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GIMP ausreizen – Arbeiten mit den Ebenen-Modi

Die Ebenenmodi in GIMP – vergleichbar mit den Filtern von Photoshop – sind ein sehr mächtiges Instrument, mit dem sich oft beeindruckende Ergebnisse erzielen lassen. Wozu Sie welchen Modus am besten einsetzen, erläutert dieser Gastbeitrag des Galileo-Verlags aus dem Buch GIMP 2.6 von Jürgen Wolf.

von Jürgen Wolf

Die Ebenenmodi in GIMP – vergleichbar mit den Filtern von Photoshop – sind ein sehr mächtiges Instrument, mit dem sich oft beeindruckende Ergebnisse erzielen lassen. Wozu Sie welchen Modus am besten einsetzen, erläutert dieser Artikel – ein Gastbeitrag des Galileo-Verlags, in dem das Buch Gimp 2.6 von Jürgen Wolf erschienen ist.

Kurz vorweg

Grau ist alle Theorie – am besten können Sie die Auswirkung der einzelnen Modi an konkreten Bildern nachvollziehen. Als Beispiel für die Pixelberechungen werden die beiden folgenden Abbildungen verwendet.


Dieses Bild dient später als Maske beziehungsweise obere Ebene …


…, die mit diesem Bild (untere Ebene) kombiniert wird. FOTO: Martin Conrad

Anhand dieser beiden Ebenen werden die Ebenenmodi demonstriert. Beachten Sie bitte, dass die hier gezeigten Beispiele nur ein ungefähres Bild der verschiedenen Ebenenmodi liefern.

Das Endergebnis hängt in der Regel sehr stark von den Farben beider Ebenen ab. Hier kann ich Ihnen nur empfehlen, möglichst viel zu experimentieren. Duplizieren Sie beispielsweise eine Ebene, und testen Sie so die verschiedenen Ebenenmodi.


Der Dialog Ebenen in GIMP

Die Ebenenmodi im Überblick

Normal

Der Ebenenmodus Normal ist die Standardeinstellung für Ebenen. Bei dieser Einstellung findet zwischen den übereinanderliegenden Pixeln keine Berechnung statt. Die obenliegenden Pixel verdecken hierbei immer die Pixel der darunterliegenden Ebene. Mit einer Ausnahme: Wenn Sie die Deckkraft der oberen Ebene reduzieren, dann scheint auch die untere Ebene durch.

Nur weil hier die Deckkraft auf 50 % reduziert wurde, ist das darunterliegende Bild sichtbar.

Vernichtend

Bei Ebenen mit 100 % Deckkraft und ohne Transparenz entspricht der Modus Vernichtend dem Modus Normal. Übergänge, die kleiner als 100 % sind, stellt der Modus Vernichtend körnig dar. Für die grobe Körnung wird ein Zufallsmuster verwendet, auf das Sie keinen Einfluss haben. Wollen Sie den Ebenenmodus bei Ebenen ohne Transparenz verwenden, bräuchten Sie nur die Deckkraft der Ebene zu reduzieren. In der Praxis wird dieser Ebenenmodus hauptsächlich für Malwerkzeuge zum Beispiel dem Pinsel (P) verwendet.


Da die Deckkraft hier auf 60 % reduziert wurde, können Sie den Effekt des Modus Vernichtend erkennen.

Multiplikation

Der Ebenenmodus Multiplikation bringt meistens als Ergebnis ein verdunkeltes Bild. Dies resultiert daraus, dass alle Farbwerte der oberen und unteren Ebene multipliziert und durch 255 dividiert werden. Pixel, die auf der unteren und der oberen Ebene schwarz sind, bleiben im Ergebnis auch schwarz (Farbwert Schwarz = 0; also 0 * 255 / 255 = 0). Beim Multiplizieren zweier weißer übereinanderliegender Pixel findet ebenfalls keine Änderung statt (Farbwert Weiß = 255; also 255 * 255 / 255 = 255). Liegen hingegen schwarze und weiße Pixel übereinander, so ist das Ergebnis immer Schwarz.


Der Ebenenmodus Multiplizieren

Division

Mit dem Modus Division werden die übereinanderliegenden Farbwerte dividiert. Als Ergebnis erhalten Sie in der Regel ein helleres Bild. Liegt beispielsweise oben ein schwarzes Pixel und unten ein weißes, ist das Resultat ein weißes Pixel. Andersherum genauso: Liegt oben ein schwarzes Pixel und unten ein weißes, ergibt sich daraus ein schwarzes Pixel.


Der Ebenenmodus Division

Bildschirm

Zunächst arbeitet der Ebenenmodus Bildschirm wie der Modus Multiplikation. Nur wird vor der Multiplikation der Wert der Farbe invertiert (durch 255 dividiert), und am Ende wird das Ergebnis nochmals invertiert. Das Endergebnis wirkt dann häufig heller, und dunkle Farben im Bild erscheinen wesentlich durchsichtiger. Bei schwarzen übereinanderliegenden Pixeln passiert nichts; alles bleibt schwarz. Befindet sich hingegen mindestens ein weißes Pixel darunter, ist das Endergebnis immer Weiß. Dieser Modus wirkt sich hauptsächlich auf dunklere Farben aus.


Der Ebenenmodus Bildschirm

Überlagern

Der Überlagern-Modus ist eine Kombination aus Multiplikation und Division. Entscheidend für diesen Modus ist die obere Ebene. Je heller die Farben der oberen Ebene sind, umso heller wird der mittlere Farbbereich der unteren Ebene. Umgekehrt gilt natürlich: Je dunkler die Farben der oberen Ebene, umso dunkler werden auch die Mitteltöne des Ergebnisses. Im Gegensatz zum Ebenenmodus Multiplikation wirkt sich der Modus Überlagern allerdings nicht so stark verdunkelnd aus.


Der Ebenenmodus Überlagern

Abwedeln

Wie Sie aus dem Namen schon herauslesen, wirkt sich der Modus Abwedeln in Regel aufhellend aus. Allerdings können auch Farben invertiert werden. Legen Sie hierbei beispielsweise zwei gleiche Bilder übereinander und hat das Bild einen grauen Schleier, verbessert der Modus Abwedeln diese Schatten im Bild. Allerdings entsteht hierbei auch schnell der Eindruck, dass das Bild, wenn es bereits sehr hell ist, überbelichtet ist. Deshalb sind Sie hier gut beraten, die Deckkraft ein wenig zu reduzieren.

Der Effekt lässt sich übrigens sehr gut bei einem Schwarzweißbild einsetzen. Das Bild kann hiermit noch mehr Brillanz erhalten. Schwarze und weiße Farbwerte bleiben hiervon allerdings unberührt.


Der Ebenenmodus Abwedeln


Im Bild links wurden beide Hydranten übereinandergelegt und mit dem Ebenenmodus Abwedeln verrechnet. Zum Vergleich das Ausgangsbild rechts.

Nachbelichten

Nachbelichten ist das Gegenstück zu Abwedeln und entspricht im Grunde auch dem Ebenenmodus Abwedeln, nur eben mit invertierten Werten. Somit trifft alles eben Beschriebene von Abwedeln auf Nachbelichten zu, nur dass es hier um das Abdunkeln statt um das Aufhellen geht.

Bei zwei übereinanderliegenden gleichen Bildern lassen sich damit die zu hellen Lichter abdunkeln. Allerdings muss auch hier oft mit Hilfe des Reglers Deckkraft feinjustiert werden, weil das Ergebnis, abhängig vom Bild, schnell unterbelichtet wirkt. Schwarze Pixel bleiben unverändert.


Der Ebenenmodus Nachbelichten


Im Bild links wurden beide Hydranten übereinandergelegt und mit dem Ebenenmodus Nachbelichten verrechnet. Die Deckkraft musste hier allerdings auf 50 % reduziert werden, sonst wäre das Endergebnis zu dunkel geworden. Zum Vergleich rechts das Ausgangsbild.

Harte Kanten

Der Modus Harte Kanten ist ideal, um zwei gleiche Bilder übereinanderzulegen und dabei die helleren Farben und scharfen Kanten zu erhalten. Als Ergebnis erhalten Sie ein Bild, das den Eindruck erweckt, es sei mit einem Licht angestrahlt oder mit einem Blitzlicht fotografiert worden.


Der Ebenenmodus Harte Kanten


Im linken Bild wurden beide Hydranten übereinander gelegt und mit dem Ebenenmodus Harte Kanten verrechnet. Damit der Effekt nicht zu heftig ausfällt, wurde die Deckkraft auf 60 % reduziert. Zum Vergleich das Ausgangsbild rechts.

Weiche Kanten

Der Modus Weiche Kanten entspricht in GIMP exakt dem Modus Überlagern. Er macht die Kanten im Bild etwas weicher und die Farben etwas sanfter. Abgesehen vom Namen hat dieser Modus allerdings nichts mit dem Modus Harte Kanten zu tun. F ilmkörnung Hierbei handelt es sich um die kleinsten Strukturen des entwickelten Films bei der analogen Fotografie, die erst nach einer starken Vergrößerung sichtbar werden.

Der Ebenenmodus Weiche Kanten

Faser extrahieren

Der Modus Faser extrahieren entfernt die Körnigkeit (Filmkörnung). In der Praxis ist dies beispielsweise sinnvoll, um eine neue Ebene zu erstellen, die nur aus dieser Struktur besteht, oder um Bildern ein plastisches Aussehen zu verleihen.


Der Modus Faser extrahieren


Im linken Bild wurde der Ebenenmodus Faser extrahieren auf die Originalebene angewandt. Darunter wurde eine weiße Ebene gelegt.

Faser mischen

Der Modus Faser mischen ist eine Umkehrung des Ebenenmodus Faser extrahieren. Hierbei wird erzeugte körnige Struktur mit der darunterliegenden Ebene überblendet.


Der Ebenenmodus Faser mischen

Unterschied

Der Modus Unterschied subtrahiert die über einanderliegenden Farbwerte und bildet einen absoluten Wert. Meistens erhält man ein Bild mit invertierten Farben. Der Modus eignet sich hervorragend, um zwei identische und aufeinanderliegende Ebenen (oder auch Bilder) auf Deckungsgleichheit zu prüfen. Decken sich beide Ebenen, ist das Ergebnis schwarz.


Der Ebenenmodus Unterschied


Auf beiden Seiten wurde der Ebenenmodus Unterschied verwendet, und es lagen jeweils zwei gleiche Ebenen übereinander. Links sind die beiden Ebenen absolut deckungsgleich, weshalb das Bild auch komplett schwarz ist. Rechts liegen die beiden Ebenen nicht deckungsgleich über einander, weshalb hier eine Art Dopplungseffekt wie bei einem 3D-Bild entsteht.

Addition

Mit dem Ebenenmodus Addition werden die Pixelwerte beider Ebenen addiert. Das Ergebnis ist ein helleres Bild. Einige Stellen werden hierbei nur noch weiß sein.


Der Ebenenmodus Addition


Links wurden zwei gleiche Ebenen mit dem Ebenenmodus Addition übereinandergelegt. Das Basisbild rechts dient zum Vergleich.

Abziehen

Bei dem Ebenenmodus Abziehen (der ehemals »Subtraktion« hieß) handelt es sich um das Gegenstück von Addition. Hierbei werden die Pixelwerte der oberen Ebene von den Werten der unteren Ebene abgezogen. Als Ergebnis erhalten Sie ein dunkleres Bild. Bei negativen Werten wird das Ergebnis auf 0 (also Schwarz) begrenzt. Bei zwei gleichen Bildern, die übereinanderliegen, können Sie auch hier, wie schon beim Ebenenmodus Unterschied, die Deckungsgleichheit prüfen.


Der Ebenenmodus Abziehen (ehemals »Subtraktion«)

Nur Abdunkeln

Der Modus Nur Abdunkeln vergleicht die Pixel der oberen und unteren Ebene miteinander und verwendet als Ergebnis immer den kleineren Wert. Schwarze Pixel ergeben somit auch einen schwarzen Bereich im Endbild. Weiße Pixel hingegen ändern nichts am Ergebnis.


Der Ebenenmodus Nur Abdunkeln

Nur Aufhellen

Nur Aufhellen ist das Gegenstück zum Ebenenmodus Nur Abdunkeln. Hierbei werden ebenfalls die einzelnen Pixel der oberen und unteren Ebene miteinander verglichen. Das Ergebnis ist hier der größere der beiden Werte. Weiße Pixel ergeben somit auch einen weißen Bereich im Endbild. Schwarze Pixel hingegen ändern nichts am Ergebnis.


Der Ebenenmodus Nur Aufhellen

Farbton

Beim Modus Farbton wird der Farbton der oberen Ebene mit der Helligkeit und Sättigung der unteren Ebenen vermischt.


Der Ebenenmodus Farbton

Sättigung

Im Modus Sättigung wird die Sättigung der oberen Ebene mit dem Farbton und der Helligkeit der unteren Ebene vermischt und als Ergebnis wiedergegeben.


Der Ebenenmodus Sättigung

Farbe

Als Ergebnis des Ebenenmodus Farbe erhalten Sie eine Mischung aus der Luminanz (Helligkeit) der unteren Ebene und der Sättigung der oberen Ebene.


Der Ebenenmodus Farbe

Wert

Wert ist das Gegenstück zum Modus Farbe. Das Ergebnis ist eine Mischung aus der Helligkeit der oberen Ebene und der Sättigung der unteren Ebene.

Der Ebenenmodus Wert

6 Antworten auf „GIMP ausreizen – Arbeiten mit den Ebenen-Modi“

Vielen Dank für den Beitrag. Ich würde mir jedoch mehr Anwendungsbeispiele wünschen, was am Anfang des Artikels toll begann, verkommt gegen Ende zu einer bloßen Aufzählung. Oder gibt es für Aufhellen, Farbton, Sättigung und Co. kein passendes Beispiel aus der Praxis?

In diesem Artikel geht es nicht darum, was man in der Praxis mit den Ebenen-Modi machen kann.

Ziel des Beitrags ist es, die Unterschiede zwischen den einzelnen Modi darzustellen – und das geht natürlich nur, wenn man das an ein- und demselben Bild zeigt. Wie will man es sonst vergleichen?

Super interessanter Beitrag. Vielen Dank! Werde mir das mal genauer ansehen um vielleicht das ein oder andere Foto zu verbessern. Ich arbeite selbst schon länger mit Gimp, habe aber diese Möglichkeiten nie erahnt, geschweige denn genutzt. Daher bin ich bei dem Titel auch neugierig geworden! :)

Vielen Dank für diesen hochinteressanten Beitrag! Ich verwende auch schon von Anfang an die Ebenenfunktion von GIMP, allerdings immer nur auf der Basis der voreingestellten Funktion („normal“). Dank dieser Anleitung werde ich mich demnächst auch mal an die weiteren Funktionen heranwagen. Vielen Dank nochmals, und weiter so!

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