Firmeninformationen auf Abruf

Wissen ist Macht! Dieses alte Sprichwort ist insbesondere im Geschäftsleben zutreffend. Wer eine neue Geschäftsbeziehung eingeht oder für einen neuen Auftraggeber tätig wird, möchte möglichst gut über seinen Gegenüber informiert sein. Die Angebote der Wirtschaftsauskunfteien kommen da gerade recht.

Dank dieser Informationsdienstleister können sich Geschäftsleute umfangreich über andere Unternehmen und Privatpersonen informieren. Wir verraten nun, welche Informationen verfügbar sind, wie man an die Informationen gelangt, worauf man achten muss und welche Anbieter es überhaupt gibt.


Ein Screenprint von Creditreform

Welche Informationen sind abrufbar?

Die typischen Firmeninformationen: Kontaktdaten, Rechtsform, Tätigkeitsbereich des Unternehmens, Betriebsstätte und Niederlassungen, Immobilienbesitz (zum Beispiel Wert und Art der Immobilie), Firmenbeteiligung an anderen Unternehmen, finanzielle Situation (zum Beispiel Zahlungsmoral, Höchstkreditvorschlag), Bankverbindungen, Unternehmens-Kennzahlen (zum Beispiel Umsätze, Gewinne/Verluste, Anzahl der Mitarbeiter).

Die typischen Privatpersonen-Informationen: Kontaktdaten, Familienstand, Beruf, finanzielle Situation (zum Beispiel Zahlungsmoral, Rankings), Immobilienbesitz (zum Beispiel Wert und Art der Immobilie), Beteiligungen (zum Beispiel Pfändungen), Bankverbindungen, Daten zu Girokonten, Krediten, Verbindlichkeiten et cetera.

Wo kommen die Informationen her?
Eine Wirtschaftsauskunftei bedient sich unterschiedlicher Quellen. Neben der Nutzung der allgemein zugänglichen Informationsquellen, wie Handelsregister, Vereinsregister, Telefonbücher und Veröffentlichungen im Bundesanzeiger sowie anderen Publikationen, werden gelegentlich auch Befragungen von Geschäftspartnern oder Bekannten auch Selbstbefragungen durchgeführt. Für die Beurteilung der Bonität und der gesamten finanziellen Situation findet oftmals eine Kooperation mit den Inkassobüros statt.

Wer darf sich informieren?
Aufgrund der strengen Datenschutzbestimmungen ist es nicht erlaubt, sich aus bloßer Neugierde über seinen Nachbarn oder den Friseur an der Straßenecke zu informieren. Nur wenn ein berechtigtes Interesse gemäß Bundesdatenschutzgesetz vorliegt, ist die Auskunftseinholung gestattet. Einfach ausgedrückt: Sollte sich eine Geschäftsbeziehung anbahnen, ein Forderungseinzug beziehungsweise ein Kauf-, Miet- oder Leasingvertragsabschluss bevorstehen, darf man ruhigen Gewissens Informationen kaufen. Eine Kontrolle findet allerdings nicht statt. Der Interessent muss lediglich erklären, warum er die Informationen benötigt.

Wie gelange ich an die gewünschte Information?
Eines ist sicher: Ein Mangel an Wirtschaftsauskunfteien liegt nicht vor. Wer bei Google den Begriff „Firmeninformationen“ eingibt, bekommt knapp 600.000 Ergebnisse serviert. Der Datenhandel erlebt praktisch einen Boom. Trotzdem sollte man nicht den Fehler begehen und sich für den erstbesten Anbieter entscheiden. Die Unterschiede bei den Preisen, der Anzahl an Informationen, der Aktualität und der Verlässlichkeit sind enorm. Außerdem wird bei den Angeboten zwischen Einzelabrufen und Mitgliedschaften unterschieden. Für Großunternehmen mag Letzteres lohnend sein, denn sie zahlen einen Festbetrag und können dafür beliebig viele Informationen einholen. Kleinunternehmen, die nur gelegentlich eine Auskunft benötigen, sollten ihre Informationen aber lieber einzeln kaufen. Die Bestellung erfolgt online, per Telefon, per Fax oder per Brief.

Was gibt es sonst noch zu beachten?
Das oberste Gebot ist absolute Diskretion. Der Datenempfänger darf die Daten nur für den eigenen Gebrauch und den angegebenen Zweck verwenden. Sollte man die Daten unerlaubt weitergeben, haftet der Empfänger für alle Schäden, die durch die Indiskretion entstanden sind; und das könnte teuer werden.


Ein Screenprint von D&B

Die Anbieter im Kurzportrait

Fünf ausgewählte Wirtschaftsauskunfteien genauer vorgestellt. Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um Netto-Preise.

Creditreform: Creditreform ist eine Unternehmensgruppe, die sich insbesondere als Wirtschaftsauskunftei einen Namen gemacht hat. Die Privatpersonen-Datenbank beinhaltet 60 Millionen Datensätze von über 22 Millionen Bundesbürgern. In der Firmendatenbank sind 3,9 Millionen Auskünfte enthalten. Für die Datenempfänger wird eine Mitgliedschaft vorausgesetzt. Anders als bei der Schufa besteht allerdings nicht die Pflicht, selber Erfahrungen mit Firmen bekannt zu geben.

Neukunden müssen eine Einrichtungsgebühr von 150 Euro zahlen. Die Jahresgebühr beträgt je nach Umfang zwischen 300 und 600 Euro. Alternativ wird ein Kontingent an Auskünften angeboten. Bei einem Preis von 45 Euro für eine Wirtschaftsauskunft handelt es sich aber um ein teures Vergnügen. Immerhin gibt es Mengenrabatte: 100 Wirtschaftsauskünfte kosten zum Beispiel 24,50 Euro je Abruf. Ein erworbenes Kontingent hat eine Gültigkeit von 12 Monaten. Webseite

D&B: Dun & Bradstreet gilt als der weltweit größte Dienstleister für Wirtschaftsinformationen. Der Konzern, der etwa 8.000 Mitarbeiter beschäftigt und rund 150.000 Kunden hat, ist in New Jersey/USA angesiedelt. Die Firmendatenbank beinhaltet insgesamt 160 Millionen Firmenprofile, davon 4,5 Millionen Profile deutscher Firmen. Leider sind die Preise ausgesprochen hoch. Ein Firmenprofil eines deutschen Unternehmens kostet 250 Euro, eines europäischen Unternehmens 250 Euro und eines amerikanischen Unternehmens 300 Euro. Die Alternative ist das sogenannte Starterpaket: Für 650 Euro sind in einem Jahr insgesamt 30 Informationsabrufe möglich. Bei Firmeninformationen aus dem Ausland verringert sich die Anzahl möglicher Abrufe. Webseite

Hoppenstedt: Die Hoppenstedt Gruppe wurde im Jahre 1926 als Buchverlag gegründet und ist mittlerweile zu einem Informationsdienstleister geworden. Laut der Firmenwebseite betreut das Darmstädter Unternehmen mehr als 20.000 Kunden, sodass die Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH zu den größten Anbietern von Wirtschaftsinformatioen zählt.

Die Kunden können sich zwischen unterschiedlichen Tarifen entscheiden. Für 1.675 Euro wird ein ganzjähriger Zugriff auf die Datenbank angeboten. Für einen Aufpreis von 500 Euro stehen zudem mehrere Export- und Filterfunktionen zur Verfügung. Kleinunternehmer, die einen unregelmäßigen Bedarf haben, können das Prepaid-System nutzen. Das Guthaben wird mit 50 bis 500 Euro aufgeladen und jeder Datenaufruf schlägt mit 5 Euro zu Buche. Bei einem besonders hohen Bedarf könnte die gesamte Datenbank mit rund 300.000 Firmenprofilen auf DVD erworben werden. Aufgrund des hohen Preises, der je nach Umfang bis zu 13.000 Euro beträgt, richtet sich dieser Datenträger nicht unbedingt an Selbstständige. Webseite

Genios: Die GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH hat ein interessantes Angebot auf Lager. Die Kunden können bequem mehrere Datenbanken auf einen Schlag abfragen. So zum Beispiel von Creditreform, Hoppenstedt, D&B Deutschland und vielen mehr. Das Prinzip gestaltet sich denkbar einfach. Der Anwender muss unter dem Punkt „Firmeninformationen“ lediglich den Namen der betreffenden Firma eingeben. Daraufhin erscheint eine Übersicht der verfügbaren Informationen von den unterschiedlichen Quellen mit den jeweiligen Preisangaben. Die kostenlose Vorschau verrät, welche Informationen über das gesuchte Unternehmen jeweils zur Verfügung stehen. Abschließend wird das Dokument einfach in den Warenkorb gelegt und gekauft. Webseite


Der Selbstversuch: Auch über die Smashing Media GmbH hat Genios viele Informationen auf Lager

Atriga: Die Atriga GmbH ist insbesondere für die Bonitätsprüfungen bekannt. Ohne Mitgliedschaft können Prüfungen von Unternehmen (10,50 Euro) und Privatpersonen (9,00 Euro) durchgeführt werden. Neben diesem „Consumer Express Check“ und dem „Business Express Check“ bietet das hessische Unternehmen den „Business Express Exclusive“. Das beinhaltet neben der Bonitätsprüfung eine ausführliche Wirtschaftsauskunft und kostet derzeit 26,00 Euro. Laut der Unternehmenswebseite sind die Informationen nach wenigen Minuten bereits verfügbar. Webseite

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Kategorisiert in Webdesign

Von Oliver Jensen

arbeitet als freiberuflicher Texter und Journalist und ist für Zeitschriften, Redaktionen und verschiedene Firmen tätig. Bevor er diesen Werdegang einschlug, konzentrierte er sich auf die dramaturgischen Aufgaben, wobei er ein Theaterstück und Drehbücher für Kurzfilme und Showreels schrieb.

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