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So erstellst du ein Lastenheft für einen Website-Relaunch

Timo Heinrich nutzt die Gelegenheit, euch sein Buch „Projekt Website Relaunch” vorzustellen. Der folgende Beitrag ist eine gekürzte Version des 6. Kapitels „Lastenheft erstellen und Agentur finden“. Das Buch ist im Mai 2018 beim mitp Verlag erschienen und unter anderem bei Amazon erhältlich.

Einige der hier vorgestellten Inhalte beziehen sich auf die vorangegangenen Kapitel, sind aber, auch ohne das gesamte Buch gelesen zu haben, sehr hilfreich. Eine Leseprobe findest du auf der Website zum Buch: relaunch.pro

Damit übergibt Dr. Web an den Gastautor:

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen Tipps geben, wie Sie Ihr Lastenheft in Bezug auf einen bevorstehenden Website Relaunch erweitern.

Inhalt und Struktur des Lastenheftes

 

Buchcover - Website Relaunch
Buchcover – Website Relaunch

Bitte lassen Sie sich von dem etwas sperrig klingendem Wort »Lastenheft« nicht abschrecken, in der Software-Entwicklung hat sich die Kombination Lasten- und Pflichtenheft als zuverlässiges Werkzeug für eine optimale Angebots- und Arbeitsvorbereitung etabliert. In dem Lastenheft definieren Sie für Ihre potenziellen Auftragnehmer den Ist-Zustand und Ihre Wünsche bezüglich Ihres Projekts.

Anhand des Lastenhefts kann der Auftragnehmer im Vorwege den Aufwand abschätzen und Ihnen mit dem von ihm erstellten Pflichtenheft ein differenziertes Angebot erstellen. Der initiale Aufwand ist hierfür natürlich etwas größer, als es Ihnen und der Agentur vielleicht lieb ist, jedoch zahlt sich dieser Aufwand für alle Parteien am Ende aus.

Klarheit, definierte Ziele und Funktionen werden eindeutig beschrieben und können so später überprüft und abgenommen bzw. nachgebessert werden. Ein weiterer Vorteil: Mit dem Lastenheft sind Sie in der Lage, vergleichbare Angebote von verschiedenen Dienstleistern einzuholen, da die Angebote alle auf den gleichen Anforderungen basieren.

Ein Lastenheft sollte bestimmte Inhalte vorweisen, damit jeder potenzielle Auftragnehmer möglichst gut über Ihr Vorhaben und Ihre Ziele informiert ist. Ziel des Lastenheftes ist es jedoch nicht, dem Auftragnehmer jedes Detail bis ins Kleinste vorzuschreiben, vielmehr soll ihm die Chance gegeben werden, eigene Lösungsansätze und Techniken vorzuschlagen und anzubieten. Wenn das Korsett zu eng wird, dann wird es für Sie schwer, die passende Agentur zu finden, da nicht jede Agentur alle Anforderungen ohne Weiteres erfüllen kann.

Ich möchte im Folgenden auf die Struktur und die Relaunch-relevanten Inhalte eingehen. Bitte bedenken Sie, dass ich im Rahmen dieses Buches nicht auf alle Punkte eines Lastenheftes eingehen kann. Als Startpunkt für tiefer gehende Recherchen möchte ich Ihnen den Wikipedia-Artikel zu diesem Thema empfehlen: relaunch.pro/107.

Einführung

In der Einführung stellen Sie Ihre Firma und Ihr Projekt vor. Sie werden sich im Vorwege auch über Ihre potenziellen Auftragnehmer informiert haben, von daher ist es nur fair, dass alle Beteiligten wissen, mit wem sie es jeweils zu tun haben.

Zusätzlich beschreiben Sie Ihr Vorhaben und grob Ihre Ziele, die Sie wie weiter unten beschrieben noch detaillierter ausführen.

Der Ist-Zustand

Den Ist-Zustand haben Sie ausführlich in den vorangegangenen Kapiteln dokumentiert. Im Lastenheft sollten Sie so viel wie möglich vom aktuellen Status der Website beschreiben. Es mag Ihnen etwas befremdlich erscheinen, ich rate Ihnen trotzdem, so viele Daten von Ihrem Websiteprojekt wie möglich bekannt zu geben, auch wenn der potenzielle Auftragnehmer so direkten Einblick in Ihre Geschäftszahlen bekommt. Je mehr Transparenz Sie im Vorwege gewähren, desto besser werden die Angebote und schlussendlich auch das Endergebnis werden.

Legen Sie folgende Tabellen dem Lastenheft (in digitaler Form) bei:

  • Liste aller URLs als Excel-Liste oder CSV-Datei, mit Title und Description (Screaming Frog SEO Spider)
  • Liste aller Keywords inklusive rankender URLs und Platzierungen, Export aus der Google Search Console und weiteren Keywordtools (falls vorhanden)
  • Liste aller Backlinks, Quell- und Ziel-URLs aus der Google Search Console und anderen Backlinktools
  • Liste aller Landingpages, die aus Kampagnen, wie AdWords- und Facebook-Werbung aufgerufen werden
  • Export des gesamten Crawls aus Screaming Frog SEO Spider

Bei dem Großteil der Tools können Sie zusätzliche Nutzerkonten einrichten, teilweise können diese beschränkt werden, sodass die Nutzer nur einen Teil der Auswertung sehen oder nur mit Leserechten ausgestattet werden können.

Geben Sie den Auftragnehmern folgende Zugriffe:

  • Leserechte auf Google Analytics (der Auftragnehmer muss dafür nur über ein Google-Konto verfügen)
  • Leserechte auf die Google Search Console (Google-Konto)
  • Leserechte auf weitere Tools wie zum Beispiel Sistrix, Xovi, Ahrefs, DeepCrawl usw.

Wie bereits beschrieben, können Sie die relevanten Daten auch aus Analytics und der Google Search Console exportieren, dazu gehören:

  • Besucherzahlen in einem Zeitraum von mindestens zwölf Monaten
  • Exporte der Keywords, Verlinkungen, Statistiken über strukturierte Daten aus der Google Search Console
  • Exporte aller Quellen aus dem Google-Analytics-Bericht AKQUISITION ÜBERSICHT
  • Exporte aller Seiten aus dem Google-Analytics-Bericht VERHALTEN WEBSITECONTENT ALLE SEITEN

Mit diesen Daten und Zugriffen kann sich der Auftragnehmer schon ein sehr gutes Bild von Ihrem Projekt machen. Außerdem, kleiner Psychotrick: Wenn Sie dem potenziellen Auftragnehmer Exporte aus Screaming Frog SEO Spider und/oder Zugriff auf das »Nerd-Tool« Ahrefs geben, dann weiß er, dass er es hier mit jemandem zu tun hat, der weiß, wovon er spricht, und begegnet Ihnen auf Augenhöhe.

Sicherheitshalber sollten Sie, bevor Sie Ihre Daten offenlegen, mit dem potenziellen Dienstleister eine Geheimhaltungspflicht vereinbaren. Oft wird auch von einer sogenannten »NDA« gesprochen, dabei handelt es sich um die Abkürzung für Non Disclosure Agreement. Es handelt sich hierbei um einen Vertrag, »welcher das Stillschweigen über Verhandlungen, Verhandlungsergebnisse oder vertrauliche Unterlagen festschreibt. Der Verpflichtete stimmt zu, ihm zugänglich gemachte Informationen geheim zu halten.« (Zitat von Wikipedia: relaunch.pro/84).

Zusätzlich übergeben Sie in Listenform folgende Daten und Inhalte:

  • Welches Shopsystem oder CMS wird zurzeit eingesetzt?
  • Welche Serverplattform, Datenbank und Scriptsprachen werden verwendet?
  • Welche strukturierten Daten werden verwendet?
  • Welche Tracking-Systeme werden eingesetzt?
  • Werden Remarketing-Maßnahmen eingesetzt, wenn ja, wie sind diese technisch integriert?
  • Werden in Ihrer Website-Statistik spezielle Events, Ziele und Conversions gemessen, wenn ja, wie und wo? Zum Beispiel Zieleinrichtungen in Google Analytics oder Conversion-Tracking in Google Ads

Sinn und Zweck ist es, spätere Überraschungen während der Realisierung zu vermeiden, je offener alle Auftraggeber und Auftragnehmer miteinander umgehen, desto besser und schneller wird sich ein für alle Beteiligten zufriedenstellendes Ergebnis einstellen.

Der Soll-Zustand

Der Soll-Zustand stellt Ihre Wünsche an die neue Website dar. Diese müssen und können nicht bis ins kleinste Detail definiert werden, sondern können im Gegenteil auch etwas blumiger ausfallen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber es ist schlichtweg nicht möglich, zu jedem Suchbegriff, jeder Funktion und zu jedem Pixel der Website klare Vorgaben zu machen.

So könnte Ihre Wunschliste aussehen

  • Die Seite soll auch auf Smartphones gut aussehen und funktionieren.
  • Die Seite soll auf allen Geräten schnell laden und einen Google-PageSpeed-Wert von mindestens 80 Punkten erreichen (okay, schon ziemlich klar definiert, aber »schnell« wäre mir dann doch zu schwammig).
  • Meine Top-Keywords (Platz 1–10) dürfen sich auf keinen Fall verschlechtern.
  • Meine Conversion-Rate ist derzeit 1%, ich wünsche mindestens 2%.
    Wir haben eine neue Corporate Identity, die bitte im Design berücksichtigt werden muss.
  • Alle externen Backlinks müssen auf eine passende Seite zeigen und eventuell angepasst werden.
  • Ich möchte alle Seiten selbst pflegen können.
  • Das Content-Management-System muss einfach zu bedienen sein.
    Ich möchte nicht TYPO3 einsetzen (man kann ja auch mal sagen, was man nicht möchte).
  • Ich möchte Google Analytics oder eine adäquate Alternative (falls noch nicht vorhanden) einsetzen.
  • Die Seiten müssen per SSL verschlüsselt werden.
  • Alle Inhalte sollen aus dem alten Auftritt in die neue Seite migriert (übertragen) werden.
  • Ich möchte ca. 200 neue Produkte im Shop anbieten, für diese neuen Produkte benötige ich ausführliche Produkttexte, bitte unterbreiten Sie mir ein Angebot für die Texterstellung.
  • Es dürfen innerhalb der neuen Seiten keine doppelten Inhalte (Duplicate Content) auftreten.
  • Alle Shop-Produkte, Bestellungen und Kunden sollen im neuen Shop migriert werden.
  • Die Seiten sollen auch auf Polnisch und Dänisch umgesetzt werden, bitte unterbreiten Sie ein Angebot für die Übersetzung und Dateneingabe.
  • Ich möchte möglichst viele Zahlungsarten in meinem Shop anbieten.
  • Ich benötige Schnittstellen zu eBay, Amazon und anderen Marktplätzen.
  • Jede Seite muss einfach auf den wichtigsten Social-Media-Plattformen geteilt werden können.
  • Ich möchte regelmäßig Newsletter an ca. 50.000 Empfänger versenden.
  • Ich möchte weitere innovative Kommunikationsmittel, wie z.B. Browserpush– oder WhatsApp-Benachrichtigungen einsetzen.
  • Die Verfügbarkeit der Seiten muss mindestens 99,5% betragen, ich wünsche mir hierfür eine monatliche Statistik.
  • Der Shop muss regelmäßig auf volle Funktion geprüft werden, dazu müssen automatisiert Bestellungen ausgeführt werden.
  • Ich wünsche ein fehlertolerantes und intelligentes Suchsystem für meine Seite/meinen Shop.

Sie sehen schon, die Wunschliste kann sehr ausführlich werden, die Arbeit lohnt sich aber für Sie. Eventuell denken Sie bei einigen Punkten, dass es sich um Selbstverständlichkeiten handelt, meine Erfahrung zeigt aber, dass gar nichts selbstverständlich ist. Der Punkt »Übernahme der Produkte, Bestellungen und Kunden« kann bei einem Wechsel des Shopsystems für den Auftragnehmer eine harte Nuss werden, für Sie ist dieser Punkt jedoch einleuchtend und selbstverständlich und würde gegebenenfalls daher nicht in Ihrem Lastenheft aufgeführt werden.

Da es sich bei diesem Artikel vornehmlich um die technischen Aspekte und Herausforderungen eines Relaunchs dreht, möchte ich Ihnen in diesem Punkt detaillierte Tipps und Hinweise für diese Bereiche in Ihrem Lastenheft an die Hand geben.

Anforderungen in Hinsicht auf die Onpage-Elemente

Dieser Punkt mag in vielen Lastenheften nicht separiert aufgeführt sein, ich empfehle Ihnen aber, hier noch mal etwas Arbeit hineinzustecken, da auch hier der Teufel im Detail steckt.

Title-Tag/Seitentitel

Der Seitentitel wird in den Suchmaschinenergebnissen als anklickbarer Link angezeigt. Der Inhalt des Title-Tags sollte daher nicht zu lang und nicht zu kurz sein. Jede Unterseite muss einen individuellen, auf den Inhalt der jeweiligen Unterseiten abgestimmten Text enthalten. Optimal ist das für die Unterseite wichtigste Keyword im Title-Tag enthalten. Das Title-Tag sollte nicht über 50 Zeichen inklusive Leerzeichen lang sein.

Anforderung: Das Title-Tag muss manuell gepflegt werden können.

Der Screaming Frog SEO-Spider kann die Title-Tags separiert auswerten und auch gleich eine Vorschau des Snippets anzeigen.

Title Tags im Screaming Frog SEO Spider
Title Tags im Screaming Frog SEO Spider

Sie können Ihre Seiten mit dem Screaming Frog SEO Spider crawlen und den Page-Title-Report einfach exportieren und dem Lastenheft beilegen. So können die bestehenden Title-Tags wieder für den Relaunch verwendet werden.

Meta-Description

Die Meta-Description taucht auch in den Suchmaschinenergebnissen auf. Sie ist die Beschreibung unter dem blauen Title-Tag und von daher ebenfalls sehr wichtig für die Klickrate. Sie stellt quasi gemeinsam mit dem Title-Tag den ersten Kontakt zu Ihren Kunden her und sollte daher mit Bedacht getextet werden. Sollte es keine Meta-Description geben, dann nimmt sich Google irgendeinen passenden Textausschnitt aus der Seite und zeigt ihn im Suchergebnis an.

Die Meta-Description sollte nicht länger als (ungefähr) 156 Zeichen sein, da sie sonst im Suchergebnis von Google einfach abgeschnitten wird. Der Screaming Frog SEO Spider hat auch hierfür eine eigene Ansicht, die entsprechend ebenfalls exportiert werden kann.

Anforderung: Die Meta-Description muss manuell gepflegt werden und für jede Seite individuell angelegt werden können.

Die Zeichenlängen-Angaben sind nicht in Stein gemeißelt, im Gegenteil, Google experimentiert immer wieder mit der Anzeige in den Suchergebnissen. Auch wenn Sie sich an die Längenangaben halten, so kann es in der Zukunft immer mal wieder zu kleinen Überraschungen kommen, wenn Google an den Längen und Darstellungsformen herumschraubt.

Falls Sie Hilfe bei der Erstellung der Title-Tags und Meta-Descriptions benötigen, möchte ich Ihnen den kostenlosen SERP-Snippet-Generator von Sistrix empfehlen: relaunch.pro/85. Mit diesem Tool können Sie die bestehenden Daten einer URL laden, Title und Beschreibung ändern und sofort das Ergebnis samt einer Bewertung sehen.

<Hx>-Überschriften

Ein gut strukturiertes Dokument enthält hierarchisch gegliederte Überschriften, in Word gibt es dafür entsprechende Formatierungen. Werden diese Überschriften sinnvoll eingesetzt, dann kann das Textverarbeitungsprogramm automatisch anhand der Gliederung ein Inhaltsverzeichnis erstellen. Bei Internetseiten ist das ganz ähnlich. Hier werden die Überschriften im Quelltext mit der Auszeichnung <h1> bis <h6> eingesetzt, wobei die <h1> die Überschrift der ersten Ordnung ist. Damit die Suchmaschinen Ihre Internetseite zumindest strukturell verstehen, sollten die Überschriften in der richtigen Reihenfolge eingesetzt werden. Klingt logisch, wird aber leider trotzdem häufig falsch umgesetzt.

Anforderung: Überschriftenstruktur muss korrekt eingebunden werden. Alle Überschriften können editiert werden.

Pro Unterseite darf eine (einzige) <h1> eingesetzt werden. Alle anderen Überschriften müssen in der richtigen Reihenfolge darunter eingesetzt werden. Oftmals ist es sinnvoll, in der <h1> ein wichtiges Suchwort zu erwähnen, das lässt sich häufig auch gar nicht vermeiden. Im Ernst: Sie sollten bitte in den Überschriften relevante Wörter aufnehmen, aber bitte keine Aufzählungen. Schreiben Sie für den Menschen, nicht für die Maschine.

Mit der Browser-Erweiterung Web Developer für Chrome (relaunch.pro/44) sind Sie in der Lage, einen Überschriften-Schnelltest auszuführen. Rufen Sie die zu analysierende Seite im Chome-Browser auf, klicken Sie in der Erweiterung auf den Reiter INFORMATION und dort dann auf den Unterpunkt VIEW DOCUMENT OUTLINE.

Mit der Erweiterung Web Developer für Chrome lassen sich die Überschriften in einer Website schnell anzeigen
Mit der Erweiterung Web Developer für Chrome lassen sich die Überschriften in einer Website schnell anzeigen

Als Ergebnis sehen Sie die Überschriften-Struktur der aktuell aufgerufenen Seite.

Fehlerhafte Überschriftenstruktur
Fehlerhafte Überschriftenstruktur

Sofern die Struktur Fehler enthält, werden diese farblich markiert (siehe Abbildung 6.3). Mit diesem kleinen Werkzeug können Sie also auch nach dem Relaunch Ihre Seiten prüfen. Der Screaming Frog SEO Spider hat natürlich auch hierfür eine Lösung: Hinter den beiden Reitern H1 und H2 finden Sie die Auswertungen für diese beiden Überschriften, allerdings sehen Sie im Screaming Frog SEO Spider leider nicht die komplette Überschriften-Struktur, aber zumindest können Sie analysieren, ob die ersten beiden Überschriftenebenen korrekt eingesetzt wurden.

Canonical-Tags

Das Canonical-Tag hatte ich bereits beim Thema »Crawling-Probleme« angerissen, Noch mal zur Erinnerung: Jede Unterseite sollte ein Canonical-Tag enthalten, das (in der Regel) auf sich selbst verweist. Damit soll verhindert werden, dass es für eine URL mehrere Varianten gibt und die Suchmaschinen dadurch mehr Seiten crawlen als eigentlich notwendig. Das Canonical-Tag ist nicht zwingend notwendig, kann aber den Suchmaschinen helfen, Ihre Seiten besser und schneller zu crawlen. Wobei auch das Canonical-Tag von Google hin und wieder ignoriert wird. Ich hatte mal den Fall, dass das Canonical-Tag in einer Seite auf eine andere Seite verwies, da die Seite nicht im Suchergebnis erscheinen sollte. Die Seite war aber von externen Domains so stark verlinkt, dass Google sich die Freiheit nahm und die Seite trotz des Canonicals angezeigt hat.

Anforderung: Jede Seite kann ein Canonical-Tag enthalten, die Canonical-Tags können vom Auftraggeber editiert werden.

Hreflang-Tags

Wie die Überschrift vermuten lässt, handelt es sich hierbei um Spracheinstellungen für mehrsprachige Websites. Im Klartext: Wenn Sie Ihre Seiten in mehreren Sprachen anbieten, dann können Sie mit dem Hreflang-Tag die verschiedenen Sprachversionen untereinander verlinken und so den Suchmaschinen einen Hinweis auf die jeweils entsprechende anderssprachige Seite geben.

Im Screaming Frog SEO Spider gibt es mehrere Exportmöglichkeiten, mit denen Sie die Hreflang-Tags in Ihrer Seite analysieren können.

hreflang-Export in Screaming Frog SEO Spider
hreflang-Export in Screaming Frog SEO Spider

Anforderung: Das CMS oder die Shopsoftware müssen Hreflang-Tags automatisiert und korrekt einbinden.

URL-Schema

Mit dem URL-Schema werden zwei Dinge definiert: Wie sehen die Dateinamen aus und wie wird die URL samt Unterverzeichnissen aufgebaut? Die Zeit der langen URL-Ungeheuer ist zum Glück vorbei, immer seltener sieht man URLs wie diese:

www.ausdersteinzeit.de/1/1998/index?ID=2123&Kat=4&Lang=DE

Die Adresse ist kryptisch und nicht »sprechend«. Sprechende URLs lassen den Nutzer schon vor dem Klick erahnen, welcher Inhalt sich hinter der Adresse verbergen könnte. Indirekt betreiben Sie mit klaren URLs Suchmaschinen-Optimierung, da Nutzer eher klicken, wenn das Risiko geringer ist. Dieses Verhalten haben Sie wahrscheinlich schon mal bei sich selbst beobachtet. Wenn Sie eine Suchergebnisseite scannen, dann bleiben Sie an den Ergebnissen hängen, die Ihre Schlüsselwörter enthalten.

Für die URLs gilt daher die Anforderung: Das System erzeugt automatisiert »sprechende URLs«. Der Auftraggeber muss die URLs bearbeiten können.

Die zweite zu definierende Eigenschaft der URLs ist die Verzeichnistiefe. Hier gilt der Grundsatz: je kürzer, desto besser, was nicht darin münden muss, dass sich alle Dateien auf der ersten Verzeichnisebene befinden. Sinnvoll in einem Shop sind beispielsweise Unterverzeichnisse für Shop-Kategorien.

Die folgende URL erfüllt beide Eigenschaften, Kürze und Verständlichkeit:

www.superschuheshop.de/herren/sneaker/adidas/

Die Adresse ist »sprechend«, Sie wissen auch ohne Klick auf die URL, was sich dahinter verbergen wird. Wenn Sie nach »Adidas Sneaker für Herren« gesucht haben, dann wird Ihnen dieser Shop das passende Angebot unterbreiten können.

Verzeichnisstruktur sinnvoll gestalten

Früher galt einmal in der »SEO-Welt« der Grundsatz: Die URL muss möglichst kurz gehalten werden, damit die Suchmaschinen sie besser indexieren können. Das führte dazu, dass teilweise Verzeichnisse komplett entfernt wurden. Mittlerweile geht man dazu über, sinnvolle Verzeichnis- und Dateinamenstrukturen anzuwenden. Dies hat mehrere Vorteile: Zum einen ist eine URL mit den entsprechenden Verzeichnissen noch »sprechender«. Bei der URL https://einshop.store/sneaker/herren/adidas/ kann man sich schon anhand der Verzeichnisnamen vorstellen, was sich dahinter verbirgt, und ahnt, was einen erwartet. Zum anderen können Sie mit Verzeichnissen sehr viel besser externe Systeme wie Google Analytics, die Google Search Console oder zum Beispiel Sistrix einrichten, da viele dieser Systeme über die Verzeichnisse eigene Auswertungen erstellen. So können Sie in Sistrix beispielsweise die Sichtbarkeit auf Verzeichnisebene auswerten und in Google Analytics Inhalte in Verzeichnisse gruppieren und besser betrachten.

Weitere Tipps für die Gestaltung der URLs

Ich möchte Ihnen noch weitere Hinweise für die Gestaltung der URLs geben. Wenn Sie die URLs in Ihrem neuen Shop- oder Content-Management-System ändern können, dann versuchen Sie, die folgenden Hinweise zu beherzigen:

Erwähnen Sie Suchbegriffe in der URL: Die Suchmaschinen heben die Suchbegriffe in den Ergebnissen durch eine Fettung hervor. Der Nutzer kann so schneller erkennen, ob das Suchergebnis für ihn relevant ist. Ihr Suchergebnis ist durch die Hervorhebung sichtbarer.

Vermeiden Sie Parameter: Wie in dem oben genannten Paradebeispiel für schlechte URLs gezeigt, verunstalten angehängte Parameter, wie zum Beispiel ?ID=222 jede URL. Die Adresse wird kryptisch. Zusätzlich können bei Suchmaschinen Probleme beim Erfassen dieser Seiten auftauchen und somit besteht die Gefahr, gar nicht in den Suchergebnissen angezeigt zu werden. Mittlerweile können die Suchmaschinen gut mit Parametern umgehen, sicherer ist es aber, ganz darauf zu verzichten.

Bitte keine Unterstriche in den URLs: Wenn Sie Wörter trennen müssen, dann verwenden Sie den Bindestrich. Das Problem beim Unterstrich ist, dass er als Sonderzeichen gilt und einfach aus der URL durch die Suchmaschinen intern entfernt wird. Die Suchmaschinen verstehen dann nicht mehr die einzelnen Wörter in der URL. Die URLs werden in den Suchergebnissen zwar korrekt dargestellt, die Information daraus geht aber durch den Unterstrich verloren.

Schreiben Sie immer alles klein: Das Internet unterscheidet zwischen Klein- und Großschreibung. Wenn Sie in Dateinamen mit Groß- und Kleinschreibungen arbeiten, dann besteht die Gefahr, dass externe Seiten, die auf Ihre Seiten verlinken, Ihre URLs falsch schreiben. Werden Ihre Seite und Ihre URLs häufig durch direktes Eintippen der Adressen im Browser aufgerufen, dann ist hier die nächste Fehlerquelle.

Halten Sie Ihre URL-Regeln ein: Legen Sie fest, wie Sie URLs in Ihren Seiten gestalten, und halten Sie sich an diese Regeln. Dokumentieren Sie die Regeln, so weiß jeder Beteiligte, wie die URLs in Ihren Seiten auszusehen haben.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind und herausfinden wollen, wie Ihre jetzigen URLs aussehen, dann werfen Sie den Screaming Frog SEO Spider an, der hat natürlich die passende Funktion im Gepäck: Im Reiter URL finden Sie in den Filtereinstellungen diverse Sortierungsmöglichkeiten. In der folgenden Abbildung sehen Sie den Filter für »Underscores«, also Unterstriche, in Aktion.

Der Screaming Frog SEO SPider hat spezielle Filter für die Unterstriche in Ihren URLs
Der Screaming Frog SEO Spider hat spezielle Filter für die Unterstriche in Ihren URLs

Strukturierte Daten

Wie bereits erwähnt, können Inhalte einer Website mit speziellen Tags für Suchmaschinen-Bots hervorgehoben werden. Diese strukturierten Daten helfen den Suchmaschinen, die Inhalte besser einordnen zu können. So können Sie beispielsweise Produkte, Veranstaltungen oder Videos mit diesen Auszeichnungen markieren. Da die Einbindung nicht immer zum Standardrepertoire der Agenturen gehört, ist es sinnvoll, diese Anforderung im Lastenheft zu definieren. Durch die Vielzahl der möglichen Tags sollten Sie je nach Website-Typ dem Auftragnehmer bei der Auswahl helfen. Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Beispiele für verschiedene Websites geben.

Allgemeine Rich-Snippets

Es gibt einige Tags, die unabhängig vom Website-Typ in jede Website gehören, sofern die entsprechenden Inhalte vorhanden sind.

Breadcrump/Brotkrumennavigation: Klingt merkwürdig, haben Sie aber sicherlich schon mal gesehen. Auf den Websites stehen meist oberhalb des Inhalts: »Sie sind hier: Start > Herrenschuhe…«. Wie in dem Märchen von Hänsel und Gretel weisen diese Brotkrumen Ihnen den Weg nach Hause.

Definition auf schema.org: relaunch.pro/86

Navigationselemente: Jegliche Navigation (zusätzlich zu der Brotkrumennavigation) kann entsprechend ausgezeichnet werden, Suchmaschinen können so besser Inhalt und Navigation voneinander unterscheiden und die Verlinkungsstruktur einfacher verstehen.

Definition auf schema.org: relaunch.pro/87

Firmendaten: Spätestens im Impressum und auf den Kontaktseiten sollten Sie Ihre Firmenadresse nennen. Gerade bei lokal agierenden Unternehmen hilft die Auszeichnung der Adressdaten den Suchmaschinen, das Unternehmen regional einzuordnen. Oftmals stehen die Kontaktdaten auch in der Fußzeile, auch hier sollten diese Daten mit den entsprechenden Tags angereichert werden.

Definition auf schema.org: relaunch.pro/88

Lokales Geschäft: Ergänzend zu den Firmendaten-Auszeichnungen können Sie mit dem Markup LocalBusiness und Store Ihr lokales Geschäft markieren. Wenn Sie lokal agieren und zum Beispiel einen Offline-Shop betreiben, machen diese Markups Sinn.

Definition auf schema.org: relaunch.pro/89 (Store), relaunch.pro/90 (LocalBusiness)

Sie können hier noch viele weitere Geschäftstypen angeben, es gibt Tags für Anwaltskanzleien, Reisebüros, Kindergärten und vieles mehr. Eine Liste aller zurzeit verfügbaren lokalen Geschäftstypen finden Sie auf schema.org unter LocalBusiness: relaunch.pro/90

Videos: Wenn Sie mit Videos in Ihren Seiten arbeiten, dann können Sie diese mit dem VideoObjekt-Tag markieren. Ganz egal, um welche Art von Video es sich handelt, ob Sie Image- oder Produktvideos veröffentlichen: Durch die Markierung mit dem VideoObject-Tag steigt die Chance, in den Suchmaschinenergebnisseiten mit seinem Video angezeigt zu werden.

Definition auf schema.org: relaunch.pro/91

Produkte: In Online-Shops können Sie mit diesem Tag Daten wie z.B. Namen, Beschreibungen, Bilder, Verfügbarkeit und Preis Ihrer Produkte auszeichnen. Diese Daten können als zusätzliche Zeile in den Suchergebnissen auftauchen.

Definition auf schema.org: relaunch.pro/95

Bewertungen für Produkte und Dienstleistungen: Durch diese Tags besteht die Möglichkeit, Bewertungsergebnisse von Produkten, Ihrem Unternehmen oder zum Beispiel Blog-Beiträgen auszuzeichnen. Das Ergebnis der Implementierung ist in den Suchmaschinenergebnisseiten sehr auffällig. Die Snippets werden mit Sternen angezeigt, was das jeweilige Snippet sichtbarer erscheinen lässt und dadurch die Klickrate auf das Ergebnis beträchtlich erhöhen kann.

Bewertungssterne in den Google-Suchergebnissen
Bewertungssterne in den Google-Suchergebnissen

In der obigen Abbildung sehen Sie die fünf Sterne und die nachfolgenden Details der Datengrundlage (neun Abstimmungsergebnisse).

Events: Veröffentlichen Sie auf Ihrer Website Termine für Messen, Kongresse oder anderweitige Veranstaltungen, dann können Sie diese mit dem Event-Tag markieren. Die Events können dann bereits in einer übersichtlichen tabellarischen Form in den Suchergebnissen angezeigt werden.

Definition für Events auf schema.org: relaunch.pro/97

Google-Suchergebnis mit Eventdetails in Tabellenform
Google-Suchergebnis mit Eventdetails in Tabellenform

In Ihrem Lastenheft sollten Sie Ihre Anforderungen an die gewünschten Rich Snippets klar definieren.

  • Folgende Daten sollen per schema.org bei einem Online-Shop ausgezeichnet werden:
  • Produktdetails
  • Produktbewertungen
  • Navigation
  • Breadcrump-Navigation
  • Bewertungen von Drittanbietern, wie z.B. Trusted Shops, Trustpilot oder ausgezeichnet.org
  • Organisation

Bei einer Seite mit News- oder Blogartikeln empfehle ich, mindestens folgende Rich Snippets im Lastenheft zu definieren:•

  • Bewertungen
  • Navigation
  • Breadcrump-Navigation
  • Organisation
  • Events (wenn vorhanden)
  • Videos (wenn vorhanden)

Wichtiger Hinweis: Die Einbettung der entsprechenden Codes ist kein Garant für die Anzeige der verschiedenen Elemente in den Suchmaschinenergebnisseiten. Leider werden die wenigsten Elemente tatsächlich angezeigt. Zusätzlich experimentieren die Suchmaschinen immer wieder mit den Designs der Ergebnisseiten. Einige Zeit lang konnte man zum Beispiel Autorenbilder mit seinen Seiten verknüpfen, sodass nach kurzer Zeit die gesamten Ergebnisseiten voll mit kleinen Bildchen waren. Google hat daher diese Option wieder zurückgenommen. Seien Sie also nicht enttäuscht, wenn trotz aller Mühen nicht alle Tags die gewünschten Ergebnisse liefern.

Interne Suche – Sitelinks Searchbox

Auf vielen Seiten werden Suchfunktionen eingebunden, gerade in Shops ist eine gute Suche unverzichtbar. Eventuell ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass bei Google in den Suchergebnissen teilweise schon direkt ein Suchschlitz integriert ist. Die folgende Abbildung zeigt das Suchergebnis bei Google für den Suchbegriff »Heise«.

Das Suchfeld von heise.de wird hier bereits in der Suchergebnisseite von Google eingebettet
Das Suchfeld von heise.de wird hier bereits in der Suchergebnisseite von Google eingebettet

Der Pfeil markiert den Suchschlitz. Wenn Sie dort eine Suchanfrage eingeben und auf das Lupensymbol klicken, landen Sie direkt im internen Suchergebnis bei heise.de. Durch den Suchschlitz wird das Ergebnis sehr groß und zusätzlich handelt es sich um eine sehr komfortable Funktion für den Nutzer.

Damit auch Ihre Seite mit einem Suchschlitz bei Google erscheint, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:

  • Ihre Seite muss über eine interne Suche verfügen.
  • Sie müssen diese Suche mit einem speziellen Code auszeichnen (relaunch.pro/96).
  • Ihre Seite muss von sehr vielen Besuchern aufgerufen werden, wobei »viel« nicht näher von Google definiert wird

Die Searchbox erscheint in der Regel bei großen Markennamen. Die Einbettung des Codes gibt Ihnen also auch hierbei wieder nicht die Garantie auf Funktion. Testen kostet aber nichts, und wenn Sie möchten, dass die Auftragnehmer die »Sitelink-Searchbox« integrieren, dann schreiben Sie das in das Lastenheft:

Anforderungen: Integration des Codes für die Google-Sitelink-Searchbox erwünscht.

XML-Sitemap(s)

Je nach Umfang und Themengebiet Ihrer Domain macht es Sinn, mehrere themen- oder kategoriespezifische Sitemaps einzurichten. Der Vorteil mehrerer Sitemaps liegt darin, dass Sie diese einzeln in der Google Search Console anmelden können und dann für jede einzelne Sitemap den Indexierungszustand bei Google einsehen können. Diese Technik ist gerade bei einem Relaunch sinnvoll, da Sie so eine bessere Kontrolle über den Zustand des Crawlings durch Google haben.

Noch wichtiger, als einzelne Sitemaps für verschieden Bereiche bereitzustellen, ist die automatische Aktualisierung bei Änderungen in Ihrer Seitenstruktur. Kommen neue Seiten oder Produkte hinzu oder werden Seiten gelöscht, dann müssen die Sitemaps vom jeweiligen Shop- oder Content-Management-System automatisiert auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Erstellung der Sitemaps muss also durch das System erfolgen, da nur so sichergestellt werden kann, dass hierbei auch Seiten in die Sitemaps eingetragen werden, die für die Suchmaschinen eventuell verborgen bleiben. Externe Tools wie der Screaming Frog SEO Spider sehen auch nicht mehr von Ihrer Website als eine Suchmaschine, da diese Tools nichts anderes machen als die Suchmaschinen-Bots: Sie folgen lediglich jedem (sichtbaren) Link und lesen dann die Seiten ein. Wenn Sie aber Navigationstechniken einsetzen, die von den Suchmaschinen und Tools nicht verstanden werden, weil sie eventuell per JavaScript umgesetzt wurden, dann finden die Tools diese Seiten nicht. Für das Lastenheft gibt es in Bezug auf die Sitemaps daher mehrere Anforderungen.

Anforderungen: Die Sitemaps sollen in Themengebiete (oder Produktgruppen) aufgeteilt werden. Die Sitemaps müssen automatisch durch das System erstellt werden. Die Sitemaps müssen stets auf dem neuesten Stand gehalten werden. Wenn Änderungen in der Seite erfolgen, dann müssen die Sitemaps automatisch aktualisiert werden

404, 410, 301, 302

Bei diesen Zahlen handelt es sich nicht um sehr kurze Telefonnummern, sondern um spezielle Statuscodes, die in bestimmten Fällen von Ihrem Shop- oder Content-Management-System gesendet werden sollten. Da man leider nicht immer davon ausgehen kann, dass die Systeme die korrekten Codes automatisch verwenden, sollten Sie diese in Ihrem Lastenhaft definieren. Ich habe diese Codes schon einmal erwähnt, möchte sie hier aber noch einmal für Sie, Ihr Lastenheft und Ihren Auftragnehmer zusammenfassen.

Status 404

Der Webserver teilt mit diesem Statuscode dem anfragenden Client (Browser des Nutzers) mit: »Ich bin zurzeit nicht erreichbar, du kannst aber gerne später noch einmal vorbeikommen, vielleicht gibt es mich dann wieder.« Treffen Suchmaschinen-Bots auf diesen Statuscode, dann nehmen sie diesen Fehlercode wörtlich und kommen tatsächlich immer wieder (Bing ist dabei besonders hartnäckig).

Wann wird dieser Code eingesetzt? Eigentlich nur dann, wenn eine Seite aus technischen Gründen, z.B. bei Überlastung, vorübergehend nicht erreichbar ist. Wann wird dieser Code nicht eingesetzt? Wenn Sie eine Seite aus Ihrem System entfernt haben, z.B. ein Shop-Produkt oder eine Inhaltsseite. Wenn Sie bei einer gelöschten Seite einen 404-Code senden, dann strapazieren Sie zum einen die Nerven Ihrer Besucher – die bekommen dann nämlich eine Fehlerseite angezeigt – und zum anderen die Ressourcen der Suchmaschinen. Suchmaschinen sind im Gegensatz zu Menschen nicht nachtragend und werden immer wieder versuchen, die gelöschte Seite aufzurufen. Es muss daher sichergestellt werden, dass Ihr System bei gelöschten Seiten den korrekten Statuscode sendet, der korrekte Statuscode ist …

… 410!

Mit diesem Code teilen Sie den Suchmaschinen-Bots mit: »Ich wurde gelöscht, du kannst mich bitte auch aus deinem Index löschen, ich werde nicht wiederkommen.« Diese Message kommt sogar bei dem hartnäckigsten Bot an. Dem Menschen, der auf diesen Code trifft, muss natürlich eine vernünftige Fehlermeldung und eine entsprechende Handlungsoption angeboten werden. Dem Nutzer ist auch schlussendlich egal, ob er da gerade auf einem 404- oder einem 410-Statuscode gelandet ist. Sie müssen auf Ihre Fehlerseite auch nicht mit riesigen Ziffern »404« schreiben, ich schätze mal, dass 90% der Internetnutzer mit dieser Zahl eh nichts anfangen können.

Anforderungen: Bei gelöschten Seiten, die nicht umgeleitet werden, muss das System einen http-Statuscode 410 senden.

301 – der Nachsendeantrag

Bei diesem Statuscode handelt es sich um eine permanente Umleitung. Die Suchmaschine bekommt die Nachricht: »Hallo! Ich bin umgezogen, du findest mich ab jetzt immer unter der Adresse /meine-neue-adresse.html.« Weil die Suchmaschine schlau ist, vermerkt sie sich diese neue Adresse in ihrem Index und wird in Zukunft die alte Adresse nicht mehr aufrufen. Das spart Energie und schont wahrscheinlich sogar die Umwelt. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel CO2 man einsparen könnte, wenn die Nutzer und Suchmaschinen nicht mehr fehlgeleitet durchs Internet irren.

Wann setzt man diesen Code ein? Ein Beispiel aus der Praxis: Die roten Sneaker der Marke »A« in Ihrem Shop sind ausverkauft, Sie werden auch in Zukunft keine roten Sneaker der Marke »A« anbieten. In diesem Fall könnten Sie per 301-Weiterleitung entweder auf die roten Sneaker der Marke »B« oder auf die Oberkategorie »Rote Sneaker« umleiten. Der Besucher erhält so ein adäquates Nutzererlebnis und findet (fast), wonach er gesucht hat. Die Suchmaschinen »vergessen« die alte Seite der Marke »A« und besuchen in Zukunft die angegebene Nachfolgeseite.

Ein weiteres Szenario: Ihre Seite bekommt eine neue URL-Struktur (was wahrscheinlich der Fall sein wird), dann müssen die alten URLs auf die neuen per 301-Weiterleitungen umgeleitet werden. Wenn diese Umleitungen nicht eingesetzt werden, dann produziert Ihre Seite massenweise 404-Fehler, da die Suchmaschinen die alten URLs in regelmäßigen Abständen aufrufen.

Anforderungen: Der Auftraggeber muss in der Lage sein, einfach Seiten per 301-Weiterleitungen umzuleiten. Wenn sich die URL-Struktur verändert, dann hat der Auftragnehmer dafür Sorge zu tragen, dass die alten URLs per 301-Weiterleitungen auf die entsprechenden URLs umgeleitet werden.

302 – bin im Urlaub

Bei der 302-Weiterleitung handelt es sich um eine temporäre Umleitung, diese gilt nur für eine bestimmte Zeit. Die Suchmaschine erhält die Nachricht: »Ich bin gerade nicht hier, sondern im Urlaub, du findest mich momentan unter der folgenden Adresse: urlaubsadresse.html.« Da es sich hierbei nur um die vorübergehende Urlaubsadresse handelt, speichert die Suchmaschine nicht die Urlaubsadresse, sondern ruft immer wieder die Heimatadresse auf, irgendwann ist der schönste Urlaub ja auch mal zu Ende.

Wann setzt man diese temporäre Umleitung ein? Wir bleiben bei den roten Sneakern, in diesem Fall ist aber neue Ware auf dem Weg und wird demnächst eintreffen. Damit der Nutzer jedoch nicht enttäuscht ist, leiten Sie ihn per 302-Weiterleitung auf die Oberkategorie »Rote Sneaker«, dort findet der Nutzer ähnliche Schuhe. Die Suchmaschine merkt sich ebenfalls diesen temporären Zustand und löscht die alte Adresse nicht, da diese Seite ja wieder aktiviert wird.

Wann setzt man diese Umleitung nicht ein? Sie ahnen es bereits: Wenn in unserem Shop-Beispiel Seiten, Artikel oder Kategorien gelöscht werden und auch garantiert nicht wieder im Shop aufgenommen werden, dann sollte man diese per 301 permanent auf Folgeseiten umleiten oder per 410 löschen. Sonst eben 302.

Anforderungen: Der Auftraggeber muss in der Lage sein, einfach Seiten per 302-Weiterleitungen umzuleiten.

AMP – Googles beschleunigte mobile Seiten

Falls Sie Inhalte veröffentlichen, die sich für dieses Format anbieten, dann sollten Sie diesen Wunsch in Ihrem Lastenheft äußern. Klassische Inhalte für AMP-Seiten sind News und Blogartikel. Shop-Produkte werden eher selten in den Suchmaschinenergebnisseiten als AMP-Snippet angezeigt.

Anforderungen: Das System muss automatisiert AMP-Seiten erstellen und über die entsprechenden Meta-Angaben in den Quellseiten verlinken.

Facebook Instant Articles

Was für AMP gilt, ist natürlich auch für Facebooks Instant Articles zu berücksichtigen: Soll diese Technik eingesetzt werden, muss dieses definiert werden.

Anforderungen: Das System muss automatisiert Facebook Instant Articles erstellen und per API an Facebook übermitteln.

OG-Tag – Open Graph und Twitter Cards

Wenn Sie sicherstellen möchten, dass beim Teilen Ihrer Seite in Facebook sinnvolle Inhalte als Vorschau in der Timeline erscheinen, dann müssen Sie diese sinnvollen Inhalte über die Open-Graph-Tags definieren. Ähnliches gilt für die Twitter Cards, auch hier müssen die für Twitter spezifischen Tags in den Kopf Ihrer Seiten eingesetzt werden.

Anforderungen für Facebook-OG-Tags: Das System muss automatisiert Facebooks OG-Tags für jede Unterseite erzeugen. Der Auftraggeber muss die Inhalte (Titel, Text, Bild) der OG-Tags bei Bedarf anpassen können.

Anforderungen für Twitter Cards: Das System muss automatisiert Facebooks Twitter Cards für jede Unterseite erzeugen. Der Auftraggeber muss die Inhalte (Titel, Text, Bild) der Twitter-Card-Tags bei Bedarf anpassen können.

RSS und andere Feeds

Diese versteckten Elemente wurden bereits bei der Besucherquellen-Analyse erläutert. Wenn dem Auftragnehmer diese Datenschnittstellen nicht bekannt sind, dann werden die Feeds mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Ihrem Relaunch nicht integriert. Wenn Sie also RSS-Feed und Datenfeeds nutzen, um zum Beispiel Google-Shopping-Anzeigen zu füttern, oder einfach nur einen Newsfeed anbieten, dann dokumentieren Sie die Feeds im Lastenheft. Idealerweise nennen Sie auch ihre aktuellen URLs.

Anforderungen für RSS-Feeds: Aktuell können Nutzer unseren RSS-Feed unter der Adresse www.volleyballer.de/feed abonnieren. Dieser Feed muss vom Content-Management-System automatisch aktualisiert werden.

Shop-Feed-Anforderungen: Wir beliefern mit dem Produktfeed unter www.irgendeinshop.eu/artikel-export.txt das Google Merchant Center mit unseren Shopartikeln. Dieser Feed muss automatisiert vom Shopsystem aktualisiert werden.

Sichtbarer Text

Wichtiger Text, der von Ihren Nutzern und von Google gleichermaßen gesehen werden soll, muss ohne weitere Klicks auf irgendwelche Reiter, Tabs oder Akkordeon-Elemente sichtbar sein. Google selbst schreibt in den Webmaster-Richtlinien hierzu Folgendes (relaunch.pro/99):

Stellen Sie sicher, dass die wichtigsten Inhalte Ihrer Website standardmäßig sichtbar sind. Google ist in der Lage, HTML-Inhalte zu crawlen, die sich hinter Navigationselementen wie Tabs oder maximierbaren Bereichen verbergen. Wir stufen diese Inhalte jedoch als weniger zugänglich für Nutzer ein und sind der Ansicht, dass die wichtigsten Informationen in der Standard-Seitenansicht sichtbar sein sollten.

Was bedeutet das für Ihre Seiten? Wenn Sie zum Beispiel einen Shop betreiben, dann sollten Sie die wichtigsten Inhalte zu Ihren Artikeln gut sichtbar in Ihren Seiten anzeigen. Die Produktbeschreibung gehört in den direkt sichtbaren Bereich, unwichtigere Inhalte, wie zum Beispiel Angaben zu Materialzusammensetzungen oder Inhaltsstoffen, können Sie hinter dynamischen Elementen, wie zum Beispiel einem Reiter, verstecken.

Anforderungen an die Text-Einbindung: Wichtige Textinhalte müssen direkt sichtbar sein und dürfen nicht hinter Tabs, Reitern und Ähnlichem versteckt werden.

Achten Sie auf gute Nachbarschaft

Viele Websites teilen sich mit anderen Domains einen Server. Oftmals sind dabei mehrere Tausend Domains auf einem Server unter derselben IP-Adresse erreichbar. Durch diese Zentralisierung der Domains und Websiteprojekte sparen Provider und Kunden Geld und Energie. Im Normalfall ist an dieser Technik nichts auszusetzen und sie ist daher auch marktüblich.

Für Sie als Kunden könnte es aber zu Problemen kommen, wenn Sie sich auf einem Server befinden, auf dem:

  • Sehr viele Domains mit hohem Besucheraufkommen gehostet werden, weil Ihre Seiten dann eventuell langsamer laden
  • Domains mit rechtswidrigen und/oder pornografischen Inhalten verwaltet werden
  • Internetseiten, die von Google abgestraft wurden, gehostet werden
  • Websites, die gegen Google-Richtlinien verstoßen, abgelegt sind
  • Viren- oder Malware-verseuchte Seiten gehostet werden

Die oben genannten Faktoren können Ihre Seite negativ beeinflussen: Ihre Suchmaschinenergebnisse und die Performance Ihrer Seiten gehen bei schlechter Nachbarschaft in den Keller. Aber bitte keine Panik: Wenn eine fragwürdige Domain in Ihrer Hosting-Umgebung verwaltet wird, muss das nicht sofort bedeuten, dass Ihre Seite davon direkt negativ beeinflusst wird. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass man über das Lastenheft dem Auftragnehmer einen entsprechenden Hinweis geben sollte.

Anforderungen an die Shared-Hosting Umgebung: Der Auftraggeber wünscht auf seinem Shared-Hosting keine rechtswidrigen, pornografischen oder rechtswidrigen Inhalte, die gegen Googles Richtlinien verstoßen.

Wahrscheinlich sind Sie jetzt neugierig geworden und fragen sich, wie Sie die Nachbarschaft auf Ihrem Server auskundschaften können. Ich möchte Ihnen hierfür die Website dnsqueries.com (relaunch.pro/100) empfehlen, dort können Sie durch Eingabe der IP-Adresse Ihres Servers die weiteren Domains auf diesem Server analysieren.

Die folgende Abbildung zeigt die Suche nach meinem Namen auf dem Server mit der IP-Adresse 134.119.253.25.

Mit Bing kann man sehr gut die Hosting-Umgebung untersuchen
Mit Bing kann man sehr gut die Hosting-Umgebung untersuchen

Anforderungen in Hinsicht auf Indexierbarkeit des Testsystems

Der Auftragnehmer wird die neue Seite in der Regel auf einem Testsystem entwickeln und von Ihnen schrittweise einzelne Arbeitsabschnitte abnehmen lassen. Damit Sie Ihre neuen Seiten aufrufen und begutachten können, müssen sie über das Internet erreichbar sein, es sein denn, Ihre Agentur ist vor Ort und Sie können die Zwischenabnahmen direkt in der Agentur vornehmen. Wenn Sie aber über das Internet auf die Entwicklungsumgebung zugreifen müssen, dann muss die Agentur dafür sorgen, dass die Seiten nicht öffentlich erreichbar sind. Zum einen wollen Sie Ihre Seiten vor den neugierigen Mitbewerbern schützen und zum anderen sollen natürlich die Suchmaschinen nicht auf die Seiten zugreifen und diese womöglich auch noch indexieren. Der einfachste und sicherste Schutz ist ein Passwortschutz per HTTP-Authentifizierung (siehe auch relaunch.pro/113). Laut Google ist dies die einzig wirksame Methode, die Bots der Suchmaschinen auszuschließen. Es gibt noch weitere Techniken, die aber alle nicht zuverlässig funktionieren.

Anforderungen an das Testsystem: Sofern ein Testsystem zur Verfügung gestellt wird, ist von dem Auftragnehmer sicherzustellen, dass die Suchmaschinen die Seiten des Testsystems nicht indexieren können. Ebenso muss der Zugriff für Dritte gesperrt sein.

Mit den hier genannten Definitionen ist Ihr Lastenheft natürlich noch nicht vollständig. In Bezug auf die suchmaschinenrelevanten Themen gehen Sie aber schon mal auf Nummer sicher, wenn Sie so viel wie möglich dokumentieren.

Auf der Seite der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe finden Sie unter folgendem Link eine PDF-Vorlage für die Erstellung eines Lastenhefts: relaunch.pro/102.

Checkliste: Diese Punkte sollten Sie für Ihr Lastenheft bedenken

  • Je klarer Ihre Angaben zu Ihrem Projekt sind, desto besser können die Auftragnehmer Aufwand, Kosten und Produktionszeit einschätzen
  • Lassen Sie dem Auftragnehmer Freiraum für Kreativität und technische Umsetzung.
  • Mit dem Lastenheft sind Sie in der Lage,vergleichbare Angebote einzuholen, da Sie klar Ihre Anforderungen definiert haben.
  • Spielen Sie mit offenen Karten, geben Sie Zugriffe auf Statistiken und gegebenenfalls Ihre SEO-Tools frei.
  • Definieren Sie auch die Dinge, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, wie z.B. die Einbindung von strukturierten Daten und Schnittstellen an Drittsysteme.
  • Fordern Sie eine saubere Hosting-Umgebung.
  • Wenn Sie die technischen Anforderungen wie hier beschrieben definieren, weiß der Auftragnehmer, dass Sie wissen, wovon Sie reden, und wird Ihnen auf Augenhöhe begegnen.

(Artikelbild: Depositphotos)

2 Antworten auf „So erstellst du ein Lastenheft für einen Website-Relaunch“

Das ist alles richtig und sinnvoll. Doch leider sieht die Realität völlig anders aus. An wen sollte sich der Beitrag richten? Die beschriebene Vorgehensweise mag für grosse Medienagenturen zutreffen. Für kleine Dienstleister, die in der Regel mittelständische Unternehmen betreuen, bedeutet es im Alltag: Maximal ein stümperhaftes Briefing und den Umfang des Contents, schnell mal der alten Webseite des potenziellen Auftraggebers entnehmen.

Bitte was bleibt für eine Alternative? Auf den möglichen Kunden zu verzichten?

Hallo Klinski,

vielen Dank für Deine Meinung. Richtig, der Alltag sieht leider anders aus, ich kenne das selbst aus 20 Jahren Agenturerfahrung. Aber aus genau diesem Grund, sollte man mehr Energie in die Relaunchplanung investieren, damit es am Ende kein stümperhaftes Ergebnis gibt. Der Text kann nur Denkanstöße geben und soll helfen, wichtige Dinge bei einem Relaunch nicht zu vergessen.

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