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Bitcoin: WordPress jetzt mit Unterstützung für das gefährlichste Open Source Projekt aller Zeiten

Pay another way: Bitcoin. So harmlos kündigt WordPresser Andy Skelton die sofortige Einführung der Digitalwährung Bitcoin als Bezahloption auf WordPress.com an. Damit wolle man allen Menschen weltweit den gleichen Zugang zu den kostenpflichtigen Zusatzangeboten der Plattform WordPress bieten. Es gäbe schlicht zu viele Blockaden bei traditionellen Kreditkarten-Unternehmen und der eBay-Tochter PayPal…

Bitcoin: Dateien für Zahlvorgänge

Die Begründung Skeltons ist einleuchtend. PayPal blockiere den Zugriff auf das Bezahlsystem in über 60 Ländern weltweit, Kreditkarten-Unternehmen seien nicht viel besser. In manchen Ländern seien Bezahlverfahren dieser Art aus politischen Gründen blockiert, in anderen wegen hoher Betrugsraten. Das könne jedoch nicht dazu führen, dass man sich bei WordPress.com damit zufrieden gebe und den Status Quo akzeptiere. Vielmehr sehe man es geradezu als Verpflichtung an, auch Bloggern in Haiti, Äthiopien oder Kenia den freien Zugang zu allen WordPress-Angeboten zu ermöglichen. Freies Netz für freie Menschen, quasi…

Zu Bitcoins habe ich in der Vergangenheit einen ganzen Beitragsreigen geschrieben. Ich habe versucht, am Ende des Artikels eine vollständige Liste anzufügen. Ich bitte daher um Verständnis, dass ich an dieser Stelle keine Grundlagen zu Bitcoins vermittele. Das können Sie alles aus den unten gelisteten Beiträgen erfahren.

Im Titel schreibe ich, WordPress unterstütze nun „das gefährlichste Open Source Projekt aller Zeiten“. Diese Charakterisierung stammt nicht von mir. So bezeichnet Investor Jason Calacanis Bitcoins. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und nennt die Digitalwährung das „vielleicht gefährlichste Technologie-Projekt seit der Erfindung des Internet selbst“. Das begründet sich aus der Natur der Digitalwährung. Es kennt keine zentralen Stellen, funktioniert Peer-to-Peer innerhalb von Sekunden, kann nicht getrackt und somit auch nicht besteuert werden. Das macht die Währung für staatliche Stellen extrem gefährlich, mindestens unerwünscht. Beispiele für die kreative Nutzung, aber auch bereits realisierte Risiken zeigte ich in verschiedenen weiteren Beiträgen.

Internet-Enthusiasten sind grundsätzlich begeistert vom Bitcoin-Konzept. Was kümmert mich das funktionierende Staatengefüge, ich will frei zahlen und kaufen von wem, wo und was ich will. Auf diesen Standpunkt kann man sich stellen, demokratische Prozesse müssen letztlich ausformen, welche Regularien greifen können sollen.

Wieso WordPress Vorstoß nicht ganz unproblematisch ist…

Was mir an der Ankündigung Skeltons nicht gefällt, ist, dass sämtliche bestehenden Probleme rund um das Thema Bitcoin nicht im Ansatz zur Sprache kommen. Skelton tut so, als wäre dieser Schachzug kleinerer Natur. So, als würde man neben Euro nun auch Dollar als Währung akzeptieren. Auf diese Weise suggeriert er Millionen Menschen, die sich bislang nicht mit Bitcoins befasst haben, es handele sich um eine stabile, sichere und empfehlenswerte Bezahlmethode. Das ist mindestens fahrlässig.

Er geht sogar noch einen Schritt und beschreibt, um wieviel einfacher die Bezahlung doch im Vergleich zur Verwendung einer Kreditkarte ist, macht mithin regelrecht Werbung für Bitcoins. Sogar auf die entstehenden Wartezeiten bei der Zahlungsbestätigung verzichtet WordPress, so dass eine Zahlung mit Bitcoins innerhalb von Sekunden erledigt werden kann.

Ich frage mich, wieso Automattic das tut? Sicherlich, hier werden demokratische Urkonzepte in den Vordergrund geschoben. Man sei zu 100% Open Source und unterstütze deshalb andere Open Source Projekte quasi aus genetischer Disposition heraus. Zudem wolle man auch den Äthiopiern freien Zugang zu allen Optionen geben.

Andererseits: Nanu? Der Äthiopier und andere Bewohner von Staaten mit beschränkten Zahlsystemen können doch bereits jetzt kostenlos einen WordPress-Blog betreiben. Sicher, sie können die Werbeanzeigen nicht rauskaufen oder das Design völlig frei bestimmen. Hierzu bedürfte es der sog. Upgrades, die sich WordPress.com bezahlen lässt. Aber, mal im Ernst, glaubt jemand, dass gerade diese Funktionen den Blogger aus betroffenen Staaten überhaupt interessieren, geschweige denn ihn vor Neid erblassen lassen?

Darüber muss sich auch Automattic im Klaren sein. Und unter diesem Gesichtspunkt bekommt die Einführung von Bitcoins einen ganz anderen Beigeschmack. Will da jemand mit einer millionenstarken Nutzerschaft jemand anderem zeigen, wo der Hammer hängt? Gut möglich, aber verantwortungslos angesichts der nach wie vor ungelösten, großen Probleme der Digitalwährung.

Links zum Beitrag:

Hintergrundinformationen zu Bitcoins:

  • Bitcoin: Das gefährlichste Open Source Projekt aller Zeiten? – t3n
  • Kurz-Interview bei Radio Fritz – Trackback TRB 230
  • Online-Drogenparadies Silk Road gefährdet Digitalwährung Bitcoins – t3n
  • Bitcoins unter Druck: Inflation und Diebstahl machen Probleme – t3n
  • Bitcoins: Weiter unter Druck durch Botnet Mining und Trojaner Malware – t3n
  • Bitcoins: Größter Handelsplatz Mt. Gox kollabiert, immer noch offline (Update) – t3n
  • Bitcoin for Android: Mobile Payment mit virtueller Währung – t3n
  • Bitcoin-Kurs im freien Fall: Wann schaltet der letzte Miner seinen Rechner ab? – t3n

Von Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

5 Antworten auf „Bitcoin: WordPress jetzt mit Unterstützung für das gefährlichste Open Source Projekt aller Zeiten“

Aus meiner Sicht hat das Thema bis dato noch nicht völlig überzeugt, zumal immer wieder negative Schlagzeilen darüber zu lesen waren, was natürlich nicht dazu beiträgt, dass das Interesse daran steigt.

Schönen guten Abend!

Ich glaube, viele sehen das Thema viel zu ängstlich. Wir sollten mehr experimentieren – nicht das sture deutsche: Da brauchen wir erst ein Gesetz oder eine Verordnung damit alles geregelt wird.

Zum einen sind die meisten Menschen ehrlich. Bitcoin ist momentan eine ,Light-Version‘, später kommt evtl. auch noch ein Zusatz, um z. B. Daten für den Zahlenden und den Empfänger zu übertragen. Z. B. Rechnungs- oder Steuernummer. Auch wird in der Software davor gewarnt, größere Beträge zu überweisen etc., weil es sich noch in der Beta-Phase befindet.

Persönlich habe ich erstmalig im Juli 2012 davon gehört, als Paypal und andere Wikileaks blockierten – so etwas kann ich nicht zulassen. Testweise habe ich mir zwei Bitcoin für rund 14,– Euro gekauft und ,spiele damit Kaufmannsladen‘ – so wie damals in der Kinderzeit. Minispenden habe ich übersandt, die beiden Clients ausprobiert. Wobei ich jetzt Multibit favorisiere, weil er sich schneller mit dem Netz synchronisiert. Bei so kleinen Beträgen will ich momentan auch keine Verschlüsselung, kann aber dazugeladen werden. Beim Satoshi-Client ist das drin!?

Aber gehen wird jetzt einmal ins Utopische! Wir denken momentan an fast kostenlose weltweite Überweisungen. Bitcoin passt zum Internet wie E-Mail, Browser und ein paar andere Sachen. Ein ,freies Geld‘ fehlte in diesem System noch – statt z. B. Flattr.

Denn wo wird die Zukunft des Menschen denn enden in wieviel tausenden Jahren? Meiner Ansicht beim Golem, dem künstlich geschaffenen – einem Roboter. Wenn die Menschheit nicht mehr existiert und evtl. nur noch Roboter auf dem Planeten leben, so müssen sie sich ,ihre Nahrung‘ gegenseitig verkaufen – und die ist Elektrizität, damit die CPU und die Motoren laufen. Sie brauchen an Energie nichts anderes. Kein Brot, kein Bier, (fast) kein Obdach, wenn sie wasserfest sind. Aber Elektrizität müssen sie haben… Dies klingt vielleicht sehr abwegig, fiel mir aber ein, als ich aus Versehen bei einer Suchmaschine Botcoin, statt Bitcoin eintippte: Botcoin, die Währung der RoBoter…

Allen einen schönen Dienstagabend!

Gerd Taddicken – 2012-11-20, Dienstag, ca. 21.36 h

Ich habe mich jetzt erst mit dem Thema BitCoins beschäftigt. Und bin von der Idee hellauf begeistert.

gut verständlich empfide ich diesen artikel auf spiegel.de:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/netzwelt-ticker-hacker-stehlen-bitcoins-im-wert-von-170-000-euro-a-818810.html

Zitat:
„Ein gefährliches Projekt, das Regierungen stürzen und die Weltwirtschaft destabilisieren könnte – oder ein Schritt zu mehr Unabhängigkeit von Banken und Regierungen? Die digitale Hacker-Währung interessiert sogar die CIA – und macht einige Menschen gerade sehr reich.

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