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Google tot: China leitet DNS-Anfragen nach Korea um

In China vollzieht sich der Machtübergang innerhalb der kommunistischen Partei im Rahmen eines einwöchigen Kongresses mit Tausenden von Abgeordneten. Offenbar möchte die Führung in dieser Zeit einen gewissen Netzfrieden sicher stellen, wenn nicht erzwingen. Na ja, vielleicht doch besser erzwingen, sicher ist eben sicher. Jedenfalls funktioniert in China derzeit wohl kein einziger Google-Dienst.

China und Google: seit zwei Jahren keine Freunde mehr

Seit 2010 herrscht wenig freundliche Stimmung zwischen dem Suchmaschinenriesen und dem Bevölkerungsriesen. Im März 2010 zog Google den Stecker des chinesischen Ablegers der Suchmaschine. Man hatte letztlich genug von den stetigen Angriffen und Zensuransinnen der Regierung. Zensuransinnen, die man übrigens lange akzeptiert und befolgt hatte.

China selbst kaufte weltweit Expertenwissen ein, um den Internetzugang seiner Bürger über die sog. Great Firewall maximal einschränken zu können. Die Bestrebungen waren erfolgreich, mittlerweile wird schon vom Chinanet gesprochen. Die Leistungsfähigkeit der Kontrollmechanismen hat man offenbar heute wieder gezeigt.

Bei aller Vorsicht, was Schuldzuweisungen und Diagnosen betrifft, muss doch folgendes als gesichert gelten. Sämtliche Google-Services sind aus China heraus nicht mehr aufrufbar. Das betrifft nicht nur die Suche, sondern auch etwa Google+ oder Maps, eben alle Domains und Subdomains des Unternehmens.

China schaltet Google nicht ab, sondern leitet lediglich um

Bei Aufruf einer der betroffenen Adressen erfolgt ein DNS-Redirect auf einen Server, der in Korea lokalisiert werden kann, jedoch keinerlei Websites hostet. Die Maßnahme ist so simpel wie effektiv und würde auch hier funktionieren. Mit dem Unterschied, dass in freien Staaten stets gewählt werden kann, welchen DNS-Server man befragt, so man den Eindruck gewinnt, dass der Defaultserver des Providers nicht die korrekten Ergebnisse zeigt oder zeigen möchte. Die Chinesen können nicht wählen. Der Effekt ist so 100% wirksam.

Google hat sich mittlerweile für unschuldig erklärt. Man habe geprüft, aber keinen eigenen Fehler gefunden. Das wäre auch angesichts des sog. DNS-Poisoning erstaunlich gewesen. Fraglich ist, ob es sich um eine temporäre Maßnahme handelt, die nach Beendigung des Parteitages beendet wird oder ob das Regime tatsächlich ein geschlossenes Chinanet auf Dauer anstrebt.

Für die letztgenannte Theorie spricht, dass China Ausweichern auf Yahoo! und Hotmail im Laufe des Tages eben diese Möglichkeit genommen hat. Die Regierung ist – zumindest derzeit – ziemlich entschlossen, die freie Meinungsäußerung im chinesischen Netz möglichst zu unterbinden.

Das Problem, aus Sicht der Regierung, wächst schnell. Waren vor zehn Jahren nur rund 20 Millionen Chinesen online, so sind es derzeit schon mehr als 500 Millionen.

Google ist übrigens so ganz abgeklärt auch heute noch nicht. Ein Google+ Post des deutschen Pressesprechers zum Thema vom heutigen Abend ist nicht mehr online…

Links zum Beitrag:

  • Google confirms traffic drop-off in China – The Cable
  • Chinese government blocks Google.com, Gmail, Google+, Maps, Docs, Analytics, Drive, more – The Next Web

Von Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

2 Antworten auf „Google tot: China leitet DNS-Anfragen nach Korea um“

Was will man da noch sagen … Aber Wahnsinn das die chinesiche Regierung das alles so hinbekommt. Ich frage mich was das für Leute sind die dahinter sitzen. Aber wer weiß, wenn man angefragt wird da zu arbeiten und in China lebt, am Ende sehr bescheiden, und viel Geld geboten bekommt, wie viele würden dann nicht das selbe machen?! Alles recht fragwürdig …

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