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Finanzierungsalternativen: So besorgen Sie das nötige Kleingeld – Teil 1

Wer keine Kredite bekommt, tut gut daran, nach anderen Finanzierungswegen zu suchen. Manchmal öffnet erst der Ablehnungsbescheid der Bank die Augen für Alternativen. Nicht jede naheliegende Lösung ist jedoch zu empfehlen. Außerdem gilt auch bei der Geldbeschaffung…

Wer keine Kredite bekommt, tut gut daran, nach anderen Finanzierungswegen zu suchen. Manchmal öffnet erst der Ablehnungsbescheid der Bank die Augen für Alternativen. Nicht jede naheliegende Lösung ist jedoch zu empfehlen. Außerdem gilt auch bei der Geldbeschaffung oft: Weniger ist mehr.

Finanzierungsalternativen: So besorgen Sie das nötige Kleingeld – Teil 2

Wer sagt eigentlich, dass akuter oder langfristiger Finanzbedarf nur durch die eigene Hausbank, Sparkasse oder ähnliches Geldinstitut gedeckt werden kann? Auch in der deutschen Förderlandschaft setzt sich nach und nach die Einsicht durch, dass geringer Kreditbedarf nicht unbedingt ein Hinweis auf mangelndes kaufmännisches Wissen oder Zweifeln an den eigenen Erfolgsaussichten sein muss: Viele neue Selbstständige brauchen nun einmal beim besten Willen nicht mehr als 5.000 Euro bis 10.000 Euro. Mehr ist bei vernünftiger Planung einfach nicht nötig, um zum Beispiel einen neuen Computerarbeitplatz, eine professionelle Büroausstattung und einen fahrbaren Untersatz zu beschaffen oder zu ersetzen.

Bundes- und Landesregierungen sowie Förderbanken tragen dieser Entwicklung durchaus Rechnung: Mittlerweile gibt es auch hierzulande eine ganze Reihe geschäftlicher Kleinkredit-Programme, wie etwa…

  • das Mikro-Darlehen „Mikro 10“ (bis 10.000 Euro),
  • das Mikro-Darlehen (bis 25.000 Euro) oder
  • das Startgeld (bis 50.000 Euro).

Diese KfW-Programme werden ab Januar 2008 der Einfachheit halber wieder zum KfW-Startgeld zusammengefasst werden. Da diese „Peanuts“ jedoch wie eh und je über die Hausbanken an den Mann und die Frau gebracht werden, ist es bislang bei der restriktiven Vergabepraxis geblieben. Daran wird auch der für das nächste Jahr in Aussicht gestellte Bürokratieabbau bei der Kreditvermittlung kurzfristig wenig ändern.

Versuch macht klug
Abschrecken lassen sollten Sie sich davon selbstverständlich nicht: Unterschriftsreife Darlehensverträge können Sie auf den Seiten der KfW-Mittelstandsbank eigenhändig ausfüllen und ausdrucken. Sie brauchen Ihren fertigen Antrag dann nur noch bei Ihrer Bank einzureichen. Auf eine größere Kreditvergabe bereiten Sie sich am besten aber zusammen mit einem erfahrenen Berater oder Coach vor. Solche Beratungen oder Coachings sind ihrerseits förderfähig. Fragen Sie im Zweifel bei der für Sie zuständigen Kammer oder Ihrem Berufsverband nach.

Vorsicht Dispo-Falle
Doch was tun, wenn die Bank oder Sparkasse sich weigert, Sie mit dem nötigen Kleingeld zu versorgen? Statt darüber zu lamentieren lohnt es sich durchaus, über geeignete Finanzierungsalternativen nachzudenken. Ganz wichtig: Der bequeme Geschäfts-„Dispo“ (= Kontokorrentkredit) gehört auf jeden Fall nicht dazu! Da die üblichen Kontokorrentzinsen mittlerweile bei rund 12 Prozent liegen und Überziehungszinsen (bei Überschreiten des vereinbarten Kreditlimits) sogar die 20 Prozentmarke erreichen, ist das nicht nur unverhältnismäßig teuer, sondern auch ein Spiel mit dem Feuer: Schließlich ist der Kontokorrentkredit ausschließlich zur Sicherung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit gedacht – etwa um einen möglichen Skontoabzug aus Lieferantenrechnungen nutzen zu können, während überfällige Kundenüberweisungen noch nicht eingegangen sind.

Wird der kurzfristige Kreditrahmen bereits durch die Finanzierung langfristiger Investitionen ausgeschöpft, geht genau dieser überlebenswichtige Reaktionsspielraum verloren. Hinzu kommt, dass die Bank den Kontokorrentkredit bei aufkeimenden Zweifeln an Ihrer Zahlungsfähigkeit jederzeit kürzen oder kündigen kann: So geraten Sie schlimmstenfalls über Nacht an den Rand der Zahlungsunfähigkeit und sind in Ihrer beruflichen Existenz bedroht.

Vorsicht Schufa-Falle
Auch Raten-Finanzierungen in Form von Verbraucherkrediten können im Wiederholungsfall zu bösen Überraschungen führen: Zwar machen viele Hersteller und Händler auch für geschäftlich verwendbare Wirtschaftsgüter Teilzahlungsangebote – denken Sie nur an Möbel, Büromaschinen oder Fahrzeuge. Einmal abgesehen davon, dass die Verzinsung der scheinbar attraktiven 0-%-Ratenverträge zwangsläufig in den überhöhten Verkaufspreis einkalkuliert ist, haben Verbraucherdarlehensverträge nachteilige Auswirkungen auf die allgemeine Kreditwürdigkeit: Ganz gleich, wie hoch die gesamte Kreditsumme ist und unabhängig davon, dass Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen jederzeit pünktlich nachkommen, verschlechtern Ratenverträge Ihr Schufa-Scoring. Allein die Tatsache, dass Sie regelmäßig „auf Pump“ kaufen, lässt Ihr Ansehen in den Augen der Kreditwirtschaft automatisch sinken! Der anschließende Versuch, ein richtiges Geschäftsdarlehen zu bekommen, wird dadurch zusätzlich erschwert.

Alternative I: Wirksames Forderungsmanagement
Bevor Sie sich Gedanken über zusätzlichen Finanzbedarf machen, sollten Sie überprüfen, ob Sie bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um Ihre Einnahmeseite verbessern. Keine Sorge: Dafür sind oft gar nicht unbedingt mehr oder bessere Aufträge erforderlich. Bei vielen Selbstständigen wäre bereits einiges gewonnen, wenn Rechnungen und Zahlungserinnerungen zeitnäher geschrieben würden und / oder Kundenzahlungen verlässlicher und schneller einträfen.

Angesichts der naturgemäß überschaubaren Zahl von Kunden und Projekten ist bei den meisten IT-Freelancern und anderen neuen Selbstständigen kein ausgeklügeltes Forderungsmanagement nötig. Auch der Forderungsverkauf („Factoring“) kommt in aller Regel nicht infrage. Bevor Sie größere Aufträge übernehmen, sollten Sie nach Möglichkeit jedoch…

  • die Bonität Ihres Kunden überprüfen (indem Sie z. B. eine Bankauskunft einholen oder andere Geschäftspartner befragen),
  • Abschlagzahlungen oder Zwischenabrechnungen vereinbaren (z. B. etwa in Form einer fairen Lastenverteilungen wie: ein Drittel bei Auftragserteilung, ein Drittel bei Lieferung und ein Drittel bei endgültiger Abnahme durch den Kunden),
  • den gesetzlichen Verzugsbeginn von 30 Tagen kalendergenau auf zum Beispiel 14 Tage verkürzen (z. B. „zahlbar bis zum 25. Januar 2008“),
  • für Zahlungsanreize sorgen (z. B. „3 % Skonto bei Zahlung bis zum 18. Januar 2008“),
  • es bei einer Zahlungserinnerung und nur einer weiteren Mahnung belassen,
  • angemessene Verzugszinsen berechnen und notfalls
    das gerichtliche Mahnverfahren einleiten.

Wer diese Empfehlungen konsequent befolgt, senkt seinen externen Kapitalbedarf oft bereits spürbar.

Alternative II: Beschaffungskosten senken
Eine weitere völlig darlehensfreie Finanzierungsalternative besteht darin, die Beschaffungskosten zu senken: Trotz aller Sparsamkeit im Privatleben lassen sich viele Selbstständige bei geschäftlichen Investitionen von völlig unangebrachten Repräsentationsüberlegungen leiten. Dabei ist eine spartanische Büro-Ausstattung oder der gebrauchte Geschäftswagen aus Kundensicht in aller Regel überhaupt kein Problem.

Im Gegenteil: Profis wissen ganz genau, wer den Schuldendienst für die Nobelkarosse oder das nagelneue Luxus-Ambiente letztlich zu tragen hat. Natürlich gibt es keinen Sinn, die neue Computeranlage beim Trödler zu kaufen. Bei Fahrzeugen, Möbeln, robusten Werkzeugen und ähnlichen langlebigen Wirtschaftsgütern ist die Möglichkeit des Gebrauchtkaufs aber immer eine Überlegung wert.

Alternative III: Verwertung und Tausch
Die zeitnahe Verwertung ausrangierter Vermögensbestandteile stellt ebenfalls eine niedrigschwellige Möglichkeit dar, den Finanzbedarf zu senken: In Schubladen, Schränken und Kellern deutscher Unternehmen warten ungenutzte Vermögenswerte in Milliardenhöhe auf ihre Reaktivierung! Je länger Sie damit warten, desto wertloser werden diese Gegenstände – bis sie im ungünstigsten Fall nicht nur völlig wertlos sind, sondern obendrein noch für teures Geld entsorgt werden müssen.

Dabei ist die Verwertung entbehrlicher Güter über Ebay & Co. in den letzten Jahren immer einfacher, bequemer und Erfolg versprechender geworden: Durch den inzwischen hohen lokalen Verbreitungsgrad sowie günstige Sonderversandformen sind mittlerweile sogar sperrige Gebrauchtgüter verkäuflich geworden. Und falls sich einmal doch kein Käufer findet, besteht immer noch die Möglichkeit des Eintauschens gegen andere Güter oder auch gegen Dienstleistungen. Auch das entlastet die eigenen Konten und Kassen oft beträchtlich: Zwar hat die Geldwirtschaft den Tauschhandel nahezu völlig verdrängt: Die allerorten aus dem Boden sprießenden Tauschringe zeigen jedoch, dass es auch heute noch gut ohne Bargeld, Überweisungen und Kreditkarten geht.

Ausblick
Sie können Ihren Finanzbedarf trotz aller Sparanstrengungen und gut vorbereiteter Bankgespräche auf konventionellen Wegen nicht decken? Dann empfiehlt sich ein Blick auf alternative Lösungen und Anlaufstellen, die später in einem zweiten Teil des Beitrags vorstellt werden.

Links und Material zum Thema:

Erstveröffentlichung 22.10.2007

Von Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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