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Gastautor 4. September 2003

Im Auge des Betrachters

Kein Beitragsbild

von Anneke Wolf

Die Wahrnehmung unserer Umwelt unterliegt bestimmten Prinzipien. Wer diese kennt, kann dem Besucher den Zugang zu seiner Website erheblich erleichtern.

1. Form und Grund

Ein erstes Prinzip menschlicher Wahrnehmung besteht darin, dass der jeweils wahrgenommene Ausschnitt einer Umwelt in einzelne Objekte und einen Hintergrund unterteilt wird. Man kann diesem Prinzip beim Erstellen von Webseiten entgegen kommen, indem man Objekt und Hintergrund durch Kontraste deutlich voneinander trennt. Möglich ist zum Beispiel der Einsatz von Farben.

Während sich in der oberen Grafik das Objekt deutlich vom Hintergrund abhebt, weist die untere Grafik einen Mangel an Farb- und Helligkeitskontrast auf.

Nachdem nun Form und Grund voneinander getrennt sind, stellt sich die Frage, wie sich mehrere wahrgenommene Objekte zueinander verhalten. Dieser Frage widmen sich die nun folgenden Prinzipien.

2. Das Prinzip der Nähe

Dinge, die nah beieinander liegen, werden als zusammengehörig wahrgenommen. So macht es in der Praxis Sinn, Inhaltliches auch optisch zu gruppieren. Man tut dies, indem man Gleiches zusammensetzt und Ungleiches trennt. Am besten lässt sich dies anhand von Linklisten verdeutlichen.

Die eingefügte Leerzeile trennt den Bereich Kultur vom Bereich Sport und ermöglicht somit ein schnelles Erfassen der beiden Themenbereiche.

3. Das Prinzip der Ähnlichkeit

Ebenfalls als zusammengehörig werden Dinge wahrgenommen, die einander ähneln. Dies kann sich sowohl auf die Farbgebung als auch auf die Form beziehen. So könnte obige Linkliste auch so unterteilt werden:

Die Ähnlichkeit der Farben ermöglicht hier die Zuordnung zu den unterschiedlichen Rubriken.

4. Das Prinzip der Geschlossenheit

Optische Gruppierungen lassen sich auch erzielen, indem man Objekte mit einem geschlossenen Umriss oder einer Umrahmung versieht. So sind die Grafiken in diesem Artikel mit einer dünnen, schwarzen Linie umrandet. Sie bildet einen geschlossenen Bereich, der sich vom textlichen Inhalt des Artikels abhebt. Optische Trennungen hingegen werden durch den Einsatz offener Trennlinien erzielt. Die einzelnen Postings in der Dr. Web-Community beispielsweise werden durch schwarze Balken getrennt.

5. Das Prinzip der guten Fortsetzung

Nicht zuletzt lassen sich Objekte gruppieren, indem man ihnen einen fortlaufenden Charakter verleiht. Dies geschieht durch Anordnung auf vertikalen oder horizontalen Linien oder auch auf Kurven. Ein gut sichtbares Beispiel hierfür findet sich in den weiterführenden Links am Ende dieses Artikels. Die einzelnen Wörter (Objekte) werden nicht nur durch ihre sinngemäße Abfolge, sondern auch durch die Unterstreichung (horizontale Linie) zu einer Einheit verbunden.

Wichtig hierbei ist, dass die Linien nicht – wie im obigen Beispiel – tatsächlich sichtbar sein müssen. Es reicht, die Elemente auf einer gedachten Linie oder Kurve anzuordnen.

Neben diesen „Gruppierungsgesetzen“ gibt es noch zwei weitere Gesetze, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen.

6. Das Prinzip der Prägnanz oder der guten Gestalt

Dieses Prinzip besagt, dass einfache, symetrische Formen besser wahrgenommen und erinnert werden können als komplizierte Gebilde. Dies kommt vor allem bei der Erstellung von Logos zum Tragen, da diese sich schnell einprägen und möglichst lange im Gedächtnis gespeichert werden sollen.

7. Erkennen und Einordnen

Neben den optischen Eigenschaften eines Objekts spielt auch dessen Einordnung in einen sinngemäßen Zusammenhang bei der Wahrnehmung eine Rolle. Hierbei ist die Erfahrung des Betrachters und seine Erwartungshaltung ausschlaggebend.

Ein Beispiel: Fügt man die Abbildung eines Automobils in eine Straßenabbildung ein, so kann dies vom Betrachter schnell wahrgenommen und eingeordnet werden. Das Objekt befindet sich in seinem „natürlichen“ Zusammenhang. Ebenso wäre es aber auch möglich, das Automobil „sinnentfremdet“ auf einer Sofaecke zu platzieren. Solche Brüche können im Einzelfall als zusätzliche Anregung eingesetzt werden, hemmen aber zunächst die Einordnungskompetenz des Betrachters.

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