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Facetted Search: Die individuelle Suche

After Search Navigation, Live Filtering, Faceted Navigation, Drill Down Filtering – das Kind trägt viele Namen. Im Kern geht es um die Frage, wie man die Ergebnisse einer internen Suche besser, sprich relevanter für den Nutzer präsentieren kann.

Mit Hilfe der Filterung der Suchergebnisse wollen große Shopbetreiber ihre Warenbestände navigierbarer machen. Das gelingt nur zum Teil, meinen die Experten von Usability.de.

After Search Navigation, Live Filtering, Faceted Navigation, Drill Down Filtering – das Kind trägt viele Namen. Im Kern geht es um die Frage, wie man die Ergebnisse einer internen Suche besser, sprich relevanter für den Nutzer präsentieren kann. Dem Suchenden werden also allerhand Filterkriterien angeboten, mit denen er sein Suchergebnis verfeinern kann. Faceted Search ist das Schlagwort, das die Experten von Usability.de für diese Technik anwenden. Lesen Sie dazu auch das Interview mit Thorsten Bartel

Die Hannoveraner haben in einem groß angelegten Test insgesamt 30 Probanden auf die Suchlösungen von Universalversender Otto, Hotelmakler HRS und Auktionshaus eBay.de losgelassen und die Ergebnisse von Test und Befragung analysiert. Das Vorfazit von Senior Consultant Steffen Weichert: „Ja, Faceted Search kann den Nutzern noch bessere Suchergebnisse präsentieren, aber die Implementierung muss sehr sorgfältig gemacht werden, sonst übersehen die Nutzer dieses Feature einfach“.

Wohin mit den Filtern?

Schon bei der Ausgangsrecherche zur Studie fiel den Hannoveranern auf, dass jede Seite, die die Facettensuche einsetzt, sie anderes implementiert. Die Mehrzahl der Anbieter nutzt die linke Randspalte, in der üblicherweise die Navigation zuhause ist. Andere Anbieter platzierten sie rechts, wieder andere oberhalb der Suchergebnisse, wie zum Beispiel die getestete Site von Otto.


Die überlappende Preisanzeige bei Otto.de stiftete bei den Nutzern Verwirrung

Die Frage der Platzierung der Filter stellte sich für Usability.de als „Killerkriterium“ heraus. Sowohl bei Otto.de als auch bei HRS übersahen die Probanden die neue Möglichkeit. Bei Otto könnte ein Grund in der farblichen Ausgestaltung liegen, die dem Grundlayout der Seiten angepasst und wenig auffällig ist. Bei HRS hingegen residieren die Filter in der linken Randspalte. Es handelt sich um kleine Menüs, die im Ausgangszustand zugeklappt sind und somit aussehen wie normale Rubrik-Links.

Hier schneidet der Referenzfall eBay deutlich besser ab. Auch dort befindet sich die Navigation links, aber die einzelnen Filterfacetten sind klar als solche erkennbar. Die Benutzer hatten kein Problem damit, diese zu finden.

Eine Frage der Gestaltung

Sehr unterschiedlich waren die Ergebnisse in Sachen Interface-Design. Filterkriterien per Drop-Down-Menü funktionieren, wenn die angebotenen Facetten trennscharf sind. Das ist bei Otto.de nicht immer der Fall. Hier gibt es zum Beispiel Überschneidungen bei angebotenen Preis-Segmenten. Sehr schön, fanden die Nutzer hier aber die Sonderkategorie „reduziert“ sowie das vorausschauende Anzeigen der zu erwartenden Treffermenge in der jeweiligen Facette.


Wenn Sie jetzt klicken, gehen alle Filtereinstellungen verloren

HRS hatte hier erneut leichtere Probleme, da die komplett aufgeklappte Filterliste zur Linken sehr lang und unübersichtlich wurde. Bei eBay hingegen witterten die Usability-Forscher ein Problem darin, dass ausgewählte Filterkriterien in der linken Randspalte nach oben wanderten. Doch für die Nutzer stellte sich diese Inkonsistenz nicht nur als unproblematisch, sondern als hilfreich heraus. So ließen sich einzelne Filter leichter wieder abschalten.

Die richtigen Worte

Doch eBay schnitt im Test nicht bei allen Funktionen am besten ab. So bemängelten die Nutzer den etwas spröde wirkenden Reload der gesamten Seite bei einer Veränderung der Kriterien. HRS und Otto laden hier nur die Ergebnisliste neu.

Schieberegler wurden einhellig als angenehme Methode zur Navigation empfunden, sofern die Funktion klar erklärt wird. Im Test zeigte HRS bei einem bestimmten Setup einen Preis von 85000 Euro – offensichtlich ein Datenbankfehler – was dazu führt, dass die echten Treffer in einem winzigen Spektrum des Schiebereglers auftreten und dadurch kaum zu sortieren sind.

Beschriftungsprobleme ergaben sich auch beim Reset-Knopf, der die Filterung aufhebt. Der Terminus „löschen“ wurde von allen Probanden als irritierend gebrandmarkt. Der Terminus „Filter zurücksetzen“ wirkt zu technisch.  „Auswahl zurücksetzen“ oder „Sortierung aufheben“ funktionieren hier besser.

Entscheidend für den Erfolg der Filter ist natürlich die Auswahl der richtigen und wichtigen Facetten. Otto bietet eine Drop-Down-Liste mit Markennamen an. Das ist zwar gut gemeint, geht aber am realen Benutzungsszenario vorbei, wenn der Nutzer gerade unter zwei verschiedenen Marken wählen möchte. Hier funktioniert ein System mit Checkboxen besser.

Unterm Strich kommen die Teste von usability.de zu dem Ergebnis, dass Sitebetreiber die Facettensuche auf die wesentlichen Filtermöglichkeiten beschränken sollten, sie prominent platzieren und vor allem deutlich gegenüber der Standardnavigation abgrenzen sollten. Bei HRS verließen einige Nutzer die Suchergebnisseite plötzlich ganz, weil sie versehentlich auf Rubriklinks aus der Standardnavigation geklickt hatten.

(sl), ™

Von Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.

1 Anwort auf „Facetted Search: Die individuelle Suche“

Ich finde die Suche von http://www.digitec.ch/ sehr gut gelöst. Die Möglichen Filter sind prominent platziert und die Auswirkungen eines Filters gut ersichtlich (weitere allenfalls sinnlose Filter werden ausgeblendet, Anzahl Treffer aktualisiert)

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