr genau geplant und abgewogen werden. Zunächst muss sich ein Unternehmen deshalb zum jetzigen Zeitpunkt fragen, welche Zielgruppe es anspricht bzw. ansprechen will und inwiefern diese Unternehmenskunden ein soziales Netzwerk wie Facebook bereits nutzen, bzw. ob sie dies in absehbarer Zukunft tun werden. Einfach voraussetzen kann man dies sicherlich nicht: Erstens sind Web 2.0 und Social Media nach wie vor eine Domäne der jungen Leute. Zweitens ist hierzulande eine recht strikte Trennung zwischen beruflichen und privaten Aktivitäten im Zusammenhang mit Social Software zu beobachten – sehr viele User nutzen verschiedene Plattformen für die jeweiligen Aktivitäten.

Dank der raschen Ausdehnung des Nutzerkreises und dank immer mehr junger Mitarbeiter im eigenen Unternehmen und bei Kunden wird jedoch auch Facebook mittelfristig mehr und mehr Bedeutung im B2B-Bereich gewinnen. Großes Potenzial liegt zweifellos in der Eigenschaft von Facebook als wichtiger Infrastruktur-Anbieter. Darauf sollten Unternehmen vorbereitet sein.

B2C-Bereich

Im B2C-Bereich ist Facebook in Amerika schon richtig angesagt: Immerhin etwa ein Drittel aller US-Unternehmen sind auf Facebook präsent, manche Kampagnen erregen sogar international Aufmerksamkeit mit der Folge, dass sich Kunden intensiv mit dem Produkt beschäftigen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die inzwischen gestoppte Aktion „Whopper Sacrifice“ des Frikadellenbraters Burger King. Das Prinzip: Kündige zehn Facebook-Kontakten die Freundschaft, erhalte einen Gratis-Whopper. Die Kampagne hat ein breites Medienecho ausgelöst und Zigtausende Teilnehmer haben eifrig ihre Kontaktlisten verschlankt, ehe Facebook dem Treiben ein Ende gesetzt hat.


Die Whopper-Sacrifice-Aktion von Burger King

Die Potenziale von Facebook im B2C sind offensichtlich: Die Reichweite ist relativ groß, Unternehmen können sich virale Effekte – die „digitale Form der Mund-zu-Mund-Propaganda“ – zunutze machen und sich vom Wettbewerb abheben, indem sie wirklich auf allen Kommunikationskanälen präsent sind.

Auch hier haben deutsche Unternehmen enormen Nachholbedarf: In Deutschland sind derzeit beispielsweise nur vier Prozent der DAX-Unternehmen auf Facebook vertreten, und einige dieser Kampagnen werden zudem nicht aus Deutschland, sondern aus den USA gesteuert.

Facebook als Konkurrenz für Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn?

Facebook wird ständig weiterentwickelt, bietet bereits zahlreiche Funktionen, die auch klassische Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn beinhalten, und baut diese Features immer weiter aus. Ein großer Vorteil von Facebook ist außerdem die kostenlose Nutzung ohne Einschränkungen. Eigentlich müsste Facebook ein gefährlicher Konkurrent für die beruflichen Netzwerke sein.

Allerdings kann davon nicht die Rede sein: Facebook wird hauptsächlich als private Plattform genutzt;  wie erwähnt trennen User geschäftliche und private Belange offenbar weitgehend und vermengen diese nicht, was Facebook ja theoretisch und praktisch ermöglichen würde.

Die Nutzerzahlen bei Business-Netzwerken sind sicherlich nicht mit denen von Facebook zu vergleichen. Allerdings sind hier auch so gut wie keine negativen Verschiebungen zu erkennen – im Gegenteil: 2009 nutzten laut ARD-ZDF-Online-Studie 9% aller Onliner Xing und ähnliche Dienste und damit sogar mehr als im Jahr davor. Vom Erfolg von Facebook sind berufliche Netzwerke bisher offensichtlich nicht „betroffen“.

Facebook als Konkurrenz für Twitter?

Vergleicht man die Nutzerzahlen, liegt Facebook deutlich vor Twitter, doch die Zuwachsraten sind in beiden Fällen sehr beachtlich. Als Micro-Blogging-Tool ist Twitter die klare Nummer Eins und wird allmählich auch von deutschen Unternehmen als Kommunikationskanal entdeckt. Facebook kämpft nun offenbar verbissen darum, sich in Sachen Micro-Blogging deutlicher zu positionieren.

Gerade die jüngste Modifikation der Oberfläche zeigt, dass Facebook verstärkt Wert auf die Micro-Blogging-Funktion legt und hier Twitter zu Leibe rücken will. Mit Facebook Lite, einer abgespeckten Version von Facebook, wird nun das Microblogging-Konzept von Twitter quasi imitiert.

Wird Facebook Twitter wirklich gefährlich? Nein, denn die beiden Dienste verfolgen ganz unterschiedliche Ansätze und sind so gar nicht miteinander vergleichbar. Der wohl entscheidende Unterschied ist, dass auch die schlankere, auf die Micro-Blogging-Funktionen begrenzte Version von Facebook darauf ausgerichtet ist, Informationen und Mitteilungen vor allem dem privaten Bekanntenkreis und nicht einer eher breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein Vorteil von Twitter besteht in seiner Offenheit: Über die API können externe Dienste Twitter direkt ansprechen, bei Status-Updates in Facebook ist das uneingeschränkte Lesen und Bearbeiten über externe Dienste so nicht möglich. Twitter geriete möglicherweise tatsächlich unter Druck, wenn Facebook den Status über eine API direkt ansprechbar machen würde.

Heute kann man aber wohl davon ausgehen, dass beide Dienste künftig friedlich koexistieren werden. Verdrängen wird Facebook Twitter ganz sicher nicht.

Fazit

Facebook wird derzeit noch nicht in all seinen Umfängen genutzt, obwohl es im Prinzip alle Möglichkeiten bietet und die Funktionen auch ständig erweitert werden. Deutsche Unternehmen halten sich bis auf einige Ausnahmen, die Facebook schon sehr erfolgreich im Marketing einsetzen, zurück.

In absehbarer Zeit – darauf lassen die steigenden Nutzerzahlen und die Entwicklung in den USA schließen – wird sich dies ändern; man wird von einem Zeitraum zwischen 12 und 36 Monaten ausgehen können. Dann dürfte es für Unternehmen von entscheidender Bedeutung sein, entsprechend vorbereitet zu sein und die Möglichkeiten von Facebook zu kennen.

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Kuriose URLs – 11 unfreiwillig haarsträubende Domain-Namen von Unternehmen

Gerade der Domain-Name ist ein Aushängeschild für Unternehmen und Organisationen im Web. Mit der eigenen Website wird allerorten geworben, sie wird in E-Mail-Signaturen, in Broschüren und auf Kugelschreibern erwähnt (zu Kugelschreibern später mehr). Umso erstaunlicher ist es, unter welch unfreiwillig haarsträubenden URLs einige vollkommen seriöse Firmen und Institutionen im Netz vertreten sind: Insbesondere fehlende Bindestriche und unbedacht gewählte Abkürzungen sorgen sowohl für Erheiterung als auch für Kopfschütteln.

Wir haben einige kuriose, bizarre und auch wirklich peinliche Beispiele aus aller Welt dafür gefunden, wie Unternehmen sich mit der eigenen URL in die Nesseln setzen können. Damit möchten wir sicherlich niemandem zu nahe treten. Doch es lohnt sich nach wie vor, eine gute, alte Faustregel zu beherzigen: Erst nachdenken, dann registrieren.

Platz 11: Technik mit Nerv-Potenzial

Die Firma Diener Veranstaltungstechnik sorgt nicht nur für ordentlich Power unterm Disco-Dach, sondern hat sich auch eine griffige Abkürzung für das zweite Wort im Unternehmensnamen ausgedacht. Bleibt zu hoffen, dass man es insbesondere in Sachen Lautstärke nicht übertreibt und die Gäste dadurch in die Flucht schlägt, wie die URL der Website impliziert: http://www.dienervt.de.

Platz 10: Blockhütten und bloggende Friseure

Englische Wortgruppen, in denen Apostrophe vorkommen, und URLs sind natürliche Feinde, wie die Internet-Präsenz des Kleinunternehmens Old Man’s Haven charmant belegt, das ebenso gemütliche wie komfortable Blockhütten in den urwüchsigen Hocking Hills vermietet. Liest man nämlich die URL, könnte man ebenso meinen, ein tüchtiger Barbier betriebe einen Blog, in dem sich alles um seinen rüstigen Stammkunden dreht, den rasierten alten Mann: http://www.oldmanshaven.com.

Platz 9: Ausfällig, na und? Hauptsache einprägsam!

Den Beratern der eidgenössischen ARS Computer Consulting AG spielt die Top-Level-Domain leider einen kleinen Streich. Vorteil: die wirklich gute Merkbarkeit! Zu erreichen ist die Website unter http://www.ars.ch.

Platz 8: Alles im … Eimer

Bleiben wir gleich beim Thema. Man suche sich einen englischen Unternehmensnamen, unterlasse es aber, die Abkürzung für Athletic Sport Sponsoring einmal zusammenhängend auf Englisch auszusprechen – und schon fahren unzählige deutsche Spitzensportler in Autos herum, die sie als Mitglieder einer (vermeintlich) ziemlich dürftigen Truppe ausweisen, die unter http://www.ass-team.net erreichbar ist. Ähnliche Missverständnisse kommen auch bei den Booking-Profis der A.S.S. Concert & Promotion Agentur auf: Zumindest des Englischen mächtige User werden reiflich überlegen, ob sie wirklich wissen möchten, was sich hinter der Unternehmens-URL verbirgt … nach Mit-allen-Sinnen-Genießen klingt http://www.ass-concerts.de jedenfalls nicht.

Platz 7: Weg hier!

Sind wir ein wenig mit dem englischen Slang vertraut, stutzen wir, wenn wir die URL lesen, unter der das Unternehmen Effective Office Environments im Web agiert. Gerne würden wir uns die tollen Büromöbel-Lösungen in Ruhe ansehen, aber die Aufforderung ist dank der sehr durchdachten Abkürzung eigentlich unmissverständlich: Wir sollen gefälligst verschwinden, aber zügig! Fehlt nur ein Ausrufezeichen hinter http://www.effoff.com.

Platz 6: Wer wird denn gleich ungalant werden?

Der Chip-Hersteller Swissbit zeichnet sich offenbar auch durch seine Heimatverbundenheit aus – und öffnet der Verwirrung Tür und Tor. Vielleicht hätte das Unternehmen darüber nachdenken sollen, sich anstelle der Schweizer Landeskennung eine internationale Top-Level-Domain wie COM oder NET zu sichern. Das ist indes nicht geschehen, und so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, hier wäre jemand auf eine eidgenössische Dame nicht sehr gut zu sprechen: http://www.swissbit.ch.

Platz 5: Wein statt Wasser

Wer mit der Sprachverwendung in Chats und Foren einigermaßen vertraut ist, dem sind einschlägige Abkürzungen wie etwa 4U, CU, ME2, 2L8, die erst über die lautliche Aussprache ihre Bedeutung offenbaren, bekannt. Flüstert man nun die URL des Weinhändlers Ingleside Vineyards auf diese und jene Weise vor sich hin, stellt man verlegen fest, dass man soeben geäußert hat, Wein statt Wasser abzuschlagen, diplomatisch ausgedrückt. Bleibt zu hoffen, dass der Domain-Name keine Rückschlüsse auf die Qualität der guten Tropfen zulässt – ansonsten gute N8: http://www.ipwine.com.

Platz 4: Wenn selbstkritisch, dann aber richtig!

Ein schöner Mist! Auch der IT-Dienstleister IT Asset Management and Asset Recycling Service tritt ins Bindestrich-Fettnäpfchen. IT Scrap (Elektronikschrott) ist gemeint, doch was muss (nicht nur) der (böswillige) Nutzer beim Eintippen der URL lesen? Dass die Website, die man gerade aufrufen will, offenbar so richtig … sagen wir bescheiden ist: http://www.itscrap.com.

Platz 3: Gelächter beim Schlächter

Und noch einmal stiftet das Apostroph-Problem Unheil. Kinderlachen ist etwas Herrliches, und ehrenvolle Ziele hat sich die Children’s Laughter Foundation ja auf die Fahnen geschrieben, wie die kompakte, kleine Infoseite zeigt. Aber ach, die Zusammenschreibung! Das Lachen kann angesichts der URL nicht nur Kindern im Halse stecken bleiben: http://www.childrenslaughter.com.

Platz 2: Sittenstrolche in die Therapie!

Warum muss es auch immer Leute geben, die in jeder Kleinigkeit böse Doppeldeutigkeiten erkennen? Diese URL führt zu einem Portal, auf dem Patienten Psychotherapeuten in ihrer Nähe suchen können. Die Suche ist kostenlos, in Sachen Domain-Name aber guter Rat teuer: http://www.therapists.com. Und hier ist nicht einmal ein fehlender Bindestrich das Problem – ein solcher zwischen „the“ und „rapists“ würde alles nur noch schlimmer machen.

Platz 1: Das Land hinter dem Regenbogen …

Kugelschreiber sind aus dem Alltag nicht wegzudenken, sie sind klassische und nach wie vor wichtige Werbemittel und in der goldenen Ausführung gar Statussymbole. Prima, dass sich ein Unternehmen wie Pen Island auf hochwertige Schreibgeräte spezialisiert hat und Kunden erstklassige, individuelle Produkte anbietet. Für den Internet-Auftritt besorgt man sich nun eine schöne NET-Endung … Doch dann geschieht das Unglück! Was machen die ambitionierten Pen-Island-Leute nämlich? Genau, sie verzichten auf einen hier doch ziemlich wichtigen Bindestrich und sichern sich den peinlichen ersten Platz in unserer Liste. Hereinspaziert: http://www.penisland.net.

Kennen Sie weitere kuriose Beispiele?

Was lernen wir daraus? Zumindest dies: Es ist immer empfehlenswert, mögliche URLs für den Unternehmensauftritt genau unter die Lupe zu nehmen und dabei auch um die Ecke zu denken. Gut und schön, wenn man davon ausgeht, die eigene Zielgruppe sei vor „Hintergedanken“ gefeit. Wenn aber ein Kunde den neuen Werbe-Kugelschreiber mit einer URL wie www.expertsexchange.com, www.powergenitalia.com oder www.hollandshitfestival.nl anschaut und meint: „Tut mir leid, den kann ich wirklich nicht annehmen. Was soll meine Frau denken, wenn sie den sieht?“, kann man schon von einem Problem sprechen. Und wenn die halbe Kundschaft beim Domain-Namen der Website grinsen muss sowieso.

Auch die drei gerade genannten URLs sind keine Phantasieprodukte: Unter diesen Domain-Namen waren bis vor wenigen Jahren tatsächlich ein Beratungsportal, der italienische Energieerzeuger Powergen und die Website eines niederländischen Konzertveranstalters erreichbar! Offenbar gilt Murphys Gesetz auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie der Wahl der richtigen URL – Kennen Sie weitere kuriose Beispiele? Wir sind gespannt, bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion unten.

(sl)

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E-Mail-Missbrauch 3: Aufgaben gehören nicht in E-Mails

Neben der Kommunikation von statischem Wissen per Anhang ist der Versand von Aufgaben per E-Mail eine Missbrauchsform dieser Technologie, die Unternehmen hemmt und zu dramatischen Verlusten an Effizienz und Arbeitseffektivität führt. In diesem dritten und abschließenden Beitrag zum E-Mail-Missbrauch widme ich mich also Formen des Aufgaben-Managements.

Aufgaben gehören in ein zentrales System, nicht in E-Mails

Sicherlich kann diese These zunächst für Stirnrunzeln sorgen, doch die meisten Leute halten sie nur deshalb für zweifelhaft, wenn jemand die Auffassung vertritt, man dürfe keine Aufgaben per E-Mail verschicken, weil sie keine konkrete Vorstellung davon haben, welche anderen, weitaus besseren Möglichkeiten es gibt.

Aufgaben sollten in einem zentralen und professionellen Aufgaben-Management-System wie beispielsweise JIRA abgebildet werden. In die E-Mail gehören nur der Hinweis auf das Vorhandensein einer Aufgabe und die Bitte um Erledigung. Dies ist die bestimmungsgemäße Anwendung der jeweiligen Technologie.

Dabei definiert nicht die Größe des Projekt-Teams, ob es sinnvoll ist, eine Aufgabe per E-Mail zu verschicken oder nicht – selbst Kleinst-Teams aus vier, drei oder zwei Mitarbeitern profitieren von einem systematischen Aufgaben-Management.

Ich räume ein, dass es immer Mitarbeiter geben wird, die ihr Aufgaben-Management weiterhin in der spontanen E-Mail-Hülle betreiben werden. Das sei diesen Leuten ungenommen. In vielen Aspekten schlägt ein zentrales, professionelles Aufgaben-Management die Verwaltung per E-Mail allerdings um Längen. Stellen wir die Vorteile beider Arbeitsweisen einander gegenüber.

Vorteile von E-Mails

  • E-Mails sind einfach und schnell erstellt, Aufgaben rasch kommuniziert.
  • Die spontane Hülle funktioniert.
  • Es ist keine Einarbeitung nötig, jeder Mitarbeiter kann eine E-Mail schreiben.
  • Das Aufgaben-Management per E-Mail ist opportun („Ich mache das, was alle machen.“). Selbst in Unternehmen, die ein zentrales System betreiben, werden auch (noch) Aufgaben per E-Mail verschickt.

Damit wären die Vorteile jedoch bereits dargestellt – oder können Sie weitere ins Feld führen? Das stärkste Argument ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich die Lobbyfähigkeit der E-Mail, und lobbyfähig wird sie wohl auch bleiben – geeigneter macht sie das indes nicht.

Vorteile eines Aufgaben-Management-Systems

  • Dokumentation: Es ist immer nachvollziehbar, wer wem welche Aufgabe zugeteilt hat.
  • Vollständigkeit und Zentralisierung: Alle Aufgaben sind erfasst und zentral verfügbar. Keine Aufgaben gehen in E-Mail-Postfächern (beziehungsweise gar in der Zettelwirtschaft) unter oder geraten in Vergessenheit.
  • Planbarkeit: Der Aufwand für die Erledigung einzelner Aufgaben wird im Vorfeld beschätzt, eine verlässliche Kapazitätsplanung ist möglich. Es ist ersichtlich, wie viele Aufgaben einem Mitarbeiter zugeteilt sind und wie lange er benötigt beziehungsweise benötigen wird, um diese zu bearbeiten.
  • Transparenz: Anhand der Statusinformationen ist erkennbar, ob mit der Erledigung einer Aufgabe schon begonnen wurde und wie der aktuelle Stand der Bearbeitung ist.
  • Kontrolle: Die Erledigung und die Einhaltung von Terminen kann nachverfolgt werden. Ein professionelles Aufgaben-Management-System bietet zudem mächtige automatisierte Auswertungsmöglichkeiten.
  • Kundeneinbindung: Dank der Rechtestruktur ist es möglich, Kunden in die Planung einzubeziehen und so die Transparenz bei der Zusammenarbeit zwischen Projekt-Team und Kunden zu erhöhen.
  • Minimales Briefing: Projekte können in jeder Phase einem anderen Projekt-Manager übergeben, neue Mitarbeiter jederzeit problemlos integriert werden. Alle Aufgabenbeschreibungen sind inklusive aktueller Statusinformationen zentral verfügbar.
  • Integration: Ein professionelles Aufgaben-Management-System verfügt über eine API, über die die Software an andere Applikationen wie das Projektmanagement-System, die Zeiterfassung und so weiter angebunden werden kann. Die Software ist nahtlos in die bestehende IT-Landschaft integrierbar und in hohem Maße anpassbar.

Mit einer ausgereiften Aufgaben-Management-Software ist die Abbildung kompletter Entwicklungslebenszyklen von der Ideensammlung und dem Anforderungs-Management über die Abarbeitung bis zur Qualitätssicherung möglich. Ein solches System bietet die Möglichkeit, sich zentral einen aktuellen Überblick über sämtliche Fortschritte in einem Projekt zu verschaffen. An diesen Eigenschaften muss sich das Aufgaben-Management per E-Mail messen lassen und kann hier natürlich nicht gewinnen.

Hindernisse für die Etablierung eines Aufgaben-Management-Systems

Freilich ist eine Aufgaben-Management-Software wie JIRA komplex, sie erfordert Einarbeitung und die Etablierung ist (ähnlich wie die Wiki-Einführung) kein Selbstläufer: Maßnahmen zur Mitarbeiteraktivierung müssen getroffen werden, Schulungsaufwände sind in der Regel unverzichtbar, auch fallen gegebenenfalls Lizenzkosten an.

Doch die Vorteile überwiegen die Nachteile, die durch einige zu überwindende Hürden entstehen, ganz klar; der Effizienz-, Transparenz- und Arbeitseffektivitätsgewinn, den ein Unternehmen aus einem professionellen Aufgaben-Management-System ziehen kann, ist unschätzbar.

Eine bestimmungsgemäße Technologieanwendung bringt Unternehmen voran

Stellt man also die spontane E-Mail-Hülle und ein professionelles Aufgaben-Management einander gegenüber, wird deutlich, dass der sinnvollste Umgang mit der E-Mail ihr sachgemäßer Gebrauch ist. Es geht nicht darum, dass der Mitarbeiter keine E-Mail erhalten soll, in der er über eine Aufgabe informiert wird; das ist sinnvoll. Allerdings soll es dabei bleiben. Und es ist gewiss möglich, dass sich aus einer E-Mail eine Aufgabe extrahieren lässt, dass aus dem Inhalt heraus also eine Aufgabe entsteht. Der Inhalt sollte aber nie die Beschreibung der Aufgabe sein – ein feiner, aber bedeutsamer Unterschied.

Wenn Aufgaben nicht per E-Mail kommuniziert und zumindest intern und innerhalb bestehender Geschäftsbeziehungen <keine Anhänge per E-Mail ausgetauscht werden>, nähern wir uns der bestimmungsgemäßen Nutzung von Technologie ein gehöriges Stück. Unternehmen können davon nur profitieren, denn sie ziehen signifikante Vorteile aus dieser Arbeitsweise:

  • E-Mails, die mit dem Lesen erledigt sind
  • Reduzierung des E-Mail-Aufkommens
  • Effizienzsteigerung
  • Effektivitätsgewinn
  • produktivere Zusammenarbeit
  • mehr Transparenz
  • systematische Projektabläufe
  • hochwertigere Ergebnisse

(sl), ™

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E-Mail-Missbrauch: Warum der Siegeszug der E-Mail zu weit gegangen ist

Die E-Mail hat die (geschäftliche) Kommunikation so stark verändert wie keine zweite Kommunikationsform in den letzten Jahrzehnten. Es ist völlig unbestritten, dass wir ihr eine dramatische Modernisierung und Beschleunigung, eine schnellere und unkompliziertere Kommunikation als je zuvor verdanken.

Versuchen wir kurz, uns vorzustellen, wie wir ohne E-Mails kommunizieren würden:

  • Wir würden den Großteil des Tages telefonieren.
  • Wir würden stundenlang mit persönlichen Gesprächen und in Meetings verbringen.
  • Wir würden täglich Dutzende oder Hunderte Faxe lesen und schreiben.
  • Dokumente würden sich in Briefumschlägen in der Ablage stapeln, die klassische Portokasse wäre ein Muss.

Natürlich telefonieren viele Menschen notgedrungen auch heute noch häufig geschäftlich und verbringen reichlich Zeit in Meetings. Doch um das Kommunikationspensum, das wir heute dank der E-Mail täglich leisten, mithilfe von Telefon, persönlichen Gesprächen, Fax und Briefen abzubilden, würde auch ein sehr langer Arbeitstag ganz sicher nicht ausreichen, von produktiver Arbeit ganz zu schweigen.

Die falsche Anwendung von E-Mails: Fluch für Unternehmen

Wir haben also zum Glück die E-Mail. Alles ist gut? Ganz und gar nicht, denn:

Der Siegeszug der E-Mail ist viel zu weit gegangen.

Wir sehen uns nämlich einer offenkundigen Diskrepanz gegenüber: Die E-Mail wird missbraucht, es wird versucht, Dinge mit ihr abzubilden, die auf andere Art und Weise (und mit anderen Technologien) viel besser und sinnvoller abgebildet werden können. Die Frage lautet also: Wofür ist die E-Mail gemacht und wofür wird die sie genutzt?

Die Grundfunktion einer E-Mail besteht darin, Textinformationen zu versenden. Das funktioniert prima. E-Mails können Dateien hinzugefügt werden. Auch das ist mitunter sinnvoll – der Rechner des Empfängers muss diese natürlich verarbeiten können.

Doch schon die HTML E-Mail ist meiner Auffassung nach eine Form des „Missbrauchs“: Nicht jeder Anwender kann sie problemlos ansehen, die HTML-Darstellung ist kein unmittelbarer Dienst eines Mail-Programms, zusätzlich sind Browser-Komponenten erforderlich. Dies aber nur am Rande – das HMTL-Format ist in erster Linie unter Marketing- und auch Usability-Aspekten zu betrachten. An dieser Stelle soll indes die Produktivität von Mitarbeitern im Mittelpunkt stehen.

Meiner Erfahrung nach gibt es zwei entscheidende Formen des E-Mail-Missbrauchs in der Unternehmenskommunikation, die sich auf mehreren Ebenen negativ auswirken, nämlich auf die Produktivität (auf die Qualität von Dokumenten und Arbeitsergebnissen) und auf die Transparenz im Unternehmen. Hier meine ich den Versand von statischem Wissen in E-Mails mit Anhängen und das Versenden von Aufgaben.

Diese Thesen werde ich in zwei Artikeln, die sich später diesem Beitrag anschließen, ausführlich begründen. Zunächst aber zu den Auswirkungen des E-Mail-Missbrauchs, für den es ein untrügliches Indiz gibt: Manager, Bereichsleiter, Projektmanager und viele Mitarbeiter in großen und auch in kleinen Unternehmen ertrinken förmlich in E-Mails.

Die E-Mail-Flut und die Produktivität

Ich möchte das an einem Bild verdeutlichen: Stellen wir uns jemanden vor, der vor einem großen Berg Münzen sitzt und die Aufgabe hat, diese zu sortieren – abzuarbeiten also. Jede Münze muss er in die Hand nehmen, auf ihren Wert prüfen und in einer bestimmten Schale ablegen. Es wird dem Mitarbeiter indes nicht leicht gemacht, denn klimpernd fallen aus einem stets aufgedrehten Hahn immer wieder weitere Münzen auf dem Tisch.

Mit konzentrierter und konsequenter Arbeit gelingt es ihm, alle Münzen zu sortieren und dabei schneller zu sein als der nachfließende Münzstrom, er lehnt sich zufrieden zurück, der Tisch ist leer – für 30 Sekunden. Dann klimpert aus dem Hahn eine neue Münze, gleich darauf eine zweite und eine dritte. Innerhalb von Minuten hat sich wieder ein respektables Häuflein angesammelt, das schnell größer wird; die Freude ist verflogen, die Arbeit beginnt von vorn.

Gewiss: Bestünde ausschließlich darin das Tagwerk dieser Person, wäre das nicht weiter bemerkenswert. Auch die Müllbehälter im Wohngebiet sind stets aufs Neue randvoll, wenn das Trio von der Müllabfuhr das nächste Mal seine Runde dreht; auch der Busfahrer fährt seine Stammstrecke jeden Tag wieder ab; auch der Fußball-Weltmeister muss sich nach dem Triumph erneut durch die Qualifikation kämpfen, um beim nächsten Turnier dabei zu sein.

Was aber, wenn das Sortieren nur eine von vielen Aufgaben wäre, die zu erledigen sind, wenn das Sortieren nicht einmal die wichtigste Aufgabe ist? Wann widmet er sich den anderen Tätigkeiten?

Damit sind wir bei der Bearbeitung von E-Mails. Viele Leser dürften das Gefühl kennen, wenn nach einem „Kraftakt“ endlich einmal keine ungelesenen E-Mails mehr im Posteingang liegen: Ein Gefühl der Zufriedenheit stellt sich ein, während in diesem Moment zwei neue E-Mails eingehen. Bearbeitet man auch diese noch rasch, um den Posteingang „sauber“ zu halten? Bearbeitet man auch die vier weiteren E-Mails, die angekommen sind, während man eine etwas umfangreichere Antwort verfasst hat? Aber wann will man produktiv sein und die Aufgaben angehen, die vielleicht soeben aus den E-Mails extrahiert wurden?

Ich habe schon einmal das Szenario beschrieben, dass, wer wollte oder wer nicht aufpasst, den ganzen Tag damit zubringen könnte, E-Mails zu bearbeiten – der Nachschub ist ungebrochen. Ein entscheidendes Problem ist also, dass man angesichts der E-Mail-Flut mitunter nicht mehr in der Lage ist, die Arbeitszeit sinnvoll und produktiv zu nutzen, die sich aus den E-Mails ergebenden Aufgaben zu extrahieren, zu priorisieren und vor allem zu erledigen. Ich habe Manager kennengelernt, die offen zugeben, E-Mail überhaupt nicht zu bearbeiten, weil sie sonst nichts anderes tun würden.

Aus dem Missbrauch der E-Mail resultiert eine E-Mail-Flut, die die Produktivität jedes „Betroffenen“ reduziert und die den Nutzen deutlich einschränkt, den das Unternehmen aus der Leistung des (durch das immense E-Mail-Aufkommen zudem unzufriedeneren) Mitarbeiters ziehen möchte. Im zweiten Beitrag Der E-Mail-Anhang ist oft die falsche Anwendung gehe ich darauf ein, wie sich dieses Problem meiner Meinung besser in den Griff bekommen lässt und wie sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen.

(tm), (sl)

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E-Mail-Missbrauch Teil 2: Der E-Mail-Anhang ist oft die falsche Anwendung von Technologie

Im Artikel Warum der Siegeszug der E-Mail zu weit gegangen ist habe ich zwei Missbrauchsformen der E-Mail kurz angerissen, die ich für gefährlich halte und die schwerwiegende Folgen für Unternehmen haben. Eine Form dieses Missbrauchs, die einen maßgeblichen Anteil an der E-Mail-Flut hat, ist der E-Mail-Versand von statischem Wissen, die Kommunikation von Referenzmaterial, Unternehmens-Know-how und Nachschlageinformationen per E-Mail-Anhang. Meine Kernthese lautet:

Wenn E-Mails Dateianhänge enthalten, ist dies in den meisten Fällen die falsche Anwendung von Technologie.

Effizienzgewinn durch die Nutzung eines zentralen Systems

Damit vertrete ich eine Auffassung, die viele Leute nicht nachvollziehen können. Und das ist oft durchaus verständlich: Viele Personen, die hier skeptisch sind, wissen nur nicht, wie Wissensmanagement anders funktionieren kann. Und manche Gesprächspartner, die Alternativen (zumindest vom Hörensagen) kennen, sind der Meinung, dieses „Anders-Machen“ sei zu kompliziert und praktisch nicht gangbar – insbesondere höre ich nicht selten, dass die Usability und die Integration von Wiki-Lösungen angeblich so schlecht wären, dass die Anwender einfach nicht mit diesen arbeiten würden und dass Alternativen deshalb im Unternehmensalltag nicht praktikabel sein könnten.

Das ist jedoch falsch. Ein ums andere Mal sehe ich bestätigt, dass die sach- und bestimmungsgerechte Anwendung von Technologie in aller Regel zu einem Effizienzgewinn führt. Software-Systeme für den Einsatz im Unternehmen sind heute so ausgereift, dass selbst Mitarbeiter ohne Technologie-Know-how mit ihnen produktiv und sinnvoll arbeiten können – das gilt natürlich auch für professionelle Enterprise-Wiki-Lösungen.

Ein Firmenwiki ist in diesem Zusammenhang die optimale Lösung: Die Vorteile, kein Referenzwissen per E-Mail zu verschicken, sondern Know-how in einem zentralen, digitalen, Web-basierten System zu speichern und für alle verfügbar zu machen, überwiegen die möglicherweise noch verbliebenen Nachteile deutlich.

Im erstrebenswerten Optimalfall ist eine E-Mail eine Nachricht, die sich mit dem Lesen durch den Empfänger erledigt hat.

Organische Inhalte statt „toter“ Anhänge

Deshalb plädiere ich dafür, Datei-Anhänge in einem zentralen System zu speichern, das allen Empfängern zugänglich ist; eine E-Mail sollte lediglich den Verweis auf das entsprechende Dokument beinhalten. Dafür gibt es überzeugende Argumente, die deutlich werden, wenn man diesen Prozess an einem konkreten Beispiel durchexerziert.

Verschicke ich beispielsweise einen Bericht per E-Mail an mehrere Empfänger, ist dieser Bericht ein „totes“ Dokument: Es verändert sich nicht, es kann nicht kommentiert werden, Leser können nicht mit ihm interagieren, es entwickelt sich nicht weiter, es ist nicht zentral verfügbar.

Bilde ich diesen Bericht in einem Wiki-System ab, „leben“ die Inhalte: Die Adressaten können das Dokument sinnvoll modifizieren und gegebenenfalls selbst Fehler beheben oder Unklarheiten ansprechen, Aufstellungen sind um aktuelle Daten erweiterbar, über die Kommentarfunktion können die Daten gemeinsam mit anderen Empfängern interpretiert und diskutiert werden – der Bericht wird besser, ohne dass eine einzige weitere E-Mail auszutauschen ist.

Auf diese Weise durchläuft das Dokument im Wiki mehrere Iterationen und werden Inhalte organisch weiterentwickelt und interpretiert, wobei der ursprüngliche Sender stets die Kontrolle über die Inhalte behält: Er kann das Topic zum Beispiel via RSS abonnieren und wird über jede Modifikation benachrichtigt, über die Revisionskontrolle ist jede Änderung lückenlos nachvollziehbar.

Der Geschäftsführer oder der Abteilungsleiter, der sich das Dokument schließlich ansieht, findet einen ganz anderen, einen wesentlich hochwertigeren Bericht vor, als er per E-Mail erhalten hätte, während gleichzeitig das E-Mail-Aufkommen deutlich reduziert worden ist und dieses Wissen auch später jederzeit zur Verfügung steht.

Darüber hinaus löst sich das immer wieder auftretende Problem, etwa zunächst einen falschen Anhang zu versenden, in Luft auf: Der Initiator des Wiki-Dokuments kann in diesem jederzeit Korrekturen vornehmen, die Empfänger haben sofort Zugriff auf das korrekte Dokument. Streng vertrauliche Informationen liegen zudem nicht in individuellen Postfächern, sondern in einem zentralen, sicheren System. Das Dokument hinter dem Link kann natürlich nur aufrufen, wer dazu legitimiert ist.

Der Kommunikation über das Wiki und der Verzicht auf Dateianhänge in E-Mails wirken sich also auf mehreren Ebenen positiv aus:

  • produktiverer Umgang mit den Informationen aus dem Dateianhang
  • organische und interaktive Inhalte statt „toter“ Dateien
  • verstärkte Sicherheit durch Zugriffsbeschränkung
  • zentrale Dokumentation des Unternehmenswissens
  • bessere Zusammenarbeit und Kollaboration, aktives Teilen

Intern keine Anhänge, in der Kundenkommunikation geht es selten anders

Beim Versand von Dateianhängen per E-Mail spielt immer die Sender-Empfänger-Struktur eine Rolle, weshalb hier Einschränkungen nötig sind. Für E-Mails unter Kollegen sollte die Regel, keine Anhänge zu verschicken, meiner Überzeugung nach immer gelten. Auch bei E-Mails an einen Kunden, mit dem man bereits im Projekt zusammenarbeitet, ist eine zentrale die optimale Lösung: In einem modernen Unternehmen sollte es ein System geben, in dem Informationen gemeinsam mit Kunden gesammelt und ausgetauscht werden können. Ein Extranet auf Wiki-Basis bildet dafür eine ausgezeichnete Plattform, deren Rechtestruktur es ermöglicht, den Zugriff auf das Projekt-Team und die Mitarbeiter beim Kunden zu beschränken.

Eine andere Frage ist die nach der Kommunikation mit Interessenten, zu denen noch keine Geschäftsbeziehung besteht. Eine pragmatische Möglichkeit, diese Empfänger wie beschrieben zu integrieren, besteht leider noch nicht. Kann bzw. darf man voraussetzen, dass der kaum bekannte Empfänger in einem Wiki-System kollaborieren kann bzw. überhaupt möchte? Sicherlich nicht. In Fällen wie diesen ist der Versand von Dokumenten per Anhang trotz einiger Bedenken die besser gangbare Lösung.

Ein weiteres Problem: Nicht alle Menschen sind immer und überall online. So ist es möglich, dass der Empfänger den Wiki-Link öffnen und die Informationen gerne abrufen möchte, es aber einfach nicht kann, weil er unterwegs keinen Internet-Zugang hat, weil er seine E-Mails etwa per Mobiltelefon abruft.

Der Absender muss also immer eigenverantwortlich entscheiden, in welcher Form er Dokumente kommuniziert. Die Probleme, die durch die E-Mail-Flut und durch die damit verbundene Ineffizienz entstehen, wiegen allerdings weitaus schwerer als die Frage, ob der Empfänger einen Link öffnen kann oder doch besser ein E-Mail-Anhang versendet werden sollte. Die allermeisten Mitarbeiter sind problemlos in der Lage, diese Entscheidung zu treffen.

Ich möchte also nicht einseitig argumentieren: In vielen Fällen ist die Ablage von Dokumenten im Wiki zwar der empfehlenswerte und effizientere Weg, es gibt aber durchaus Szenarien, in denen es nach wie vor sinnvoller ist, Dateien per E-Mail zu versenden. Generell gilt:

Wir sind noch nicht soweit, ausschließlich von Schwarz und Weiß reden zu können. Allerdings sind wir auch längst über das Stadium hinaus, in dem es nur um Nuancen an zusätzlicher Produktivität geht.

Ein dritter Teil folgt in der nächsten Woche.

(sl)

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Kurz-URL-Dienst bit.ly: Libysche URLs und moralische Bedenken

Kurz-URL-Dienste sind aus dem Tagesgeschäft nicht mehr wegzudenken. Die Erstellung dauert wenige Sekunden, Short-URLs werden in E-Mails, in Blog-Artikeln, in Twitter- und Facebook-Postings, in Beiträgen in internen Micro-Blogs, in Präsentationen und selbst in Print-Publikationen verwendet.

Einer der sehr beliebten Dienste ist tr.im, der durch seine konkurrenzlos kurzen URLs und seine einfache Handhabung besticht. Eine Nachricht hat eifrige tr.im-User jedoch im Sommer mit Sorge erfüllt: Der Dienst gibt auf, hieß es. Was würde das bedeuten? Sämtliche Short-URLs, die mit diesem Dienst generiert worden sind, würden von einem Tag auf den anderen ins Leere führen. Höchste Zeit, sich nach zukunftsfähigen Alternativen umzusehen.

Da kürzlich Twitter tinyurl.com durch bit.ly als URL-Shortener ersetzt hat, bietet sich dieser Dienst an: Die URLs sind einen Hauch länger als die mit tr.im erstellten, aber die Twitter-Integration und auch das praktikable Handling sind überzeugende Argumente. Also nutzen wir als Unternehmen fortan möglichst bit.ly, nicht zuletzt, um eine möglichst homogene Kommunikation nach innen wie nach außen sicherzustellen.

Das Problem mit bit.ly: zwei Buchstaben

Doch halt – .ly? Diese Domain-Endung steht für Libyen – und wir damit vor einem kleinen Problem. Wenn wir einen Moment darüber nachdenken, drängen sich nämlich Fragen auf: Kann man guten Gewissens die Nutzung eines Dienstes vertreten, von dem Libyen – in welcher Form auch immer – profitiert? Konkret: Ist dies mit unseren moralischen Vorstellungen vereinbar?

Weltpolitisch macht Libyen in den letzten Monaten seinem zweifelhaften Ruf als unberechenbarer Partner einmal mehr alle Ehre. Leidtragende ist derzeit die Schweiz, die sich einer grotesken Kampagne gegenübersieht, die inzwischen in eine handfeste diplomatische Krise ausgeufert ist. (Auslöser des Konflikts war die vorübergehende Festnahme des Gaddafi-Sohns Hannibal wegen einer Prügelei in einem Genfer Hotel.)

Noch ernstzunehmender und tragischer ist die innenpolitische Lage in Libyen: Die Verfolgung politisch Engagierter ist, wie Amnesty International feststellt, an der Tagesordnung, immer wieder wird einerseits von Schauprozessen gegen Oppositionelle und andererseits von langjährigen Inhaftierungen ganz ohne Anklage berichtet, in Gefängnissen wird gefoltert, für vergleichsweise geringfügige Delikte drohen archaische körperliche Strafen, die Bevölkerung ächzt unter dem Sicherheitsapparat mit seinem Netzwerk aus Spitzeln. Die Menschenrechtssituation in Libyen ist offensichtlich also nach wie vor sehr problematisch. (Weitere ausführliche Informationen stehen auf der Website von Amnesty International zur Verfügung.)


© Dan.. (Flickr.com)

Libysche URLs salonfähig machen: moralisch vertretbar?

Nun ist bit.ly natürlich kein libyscher Dienst, und es geht auch nicht darum, dass Libyen sich eine goldene Nase verdienen würde: Das ist höchstwahrscheinlich nicht der Fall, denn es handelt sich ja lediglich um eine Domain, die in Libyen 75 US-Dollar kostet. Und gewiss eignet sich die Endung -ly ganz wunderbar für „sprechende“ URLs wie short.ly, simp.ly oder eben bit.ly.

Vielmehr steht das Problem im Raum, dass durch die millionenfache Nutzung libysche URLs „salonfähig“ gemacht werden. Ist das moralisch vertretbar? Kann man das zweifelhafte außenpolitische Gebaren und die vielen menschenrechtlich bedenklichen Vorfälle einfach missachten, nur um eine kurze URL zu erhalten? Sollte man diese Endungen nicht besser boykottieren, anstatt sie millionenfach zu publizieren?

Wie erwähnt hat gerade Twitter tinyurl.com durch bit.ly als Short-URL-Dienst ersetzt. Ist das unter moralischen Gesichtspunkten haltbar? Schließlich gibt es viele andere Anbieter, die ähnliches leisten. Wieso also ausgerechnet Libyen?

Neben den moralischen Bedenken besteht zudem eine Gefahr ganz praktischer Natur: Libyen hat nach wie vor die Hoheit über die Domain. Wenn Libyen es (aus welchem Grund auch immer) möchte, kann es dem Anbieter die URL bit.ly morgen wieder wegnehmen. Millionen toter Links wären die Folge. Wie ernstzunehmend ist diese Gefahr?

Aus zwei unscheinbaren Buchstaben ergeben sich also viele Fragen. Denken wir noch einen Schritt weiter: An welchem Punkt würden wir denn „Halt!“ sagen? Würden wir hypothetische Dienste namens ea.sy, one.mm oder fa.ir nutzen, um Links zu verkürzen? (Diese Domain-Endungen stehen für Syrien, Myanmar, das ehemalige Birma, und den Iran, drei waschechte „Schurkenstaaten“, wenn man so will.)

Kann man sich im Tagesgeschäft moralische Bedenken leisten?

Natürlich kann dieses Thema nicht ausführlich besprochen werden, ohne Gegenfragen zu stellen: Nimmt man im grenzenlosen Web auf Aspekte wie die eben beschriebenen keine Rücksicht? Ist es im Tagesgeschäft nicht unsere Aufgabe, Bewertungen auf politischer Ebene vorzunehmen? Ja, kämen wir, selbst wenn wir wollten, überhaupt um bit.ly herum, wenn alle Welt es nutzt?

Oder resultieren diese Bedenken womöglich aus einer übertriebenen politischen Korrektheit? Denn andererseits hat Libyen am 15. September 2009 turnusmäßig den Vorsitz der UNO-Generalversammlung für ein Jahr übernommen. In der Staatengemeinschaft nimmt der Gaddafi-Staat einen festen Platz ein und genießt offenbar zwar wenig Vertrauen, aber doch weitgehend uneingeschränkte Anerkennung.

Freunde von tr.im sind aus dieser Zwickmühle indes durch die Nachricht befreit worden, dass der Dienst von einer Community weitergeführt und auch über 2010 hinaus existieren wird, und das sogar als Open-Source-Anwendung. Und wer bit.ly als Domain doof findet, kann alle bit.ly-Links auch in j.mp-Links umwandeln. Diese deutlich kürzere Domain besitzt bit.ly auch. Doch die Fragen bleiben:

Zählen im grenzenlosen Web und insbesondere im Tagegeschäft allein praktische Erwägungen? Oder darf (bzw. muss?) man sich Überlegungen auch auf einer anderen Ebene leisten?

Wie sehen Sie das? Vielleicht gibt es noch weitere Aspekte, die hier berücksichtigt werden sollten? Bitte nutzen Sie das Kommentarfeld unten