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Beratungsförderung: Guter Rat muss nicht teuer sein

Die staatliche Beratungsförderung für Freelancer und Kleinunternehmen ist komplett umstrukturiert und bundesweit vereinheitlicht worden. Beratungen vor der Gründung sind vielfach ganz kostenlos. Bei Beratungen und Coachings in der Startphase müssen Gründer oft nur einen Eigenanteil von 10 Prozent tragen. Und selbst der kann unter bestimmten Umständen erstattet werden. Wir stellen die wichtigsten Förderprogramme und die dazugehörigen Anspruchsvoraussetzungen vor.

Die staatliche Beratungsförderung für Freelancer und Kleinunternehmen ist komplett umstrukturiert und bundesweit vereinheitlicht worden. Beratungen vor der Gründung sind vielfach ganz kostenlos. Bei Beratungen und Coachings in der Startphase müssen Gründer oft nur einen Eigenanteil von 10 Prozent tragen. Und selbst der kann unter bestimmten Umständen erstattet werden. Wir stellen die wichtigsten Förderprogramme und die dazugehörigen Anspruchsvoraussetzungen vor.

Beratung lohnt sich – und zwar, entgegen anderslautenden Vorurteilen, nicht nur für Berater und Coaches. Die sind durchweg besser als ihr Ruf: Existenzgründer, die sich mit Unterstützung von Experten selbstständig machen, scheitern seltener und sind insgesamt erfolgreicher als Selbstständige, die auf sich allein gestellt sind. Vor allem im Vorlauf einer Gründung sowie im oft schwierigen ersten Jahr zahlt sich externer Rat aus. Das ist auch den staatlichen Wirtschaftsförderern nicht entgangen: So sind die Beratungsförderungen im vergangenen Jahr bundesweit vereinheitlicht und zugleich attraktiver gemacht worden.

Start aus der Arbeitslosigkeit
Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig macht, kann nicht nur Zuschüsse zum Lebensunterhalt bekommen (Gründungszuschuss für ALG-I-Empfänger oder Einstiegsgeld für ALG-II-Empfänger): Die Bewilligung dieser Leistungen machen viele Arbeitsagenturen von der Teilnahme an speziellen Qualifizierungsmaßnahmen für Selbstständige abhängig. Während solcher Gründerseminare oder Gründerwerkstätten werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den rechtlichen, steuerlichen und kaufmännischen Grundlagen des Geschäftslebens vertraut gemacht. Darüber hinaus gibt es gezielte Unterstützung bei der Informationsbeschaffung, bei der Erstellung eines marktfähigen Geschäftsplans und bei den ersten Umsetzungsschritten.

Die individuellen Beratungsleistungen im Rahmen der Qualifizierungsangebote sind grundsätzlich kostenlos. Wenn Sie die Auflage bekommen, an einem Gründungsseminar teilzunehmen, sollten Sie das nicht als staatliche Gängelung betrachten: Nutzen Sie die Angebote lieber intensiv. Die Seminarleiter, Berater und Coaches haben sich in den letzten Jahren wesentlich besser auf die Interessen und Bedürfnisse von kaufmännisch wenig erfahrenen Freelancern und Kleinunternehmern eingestellt.

Weitere Beratungen in der Vorgründungsphase
Nicht nur Arbeitslose machen sich selbstständig: Auch wenn Sie keine Ansprüche auf Leistungen der Bundesagentur für Arbeit haben, können Sie Zuschüsse zu den Beratungskosten bekommen, die Ihnen in Vorbereitung einer Gründung entstehen.

Bitte beachten Sie: Bei diesen und alle folgenden Förderprogrammen gilt der Grundsatz „Antrag vor Leistung“: Bevor Sie Beratungsleistungen in Anspruch nehmen, müssen Sie den Zuschuss beantragt haben. Falls Sie sich schon für einen bestimmten Berater entschieden haben, lassen Sie sich am besten bei der Antragstellung unterstützen. Wenn Sie unterschiedliche Zuschüsse in Anspruch nehmen wollen, sollten Sie bei der Gelegenheit auch gleich klären, ob die Förderprogramme miteinander vereinbar sind oder sich gegenseitig ausschließen.

Wie hoch die Zuschüsse im Vorlauf einer Gründung sind, hängt vom Standort ab: Denn für die Beratungsförderung in der Vorgründungsphase sind inzwischen die Bundesländer zuständig. Die Zuschüsse betragen durchweg 50 bis 80 Prozent des förderfähigen Beraterhonorars. Die Anzahl der Beratertage ist dabei ebenso begrenzt wie der Honorarsatz. So bekommen Gründer in NRW zum Beispiel 50 Prozent von maximal 3.200 Euro, in Baden-Württemberg rund 80 Prozent von 3.700 Euro, in Bayern 70 Prozent von 8.000 Euro.

Und so finden Sie das passende Programm:

  • Eine erste Orientierung über die Beratungs-Förderprogramme der Länder für Existenzgründer bietet die Übersicht des BMWi-Gründerportals.
  • Sie können aber auch gleich die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums aufrufen: Dort grenzen Sie das Fördergebiet auf Ihr Bundesland ein, geben als FörderberechtigteExistenzgründer/in„, als Förderbereich Existenzgründung & -festigung und als Förderart Zuschuss vor und klicken anschließend auf Finden: Auf diese Weise grenzen Sie die insgesamt weit über 1.000 Förderprogramme im Handumdrehen auf die für Sie interessanten ein.
  • Fragen Sie bei der Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer oder bei Ihrem Berufs- oder Branchenverband nach Beratungszuschüssen für Gründer. Auch der örtliche Wirtschaftsförderer ist eine gute Anlaufstelle: Mancherorts gibt es eigene kommunale Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.

Gründercoaching Deutschland: Beratungen im ersten Jahr der Selbstständigkeit
Beratungen im ersten Jahr der Selbstständigkeit werden neuerdings bundesweit aus Mitteln der KfW Mittelstandsbank und des Europäischen Sozialfonds (ESF) bezuschusst. Das Förderprogramm läuft unter der Bezeichnung Gründercoaching Deutschland.

Bitte beachten Sie: Fachliche Beratung und persönliches Coaching sind normalerweise ganz verschiedene Dienstleistungen: Beratungen beinhalten sowohl die Analyse des betrieblichen Ist-Zustandes und die Unterstützung bei der Zielformulierung als auch ganz konkrete Lösungs- und Umsetzungsvorschläge des Experten. Coaches hingegen leisten hauptsächlich „Hilfe zur Selbsthilfe“ bei der Entfaltung der persönlichen Fähigkeiten des Klienten. Bei der Gründungsförderung spielt dieser Unterschied keine Rolle: Die meisten Förderprogramme verwenden die Begriffe synonym. Wichtig ist nur, dass die Unterstützung auf den Einzelfall zugeschnitten ist.

Besonders günstig ist das Gründercoaching Deutschland für Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit. Die wichtigsten Konditionen im Überblick:

  • Der Antragsteller hat vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit Arbeitslosengeld I oder II bezogen bzw. an einer Weiterbildungs- oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahme teilgenommen.
  • Die Förderung wird innerhalb des ersten Jahres nach der Gründung beantragt. Die Beratung beginnt erst nach Bewilligung der Fördermittel.
  • Die Beratung dient der „wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen […] Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.“ Rechts-, Steuer-, IT- und Versicherungsberatungen sind nicht förderfähig.
  • Das Tageshonorar des Beraters beträgt nicht mehr als 800 Euro (netto).
  • Das Gesamthonorar beträgt nicht mehr als 4.000 Euro.
  • Der Umsatzsteueranteil ist nicht förderfähig – es sei denn, der Antragsteller ist Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes.

Unterm Strich erreicht der Zuschuss damit maximal 3.600 Euro (90 Prozent von 4.000 Euro). Bitte beachten Sie, dass bei Überschreiten der Bemessungsgrenze die Förderung ausgeschlossen ist! Der Beratungsumfang muss also von vornherein so zugeschnitten sein, dass ein wirksames Coaching mit insgesamt 4.000 Euro realisierbar ist.

Tipp: Empfänger von Arbeitslosengeld II (= Hartz-IV) können bei der Arbeitsagentur, dem Sozialamt oder der örtlichen ARGE einen Antrag auf Übernahme des Eigenanteils beantragen: Voraussetzung ist, dass der Fallmanager das Gründercoaching als notwendig und sinnvoll einschätzt.

Und gleich noch ein Tipp hinterher: Ganz gleich, ob Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld: Bitten Sie bei der Antragstellung gleich um eine beglaubigte Kopie des Bewilligungsbescheids. Auf diese Weise sparen Sie Geld und Zeit, wenn Sie später den Zuschuss zum Gründercoaching beantragen: Dafür brauchen Sie die unbedingt eine beglaubigte Kopie des Bewilligungsbescheids.

Gründercoaching Deutschland für alle
Auch wer sich nicht aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig macht, kann das Gründercoaching Deutschland in Anspruch nehmen. Die Fördervoraussetzungen sind weitgehend identisch – sowohl die Bemessungsgrenze als auch der Eigenanteil sind jedoch höher als bei Arbeitslosen:

  • Im ersten Jahr nach der Gründung sind Beratungshonorare von bis zu 6.000 Euro (netto) förderfähig.
  • Antragsteller in den neuen Bundesländern (außer Berlin) und im Regierungsbezirk Lüneburg bekommen einen Zuschuss von 75 Prozent.
  • Antragsteller in den alten Bundesländern sowie Berlin bekommen einen Zuschuss von 50 Prozent.

Der Zuschussrechner der KfW-Mittelstandsbank hilft Ihnen dabei, die Zuschusshöhe per Mausklick zu ermitteln:

Gründercoaching Deutschland: Antragstellung und Abrechnung
Beantragt wird die Beratungsförderung beim Regionalpartner der KfW für Ihre Region. Je nach Bundesland ist das die IHK oder Handwerkskammer vor Ort, eine Förderbank oder auch eine spezielle Fördergesellschaft. Welche Stelle für Sie zuständig ist, ermitteln Sie mithilfe der KfW-Regionalpartnersuche.

Der zuständige Regionalpartner stellt die Antragsvordrucke zur Verfügung und nimmt sie ausgefüllt und zusammen mit den erforderlichen Unterlagen auch wieder entgegen. In manchen Fällen muss der Antragsteller seinen Beratungsbedarf zudem persönlich vorstellen. Voraussetzung für die Förderung ist in jedem Fall die positive Coaching-Empfehlung des KfW-Regionalpartners. Ihren Coach suchen Sie unter den insgesamt mehr als 15.000 bei der KfW akkreditierten Beratern aus. Falls Sie noch keinen Gründungs- oder Unternehmensberater haben, finden Sie bei der Suchmaschine der KfW-Beraterbörse einen Experten in Ihrer Umgebung.

Die Abrechnung ist vergleichsweise bürokratisch – geht zum Glück aber zulasten des Beraters: Der bekommt den Zuschussanteil erst nach Abschluss des Gründercoachings, sobald die Gesamtrechnung, der ausführliche Coachingbericht und der Nachweis der Eigenbeteiligung beim KfW-Regionalpartner eingereicht und dort abgesegnet worden sind.

BAFA-Zuschüsse: Noch mehr Beratungsförderung
Gute Nachricht für alte Hasen: Auch nach Ablauf des ersten Jahres können Beratungsförderungen in Anspruch genommen werden. Die Zuschüsse stammen aus Mitteln des Bundes und des ESF und werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
vergeben. Gefördert werden zum Beispiel …

  • allgemeine Beratungen rund um wirtschaftliche, technische, finanzielle, personelle und organisatorische Aspekte der Unternehmensführung,
  • spezielle Beratungen zu Technologie und Innovationen, Qualitätsmanagement, Im- und Export, Umweltschutz, Arbeitsschutz, Kooperationen und Mitarbeiterbeteiligung sowie
  • spezielle Beratungen für Unternehmerinnen, für Unternehmer mit Migrationshintergrund sowie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Antragsberechtigt sind Freiberufler sowie kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, die seit mindestens einem Jahr am Markt sind. Der Höchstzuschuss beträgt in den neuen Bundesländern und im Regierungsbezirk Lüneburg 75 Prozent von maximal 3.000 Euro, in den alten Bundesländern 50 Prozent von maximal 3.000 Euro. Unternehmen können sowohl allgemeine als auch spezielle Beratungen in Anspruch nehmen. Dadurch liegt der maximale Gesamtzuschuss bei insgesamt 4.500 Euro. Für Umweltschutz- und Arbeitsschutzberatungen, Beratungen von Unternehmerinnen oder Migranten sowie Beratungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelten besondere Bestimmungen.

Einzelheiten entnehmen Sie der Förderprogramm-Übersicht auf dem Gründerportal des Bundeswirtschaftsministeriums. Dort finden Sie auch Links zu den Antragsformularen. Die Anträge müssen bei den vom BAFA benannten Leitstellen (PDF, 158 KB) beantragt werden.

Bitte beachten Sie: Das BAFA-Antragsverfahren ist ausgesprochen kompliziert. Am besten klären Sie mit einem Berater Ihrer Wahl, ob sich der Aufwand in Ihrem Fall lohnt. Wenn ja, wird er Sie bei der Antragstellung unterstützen.

Fazit
Das wichtigste Beratungsanliegen vieler Gründer aus der Arbeitslosigkeit ist die Erstellung eines Businessplans, auf dessen Grundlage die fachkundige Stelle anstandslos die Tragfähigkeit des Vorhabens attestiert. Hintergrund: Das Tragfähigkeitsgutachten ist Voraussetzung für die Bewilligung des Gründungszuschusses.

So nachvollziehbar und verständlich das kurzfristige Interesse sein mag: Geben Sie sich damit auf keinen Fall zufrieden. Beratungs- und Gründungszuschüsse sind kein Selbstzweck: Es kommt vielmehr darauf an, die Voraussetzungen für das dauerhafte Überleben am Markt zu schaffen, um so zumindest den Lebensunterhalt des Gründers und seiner Angehörigen zu sichern. Kompetente Berater helfen dabei, indem sie die Selbstständigen zum Beispiel bei der Marktforschung und der Kundengewinnung, bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs und dessen Finanzierung oder auch beim Controlling und bei der Mitarbeiterführung unterstützen. Nutzen Sie das staatliche Beratungs-Sponsoring: Es lohnt sich!

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Von Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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