Kategorien
Betriebliches E-Business Freelance Workflow

7 Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Team

Teamarbeit nimmt nach wie vor zu, selbst virtuelle Teams sind keine Seltenheit mehr. Teamarbeit stellt aber auch besondere Anforderungen, sowohl an den Teamleiter wie auch an die Mitglieder. Die folgenden Schlüsselfaktoren verraten Ihnen, worauf es bei der Zusammenarbeit im Team wirklich ankommt. Umso erfolgreicher wird Ihr Team werden.

Punkt 1: Die Führung

Führung ist nicht gleich Führung. Natürlich braucht auch Ihr Team jemanden, der es führt. Jemanden, der die Hauptverantwortung trägt, die Richtung vorgibt, Ansprechpartner bei Fragen ist und so weiter. Ein Team zu leiten, ist allerdings etwas anderes, als Mitarbeiter im klassisch hierarchischen Sinn zu führen.

Ein Team steckt sich seine Ziele oft selbst, statt sie vorgegeben zu bekommen. Ein Team entscheidet gemeinsam, statt die Entscheidung der Führungskraft zu akzeptieren. Vertrauen zur Teamführung und zueinander ist oberstes Gebot für die Zusammenarbeit im Team.

Ein Team zu leiten, stellt deshalb hohe Anforderungen an die soziale und kommunikative Kompetenz der Führungskraft. Bereiten Sie sich oder Ihren ausersehenen Mitarbeiter gegebenenfalls ausgiebig auf die neue Rolle vor.

Punkt 2: Die Ziele

Ihr Team braucht klare Ziele. Es kann nur dann autonom arbeiten, wenn alle Teammitglieder wissen, was erreicht werden soll, ohne sich ständig neue Anweisungen von der nächsthöheren Hierarchie-Ebene holen zu müssen. Klare, eindeutige Ziele beugen Missverständnissen vor und geben Halt und Orientierung.

Aber Achtung: Die Ziele sollten wieder gemeinsam erarbeitet beziehungsweise angenommen werden, nicht unter Zwang übergestülpt. Hat ein Team ein gemeinsames Ziel, kann es auch an einem Strang ziehen, sich gegenseitig unterstützen und motivieren. Und: Profitieren die Teammitglieder auch persönlich von den Zielen ihres Teams, ist das ein zusätzlicher Motivationsschub.

Punkt 3: Die Aufgaben

Mindestens genauso wichtig wie klare Ziele sind klare Aufgaben. Die Freiheit des Teams, selbstständig zu arbeiten, braucht auch Strukturen. Verhindern Sie, dass Ihre Teammitglieder planlos vor sich hinwerkeln oder alles doppelt und dreifach machen.

Klären Sie, wer welche Aufgaben übernimmt. Sorgen Sie dafür, dass jeder genau weiß, was er zu tun hat, welche Inhalte zu seiner Aufgabe gehören und welche Erwartungen damit verbunden sind. Und achten Sie idealerweise auch darauf, dass die Teammitglieder untereinander wissen, wie die eigene Arbeit mit der der anderen ineinandergreift.

Punkt 4: Die Verantwortung

Eigentlich logisch: Wenn jedes Teammitglied selbst dafür verantwortlich ist, seine Aufgaben zu erfüllen und auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten, sollte es auch die dafür notwendigen Entscheidungen treffen können. Nur dann kann es nach bestem Wissen und Gewissen handeln.

Sorgen Sie deshalb nicht nur dafür, dass jeder weiß, was er zu tun hat. Legen Sie auch den Handlungsspielraum der Teammitglieder fest. Jeder Mitarbeiter sollte genau wissen, wie weit seine Entscheidungskompetenz und Verantwortung reicht.

Punkt 5: Die Verbindlichkeit

Kennen Sie den Spruch „Team = Toll, ein anderer macht’s“? Dann wissen Sie ja, was ich meine. Teamarbeit kann nur funktionieren, wenn jeder sich an die Vereinbarungen hält. Jedes Teammitglied muss sich auf die anderen verlassen können. Und es muss gewährleistet sein, dass die Aufgaben auch erledigt werden.

Haben Sie Leute im Team, die Schwierigkeiten damit haben, Aufgaben verbindlich zu übernehmen oder Termine einzuhalten? Dann nehmen Sie sie nach Möglichkeit raus.

Oder regen Sie ein sogenanntes Vereinbarungsmanagement an. Das heißt, lassen Sie Eckdaten aufstellen, die das Team regelmäßig gemeinsam überprüft. So weiß jeder, wo er steht, und kann nachbessern, falls er mit seinen Aufgaben ins Hintertreffen geraten sollte.

Punkt 6: Die Kommunikation und Information

Teamarbeit ohne Kommunikation gibt es nicht. Egal, wie gut jeder seine Aufgaben und Ziele kennt – ein Team funktioniert nur als Ganzes, so wie es auch als Ganzes für seine Ergebnisse verantwortlich ist. Unterstützen Sie deshalb die Kommunikation im Team.

Bieten Sie zum Beispiel den Teammitgliedern die Möglichkeit, sich auf regelmäßigen Treffen abzustimmen, Probleme und Fortschritte zu besprechen. Ermuntern Sie dabei zu straffen und zielorientierten Besprechungen, damit sich die Diskussionen nicht endlos im Kreis drehen.

Achten Sie auf einen freundlichen Umgangston. Sie als Teamleitung setzen die Maßstäbe und prägen den Stil, an dem sich die Teammitglieder orientieren. Gehen Sie Missverständnisse und Konflikte aktiv an, um sie möglichst schnell auszuräumen.

Vereinbaren Sie, dass

  • die Ergebnisse von Besprechungen festgehalten,
  • Arbeitsschritte nachvollziehbar dokumentiert sowie
  • relevante Informationen sofort weitergegeben werden.

So hat das Team eine gemeinsame Grundlage, auf der es aufbauen kann.

Punkt 7: Der Teamgeist

Der Teamgeist ist sprichwörtlich – und wird doch oft nicht erreicht. Aber nichts ist mehr für den Erfolg eines Teams verantwortlich als ein gutes, vertrauensvolles Arbeitsklima und gegenseitige Hilfe und Unterstützung. Schweißen Sie Ihr Team deshalb zusammen.

Machen Sie allen klar, dass nur der Gesamterfolg zählt und dass jeder für seinen Anteil an diesem Erfolg verantwortlich ist. Am Ende gewinnt oder verliert nicht der Einzelne, sondern das Team. Der Nutzen des Teams sollte absoluten Vorrang haben.

Wichtig wäre auch wieder ein respektvoller, wertschätzender Umgang miteinander. Haben Sie Menschen im Team, die sich „nicht grün sind“ oder die sich auf Kosten anderer profilieren wollen, nehmen Sie sie raus. Untergründig ablaufende Reibereien oder Machtspielchen sind der Tod jedes Teams.

Hilfreich ist es auch, wenn Ihre Teammitglieder eine bestimmte Einstellung mitbringen, damit sich eine echte Teamkultur entwickeln kann. Wenn zum Beispiel Werte wie Engagement, Rücksichtnahme, Höflichkeit, Geben und Nehmen, Kameradschaft, Offenheit und Hilfsbereitschaft zu ihrem Selbstverständnis gehören.

Teamarbeit anzuordnen, ist leicht, im Team zu arbeiten, schon wesentlich weniger. Nicht jeder ist dazu gemacht, ein Team zu leiten, und auch nicht jeder, in einem zu arbeiten. Nutzen Sie diese Schlüsselfaktoren für einen ersten Überblick, worauf es bei der Zusammenarbeit im Team wirklich ankommt. Umso erfolgreicher wird Ihr Team werden. ™

Kategorien
E-Business Freelance

Übersicht: Zuschüsse für Freelancer

Auch kleine Betriebe und Freiberufler kommen in den Genuss von Subventionen: Staatliche Beihilfen gibt es nicht nur in Form persönlicher Unterstützungsleistungen, sondern auch als betriebliche Beratungs-, Investitions-, Lohnkosten- oder Werbezuschüsse. Wir listen die wichtigsten bundesweiten Hilfsprogramme auf.

Freiberufler und Unternehmer können Beihilfen zum Lebensunterhalt beantragen und darüber hinaus Zuschüsse für geschäftliche Vorhaben in Anspruch nehmen. Die elf wichtigsten nicht rückzahlbaren bundesweiten Förderprogramme im Überblick:

  • Gründungszuschuss:
    Wer sich als Gewerbetreibender oder Freiberufler hauptberuflich selbstständig machen will, die Tragfähigkeit seines Vorhaben durch die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle nachweisen kann und noch mindestens 90 Tage lang Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat, kann bei der Arbeitsagentur den Gründungszuschuss beantragen. Die Beihilfe wird neun Monate lang in Höhe des bisherigen Arbeitslosengeldes gezahlt – zuzüglich einer Sozialversicherungspauschale in Höhe von 300 Euro. Nach Ablauf der ersten Förderphase kann die Sozialversicherungspauschale weitere sechs Monate lang gewährt werden. Der Gründungszuschuss hat 2006 die Ich-AG-Förderung und das Überbrückungsgeld abgelöst.

Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur.
Lektüre-Tipp: Die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Gründungszuschuss finden Sie in unserer separaten Förder-FAQ.

  • Einstiegsgeld:
    Weil Empfänger von Arbeitslosengeld II keinen Anspruch auf den Gründungszuschuss haben, gibt es für diesen Personenkreis eine spezielle Gründungsbeihilfe. Anspruch auf diese Leistung besteht jedoch nicht. Der zuständige Fallmanager kann bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit zusätzlich zum Arbeitslosengeld II ein Einstiegsgeld in Höhe von 50 bis 100 Prozent des ALGII-Regelsatzes zahlen. Auch bei dieser Beihilfe muss die Tragfähigkeit durch schriftliche Unterlagen (einfacher Geschäftsplan) plausibel gemacht werden. Oft ist hier ebenfalls das Tragfähigkeitsgutachten einer fachkundigen Stelle erforderlich.Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur / Sozialamt / ARGE
  • Gründercoaching Deutschland:
    Anders als der Name vermuten lässt, richtet sich das Gründercoaching nicht nur an Gründer, sondern grundsätzlich an alle Freiberufler und Gewerbetreibende während der „Start- und Festigungsphase“: Gründung oder Übernahme dürfen bei Antragstellung bereits bis zu fünf Jahre zurückliegen! Gefördert werden nicht nur Coaching-Maßnahmen, sondern vielmehr alle Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zu „wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“. Nur für klassische Rechts-, Steuer-, Versicherungs- sowie IT-Beratungen ist dieses Förderprogramm nicht gedacht.

    Die Obergrenze des förderfähigen Beraterhonorars liegt bei insgesamt 6.000 Euro. Pro Achtstundentag darf der Berater dabei bis zu 800 Euro in Rechnung stellen. Die Zuschusshöhe ist vom Unternehmensstandort abhängig: In den neuen Bundesländern (sowie einigen bevorzugten westdeutschen Regionen) übernimmt der Staat 75 Prozent des Beraterhonorars – maximal also 4.500 Euro. Antragsteller aus den alten Bundesländern bekommen nur einen 50-prozentigen Zuschuss zu den Beratungskosten – also höchstens 3.000 Euro.

    Antragstellung: Beim Kooperationspartner der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im jeweiligen Bundesland (am besten lassen Sie sich durch einen akkreditierten Gründercoach dabei unterstützen. Den finden Sie über die bundesweite Beraterbörse. Lektüretipp: Dr.Web-Beitrag „Gründercoaching Deutschland: Beratungszuschüsse (nicht nur) für Gründer

  • Beratungsförderung:
    Das „Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle“ (BAFA) bietet vier verschiedene Beratungs- und Schulungszuschüsse: Die Kosten von Existenzgründungsberatungen vor der Gründung werden mit 50 Prozent der Beratungskosten (maximal 1.500 Euro) gefördert. Für Existenz-Aufbauberatungen innerhalb von drei Jahren nach der Gründung können ebenfalls Zuschüsse in Höhe von 50 Prozent der Beratungskosten beantragt werden (maximal 1.500 Euro pro Beratung und 3.000 Euro insgesamt). Darüber hinaus gibt es für Allgemeine Beratungen einen Zuschuss von 40 Prozent der Kosten (Höchstgrenze ebenfalls 1.500 Euro pro Beratung und 3.000 Euro insgesamt). Die gleichen Konditionen gelten für spezielle Umweltschutzberatungen.

    Informations- und Schulungsveranstaltungen (z. B. „Existenzgründerseminare“ und „Leistungssteigerungsseminare“), durch die die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Freiberuflern und kleinen Unternehmen verbessert werden und ihnen helfen, sich an veränderte wirtschaftliche Bedingungen anzupassen, werden bis zu einer Gesamtdauer von höchstens 18 Stunden mit einem Stundensatz von 40 Euro bezuschusst. Voraussetzung ist, dass jeweils zwischen zehn bis zwanzig Teilnehmer daran teilnehmen.

    Antragstellung: beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Hinweis: Die Beantragung von BAFA-Zuschüssen gilt als ausgesprochen kompliziert. Am besten lassen Sie sich dabei von einem erfahrenen Berater Ihrer Wahl unterstützen.)

  • Investitionszulage:
    Selbstständige aus den neuen Bundesländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Teilen von Berlin) können für die „Anschaffung und Herstellung von neuen abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens“ eine Investitionszulage beantragen. Voraussetzung: Es handelt sich um eine Erstinvestition (außer Pkw) im Wert von über 410 Euro und das betreffende Wirtschaftsgut verbleibt mindestens fünf Jahre lang im Betrieb. In den Genuss der Förderung kommen nur Produktionsbetriebe oder produktionsnahe Dienstleister (z. B. Datenverarbeitung, Design oder Werbung). Je nach Standort beträgt der Investitionszuschuss für kleine und mittlere Betriebe zwischen 25 bis 27,5 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten.Antragstellung: beim zuständigen Finanzamt
  • ALG I für Selbstständige:
    Auch Freelancer können arbeitslos werden. Sofern Sie sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichert haben, kommen Sie sogar in den Genuss von Arbeitslosengeld I in Höhe von bis zu 1.300 Euro und mehr. Und das bei verhältnismäßig geringen monatlichen Beiträgen von zurzeit 20,50 Euro in den alten Bundesländern und 17,33 Euro in den neuen Bundesländern.

    Berechnet wird das ALG I im Versicherungsfall nicht aufgrund zuvor erwirtschafteter Gewinne aus der selbstständigen Tätigkeit, sondern auf Basis sogenannter Qualifikationsgruppen: Hochschulabsolventen sind dadurch besser gestellt als Selbstständige ohne Berufsausbildung.

    Hinweis: Auch wenn das viele Arbeitsagenturen anders sehen: Abmelden müssen Sie ihr Gewerbe oder Ihre freiberufliche Tätigkeit vor einer Arbeitslosmeldung nicht unbedingt – vorausgesetzt, Sie bleiben unter der Wochenarbeitszeitgrenze von insgesamt 15 Stunden und legen Ihre Einnahmen gegenüber der Arbeitsagentur offen! Dabei müssen Sie jedoch glaubhaft machen müssen, dass der zeitliche Aufwand für sämtliche Arbeiten (inklusive Werbung, Akquisition, Buchführung etc.) unterhalb der genannten Arbeitszeitgrenze liegt.

    Bei verbesserter Auftragslage dürfen Sie sich jederzeit wieder aus der Arbeitslosigkeit abmelden. Auch ein wiederholter Wechsel ist völlig legal. An- und Abmeldungen sind im Prinzip von heute auf morgen möglich.
    Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur
    Lektüretipp: Dr.Web-Beitrag Arbeitslosengeld für Freelancer

  • ALG II für Selbstständige:
    Selbstständige, die sich nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert haben, können bei nachgewiesener „Hilfebedürftigkeit“ für sich und ihre Angehörigen Arbeitslosengeld II beantragen. Wie bei allen anderen „Hartz-IV-Empfängern setzt das allerdings die Offenlegung der gesamten Vermögens- und Einkommenslage voraus. Anders als der Begriff „Arbeitslosengeld“ vermuten lässt, ist Arbeitslosigkeit keine Voraussetzung für den Bezug von ALG II: Es kann notfalls auch ergänzend zu anderen Einkünften und / oder ALG I bezogen werden! Die wöchentliche 15-Stundengrenze gibt es beim ALG II ebenfalls nicht.

    Die „Regelleistung“ für eine alleinstehende Person beträgt derzeit 347 Euro pro Monat plus Wohn- und Heizkostenübernahme. Pro Kind gibt es je nach Alter weitere 208 Euro bis 278 Euro. Eine typische „Bedarfsgemeinschaft“ bestehend aus Eltern und zwei Kindern über 14 Jahre kommt zurzeit auf ein monatliches ALG II in Höhe von maximal knapp 1.200 Euro (zuzüglich Miete und Heizkosten). Erzielte Einkünfte müssen offengelegt werden und mindern die Beihilfe entsprechend. Pferdefuß: Durch die Anfang 2008 in Kraft getretene neue ALG-II-Verordnung werden an die Gewinnberechnung für die Arbeitsagentur viel schärfere Anforderungen gestellt als sie bei der klassischen Einnahmenüberschussrechnung fürs Finanzamt gelten.Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur / Sozialamt / ARGE

  • Wohngeld:
    Wer noch nicht „hilfebedürftig“ im Sinne des ALG-II-Bezugs ist, kann zur „Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens“ nach wie vor Wohngeld beantragen: Mieter bekommen die staatliche Unterstützung in Form eines Mietzuschusses, Haus- und Wohnungseigentümer können einen „Lastenzuschuss“ erhalten. Gezahlt wird die Beihilfe frühestens ab dem Monat der Antragstellung für zunächst zwölf Monate. Allzu üppig fällt das Wohngeld allerdings leider nicht aus: Der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch lag im Jahr 2006 unter 100 Euro. Antragstellung: bei der örtlichen Wohngeldstelle
  • Versicherungszuschuss:
    Selbstständige, die freiwillige Mitglieder in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sind und nur aufgrund ihres Krankenkassenbeitrages „hilfebedürftig“ werden (d. h. ALG II beantragen könnten / müssten), bekommen auf Antrag einen Zuschuss zu den Versicherungsbeiträgen. Das Gleiche gilt für freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sowie für Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen oder private Alterssicherungen.
    Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur
  • Künstlersozialversicherung:
    Für freiberufliche Webdesigner und andere kreative Freelancer besonders attraktiv ist die Künstlersozialversicherung: Wer seine Künstler- oder Publizisteneigenschaft gegenüber der Künstlersozialkasse nachweisen kann und im Hauptberuf nahezu ausschließlich als selbstständiger Kreativer arbeitet, wird Pflichtmitglied in der gesetzlichen Sozialversicherung. Dann übernimmt die Künstlersozialkasse als eine Art virtueller Arbeitgeber erfreulicherweise den 50-prozentigen Arbeitnehmerbeitrag. Die monatlichen Beiträge werden zudem auf Basis des eigenhändig geschätzten Gewinns für das kommende Jahr berechnet. Antragstellung: bei der Künstlersozialkasse
  • Lohnkostenzuschüsse:
    Die Arbeitsagenturen unterstützen nicht nur Arbeitslose, sondern auch Freiberufler und Unternehmer – insbesondere dann, wenn sie Arbeitsplätze schaffen: Möglich sind Zuschüsse zu den Personalkosten vor allem bei Einstellung von Arbeitslosen im Zuge einer Neugründung (maximal 50 Prozent des Arbeitsentgelts von zwei Arbeitnehmern über 12 Monate) oder auch bei Einstellung schwer vermittelbarer Arbeitsloser (maximal 50 Prozent des Arbeitsentgelts für 12 Monate). Zudem können betriebliche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen gefördert werden. Anspruch auf diese Leistungen gibt es allerdings nicht. Wichtig: Der Antrag auf Lohnkostenzuschuss muss unbedingt vor dem Abschluss des Arbeitsvertrages gestellt und bewilligt worden sein! Antragstellung: bei der örtlichen Arbeitsagentur
  • Messeförderung:
    Bundesländer und Bundeswirtschaftsministerium unterstützen die Teilnahme von Selbstständigen und Unternehmen an regionalen, nationalen und internationalen Messen mit unterschiedlichen Förderprogrammen. Über finanzielle Beihilfen hinaus umfassen die Programme Serviceleistungen beim Entwurf und Bau von Messeständen aber auch Seminare zu Konzipierung und Werbung, Fachbesucher-Akquisition sowie Mitarbeiterschulung. Antragstellung: bei speziellen Fördereinrichtungen der Bundesländer und beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) gibt einen Überblick über die Förderprogramme und förderfähigen Veranstaltungen.

Tipp: Eine eindrucksvolle Zusammenstellung aller wichtigen Unternehmens-Förderprogramme von EU, Bund, Ländern bietet das BMWi-Infoportal „existenzgruender.de“. In der Förderdatenbank des Bundes können Sie aus mittlerweile weit über 1.000 Programmen das für Sie passende herausfiltern.

Fazit:
Die Subventionslandschaft hierzulande ist vielfältig – auch für Freelancer und Kleingewerbetreibende steht so mancher Förder-Euro zum Abruf bereit. Sieht man einmal von den Beihilfen zum persönlichen Lebensunterhalt ab, sollten Sie aber sehr genau prüfen, ob sich der damit verbundene bürokratische Aufwand wirklich lohnt. Am besten verschaffen Sie sich zunächst einmal Klarheit über Ihren betrieblichen Bedarf. Mit andern Worten: Suchen Sie sich ein Förderprogramm, das zu Ihrem betrieblichen Bedarf passt. Das Schielen auf Fördermittel ist ansonsten nicht nur unökonomisch – es lenkt die Aufmerksamkeit auch vom eigentlichen Geschäftszweck ab. Schließlich kann man auf Dauer nicht von Fördermitteln leben, sondern nur von der Bereitstellung marktfähiger Produkte und Dienstleistungen – und den dazugehörigen zahlungsbereiten Kunden.

Kategorien
Betriebliches E-Business Freelance Workflow

7 Lösungen zur Zeiterfassung

Wir stellen Ihnen einige Online Werkzeuge zur Zeiterfassung vor. Die gibt es einfach, handgemacht, kostenlos oder mit Komfort bei verschiedenen Diensten im Abonnement.

tickspot

Tickspot

Website: www.tickspot.com

Preis: von kostenlos (nur ein Projekt buchbar) bis 79 $ (ca. 50,56 €) für die unlimitierte Version monatlich

Zu bemerken: webbasiert, integrierbar in Projektverwaltungstool basecamp

Dr. Web meint: macht einen tollen Eindruck; die monatliche Zahlungsweise stört, und jährlich über 600 Euro für eine unlimitierte Nutzung sind ganz schön happig. Eine abgespeckte Version, in der 15 Projekte gleichzeitig pflegbar sind, kosten jährlich immer noch knapp 145 €

Paymo

Tickspot

Website: www.paymo.biz

Preis: nach Angaben des Herstellers für immer kostenlos ohne Einschränkung nutzbar, Premium-Version in Planung

Zu bemerken: webbasiert, Daten liegen unter einer eigenen Subdomain auf dem Server des Herstellers. Ausführlichere Vorstellung von Paymo – hier entlang.

Dr. Web meint: etwas gewöhnungsbedürftige Dateneingabe, ansprechende Bedienoberfläche

Mite

mite.

Website: www.bemite.de

Preis: kostenlos, Bezahlversion für Frühjahr 2008 angekündigt

Zu bemerken: Komplett auf Deutsch, webbasiert

Dr. Web meint: funktionale und ästhetisch ansprechende Lösung aus Deutschland, die im Vergleich zu ihren (englischsprachigen) Konkurrenten kostenlos und uneingeschränkt einsetzbar ist

Slim Timer

Slim Timer

Website: www.slimtimer.com

Preis: wird nicht ausgewiesen, gibt eine Kostenlosversion laut Blog, dort erfährt man auch, dass eine „freemium“-Version existiert, sonst aber nichts Näheres

Dr. Web meint: Preisintransparenz und Berichte über Datenverluste in 2007 schrecken eher ab. Leser Björn Scholl ist allerdings sehr zufrieden mit Slim Timer (Kommentar in Beitrag zu Paymo)

Kimai

Kimai

Website: www.kimai.de

Preis: kostenlos

Zu bemerken: lokal installierbar, deutsche Benutzeroberfläche

Dr. Web meint: einfache und angenehm auf das Wesentliche konzentrierte Zeiterfassungslösung, die Skeptikern externer Datenhaltung entgegen kommt; schade nur, dass bei aller Einfachheit keine direkte Zeiteingabe, ohne den Umweg Uhrzeit, möglich ist

Clocking IT

Clocking IT

Website: www.clockingit

Produkt-Test: ClockingIT – Zeiterfassung, Projektmanagement, Kommunikation, Kollaboration

Preis: kostenlos, es darf gespendet werden

Zu bemerken: Projekte mit Stundenkontingent einbuchbar, Fortschrittsbalken für aufgebrauchte Budgetzeit

Dr. Web meint: Warum eine Bezahllösung wählen, wenn es auch Clocking IT für das anspruchsvollere Multi-Projektzeit-Management gibt, programmiert und weiterentwickelt von einem norwegischen Ehepaar? Unser Favorit.

Dr. Webs Zeiterfassung „ganz leicht“

Dr. Webs Zeiterfassung

Es soll noch Leute geben, die weder webbasiert oder mit lokalem Webserver ihre Zeiten erfassen möchten, sondern einfach mit Excel. Unser Zeiterfassungsblatt besteht aus den Feldern Monat, Kalenderwoche, Datum, Projekt, Aufgabe, Einzeltätigkeit und Zeit. Ein Pivottabelle sorgt für die Konsolidierung der Daten. Nicht gerade ein Trendsetter, aber völlig ausreichend, um Eigen- und Kundenzeit zu erfassen.

Dr. Webs Zeiterfassung

Dr. Webs Zeiterfassung

Datei zum Herunterladen: Zeiterfassung-DrWeb.xls

Kategorien
Betriebliches E-Business Freelance

Elevator Pitch: So bringen Sie Ihre Eigenwerbung auf den Punkt

„Was machen Sie denn so?“: Können Sie die Besonderheiten und Vorzüge Ihrer Dienstleistungen auf Anhieb in wenigen Sätzen zusammenfassen? Und zwar so, dass potenzielle Auftraggeber von deren Nutzen überzeugt sind? Mit Hilfe der bewährten Fahrstuhl-Übung optimieren Sie Ihr Auftreten bei Vorstellungsrunden und unverhofften Verkaufsgesprächen.

Werbeleute und Berater kennen einen „Pitch“ als den Wettstreit konkurrierender Anbieter um einen Auftragsetat. Beim fiktiven „Elevator Pitch“ (Verkaufsgespräch im Fahrstuhl) wird die Idee des kreativen Verkaufsgesprächs extrem zugespitzt: Angenommen, Sie sind Webdesigner und treffen vor dem Aufzug auf einen möglichen Auftraggeber (zum Beispiel den Betreiber einer großen regionalen Internetplattform, die dringend einer Runderneuerung bedarf). Nach kurzer Begrüßung bekommen Sie während der anschließenden Aufzugsfahrt überraschend die Möglichkeit, sich und Ihr Unternehmen kurz vorzustellen. Für eine möglichst wirkungsvolle Selbstpräsentation haben Sie höchstens 30 bis 60 Sekunden Zeit – länger braucht der Lift nun einmal nicht, um sein Ziel zu erreichen.

Es muss nicht immer Aufzug sein
Falls Ihnen das Bild vom Aufzug nicht recht einleuchtet (etwa weil Sie in der Provinz leben, in der kaum ein Gebäude mehr als drei Stockwerke hat), versuchen Sie es mit vergleichbaren Anlässen, bei denen ein zufälliger Ansprechpartner Ihnen im Alltag vorübergehend sein Ohr leiht (auf der Messe, am Taxistand, in der Sauna etc.)

Sind Sie für solche Situationen gerüstet? Finden Sie bei Vorstellungsrunden oder unverhofften Verkaufsgesprächen zwischen Tür und Angel jederzeit die richtigen Worte? Wenn ja, seien Sie froh: So viel Geistesgegenwart findet sich keineswegs bei allen Selbstständigen. Selbst alte Hasen verpatzen die Gunst der Stunde oft durch langatmige Faktenaufzählungen und ärgern sich hinterher immer noch darüber, wichtige Aspekte vergessen zu haben.

Nutzen schlägt Leistung
Von der Idee der Vollständigkeit sollten Sie sich von vornherein verabschieden: Der Versuch, das eigene Leistungs-Portfolio oder Sortiment in weniger als einer Minute komplett vorzustellen, dürfte selbst Nischenanbieter und Schnellredner vom Schlag Dieter Thomas Heck überfordern – von der fragwürdigen Wirkung auf den Zuhörer ganz zu schweigen. Mut zur Lücke brauchen Sie auf jeden Fall – doch statt die Auswahl im Eifer des Gefechts jedes Mal neu zu treffen, sorgen Sie mit einer durchdachten, standardisierten Kurzvorstellung dafür, dass zumindest die entscheidende Kernbotschaft ankommt.

Im Mittelpunkt der Vorbereitung auf den Werbespot in eigener Sache stehen Ihre Kernkompetenz und der damit verbundene Nutzen für den Adressaten. Falls Sie im Rahmen Ihres Geschäftskonzeptes bereits so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal (USP = einzigartiges Verkaufsargument) formuliert haben, stellt das den optimalen Ausgangspunkt für Ihre Selbstdarstellung dar.

Ganz wichtig – und wenn es auch noch so schwer fällt: Letztlich entscheidend sind nicht Ihre persönlichen Qualifikationen (oder die Ihrer Mitarbeiter) und auch nicht die objektive Qualität Ihres Angebots (z. B. funktionales, technisch fehlerfreies und ästhetisch optimiertes Webdesign). Es kommt vielmehr auf die Vorteile an, die Ihr Kunde durch die Auftragsvergabe an Sie hat. Fragen Sie sich immer: Inwiefern geht es meinem Gegenüber besser, nachdem er mich beauftragt hat. Und nicht nur das: Warum geht es ihm besser, als wenn er den Zuschlag einem meiner vielen Wettbewerber gibt?

Gefühl schlägt Fakten
Konzentrieren Sie sich bei diesen Überlegungen aber nicht nur auf den objektiven Nutzen (zum Beispiel günstigere Preise, mehr Besucher auf der Website, höhere Konversionsrate eines Onlineshops etc.): Mindestens ebenso bedeutsam sind die subjektiven, gefühlsmäßigen Vorteile, die ein potenzieller Kunde durch die Vergabe des Auftrags an Sie hat. Auch wenn sich ein Entscheider darüber meistens nicht im Klaren ist: Wichtiger als die nüchterne Kosten- und Nutzenbetrachtung aus Unternehmenssicht sind oft ganz persönliche Gefühle und Bedürfnisse, zum Beispiel…

  • Sicherheitsbedürfnis („Auf Qualität, Termine und Support von Max Mustermann kann ich mich verlassen..“),
  • Komfortbedürfnis („Dieser Mustermann nimmt mir alle schwierigen, komplizierten und / oder unangenehmen Aufgaben ab. Die Zusammenarbeit ist in jeder Hinsicht mühelos und bequem für mich…“) oder auch das
  • Prestigebedürfnis („Wow: Relaunch von Otto-Versand und Spiegel Online? Mit einer Website von diesem Mustermann stehe ich bestimmt gut da…“)

Zwar dürfen Sie die eigentlichen Vorteile des beauftragenden Unternehmens nicht aus den Augen verlieren – ausschlaggebend ist letztlich aber immer die Person des Auftraggebers: Auf dessen Sicherheits-, Komfort- und / oder Prestigebedürfnis sollten Sie Ihre Selbstdarstellung abstimmen.

Bilder schlagen Worte
Um derartige Gefühle hervorzurufen, genügt es selbstverständlich nicht, schlichte Behauptungen aufzustellen („Mit Mustermann Online sind Sie auf der sicheren Seite…“): Vielmehr kommt es darauf an, die passenden Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen zu lassen. Das gelingt einerseits durch bildliche Analogien zu positiv besetzten Produkten oder Dienstleistungen („… der Mercedes unter den Onlineshops“). Bewährte Mittel sind aber auch O-Töne anderer Kunden oder aus Medien sowie Verweise auf klangvolle Referenzprojekte ( „… wie zuletzt beim Relaunch von Spiegel Online…“).

Besonders wichtig ist ein bildhafter Einstiegssatz, eine Art Slogan, mit dem Sie die Antwort auf die Einladung Ihres Adressaten zur Kurzvorstellung einleiten („Lassen Sie hören: Was haben Sie denn zu bieten?“) und zugleich Ihr Selbstverständnis auf den Punkt bringen. Ein Einstiegssatz wie „Ich baue das Internet für alle…“ sorgt nun einmal für mehr Aufmerksamkeit als das brave „Mustermann Online gestaltet und programmiert barrierefrei Internetseiten…“ Weiterer Vorteil der bildhaften Sprache: Sie transportieren auf diese Weise viel mehr Inhalt als mit nüchternen, technischen Formulierungen. Selbst in gesprochener Form sagt ein aussagekräftiges Bild mehr als tausend Worte.

Mehr Profitipps für Pitcher
Indem Sie sich von vornherein auf Nutzen, Gefühle und Bilder konzentrieren, sind Sie auf dem besten Weg zu einer (be)merkenswerten Selbstdarstellung. Weitere Empfehlungen:

  • Verzichten Sie auf toll klingende „innovative“ Lösungsangebote, die nach einem Problem suchen: Gehen Sie vielmehr von der ganz alltäglichen Vorstellungswelt und Lebenspraxis potenzieller Auftraggeber aus. Lassen Sie Ihren Zuhörer spüren, wie einfach, angenehm und produktiv es ist, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Und was Sie tun, um Ihren Geschäftspartnern das Leben leichter, schöner, erfolgreicher, sicherer, aufregender etc. zu machen – je nachdem, was im Mittelpunkt Ihrer Leistungen steht.
  • Halten Sie sich an die bewährte KISS-Regel („Keep it simple and smart/stupid“): Verzichten Sie auf Fachchinesisch und Businesstalk. Wählen Sie einfache Worte und formulieren Sie kurze Sätze. Setzen Sie möglichst wenig als bekannt voraus. Richten Sie sich gedanklich an Branchenfremde mit durchschnittlicher Allgemeinbildung.
  • Bloß keine falsche Bescheidenheit! Das ist langweilig. Reden Sie sich ruhig in Rage: Zeigen Sie Ihre eigene Begeisterung, Ihre Arbeitsfreude und Ihren Stolz! Enthusiasmus, Elan und leuchtende Augen wirken ansteckend!
  • Setzen Sie zum Schluss einen eindeutigen Punkt: Beenden Sie Ihre Kurzvorstellung einer Handlungsaufforderung oder einem Vorschlag – am besten in Frageform („Ich kann Ihnen am Freitag einen kostenlosen Kurz-Check Ihrer bisherigen Website vorstellen: Wann passt es Ihnen am besten?“)

Kürzen, kürzen, kürzen!
Kommen wir zurück zum Ausgangspunkt: Beim „Elevator Pitch“ dürfen Sie über alles reden, nur nicht über eine Minute. Da sich in dieser Zeit kaum mehr als 150 Wörter unterbringen lassen (in geschriebener Form entspricht das in etwa einer halben Manuskriptseite), besteht die größte Herausforderung darin, aus dem riesigen Vorrat an Stärken, Vorteilen und Nutzen Ihres Angebots einen wirkungsvolles Extrakt herauszufiltern:

  • Nutzen Sie als Ausgangsmaterial die Marketingteile Ihres Geschäftsplans, aktuelle und ehemalige Werbetexte aller Art (Imagebroschüren, Flyer, „Wir-über-uns“-Internettexte etc.).
  • Erstellen Sie daraus zunächst einen Ausgangstext von etwa einer Seite Länge.
  • Entwerfen Sie einen dazu passenden bildhaften Eingangs-Slogan und stimmen Sie den folgenden Text inhaltlich darauf ab.
  • Kürzen Sie diesen Text anschließend auf etwa eine halbe Seite. (Speichern Sie die Langfassung zuvor ruhig in einer separaten Datei – sie kann später für andere Zwecke durchaus brauchbar sein.)
  • Lesen Sie sich die Kurzversion anschließend mehrmals laut vor und erstellen Sie daraus Schritt für Schritt eine Sprachfassung, die zu Ihrer sonstigen Alltagssprache passt.
  • Überprüfen Sie Glaubwürdigkeit und Wirkung, indem Sie Ihre vorläufige Fahrstuhl-Präsentation per Mikrofon aufnehmen und sie an Freunden und Kollegen ausprobieren.

Ausnahmen bestätigen die Regel
Falls es Ihnen beim besten Willen nicht gelingt, Ihre Kurzvorstellung auf eine Minute zu beschränken, muss das kein Beinbruch sein: Vorausgesetzt natürlich, Ihre Geschichte ist so interessant und spannend, dass Ihr Adressat freiwillig stehenbleibt und weiter gespannt zuhört, obwohl der Aufzug sein Ziel längst erreicht hat.

Zugegeben: Eine fertig vorbereitete Selbstdarstellung lässt sich nicht 1:1 auf jede beliebige Situation übertragen. Wenn Sie erst einmal über ein durchdachtes Grundmodul verfügen, hindert Sie jedoch niemand daran, es flexibel an den Einzelfall anzupassen. Leichte Variationen sind schon allein deshalb sinnvoll, weil Sie dadurch die Gefahr des Auswendiglernens und Herunterleierns vermeiden.

Fazit
Jeder Selbstständige sollte eine durchachte Standard-Kurzvorstellung in petto haben, um damit bei unverhofften Verkaufsgesprächen aller Art punkten zu können. Aus einem solchen Basismodul lassen sich bei Bedarf problemlos ausführlichere Selbstdarstellungen erzeugen.

Erfreulicher Begleitumstand: Viele gestandene Freelancer merken erst beim Erstellen einer solchen Fahrstuhl-Präsentation, dass und in welche Richtung sich ihr Angebot im Laufe der Zeit verändert hat: Machen Sie sich also auf Überraschungen gefasst!

Links zum Thema:

  • Gründungsberater Dr. Andreas Lutz hat im vergangenen Jahr den ersten deutschen Elevator Pitch Wettbewerb veranstaltet. Auf seiner Website „gruendungszuschuss.de“ finden sich zahlreiche Beispiele und Kommentare zu den eingegangenen Beiträgen.
  • Buchtipp: Joachim Skambraks: 30 Minuten für den überzeugenden Elevator Pitch (80 Seiten, 6,50 Euro) im Fachhandel.
  • DVD-Tipp: Giso Weyand und Michael Martin: Elevator Pitch – Überzeugen in 30 Sekunden (Live-Mitschnitt eines Vortrags, DVD, 39,90 Euro).

Erstveröffentlichung 07.12.2007

Kategorien
Betriebliches E-Business Freelance

Zusatzauftrag und Steuerprogression: Lohnt sich das?

Gleicher Kunde, gleicher Auftrag, gleicher Preis – unterschiedlicher Netto-Verdienst: Steuerprogression und Familienstand sorgen dafür, dass eine nüchterne Kosten-Nutzenrechnung bei Selbstständigen oft zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führt. Wir machen die Probe aufs Exempel.

Die Steuerbelastung von Unternehmern und Freiberuflern gibt es nicht. Zwar besteht bei der Einkommensteuer zwischen Angestellten und Selbstständigen grundsätzlich kein Unterschied. Endgültig abgerechnet wird immer erst am Jahresende auf Basis aller erzielten Einkünfte. Doch während die maximale Steuerbelastung bei abhängig Beschäftigten durch den Lohnsteuerabzug des Arbeitgebers weitgehend feststeht, ist das bei Selbstständigen anders: Je nachdem, wie die Geschäftslage im laufenden Jahr ist, kann der von einem einzelnen Auftrag übrig bleibende versteuerte Gewinn unterm Strich sehr unterschiedlich ausfallen.

Die Probe aufs Exempel
Angenommen, ein Webdesigner steht vor der Frage, wie hoch sein zusätzliches privates Nettoeinkommen aus einem Auftrag mit 5.000 Euro betrieblichem Reingewinn sein wird, dann kann das Ergebnis zwischen prallen 5.000 Euro und mageren 2.750 Euro liegen:

Abbildung

Die Ursachen
Die beträchtliche Differenz hat zwei Ursachen:

Die Steuerprogression: In Deutschland werden höhere Einkünfte relativ stärker besteuert als niedrige. Bis zu einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 7.664 Euro fällt gar keine Einkommensteuer an. Innerhalb des Einkommensbereichs zwischen 7.664 Euro und 52.152 Euro (der so genannten Progressionszone) steigt der Steuersatz schrittweise von 15 % auf 42 % an. Ab einem Einkommen von 250.000 Euro an aufwärts beträgt der Spitzensteuersatz sogar 45 % (=“Reichensteuer“). Nimmt man den Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Einkommensteuer hinzu, liegt die maximale Steuerbelastung derzeit bei 47,5 %.

Das Ehegattensplitting: Gemeinsam besteuerte Ehegatten sind hierzulande besser gestellt als Ledige. Das zu versteuernde Einkommen beider Ehegatten wird dabei zunächst addiert und dann halbiert. Anschließend wird die auf den halbierten Betrag anfallende Einkommensteuer ermittelt und das Ergebnis wiederum verdoppelt. Bei Ehepartnern mit unterschiedlich hohem Verdienst mildert das die Wirkung der Steuerprogression spürbar. So fällt bei Verheirateten Einkommensteuer erst ab einem gemeinsamen Einkommen von gut 15.000 Euro an, der Spitzensteuersatz wird erst bei einem Einkommen von über 100.000 Euro erreicht. Die Reichensteuer ist erst ab 500.000 Euro Jahreseinkommen fällig.

Durchschnitt- oder Grenzsteuersatz?
Wichtig: Selbst die Superreichen bezahlen auf die ersten 7.664 Euro (bei Verheirateten: 15.328 Euro) ihres zu versteuernden Gesamteinkommens keinen Cent Einkommensteuer. Und in der Progressionszone liegt ihre Belastung wie bei allen anderen Steuerpflichtigen ebenfalls „nur“ bei 15 % bis 45 %.

Die drei verschiedenen Steuertarifzonen (zunächst steuerfrei, dann progressiv, dann linear) haben zur Folge, dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem Durchschnittsteuersatz auf das gesamte Jahreseinkommen und dem Steuersatz, der ausgehend von einem bestimmten Einkommen auf den nächsten Euro Einkommenszuwachs entfällt. Wer wissen will, wie groß der Anteil des Staates an den Einnahmen aus einem Zusatzauftrag ist, muss daher mit dem Grenzsteuersatz rechnen.

Besonders wichtig ist diese differenzierte Betrachtungsweise für Steuerpflichtige, die im mittleren Einkommensbereich liegen und angesichts schwankender Jahreseinkünfte ihre drohende Steuerbelastung möglichst realistisch einschätzen wollen.

So rechnen Sie richtig
Je nach Ausgangslage und Sicherheitsbedürfnis kalkulieren Sie das verbleibende Privateinkommen aus Zusatzaufträgen unterschiedlich:

Wenn Sie zu den Besserverdienenden gehören und auf Nummer Sicher gehen wollen, rechnen Sie einfach mit dem Spitzensteuersatz. Ziehen Sie von möglichen Zusatzeinkünften knapp die Hälfte (genau genommen 47,5 %) ab, und Sie wissen, was im allerungünstigsten Fall für Sie privat übrigbleibt: Schlimmer wird’s nimmer.

Falls Sie es genauer wissen und dabei Vorsicht walten lassen wollen, rechnen Sie mit Ihrem Grenzsteuersatz. Wie hoch der ist, ermitteln Sie mit Hilfe des Abgabenrechners, der vom Bundesfinanzministerium im Internet bereitgestellt wird:

Abbildung
Durchschnitts- und Grenzbelastung am Beispiel eines Alleinstehenden mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 45.000 Euro.

Bei einer Grenzbelastung von knapp 39 % müsste der Webdesigner in unserem 5.000-Euro-Beispiel mit einem Steueranteil von 1.950 Euro rechnen. In seiner privaten Geldbörse landen letztlich also gut 3.000 Euro.

Da sich der prozentuale Grenzsteuersatz genau genommen immer nur auf den nächsten Euro Einkommenszuwachs bezieht, sollten Sie im Einzelfall (wie in unserer Tabelle weiter oben) mit absoluten Werten arbeiten: Ermitteln Sie zuerst die Gesamtbelastung beim höheren Einkommen und ziehen Sie davon die Steuern ab, die beim niedrigeren Einkommen anfallen. Auf diese Weise ergibt sich im Beispiel ein voraussichtlicher Steueranteil von gut 2.100 Euro, es bleiben unterm Strich also nur rund 2.900 Euro vom 5.000-Euro-Kuchen übrig.

Sind die absehbaren Einkommensänderungen im Vergleich zum Vorjahr nicht so gravierend und benötigen Sie nur eine ungefähre Vorstellung vom voraussichtlichen Steueranteil, dann können Sie der Einfachheit halber aber auch mit Ihrem Durchschnittsteuersatz rechnen: Liegt Ihr tatsächliches Jahreseinkommen letztlich über dem des Vorjahres, wird die Belastung dann aber höher ausfallen als erwartet. Angesichts der zahlreichen sonstigen Unwägbarkeiten ist diese Ungenauigkeit bei überschaubaren Einkommensschwankungen aber zu verkraften.

Achtung: Reine Steueroptik!
Bitte beachten Sie: Die hier angestellten Überlegungen beziehen sich ausschließlich auf die steuerlichen Wirkungen von Zusatzeinkünften: Unter bestimmten Umständen haben Einkommenszuwächse aber auch Auswirkungen auf Beiträge zur Sozialversicherung (z. B. für freiwillige Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung oder Pflichtversicherte in der Künstlersozialkasse) oder auch auf staatliche Transferleistungen (z. B. Wohngeld oder Arbeitslosengeld II in der Bedarfsgemeinschaft). Diese Folgen müssen falls erforderlich separat bedacht werden.

Fazit
So erfreulich die größeren Gestaltungsspielräume sind, die der Fiskus Selbstständigen einräumt: Sie müssen dafür aber auch mit einer größeren Unsicherheit über ihre endgültige Steuerbelastung leben als das bei Angestellten der Fall ist. Wer um die Wirkung der Steuerprogression weiß und in der Lage ist, den Anteil des Staates an seinen Einkünften zu schätzen, nimmt dem Damoklesschwert des Finanzamts aber viel von seinem Schrecken.

Kategorien
E-Business Freelance

Selbstständig im Nebenberuf: Worauf muss ich als Feierabend-Freeelancer achten?

Die Zahl der nebenberuflich Selbstständigen wächst in Deutschland rapide. Jede zweite Gründung ist mittlerweile ein Nebengewerbe. Für die meisten Menschen ist die Selbstständigkeit aber nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Wir verraten die zehn wichtigsten „Geheimnisse“ für Freelancer.

Grundsätzlich macht der Gesetzgeber keinen Unterschied zwischen „richtigen“ Vollerwerbsunternehmern und selbstständigen Nebenjobbern. Trotzdem: Wer bei sich bietender Gelegenheit – sei es aus Lust und Laune oder wirtschaftlicher Not – den ein oder anderen Auftrag als „freier Mitarbeiter“ übernimmt, muss dafür weder einen Businessplan schreiben noch eine Bilanzbuchhalter-Prüfung ablegen. Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Der Einstieg in die Selbstständigkeit ist in den meisten Fällen nicht halb so kompliziert wie uns Bürokraten und professionelle Bürokratiekritiker immer glauben machen wollen.

1. Darf ich das denn überhaupt?
Ob Sie’s glauben oder nicht: Ja, Sie dürfen. In Deutschland herrscht nämlich grundsätzlich Berufs- und Gewerbefreiheit. Der Staat macht lediglich die Ausübung einiger sicherheits- und gesundheitsgefährdender Gewerbe (z. B. im Gesundheitswesen, Transport- und Gastgewerbe) von behördlichen Genehmigungen, Prüfungen, Untersuchungen und Konzessionen abhängig. Vorsicht geboten ist außerdem im Handwerk. Hier achten die Standesvertreter in den Handwerkskammern und Innungen eifersüchtig darauf, dass niemand ohne entsprechenden Befähigungsnachweis ihren „Meisterbetrieben“ Konkurrenz macht. Doch auch für Handwerker ohne Meisterbrief gibt es zahlreiche legale Möglichkeiten, nebenberuflich Geld zu verdienen. Unterstützung geben bei Bedarf unabhängige Handwerker-Organisationen.

2. Was ist der Unterschied zwischen Haupt- und Nebenberuf?
Die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenberuf entstammt dem Sozialversicherungsrecht. Sie dient der Feststellung, ob eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Sozialversicherung vorliegt oder nicht. Wenn Sie einen Vollzeitjob als Angestellter haben und „nebenher“ gelegentlich Freelancer-Aufträge übernehmen, gibt es keine Probleme.

Es kommt aber auch vor, dass die Abgrenzung weniger eindeutig ist. In dem Fall wird geprüft, welche selbstständige Tätigkeit oder abhängige Beschäftigung den zeitlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt der Berufstätigkeit darstellt. Entscheidend dabei ist das Gesamtbild. Die Beschäftigung oder Tätigkeit mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 18 Stunden und dem höheren durchschnittlichen Einkommen gilt in der Regel als Hauptberuf. Für eine Hauptberuflichkeit als Selbstständiger spricht die Beschäftigung von sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitern. Geprüft wird die Hauptberuflichkeit im Zweifel von der Krankenkasse.

3. Was sagt meine Krankenkasse dazu?
Solange es sich um eine nebenberufliche Selbstständigkeit handelt, ändert sich an Ihrer Sozialversicherung als Angestellter überhaupt nichts. Sie bleiben weiterhin in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Ihre Beiträge erhöhen sich durch Ihre Nebeneinkünfte zum Glück nicht. Selbstständige sind nämlich nicht versicherungspflichtig. Gedanken machen sollten Sie sich allenfalls über eine zusätzliche Unfallversicherung. Die übliche Absicherung durch die Berufsgenossenschaft gilt nämlich nur für Ihren Hauptjob. Andererseits: Wer am Heim-PC Internetseiten gegen Honorar gestaltet oder Gehversuche als Ebay-Händler macht, kommt mangels beruflicher Risiken auch ohne zusätzliche Unfallversicherung aus.

4. Was sagt mein Arbeitgeber dazu?
Grundsätzlich darf der Arbeitgeber Nebentätigkeiten nicht ohne weiteres verbieten. Andererseits untersagen viele Arbeitsverträge die Aufnahme von Nebenjobs oder machen sie zumindest abhängig von der Zustimmung des Arbeitgebers. Ob die tatsächlich erforderlich ist, kommt ganz auf den Einzelfall an. Zwei Aspekte gilt es zu unterscheiden:

Erstens dürfen Sie Ihrem Chef keine Konkurrenz machen. Ein Angestellter, der mit Interessenten oder gar Kunden seines Arbeitgebers auf eigene Rechnung zusammenarbeitet, verletzt seine Loyalitätspflicht.

Zweitens darf Ihre Leistungsfähigkeit nicht unter Ihrer Nebentätigkeit leiden. Denn mit dem Arbeitsvertrag haben Sie nun einmal Ihre Arbeitskraft an Ihren Arbeitgeber verkauft. Beeinträchtigungen Ihrer Einsatzfähigkeit und Belastbarkeit muss Ihr Chef nicht in Kauf nehmen. Wenn Sie nachts und am Wochenende als Feierabend-Unternehmer durcharbeiten und daher tagsüber müde und unkonzentriert an Ihrem Arbeitsplatz sitzen, dann verletzen Sie Ihre Arbeitnehmerpflichten. Sie müssen zumindest die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes beachten. Demnach darf die regelmäßige wöchentliche Durchschnittsarbeitzeit nicht länger als 48 Stunden sein. Wer eine 40-Stunden-Stelle hat, darf unter Strich pro Woche also höchstens einen weiteren Arbeitstag in eine Nebentätigkeit investieren.

Im Krankheitsfall oder während des Jahresurlaubs besteht Ihre Hauptpflicht als Arbeitnehmer darin, zu genesen oder sich zu erholen. Sie dürfen in solchen Zeiten also nicht einfach die Unternehmer-Kappe aufsetzen und fleißig Geschäfte machen! So verbietet das Bundesurlaubsgesetz „dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit“ ausdrücklich.

Allerdings kann auch eine selbstständige geschäftliche Tätigkeit unter Umständen durchaus erholsam sein – etwa wenn sich der hauptberufliche Schreibtischtäter im Urlaub als Hotel-Animateur verdingt – oder umgekehrt. Der Fliesenleger, der während der Urlaubszeit die Internetseiten seines Heimatdorfs pflegt und dafür eine Aufwandsentschädigung bekommt. In jedem Fall gilt: Wer sich mit seinem Chef im guten Einvernehmen befindet und die Kirche im Dorf lässt, hat normalerweise nichts zu befürchten.

5. Muss ich meinen Vermieter fragen?
Wo kein Kläger, da kein Richter. Wenn nach außen nicht erkennbar ist, dass Sie im Wohnzimmer Geschäfte machen, stellt sich die Frage erst gar nicht. Falls Sie aber am Hauseingang oder Klingelknopf einen Hinweis auf Ihre Geschäftstätigkeit geben („Webdesign Max Mustermann“) wollen und Ihr Vermieter pingelig ist, kann es Probleme geben. Denn in vielen Mietverträgen ist die gewerbliche Nutzung des Wohnraums ausdrücklich untersagt. Sollte das bei Ihnen der Fall sein, brauchen Sie aber die Flinte nicht gleich ins Korn zu werfen. Denn wenn Sie freiberuflich arbeiten oder einem „stillen Gewerbe“ nachgehen, das Ihre Nachbarn nicht durch Lärm, Geruch oder zum Beispiel massenhaften Besucheransturm belästigt, dann darf Ihnen Ihr Vermieter keine Knüppel zwischen die Beine werfen.

Nicht auszuschließen ist aber, dass eine Mieterhöhung auf Sie zukommt. Sogar wenn sich durch Ihre selbstständige Tätigkeit faktisch überhaupt nichts ändert, kann die Erhöhung der Nebenkostenpauschale durchaus rechtens sein. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Vermieter bei erkennbarer geschäftlicher Tätigkeit seinerseits mit zusätzlichen Kosten rechnen muss (zum Beispiel doppelte Müllgebühren). Lassen Sie sich aber nicht ins Bockshorn jagen, Ihr Vermieter darf ihre Wohnung nicht einfach zum exklusiven „Gewerberaum“ erklären, nur weil Sie gelegentlich einen Auftrag als freier Mitarbeiter übernehmen. Hilfe bekommen Sie notfalls bei örtlichen Mietervereinen oder -initiativen.

6. Muss ich eine Firma gründen?
Nein. Eine „Firma“ führen Sie erst, wenn Sie ins Handelsregister eingetragen sind. Das ist bei Kleingewerbetreibende und nicht-gewerblichen Selbstständigen nicht der Fall. Als vollwertiger Kaufmann gelten Sie erst dann, wenn Sie „nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb“ im Sinne des Handelsgesetzbuches führen. Im Dienstleistungssektor beginnt das üblicherweise erst bei mehr als fünf Mitarbeitern sowie Betriebsvermögen und Jahresumsätzen von weit über 100.000 Euro.

7. Brauche ich einen Gewerbeschein und wo kriege ich den?
Das kommt darauf an. Falls Sie gelegentlich einen Computer reparieren oder ausrangierte Bücher und Hausrat vom Dachboden via Ebay verkaufen wollen, kommen Sie ohne Gewerbeschein aus. Nur wenn Sie Ihr Nebengewerbe nachhaltig betreiben (das heißt: dauerhaft und mit Gewinnerzielungsabsicht, etwa als Ebay-„Powerseller“), besteht laut Paragraf 14 der Gewerbeordnung „Anzeigepflicht“. Auf dem örtlichen Gewerbeamt füllen Sie einen Vordruck mit Angaben zu Ihrer Person und dem Geschäftszweck aus, bezahlen je nach Gemeinde zwischen 10 und 50 Euro und nehmen das vom Beamten unterschriebene und gestempelte Formular gleich wieder mit. Nichts anderes ist nämlich der legendäre „Gewerbeschein“.

Bei freiberuflichen und vergleichbaren selbstständigen Tätigkeiten im Sinne des Paragrafen 18 Einkommensteuergesetz (dazu gehört inzwischen zum Beispiel auch das Webdesign) handelt es sich per Definition überhaupt nicht um ein Gewerbe. Bei derartigen Nebentätigkeiten kommen Sie selbst im Falle dauerhafter Geschäftsaktivität ganz ohne Gewerbeschein aus. Hier reicht eine einfache Mitteilung ans Finanzamt. Und sofern es sich lediglich um einmalige oder gelegentliche Übernahme von selbstständiger Nebentätigkeiten handelt, ist sogar die entbehrlich. Dann genügt es, wenn Sie Ihre Einkünfte bei der nächsten Einkommensteuererklärung angeben.

8. Welche Steuern kommen auf mich zu?
In den meisten Fällen brauchen Sie sich als Feierabend-Freelancer um kaufmännische „Spezialabgaben“ wie die Umsatz-, Gewerbe- oder Körperschaftsteuer überhaupt nicht zu kümmern. Umsatzsteuer ist erst ab einem Jahresumsatz von 17.500 Euro fällig, Gewerbesteuer kommt erst ab einem Jahresgewinn von 24.500 Euro auf Sie zu und die Körperschaftsteuer betrifft nur Kapitalgesellschaften.

Selbstständige Nebeneinkünfte unterliegen vielmehr „nur“ der Einkommensteuer. Zusätzlich zur Anlage „N“, die Sie von Ihrer Einkommensteuer-Erklärung als Arbeitnehmer kennen, reichen Sie eine Anlage „GSE“ ein. Auf der tragen Sie lediglich den Vorjahresgewinn aus Ihrer Selbstständigkeit ein. Für die Gewinnermittlung hat der Gesetzgeber ein spezielles „EÜR-Formular“ entwickelt, an das Sie sich bei einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 Euro aber nicht zu halten brauchen. In dem Fall gibt es keine Formvorschriften für Ihre Buchführung.

9. Und was bedeutet „Buchführung“?
Nebenberufliche Selbstständige und Kleingewerbetreibende müssen keine kaufmännischen Bücher führen, keine Inventur machen und auch keine Bilanz aufstellen. Es genügt eine einfache Einnahmen-Überschussrechung. Die besteht kurz gesagt darin, dass Sie sämtliche Einnahmen aufschreiben und addieren und von diesem Gesamtumsatz die Summe Ihrer betrieblichen Ausgaben abziehen (zum Beispiel für Hard- und Software, Büromaterial, Dienstfahrten, Fachliteratur, Telefon- und Onlinekosten). Ergibt sich ein Einnahmenüberschuss, dann liegt ein einkommensteuerpflichtiger Gewinn vor. Überwiegen die Ausgaben, haben Sie Verlust gemacht.

Anders als bei den Werbungskosten von Angestellten schicken Sie nur die summarische Übersicht Ihrer Einnahmen und Ausgaben an das Finanzamt. Die Belege behalten Sie daheim. Die werden erst bei einer der seltenen Betriebsprüfungen unter die Lupe genommen. Solche Prüfungen werden mit einigen Wochen Vorlauf angemeldet und finden bei Nebenerwerbs- und anderen Kleinstbetrieben im Schnitt bloß alle 10 bis 25 Jahre statt – viele Selbstständige kriegen den Prüfer vom Finanzamt nie zu Gesicht.

Eventuelle Verluste aus selbstständigen (Neben-)Tätigkeiten werden übrigens von Ihrem steuerpflichtigen Einkommen, zum Beispiel aus Ihrer Angestelltentätigkeit abgezogen. Dadurch sinkt Ihre Steuerbelastung. Übersteigen die Verluste die positiven Einkünfte im laufenden Jahr, besteht sogar die Möglichkeit, sich Steuern des Vorjahres erstatten zu lassen („Verlustrücktrag“) oder verbliebene Verluste mit Einkommen in der Zukunft zu verrechnen. Machen Sie über einen längeren Zeitraum Minus, müssen Sie allerdings damit rechnen, dass das Finanzamt Ihre Nebentätigkeit als Liebhaberei einstuft und Ihnen den Steuerabzug verweigert. Dient Ihre Nebentätigkeit (auch) der Steueroptimierung, empfiehlt sich fachliche Unterstützung durch einen Steuerberater oder ähnlichen Experten.

10. Wie schreibe ich eine Rechnung?
Allgemeine Formvorschriften für Rechnungen gibt es nicht. So lange Sie keine Umsatzsteuer ausweisen, besteht sogar völlige Formfreiheit. An Privatkunden brauchen Sie überhaupt keine Rechnung zu schicken. Sofern Sie Geschäftskunden haben, müssen Sie daran denken, dass aus deren Sicht die Überweisung an Sie eine Betriebsausgabe darstellt, die im Zweifelsfall einer Betriebsprüfung des Finanzamts standhalten muss.

Einen guten Eindruck machen Sie, indem Sie die Rechnungsanforderungen des Umsatzsteuer-Paragrafen 14 erfüllen:

  • Name und Anschrift des Rechnungsempfängers,
  • Ihren eigenen Namen, Ihre Anschrift und Ihre Steuernummer,
  • eine fortlaufende Rechnungsnummer,
  • das Ausstellungsdatum und das Datum der Leistungserbringung sowie
    Art und Menge der Leistung oder Lieferung.

Bei einem Jahresumsatz unterhalb von 17.500 Euro müssen Sie Ihren Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen. In dem Fall fügen Sie Ihrer Rechnung am besten den folgenden Hinweis hinzu: „Umsatzsteuerfreie Rechnung gemäß Paragraf 19 Umsatzsteuergesetz (Kleinunternehmer)“

11. Welche kaufmännische Grundausstattung brauche ich?
Eine Minimalausrüstung für Unternehmer und Selbstständige gibt es nicht. Weder Briefbogen noch Geschäftskonto, Stempel oder separater Telefonanschluss sind Pflicht. IT-Freelancer, die von daheim aus oder direkt vor Ort beim Kunden arbeiten, kommen vielfach ganz ohne materielle Produktionsmittel aus. Sie brauchen Zeit und Know-how – sonst nichts. Gedanken über den Alltag im Heimbüro finden sich übrigens in unserem Artikel „My Home is my Office“

12. Ich habe noch viel mehr Fragen: Wer hilft mir weiter?
Informationen über die Aufnahme selbstständiger Tätigkeiten bieten die örtlichen Industrie- und Handelskammern, aber auch regionale Gründungszentren und Berufsverbände. Handwerker in zugangsgeschützten Gewerken, die Ärger mit der Handwerkskammer vermeiden wollen, bekommen bei unabhängigen Organisationen wie dem BuH oder IF-Handwerk Unterstützung. Viele weitere bewährte Anlaufstellen und Ansprechpartner nennt unser Beitrag Beratung zum Nulltarif. ™

Material zum Thema:

  • Die Berufsfreiheit ist in Artikel 12 des Grundgesetzes geregelt, der Grundsatz der Gewerbefreiheit in Paragraf 1 der Gewerbeordnung.
  • Die wichtigsten Regelungen zur Wochenarbeitszeit finden sich in Paragraf 3 des Arbeitszeitgesetzes. Mit der Erwerbstätigkeit während des Erholungsurlaubs beschäftigt sich Paragraf 8 des Bundesurlaubsgesetzes.
  • Was Sie zum vollwertigen Kaufmann macht, steht in Paragraf 1 Handelsgesetzbuch (HGB), was eine Firma ist, erfahren Sie in Paragraf 17 HGB .
  • Wann ein Gewerbeschein nötig ist, klärt Paragraf 14 der Gewerbeordnung. Wer zu den nicht-gewerblichen Freiberuflern und Selbstständigen gehört, findet sich in Paragraf 18 Einkommensteuergesetz.
  • Beim bayerischen Finanzministerium können Sie sich einen Eindruck von der Einkommensteuer-„Anlage GSE“ (PDF, 104 KB) verschaffen. Das Bundesfinanzministerium stellt das vierseitige EÜR-Formular zum Download bereit.
  • Infos rund um das Thema Selbstständigkeit, Sozialversicherungsstatus und Rechtsform bietet unser Artikel „Was bin ich“ im Geschäftsleben?
  • Mit dem Schreckgespenst der „Schwarzarbeit“ räumt der Beitrag „Warum Sie beim Thema Schwarzarbeit nicht schwarz sehen müssen“ auf.
  • Wenn Sie mehr über zum Thema „Steuern für Selbstständige“ erfahren wollen, lesen Sie in unseren Beiträgen zu Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer.
  • Die Grundlagen der Buchführung schließlich erklärt der Artikel „EÜR: Buchhaltung für jedermann„.

Erstveröffentlichung 21.08.2006