Die Online Shop-Studie – Teil 1

Nach der Webdesignerseiten-Studie von vor knapp einem Jahr folgt hier der zweite Streich. Diesmal an der Reihe: Online Shops. Wir wollten wissen, wie die Shops dieser Tage ausgestattet sind und welche Features sie nutzen.

Die 50 Shops der Testreihe stammen aus einer Google-Suche nach deutschsprachigen Shops, den beiden Artikeln mit Topdesign Shops aus der Reihe Designideen und neuen Einträgen bei der Galerie Cart Craze. Der neue Dr. Web Shop, der Hinweis sei erlaubt, war nicht mit von der Partie.

Repräsentativ ist das alles wiederum nicht. Nicht alle Verkaufsstellen in Netz können über einen Kamm geschoren werden. Wer Stützstrümpfe für Senioren feilbietet, muss andere Prioritäten setzen als der hippe T-Shirt Store. Hier geht es um allgemeine Aussagen. Um Dinge, die man finden und zählen kann. In Teil 1 interessiert uns die Ausstattung der Shops. Der spätere Teil 2 wird Aussagen zu Usability und Design machen und sich mit dem Kunden beschäftigen.

Standards spielen in der Welt der Online Shops keine Rolle. Nicht einmal der Mozilla Shop konnte hier punkten. Gerade einmal 10% validierte – sofern man nicht zu strenge Maßstäbe anlegte. Tat man das doch, blieben noch 2 von 50 Shops im grünen Bereich. Den Vogel schießen Unternehmen wie Tschibo ab, deren System „Intershop Enfinity“ peinliche 466 HTML-Fehler für die Startseite auswies.

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Rund 20% der untersuchten Shop bieten einen RSS-Feed an. Darunter überraschenderweise auch bekannte Unternehmen aus Deutschland wie Baur oder Lidl. Lidl weist sogar ausdrücklich auf seinen Feed hin.

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Lidls RSS-Hinweis

Twitter spielt derzeit keine Rolle im eCommerce. Nur auf 4 Sites konnten entsprechende Hinweise entdeckt werden.

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Ein junges Publikum kann man auch mit Twitter ansprechen.

Überhaupt ist die Web 2.0-Welt ein gehöriges Stück entfernt. Web 2.0-Buttons fanden sich auf 16% der Shop-Startseiten.

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Buttons bei Blue Tomato. Hier mag das funktionieren. Aber wer möchte schon Freund von Kartstadt sein?

Ganz anders sieht das aus, wenn es um Newsletter geht. Man mag sie für antiquiert halten, Newsletter wurden jedoch noch auf 34% der untersuchten Shops auf der Startseite erwähnt oder mit Hilfe eines Eingabefeldes „Abonnement“ angeboten. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da Newsletter gelegentlich mit der Bestellung verbunden werden.

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Wer ernsthaft auf den Newsletter setzt, bietet ihn schon auf der Startseite an. Je direkter man das tut, desto höher ist die Zahl der Leser. Lidl annonciert sogar ein Newsletter-Gewinnspiel auf der Startseite.

Mit einem Newsletter richtet man sich keineswegs an ein Publikum aus Senioren. Cosmic Soda setzt die Abo-Box direkt unter den Warenkorb. Hier hätte man allerdings eher die Suchfunktion erwartet.

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Und der Warenkorb? Jeder Shop hat ihn und jeder setzt ihn auf seine Weise in Szene. 9 von 50 Shops liessen den Warenkorb auf der Startseite allerdings vermissen. 8 begnügten sich mit einer Darstellung in Textform. Was die Metaphern und Icons betrifft, so scheint der Einkaufswagen mit 38% klar vor Tüten, Taschen und Körben zu liegen (22%).

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Dirty Coast: Warenkorb- und RSS-Icon miteinander verbunden

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Der Schuhhändler Görtz spricht von der „Einkaufstasche“. Ein selten verwendeter Begriff

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Die Tragetasche ist längst ein Klassiker

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Gar nicht so selten: der Warenkorb besteht aus reinem Text

Und wie steht es um Kreditkarten-, Bank- und Paypal-Icons? Die sollten in einem Online Shop häufig zu finden sein. Aber das sind sie nicht. Nur 16% der hier betrachteten Shops waren passend ausgerüstet. Paypal-Icons auf deutschsprachigen Shops waren sogar komplett Fehlanzeige. Das heißt nicht, das es sie nicht gibt, Paypal spielt aber hierzulande nicht die Rolle, die es international inne hat. Schade eigentlich, denn so zu bezahlen, ist durchaus praktisch. Der eine oder andere Kunde wüsste vielleicht schon gern, wie er im Shop bezahlen kann. Es ist anzunehmen, dass man von einer nahezu 100%igen Versorgung mit Bankkonten ausgeht.

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Multifunktionale Icon-Tafel in einem Holländischen Shop. Hier geht’s praktischerweise auch gleich um Lieferzeiten und -Kosten (tm)

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Von Sven Lennartz

Ex Webdesigner, Gründer von Dr. Web und Smashing Magazine. Heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger unterwegs. Schau was er jetzt macht…

4 Kommentare

  1. Ich kann moonrise nur bedingt zustimmen.
    Es ist erwiesen, dass die Abbruchquote sehr hoch ist,
    wenn nur Zahlarten wie Vorauskasse oder Nachname angeboten werden.

    Die größeren Shops geben Ihre Zahlarten aber nur frei, wenn Scoringdienste einen entsprechenden Wert geben.
    D.h. vorne auf der Startseite stehen „100derte“ von Zahlarten und da der Kunde in einer schlechten Gegend wohnt bekommt er doch nur 2 angezeigt…

    Das bedeutet, dass ich die möglichen Zahlarten schon als Kriterien für einen Shop sehe, nur nicht die Bilder auf der Startseite… ;)

  2. Ich suche mir aber auch im realen Leben die Geschäfte nach ihrem Angebot / Preisen aus. Kann ich mit Methode A nicht zahlen nehme ich B oder C. Ich empfinde dies auch nicht als ein relevantes Kritikrium zur Bewertung von Shops.

  3. das wohl nicht, aber wie wäre es damit? man hat sich entschieden, gibt seine daten ein nur um festzustellen das man nicht so bezahlen kann wie man dachte (und vielleicht auch nur kann). frustrierend, oder?

    auch handfeste geschäfte im echten leben nutzen kreditkarten-aufkleber an ihren eingangstüren. paypal habe ich dort allerdings noch nie gesehen ;-)

  4. Meine Meinung zu den Bank-Icons:
    ich kenne – auch deutsche – Shops die diese auf der Startseite anzeigen und ich finde es nicht nützlich – sogar ziemlich unnütz.

    Das diese Information auf einer Unterseite steht ok aber
    ich bin noch nich in einen Onlineshop gegangen und
    habe ein Produkt gekauft, bloß weil ich sofort sehe das ich da per Zahlungsweg X bezahlen kann.

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