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Gründercoaching Deutschland: Beratungszuschüsse (nicht nur) für Gründer

Wer sich in der Startphase seiner Selbstständigkeit beraten lässt, ist durchweg erfolgreicher und scheitert seltener. Für Freelancer und Kleinunternehmen sind die Honorare qualifizierter Berater aber oft unerschwinglich. Die gute Nachricht: Staatliche Zuschüsse…

Wer sich in der Startphase seiner Selbstständigkeit beraten lässt, ist durchweg erfolgreicher und scheitert seltener. Für Freelancer und Kleinunternehmen sind die Honorare qualifizierter Berater aber oft unerschwinglich. Immerhin sorgen staatliche Zuschüsse dafür, dass Sie zwei bis vier Beraterstunden zum Preis von einer bekommen. Für Gründer aus der Arbeitslosigkeit ist der Eigenanteil mit 10 % sogar ganz besonders gering.

Bevor Sie als gestandener Freiberufler oder Gewerbetreibender vorschnell abwinken: Der Name des attraktiven  Förderprogramms („Gründercoaching Deutschland“) legt die Vermutung nahe, dass ausschließlich Existenzgründer den Zuschuss in Anspruch nehmen können. Das trifft jedoch nicht zu – im Gegenteil: Für Beratungen im Vorlauf von Gründungen ist diese Beihilfe ausdrücklich nicht gedacht. Die Zuschüsse sind vielmehr bereits aktiven Freiberuflern und Gewerbetreibenden während der „Start- und Festigungsphase“ vorbehalten: Eine Gründung oder Übernahme darf bei Antragstellung bereits bis zu fünf Jahre zurückliegen!

Auch der Begriff „Coaching“ ist missverständlich: Er ist sehr weit gefasst und umfasst grundsätzlich alle Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zu „wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“. Nur für klassische Rechts-, Steuer-, Versicherungs- sowie IT-Beratungen gibt es von vornherein keine Fördermittel.

Zuschussberechnung

Die gute Nachricht: Die Konditionen des bundesweiten Förderprogramms sind im Vergleich zu den meisten Vorläufern verbessert worden. Die Obergrenze des förderfähigen Beraterhonorars liegt bei insgesamt 6.000 Euro. Pro Achtstundentag darf der Berater dabei bis zu 800 Euro in Rechnung stellen. Fahrkosten, Spesen sowie der Umsatzsteueranteil der Beraterrechnung werden allerdings nicht bezuschusst.

Bitte beachten Sie: Falls Sie noch unter die Kleinunternehmerregelung fallen und deshalb die Vorsteuer nicht abziehen dürfen, ist ausnahmsweise auch der Umsatzsteueranteil förderfähig.

Die eigentliche Zuschusshöhe ist vom jeweiligen Unternehmensstandort abhängig:

  • In den neuen Bundesländern sowie der westdeutschen EU-„Phasing Out“-Region (= Regierungsbezirk Lüneburg) übernimmt der Staat 75 Prozent des Beraterhonorars – maximal also 4.500 Euro.
  • Antragsteller aus den alten Bundesländern bekommen nur einen 50-prozentigen Zuschuss zu den Beratungskosten – also höchstens 3.000 Euro.

Anders ausgedrückt: Sie bezahlen eine Beraterstunde und lassen sich dafür zwei bis vier Stunden lang coachen.

Wichtig: Die Obergrenze des Beraterhonorars darf insgesamt nicht überschritten werden: Anderenfalls ist das gesamte Coaching nicht mehr förderfähig! Hier einige Beispielrechnungen:

Beispielrechnungen nach Fördergebieten

Bitte beachten Sie: Gründer aus der Arbeitslosigkeit, die den Gründungszuschuss, Einstiegsgeld oder andere Leistungen nach dem SGB II oder SGB III erhalten, haben im ersten Jahr der Selbstständigkeit sogar Anspruch auf 90 % des Beratungshonorars. Das (Netto-)Gesamthonorar darf dabei 4.000 Euro nicht überschreiten.

Der förderfähige Berater-Tagessatz beträgt höchstens 800 Euro (maximaler Stundensatz: 100 Euro). Die Gesamtförderung liegt in diesem Fall also bei maximal 3.600 Euro. Auch hier darf die Obergrenze von 4.000 Euro nicht überschritten werden, sonst verlieren Sie den gesamten Förderanspruch!

Mithilfe des KfW-Zuschussrechners können Sie bei Bedarf ausrechnen lassen, wie hoch der Beratungszuschuss in Ihrem Fall sein wird:

KfW-Zuschussrechner
KfW-Zuschussrechner

Praxistipp: Selbstständige, die Arbeitslosengeld II (= „Hartz-IV“) oder Einstiegsgeld beziehen und sich den 10-prozentigen Eigenanteil nicht leisten können, haben die Möglichkeit, beim „Fallmanager“ der Arbeitsagentur oder der zuständigen ARGE einen Antrag auf Übernahme des Coaching-Eigenanteils zu stellen. Im günstigsten Fall wird die Beratung dann gänzlich kostenlos. Einen Rechtsanspruch auf die Kostenübernahme gibt es allerdings nicht.

Vergabebedingungen

Um Missbrauch vorzubeugen, gibt es keine völlig freie Beraterwahl: Der von Ihnen beauftragte Experte muss in der KfW-Beraterbörse gelistet sein. Mithilfe einer brauchbaren Suchfunktion durchforsten Sie die Datenbank gezielt nach den für Sie am besten geeigneten Fachleuten. Die anschließende Bewilligung der Fördermittel ist allerdings nicht ganz so einfach: Nachdem Sie den Antrag ausgefüllt haben, müssen Sie Ihren Beratungswunsch gegenüber einem KfW-Regionalpartner persönlich präsentieren.

Weite Wege sind dafür zum Glück aber auch in Flächenstaaten meist nicht nötig: Sofern das Gremium seinen Sitz nicht ohnehin in Ihrer Nähe hat, können Sie das erforderliche Einzelgespräch zum Beispiel im Rahmen lokaler „Gründertage“ führen. Ein bewilligtes Coaching muss binnen eines Jahres abgeschlossen sein. Kombinationen mit anderen Beratungsbeihilfen sind nicht zulässig.

Neu: Online-Antragstellung

Bitte beachten Sie: Seit Anfang 2010 müssen Anträge auf KfW-Gründercoaching im Internet erfasst werden: Dabei werden Schritt für Schritt die folgenden Informationen abgefragt:

  • Unternehmens-, Personen- und Kontaktdaten,
  • Begründung des Coachingbedarfs,
  • Erklärungen zur Antragsberechtigung sowie
  • Datenschutzbestimmungen.

Anschließend können Sie den vorbereiteten Antrag im PDF-Format speichern und ausdrucken. Die Antragstellung ist damit aber noch nicht erledigt: Erst wenn die Fördervoraussetzungen geprüft sind und die „Zusageempfehlung“ des zuständigen KfW-Regionalpartners vorliegt, wird der Antrag von der Förderbank bearbeitet.

Eine 34-seitige (!) Hilfe zum Online-Antrag (PDF, 1,8 MB) soll die Antragstellung erleichtern. Welche formalen und inhaltlichen Stolpersteine Sie beachten müssen, um Ihre Beratungsförderung nicht zu gefährden, erfahren Sie in der Anleitung jedoch nicht. Am besten lassen Sie sich daher von vornherein vom Berater Ihres Vertrauens bei der Antragstellung unterstützen. Die von der KfW zugelassenen Gründer-Coaches in Ihrer Umgebung finden Sie in der KfW-Beraterbörse.

Zuschusszahlung

Nachdem das Coaching bewilligt und durchgeführt worden ist, wird wie folgt abgerechnet:

  • Ihr Berater schreibt einen abschließenden Coaching-Bericht,
  • schickt Ihnen die Gesamtrechnung,
  • Sie zahlen Ihren Eigenanteil und
  • der Berater schickt diese Nachweise an die regionale Vergabestelle.

Von dort bekommt er dann den Rest seines Honorars. Sie müssen den Zuschuss also nicht etwa vorfinanzieren. Ihr Risiko ist dadurch gleich Null.

Fazit

Unternehmensberater und Business-Coachs sind besser als ihr Ruf: Vor allem zu Beginn der Selbstständigkeit und bei wichtigen Weichenstellungen zahlt sich Profi-Unterstützung erfahrungsgemäß aus. Die dafür bereitgestellten staatlichen Fördermittel sollten Sie daher trotz aller bürokratischen Antragshürden nicht links liegen lassen: Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist höher als das auf den ersten Blick den Anschein hat.

Sofern Sie sich einen erfahrenen Berater aussuchen, wird der Ihnen nicht nur beim Ausfüllen des Antrags unter die Arme greifen, sondern Sie schon auch aus eigenem Interesse gründlich auf das Gespräch vorbereiten. Schließlich ist ein zusätzliches Auftragsvolumen von bis zu 6.000 Euro auch aus seiner Sicht ja nicht zu verachten.

Links zum Artikel:

Update 06.08.2010
Erstveröffentlichung 20.11.2007

Von Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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