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Webdesign

Braucht das Web die HTML5 File-System-API ?

HTML5 wird uns in den kommenden 10 Jahren bis zu seiner offiziellen vollständigen Spezifizierung viele neue Features bringen, auf die Webentwickler gewartet haben. Doch wird man in 10 Jahren auch wirklich noch alle Features brauchen? Ein kleiner Einblick in den Umgang mit Daten als Webentwickler.

Vor nicht allzu langer Zeit gab es noch 56k-Modems. Analog-Fanatiker wünschen sich diese Zeit zurück, wo die Vorfreude auf ein sich ladendes Bild noch regelrecht sekundenlang zelebriert werden konnte. Diese Zeiten sind jedoch, zumindest in Deutschland und hier in weiten Teilen, vorbei. Heute gehen wir mit einer zuverlässigen und ständig verfügbaren Verbindung ins Internet, in Großstädten erreichen wir sogar teilweise 100Mbit. Jegliche Daten aus der „Cloud“ sind für uns somit ständig verfügbar und der Trend geht auch weiter dahin, unsere Daten von einem lokalen Rechner zu trennen und von überall verfügbar zu machen.

Breitbandanschlüsse je 100 Einwohner | Quelle: http://bit.ly/HQJewx
Land 2002 2008 2009 2010
EU 21,7 23,9 25,7
Deutschland 3,2 26,4 29,4 31,3
Dänemark 7,4 37,4 37,2 37,8
Großbritannien 1,6 27,5 28,8 30,6

2022 wird diese Entwicklung noch weiter vorangeschritten sein. Also warum benötigen wir heute und auch in Zukunft die Möglichkeit des Speicherns von Daten auf unseren lokalen Geräten? Es gibt meiner Ansicht nach viele Gründe für eine Möglichkeit, in HTML5 Daten lokal auf dem Client zu speichern.

Webservices in der Zukunft – auch ohne Cloud

Auch in 10 Jahren wird es nach wie vor weiße Flecken auf der Landkarte der zuverlässigen Internetverbindungen geben. Gleichzeitig werden immer mehr Menschen Webservices wie z.B. Google-Docs oder Exchange/Sharepoint nutzen. Natürlich wird es ohne eine Verbindung zu diesen Diensten schwierig sein seine Dateien bzw. Dokumente zu bearbeiten, selbst wenn es – etwa über Manifest-Dateien – möglich wäre. Deshalb ist es wünschenswert, dem User die Möglichkeit und auch die Sicherheit zu geben, seine Dokumente stets betrachten zu können und eine Synchronisation mit Offline-Diensten zu ermöglichen, aber nicht zu erfordern. Das Konzept der Google Chromebooks würde ohne diese Möglichkeit komplett in Frage gestellt.

Aber auch, wenn man kein Chromebook-Nutzer ist, wird man ein Interesse daran haben, sich seine eigene Backup-Möglichkeit zu schaffen. Mittels FS-API (File System API) und einer permanenten Speichervariante können die Daten zum Beispiel automatisch auf dem Client des Nutzers gespeichert werden. Sollte es tatsächlich einmal zu einem Datenverlust kommen, stünde stets noch die korrekte Variante lokal zur Verfügung.

Ein großes Thema kann auch Lastverteilung sein. Jedem ist bewusst, dass die Servertechnologie immer stärker wird, aber genauso wächst auch die Datenlast. So wäre es ein guter Ansatz auf dem eigenen Server nur noch die Dienste anzubieten und die Daten und Dokumente beim Client zu belassen. So sparte man sich einiges an Speicherbelegung. Man hat ja nicht zuletzt an der Einführung der SSDs gesehen, dass bessere und größere Festplatten nicht immer automatisch einen schnellen Preisrutsch mit sich bringen und die Gefahr besteht, dass sich solche Szenarien in ihrem Vorkommen immer mehr häufen.

Datenschutz und Sicherheit für den Nutzer

Außerdem bietet man dem Kunden mit einer lokalen Speichermöglichkeit ein unverzichtbares Gut, nämlich seine eigenen Daten vor fremdem und ungewolltem Zugriff zu schützen. Facebook, Google & Co. geraten immer wieder ins Visier der Datenschützer, da ihnen vorgeworfen wird, vertrauliche Daten ihrer Nutzer für eigene Zwecke zu analysieren. Natürlich besteht diese Möglichkeit auch bei der Verwendung der FS-API, nämlich in dem Moment wo die Services die Daten laden müssen, damit der Nutzer sie bearbeiten kann. Allerdings kann man dem User so die Angst vor einer ständigen Indizierung ersparen.

Browservergleich File System API
Browservergleich File System API

Vielleicht kann oder will auch nicht jeder Nutzer, unter anderem aus Sicherheitsgründen, ständig online und damit verfügbar sein. Es mag sich hier um einen nur geringen Prozentsatz handeln, doch bietet die FS-API eine einfache und standardisierte Möglichkeit, Lösungen für jedes Szenario umzusetzen.

Bisher war es praktisch nicht möglich, direkt verschiedene Dateien oder sogar ganze Ordnerstrukturen auf dem Rechner des Clients zu speichern. Die FS-API ermöglicht aber in einer Art „Sandbox“ genau dies. Innerhalb dieser Sandbox im Dateisystem des Clients können Dateien und Ordner erstellt, geändert und gelöscht werden. Die Speicherung kann temporär, aber auch permanent erfolgen. Das Ganze funktioniert im Moment nur in Google Chrome zu 100%, wird aber sicherlich bald in anderen Browsern verfügbar sein. Die FS-API einzusetzen, mag beim ersten Kontakt etwas schwierig wirken. Dass dem aber auf keinen Fall so ist, erkennt man aber schon nach kurzer Einarbeitungszeit. Einen Einstieg in die Verwendung der File-System-API werden wir in den nächsten Tagen hier im Dr. Web Magazin bieten.

(dpe)

Von Sven Schannak

ist ein leidenschaftlicher Web-Entrepreneur, freiberuflicher Web-Entwickler und stolzer Coding-Monkey.

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