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So eröffnest du deinen ersten Onlineshop!

Die Aufgabe klingt einfach: „Ich möchte meine Waren im Internet verkaufen“. Die Reichweite scheint unendlich. Die Märkte wachsen täglich. Die Technik ist ausgereift und günstig. Die Millionen können also direkt anfangen zu sprudeln! Shop-Plugin herunterladen, auf der eigenen WordPress-Homepage installieren, Produkte rein und los!

Die Betrachtung dieses Themas kann im Detail komplexer nicht sein. Vergiss gleich zu Anfang das Mantra, welches sich alle neuen Shopbetreiber gern einreden:

Ein Shop ist 24/7 erreichbar und verdient von ganz allein das Geld.

Ein Onlineshop ist zu vergleichen mit einem Offlineshop. Die reine Eröffnung eines Shops bringt noch keine Kunden. Denn deine Kunden müssen erst mal wissen, dass es deinen Shop gibt. Vertrauen muss aufgebaut, die Ware präsentiert werden. Die Beratung und vor allem der Preis muss stimmen. Die Miete muss bezahlt werden. Das Lager muss gefüllt sein. Die Mitarbeiter wollen bezahlt werden. Viele Aufgaben im Offlinehandel sind mit denen im Onlinehandel vergleichbar, oder sogar gleich.

Setze auf den richtigen Logistiker. (Foto: Pixabay)

In der Findungsphase musst du folgende Fragen klären:

Was will ich mit meinem Shop erreichen?

Dein Ziel musst du gleich zu Anfang definieren. Es reichen wenige Sätze, um es möglichst einfach festzuhalten. Konkretisiere auch deine finanziellen Aspekte.

Beispiele:

  1. Ich will durch mein Hobby entstandene Produkte zum Kauf anbieten und später vielleicht wachsen. Der Gewinn steht nicht im Vordergrund und ist lediglich ein netter Bonus.
  2. Ich bin Hersteller eines bestimmten Produktes und will den Onlinehandel als weiteren Kanal nutzen. Ich verspreche mir eine Steigerung des Umsatzes und in 3 Jahren eine Steigerung des Gewinns.
  3. Ich bin gut im Verkauf, habe viele Kontakte, perfektes Fachwissen und verkaufe Waren aus einer bestimmten Sparte sehr gern. Mit dem Wachstum meiner Verkaufszahlen vergrößere ich mein Geschäft.

Hinterfrage dein Ziel in regelmäßigen Abständen und optimiere es oder werfe es komplett über den Haufen. Nur so bleibst du nah am Markt und optimierst dein Geschäft.

Wie hoch ist die Nachfrage nach meinen Produkten?

Führe eine gründliche Produktrecherche durch. Frage Freunde, Bekannte oder beauftrage ein Unternehmen. Investiere lieber jetzt Zeit und Geld in diese Aufgabe, als später mit fertigem Shop festzustellen, dass ein anderer Anbieter dasselbe Sortiment anbietet, schon länger am Markt ist und die besseren Preise hat. Noch schlimmer wäre es nur, wenn niemand dein Produkt mögen würde.

Wie finanziere ich den Start?

Bis der eigene Online-Shop steht, fallen viele Aufgaben an. Klar kannst du die meisten Sachen selbst bewältigen. Bedenke aber, dass manche Leistungen eingekauft werden müssen. Gerade zum Start hast du typischerweise die geringsten finanziellen Mittel. Je geringer der Ressourcenverbrauch, umso geringer der finanzielle Aufwand.

Gehen wir etwas ins Detail. Anbei ein paar Gedanken, die du dir unbedingt vor dem Start machen solltest.

Ressourcen

Deine Produkte müssen professionell aufbereitet werden. Bei Drittanbietern hat man als Händler meist das Glück, die Daten bereits in digitaler Form zu erhalten. Bei Eigenproduktionen benötigst du neben dem Preis, mehrere professionelle Produktbilder und mindestens einen aussagefähigen suchmaschinenoptimierten Produkttext (in Kurz- und Langform).

Auch Arbeitszeit ist eine Ressource, welche gern unterschätzt wird. Als Onlineshop-Betreiber musst du viele Aufgabenbereiche (Marketing, Technik, Recht, Logistik, Kundensupport) abdecken. Diese Aufgaben fallen nicht nur einmal an, sondern sind fortlaufend zu erfüllen.

Tipp: Für einen frischen Start eines Onlineshops sollten lediglich die 5 besten Produkte aus dem Sortiment ausgewählt und verkauft werden. Zum einen kann so der Offline-Verkauf (sofern vorhanden) entlastet werden und zum anderen können so sehr viele Aufwendungen und auch Kosten gleich zu Beginn gering gehalten werden.

Meistens wird in der Entstehungsphase das ein oder andere Konzept überarbeitet. Hast du zunächst nur ein kleines Produkt-Portfolio, kannst du schneller reagieren. Wenn der Shop dann läuft, können weitere Produkte eingepflegt werden, denn erst jetzt weißt du, welche Produkte von den Kunden angenommen werden, welche Zahlart und welche Versandart gefragt ist. Deine Kundenzielgruppe wächst und kann täglich neu definiert werden.

Rechtliches

Die Darstellung deiner Produkte und die Gesamtheit deines Shops müssen bestimmten Verordnungen und Gesetzen standhalten (Stichwort: CLP-Verordnung, EG-Öko-Verordnung oder Textilkennzeichnungsgesetz, um nur einige zu nennen). Deine zuständige IHK oder ein Fachanwalt geben hier sicherlich gern Auskunft.

Neben den Produkttexten muss dein Shop auch weitere Verordnungen und Gesetze einhalten (Stichwort: Preisangabeverordnung, Button-Lösung, Geo-Blocking, Verpackungsverordnung, DSGVO, und viele mehr). Im Idealfall bringt die Shopsoftware dafür schon vorgefertigte Module/Seiten mit.

Tipp: Die AGB, die Datenschutzerklärung, das Impressum und ähnliche Texte werden mittlerweile durch sogenannte „AGB-Flatrates“ von verschiedenen Rechtstexte-Anbietern wie IT-Recht Kanzlei, Händlerbund oder Protected Shops kostengünstig angeboten. Dabei wird basierend auf einem Online-Fragebogen der Bedarf ermittelt und so auf das Profil des Online-Shops angepasst.

Die Rechtstexte können mittlerweile sogar automatisch bei Gesetzänderungen auf den entsprechenden Shopseiten gespeichert werden (abhängig von der eingesetzt Shop-Software). Die Texte sind deutlich günstiger als eine Einzelanfertigung beim Fachanwalt. Die Anbieter bieten nahezu ähnliche Pakete und Leistungen für jedes gängige Shopsystem oder Plattform an.

Zahlungsmittel

Das fehlende Zahlungsmittel ist eines der Hauptkriterien bei einem Kaufabbruch. Orientiert man sich an den aktuellen Statistiken, so steht „Kauf auf Rechnung“, Lastschrift und PayPal in Deutschland ganz oben. Das Ergebnis ist ein guter Indikator, muss aber nicht zwingend auf die eigene Zielgruppe zutreffen. Jedes Zahlungsmittel und dessen Dienstleister bringen Vor- und Nachteile hinsichtlich Handling, Liquidität und vor allem Kosten und Sicherheit. Hier bei Dr. Web haben wir uns bereits ausführlicher mit Zahlungsanbietern auseinandergesetzt.

Eine sinnvolle Bandbreite an Zahlungsmöglichkeiten ist essenziell für den Erfolg deines Shops. (Foto: Pixabay)

Tipp: Beim Start so wenig wie möglich externe Anbieter nutzen. PayPal, Sofortüberweisung und/oder AmazonPayment decken schon sehr viele Möglichkeiten (Lastschrift, Kreditkarte, Rechnung) der Zahlweise ab und sind kostentechnisch überschaubar. Darüber hinaus sind diese Anbieter Direkt-Payment Anbieter. Mit ihnen ist es möglich, die Zahlung im Kaufprozess zu verifizieren. So kann direkt nach Abschluss des Kaufprozesses die interne Weiterverarbeitung (z.B. Versand) der Bestellung erfolgen.

Logistik

Erst wenn die Ware beim Kunden ist und am besten dort verbleibt, ist der Kaufprozess abgeschlossen. Bis diese beim Kunden ist, muss sie ggf. zwischengelagert und von dort weitertransportiert werden. Pro Lieferant fallen unterschiedliche Kosten an. Dabei wird das Transportgut hauptsächlich nach Größe und/oder Gewicht kategorisiert. Diese Kosten musst du kalkulieren und bei Berechnung an den Kunden kommunizieren. Natürlich zeigen statistische Untersuchungen, dass Kunden stets „versandkostenfrei“ präferieren. Wie bei den Zahlarten musst du das für dich und deine Produkte selbst herausfinden.

Mit retournierter Ware und den damit anfallenden Arbeitszeiten, sowie Kosten musst du dich als Shopbetreiber ebenfalls auseinandersetzen. Dabei muss der Kunde die Möglichkeit haben, die Retoure einfach und ohne große Hürden abzuwickeln. Viele Lieferanten bieten schon sehr komfortable Schnittstellen zur Erstellung von Retourenlabels. Der Kunde erhält dann lediglich einen Link.

Ist die Retoure dann wieder bei dir, musst du diese auf Rechtmäßigkeit und Zustand prüfen und weiterverarbeiten.

Tipp: Für den Transport gibt es bereits viele Anbieter. Prüfe im Vorfeld, ob deine Zielgruppe mit den Gepflogenheiten des Transporteurs klarkommt. Nicht jeder Transporteur hat eine Filiale in der Nähe, wo die Ware bei Nichtzustellbarkeit abgeholt werden kann. Im Zweifelsfall greife auf einen bekannten Dienstleister zurück.

Technisches & Design

Hast du die obigen Punkte einmal durchgeplant, kennst du deine Anforderungen und weißt, welche Ziele du und mit welchem Aufwand du beginnen willst. Erst jetzt machst du dir Gedanken über die Technik.

Neben der Shopsoftware, welche deinen Anforderungen genügen muss, muss auch die Providerauswahl mit entsprechender Hardware getroffen werden. Deine Kunden erwarten auch eine gewisse Informationsvielfalt, bezogen auf ihre Bestellung. „Wo ist mein Produkt?“,  „Ist es bereits verpackt oder sogar schon unterwegs?“, „Gibt es Probleme oder Rückfragen?“

Für WordPress gibt eine Handvoll Shop-Plugins. Wähle weise. (Screenshot: Dr. Web)

Intern benötigst du eine Art Tracking. Im einfachsten Fall verpackst du selbst und setzt den Status online in deiner Shopsoftware.

Das Design des Shops ist essentiell, denn das ist das einzige Bild deines Unternehmens, was deine Kunden beim Einkauf zu sehen bekommen. Die ersten 10 Sekunden reichen dem Kunden, um über Sympathie und anschließenden Kaufabschluss zu entscheiden.

Tipp: Wähle ein etabliertes Shopsystem basierend auf PHP und MySQL. Die Kombination PHP+MySQL wird von jedem größeren Hostinganbieter für kleines Geld angeboten und erlaubt den unkomplizierten Umzug zu jedem anderen Provider. Ersteres hilft dir, im Bedarfsfall eine Agentur zu finden, die in deiner Sprache dir weiter helfen kann, sofern du Anpassungen benötigst.

WordPress ist mittlerweile eine prima Grundlage für einen Shop, da hier leicht Inhalte erzeugt werden können (Google liebt WordPress), die Lernkurve zum Einstieg der Bedienung recht flach ist und das Grundangebot an Erweiterungen (Plugins) und Designs (Themes) gefühlt unendlich ist.

Fazit

Die umzusetzenden Aufgaben bei der Eröffnung eines Onlineshops scheinen schier unendlich. Das Budget ist meist klein und die Zeit nutzt du lieber zur Produktion der eigenen Waren. Halte die Investition in Arbeitsaufwand und Budget klein, indem du deine 5 wichtigsten Produkte zuerst online stellst. Dazu benötigst du kein spezielles Design und keine ausgefeilte Zahlungs- und Versandstrategie. Das Meiste lässt sich im ersten Schritt mit Standard-Boardmitteln bewerkstelligen.

Bleibe am Ball! Läuft es gut, vergrößere dein Angebot. Wenn nicht, finde erst die Fehler und optimiere, bevor du anschließend dein Angebot vergrößerst.

Jedes derzeitige Shopsystem ist in der Lage mitzuwachsen. Zwar immer nur bis an eine bestimmte Stelle, aber diese Stelle wird durch unterschiedliche Anforderungen im Einzelfall definiert und liegt meist weit in der Zukunft. Achte daher bei der Auswahl des Shopsystems vor allem auf eine gute Export-Funktion für Kundendaten, Bestelldaten und im optimalen Fall auch Produktdaten. Im Idealfall kannst du dann die exportierten Daten im neuen Shopsystem kundenfreundlich importieren.

Von Roger Rehnelt

Roger Rehnelt entwickelte 1997 sein erstes Shopsystem mit Perl. Seit 2002 setzt er mit seiner Agentur maennchen1.de im Kundenauftrag ERP-, Content-Management- und Shop-Systeme basierend auf PHP und MySQL in jeglicher Größe um. Beratung, Optimierung und Hosting inklusive. Seit 2010 entwickelt er mit seinem Team das WordPress Shop Plugin wpShopGermany, welches sich großer Beliebtheit im deutschsprachigen Raum erfreut.

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