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Gründercoaching Deutschland: Beratungszuschüsse (nicht nur) für Gründer

Wer sich in der Startphase seiner Selbstständigkeit beraten lässt, ist durchweg erfolgreicher und scheitert seltener. Für Freelancer und Kleinunternehmen sind die Honorare qualifizierter Berater aber oft unerschwinglich. Immerhin sorgen staatliche Zuschüsse dafür, dass Sie zwei bis vier Beraterstunden zum Preis von einer bekommen. Für Gründer aus der Arbeitslosigkeit ist der Eigenanteil mit 10 % sogar ganz besonders gering.

Bevor Sie als gestandener Freiberufler oder Gewerbetreibender vorschnell abwinken: Der Name des attraktiven  Förderprogramms („Gründercoaching Deutschland“) legt die Vermutung nahe, dass ausschließlich Existenzgründer den Zuschuss in Anspruch nehmen können. Das trifft jedoch nicht zu – im Gegenteil: Für Beratungen im Vorlauf von Gründungen ist diese Beihilfe ausdrücklich nicht gedacht. Die Zuschüsse sind vielmehr bereits aktiven Freiberuflern und Gewerbetreibenden während der „Start- und Festigungsphase“ vorbehalten: Eine Gründung oder Übernahme darf bei Antragstellung bereits bis zu fünf Jahre zurückliegen!

Auch der Begriff „Coaching“ ist missverständlich: Er ist sehr weit gefasst und umfasst grundsätzlich alle Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zu „wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“. Nur für klassische Rechts-, Steuer-, Versicherungs- sowie IT-Beratungen gibt es von vornherein keine Fördermittel.

Zuschussberechnung

Die gute Nachricht: Die Konditionen des bundesweiten Förderprogramms sind im Vergleich zu den meisten Vorläufern verbessert worden. Die Obergrenze des förderfähigen Beraterhonorars liegt bei insgesamt 6.000 Euro. Pro Achtstundentag darf der Berater dabei bis zu 800 Euro in Rechnung stellen. Fahrkosten, Spesen sowie der Umsatzsteueranteil der Beraterrechnung werden allerdings nicht bezuschusst.

Bitte beachten Sie: Falls Sie noch unter die Kleinunternehmerregelung fallen und deshalb die Vorsteuer nicht abziehen dürfen, ist ausnahmsweise auch der Umsatzsteueranteil förderfähig.

Die eigentliche Zuschusshöhe ist vom jeweiligen Unternehmensstandort abhängig:

  • In den neuen Bundesländern sowie der westdeutschen EU-„Phasing Out“-Region (= Regierungsbezirk Lüneburg) übernimmt der Staat 75 Prozent des Beraterhonorars – maximal also 4.500 Euro.
  • Antragsteller aus den alten Bundesländern bekommen nur einen 50-prozentigen Zuschuss zu den Beratungskosten – also höchstens 3.000 Euro.

Anders ausgedrückt: Sie bezahlen eine Beraterstunde und lassen sich dafür zwei bis vier Stunden lang coachen.

Wichtig: Die Obergrenze des Beraterhonorars darf insgesamt nicht überschritten werden: Anderenfalls ist das gesamte Coaching nicht mehr förderfähig! Hier einige Beispielrechnungen:

Beispielrechnungen nach Fördergebieten

Bitte beachten Sie: Gründer aus der Arbeitslosigkeit, die den Gründungszuschuss, Einstiegsgeld oder andere Leistungen nach dem SGB II oder SGB III erhalten, haben im ersten Jahr der Selbstständigkeit sogar Anspruch auf 90 % des Beratungshonorars. Das (Netto-)Gesamthonorar darf dabei 4.000 Euro nicht überschreiten.

Der förderfähige Berater-Tagessatz beträgt höchstens 800 Euro (maximaler Stundensatz: 100 Euro). Die Gesamtförderung liegt in diesem Fall also bei maximal 3.600 Euro. Auch hier darf die Obergrenze von 4.000 Euro nicht überschritten werden, sonst verlieren Sie den gesamten Förderanspruch!

Mithilfe des KfW-Zuschussrechners können Sie bei Bedarf ausrechnen lassen, wie hoch der Beratungszuschuss in Ihrem Fall sein wird:

KfW-Zuschussrechner
KfW-Zuschussrechner

Praxistipp: Selbstständige, die Arbeitslosengeld II (= „Hartz-IV“) oder Einstiegsgeld beziehen und sich den 10-prozentigen Eigenanteil nicht leisten können, haben die Möglichkeit, beim „Fallmanager“ der Arbeitsagentur oder der zuständigen ARGE einen Antrag auf Übernahme des Coaching-Eigenanteils zu stellen. Im günstigsten Fall wird die Beratung dann gänzlich kostenlos. Einen Rechtsanspruch auf die Kostenübernahme gibt es allerdings nicht.

Vergabebedingungen

Um Missbrauch vorzubeugen, gibt es keine völlig freie Beraterwahl: Der von Ihnen beauftragte Experte muss in der KfW-Beraterbörse gelistet sein. Mithilfe einer brauchbaren Suchfunktion durchforsten Sie die Datenbank gezielt nach den für Sie am besten geeigneten Fachleuten. Die anschließende Bewilligung der Fördermittel ist allerdings nicht ganz so einfach: Nachdem Sie den Antrag ausgefüllt haben, müssen Sie Ihren Beratungswunsch gegenüber einem KfW-Regionalpartner persönlich präsentieren.

Weite Wege sind dafür zum Glück aber auch in Flächenstaaten meist nicht nötig: Sofern das Gremium seinen Sitz nicht ohnehin in Ihrer Nähe hat, können Sie das erforderliche Einzelgespräch zum Beispiel im Rahmen lokaler „Gründertage“ führen. Ein bewilligtes Coaching muss binnen eines Jahres abgeschlossen sein. Kombinationen mit anderen Beratungsbeihilfen sind nicht zulässig.

Neu: Online-Antragstellung

Bitte beachten Sie: Seit Anfang 2010 müssen Anträge auf KfW-Gründercoaching im Internet erfasst werden: Dabei werden Schritt für Schritt die folgenden Informationen abgefragt:

  • Unternehmens-, Personen- und Kontaktdaten,
  • Begründung des Coachingbedarfs,
  • Erklärungen zur Antragsberechtigung sowie
  • Datenschutzbestimmungen.

Anschließend können Sie den vorbereiteten Antrag im PDF-Format speichern und ausdrucken. Die Antragstellung ist damit aber noch nicht erledigt: Erst wenn die Fördervoraussetzungen geprüft sind und die „Zusageempfehlung“ des zuständigen KfW-Regionalpartners vorliegt, wird der Antrag von der Förderbank bearbeitet.

Eine 34-seitige (!) Hilfe zum Online-Antrag (PDF, 1,8 MB) soll die Antragstellung erleichtern. Welche formalen und inhaltlichen Stolpersteine Sie beachten müssen, um Ihre Beratungsförderung nicht zu gefährden, erfahren Sie in der Anleitung jedoch nicht. Am besten lassen Sie sich daher von vornherein vom Berater Ihres Vertrauens bei der Antragstellung unterstützen. Die von der KfW zugelassenen Gründer-Coaches in Ihrer Umgebung finden Sie in der KfW-Beraterbörse.

Zuschusszahlung

Nachdem das Coaching bewilligt und durchgeführt worden ist, wird wie folgt abgerechnet:

  • Ihr Berater schreibt einen abschließenden Coaching-Bericht,
  • schickt Ihnen die Gesamtrechnung,
  • Sie zahlen Ihren Eigenanteil und
  • der Berater schickt diese Nachweise an die regionale Vergabestelle.

Von dort bekommt er dann den Rest seines Honorars. Sie müssen den Zuschuss also nicht etwa vorfinanzieren. Ihr Risiko ist dadurch gleich Null.

Fazit

Unternehmensberater und Business-Coachs sind besser als ihr Ruf: Vor allem zu Beginn der Selbstständigkeit und bei wichtigen Weichenstellungen zahlt sich Profi-Unterstützung erfahrungsgemäß aus. Die dafür bereitgestellten staatlichen Fördermittel sollten Sie daher trotz aller bürokratischen Antragshürden nicht links liegen lassen: Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist höher als das auf den ersten Blick den Anschein hat.

Sofern Sie sich einen erfahrenen Berater aussuchen, wird der Ihnen nicht nur beim Ausfüllen des Antrags unter die Arme greifen, sondern Sie schon auch aus eigenem Interesse gründlich auf das Gespräch vorbereiten. Schließlich ist ein zusätzliches Auftragsvolumen von bis zu 6.000 Euro auch aus seiner Sicht ja nicht zu verachten.

Links zum Artikel:

Update 06.08.2010
Erstveröffentlichung 20.11.2007

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Finanzierungsalternativen: So besorgen Sie das nötige Kleingeld – Teil 2

Wer als Freiberufler oder Kleingewerbetreibender versucht, bei Banken und Sparkassen ein geschäftliches Darlehen zu bekommen, stößt vielfach auf taube Ohren. Nicht immer sind Zweifel an der Bonität ausschlaggebend: Aus Sicht von Finanzdienstleistern ist das Kreditvolumen oft einfach nicht der Mühe Wert. Zum Glück gibt es bei der Geldbeschaffung auch noch andere Lösungen und Anlaufstellen.

Der erste Teil des Finanzierungsbeitrags beschäftigt sich mit konventionellen Kleinkreditprogrammen, warnt vor Finanzierungsfallen und macht Vorschläge, auf welchem Weg sich der Finanzbedarf noch weiter senken lässt. Im zweiten Teil geht es um ausgefallenere Möglichkeiten der Geldbeschaffung. Die passen nicht in jedem Fall, eine Überlegung sind sie aber allemal wert.

Alternative IV: Microlending
Nicht erst seit Mikrokredit-Pionier Muhammad Yunus im Vorjahr den Friedensnobelpreis bekommen hat, gibt es die von den Hausbanken unabhängige Kleinstkreditvergabe auch bei uns: Nach dem Vorbild kommerzieller Risikokapitalgeber gewähren zum Beispiel die im Deutschen Mikrofinanzinstitut (DMI) zusammengeschlossenen regionalen Fördereinrichtungen unter bestimmten Bedingungen Kredite an motivierte und vertrauenswürdige Selbstständige. Ein Rechtsanspruch auf die Förderung besteht nicht: Die Antragsteller müssen in der Lage sind, die Kreditgeber vor Ort von der Rückzahlung zu überzeugen. Fehlende „bankübliche Sicherheiten“ können dabei auf ganz verschiedene Weise ersetzt werden.

Der DMI-Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit. Das Kreditlimit beträgt beim ersten Darlehen 10.000 Euro, eine Begrenzung nach unten gibt es grundsätzlich nicht. Bereits kleinste Kreditbeträge (z. B. 1.000 Euro) sind förderfähig. Dafür ist die Laufzeit in der Regel aber auch sehr kurz: Das erste Darlehen sollte bereits nach 18 Monaten zurückgezahlt sein. Der aktuelle Jahreszinssatz von zurzeit bis zu 10 Prozent macht zugleich deutlich, dass es sich beim Microlending nicht um Almosen handelt, sondern um zwar kleine, aber erstzunehmende Finanzierungsprojekte für selbstbewusste „Selbstangestellte“ und Nachwuchsunternehmer. Falls es in Ihrer Region keinen DMI-Partner gibt, sollten Sie beim lokalen Wirtschaftsförderer oder Ihrer Kammer nach vergleichbaren Alternativen fragen.

Alternative V: Leasing
Bleibt trotz noch so großer Sparanstrengungen und zusätzlicher Einnahmen unterm Strich eine Finanzierungslücke, die mangels ausreichender Sicherheiten nicht durch Bankdarlehen gedeckt werden kann, bietet sich das Leasing an: Anders als beim Darlehen gehen Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge dabei nicht in Ihr Betriebsvermögen über, sondern bleiben Eigentum des Leasinggebers. Dafür dass er sie Ihnen zur Nutzung überlässt, bezahlen Sie – in der Regel monatliche – Leasingraten. Da Sie die in voller Höhe als Betriebsausgaben geltend machen können, brauchen Sie sich über Abschreibungen keine Gedanken zu machen. Auch die Entsorgung der Geräte nach Ende des Leasingzeitraums ist nicht Ihr Problem.

Anders als beim fremdfinanzierten Kauf fällt dafür aber auch die Möglichkeit weg, den Gegenstand nach Ende des Finanzierungszeitraums „kostenlos“ weiternutzen zu können: Zwar bieten die Leasinggeber häufig die Möglichkeit, den Gegenstand gegen Zahlung eines kalkulierten „Restwertes“ zu kaufen oder einen günstigen Anschlussvertrag abzuschließen. Unterm Strich ist sind die Finanzierungskosten beim Leasing aber in der Regel höher als bei der Darlehensfinanzierung. Hinzu kommen die teuren Versicherungsauflagen, durch die sich die Leasinggeber gegen Beschädigung oder Zerstörung ihres Eigentums absichern. Nachteilig ist darüber hinaus die feste Bindung an die Vertragslaufzeit: Der Ausstieg aus einem laufenden Leasingvertrag gestaltet sich erfahrungsgemäß schwierig.

Alternative VI: Privatkredit
Da fahren Sie bei einem Privatkredit schon besser: Dass beim Geld die Freundschaft aufhört, liegt unter anderem daran, dass Familienangehörige oder Freunde häufig erst dann angesprochen werden, wenn alle anderen Stricke gerissen sind. Kein Wunder also, dass das Ausfallrisiko dann ganz besonders hoch ist.

Wenn Sie jedoch von Ihrem Vorhaben und dessen Refinanzierung überzeugt sind, stellt ein Privatkredit durchaus eine seriöse Geldquelle dar, von der im Übrigen beide Seiten profitieren können. Sie müssen ja nicht unbedingt auf einen zinslosen Gefälligkeitskredit beharren:

  • Stellen Sie Ihre Tätigkeit oder Ihr Vorhaben in verständlichen Worten vor.
  • Erklären Sie genau, wofür Sie wie viel Geld brauchen,
  • bis wann Sie es in welchen Teilbeträgen und
  • zu welchem Zinssatz zurückzahlen werden und
  • welche Sicherheiten Sie ggf. stellen können.

Trotz verbesserter Konditionen auf dem Tages- und Festgeldmarkt stellen jährliche Zinsen von 5 bis 6 Prozent für Privatpersonen bei Laufzeiten von bis zu drei Jahren eine durchaus attraktive Kapitalverzinsung dar – noch dazu, wenn damit ein „gutes Werk“ getan wird.

Wichtig: Auch und gerade bei Krediten im engsten Familien- und Freundeskreis sollten Sie einen ordentlichen Darlehensvertrag abschließen, in dem die wichtigsten Eckdaten möglichst genau geregelt sind. Die Schriftform ändert ja nichts daran, dass sich auf diese Weise vor allem kurzfristiger Finanzierungsbedarf von einigen Monaten gut decken lässt: Selbst wenn ein Bankdarlehen zu einem erträglichen Zinssatz möglich wäre, ist der aufgrund der üblichen hohen Bearbeitungsgebühren unverhältnismäßig teuer – weshalb die Banken in solchen Fällen meistens die vorübergehende Erhöhung des Kontokorrentkredits vorschlagen.

Alternative VII: Privatkredit via Internet
Finden Sie in Ihrem persönlichen Umfeld niemand, der bereit ist, Ihnen ein Darlehen zu geben? Dann könnten für Sie der Online-Geldvermittler Smava infrage kommen: Nach Feststellungen der Stiftung Warentest handelt es sich bei dem nach eigenen Angaben „ersten Marktplatz für Kredite von Mensch zu Mensch“ um eine seriöse Anlaufstelle für Kredite im Bereich zwischen 500 Euro und 10 000 Euro. Das ist genau die Größenordnung, bei der es Selbstständigen erfahrungsgemäß am schwersten fällt, Banken und Sparkassen von der Darlehensvergabe zu überzeugen.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Kreditvermittlung ist dabei zunächst einmal, dass das Schufa-Scoring des Kreditsuchenden nicht schlechter als „F“ ist: Damit sich potenzielle Gläubiger einen Eindruck vom statistischen Kreditausfallrisiko machen können, wird der Scoringwert zusammen mit der Projektvorstellung und einem Zinssatz eigener Wahl veröffentlicht. Interessierte Geldgeber haben daraufhin 14 Tage lang Zeit, um ihr Interesse an der Anlage zu bekunden. Kommt die Gesamtsumme zusammen, bringt die Online-Plattform die Beteiligten zusammen. Abgewickelt wird das Geschäft dann über eine Investmentbank. Bei einem Ausgabeabschlag in Höhe von 1 % (= 5 Euro bis 100 Euro) halten sich die Vermittlungsgebühren in einem vertretbaren Rahmen.

Das so genannte Social Lending wird hierzulande nicht nur von Smava angeboten. Andere mehr oder weniger Vertrauen erweckende Anbieter sind zum Beispiel

Alternative VIII: Teilhaber
Es muss nicht immer Fremdkapital sein: Wenn Sie die Eigenkapitalausstattung Ihres Betriebes verbessern wollen, dazu aus eigener Kraft aber nicht (mehr) in der Lage sind, können Sie auch darüber nachdenken, Teilhaber mit ins Boot zu nehmen: Sofern Sie selbst von Ihrem Vorhaben überzeugt sind, lässt sich ja vielleicht auch ein potenzieller Geldgeber zu einer Einlage bewegen. Ob der…

  • nur Geld bereitstellt und dafür im Gegenzug prozentual am Gewinn beteiligt wird („stiller Teilhaber“),
  • als offizieller Gesellschafter einer Personen- oder Kapitalgesellschaft zumindest die Grundzüge der Unternehmensentwicklung mitbestimmt oder
  • sich als Partner oder Geschäftsführer sogar aktiv am Alltagsgeschäft beteiligt,

… kann in jedem Fall frei ausgehandelt werden. Angefangen bei Personengesellschaften wie der schlichten Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), der Partnerschaftsgesellschaft von Freiberuflern, der offenen Handelsgesellschaft (oHG) oder der Kommanditgesellschaft (KG) bis hin zu Kapitalgesellschaften wie der ab 2008 voraussichtlich möglichen Unternehmergesellschaft („Mini-GmbH“) und der ausgewachsenen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) können Beteiligungen in vielerlei Formen gegossen werden.

Ohne rechtliche und steuerliche Beratung kommen Sie bei der Beteiligung von Geschäftspartnern allerdings nicht weit: Holen Sie sich zumindest Unterstützung bei der für Sie zuständigen Kammern und oder den lokalen Einrichtungen der Wirtschafts- und Gründungsförderung.

Fazit
Dass Banken und Sparkassen bei der Kreditvergabe so knauserig sind, muss kein Schaden sein: Denn erstens ist tatsächlich nicht jede Geschäftsidee ganz so marktfähig und überzeugend wie deren Urheber das sehen. Und zweitens bringen unkooperative Banken geschäftstüchtige Selbstständige oft auf viel bessere Ideen. Die zu suchen und auszuprobieren ist jedenfalls Erfolg versprechender als ewig über inkompetente und hartherzige Banker zu jammern.

Links und Material zum Thema:

Erstveröffentlichung 30.10.2007

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Finanzierungsalternativen: So besorgen Sie das nötige Kleingeld – Teil 1

Wer keine Kredite bekommt, tut gut daran, nach anderen Finanzierungswegen zu suchen. Manchmal öffnet erst der Ablehnungsbescheid der Bank die Augen für Alternativen. Nicht jede naheliegende Lösung ist jedoch zu empfehlen. Außerdem gilt auch bei der Geldbeschaffung oft: Weniger ist mehr.

Finanzierungsalternativen: So besorgen Sie das nötige Kleingeld – Teil 2

Wer sagt eigentlich, dass akuter oder langfristiger Finanzbedarf nur durch die eigene Hausbank, Sparkasse oder ähnliches Geldinstitut gedeckt werden kann? Auch in der deutschen Förderlandschaft setzt sich nach und nach die Einsicht durch, dass geringer Kreditbedarf nicht unbedingt ein Hinweis auf mangelndes kaufmännisches Wissen oder Zweifeln an den eigenen Erfolgsaussichten sein muss: Viele neue Selbstständige brauchen nun einmal beim besten Willen nicht mehr als 5.000 Euro bis 10.000 Euro. Mehr ist bei vernünftiger Planung einfach nicht nötig, um zum Beispiel einen neuen Computerarbeitplatz, eine professionelle Büroausstattung und einen fahrbaren Untersatz zu beschaffen oder zu ersetzen.

Bundes- und Landesregierungen sowie Förderbanken tragen dieser Entwicklung durchaus Rechnung: Mittlerweile gibt es auch hierzulande eine ganze Reihe geschäftlicher Kleinkredit-Programme, wie etwa…

  • das Mikro-Darlehen „Mikro 10“ (bis 10.000 Euro),
  • das Mikro-Darlehen (bis 25.000 Euro) oder
  • das Startgeld (bis 50.000 Euro).

Diese KfW-Programme werden ab Januar 2008 der Einfachheit halber wieder zum KfW-Startgeld zusammengefasst werden. Da diese „Peanuts“ jedoch wie eh und je über die Hausbanken an den Mann und die Frau gebracht werden, ist es bislang bei der restriktiven Vergabepraxis geblieben. Daran wird auch der für das nächste Jahr in Aussicht gestellte Bürokratieabbau bei der Kreditvermittlung kurzfristig wenig ändern.

Versuch macht klug
Abschrecken lassen sollten Sie sich davon selbstverständlich nicht: Unterschriftsreife Darlehensverträge können Sie auf den Seiten der KfW-Mittelstandsbank eigenhändig ausfüllen und ausdrucken. Sie brauchen Ihren fertigen Antrag dann nur noch bei Ihrer Bank einzureichen. Auf eine größere Kreditvergabe bereiten Sie sich am besten aber zusammen mit einem erfahrenen Berater oder Coach vor. Solche Beratungen oder Coachings sind ihrerseits förderfähig. Fragen Sie im Zweifel bei der für Sie zuständigen Kammer oder Ihrem Berufsverband nach.

Vorsicht Dispo-Falle
Doch was tun, wenn die Bank oder Sparkasse sich weigert, Sie mit dem nötigen Kleingeld zu versorgen? Statt darüber zu lamentieren lohnt es sich durchaus, über geeignete Finanzierungsalternativen nachzudenken. Ganz wichtig: Der bequeme Geschäfts-„Dispo“ (= Kontokorrentkredit) gehört auf jeden Fall nicht dazu! Da die üblichen Kontokorrentzinsen mittlerweile bei rund 12 Prozent liegen und Überziehungszinsen (bei Überschreiten des vereinbarten Kreditlimits) sogar die 20 Prozentmarke erreichen, ist das nicht nur unverhältnismäßig teuer, sondern auch ein Spiel mit dem Feuer: Schließlich ist der Kontokorrentkredit ausschließlich zur Sicherung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit gedacht – etwa um einen möglichen Skontoabzug aus Lieferantenrechnungen nutzen zu können, während überfällige Kundenüberweisungen noch nicht eingegangen sind.

Wird der kurzfristige Kreditrahmen bereits durch die Finanzierung langfristiger Investitionen ausgeschöpft, geht genau dieser überlebenswichtige Reaktionsspielraum verloren. Hinzu kommt, dass die Bank den Kontokorrentkredit bei aufkeimenden Zweifeln an Ihrer Zahlungsfähigkeit jederzeit kürzen oder kündigen kann: So geraten Sie schlimmstenfalls über Nacht an den Rand der Zahlungsunfähigkeit und sind in Ihrer beruflichen Existenz bedroht.

Vorsicht Schufa-Falle
Auch Raten-Finanzierungen in Form von Verbraucherkrediten können im Wiederholungsfall zu bösen Überraschungen führen: Zwar machen viele Hersteller und Händler auch für geschäftlich verwendbare Wirtschaftsgüter Teilzahlungsangebote – denken Sie nur an Möbel, Büromaschinen oder Fahrzeuge. Einmal abgesehen davon, dass die Verzinsung der scheinbar attraktiven 0-%-Ratenverträge zwangsläufig in den überhöhten Verkaufspreis einkalkuliert ist, haben Verbraucherdarlehensverträge nachteilige Auswirkungen auf die allgemeine Kreditwürdigkeit: Ganz gleich, wie hoch die gesamte Kreditsumme ist und unabhängig davon, dass Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen jederzeit pünktlich nachkommen, verschlechtern Ratenverträge Ihr Schufa-Scoring. Allein die Tatsache, dass Sie regelmäßig „auf Pump“ kaufen, lässt Ihr Ansehen in den Augen der Kreditwirtschaft automatisch sinken! Der anschließende Versuch, ein richtiges Geschäftsdarlehen zu bekommen, wird dadurch zusätzlich erschwert.

Alternative I: Wirksames Forderungsmanagement
Bevor Sie sich Gedanken über zusätzlichen Finanzbedarf machen, sollten Sie überprüfen, ob Sie bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um Ihre Einnahmeseite verbessern. Keine Sorge: Dafür sind oft gar nicht unbedingt mehr oder bessere Aufträge erforderlich. Bei vielen Selbstständigen wäre bereits einiges gewonnen, wenn Rechnungen und Zahlungserinnerungen zeitnäher geschrieben würden und / oder Kundenzahlungen verlässlicher und schneller einträfen.

Angesichts der naturgemäß überschaubaren Zahl von Kunden und Projekten ist bei den meisten IT-Freelancern und anderen neuen Selbstständigen kein ausgeklügeltes Forderungsmanagement nötig. Auch der Forderungsverkauf („Factoring“) kommt in aller Regel nicht infrage. Bevor Sie größere Aufträge übernehmen, sollten Sie nach Möglichkeit jedoch…

  • die Bonität Ihres Kunden überprüfen (indem Sie z. B. eine Bankauskunft einholen oder andere Geschäftspartner befragen),
  • Abschlagzahlungen oder Zwischenabrechnungen vereinbaren (z. B. etwa in Form einer fairen Lastenverteilungen wie: ein Drittel bei Auftragserteilung, ein Drittel bei Lieferung und ein Drittel bei endgültiger Abnahme durch den Kunden),
  • den gesetzlichen Verzugsbeginn von 30 Tagen kalendergenau auf zum Beispiel 14 Tage verkürzen (z. B. „zahlbar bis zum 25. Januar 2008“),
  • für Zahlungsanreize sorgen (z. B. „3 % Skonto bei Zahlung bis zum 18. Januar 2008“),
  • es bei einer Zahlungserinnerung und nur einer weiteren Mahnung belassen,
  • angemessene Verzugszinsen berechnen und notfalls
    das gerichtliche Mahnverfahren einleiten.

Wer diese Empfehlungen konsequent befolgt, senkt seinen externen Kapitalbedarf oft bereits spürbar.

Alternative II: Beschaffungskosten senken
Eine weitere völlig darlehensfreie Finanzierungsalternative besteht darin, die Beschaffungskosten zu senken: Trotz aller Sparsamkeit im Privatleben lassen sich viele Selbstständige bei geschäftlichen Investitionen von völlig unangebrachten Repräsentationsüberlegungen leiten. Dabei ist eine spartanische Büro-Ausstattung oder der gebrauchte Geschäftswagen aus Kundensicht in aller Regel überhaupt kein Problem.

Im Gegenteil: Profis wissen ganz genau, wer den Schuldendienst für die Nobelkarosse oder das nagelneue Luxus-Ambiente letztlich zu tragen hat. Natürlich gibt es keinen Sinn, die neue Computeranlage beim Trödler zu kaufen. Bei Fahrzeugen, Möbeln, robusten Werkzeugen und ähnlichen langlebigen Wirtschaftsgütern ist die Möglichkeit des Gebrauchtkaufs aber immer eine Überlegung wert.

Alternative III: Verwertung und Tausch
Die zeitnahe Verwertung ausrangierter Vermögensbestandteile stellt ebenfalls eine niedrigschwellige Möglichkeit dar, den Finanzbedarf zu senken: In Schubladen, Schränken und Kellern deutscher Unternehmen warten ungenutzte Vermögenswerte in Milliardenhöhe auf ihre Reaktivierung! Je länger Sie damit warten, desto wertloser werden diese Gegenstände – bis sie im ungünstigsten Fall nicht nur völlig wertlos sind, sondern obendrein noch für teures Geld entsorgt werden müssen.

Dabei ist die Verwertung entbehrlicher Güter über Ebay & Co. in den letzten Jahren immer einfacher, bequemer und Erfolg versprechender geworden: Durch den inzwischen hohen lokalen Verbreitungsgrad sowie günstige Sonderversandformen sind mittlerweile sogar sperrige Gebrauchtgüter verkäuflich geworden. Und falls sich einmal doch kein Käufer findet, besteht immer noch die Möglichkeit des Eintauschens gegen andere Güter oder auch gegen Dienstleistungen. Auch das entlastet die eigenen Konten und Kassen oft beträchtlich: Zwar hat die Geldwirtschaft den Tauschhandel nahezu völlig verdrängt: Die allerorten aus dem Boden sprießenden Tauschringe zeigen jedoch, dass es auch heute noch gut ohne Bargeld, Überweisungen und Kreditkarten geht.

Ausblick
Sie können Ihren Finanzbedarf trotz aller Sparanstrengungen und gut vorbereiteter Bankgespräche auf konventionellen Wegen nicht decken? Dann empfiehlt sich ein Blick auf alternative Lösungen und Anlaufstellen, die später in einem zweiten Teil des Beitrags vorstellt werden.

Links und Material zum Thema:

Erstveröffentlichung 22.10.2007

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Die richtige Rechnung

von Lukas Schlömer

Die Anforderungen an Rechnungen sind in den letzten Jahren immer weiter verschärft worden. Nach Schätzung von Experten verstoßen mittlerweile mehr als die Hälfte aller Rechnungs-Dokumente gegen die strengen gesetzlichen Auflagen. Kurzfristig fällt das nicht weiter ins Gewicht – die teure Quittung kommt unter Umständen erst Jahre später. Wir erläutern, in welchen Fällen ein böses Erwachen droht und worauf Sie achten müssen.

Die gute Nachricht vorweg: Die Formvorschriften für Rechnungen gelten grundsätzlich nur für Unternehmer – und zwar solche, die Ihren Kunden Umsatzsteuer (= Mehrwertsteuer) in Rechnung stellen und diese Einnahmen mit der selbst gezahlten Umsatzsteuer (= Vorsteuer) verrechnen. Konsequenterweise finden sich die Rechnungsanforderungen denn auch im Umsatzsteuergesetz (genauer gesagt: im § 14 UStG). Da der Vorsteuerabzug zu einer schmerzhaften Verringerung der Steuereinnahmen führt, ist der Fiskus in dieser Angelegenheit völlig humorlos.

Screenshot

Für umsatzsteuerpflichtige Selbstständige sind die Vorschriften in zweifacher Hinsicht von Bedeutung: Als Aussteller tun Sie gut daran, Ihren Kunden von vornherein einwandfreie Rechnungen zu schicken, um sich peinliche Nachfragen und Mehrfacharbeit zu sparen. Und als Empfänger sollten Sie vor dem Ausstellen der Überweisung genau darauf achten, ob alle Auflagen erfüllt sind – anderenfalls ist der Vorsteuerabzug unzulässig. Bevor Sie eine Rechnung akzeptieren, müssen Sie die folgenden Fragen bejahen können:

  • Sind mein Name und meine Anschrift richtig und vollständig angegeben? (Wichtig: Bei Freiberuflern, Einzelunternehmern und GbRs ist der bürgerliche Vor- und Zuname erforderlich. Die Nennung einer Geschäftsbezeichnung, wie z. B. „TopDesign Musterstadt“, genügt nicht!)
    Hat der Aussteller seinen eigenen Namen und seine Anschrift richtig und vollständig angegeben?
    Findet sich die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Ausstellers oder seine persönliche Steuernummer auf der Rechnung?
  • Ist das das (richtige) Ausstellungsdatum vorhanden?
  • Wird der (richtige) Zeitpunkt der Lieferung oder Dienstleistung genannt?
  • Enthält das Dokument eine fortlaufende und – soweit feststellbar – nur einmalig vergebene Rechnungsnummer?
  • Werden Art und Umfang der Lieferung oder Dienstleistung genannt?
  • Sind die Einzelpreise angegeben (ggf. nach Steuersätzen differenziert)?
  • Sind die einzelnen Umsatzsteuersätze (19 %, 7 % oder 0 %) ausgewiesen?
  • Werden die Umsatzsteuerbeträge (in Euro und Cent) aufgeführt?
  • Bei E-Mail-, PDF- und anderen elektronisch übermittelten Rechnungen: Sind die Dokumente elektronisch signiert?

Ein Papierdokument muss hingegen keine Unterschrift tragen. Auch das Wort „Rechnung“ ist nicht unbedingt erforderlich. O-Ton Umsatzsteuergesetz:

„Rechnung ist jedes Dokument, mit dem über eine Lieferung oder sonstige Leistung abgerechnet wird, gleichgültig, wie dieses Dokument im Geschäftsverkehr bezeichnet wird.“

Peanuts-Privileg
An Kleinbetragsrechnungen im Brutto-Wert von bis zu 150 Euro (bis 31.12.2006: 100 Euro) werden etwas geringere Anforderungen gestellt. Her genügen die folgenden Angaben:

  • der vollständige Name und die Anschrift des Ausstellers,
  • das Ausstellungsdatum,
  • die Art und Menge der gelieferten Produkte oder Dienstleistungen,
  • der Bruttobetrag sowie
  • der Steuersatz der enthaltenen Umsatzsteuer (19 %, 7 % oder 0 %).

Fehler-Folgen I: Die Umsatzsteuer
Da die Rechnungsvorschriften im Umsatzsteuergesetz geregelt sind, wirken sich Verstöße zunächst einmal auf den Vorsteuerabzug aus: Angenommen Sie kaufen im Oktober 2007 einen Geschäftswagen im Wert von 30.000 Euro (= netto 25.210 Euro plus 4.790 Euro Umsatzsteuer = Mehrwertsteuer = Vorsteuer) und geben sich mit einer fehlerhaften Rechnung zufrieden. Wenn Sie den Vorsteuerbetrag in Ihre Umsatzsteuer-Voranmeldung bzw. Jahreserklärung eintragen, dann mindert der Kauf Ihre Umsatzsteuerzahllast im Jahr 2007 um die vollen 4.790 Euro. Fällt das unvollständige Abrechungsdokument später jedoch einem Betriebsprüfer des Finanzamts in die Hände, kann der Ihnen noch im Jahr 2017 (!) nachträglich den Vorsteuerabzug streichen: Ausgabebelege müssen Sie nämlich 10 Jahre lang aufbewahren!

Die Folge: Sie zahlen die zu Unrecht geltend gemachte Vorsteuer in voller Höhe nach – zuzüglich Verspätungszinsen von 6 Prozent pro Jahr. Inklusive Zins und Zinseszins werden im Laufe von zehn Jahren daraus knapp 8.600 Euro! Zwar können Sie versuchen, vom Aussteller noch eine vorschriftsmäßige Rechnung zu bekommen – angesichts der rasanten Veränderungsgeschwindigkeit im heutigen Wirtschaftsleben ist der Erfolg aber alles andere als gewiss: Oder würden Sie darauf schwören, dass Ihr Autohändler in zehn Jahren noch am Markt ist?

Fehler-Folgen II: Die Einkommensteuer
Wie gesagt: Die volle Härte der Streich-Automatik bezieht sich zunächst einmal nur auf den Umsatzsteuer-Anteil. Da die Rechnung zugleich jedoch Grundlage der Einnahmen-Überschussrechung (bzw. Gewinn- und Verlustrechnung) ist, kann bei Zweifeln an der Plausibilität und sachlichen Richtigkeit des Abrechnungsdokuments auch die Anerkennung als betrieblicher Aufwand in Gefahr geraten. Das ist vor allem dann der Fall, wenn…

  • … Zweifel an der Person bzw. Firma des Ausstellers oder Empfängers angebracht sind,
  • … Unklarheit über das Liefer- oder Leistungsdatum besteht und / oder
  • … Preis, Art und Menge der Lieferung oder Leistung uneindeutig oder zweifelhaft sind.

Im ungünstigsten Fall würden dann obendrein die Fahrzeugabschreibungen und damit letztlich die Einkommensteuererklärungen zu Ihren Lasten nach unten korrigiert – auch hier wohlgemerkt: zuzüglich Verspätungszuschlägen. Je nach persönlichem Steuersatz kämen auf diese Weise dann bis zu weiteren 16.000 Euro Einkommensteuer-Nachzahlungen auf Sie zu.

Ihr gutes Rechnungs-Recht
Das Damoklesschwert einer Finanzamtsprüfung ist Grund genug, gleich von Anfang an für ordnungsgemäße Zahlungsnachweise zu sorgen. Wenn Ihr Geschäftspartner Ihnen nicht entgegenkommt, müssen Sie den Rechnungsbetrag nicht zahlen: Denn laut § 14, Abs. 2 Nr. 2 UStG ist ein Unternehmer verpflichtet, seinen Geschäftskunden eine finanzamtstaugliche Rechnung auszustellen.

Am besten bitten Sie Ihren Lieferanten oder Dienstleister telefonisch um eine korrigierte Rechnung. Auf diese Weise vermeiden Sie zusätzliche Zeitverzögerungen. Sie können Ihren Geschäftspartner aber auch per Post freundlich, aber bestimmt auf Ihr gutes Rechnungs-Recht hinweisen:

Sehr geehrter Herr Mustermann,
vielen Dank für Ihre Lieferung / Leistung vom ________. Ihre Rechnung Nr. ### ist bei mir eingetroffen. Da sie nicht alle Form- und Inhaltsvorschriften des § 14 UStG erfüllt, konnte ich sie leider noch nicht bezahlen. Anderenfalls wäre mein Vorsteuerabzug gefährdet. Folgende Angaben fehlen:

Meine Bitte: Schicken Sie mir eine korrigierte Rechnung? Dann werde ich den Rechnungsbetrag umgehend überweisen. Vielen Dank!
Freundliche Grüße aus Musterstadt

Notfall-Tipp: Vorsteuer als Aufwand
Wird der Vorsteuerabzug gestrichen, aber immerhin die Betriebsausgabe anerkannt, dann kann der Umsatzsteueranteil ausnahmsweise als zusätzlicher Aufwand durchgehen. Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater – auf dessen Unterstützung sind Sie während einer Betriebsprüfung ohnehin angewiesen.

Kleinunternehmen und Privatleute
Da Kleinunternehmer im Sinne des § 19 Umsatzsteuergesetzes (Jahresumsatz von bis zu 17.500 Euro im Vorjahr und bis zu 50.000 Euro im laufenden Jahr) keine Vorsteuer geltend machen, sind sie von der möglichen Streichung des Vorsteuerabzugs nicht betroffen. Ungeachtet dessen sollten sie sich jedoch um einwandfreie Eingangsrechnungen bemühen.

Auf eigenen Ausgangsrechnungen müssen Sie als umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer Ihren Kunden das Fehlen der Mehrwertsteuer erklären. Der Verweis auf den einschlägigen Paragrafen des Umsatzsteuergesetzes genügt dabei vollauf, z. B. „Umsatzsteuerfreie Lieferung / Leistung gemäß § 19 Umsatzsteuergesetz.“

Auch als Privatperson sollten Sie schließlich auf aussagekräftige Einkaufsbelege achten – und sei es nur, um eventuelle Umtauschrechte oder Garantieansprüche geltend machen zu können. So lange Name und Anschrift des Ausstellers, Kaufdatum und Preis eindeutig aus dem Dokument hervorgehen, sind Sie in der Regel jedoch auf der sicheren Seite. Anspruch auf eine formvollendete Rechnung haben Verbraucher jedoch nicht.

Fazit:
Die immer weiter wuchernde Rechnungsbürokratie mag ärgerlich sein – Mut zur Lücke sollten Sie vor allem bei Einkäufen über 150 Euro aber trotzdem nicht an den Tag legen: Werden bei einer Prüfung auf einen Schlag zweifelhafte Vorsteuerabzüge und Betriebsausgaben mehrerer Jahre aberkannt, kann das bei Freiberuflern und kleinen Betrieben leicht Existenz gefährdend werden.

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Erstveröffentlichung 09.10.2007

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Abgeltungsteuer: Neues Folterwerkzeug fürs Finanzamt?

Keine Sorge: Die Abgeltungsteuer ist keine neue Steuerart. Vielmehr kassiert das Finanzamt die Einkommensteuer auf Ihre Kapitalerträge ab 2009 direkt bei den Geldinstituten. Die bisher obligatorische Abrechnung im Rahmen der Steuererklärung ist dann nicht mehr erforderlich. Die schlechte Nachricht: Neben Zinsen und Dividenden müssen künftig auch Kursgewinne aus Wertpapierverkäufen versteuert werden.

Von der vielzitierten Unternehmensteuerreform 2008 sind auch Privatpersonen betroffen: Denn die Gesetzesänderung bezieht sich unter anderem auf die Paragrafen 20 und 23 EStG, in denen die Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen sowie „privaten Veräußerungsgeschäften“ geregelt sind: Ab 2009 müssen die Kreditinstitute demnach grundsätzlich 25 % sämtlicher

  • Zinserträge aus Geldanlagen,
  • Dividenden aus Aktienbesitz sowie
  • Gewinne aus Wertpapierenverkäufen

an den Fiskus abführen. Die bisherige Steuerbefreiung von Kursgewinnen bei Beachtung der einjährigen Spekulationsfrist (= „Veräußerungsfrist“) entfällt. Ganz gleich, wie lange sich Aktien, Fondsanteile oder Zertifikate im Besitz des Verkäufers befunden haben: Bei Neuanlagen ab dem 1. Januar 2009 wird ein später erzielter Verkaufsgewinn künftig in den allermeisten Fällen besteuert.

Zusammen mit dem Solidaritätszuschlag und der eventuellen Kirchensteuer ergibt sich dadurch eine Steuerbelastung von rund 28 Prozent auf Einkünfte aus Geldanlagen. Anders als bei der bisherigen Kapitalertragsteuer handelt es sich dabei um eine echte Quellensteuer: Die Steuerpflichtigen müssen ihre Einkünfte aus Geldanlagen also nicht mehr bei der jährlichen Einkommensteuererklärung angeben.

Freiwillige Offenlegung
Wohlgemerkt: Sie müssen zwar nicht – Sie dürfen Ihre Kapitaleinkünfte aber sehr wohl bei der Steuererklärung aufführen. Das ergibt immer dann Sinn, wenn der persönliche Durchschnittsteuersatz unter rund 26 % (ohne Kirchensteuer) bzw. rund 28 Prozent (mit Kirchensteuer) liegt. In dem Fall tragen Sie Ihre Einkünfte aus Kapitalanlagen wie gehabt auf der Anlage KAP ein. Eventuelle Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften gehören hingegen auf die Anlage SO.

Werbungskosten? Fehlanzeige!
Wichtig: Werbungskosten können Sie bei Kapitaleinkünften künftig nicht mehr geltend machen. Lediglich den in Sparer-Pauschbetrag umbenannten mageren Sparer-Freibetrag dürfen Sie nach wie vor abziehen: Der beträgt unverändert 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete.

Bleibt nach Abzug des Pauschbetrags unterm Strich ein positiver Betrag übrig, erhöht sich das zu versteuernde Einkommen. Die von Ihren Geldinstituten bereits einbehaltene Abgeltungsteuer wird dann im Gegenzug als Vorauszahlung auf die Einkommensteuer berücksichtigt.

Und was ist mit Minusgeschäften?
Ergeben sich aus Geldanlagen Verluste, mindern die – sofern vorhanden – nur die übrigen Gewinne aus Kapitalanlagen, nicht jedoch die anderen Einkunftsarten (zum Beispiel die als Arbeitnehmer oder Selbstständiger). Machen Sie bei Aktienverkäufen ein Minus, dürfen Sie das nur mit anderen Kursgewinnen verrechnen. Kann ein Verlust im aktuellen Jahr nicht Gewinnen der gleichen Einkunftsart verrechnet werden, dürfen Sie ihn immerhin in Form eines Verlust-Vortrags mit ins nächste Jahr nehmen. Doch auch dann ist eine Verrechnung nur innerhalb der jeweiligen Einkunftsart erlaubt.

Abgeltungs-Ausnahmen
Nicht unter die Abgeltungsteuer fällt lediglich der Verkauf von Anteilen geschlossener Fonds (vorausgesetzt, die 10-jährige Spekulationsfrist wird eingehalten). Ebenfalls nicht von der Abgeltungsteuer betroffen sind außerdem der Verkaufselbstgenutzter Immobilien,
vermieteter Immobilien (bei Beachtung der 10-jährigen Spekulationsfrist) sowie
die Ertragsanteile privater und gesetzlicher Renten- und Lebensversicherungen.

Der Freistellungsauftrag lebt weiter
Zusammen mit dem Sparer-Freibetrag haben auch die umständlichen Freistellungsaufträge die Gesetzesnovelle überlegt: Wer verhindern will, dass die Geldinstitute die Abgeltungssteuer bereits auf Kapitalerträge von bis zu 801 Euro (1.602 Euro) abführen, kann seinen Banken und Sparkassen wie bisher Freistellungsaufträge erteilen. Für die Einhaltung der Obergrenzen sind weiterhin die Steuerpflichtigen selbst zuständig: Wer aus Versehen oder mit Absicht allzu großzügig Freistellungsaufträge erteilt, läuft Gefahr ins Visier der Steuerprüfer zu geraten.

Fazit
Für die sprichwörtlichen kleinen Sparer ändert sich durch die Abgeltungsteuer wenig: Sie kommen weiterhin in Genuss des unveränderten Freibetrages. Darüber hinaus gehende Einkünfte unterliegen zudem wie gehabt dem persönlichen Steuersatz. Es gibt aber auch eindeutige Gewinner und Verlierer:

Fein raus sind Besserverdienende, die ihr Geld in schlichten Zinsanlagen unterbringen (etwa auf Festgeldkonten) und ihren Sparer-Pauschbetrag bereits ausgeschöpft haben: Statt dem hohen individuellen Steuersatz unterliegen ihre Kapitalerträge künftig dem relativ geringen Pauschalsteuersatz von 25 %.

Schmerzhafte Konsequenzen werden die Änderungen hingegen für Besitzer längerfristiger Aktienanlagen haben: Während sie ihre Kursgewinne bislang brutto für netto mitnehmen konnten, müssen sie künftig das Finanzamt mit einem Viertel am Erfolg ihrer Anlagestrategien beteiligen.

Links zum Thema:

  • Den Gesetzestext der Unternehmensteuerreform entnehmen Sie der vom Bundesrat im Juli 2007 beschlossenen Fassung (PDF-Datei, 4,07 MB)
  • Die Steuerreform hat weitreichende Folgen für die Abschreibungspraxis von Selbstständigen und Unternehmen: Die Einzelheiten entnehmen Sie dem Artikel Abschreibungen: Steuer-News & Steuer-Blues.
  • Die wichtigsten steuerlichen Fachbegriffe finden Sie im Dr. Web- Lexikon Steuern.
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Abschreibungen: Steuer-News & Steuer-Blues

Die Unternehmensteuerreform hat erhebliche Auswirkungen auf die „Absetzung für Abnutzung“ (AfA) von Anlagevermögen. Von geringwertigen Wirtschaftgütern (GWG) kann künftig nur noch bis 150 Euro die Rede sein. Die degressive Abschreibung wird komplett abgeschafft. Die Ansparabschreibung in einen Investitionsabzugsbetrag umgewandelt. Wir erläutern die Konsequenzen.

Investitionen in dauerhaft genutzte „Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens“ dürfen im Jahr der Anschaffung nicht auf einen Schlag als Betriebsausgaben gebucht (= „abgeschrieben“) werden. Dass der Kaufpreis das Bankkonto oder die Kasse des Unternehmers bereits im Jahr der Anschaffung in voller Höhe belastet, kümmert das Finanzamt nicht. Lediglich den Umsatzsteueranteil dürfen Sie komplett als „Vorsteuer“ geltend machen.

Die Abnutzung dauerhaft genutzter Güter können Sie vielmehr nur in jährlichen Teilbeträgen von der Steuer absetzen. Die offizielle Bezeichnung für Abschreibungen lautet daher „Absetzung für Abnutzung“. Unter der Überschrift „Abschreibungen: Zumutung oder Segen?“ werden die Grundlagen der steuerlichen und buchhalterischen Behandlung von Anlagegütern erklärt. Die schlechte Nachricht: Ab 2008 wird die Sache noch etwas komplizierter und für die meisten Steuerpflichtigen in den meisten Fällen auch noch ungünstiger.

1. Abschied von der degressiven Abschreibung
Der Gesetzgeber hat die degressive Abschreibung komplett abgeschafft. Hintergrund: Standardmäßig müssen die Anschaffungskosten gleichmäßig auf die Dauer der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer verteilt werden (= lineare Abschreibung). Verglichen mit dieser Absetzung in gleich bleibenden Jahresbeträgen ist der Abschreibungsbetrag bei der degressiven Abschreibung anfangs oft deutlich höher.

Durch die „Deckelung“ auf grundsätzlich 20 Prozent (Wirtschaftsjahre 2006 und 2007: 30 Prozent) lohnt sich die degressive AfA in der Regel zwar nur bei einer Nutzungsdauer von sechs (2006 und 2007: drei) Jahren. Trotzdem ergaben sich daraus vielfach spürbare Gewinnminderungen und damit eine kurzfristig geringere Steuerlast. Damit ist nun Schluss: Ab 2008 ist grundsätzlich nur noch die lineare Abschreibung zulässig.

2. Senkung der GWG-Obergrenze
Selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nicht teurer als 410 Euro (netto) sind, dürfen im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgeschrieben werden: Der Anschaffungspreis geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWG) wird wie eine laufende Betriebsausgabe behandelt. Anschaffungen im Wert zwischen 60 Euro und 410 Euro müssen lediglich in einem fortlaufenden GWG-Verzeichnis aufgelistet werden.

Die bisherige Wertgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter wird ab kommendem Jahr nun um fast zwei Drittel (!) auf nur noch 150 Euro (netto) gesenkt. Die Abschreibungen auf „wertvollere“ Anschaffungen müssen künftig also immer auf mehrere Jahre verteilt werden.

3. Neuer „Sammelposten“
Zu allem Überfluss hat der Gesetzgeber nun auch noch eine neue Abschreibungs-Kategorie eingeführt: Selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter im Nettowert zwischen 150 Euro und 1.000 Euro sind ab 2008 ungeachtet ihrer betriebsgewöhnlichen und tatsächlichen Nutzungsdauer in jedem Fall über fünf Jahre abzuschreiben:

Diese Sonderregelung hat umständliche bürokratische Aufzeichnungspflichten zur Folge: Anschaffungen im Wert zwischen 150 Euro und 1.000 Euro müssen Sie künftig jahresweise zu „Sammelposten“ zusammenfassen. In der Buchführung ist demnach künftig fein säuberlich zu unterscheiden zwischen…

  • … dem „Sammelposten 2008“ (z. B. bestehend aus der neuen Digitalkamera, mehreren Software-Updates und einem zusätzlichen Besprechungstisch im Wert von insgesamt 2.750 Euro),
  • … dem „Sammelposten 2009“ (z. B. bestehend aus einer Moderationswand und einem Beamer im Wert von insgesamt 1.500 Euro),
  • … dem „Sammelposten 2010“ (z. B. bestehend aus dem neuen Teppich fürs Büro, dem Regalsystem und der Designerlampe im Wert von insgesamt 2.200 Euro)

Im Jahr 2010 betrügen die einzelnen Sonderposten-Abschreibungen demzufolge:

  • 20 % auf 2.750 Euro = 550 Euro (AfA „Sonderposten 2008“)
  • plus 20 % auf 1.500 Euro = 150 Euro (AfA „Sonderposten 2009“)
  • plus 20 % auf 2.200 Euro = 440 Euro (AfA „Sonderposten 2010“)

Daraus ergeben sich im Jahr 2010 Abschreibungen auf Sonderposten in einer Gesamthöhe von 1.140 Euro. Die Abschreibungsbeträge der einzelnen Sammelposten bleiben im Laufe der Nutzungsdauer grundsätzlich gleich.

Existenz-Verlust
Ob die 2008 gekaufte Digitalkamera im Jahr 2010 noch eingesetzt wird, defekt oder überhaupt noch vorhanden ist, spielt dabei keine Rolle: Mit Aufnahme in den Sonderposten verlieren die einzelnen Anschaffungen ihre eigenständige Existenz: Der Sonderposten wird buchhalterisch als fiktive Wirtschaftseinheit behandelt.

Selbstverständlich müssen Sie nicht nur die jeweilige Jahres-AfA getrennt nach den einzelnen Sammelposten berechnen: Sie sind auch verpflichtet die zum Jahresende verbliebenen Restwerte der einzelnen Sammelposten zu dokumentieren. Rein rechnerisch mag das keine unlösbare Aufgabe sein – umständlich und mühsam ist es allemal.

Einkaufs-Tipps
Die wichtigsten Konsequenzen für Ihre betrieblichen Beschaffungen der nächsten Monate:

  • Anschaffungen im Wert von bis zu 410 Euro sollten Sie auf das Jahr 2007 vorziehen. Auf diese Weise ist noch die Sofort-Abschreibung in voller Höhe möglich.
  • Geplante Investitionen im Nettowert von über 410 Euro, die eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von vier und mehr Jahren haben, sollten Sie nach Möglichkeit ebenfalls 2007 vornehmen: Dadurch kommen Sie noch in den Genuss der degressiven Abschreibung (30% degressive AfA gegenüber 25 % und weniger lineare AfA)
  • Bei anstehenden Investitionen im Nettowert zwischen 410 Euro und 1.000 Euro mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mehr als fünf Jahren kann es hingegen sinnvoll sein, die geplante Anschaffung ins kommende Jahr zu verschieben. Das trifft zum Beispiel auf Büromöbel zu: Als Teil eines Sammelpostens sind die künftig wesentlich schneller abgeschrieben als bei den konventionellen AfA-Methoden.

4. Erleichterte Ansparabschreibung
Die bisherige Ansparabschreibung für kleine und mittelständische Unternehmen und Freiberufler wird in einen „Investitionsabzugsbetrag“ in Höhe von 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten für bewegliche Wirtschaftsgüter umgewandelt. Der neue Abzugsbetrag stellt gegenüber den noch geltenden Sonderabschreibungen in mehrfacher Hinsicht eine Verbesserung dar:

  • Der Höchstbetrag der Abschreibung wurde erhöht: Er beträgt künftig 200.000 Euro pro Jahr – vorausgesetzt das Betriebsvermögen ist nicht höher als 235.000 Euro (bilanzierende Unternehmen) bzw. der Jahresgewinn beträgt vor Abzug der Sonderabschreibung nicht mehr als 100.000 Euro (Einnahme-Überschussrechner).
  • Die Beanspruchung des Investitionsabzugsbetrages ist künftig auch bei Anschaffung gebrauchter Wirtschaftsgütern möglich.
  • Dabei genügt es, die Anschaffung ihrer Funktion nach zu bezeichnen. Die bislang erforderliche genaue Bezeichnung und die Angabe des Investitionszeitpunkts sind entbehrlich.
  • Die Anschaffung muss innerhalb von drei (statt bislang zwei) Jahren nach dem Jahr des Investitionsabzugs erfolgen. Wie bisher muss die Anschaffung danach mindestens ein Jahr im Betrieb bleiben, dabei aber neuerdings „ausschließlich oder fast ausschließliche“ (= zu mindestens 90 Prozent) betrieblich genutzt werden.
  • Da der neue Investitionsabzugsbetrag ab 2008 gilt, darf er bereits beim Jahresabschluss des Wirtschaftsjahres 2007 geltend gemacht werden.

Wichtig: Im Jahr der Anschaffung stellt der – in einem der Vorjahre geltend gemachte – Investitionsabzugsbetrag zunächst einmal eine Einnahme dar, die den Gewinn künstlich erhöht. Im Gegenzug darf dann aber wiederum eine 20-prozentige Sonderabschreibung geltend gemacht werden. Zusammen mit der planmäßigen AfA des Anschaffungsjahres ergibt sich bei Wirtschaftsgütern mit einer Nutzungsdauer von fünf Jahren (und Anschaffung im Januar) unterm Strich ein Nullsummenspiel. Bei kürzerer Nutzungsdauer als fünf Jahre ist die maximal mögliche Gesamt-Abschreibung des Anschaffungsjahres höher als der Investitionsabzugsbetrag. Bei längerer Nutzungsdauer und / oder späterer Anschaffung im Jahr ist der tatsächliche Abschreibungsbetrag geringer.

Sonderfall Existenzgründer: Dumm gelaufen…
Für Existenzgründer ist die Reform von Nachteil: Für diesen Personenkreis galt eine Investitionsobergrenze von mehr als 300.000 Euro. Gründer konnten sich bislang außerdem länger Zeit lassen mit der tatsächlichen Anschaffung. Bei einem nachträglichen Investitionsverzicht mussten sie außerdem keine Strafzinsen zahlen. Dieser Sonderstatus wurde mit der Neuregelung abgeschafft. Immerhin: Bereits gebildete Ansparabschreibungen dürfen selbstverständlich zu den alten Bedingungen über die maximal mögliche Laufzeit in Anspruch genommen werden.

Links zum Thema:

  • Mit den Grundlagen der verschiedenen Abschreibungsarten beschäftigt sich der Dr. Web-Artikel: Abschreibungen: Zumutung oder Segen?
  • Die bisherige Ansparabschreibung wird unter der Überschrift So steuern Sie Ihre Steuerbelastung erklärt.
  • Die wichtigsten kaufmännischen Fachbegriffe finden Sie im Dr. Web-Lexikon Buchführung“ und Lexikon Steuern
  • Wikipedia: Unternehmenssteuerreform 2008

Erstveröffentlichung 28.08.2007

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Betriebliches E-Business

Kleinunternehmer und Steuerbefreiung

Viele kleine Webshops oder Seiten mit Software zum Download liegen noch in den Startlöchern oder bescheren ihrem Betreiber eher einen netten Nebenerwerb. Nischenprodukte erwirtschaften nicht unbedingt hohe Umsätze und Gewinne. Insbesondere in der Startphase brummen die Geschäfte des neu gegründeten Gewerbes nicht von jetzt auf gleich.

Kurz nach Anmeldung des Gewerbes bekommen Gründer in der Regel Post vom Finanzamt. Auf einem Fragebogen soll man unter anderem auch Auskunft über die zu erwartenden Umsätze geben. Wer mit seinem Gewerbe unter einer bestimmten Umsatzgrenze (derzeit 17.500 Euro) liegt, kann auf dem sogenannten „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ankreuzen, dass die Kleinunternehmer-Regelung nach §19 des Umsatzsteuergesetzes auf ihn angewendet werden soll. Dann muss er keine Mehrwertsteuer auf Rechnungen ausweisen und spart sich zudem viel Papierkrieg mit dem Finanzamt. Weder regelmässige Meldungen noch Zahlungen oder Erstattungen nehmen Zeit in Anspruch. Das klingt verlockend und scheint auf den ersten Blick die günstigste Lösung für kleine Gewerbetreibende zu sein.

Allerdings hat die Steuerbefreiung auch ihre Nachteile. Während man die Mehrwertsteuer nicht auszuweisen braucht, darf man im Gegenzug auch keine Vorsteuer abziehen. Das heißt, aus Rechnungen von Lieferanten kann man sich die Steuer nicht herausziehen und vom Finanzamt erstatten lassen. Ob sich die Kleinunternehmer-Regelung letzten Endes als vorteilhaft erweist, hängt vor allem davon ab, womit man denn seine Brötchen verdient. Wer einen Handel mit Waren betreibt, kauft im Allgemeinen auch viel Ware ein und hier könnte es sich eher lohnen, die Vorsteuer abziehen zu dürfen. Zudem erhält man die Vorsteuer auch aus anderen Rechnungen wie Telefon oder Providerkosten zurück. Deshalb wählt man hier eher nicht die Befreiung von der Umsatzsteuer. Bei Dienstleistungen sieht es schon anders aus. Wer programmiert, schreibt oder Beratung anbietet, kann mit der Umsatzsteuerbefreiung möglicherweise zurecht kommen.

Bevor man sich für eines entscheidet, muss man genau überlegen, welche Rechnungen man alle von der Steuer absetzen kann. Darüber hinaus ist auch die Gewinnspanne entscheidend, die auf den eigenen Produkten oder Dienstleistungen liegt. Ist diese recht hoch, steigt auch die auszuweisende Mehrwertsteuer an und so wird die Befreiung von der Umsatzsteuer wiederum interessant. Sind die fixen Kosten hingegen recht hoch sowie die Gewinnspanne eher auf niedrigerem Niveau, dann kommt man besser ohne die Umsatzsteuerbefreiung zurecht, auch wenn die Umsätze längst (noch) nicht die dafür veranschlagte Grenze überschreiten.

Wer sich nicht sicher ist, was vorteilhafter ist, sollte eine Steuerberatung in Anspruch nehmen. Die Befreiung von der Umsatzsteuer hat übrigens nichts mit der Einkommensteuer zu tun, diese ist selbstverständlich Pflicht für jeden, der ein Gewerbe betreibt, auch wenn er unter die Kleinunternehmer-Regelung fallen sollte.

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Zusatzauftrag und Steuerprogression: Lohnt sich das?

Gleicher Kunde, gleicher Auftrag, gleicher Preis – unterschiedlicher Netto-Verdienst: Steuerprogression und Familienstand sorgen dafür, dass eine nüchterne Kosten-Nutzenrechnung bei Selbstständigen oft zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führt. Wir machen die Probe aufs Exempel.

Die Steuerbelastung von Unternehmern und Freiberuflern gibt es nicht. Zwar besteht bei der Einkommensteuer zwischen Angestellten und Selbstständigen grundsätzlich kein Unterschied. Endgültig abgerechnet wird immer erst am Jahresende auf Basis aller erzielten Einkünfte. Doch während die maximale Steuerbelastung bei abhängig Beschäftigten durch den Lohnsteuerabzug des Arbeitgebers weitgehend feststeht, ist das bei Selbstständigen anders: Je nachdem, wie die Geschäftslage im laufenden Jahr ist, kann der von einem einzelnen Auftrag übrig bleibende versteuerte Gewinn unterm Strich sehr unterschiedlich ausfallen.

Die Probe aufs Exempel
Angenommen, ein Webdesigner steht vor der Frage, wie hoch sein zusätzliches privates Nettoeinkommen aus einem Auftrag mit 5.000 Euro betrieblichem Reingewinn sein wird, dann kann das Ergebnis zwischen prallen 5.000 Euro und mageren 2.750 Euro liegen:

Abbildung

Die Ursachen
Die beträchtliche Differenz hat zwei Ursachen:

Die Steuerprogression: In Deutschland werden höhere Einkünfte relativ stärker besteuert als niedrige. Bis zu einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 7.664 Euro fällt gar keine Einkommensteuer an. Innerhalb des Einkommensbereichs zwischen 7.664 Euro und 52.152 Euro (der so genannten Progressionszone) steigt der Steuersatz schrittweise von 15 % auf 42 % an. Ab einem Einkommen von 250.000 Euro an aufwärts beträgt der Spitzensteuersatz sogar 45 % (=“Reichensteuer“). Nimmt man den Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Einkommensteuer hinzu, liegt die maximale Steuerbelastung derzeit bei 47,5 %.

Das Ehegattensplitting: Gemeinsam besteuerte Ehegatten sind hierzulande besser gestellt als Ledige. Das zu versteuernde Einkommen beider Ehegatten wird dabei zunächst addiert und dann halbiert. Anschließend wird die auf den halbierten Betrag anfallende Einkommensteuer ermittelt und das Ergebnis wiederum verdoppelt. Bei Ehepartnern mit unterschiedlich hohem Verdienst mildert das die Wirkung der Steuerprogression spürbar. So fällt bei Verheirateten Einkommensteuer erst ab einem gemeinsamen Einkommen von gut 15.000 Euro an, der Spitzensteuersatz wird erst bei einem Einkommen von über 100.000 Euro erreicht. Die Reichensteuer ist erst ab 500.000 Euro Jahreseinkommen fällig.

Durchschnitt- oder Grenzsteuersatz?
Wichtig: Selbst die Superreichen bezahlen auf die ersten 7.664 Euro (bei Verheirateten: 15.328 Euro) ihres zu versteuernden Gesamteinkommens keinen Cent Einkommensteuer. Und in der Progressionszone liegt ihre Belastung wie bei allen anderen Steuerpflichtigen ebenfalls „nur“ bei 15 % bis 45 %.

Die drei verschiedenen Steuertarifzonen (zunächst steuerfrei, dann progressiv, dann linear) haben zur Folge, dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem Durchschnittsteuersatz auf das gesamte Jahreseinkommen und dem Steuersatz, der ausgehend von einem bestimmten Einkommen auf den nächsten Euro Einkommenszuwachs entfällt. Wer wissen will, wie groß der Anteil des Staates an den Einnahmen aus einem Zusatzauftrag ist, muss daher mit dem Grenzsteuersatz rechnen.

Besonders wichtig ist diese differenzierte Betrachtungsweise für Steuerpflichtige, die im mittleren Einkommensbereich liegen und angesichts schwankender Jahreseinkünfte ihre drohende Steuerbelastung möglichst realistisch einschätzen wollen.

So rechnen Sie richtig
Je nach Ausgangslage und Sicherheitsbedürfnis kalkulieren Sie das verbleibende Privateinkommen aus Zusatzaufträgen unterschiedlich:

Wenn Sie zu den Besserverdienenden gehören und auf Nummer Sicher gehen wollen, rechnen Sie einfach mit dem Spitzensteuersatz. Ziehen Sie von möglichen Zusatzeinkünften knapp die Hälfte (genau genommen 47,5 %) ab, und Sie wissen, was im allerungünstigsten Fall für Sie privat übrigbleibt: Schlimmer wird’s nimmer.

Falls Sie es genauer wissen und dabei Vorsicht walten lassen wollen, rechnen Sie mit Ihrem Grenzsteuersatz. Wie hoch der ist, ermitteln Sie mit Hilfe des Abgabenrechners, der vom Bundesfinanzministerium im Internet bereitgestellt wird:

Abbildung
Durchschnitts- und Grenzbelastung am Beispiel eines Alleinstehenden mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 45.000 Euro.

Bei einer Grenzbelastung von knapp 39 % müsste der Webdesigner in unserem 5.000-Euro-Beispiel mit einem Steueranteil von 1.950 Euro rechnen. In seiner privaten Geldbörse landen letztlich also gut 3.000 Euro.

Da sich der prozentuale Grenzsteuersatz genau genommen immer nur auf den nächsten Euro Einkommenszuwachs bezieht, sollten Sie im Einzelfall (wie in unserer Tabelle weiter oben) mit absoluten Werten arbeiten: Ermitteln Sie zuerst die Gesamtbelastung beim höheren Einkommen und ziehen Sie davon die Steuern ab, die beim niedrigeren Einkommen anfallen. Auf diese Weise ergibt sich im Beispiel ein voraussichtlicher Steueranteil von gut 2.100 Euro, es bleiben unterm Strich also nur rund 2.900 Euro vom 5.000-Euro-Kuchen übrig.

Sind die absehbaren Einkommensänderungen im Vergleich zum Vorjahr nicht so gravierend und benötigen Sie nur eine ungefähre Vorstellung vom voraussichtlichen Steueranteil, dann können Sie der Einfachheit halber aber auch mit Ihrem Durchschnittsteuersatz rechnen: Liegt Ihr tatsächliches Jahreseinkommen letztlich über dem des Vorjahres, wird die Belastung dann aber höher ausfallen als erwartet. Angesichts der zahlreichen sonstigen Unwägbarkeiten ist diese Ungenauigkeit bei überschaubaren Einkommensschwankungen aber zu verkraften.

Achtung: Reine Steueroptik!
Bitte beachten Sie: Die hier angestellten Überlegungen beziehen sich ausschließlich auf die steuerlichen Wirkungen von Zusatzeinkünften: Unter bestimmten Umständen haben Einkommenszuwächse aber auch Auswirkungen auf Beiträge zur Sozialversicherung (z. B. für freiwillige Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung oder Pflichtversicherte in der Künstlersozialkasse) oder auch auf staatliche Transferleistungen (z. B. Wohngeld oder Arbeitslosengeld II in der Bedarfsgemeinschaft). Diese Folgen müssen falls erforderlich separat bedacht werden.

Fazit
So erfreulich die größeren Gestaltungsspielräume sind, die der Fiskus Selbstständigen einräumt: Sie müssen dafür aber auch mit einer größeren Unsicherheit über ihre endgültige Steuerbelastung leben als das bei Angestellten der Fall ist. Wer um die Wirkung der Steuerprogression weiß und in der Lage ist, den Anteil des Staates an seinen Einkünften zu schätzen, nimmt dem Damoklesschwert des Finanzamts aber viel von seinem Schrecken.

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Die Rechnung, bitte: Geschäftsessen als Betriebsausgabe

Wer Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner zum Essen einlädt, kann die Kosten teilweise von der Steuer absetzen. Bei Bewirtungskosten ist der Fiskus allerdings besonders pingelig. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen, damit Sie bei einer späteren Betriebsprüfung kein böses Erwachen erleben.

Nicht nur die Liebe geht durch den Magen: Auch der Geschäftserfolg kann durch kulinarische Freuden gefördert werden. Dass Steuerzahler aus geschäftlichen und / oder betrieblichen Gründen essen (gehen), leuchtet erfreulicherweise sogar dem Finanzamt ein.

Frage 1: Geschäftlich oder betrieblich?
Um die Logik des Steuerrechts nachvollziehen zu können, ist zunächst einmal die Unterscheidung zwischen Bewirtungen aus geschäftlichen und betrieblichen Anlässen bedeutsam:

Um einen betrieblichen Anlass handelt es sich dann, wenn das bewirtende Unternehmen seine Arbeitnehmer einlädt. In dem Fall stellen die Aufwendungen zu 100 Prozent Betriebsausgaben dar – inklusive der Ausgaben des steuerpflichtigen Chefs.

Von einem geschäftlichen Anlass (= Geschäftsessen) ist die Rede, wenn Sie Betriebsfremde bewirten, insbesondere wenn Sie Geschäftsbeziehungen anbahnen und pflegen oder die Bewirtung Teil der Öffentlichkeitsarbeit ist. In solchen Fällen gelten in der Regel nur 70 Prozent der anfallenden Kosten als Betriebsausgaben.

Sofern Sie Veranstaltungen abrechnen, die in beide Kategorien fallen (zum Beispiel Betriebsfeiern, zu denen auch Geschäftspartner eingeladen sind), dürfen Sie die beiden Bewirtungskategorien im Verhältnis der beteiligten Personen aufteilen (Betriebsangehörige zu Betriebsfremden).

Frage 2: Warum nur 70 Prozent bei Geschäftsessen?
Dass die Kosten der „Bewirtung von Personen aus geschäftlichem Anlass“ grundsätzlich als Betriebsausgaben gelten, ist Paragraf 4 Absatz 5 des Einkommensteuergesetzes zu entnehmen – wenn auch in reichlich verklausulierter Form:

Demnach dürfen Sie also 70 Prozent der „angemessenen“ Bewirtungskosten als Ausgaben buchen, sofern Sie

  • Ort und Datum
  • geschäftlichen Anlass und Teilnehmerkreis sowie
  • die Höhe der Aufwendungen

schriftlich dokumentieren. Der geschäftliche Anlass sollte dabei möglichst konkret benannt werden (also nicht etwa nur „Arbeitsessen“). Die Teilnehmer müssen namentlich genannt sein. Auf die Namensnennung kann nur in Ausnahmefällen verzichtet werden (z. B. bei Betriebsbesichtigungen größeren Besuchergruppen)

30 Prozent der Bewirtungskosten müssen Sie nach dem Willen des Gesetzgebers von vornherein auf Ihre eigene Kappe nehmen, weil Sie sich ja auch ohne den geschäftlichen Anlass verpflegen müssten. Der Hinweis, dass Sie persönlich grundsätzlich nicht Essen gehen, sondern aus gesundheitlichen Gründen am liebsten mit einer Schüssel Müsli Vorlieb nehmen, ändert daran nichts: Die tatsächlichen Kosten Ihres eigenen Verzehrs sind völlig unerheblich.

Wichtig: Bevor die Bewirtungsrechnung um 30 Prozent gekürzt wird, müssen zunächst alle nicht-geschäftlichen Ausgaben abgezogen werden: Während die private Begleitung eines Geschäftspartners als Betriebsausgabe gilt, darf die Zeche eigener Familienangehöriger oder Freunde nicht steuerlich geltend gemacht werden.

Screenshot

Frage 3: Brutto oder netto?
Gute Frage – gute Nachricht: Zwar dürfen Sie im Rahmen der Gewinnermittlung nur 70 Prozent der Kosten eines Geschäftsessens als Betriebsausgabe geltend machen. Für die Umsatzsteuer gilt diese Einschränkung jedoch nicht:

Bei einer Gesamtsumme von zum Beispiel 238 Euro stellt der darin enthaltene Umsatzsteueranteil von 38 Euro zu 100 Prozent Vorsteuer dar. Der 30-prozentige Abschlag bezieht sich nur auf den Nettobetrag von 200 Euro: Als Betriebsausgabe gelten in diesem Fall also 140 Euro (70 Prozent von 200 Euro).

Frage 4: Was genau sind Bewirtungskosten?
Eine Bewirtung liegt nur dann vor, wenn Personen „beköstigt“ werden: Im Mittelpunkt muss der „Verzehr von Speisen, Getränken und sonstigen Genussmitteln“ stehen. Außerdem werden Nebenkosten wie Trinkgelder oder Garderobengebühren akzeptiert, solange sie von untergeordneter Bedeutung sind. Eintrittsgelder für Veranstaltungen oder gar Übernachtungskosten stellen hingegen keine Bewirtungskosten dar.

Wichtig: Das Steuerrecht unterscheidet ausdrücklich zwischen Bewirtungen und „Aufmerksamkeiten in geringem Umfang“: Damit sind Getränke und Gebäck gemeint, die z. B. bei Besprechungen als Erfrischung oder „Geste der Höflichkeit“ bereitgestellt werden. Ausgaben für solche Aufmerksamkeiten werden grundsätzlich in voller Höhe als Betriebsausgaben anerkannt.

Frage 5: Spielen Ort und Zeit eine Rolle?
Im Prinzip nicht: Ein Geschäftsessen kann sowohl im Betrieb als auch in Restaurants, Hotels, Kneipen oder an der Imbissbude stattfinden. Und so lange die geschäftliche Veranlassung glaubhaft gemacht werden kann, ist auch gegen Bewirtungen an Wochenenden nichts einzuwenden: Viele Geschäftsleute haben nun einmal unter der Woche keine Zeit, um mit ihren Kooperationspartnern neue Projekte zu besprechen.

Probleme gibt es immer dann, wenn Geschäftsessen in der Privatwohnung des Steuerpflichtigen stattfinden. Das gilt auch, wenn es betrieblich genutzte Räume innerhalb der Wohnung gibt: Treffen Sie sich also lieber nicht in Ihrem Heimbüro, sondern außerhalb.

Besonders sensibel reagieren Prüfer darüber hinaus, wenn hohe Bewirtungsbelege zeitlich ausgerechnet mit privaten Highlights des Steuerpflichtigen zusammenfallen (z. B. rund um Geburtstage, Hochzeiten und ähnlichen Jubiläen). In solchen Fällen müssen Sie mit besonders pingeligen Plausibilitätsprüfungen rechnen.

Frage 6: Was ist ein geschäftlicher Anlass?
Um einen geschäftlichen Anlass handelt es sich immer dann, wenn Sie Ihre guten Beziehungen zu Kunden pflegen, neue Geschäftsbeziehungen anbahnen, längere Besprechungen bei einem Arbeitsessen fortsetzen, Besucher Ihres Betriebes beköstigen oder Öffentlichkeitsarbeit für Ihr Unternehmen betreiben. Das Ergebnis oder gar der Erfolg eines Geschäftsessens spielen dabei keine Rolle: Sie dürfen Ihre Bewirtungsausgaben auch dann von der Steuer absetzen, wenn der erhoffte Auftrag nicht zustande kommt, die Pressekonferenz oder der „Tag der offenen Tür“ Reinfälle waren.

Frage 7: Was ist angemessen?
Eindeutige Kriterien für die Angemessenheit von Bewirtungskosten gibt es nicht – weder in Bezug auf die Kosten noch hinsichtlich der Häufigkeit von Anlässen. Je größer das Unternehmen, je höher Umsatz und Gewinne, desto eher werden auch sehr hohe Bewirtungskosten toleriert. Ausgaben von bis zu 100 Euro pro Person und Anlass führen normalerweise aber auch bei Kleinunternehmern und Freiberuflern nicht zu Beanstandungen.

Darüber hinausgehende Ausgaben müssen gegebenenfalls plausibel gemacht werden können. Wenn zum Beispiel ein Freelancer bei der Cebit den Vorstandvorsitzenden eines Dax30-Unternehmens wider Erwarten davon überzeugen kann, ihm sein visionäres Web3.0-Projekt zu erläutern, dann kann er das durchaus in einen Gourmet-Tempel tun. Für die Arbeitsessen des Projektteams in der Umsetzungsphase darf es dann aber wieder eine Nummer kleiner sein.

Frage 9: Welche Folgen haben „unangemessene“ Ausgaben?
Bei gelegentlichen Ausreißern ist das Risiko bei Licht betrachtet überschaubar:

Falls Teile einer Bewirtung als unangemessen eingestuft werden, mindert immerhin der verbliebene Rest noch den Gewinn (wie auch sonst: zu 70 Prozent): Die Ausgabe wird also nicht etwa in Gänze gestrichen!

Bei aller Geschäftsfreundschaft hält sich die Freigiebigkeit schon aus schierem Eigennutz in Grenzen: Denn so positiv sich eine Einladung auf das Gesprächsklima wirken mag, den größten Teil der Zeche bezahlt der Steuerpflichtige auch bei angemessenen Ausgaben selbst – Steuerabzug hin oder her.

Von wegen „auf Kosten des Finanzamts“: So rechnen Sie richtig
Angenommen Sie gehen mit Ihrem Kunden für insgesamt 238 Euro essen. Nach Abzug der Vorsteuer bleiben netto 200 Euro Kosten übrig. Wenn alles glatt läuft, werden davon 70 Prozent (= 140 Euro) als Betriebsausgabe anerkannt. Selbst beim Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent mindert das die Steuerbelastung letztlich aber nur um knapp 60 Euro. Unterm Strich zahlt der Gastgeber von den 200 Euro Nettokosten also 140 Euro auf jeden Fall aus eigener Tasche. Davon dass Sie „auf Kosten des Finanzamts essen gehen“, kann also wahrhaftig nicht die Rede sein.

Frage 10: Wie muss ein Bewirtungs-Beleg aussehen?
Grundsätzlich verlangt der Gesetzgeber bei Bewirtungen die Aufzeichnung von „Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie Höhe der Aufwendungen“. Hat das Geschäftsessen in einer Gaststätte stattgefunden hat, muss der Abrechnung eine maschinell erstellte und registrierte Rechnung des Wirts beigefügt werden, die den Anforderungen des Umsatzsteuergesetzes genügt. Dazu gehört auch, dass die Rechnung auf den Namen des Steuerpflichtigen ausgestellt ist, sofern die Kleinbetragsgrenze von 150 Euro überschritten ist. Außerdem muss die Art des Verzehrs differenziert ausgewiesen sein. Beliebte Sammelangaben wie „An Speisen und Getränken“ genügen längst nicht mehr.

Eine formvollendete Bewirtungsrechnung enthält demnach die folgenden Informationen:

Angaben des Wirts:

  • Name und Anschrift der Gaststätte
  • Name und Anschrift des Gastgebers (=Rechnungsempfängers)
  • Steuernummer der Gaststätte
  • Registriernummer der Bewirtung
  • Rechnungsdatum
  • Tag der Bewirtung
  • Genaue Bezeichnung der Speisen und Getränke (Einzelangaben!)
  • Rechnungsbetrag (brutto und netto, ggf. differenziert nach Umsatzsteuersätzen)

Sofern Trinkgelder nicht bereits auf dem gedruckten Beleg auftauchen, können Sie vom Wirt oder Bedienungspersonal handschriftlich vermerkt und abgezeichnet werden.

Angaben des Gastgebers:

  • Konkreter Anlass der Bewirtung
  • Namen der bewirteten Personen
  • Unterschrift des Gastgebers

Frage 11: Worauf muss ich sonst noch achten?
Alle Bewirtungen eines Geschäftsjahres müssen auf einem separaten Buchungs-Konto oder in einer gesonderten Vorgangsliste aufgezeichnet werden. Das gilt auch für Selbstständige und Unternehmer, die nur eine vereinfachte Buchführung machen. Auf diese Weise kann sich der Betriebsprüfer später schnell ein Bild von den einzelnen Vorgängen machen.

Fazit
Mut zur Lücke ist bei Bewirtungen völlig fehl am Platz: Wichtiger als die Höhe der Ausgaben sind der glaubwürdige Anlass und die formale Korrektheit. Verlangen Sie für Ihre Bewirtungsausgaben daher lieber gleich vollständige Belege. Die meisten Gaststätten sind mittlerweile auf die Sonderwünsche von Geschäftskunden vorbereitet: Die Rückseiten von Restaurantrechnungen bieten vielfach genügend Platz, um die erforderlichen Zusatzangaben (Anlass, Teilnehmerkreis und Unterschrift des Gastgebers) zu machen. So viel Zeit muss sein, wenn Sie Ärger bei der nächsten Betriebsprüfung vermeiden wollen.

Erstveröffentlichung 09.07.2007

Kategorien
Betriebliches E-Business

Was ist… Lexikon: Account

Der Account kommt aus dem englischen und heißt Rechnung oder Konto. Im Zusammenhang mit dem Internet wird der Begriff benutzt für die Zugangsberechtigung eines Internet-Surfers.

Teilweise werden über den Account auch die Gebühren des Online-Zugangs abgerechnet. Der Account wird normalerweise beim Starten der Internet-Sitzung (Login) zusammen mit dem Passwort abgefragt.

Unter Account versteht man auch den genehmigten Zugriff auf einen externen Rechner, zum Beispiel über Telnet.

In die gleiche Kerbe schlägt der Email Account. Die Übersetzung mit „Email Konto“ ist hier nicht die schlechteste.