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Vom Bloggen leben: Tipps von Nischenseiten-Betreiber Daniel Beuing aka Danosch (Interview)

Die Interview-Serie „Vom Bloggen leben“ stellt erfolgreiche Blogger und deren Geschäftsmodelle vor. Sie beschäftigt sich zudem mit der Frage, wieviel diese Blogger verdienen und wie sie es dorthin geschafft haben. Im heutigen Teil heißt der Interviewpartner Daniel Beuing (aka Danosch). Er betreibt das Blog „Eine Million verdienen“, worin er sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, diese Summe mit 6 Nullen nur mit Internetprojekten einzuspielen. Im Geschäftsmodell des engagierten Wirtschaftsstudenten steht allerdings nicht das Blog im Zentrum, sondern es dient vor allem der Dokumentation seiner Erfolge und der Informationsbereitstellung für interessierte Leser. Die Haupteinnahmen erzielt er mit vielen kleinen Projekten. Sein Geschäftsmodell unterscheidet sich daher stark von denen unserer bisherigen Interviewpartner.

Screenshot: www.eine-million-verdienen.de, Stand: 2.10.14)
Screenshot: www.eine-million-verdienen.de (Stand: 2.10.14)

Wie viel verdienst du mit deinem/n Blog/s bzw. mit deinen Nischenseiten?

Also, ich sehe das Geschäft bisher noch als Studentenjob. Das heißt, dass die aktuell gut 1000 Euro im Monat sicherlich ein guter Verdienst sind. Natürlich möchte ich in Zukunft meine Seiten und andere Projekte weiter ausbauen, um langfristig wirklich davon leben zu können.

Was sind deine wichtigsten Einnahmequellen? (Affiliate-Werbung, eigene Info-Produkte, Gastbeiträge etc.)

Meine nahezu einzige Einnahmequelle, abgesehen von einigen Adsense-Bannern, ist das Affiliate Marketing. Um mit Gastbeiträgen Geld auf meinem Blog oder meinen Nischenseiten zu verdienen, sind die Zielgruppen meist zu eng abgesteckt oder die Besucherzahlen einfach zu niedrig. Ich lasse mich da natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber die vorrangigen Einnahmen erhalte ich durch die Vermittlung von Produkten.

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Bloggen bzw. Nischenseiten zu deinem Beruf zu machen?

Ich habe anfangs nur Nischenseiten gestartet und mit dem eigentlichen Bloggen rund um das Thema „Online-Marketing“ erst später begonnen. Meine Anfänge waren dabei dermaßen unerfolgreich, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr mit dem Thema Marketing beschäftigt habe, bis ich dann eines Tages doch die ersten Einnahmen erzielen konnte. Natürlich sind 1000 Euro im Monat nicht sonderlich spektakulär. Bedenkt man allerdings, dass ich in weniger als einem halben Jahr auf diese Summe gekommen bin, versteht man sicherlich, was das Thema Internet-Marketing so spannend macht.

Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du vom Bloggen bzw. Nischenseiten leben konntest? Was waren deiner Meinung nach die ausschlaggebenden Gründe dafür?

Also, wenn ich von der Firmengründung ausgehe, dann hat es fast 2 Jahre gedauert. In dieser Zeit habe ich allerdings so viel gelernt, dass ich ab einem gewissen Zeitpunkt einen spürbaren Anstieg meiner Einnahmen verzeichnen konnte. Meine Anfänge waren – wie gesagt – so dilettantisch, dass ich den eigentlich Beginn meiner Tätigkeit meistens auf das Ende des Jahres 2013 datiere. Meine Projekte waren und sind zu 90% abhängig von Suchmaschinen und wenn man nicht die entsprechende Geduld mitbringt und gewisse Faktoren überoptimiert, kann es durchaus sein, dass man langfristig keinen einzigen Besucher auf seine Seiten lockt. Allerdings habe ich ständig an meinen Projekten gearbeitet und immer mehr dazu gelernt und neue Sachen ausprobiert. Ich gebe immer gerne zu, dass meistens nur 20 oder 30 Prozent der gestarteten Projekte rentabel werden, daher war bei mir der ausschlaggebende Grund vermutlich auch etwas Glück und vor allem Durchhaltevermögen.

Wie viele Besucher brauchtest du, um vom Bloggen leben zu können? Gibt es eine Kennzahl, die du als Minimum ansehen würdest?

Diese Frage kann ich leider nicht konkret beantworten. Das kommt im Endeffekt immer auf die eigene Präsentation und die beworbenen Produkte an. Wenn ich nur Handyhüllen bewerbe, brauche ich sicherlich mehr kaufwillige Besucher, als wenn ich mich auf Kredite konzentriere.

Screenshot des Nischenseitenprojekts www.32zollfernsehertest.de, Stand: 2.10.14)
Screenshot des Nischenseitenprojekts www.32zollfernsehertest.de (Stand: 2.10.14)

Gab es einen Punkt, an dem du alles hinschmeißen wolltest? Warum und wie bist du darüber hinweg gekommen?

Nachdem mein erstens Projekt gescheitert ist, habe ich mich eigentlich nicht mehr so recht mit dem Thema beschäftigt und eher halbherzig ein zweites Projekt aufgebaut. Dann habe ich mehr oder weniger aus Versehen meine Zahlen bei Amazon geprüft und festgestellt, dass sich da doch etwas tut. Ab dem Zeitpunkt war ich wieder Feuer und Flamme und habe ständig neue Seiten aus dem Boden gestampft.

Geld im Internet zu verdienen wird fälschlicherweise oft mit dem Traum von wenig Arbeit mit viel Ertrag gleichgesetzt. Wie sieht deine Realität aus? Wieviele Arbeitsstunden investierst du pro Woche in dein/e Blog/s und Nischenseiten?

Das kommt immer ganz darauf an (super Antwort, ich weiß). Ich arbeite aber tatsächlich maximal 20 Stunden pro Woche an meinem Blog und meinen Seiten, wobei ich die meiste Zeit eigentlich für meinen Blog aufwende. Die Nischenseiten laufen meist ganz von alleine. Erst kürzlich war ich für einige Zeit im Urlaub und konnte danach feststellen, dass abgesehen von meinem Blog, der vor allem auf regelmäßige Artikel angewiesen ist, sonst alles beim Alten geblieben ist und die Seiten auch wunderbar ohne meine Kontrolle funktioniert haben.

Wie planst du die Entwicklung deines/er Blog/s und Nischenseiten? Schreibst du spontan darauf los oder planst du in Wochen/Monaten/Jahren?

Die Nischenseiten skizziere ich meist vorher grob auf einem Din A4 Blatt. Dann mache ich mir Notizen zu möglichen Themen, suche mir entsprechende Keywords mit guten Suchvolumina heraus und schreibe meine Artikel. Man könnte also sagen, dass dies meist recht spontane Aktionen sind.

Wie stellst du sicher, dass dir nie die Themen ausgehen und woher weißt du, dass Sie dein Publikum auch interessieren?

Neue Themen braucht man in der Regel ja eher bei blogbasierenden Internetseiten. Meine Nischenseiten sehen zwar aus wie Blogs, sind aber eigentlich statische Seiten, an denen ich eher selten arbeite. Ich klopfe vorher meist grob die Themenfelder ab und notiere mir möglichen Unterthemen und arbeite diese dann in der Regel in recht kurzer Zeit ab. Wenn dann etwas Neues in diesem Bereich passiert, beispielsweise ein neues Gerät in dieser Sparte auf den Markt kommt, widme ich mich diesem Thema dann meist in einem Artikel.

Gibt es deiner Meinung nach Kriterien, die ein Blogthema bzw. Nischenseitenthema unbedingt erfüllen sollte, um Geld zu verdienen oder kann man mit jedem Thema als Blogger bzw. mit einer Nischenseite genug Geld zum Leben verdienen? (gemeint sind Suchvolumen, Branche etc.)

Wenn man mit einem Blog Geld verdienen möchte, dann sollte man in der Regel schon vorher prüfen, ob sich mit diesem Thema Geld verdienen lässt und dabei vielleicht einfach mal im Bekanntenkreis fragen, ob der oder diejenige entsprechende Sachen im Internet bestellen würde. Generell kann man sicherlich mit 99% aller Themen auch irgendwie Geld verdienen.

Kann und/oder sollte man ein erfolgreiches Blog bzw. eine Nischenseite am Reisbrett entwerfen? Wenn ja, was ist entscheidend?

Es ist sicherlich von Vorteil, wenn man einen groben Überblick hat und einige Themen und Features der Seite im Voraus plant. Wenn einem zu einer Nische partout nichts einfallen will, sollte man aber eventuell die Finger davon lassen.

Welche Vorkenntnisse braucht deiner Meinung nach ein erfolgreicher Blogger bzw. Nischenseitenbetreiber?

Im Prinzip keine. Das ist ja das Schöne an der Sache. Ich hatte anfangs auch keine Ahnung davon und habe mir mehr oder weniger alles selber beigebracht und angelesen. Wenn man in einer Nische unterwegs ist, interessiert man sich ja in der Regel auch für das entsprechende Thema und wenn man dann noch einigermaßen gut recherchiert, wird man meist automatisch zu einem Experten auf dem Gebiet. So ging es mir jedenfalls bisher.

Wenn du eine Anleitung für einen Nischenblog bzw. eine Nischenseite zum Geldverdienen schreiben müsstest, welche drei Punkte würden darin in jedem Fall enthalten sein?

Das hört sich ja fast nach der berühmten Frage nach der Lizenz zum Gelddrucken an. Ich denke, dass kann man so konkret nicht beantworten. Jedenfalls fällt mir spontan keine schlüssige Antwort darauf ein. Man sollte sich vielleicht fragen, ob es für die eigene Idee einen Markt gibt und ob man sich damit beschäftigen möchte.

Könntest du jederzeit wieder ein neues Blog bzw. eine neue Nischenseite aufsetzen von dem/r du leben könntest? Wenn ja, was unterscheidet deine Herangehensweise von den vielen Tausend, die scheitern?

Aufsetzen: ja. Davon leben? Keine Ahnung. Also sagen wir es mal so: ich habe definitiv mehr Ideen, als ich Zeit habe. Ich würde mich jetzt auch nicht als so erfolgreich betrachten, dass ich mich hier weit aus dem Fenster lehnen möchte, aber ich bin auch dutzende Male gescheitert. Glücklicherweise kostet eine Internetseite, abgesehen von der Zeit, vielleicht 10 Euro im Jahr. Wenn die Idee nicht funktioniert, sollte man einfach etwas Neues probieren. So mache ich das jedenfalls.

Screenshot des Nischenseitenprojekts www.akku-unterwegs-aufladen.de (Stand: 2.10.14)
Screenshot des Nischenseitenprojekts www.akku-unterwegs-aufladen.de (Stand: 2.10.14)

Welche Tools sind deiner Meinung nach absolute „Must haves“, um mit Websites Geld zu verdienen? Und warum sind diese so wichtig?

Kein einziges. Es gibt zwar einige Tools, die ich häufig und regelmäßig nutze, dabei geht es aber vor allem um die Erleichterung häufiger Arbeitsschritte. So nutze ich beispielsweise fast täglich Market Samurai, aber fast alle Informationen aus dem Tool bekommt man rein theoretisch auch umsonst. Nur dauert dann ein einfacher Arbeitsschritt vielleicht zehn mal so lange.

Gibt es auch Tools, die du für absolut überschätzt hältst? Wenn ja, warum?

Dazu fallen mir eigentlich nur dubiose E-Mail- und Videokurse mit 3- und 4-stelligen Preisen ein. Wenn man nichts weiß, kann man da sicherlich einiges lernen, aber mich haben die Preise bisher immer abgeschreckt.

Was unterscheidet – abgesehen von den Einnahmen – einen Profi-Blogger bzw. Nischenseiten-Starter von einem Hobby-Blogger bzw. Hobby-Seitenbetreiber? Anders gefragt: Welche Eigenschaften braucht man als Profi?

Streng genommen würde ich mich zwar nicht als Profi bezeichnen, aber man sollte sicherlich einen langfristigen Plan, einige redaktionelle und journalistische Grundregeln beachten und vor allem entsprechende Motivation mitbringen.

Gibt es sonst noch etwas, dass du unseren LeserInnen zum Thema mitteilen willst?

Wenn man ernsthaft versuchen möchte, sich langfristig ein passives Einkommen im Internet aufzubauen, sollte man sich nicht von kleinen Rückschlägen unterkriegen lassen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Daher immer schön weiter machen.

Über Danosch aka Daniel Beuing

Daniel Beuing ist ein 24-jähriger Wirtschaftsstudent aus Herne. Als Studierender, der sich früher mit klassischen Nebenjobs sein Studium finanzierte, stieß er schnell an die Grenzen und Möglichkeiten. Geregelte Arbeitszeiten und der klassische Tausch von Zeit gegen Geld machten diese Arbeitsweise unflexibel. Flexibilität erleichtert das Studieren allerdings.

Als er von Nischenseiten und der Möglichkeit von passiven Einkommen im Internet erfuhr, startete er mit einem Freund eine solche Firma. Mittlerweile nimmt Danosch damit mehr als 1.200 Euro pro Monat (Quelle: Einkommensreports auf www.eine-million-verdienen.de, Stand: August 2014) ein. Sein Geschäftsmodell basiert nicht wie bei den anderen vorgestellten Bloggern dieser Interview-Serie hauptsächlich auf einem Blog und ein paar Nebenprojekten, sondern es steht auf vielen kleinen Projekten (sogenannten Nischenseiten), die das Haupteinkommen darstellen, und sein Blog www.eine-million-verdienen.de widmet sich seinen Erfahrungen bei diesen Projekten und dient als Dokumentation seines engagierten Vorhabens. Das Blog steuert allerdings nur einen geringen Teil des Einkommens bei.

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(dpe)

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Vom Bloggen leben: Tipps von Profi-Blogger Sebastian Canaves (Interview)

Willkommen zum zweiten Interview unserer neuen Serie. Unser heutiger Interviewpartner ist Sebastian Canaves von Off the Path, einem erfolgreichen zweisprachigen Reiseblog. Wir stellten ihm Fragen zum Blogaufbau, zur Strategie und natürlich zu den Einnahmen. Zudem gibt Sebastian Aufschluss darüber wie hart und/oder schön es ist, als Blogger seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dabei spricht er über Höhen und Tiefen und wie er sich immer wieder mit seiner Vision „Vom Bloggen leben“ motiviert.

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Screenshot: Off the Path (24.09.2014)

Wie viel verdienst du mit deinem/n Blog/s?

Wenn man alle Einnahmequellen, die durch Off The Path zustande kommen, zusammennimmt, verdiene ich monatlich im unteren fünfstelligen Bereich. Das mag viel klingen, ist aber auch mit sehr viel Arbeit verbunden.

Was sind deine wichtigsten Einnahmequellen?

Meine Einnahmen basieren auf vier Säulen: Affiliate-Marketing, Anzeigenschaltung, Sponsoring und Beratung. Letzteres ist ein sehr dankbarer Job, denn als Berater kann ich meine eigenen Learnings und Erfahrungen weitergeben. So macht Geldverdienen Spaß.

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Bloggen zu deinem Beruf zu machen?

Ich habe damals als Marketing-Berater in einer Agentur in Bangkok gearbeitet. Als ich dann das Angebot bekam, als Partner in die Agentur einzusteigen, habe ich gemerkt, dass das nicht mein Lebenstraum ist. Ich habe zu der Zeit schon nebenbei ein Hobby-Blog betrieben und gemerkt, dass ich darin mehr Erfüllung finde, als in der Corporate-Welt. Also beschloss ich, meinen Job zu kündigen und ins kalte Wasser zu springen. Ich zog nach Berlin und startete Off The Path mit gerade einmal 5.000 Euro Startkapital, von denen ich auch meine Lebenshaltungskosten bezahlen musste. Ich habe einfach darauf vertraut, dass es funktionieren würde.

Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du vom Bloggen leben konntest? Was waren deiner Meinung nach die ausschlaggebenden Gründe dafür?

Das hat zirka eineinhalb Jahre gedauert. Neben viel Disziplin, harter Arbeit und meinem guten Netzwerk sehe ich den Erfolg von Off The Path vor allem in der klaren Positionierung. Das war mir von Anfang an sehr wichtig. So konnte ich ganz gezieltes Marketing und SEO betreiben, um Reichweite aufzubauen.

Wie viele Besucher brauchtest du, um vom Bloggen leben zu können? Gibt es eine Kennzahl, die du als Minimum ansehen würdest?

Ich würde sagen, dass 20.000 Unique-Visitors die magische Grenze waren, ab der ich anfing, ernsthaft Geld mit Off The Path zu verdienen.

Gab es einen Punkt, an dem du alles hinschmeißen wolltest? Warum und wie bist du darüber hinweg gekommen?

Über diesen Punkt werde ich wohl nie hinweg kommen. Er kommt immer wieder. Meistens, wenn mir alles zu viel wird. Ich habe gelernt, dann einfach einen Gang zurückzuschalten und mich auf meine Vision zu besinnen. Das hilft enorm! Und dann gibt es da ja noch meine Leser, die mich immer wieder motivieren weiterzumachen.

Geld im Internet zu verdienen wird fälschlicherweise oft mit dem Traum von wenig Arbeit mit viel Ertrag gleichgesetzt. Wie sieht deine Realität aus? Wie viele Arbeitsstunden investierst du pro Woche in dein/e Blog/s?

Geld zu verdienen ist im Internet genauso hart wie in jedem anderen ernsthaften Job. Denn selbst, wenn man es einmal geschafft hat, kann man sich nie darauf ausruhen. Die Netzwelt entwickelt sich im Sekundentakt weiter. Da muss man immer dran bleiben. Beim Bloggen kommt hinzu, dass man stets für die Leser da sein muss. Regelmäßige Beiträge liefern, Fragen beantworten, Twittern, Facebook und Instagram füttern – das kostet alles Zeit. Zusätzlich betreibe ich gemeinsam mit der Reisbloggerin Conni Biesalski von Planet Backpack das Blog Camp (Anm. der Redaktion: alle Links zu genannten Seiten folgen gesammelt am Ende des Beitrags), mit dem wir Einsteigern helfen, professionell bloggen zu lernen. So komme ich insgesamt auf eine 70- bis 80-Stunden-Woche. Aber ich arbeite lieber 80 Stunden die Woche an meinem eigenen Traum als 40 Stunden die Woche für den Traum eines anderen.

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Screenshot: Blog Camp (24.09.2014)

Wie planst du die Entwicklung deines/er Blog/s? Schreibst du spontan darauf los oder planst du in Wochen/Monaten/Jahren?

Da ich Reise-Blogger bin, ergeben sich die Themen oft aus meinen Reisen und natürlich aus den Fragen, die meine Leser beschäftigen. Für sie schreibe ich den Blog schließlich. Man sollte immer einen klaren Themen-Fokus haben und wissen, worüber man schreibt, aber zu viel Planung widerstrebt meiner Meinung nach dem Medium Blog. Das Spontane, Authentische und aus dem Bauch heraus Entstandene ist ja gerade das, was das Bloggen von klassischen Medien unterscheidet und für Leser so interessant ist.

Wie stellst du sicher, dass dir nie die Themen ausgehen und woher weißt du, dass sie dein Publikum auch interessieren?

So lange ich lebe und reise, werden mir die Themen nicht ausgehen. Was meine Leser interessiert, kann ich an den Kommentaren, Likes und letztendlich auch an den Seitenaufrufen erkennen. Manchmal binde ich sie auch aktiv ein und frage, wo ich hinreisen soll.

Gibt es deiner Meinung nach Kriterien, die ein Blogthema unbedingt erfüllen sollte, um Geld zu verdienen oder kann man mit jedem Thema als Blogger genug Geld zum Leben verdienen? (gemeint sind Suchvolumen, Branche etc.)

Auch wenn man sagt, dass das Internet ein Nischenmarkt ist, sollte die Nische natürlich nicht zu klein sein, damit man genug Leser findet, um den Blog zu monetarisieren. Wenn ich nur über Reisen nach Salzburg schreiben würde, wäre das eventuell schwierig. Und klar gibt es Zielgruppen die nicht besonders kaufwillig oder sogar konsumkritisch sind. Ich stelle es mir zum Beispiel schwierig vor, einen deutschsprachigen Blog für Frutarier (Menschen, die nur Früchte essen) zu monetarisieren, weil die Zielgruppe sehr klein und zugleich konsumkritisch ist. Allerdings gilt auch hier: Man sollte niemals nie sagen. Mit einem speziellen Nahrungsergänzungsmittel für Frutarier könnte auch das klappen.

Kann und/oder sollte man ein erfolgreiches Blog am Reisbrett entwerfen? Wenn ja, was ist entscheidend?

Wer einen professionellen Blog starten möchte, muss von Beginn an viele Dinge berücksichtigen. Genau deshalb haben Conni und ich das Blog Camp ins Leben gerufen. In dem Online-Kurs erklären wir Schritt für Schritt alle wichtigen Basics, die zu einem erfolgreichen Blog gehören. Angefangen von der Auswahl der Domain bis hin zum Branding, Schreibtipps und SEO-Hilfe. Erfolgreiche Absolventen unseres Online-Camps sind zum Beispiel Carina Herrmann von Pinkcompass, die inzwischen von ihren Einnahmen leben kann und Felicia „Feli“ Hargarten von Travelicia, die nach kurzer Zeit bereits 20.000 unique Besucher pro Monat auf ihrem Blog verzeichnet. Wir haben den Kurs gerade neu aufgelegt und ihn mit noch mehr Tipps angereichert.

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Screenshot: Pinkcompass.de (24.09.2014)

Welche Vorkenntnisse braucht deiner Meinung nach ein erfolgreicher Blogger?

Zunächst sollte man natürlich für ein Thema brennen. Nur dann macht es langfristig Spaß, darüber zu schreiben. Dann hilft es, wenn man sich im Internet zu Hause fühlt und keine Scheu vor WordPress, SEO und Co. hat. Ein weiteres Plus ist Spaß an Kommunikation. Das heißt nicht, dass man Journalist oder PR-Profi sein muss, aber dass man dazu bereit sein sollte, sein Leben im Internet zu teilen und in Kontakt mit der Community zu treten.

Wenn du eine Anleitung für ein Nischenblog zum Geldverdienen schreiben müsstest, welche drei Punkte würden darin in jedem Fall enthalten sein?

Die habe ich doch mit dem Blog Camp Online-Kurs längst geschrieben! Die wichtigsten Punkte sind eine klare Positionierung, das richtige Branding und davon ausgehend die richtigen Maßnahmen zum Reichweitenaufbau.

Könntest du jederzeit wieder ein neues Blog aufsetzen, von dem du leben könntest? Wenn ja, was unterscheidet deine Herangehensweise von den vielen Tausend, die scheitern?

Klar könnte ich das, aber ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich mit Off The Path nicht mehr ganz am Anfang stehe, sondern schon ernten kann, was ich gesät habe. Was mich unterscheidet? Ich arbeite hart und für mich gibt es keine Probleme, die nicht lösbar sind. Inzwischen bin ich Profi in allen Bereichen des Bloggens, egal ob es um Content, Vermarktung oder Technik geht. Und um das zu beweisen, starte ich im November mit TravelWorkLive.de noch einmal durch!

Was unterscheidet – abgesehen von den Einnahmen – einen Profi-Blogger von einem Hobby-Blogger? Anders gefragt: Welche Eigenschaften braucht man als Profi-Blogger?

Ich denke, der größte Unterschied ist die Zeit, die man investiert. Ein Profi lebt seinen Blog – Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen dem „echten“ Leben und dem digitalen Abbild. Professionell zu sein bedeutet natürlich auch, sich Partnern gegenüber entsprechend zu verhalten. Das heißt, dass ein Profi-Blogger verlässlich Kampagnen umsetzt, sich an Deadlines hält, ein richtiges Mediakit hat, sich mit Bildrechten auskennt und diese auf dem Blog entsprechend angibt usw.

Gibt es sonst noch etwas, dass du unseren LeserInnen zum Thema mitteilen willst?

Wenn du mit deinem Blog erfolgreich sein willst, brauchst du drei Dinge: Disziplin, eine Vision und den Glauben an dich selbst. Wenn du hart für deinen Traum arbeitest, wird er in Erfüllung gehen.

Über Sebastian Canaves

Sebastian ist der Kopf hinter Off the Path, einem zweisprachigen Blog für Abenteuerreisen abseits der ausgetretenen Pfade. Wenn er nicht gerade bloggt, bereist er für seine Leser die Welt.

Er studierte in den Niederlanden und Bulgarien und hat in Bangkok und Australien als Marketing-Berater gearbeitet. Eines Tages entschloss er sich, seinen Traum vom Zuhause sein auf der ganzen Welt wahr zu machen. Heute lebt er von seinem zweisprachigen Reiseblog, betreibt mehrere Online-Businesses und berät Unternehmen zum Thema Blogger-Relations. Sein Wissen über alles, was ihn so beschäftigt, gibt er gerne auch als Speaker weiter, unter anderem bei den TEDx Talks:

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(dpe)

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Interview mit Peer Wandiger: Wie baue ich ein Blog, von dem ich leben kann?

Dieses Interview markiert den Start einer neuen Serie hier auf Dr. Web. Das Thema der Serie lautet: „Wie baue ich ein Blog, von dem ich leben kann?“. Dafür interviewen wir erfolgreiche Blogger aus dem deutschsprachigen Raum und fragen diese nach ihren Erfolgrezepten, Tipps und Tricks und mehr. Auch dem hierzulande oft totgeschwiegenen Thema nach realistischen Einnahmen wollen wir auf den Grund gehen. Die Serie startet mit Peer Wandiger. Er betreibt www.selbstaendig-im-netz.de (kurz SiN) und ist damit einer der erfolgreichsten Blogger Deutschlands.

Screenshot: Selbständig im Netz
Screenshot des SiN-Blogs.

Wie viel verdienst du mit deinem/n Blog/s?

Über die genauen Blog-Einkünfte gebe ich aus verschiedenen Gründen keine Auskunft mehr. Aber es ist mittlerweile mehr als genug zum Leben. Zudem will ich in absehbarer Zeit einen Mitarbeiter einstellen und habe nun seit kurzem auch einen regelmäßigen Mitautoren, den ich für seine Artikel bezahle. Es hat sich also gut entwickelt und ich sehe noch weiteres Potential nach oben.

Ohne ein genaues Einkommen zu nennen: Welche Aussage trifft am ehesten zu?

a. Es ist zuviel zum Sterben, aber zuwenig, um zu leben.
b. Ich komme als Alleinlebende/r ganz gut durch, denn ich bin bescheiden und brauche nicht viel.
c. Ich verdiene ähnlich wie der durchschnittliche Angestellte in Deutschland.
d. Ich kann davon alleine eine ganze Familie durchfüttern und es bleibt noch etwas übrig.
e. Ich bin stinkreich.

Am ehesten wohl was zwischen c) und d), wobei sicher auch Angestellte unterschiedlich verdienen. Aber es bleibt schon etwas übrig, was ich dann wieder investieren oder zurücklegen kann. Am Anfang der Selbständigkeit war es a) und nach einer Weile b). Das war nicht einfach, aber umso mehr weiß ich nun zu schätzen, dass es sich so gut entwickelt hat.

Was sind deine wichtigsten Einnahmequellen? (Affiliate-Werbung, eigene Info-Produkte, Gastbeiträge etc.)

Meine Blog-Einnahmen setzen sich aus 3 wichtigen Säulen zusammen:

  • Sehr stabile Einnahmen habe ich durch Werbebanner, die ich direkt an Firmen vermiete. Diese sind seit Jahren sehr gut ausgelastet und immer mal wieder erhöhe ich die Preise, wenn die Besucherzahlen steigen.
  • Das zweite Standbein ist Affiliate Marketing, wobei ich hier viele verschiedene Partnerprogramme nutze.
  • Als drittes Standbein fungiert mittlerweile Google AdSense. Da konnte ich die Einnahmen in den letzten 12 Monaten durch Optimierungen deutlich steigen.
  • In Zukunft sollen eigene Produkte als 4. Standbein hinzukommen.

Screenshot: Werbung auf SiN.
Screenshot: Werbung auf SiN

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Bloggen zu deinem Beruf zu machen?

Als ich so ca. 2005 noch angestellt war, bin ich bereits auf verschiedene englischsprachige Blogs aufmerksam geworden, die mit fachlichen und professionellen Inhalten Geld verdient haben. Es war einfach was anderes als die bisher bekannten persönlichen Online-Tagebücher. Als ich mich dann selbständig gemacht hatte, wollte ich zusätzlich zu den Kunden-Projekten was eigenes ausprobieren und da kam ich dann zurück auf die Blog-Idee. Und da ich wenig Freizeit zu dieser Zeit hatte, bot sich das Thema „Meine Selbständigkeit als Webdesigner“ an, da ich mich damit ja sowieso den ganzen Tag beschäftigte. So entstand „Selbständig im Netz“. Aber zu Anfang war es nur Hobby, Testfeld und kleines Nebenstandbein. Mit der Zeit stiegen die Besucherzahlen und ich konnte steigende Einnahmen verbuchen. Ich weiß noch, wie ich damals eine Provision über 250 Dollar erhalten habe. Das war so etwas wie ein Wendepunkt. Es wurde mir bewusst, dass man mit eigenen Sites richtig gutes Geld verdienen kann und so investierte ich dann noch mehr Zeit in meinen Blog.

Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du vom Bloggen leben konntest? Was waren deiner Meinung nach die ausschlaggebenden Gründe dafür?

Das hat schon recht lange gedauert. Nach rund 2 Jahren kam ich das erste mal über 1.000 Euro im Monat. Und so richtig leben konnte ich nach ca. 3 Jahren von meinen Blog. Ich denke, dass das auch schneller gehen kann, da ich zu Beginn viel lernen musste und nur nebenbei den Blog betreut habe. Investiert man von Anfang an viel Zeit, dann kann es schneller gehen. Dennoch passiert das natürlich nicht über Nacht, das sollte einem bewusst sein. Zudem hatte ich Glück mit der Themenwahl, da sich das Thema „Selbständigkeit“ gut monetarisieren lässt. Bei anderen Themen braucht man teilweise schon deutlich mehr Besucher, um ähnliche Einnahmen zu generieren. Man braucht auf jeden Fall einen langen Atem.

Wie viele Besucher brauchtest du, um vom Bloggen leben zu können? Gibt es eine Kennzahl, die du als Minimum ansehen würdest?

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Wie schon gesagt, hängt das sehr vom Thema ab. Zudem definiert jeder das „Vom Bloggen leben können“ auch anders. Deshalb ist eine konkrete Aussage hier nicht möglich. Als dritter Faktor kommt hinzu, wie gut man die Monetarisierung angeht. Wer nur auf AdSense setzt braucht viele Besucher. Wer hochwertige und teure eigene Produkte an genau die richtige Zielgruppe verkauft, braucht vielleicht nur ein paar Tausend Besucher im Monat, um davon leben zu können. Eine Pauschalantwort gibt es hier also leider nicht. Bei meinem Blog habe ich ab rund 100.000 Visits im Monat genug zum Leben verdient.

Gab es einen Punkt, an dem du alles hinschmeißen wolltest? Warum und wie bist du darüber hinweg gekommen?

Es gab sicher Momente, wo ich überlegt habe, ob der Aufwand und der Ärger sich lohnt. So zum Beispiel in der ersten Zeit, als ich noch so gut wie nichts verdient und kaum Besucher hatte. Aber auch später, wenn es mal negative Erlebnisse, wie z.B. eine Abmahnung oder sehr unfreundliche Anrufe, gab. Aber unter dem Strich war ich dennoch immer so stark motiviert, sodass ich weitergemacht habe. Das liegt unter anderem natürlich auch am Spaß. Ich hatte schon immer Spaß am Schreiben und den konnte mir bisher keiner nehmen. Zudem ist es natürlich so, wenn man vom Bloggen lebt, kann man auch nicht so einfach aufhören. Und wenn ich jetzt auf mehr als 7 Jahre Bloggen zurückblicke, wirft man so etwas ja auch nicht einfach weg.

Geld im Internet zu verdienen wird fälschlicher Weise oft mit dem Traum von wenig Arbeit mit viel Ertrag gleichgesetzt. Wie sieht deine Realität aus? Wie viele Arbeitsstunden investierst du pro Woche in dein/e Blog/s?

Das ist mittlerweile mein Vollzeit-Job und je nachdem, welche besonderen Projekte ich umsetzen möchte, kommen einige Überstunden hinzu. Gerade zu Beginn waren die Überstunden aber auch notwendig, um überhaupt erfolgreich zu werden. Heute sind sie eher freiwillig, weil ich eine neue Seite, eine neue Aktion oder ein neues Layout umsetzen will. Keinesfalls ist es bei mir so, dass ich früh auf mein Bank-Konto blicke, mich freue und mich dann wieder hinlege. :-) Online erfolgreich zu werden ist mit viel Arbeit, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen verbunden. Alle, die auf viel Geld für wenig Arbeit hoffen, werden leider enttäuscht werden. Wenn man sich aber erstmal was eigenes aufgebaut hat, dann kann man davon natürlich langfristig profitieren. Und dann hat man auch wieder mehr Freizeit und auch die Möglichkeit mehr als ein Angestellter zu verdienen.

Wie planst du die Entwicklung deines/er Blog/s? Schreibst du spontan darauf los oder planst du in Wochen/Monaten/Jahren?

Ich plane grob ein Jahr voraus, wobei das dann nur wirklich große Aktionen und Events betrifft. So z.B. die Nischenseiten-Challenge, die ja 3 Monate gedauert und auch einen gewissen Vorlauf benötigt hat. Die konkreten Artikel plane ich wöchentlich voraus, indem ich Montags einen Wochenplan aufstelle. Natürlich ergeben sich da auch schon immer wieder mal Inhalte für die Folgewochen (z.B. bei Artikelserien), aber viel weiter voraus plane ich bei den normalen Inhalten nicht.

Wie stellst du sicher, dass dir nie die Themen ausgehen und woher weißt du, was dein Publikum auch interessiert?

Zu Anfang habe ich mir tatsächlich Sorgen gemacht, dass mir mal die Ideen ausgehen könnten. Das kennt sicher jeder Blog-Einsteiger. Doch mit der Zeit habe ich mir angewöhnt alle Ideen für neue Artikel als Entwürfe in WordPress festzuhalten. Mittlerweile habe ich da hunderte solcher Ideen gesammelt, sodass ich eigentlich eher das Problem habe, dass ich nicht alles schaffe zu schreiben. Hinzu kommen dann noch aktuelle Themen, die ich aufgreife, Reviews, Interviews etc.. Sorgen um ausgehende Themen habe ich also nicht. Was das eigene Publikum interessiert, findet man mit der Zeit natürlich heraus, aber dennoch gibt es immer wieder Überraschungen. Manche Artikel, von denen ich dachte, die müssten einschlagen, liefen eher durchschnittlich. Andere Artikel entwickelten sich dagegen überraschend zum Leser-Magnet. Das ist also nur bedingt planbar.

Ich versuche einfach Artikel zu schreiben, die für die Leser Mehrwert bieten und die es in dieser Form nicht schon überall gibt. Deshalb finden sich bei mir eigentlich nie reine News-Artikel. Und ich schreibe natürlich vor allem über Themen, die mich selbst interessieren und mir Spaß machen. Sonst könnte ich das nicht seit mehr als 7 Jahren fast täglich machen.

Gibt es deiner Meinung nach Kriterien, die ein Blogthema unbedingt erfüllen sollte, um Geld zu verdienen oder kann man mit jedem Thema als Blogger genug Geld zum Leben verdienen? (gemeint sind Suchvolumen, Branche etc.)

Symbolbild Planung

Es gibt schon große Unterschiede bei den Themen, was Suchvolumen und vor allem das Geld verdienen angeht. Wer wirklich Geld mit seinem Blog verdienen will, sollte deshalb schon beim Start des Blogs neben Spaß und Interesse an dem Thema auch auf das Suchvolumen, die Konkurrenz und das finanzielle Potential achten. Das finanzielle Potential kann man recht einfach in Google AdWords herausfinden, in dem man sich dort die voraussichtlichen Klickpreise für die Keywords anschaut. Je höher diese sind, umso mehr wird man auch mit AdSense verdienen und umso mehr Werbekunden scheint es insgesamt zu geben. Übrigens findet man in diesem Google AdWords Keyword Planer auch das Suchvolumen für einzelne Suchbegriffe heraus. Wenn nach einem Thema pro Monat nur 100 Leute suchen, dann ist das in der Regel viel zu wenig.

Und die Konkurrenz kann man sich entweder direkt in den Google Suchergebnissen anschauen oder mit einem Tool wie Market Samurai analysieren. Das ist wichtig, weil es bei sehr starker Konkurrenz natürlich viel schwerer ist, auf die erste Google-Seite zu kommen, geschweige denn nach ganz oben. Aber man muss schon recht weit nach vorn kommen, sonst nützt auch das größte Suchvolumen nicht viel. Die meisten Google-Nutzer gehen nicht auf die zweite Seite der Suchergebnisse. Man sollte also eine gute Kombination aus hohem Suchvolumen, finanziellem Potential, niedriger Konkurrenz und Spaß am Thema finden.

Kann und/oder sollte man ein erfolgreiches Blog am Reißbrett entwerfen? Wenn ja, was ist entscheidend?

Will man ein Blog als Business betreiben, dann sollte man diesen auch so behandeln. Natürlich spielt Spaß, Leidenschaft und Persönlichkeit bei einem Blog eine wichtige Rolle. Aber man sollte sich eben auch die Business-Faktoren anschauen. Am Reißbrett einen Blog planen ist vielleicht übertrieben, wer aber gar nicht auf die Business-Aspekte achtet, braucht sich später nicht zu wundern, wenn der Blog nur wenig Geld bringt. Aber auch bei aller Planung gibt es natürlich keine Garantie auf Erfolg, egal was einem manche „Experten“ auch versprechen. Bei so gut wie allen erfolgreichen Bloggern gab es schon vorher Versuche mit anderen Blogs, die nicht so gut liefen. Bei mir war das auch so.

Welche Vorkenntnisse braucht deiner Meinung nach ein erfolgreicher Blogger?

Das meiste kann man sich mit der Zeit selbst beibringen, was z.B. SEO, Technik, Vermarktung etc. angeht. Allerdings sollte man Spaß am Schreiben mitbringen und eine gewisse Allgemeinbildung. Zudem sollte man sich in dem Thema, welches man behandeln will, halbwegs auskennen. Man muss kein absoluter Experte sein, aber man sollte zumindest mehr wissen als die eigenen Leser. Ebenfalls hilfreich ist es, wenn man sich im Netz an sich gut auskennt und Erfahrungen hat. Ich bekomme leider immer wieder Anfragen von Leuten, die einen Blog starten wollen, aber bisher gar nicht das Internet genutzt haben und es auch nicht wollen. Das wird nicht funktionieren. Ansonsten lernt man aber viel beim „Machen“. Und selbst wenn der erste Blog kein Erfolg wird, so hat man eine Menge gelernt, was man in den nächsten Anlauf einbringen kann.

Wenn du eine Anleitung für ein Nischenblog zum Geldverdienen schreiben müsstest, welche drei Punkte würden darin in jedem Fall enthalten sein?

Solche Anleitungen habe ich ja schon geschrieben. :-) Enthalten sein muss dabei auf jeden Fall:

  1. Planung des Blogs
    – Thema, Idee, Zielgruppe, Vision, Konkurrenz, Einzigartigkeit
  2. Vermarktung & Optimierung
    – wie man mehr Besucher bekommt und wie man die Einnahmequellen optimiert, um damit wirklich gutes Geld zu verdienen
  3. Durchhaltevermögen
    – wie man dauerhaft dran bleibt, und nicht nach kurzer Zeit aufgibt.

Könntest du jederzeit wieder ein neues Blog aufsetzen von dem du leben könntest? Wenn ja, was unterscheidet deine Herangehensweise von den vielen Tausenden, die scheitern?

Es ist wie gesagt nicht so einfach einen Blog zu starten, der richtig erfolgreich wird. Das braucht Zeit, Durchhaltevermögen und man braucht auch ein wenig Glück. Zudem ist es bei mir so, dass ich mittlerweile völlig ausgelastet bin und einfach keine Zeit für einen weiteren Blog hätte, auch wenn mir da immer wieder Ideen kommen. Aber natürlich habe ich schon eine Menge Erfahrungen in den letzten Jahren sammeln können, die mir heute helfen. Das versuche ich ja unter anderem in meinen Blogs weiterzugeben.

Was unterscheidet – abgesehen von den Einnahmen – einen Profi-Blogger von einem Hobby-Blogger? Anders gefragt: Welche Eigenschaften braucht man als Profi-Blogger?

Für den Profi-Blogger ist es nicht nur Spaß. Dieser gehört meiner Meinung nach auch dazu, um langfristig einen Profi-Blog zu führen, aber er reicht nicht. Es gibt einfach Tage oder Wochen, wo man nicht so motiviert ist. Ein Hobby-Blogger veröffentlicht dann einfach mal nichts, aber ein Profi-Blogger kann sich das kaum leisten. Ich höre immer wieder von Bloggern, dass sie auf die Inspiration warten oder „in der richtigen Stimmung“ sein müssen zum Schreiben. Das ist für einen Profi-Blogger aber zu wenig. Es ist eben zu einem gewissen Teil Arbeit und so muss man dann auch herangehen. Zudem muss man sich als Profi-Blogger neben dem Schreiben von Artikeln noch um vieles andere kümmern. So z.B. um die Vermarktung, SEO, Technik, rechtliche Anforderungen und vieles mehr. Und um es noch einmal zu wiederholen: Durchhaltevermögen und Lernbereitschaft sind sehr wichtig.

Gibt es sonst noch etwas, dass du unseren LeserInnen zum Thema mitteilen willst?

Bloggen ist sicher nicht für jeden etwas, aber das muss es auch nicht sein. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten der Selbständigkeit im Netz, so dass man erstmal für sich herausfinden sollte, was einem am besten liegt und womit man sich wohlfühlt.

Über Peer Wandiger

Peer Wandiger erreicht mit dem Selbständig-im-Netz-Blog (kurz SiN) mehr als 159.000 LeserInnen pro Monat und verzeichnet im gleichen Zeitraum mehr als 276.368 Seitenaufrufe (Quelle: Ihre Werbung auf Selbständig im Netz, 15.09.2014). Zudem führt er weitere Blogs und betreibt erfolgreich mehrere Nischenseiten, die ebenfalls finanziell erfolgreich sind. Damit ist Peer Wandiger einer der bekanntesten und erfolgreichsten Blogger im deutschsprachigen Raum.

Das Herzstück seiner Blogarbeit ist jedoch das SiN-Blog. Dort schreibt er fast täglich über die Herausforderungen eines Unternehmers, der wichtige Einnahmen aus seinen Online-Aktivitäten erzielen möchte. Mehr als 3.000 Fachbeiträge hat Wandiger in den vergangenen 7 Jahren zu diesem Thema auf seinem Blog verfasst.

(dpe)

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E-Business Inspiration Interviews SEO & Online-Marketing

Interview: So gewann SEO-Profi Simon Schmid die Nischenseiten- und die Xovilichter-Challenge

Simon Schmid nach Xovilichter-Sieg

Dr. Web.: Du hast bei der Nischenseitenchallenge von Peer Wandiger (kurz NSC) mit Abstand die meisten Einnahmen erzielt und bei der Xovilichter-SEO-Challenge gewonnen. Bist du derzeit der beste SEO im deutschsprachigen Raum?

Simon Schmid: Das würde ich so nicht sagen. Ich verstehe SEO relativ gut und ich weiß, was ich machen muss, damit man in Google rankt. Es gibt sicher noch andere Leute, die es noch besser können. Die halten sich einfach mehr im Hintergrund. Aber ich glaube, ich bin schon ziemlich gut. Es kommt halt einfach auf die richtige Maßnahmen an, die man setzt. Zur Zeit kann diese jeder nachbauen. Man muss für SEO kein Genie sein – es ist keine „Rocket Science“.

Du nennst deine Link-Methode „Privates Blog Netzwerk“. Bitte erkläre sie kurz in den Grundzügen:

Die Methode ist eigentlich ganz einfach. Du suchst dir Webseiten, die gute Links haben. Diese versuchst du dann zu kaufen, sodass sie in deinem Besitz sind. Wenn sie dir gehören, kannst du deinen eigenen Content draufstellen und von dieser guten Seite auf deine Money-Website verlinken. Dadurch zeigst du Google, dass deine Money-Site gut ist, weil sie viele Links hat. Die Methode heißt „Privates Blog Netzwerk“, weil es ein Seitennetzwerk ist, das dir selbst gehört. Von einem solchen Netzwerk kannst du überall dahin verlinken, wo du Lust hast. Das heißt: Wenn du viele gute Seiten hast, kannst du auch viele Money-Sites ranken. Das ist das Grundprinzip.

Würdest du es als „saubere“ (also White-Hat) Methode einordnen, sie zu klassischen Black-Hat-Methoden dazuzählen oder ist sie irgendwo im Graubereich?

Schlussendlich verstößt ja jeder Linkaufbau gegen die Google-Webmaster-Richtlinien. White-Hat ist es sicher nicht, aber Black-Hat ist es auch nicht. Black-Hat ist für mich „ganz böse“. Ich würde sagen, meine Methode liegt irgendwo dazwischen. Du veröffentlichst damit Content und setzt dann Links. Das machen andere ja auch nicht anders. Die kaufen halt Artikelplätze auf anderen Seiten und verlinken von dort aus. Ein so großer Unterschied besteht darin ja nicht.

In den Kommentaren im Zuge der NSC2014 hattest du nicht nur Bewunderung geerntet, sondern musstest auch viel Kritik einstecken. Der Vorwurf: Deine Methode sei allzu Black-Hat-lastig und könne nur von kurzfristigem Erfolg gekrönt sein. Wie sind deine persönlichen Erfahrungen? Sind diese Erfolge dauerhaft oder sind sie – wie Kritiker meinten – tatsächlich nur kurzfristig und die Seiten fliegen wieder aus dem Index?

Das hält eigentlich genauso lange an wie andere Linkaufbaumethoden. Man muss einfach Acht geben, welche Ankertexte man verwendet. Und du musst darauf aufpassen, dass Google dein Netzwerk nicht erkennt. Das heißt, dass du die Who-Is-Daten versteckst, dass du verschiedene Hoster nimmst – und lauter solche Sachen. Google darf nicht merken, dass es deine Seiten sind. Dann ist es eigentlich nichts Anderes als wenn du Links kaufst und tauscht. Das Wichtigste ist dabei der bereits erwähnte Ankertext. Du darfst nicht versuchen, zu stark deine Money-Keywords einzusetzen und zu schnell zu viele Links aufzubauen. Worauf du auch achten musst, weil Google es immer mehr auffällt, sind Spintexte. Es kann sein, dass der Google-Bot herausfindet, dass die ganzen Links, die in den gespinnten Texten enthalten sind, zusammen gehören. Dann wird dein Privates Blognetzwerk deindexiert und du fliegst mit deiner Zielseite aus dem Ranking hinaus. Das kann dir auch passieren, wenn jemand mit Negativer-SEO deine Seite zuspamt. So ist es mir zum Beispiel bei der Girokonto-Seite passiert (Anm.: Mit der Girokonto-Seite hat Simon an der NSC teilgenommen).

Die Einnahmen von mehr als 3000 Euro während der 13-wöchigen NSC hast du mit der Seite girovip.net erzielt. Nun ist sie unter girovip.com erreichbar. Warum musstest du die Domain wechseln?

girokonto-seite

Das hat zwei Gründe: Einerseits wurde die Domain mit schlechten Links zugespamt und ich dachte, ich mache einfach mit der neuen Domain weiter. Oft funktioniert es, auf diese Art und Weise Ranking-Verschlechterungen durch das Pinguin-Update auszugleichen. Aber in diesem Fall hat es leider nicht ganz gereicht, weil die ganzen Links weitergeleitet wurden (Anm.: Simons Seite steht derzeit unter „bestes girokonto“ aber noch immer auf Platz 2, Stand 14.08.2014). Wenn man sich die referring Domains ansieht, hat die Seite 544 Linkgeber. 20 Prozent haben im Ankertext Girokonto, aber dann gibt es auch solche wie Viagra und sonstige „netten“ Sachen. Da hat sich wohl jemand einen Spaß erlaubt.

Der zweite Grund liegt darin, dass ich selbst Links im PBN verändert habe. Das ist auch ganz schlecht, eigentlich sogar doof. So sieht Google, dass hier jemand bewusst Links setzt. Wenn ein Link natürlich entsteht, dann bleibt er nämlich meistens so wie er gesetzt wurde erhalten. Und ich habe einfach, weil ich mehrere Keywords und Unterseiten noch ranken lassen wollte, Links verändert. Seit dem Panda-4-Update sollte man aber die Finger davon lassen.

Du erklärst, dass Google PBNs nicht erkennen kann. Wieso bist du dir da so sicher?

Hier stellt sich die Frage: Welche Möglichkeiten hat Google ein PBN zu aufzudecken? Sie können auch nur Daten wie die Who-Is-Angaben etc. einsehen. Da muss man einfach aufpassen, dass man keine Footprints hinterlässt. Wenn du im PBN 10 Seiten hast und die alle die gleichen Who-Is-Daten besitzen, ist das auffällig. Genauso ist es, wenn all deine Seiten auf den gleichen IPs sitzen, oder wenn deine 10 Seiten alle nur auf deine Site verlinken und sonst nirgends hin. Da gibt es eine ganze Liste, die man vermeiden und beachten muss. Wenn man das macht, wird es schwierig für Google, weil Google sieht ja schließlich nur das Html-File und der Bot muss ja irgendetwas daraus machen.

In deinen How-to-Videos beschreibst du, wie du Expired-Domains kaufst und ihre Linkpower im PBN für deine Zielseiten nutzt. In deinem Schaubeispiel kommt die Linkpower von einer absolut themenfremden Website. Heißt das, die viel gepriesene Themenrelevanz ist nur Humbug oder gilt es dabei schon etwas zu beachten?

Du musst auf der PBN-Seite einen themenrelevanten Artikel einbauen. Zu deiner Money-Site ist dann Themenrelevanz gegeben. Die Ebene darüber – also woher die PBN-Site ihre Links hat – wird bei Google derzeit noch nicht berücksichtigt. Natürlich machst du dein PBN noch sicherer, wenn du dir Seiten kaufst, deren Content immer in der gleichen Sprache wie der deiner Money-Site war und es um das gleiche Thema ging. Das macht es für Google noch schwieriger PBNs zu entdecken.

Verwendest du deine PBN-Strategie auch für Kunden, die dich als SEO beauftragen?

Ja, diese Methode eignet sich für alle möglichen SEO-Aufträge. Also ich mache im SEO eigentlich nichts Anderes als PBNs aufsetzen. Immer mit einem Text, der schön variiert. Das ist eigentlich das Wichtigste. Solange man es so macht, dass Google das PBN nicht als solches identifiziert, gibt es kein Problem. Ich betreibe diese Strategie jetzt seit ca. einem Jahr und sie funktioniert heute genauso gut wie vor einem Jahr.

Auf deiner Seite bietest du nun Online-Kurse an, um deine PBN-Methode zu erlernen. Wie lange braucht man deiner Einschätzung nach, bis man sie beherrscht?

Das Wichtigste ist, zu lernen, wie man eine solche PBN-Seite beurteilt. Dann kann man die richtige Seite kaufen und nicht eine, die nichts bringt. Wie lange man dafür braucht, um die gesamte Methode zu beherrschen, ist schwierig zu sagen. So wie überall sonst auch, lernt man ständig dazu. Aber die Grundzüge hat man sicher schnell verstanden. Vielleicht nach einem Monat oder sogar schon früher. Man kann ja alles gleich ausprobieren. Das ist beim SEO auch das Wichtigste – einfach ausprobieren und selber testen.

Braucht man Online-Marketing-Vorkenntnisse für deinen Kurs oder können die Methode auch absolute Neulinge leicht erlernen?

Gewisse Grundkenntnisse sollte man schon haben. Vielleicht mache ich in Zukunft auch einmal einen Kurs für absolute Neueinsteiger, aber dieser ist nicht für Anfänger konzipiert. Wie man eine WordPress-Seite aufsetzt und erste SEO-Kenntnisse (z. B.: Was ist ein Backlink?) sollte man schon mitbringen. Denn in dem Kurs lernt man einfach nur, wie man ein PBN aufbaut.

Du hast ein kostenloses E-Book mit dem reißerischen Titel „Garantierte Top 10 Rankings“ veröffentlicht. Bei der NSC hast du dir eine Nische im Finanzsektor ausgesucht. Normalerweise läuft es Online-Marketern dabei wegen der starken Konkurrenzsituation kalt den Rücken hinunter. Du bist mit rund 600 Euro Budget bei relevanten Suchbegriffen auf Platz 1 gelandet. Sind mit diesem kleinen Budget tatsächlich Top 10 Rankings bei allen Suchbegriffen möglich oder gibt es auch Nischen, vor denen du zurückschreckst?

Der Preis hängt ganz stark von der Nische ab. Mit 600 Euro wäre eine top Position für die Keyword-Phrase „kredit“ oder „kredit vergleich“ nicht möglich gewesen. Ich musste für die Challenge das Keyword schon sehr genau auswählen. Wenn man natürlich mehr Geld hat, kann man auch andere Nischen anvisieren. Aber bei der Challenge ging es ja darum, zu zeigen, dass es auch mit weniger Budget möglich ist. Zudem kann man ja klein anfangen und ein bisschen warten, bis die Seite Geld abwirft. Mit diesem Geld kann man dann wieder neue Seiten für sein PBN kaufen und schwierigere Keywords anvisieren. Eine PBN-Seite kann man ja mehrmals verwenden.

Facts über Simon Schmid und seinen SEO-Kurs

Simon Schmid betreibt das RankBoost-Blog (Link im Anhang) und erregte in der deutschen SEO-Szene bei der Nischenseitenchallenge 2014 von Peer Wandiger und bei der SEO-Challenge namens Xovilichter mit seinen Erfolgen große Aufmerksamkeit. Bei der NSC nahm er in 13 Wochen mehr als 3000 Euro und war damit mit Abstand der erfolgreichste Teilnehmer. Bei der Xovilichter-Challenge erlangte seine Seite die beste Platzierung unter dem vorgegebenen Keyword.

Seit der erfolgreichen NSC-Teilnahme bietet Simon sein SEO-Wissen in Form eines Kurses (27 bzw. 47 Euro pro Monat) an. Darin enthalten: 1. Ein SEO-Forum (zum Austausch mit anderen Teilnehmern), 2. Webinare (Erklärungen und Fragen zur PBN-Methode), 3. QA-Webinare (einzelne Stunden sind nur den Fragen der Teilnehmer gewidmet). Das Seminar richtet sich nicht an absolute Internet-Neulinge, sondern an Website-Betreiber, die im Thema SEO und PBN-Netzwerke dazulernen wollen.

Nützliche Links zum Beitrag:

RankBoost.de – Der SEO-Blog von Simon Schmid

Artikel: So baust du dir dein eigenes privates Blog Netzwerk

Simons Wochenreports zur Nischenseitenchallenge 2014

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Inspiration Interviews

Science-Fiction hautnah: Bestseller-Autor Andreas Eschbach im Gespräch

Aliens oder epische Schlachten von Raumschiffen mag er nicht, dabei gilt Andreas Eschbach als einer der erfolgreichsten deutschen Science-Fiction Autoren überhaupt. Seit vielen Jahren wartet er auf eine brauchbare Verfilmung seiner Geschichten. Sein Buch „Das Jesus Video“, mit dem er 1998 seinen Durchbruch feierte, wurde dummerweise im Auftrag eines privaten TV-Senders zu einem inhaltsleeren zweiteiligen Actionstreifen degradiert. Manche Fans bevorzugen hingegen sein Erstlingswerk „Die Haarteppichknüpfer“, eine lose Sammlung von Kurzgeschichten, die gemeinsam den Stoff für einen Roman bilden. Doch statt wie andere Autoren am laufenden Meter SF-Hausmannskost zu produzieren, muss man bei Eschbach stets auf Überraschungen gefasst sein. So auch bei seiner vor wenigen Monaten abgeschlossenen Trilogie, die von einem Kinder- und Jugendbuchverlag veröffentlicht wurde.

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Cover des Buches Time Out, erschienen bei Arena

Wir haben uns kürzlich mit Eschbach eine kleine Auszeit gegönnt, um seinen Roman Time Out und viele andere Dinge zur Sprache zu bringen. Beispielsweise wollten wir wissen, warum er den HTML-Steinbruch seiner Website selbst abbaut, einen Bogen um Facebook macht, aber mit seinen Lesern auf Google Plus kommuniziert.

Time Out: Andreas Eschbach im Gespräch mit Lars Sobiraj

Lars Sobiraj: Herr Eschbach, die meisten Ihrer Romane drehen sich eben NICHT um Raumschlachten oder Aliens. Wie kommt’s?

Andreas Eschbach: Raumschlachten finde ich langweilig, mal ganz davon abgesehen, dass sie total unwahrscheinlich sind: Zwei Mückenschwärme, einer aus New York, der andere aus Lissabon, die sich tausend Kilometer westlich der Azoren treffen – so sähe das angesichts der stellaren Dimensionen aus. Und Aliens sind mir, nun ja … irgendwie fremd

Das geht mir nicht anders. Wenn wir schon bei typischen SF-Geschichten sind. Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie erneut ein Heft für Perry Rhodan geschrieben haben?

Alte Liebe rostet nicht. Man hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mal wieder eins zu schreiben, und bei näherer Selbsterforschung habe ich herausgefunden, ja, ich hatte Lust. Hat auch wieder viel Spaß gemacht.

„Black Out“, ”Hide Out“, ”Time Out" – Wurden diese drei Bücher tatsächlich primär für Jugendliche geschrieben, wie es vielfach im Web zu lesen ist?

Ja, sicher. Es ist kein Versehen, dass sie in einem Kinder- und Jugendbuchverlag erschienen sind.

Ausschnitt aus der Hörbuch-Variante des Romans Black Out

In Ihren Romanen ist Lifehook ein Chip, der über die Nasenschleimhäute ins Gehirn eingesetzt wird. Was glauben Sie, wie viele Jahre wir davon noch entfernt sind?

Ich fürchte, weniger, als wir denken. Ob es nun unbedingt der Chip auf dem Riechnerv sein wird, weiß ich nicht, aber dass der Trend hingeht zur Vernetzung ohne Rücksicht auf Verluste, ist wohl schlechterdings nicht zu bestreiten.

Wer sich von der Firma Friendweb keinen Chip implantieren lässt, ist total out. Schon der Name erinnert stark an Facebook. Zufall oder Absicht?

Raten Sie mal.

Okay, kein Zufall also. Wer heutzutage nicht bei Facebook ist, beschneidet ebenfalls seine Kommunikation. Wie groß ist für Jugendliche oder Erwachsene die Verlockung, das zu tun, was alle tun?

Ziemlich groß. Der Drang, mit der Herde zu laufen, dürfte eine unserer stärksten Antriebskräfte sein. Und eine der gefährlichsten, wie wir wissen. Ein Erbe aus Urzeiten, beileibe kein modernes Problem. Heutzutage sind nur die Herden größer, was die Sache gefährlicher macht.

Haben Sie eine Idee, wie man diesem gesellschaftlichen Druck widerstehen kann?

Durch Besinnung auf seine eigene Identität? Persönlichkeitsbildung? Reifung? Es gibt viele Begriffe dafür. Es sind jedenfalls aus allen Jahrhunderten Ermahnungen überliefert, sich nicht nach Moden, Trends, den Meinungen anderer oder nach dem, was angeblich “in” ist, zu richten.

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Privates Foto: (c) Marianne Eschbach

Am Ende des Buches thematisieren Sie die Problematik, dass man die Kohärenz (das Netzwerk der per Chip vernetzten Gehirne) nicht dauerhaft abschalten kann. Zu groß wäre die Verlockung der Menschen, dauerhaft miteinander verbunden zu sein. Gibt es aus diesem Dilemma kein Entrinnen, sobald diese Technik existiert?

Es ist ja nicht die Technik, die das Dilemma schafft, sondern wir selbst. Warum ist es so verlockend, mit “allen Menschen” verbunden zu sein? Ein Gutteil davon dürfte in Angst vor dem Alleinsein wurzeln, und einer solchen Angst kommt man mit technischen Installationen ja nicht bei.

Das bitte ich nicht als generelle Verteufelung moderner Kommunikationstechnologie misszuverstehen. Aber es kommt immer auf die Beweggründe an. Wer ein Auto einfach nur deswegen kauft, weil er täglich von A nach B fahren will, wird andere – vernünftigere – Entscheidungen treffen als jemand, der ein Auto kauft, um Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren. Zu sagen, dass Letzteres ein hinterfragenswürdiger Beweggrund ist, heißt nicht, dass Autos grundsätzlich schlecht sind.

Da Sie offenbar nicht bei Facebook unterwegs sind. Was sind die Gründe, sich dort nicht zu vernetzen?

Anfangs war es, ehrlich gesagt, weil mich das Design abstieß. Alle haben davon geredet, und ich dachte irgendwann, ich muss doch mal rausfinden, was das eigentlich sein soll, aber dann fand ich schon die Einstiegsseite so hässlich, dass ich keine Lust hatte, Zeit damit zu verbringen, und habe es gelassen. Und das umso weniger bedauert, je mehr später über die Hintergründe bekannt wurde.

Fühlen Sie sich dadurch ausgegrenzt oder in Ihren Möglichkeiten beschnitten?

Nicht im mindesten. Ich habe Facebook noch keine Sekunde lang vermisst.

Seit einigen Wochen probieren Sie Google Plus aus. Hat sich der direkte Austausch mit den Lesern als nützlich erwiesen? Oder wäre dafür eine Kommunikation per E-Mail ausreichend?

Ach, mit Google+ anzufangen war Spielerei. Die Begeisterung lässt auch schon wieder nach. Ab und zu macht es Spaß, über irgendein Thema zu diskutieren, aber ehrlich gesagt ist man damit in speziellen Foren besser aufgehoben.

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Andreas Eschbach auf Google+. Klicken Sie auf das Bild, um zu seinem Profil zu gelangen.

Welche Dienstleistungen nutzen Sie im Internet? Welche Angebote kommen für Sie überhaupt nicht in Frage?

Oh, das muss ich jetzt aber nicht alles aufzählen? Vom Onlinebanking über Google Maps bis zu Internetbestellungen und Wikipedia nutze ich schon ziemlich viel. Abgesehen davon, dass sich bei einem Romanautor auch ein großer Teil der Recherchearbeit im Internet abspielt. Was überhaupt nicht in Frage kommt … hmm, dafür habe ich keinen Kriterienkatalog, wenn Sie das meinen. Wenn ich ein Angebot blöd finde, zu teuer, unnütz, widerwärtig, sinnlos, Zeitverschwendung oder wenn ich es schlicht nicht brauche, dann nutze ich es nicht, ganz einfach. Das kommt immer auf den Einzelfall an. Viele Dinge, die man per Internet angeblich “ganz toll” erledigen kann, erledigt man bei genauerem Hinsehen ohnehin besser auf einem simplen Stück Papier – To-Do-Listen und Zeitplanung zum Beispiel.

Ihre Romanfigur Penta-Byte-Man zeichnet am Computer sein ganzes Leben mithilfe einer Brille auf. Nun wird Google ein Spezialwerkzeug auf den Markt bringen, das genau das kann. Wer hat da eigentlich wen inspiriert?

Sie meinen, ob Sergej Brin meine Romane gelesen und gesagt hat, “hey, wow, lass uns das machen”? Nein, so war das bestimmt nicht. Tatsächlich haben das schon vor zwanzig Jahren ein paar Freaks an amerikanischen Hochschulen gemacht, nämlich den ganzen Tag einen Helm mit einer Videokamera getragen, was damals ja noch richtig Kraftsport gewesen sein muss, und alles ins Internet übertragen. Ich bin beim Surfen irgendwann über so einen Bericht gestoßen, und das hat diese Idee bei mir ausgelöst. Und vermutlich waren diese Pioniere auch die Auslöser für die Google Glass-Idee.

Die Daten werden nicht nur zum Wohl des Benutzers aufgezeichnet. Google kann mit dem Projekt Glass alle Nutzergewohnheiten ablesen, sogar eine Gesichtserkennung aller Personen wäre möglich, die der Träger sieht. Was halten Sie davon?

Nichts. Google Glass wird ein Albtraum für die Privatsphäre. Und die Leute sind verrückter danach als nach dem neuesten iPhone!

Das mag auch der Grund sein, warum kein Hersteller den Anschluss zu Augmented Reality, der Technik, die Internet und Realität miteinander verbindet, verlieren will. Sony, Microsoft, Baidu & Co. wollen ebenfalls eigene Geräte anbieten, mit denen man telefonieren, Musik hören und vieles mehr tun kann. Wäre das etwas für Sie oder eines Ihrer künftigen Bücher?

Glaube ich nicht. Ohne mich festlegen zu wollen, habe ich doch das Gefühl, dass ich, was meine Romane anbelangt, mit dem Thema Internet durch bin. Es gibt ja auch noch andere Themen, und wichtigere dazu.

Erwischt! Ihre private Website wurde mithilfe der WYSIWYG-Software RapidWeaver erstellt. Mit der Technik ist es wie mit der Liebe: Sobald das Handbuch fehlt, beginnt das Hacken. Legen Sie bei andreaseschbach.de selbst Hand an? Oder machen das Andere für Sie?

Wenn Sie im Quelltext genauer hingeschaut hätten, hätten Sie hinter dem Namen des Templates das Kürzel “_ae” bemerkt und sich denken können, wer die Rapidweaver-Vorlage angepasst hat. Ja, ich mache das selber. Wenn man mal eine IT-Firma gehabt hat, ist das nicht nur Ehrensache, sondern auch schon fast ein Bedürfnis.

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Screenshot: Andreas Eschbachs Homepage

Offenbar hätte ich mir den Quellcode noch genauer anschauen müssen. Gibt es eigentlich schon ein Thema für das nächste Buch? Wollen Sie in groben Zügen verraten, worum es dabei gehen wird?

Es gibt schon ein Thema, aber das ist noch nicht spruchreif.

Dann viel Erfolg bei der Auswahl des nächsten Themas! Herr Eschbach, vielen Dank für das Gespräch.

Links zum Beitrag

  • Time Out bei Amazon
  • Andreas Eschbachs Homepage
  • Lars Sobirajs erstes Interview mit Andreas Eschbach aus 2009

(dpe)

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Design Inspiration Interviews Webdesign

Wir sind alle Schüler: ein Interview mit Designer und Podcaster Tim Smith

Timothy B. Smith, besser bekannt als Tim Smith, ist seit Jahren ein stimmgewaltiger Teil der Design-Community. Bekannt wurde er nicht nur durch die vielen Blogs und andere Projekte, deren meist maßgeblicher Teil er war, sondern auch als die Stimme hinter dem bekannten Podcast The East Wing, der sich an Designer und Entwickler richtet. Sein Enthusiasmus und sein tiefer Einblick in die Branche machen ihn zu einem Aktivposten der Community, aber darüber hinaus auch zu einer Insprirations-Ikone für all diejenigen, die im sich stetig verändernden Feld des Designs danach suchen.

Wer ist? Mehr Interviews.

Tim war kürzlich so freundlich, einmal auf die Seite des Befragten zu wechseln und, trotz seiner engen Zeitpläne, ein bisschen Zeit für uns zu reservieren, um ein paar Fragen zu beantworten.

Unser Interview mit Timothy B. Smith

Tim, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Wärst du so freundlich, dich unseren Lesern kurz vorzustellen?

Danke dir! Ich fühle mich geehrt! Mein Name ist Tim Smith und ich bin Designer, Redner und Kaffeesüchtiger. Ich betreibe außerdem einen kleinen Podcast namens The East Wing. Hier spreche ich über Design mit vielen, sehr schlauen Leuten

Welche Personen inspirieren dich und dein Design?

Oh, das ist immer wieder eine schwere Frage. Da gibt es so viele. Zunächst einmal würde ich sagen, jeder, der mit mir schon einmal bei The East Wing gesprochen hat oder noch sprechen wird. Als da wären Carl Smith, Jason Van Lue, Tim Van Damme, Janna Hagan, Aarron Walter und viele weitere clevere Leute. Mich inspiriert die Art, wie sie denken. Sie helfen mir, Projekte und Designs aus einer ganz anderen Perspektive anzugehen, ohne dabei den Fokus auf Details zu verlieren, sowie stets im Hinterkopf zu behalten, dass ich hier Designs für Menschen mache. Ihre große Erfahrung ist für meine Design-Projekte extrem wichtig.

Du bist seit Jahren ein aktiver Designer und Teil der Community, was sind deiner Meinung nach die besten, aber auch die schlimmsten Entwicklungen in diesem Bereich, seit deinem ersten Eintauchen in die Materie?

Ich würde sagen, meistenteils handelt es sich um großartige Entwicklungen. Ich freue mich, dass Design heutzutage nicht mehr als bloße Dekoration gesehen wird und dass wir Designer gleichsam gezwungen wurden, Probleme zu erkennen und zu lösen, persönliche und wirtschaftliche Ziele zu erreichen und Designs zu entwickeln, die diese Zeile erreichen helfen. Dadurch fanden wir neue Ideen und Herangehensweisen, etwa das responsive Webdesign, Entwicklungen für mobile Endgeräte oder das Einbringen emotionaler Aspekte in das Design. All diese Entwicklungen entstammen dem Wissen, dass unsere Aufgabe viel weiter geht, als bloß Dinge hübsch aussehen zu lassen. Wir wollen moderne Websites erstellen, die funktional, zugänglich und lebendig sind. Im Rahmen dieses Fortschritts habe ich viel über die Art nachgedacht, wie konstruktive Kritik geäußert werden sollte und wo sie hinführt. In The East Wing habe ich das Thema ausführlich mit Aaron Irrizary und Adam Connor besprochen.

Wenn man deine Vorliebe für das Radio in Betracht zieht, so ist The East Wing eigentlich nur ein logischer Schritt auf deinem Weg nach vorn. Wie bist du auf die Idee für den Podcast gekommen?

Na ja, einen Podcast wollte ich schon desöfteren starten. Bereits zwei Mal war ich daran gescheitert, aber wenn ich jetzt auf diese Zeit zurückschaue, bin ich froh, dass alles so gelaufen ist. So war ich gezwungen, lange über eine solide Idee nachzusinnen. Der jetzige Podcast ist das Ergebnis meiner Bemühungen, mich stärker fortzubilden. Dann erkannte ich, dass es so viele schlaue Leute mit schlauen Projekten in unserer Branche gibt, mit denen ich unbedingt sprechen wollte. Mein Ansatz war, mich nicht als Experten, sondern mehr als Schüler zu sehen. Ich liebe es, von den Kenntnissen meiner Gäste zu profitieren und es freut mich riesig, zu sehen, dass meine Hörer so großen Spaß an der Sendung haben, dass sie sie jede Woche wieder einschalten. Dafür bin ich den Hörern wirklich sehr dankbar.

Wie gehst du an so einen Podcast heran? Entstammt die Idee für jede Episode der Riege der Gäste, die du jeweils hast oder suchst du dir die Riege der Gäste auf der Basis einer zugrunde liegenden Idee aus?

Kommt darauf an. Manchmal möchte ich ein bestimmtes Thema anpacken. Dann suche ich mir eine oder mehrere Personen, von denen ich weiß, dass sie dieses Thema total beherrschen. Ein anderes Mal möchte ich einfach eine bestimmte Person näher kennen lernen, von der ich schon viel gehört oder gesehen habe, was mich beeindruckt hat. Meistens lasse ich meine Gäste einfach reden. Sie sind es schließlich, um die es geht. Jeder hat eine Leidenschaft für irgendwas, du musst sie nur erkennen und aus ihnen rauskitzeln.

Der Designprozess besteht aus vielen Stufen. Welche ist aus deiner Sicht die wichtigste und warum?

Das ist schwierig. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen „jede“ und das ist sicher wahr. Immerhin kannst du deinen Job nicht erledigen, wenn du Stufen auslässt. Allerdings scheint mir häufig der Teil der Nutzererfahrung stiefmütterlich behandelt zu werden. Leider sind manche Designer der Auffassung, die Nutzererfahrung sei nicht ihre Aufgabe, sondern die eines spezialisierten „UX-Designers“. Ich halte das für falsch. Wireframing, Nutzertests, Informationsarchitektur und überhaupt alles, was eine Website ausmacht, sind Dinge, in die ein Designer involviert sein sollte und an denen er aktiv mitarbeiten muss. Diese Stufe des Gesamtprozesses kann über Erfolg oder Misserfolg eines ganzen Projektes entscheiden. Ich finde beispielsweise Wireframing so wichtig, dass ich sogar einen Artikel darüber schrieb.

Was ist aus deiner Sicht die größte Stärke der Design-Branche? Was macht sie wirklich aus?

Die Community. Obwohl es dort, wie überall, auch Idioten gibt, kann ich sagen, noch nie zuvor eine so freundliche und hilfsbereite Gruppe Menschen getroffen zu haben. Ich hätte so viele Dinge auf die ganz harte Tour lernen müssen, wenn ich nicht so eine offene Unterstützung aus der Community gehabt hätte. Sogar in meinen damals noch jungen und völlig unbekannten Podcast The East Wing kamen die Gästen bereitwillig und ohne zu zögern. Ich hatte noch nicht einmal eine einzige Episode veröffentlicht, aber bereits 7 Gäste in der Hinterhand.

Gut, dann frage ich anders herum. Was sind die größten Nachteile, Hemmschuhe oder sonstige Widrigkeiten der Branche?

Ich denke, ganz klar, der Mangel der Fähigkeit zu konstruktiver Kritik. Da müssen wir uns dringend verbessern. Es ist meistens schwarz oder weiß. Entweder alle lieben es oder alle hassen es. Das hilft nicht. Auch „Gut gemacht“, „Super“ und andere Floskeln helfen Designern nicht, besser zu werden. Natürlich gilt das auch für „Mann, ist das hässlich“. Ich denke, wir sollten uns gegenseitig mit solider und nachvollziehbarer Kritik helfen und dabei niemanden ins Lächerliche ziehen. Dann machen wir unsere Gemeinschaft stärker und davon profitiert jeder einzelne.

Du arbeitest gerade an einem Projekt, das helfen soll, mehr Wissen zu Drupal zu vermitteln. Das erscheint auf den ersten Blick merkwürdig, wo doch WordPress nahe an einem Markt-Monopol zu sein scheint. Was sind denn so entscheidende Vorteile von Drupal, die der durchschnittliche Entwickler vielleicht übersieht?

Nein, das verstehst du falsch. Bei Lullabot, wo ich arbeitete, waren wir es gewohnt, komplexe redaktionelle Probleme in einen Workflow zu bringen. Dabei ging es zumeist um große Unternehmen mit einem Stab an Autoren, Redakteuren, Managern und natürlich dem Chefredakteur. Solche Prozesse kann Drupal wirklich extrem gut abbilden und, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, skaliert es auch sehr gut. Lullabot realisiert seit nunmehr vier Jahren die Grammy-Website mit dem System und es war nicht ein einziges Mal überlastet während der Veranstaltungsnacht. Wie ich es sehe, sind WordPress und Drupal nur Werkzeuge. Es kommt auf das konkrete Projekt an, welches davon zur Anwendung kommen sollte.

Es wird ja oft behauptet, man lerne jeden Tag etwas neues. Was hast du kürzlich gelernt, dass deinen Arbeitsablauf oder sogar deine ganze Methodik nachhaltig beeinflusst hat?

Fireworks und „box-sizing: border-box;“. Das hat mich komplett umgehauen. Ich verwende Fireworks aufgrund eines Tipps meines alten Kumpels Jared Ponchot seit längerem für das Wireframing. Es ist sehr schnell und lässt deine Wireframes nicht so bescheiden aussehen, wie das etwa OmniGraffle tut. Aber der andere Tipp hat mir echt weiter geholfen, da ich es hasse, wenn ich Abstände manuell kalkulieren muss. Ich hasse Rechnerei im Allgemeinen. Da ist der Fireworks-Tipp ein echter Zeitsparer.

Wenn wir schon vom Lernen sprechen. Welche Erkenntnis wünschtest du dir gehabt zu haben, bevor du dich in die Webdesign-Branche begeben hast?

Zunächst einmal wäre ich froh gewesen, wenn es den Student’s Guide to Web Design schon gegeben hätte, als ich noch Schüler war. Grundsätzlich sollte man sich selbst, seinen Fähigkeiten und seinem Status gegenüber immer ehrlich sein. Es ist keine Schande, einzuräumen, dass man noch Schüler ist und gerade erst beginnt. Wir sind alle Schüler. Wenn wir diesen permanenten Hunger auf neues Wissen verlieren, wird das Netz uns zurücklassen. Sprecht mit Menschen. Wenn Ihr dieses Interview mögt, dann sprecht mit mir.Ich helfe immer gern bei Fragen oder Problemen.

Auf der Basis deiner langjährigen Erfahrung, was erwartest du für die Zukunft des Web?

Es freut mich sehr, dass dem mobilen Webdesign imnmer mehr Beachtung geschenkt wird. Dabei geschieht das gar nicht so proaktiv von unserer Seite, vielmehr erwartet es der Endnutzer. So sind wir zwar alle an Bord, dennoch erwarte ich von der Community hier mehr. Es fehlt an innovativen Lösungen, aber es ist auch ein riesiger gemeinschaftlicher Lernprozess. Wir werden noch herausfinden, wie wir Content organisieren müssen, um ihn schnell und zuverlässig an die diversen Clients auszuliefern, die ihn nachfragen.

Wo wir von Zukunft reden, was dürfen wir denn von dir in der Zukunft erwarten?

Das ist eine gute Frage. Ich möchte ein besserer Designer werden. Dann würde ich mich freuen, wenn ich hilfreicher für andere würde. Das kann über meinen Podcast geschehen oder indem ich meine Rednertätigkeit auf den diversen Konferenzen ausbaue. Darüber hinaus schreibe ich sehr gern. Es dürfte dir inzwischen aufgefallen sein, dass ich sehr gerne rede. Und alles andere wird die Zeit bringen. Warten wir’s ab.

Danke für das Interview, Tim, und alles Gute für die Zukunft. Wir werden deinen Weg im Auge behalten.

Keine Ursache. Euch auch alles Gute.

Das war unser Interview mit Tim Smith. Wenn Sie mehr über und von ihm wissen wollen, sollten Sie seine Blogs Timothy B Smith und Tim Likes to Write lesen, oder den Podcast The East Wing abonnieren. Was halten Sie von Tims Thesen und Einblicken?

(Interviewer: Robert Bowen)

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Inspiration Interviews Webdesign

Interview: Nicht zu Tode analysieren – Nutzerzentriertes Webdesign (3)

Konversionsraten sind nicht nur ein Thema für E-Commerce-Seiten. Auch für Blogs, die sich über Werbung finanzieren, ist das Thema interessant. Die Frage, wie Webdesigner und -entwickler Benutzeroberflächen oder neudeutsch das User Interface Design (UID) ansprechender gestalten können, ist daher äußerst spannend. Frank Puscher hat den Usability-Experten Andreas Selter zur Verbesserung von Usability und nutzerorientiertem Interface Design befragt.


Andreas Selter, Geschäftsführer und Usability-Experten der User Interface Design GmbH, verlangt nach einem pragmatischen Ansatz für nutzerzentriertes Gestalten. Prozesse der Usability-Optimierung müssen auch an den Alltag und die verfügbaren Kapazitäten im Unternehmen angepasst werden.

Dr. Web: Herr Selter, im Rahmen der Webinale haben Sie einen  Vortrag über nutzerzentriertes Design gehalten. Warum holen Sie dieses nicht mehr ganz neue Thema wieder auf die Agenda?

Selter: Sie haben insofern recht, als wir diesen Ansatz schon seit Jahren fordern und mit unseren Kunden durchführen. Aber schauen Sie sich die Praxis an. Aktuelle Entwicklungen zum Beispiel im Umfeld von Social Media zeigen doch, dass die Unternehmen das Thema Usability immer wieder verdrängen, zum Beispiel, wenn es schnell gehen mu und man eine Lösung zeigen will. Viele Unternehmen haben heute Usability-Guidelines, aber die sind höchstens ein Hilfsmittel. Das alleine reicht nicht. Insofern ist nutzerzentriertes Design ein Evergreen.

Dr. Web: Wo erkennen Sie in den aktuellen Prozessen der Unternehmen Mängel?

Selter: Jeder Verkäufer in einem Unternehmen wird selbstbewusst behaupten, seine Kunden und seine Zielgruppe zu kennen. Die meisten Studien und Testergebnisse beweisen aber, dass ein solcher Ansatz, der von Innen heraus gedacht ist, in puncto Conversionrate nicht optimal funktioniert und verbessert werden kann.

Das liegt vor allem daran, dass der Nutzungskontext fehlt. Anders als in einem realen Ladengeschäft, interagieren die Verkäufer im Netz nicht direkt mit den Kunden. Aus diesem Grund muss man die Zielgruppe frühzeitig in die Entwicklungsprozesse einbeziehen und zwar nicht nur in der Evaluation sondern auch schon im Design.

„Nutzerzentriertes Design ist ein interativer Prozess“

Und ein weiterer Punkt, der gerne vernachlässigt wird: Nutzerzentriertes Design ist ein iterativer Prozess. Viele Unternehmen meinen, wenn die Website veröffentlicht ist, ist das das Ende des Prozesses. In Wahrheit ist es der Anfang.

Dr. Web: Also sollte man seine Zielgruppe finden, und sie in Interviews befragen?

Selter: Mit Befragungen ist das so eine Sache. Nutzer sagen natürlich, was sie wollen, aber vielleicht ist das nicht das, was sie brauchen. Ein Beispiel: Kawasaki baute die ersten JetSki. Auf denen musste man stehen. Als man die Kunden fragte, was zu verbessern sei, fand Yamaha heraus, dass das Stehen mit der Zeit unbequem wird. Ein Verbesserungsvorschlag der Nutzer war, eine andere Form der Fußrasten einzubauen. Zeitgleich erfand Yamaha das WetBike, also den JetSki mit Sitzbank und jagte Kawasaki damit Markanteile ab.

Nutzerzentzriertes Gestalten heißt nicht, dass man die Kreativität aus der Hand geben soll und sich nur nach den Wünschen der Kunden richtet. Aber man sollte ihnen sehr genau zuhören und herausfinden, was sie wirklich brauchen.

Dr. Web: Welche Testmethoden stehen zur Verfügung?

Selter: Alle. Vom Tiefeninterview über kreative Techniken wie CardSorting (Näheres dazu siehe Teil 1) bis hin zu Usability-Tests. Wichtig ist, dass Sie die Ergebnisse verarbeitbar machen. Ich kann mich da auch zu Tode analysieren. Eine interessante Technik hierfür ist aus meiner Sicht das Market Opportunity Scoring. Da werden die gesammelten Verbesserungsvorschläge in einer zweiten Runde nochmal allen Teilnehmern vorgestellt und die machen eine Prioritätenliste.

Dr. Web: Welchen Fehler beobachten Sie in solchen Prozessen häufig?

Selter: Oft ist der Ausgangspunkt falsch gewählt. Um wirklich die Bedürfnisse eines Nutzers zu ermitteln, muss ich den Gesamtprozess beobachten ohne Rücksicht auf technische Lösungen.

Bei einer Hotelbuchungswebsite würde man instinktiv vielleicht vermuten, dass die buchende Teamassistentin höchsten Wert darauf legt, das beste Angebot zu finden, um ihren Job gut zu machen. Betrachtet man aber ihre Stellung in der Unternehmenshierarchie, so kann es sein, dass sie dem viel restriktiveren Ansatz folgt: „Bloß keinen Fehler machen“. Dann hat sie ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis und die Buchungsplattform, die das bedient, gewinnt.

Dr. Web: Aber jeder Kunde ist doch verschieden. Besteht nicht gerade da die Gefahr, sich zu verzetteln?

Selter: Die besteht durchaus. Daher favorisieren wir den Ansatz der Personas, also der Bildung von Zielgruppen-Clustern. So mit fünf bis sieben Archetypen kommt man meistens aus. Das ist auch im hektischen Alltag noch praktikabel. Fakt ist doch, dass kaum ein Unternehmen alles ständig testen kann. Das wäre der ideale Weg, aber den muss man ja nicht sklavisch einhalten.

Aus meiner Sicht ist ein bisschen Nutzerzentrierung allemal besser als gar keine.

Dr. Web: Herr Selter, vielen Dank für das Gespräch.

Weiterführende Informationen zu Personas

(mm)

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Cloud Computing (3): Nikolai Longolius über WebTV-Formate, HTML5, Flash und das iPad

CloudComputing bietet eine Reihe innovativer Geschäftsmodelle und die flächendeckende Versorgung mit Rechenpower, wovon besonders kleine und mittelständische Unternehmen profitieren. Nikolai Longolius  glaubt, das WebTV sowohl als PaidContent als auch werbefinanziert funktioniert. Beides benötigt unterschiedliche Plattformen. Mit dem Geschäftsführer von schneevonmorgen webTV GmbH sprach Frank Puscher über Cloud Computing – insbesondere WebTV-Formate sowie über Smartphone-Videos, HTML5, Flash und das iPad.

Cyber Video  – HTML5 oder Flash?

Dr. Web: Herr Longolius, Sie nutzen HTML5 für Smartphone-Videos. Warum setzen Sie auf der Web-Plattform auf Flash?


Nikolai Longolius – Foto: Frank Puscher

Longolius: Flash ist an der PolePosition sowohl was die Verbreitung als auch was die Qualität der Entwicklungsumgebung angeht. Für uns als professionelle Anbieter mit hohem Qualitätsanspruch gibt es keine Alternative. Aber HTML 5 ist ein wichtiger und richtiger Schritt, um das Thema Bewegtbild möglichst breit verfügbar zu machen. Ein solches System muss offen sein und am besten vom W3C zertifiziert.

Dr. Web: In HTML 5 haben Sie aber kein Digital Rights Management (DRM) zur Verfügung.

„Fernsehen ist anders als Musik … nicht jeder braucht DRM.“

Longolius: Das Modell von Paid Content via iTunes ist nur eine Idee unter vielen. Werbefinanziertes Fernsehen wird auch online funktionieren, da bin ich mir sicher. Aber auch wir benötigen eine Kontrolle der Ausstrahlung, zum Beispiel gegenüber Kunden wie BBC, die verlangen, dass in bestimmte Regionen nicht gesendet werden darf. Und es gibt noch den ganz offenen Bereich, dem es völlig egal ist, ob der Video-Content auf Nutzerrechnern gespeichert, per E-Mail weitergeleitet oder in Blogs eingebunden wird. Nicht jeder braucht DRM. Fernsehen ist da anders als Musik. Musik will ich besitzen.

Dr. Web: Sie glauben also daran, dass das Web zum Fernsehmedium taugt? Wird das iPad eine Veränderung des Medienkonsumverhaltens mit sich bringen?

„Die Zukunft von WebTV liegt auf Großbildschirmen im Wohnzimmer“

Longolius: Ich bin sicher, dass das iPad ein Erfolg wird und in seiner Bugwelle kommen auch andere Tablett-Lösungen wieder zurück. Dennoch glaube ich, die Zukunft von WebTV liegt eher auf den großen Flachbildschirmen in den Wohnzimmern. Da gibt es jetzt mehrere Ideen, wie die Bilder dorthin gelangen, entweder über SetTop-Boxen, über einen einfachen WLan-Dongle oder als Stream vom Notebook oder iPad. Was ich dann noch brauche, ist ein komfortabler Ersatz für Maus und Tastatur. Aber die Nachfrage nach einer neuen Idee von Fernsehen ist riesig. Das spüren wir täglich.

iPad ebnet Weg für Tablet-PCs

Viele waren enttäuscht, dass das iPad nicht die Lücke zwischen iPhone und PC schließt. Dafür ist es eben ein echtes Schmuckstück geworden. Ich bin mir sicher, dass hier in den nächsten zwölf Monaten noch zahlreiche gute Ideen auf den Markt kommen werden. Der Weg für Tablet-PCs ist auf jeden Fall endlich geebnet.

Vorteile von Cloud Computing für WebTV

Dr. Web: Sie setzen für dctp.tv die Amazon S3-Cloud ein. Wie profitieren Sie davon?

Longolius: Kosten und Zeit beim Transkodieren der Videos, sinken drastisch. Wir sparen bis zu 80 Prozent der Rechnerkosten dadurch, dass wir sowohl das Transkodieren als auch die Auslieferung der Videostreams von der Amazon-Cloud leisten lassen. Wenn morgen ein neuer Codec angesagt ist, fahren wir mal schnell 1000 Rechner hoch und transkodieren unser bestehendes Material in wenigen Stunden neu. Zum Vergleich: Das Transkodieren einer Minute Video in HDTV benötigt derzeit rund sieben Minuten.

„Wir haben bis zu 80 Prozent der Rechnerkosten eingespart.“

Da die Rechner nur selten, dann aber in geballter Kraft benötigt werden, sparen wir uns die Leerlaufzeit. Kommt ein neuer Video-Codec ins Spiel, wird der auf einem Rechner-Image bei Amazon hinterlegt und fortan steht er in allen gestarteten Instanzen zur Verfügung. Zwölf Cent kostet die Rechnerstunde in der Elastic Cloud.

Dr Web: Dennoch müssen Ihre Mitarbeiter den Prozess permanent überwachen.

Longolius: Nein. Die Amazon-Rechner melden die fertig kodierten Dateien direkt bei unserem Dateiverwaltungssystem IVMS an und machen den Redakteuren den Weg frei, die nötigen Zusatzdaten zusammen zu stellen. Das IVMS verfügt über Seeding-Funktionen zu Drittanbietern, generiert selbständig Vorschaubilder und legt Versionsnummern an, die das Caching von Inhalten in der Cloud ermöglichen und dabei wenn möglich auch den geographischen Standort des Nutzers beachten.

Dr. Web: Spielt die Cloud noch in andern Prozessen eine Rolle?

Longolius: Auch das Ausliefern der fertigen Filme erfolgt „elastisch“. Dctp.tv nutzt zwei unterschiedliche Systeme. Die Flash-Media-Server sorgen für die Belieferung mit VideoOnDemand, wenn die Nutzer Filme aus dem Archiv wählen.


Das Content Management System wird direkt von den Cloud-Rechnern angesteuert.

Auch hier können wir nahezu beliebig viele Media-Server zuschalten, um Spitzenlasten abzufangen. Den aktuellen Lifestream steuern Server von Wowza bei, die ebenfalls in der Amazon-Wolke liegen und bei Bedarf auch extreme Zugriffzahlen stabil handhaben können. Außerdem leisten die Wowza-Server auch das Apple-eigene HTTP-Streaming für iPhone und Co.

Dr. Web: Warum machen das andere Anbieter nicht so wie Sie?

Longolius: Wir haben hier natürlich schon einiges an Know-how aufgebaut. Aber so viele Firmen mit derartigen Anforderungen gibt es auch nicht. Bisher haben wir in Deutschland vielleicht 100 Anbieter mit Streaming-Kosten über 2000 Euro im Monat.

Dr. Web: Sie setzen auf klassische Unterbrecherwerbung. Was ist mit Overlay oder InVideo-Shopping?

Longolius: Ehrlich gesagt glaube ich nicht an derartige Systeme. Beide missachten den Wert des eigentlichen Inhalts im Video und hinterlassen beim Nutzer ein ungutes Gefühl. Außerdem klickt kein Mensch auf den Anzug, den gerade ein Prominenter trägt, um ihn dann zu kaufen.

„Die Verknüpfbarkeit des Contents ist die Zukunft.“

Dr. Web: Einspruch – bei den Modeplattformen, die mit kompletten Outfits und Styles operieren, scheint es Volkssport zu sein, dass zumeist junge Damen versuchen, die Looks der Promis möglichst günstig nachzukaufen.

Longolius: Das glaube ich, doch selbst das lässt sich doch mit entsprechend verlinkten Standbildern eleganter lösen, als mit einem Klick ins Video. Die Verknüpfbarkeit des Contents ist ja auch das, was das Social Web antreibt. Ich glaube da liegt die Zukunft.

Dr. Web: Herr Longolius, danke für dieses Gespräch.

(mm),

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Interview mit Thorsten Bartel: Die Usability der internen Suche

In einer aufschlussreichen kleinen Studie haben die Tester von Usability.de die Suchergebnisseiten von Otto, eBay und HRS verglichen. Das wichtigste Ergebnis: Die Navigation nach der Suche funktioniert nur, wenn der Nutzer sie wahrnimmt.

Ist Facetten-Suche inzwischen ein Standard-Feature, mit dem die Nutzer versiert umgehen?

Thorsten Bartel, Usability.de: Ja und Nein. Filter sind inzwischen auf den meisten E-Commerce-Seiten ein Standard-Werkzeug, um Suchergebnisse flexibel anzupassen und zu verändern. Die meisten Nutzer setzen diese Möglichkeit voraus und formulieren das auch bei Usability-Tests. Ein Suchfeld und eine Sortierfunktion über den Ergebnissen reicht ihnen nicht mehr.

Das heißt aber noch nicht, dass die Nutzer mit der Facetten-Suche versiert umgehen können. Das liegt nicht am Verbreitungsgrad, sondern daran, dass es noch an Standardisierung fehlt und die Anbieter die Gestaltung der Filter weitestgehend willkürlich vornehmen und sich eher am Technisch-Möglichen als an den Nutzerbedürfnissen orientieren.

Beim Beispiel Otto scheint es so, als erwarteten die Nutzer die Funktion gar nicht. Muss man sie deutlich hervorheben?

Bartel: Ja definitiv. Die Darstellung in Dropdowns oberhalb der Suchergebnisse hat sich als problematisch herausgestellt. Das war zu unauffällig, so dass die Nutzer die Möglichkeit, ihr Suchergebnis zum Beispiel nach Farbe oder Preis einzuschränken, erst spät oder gar nicht entdeckten.

Gibt es spezifische Präferenzen, die ihre Probanden zu den Grundwerten angegeben haben, die bei den Filtern voreingestellt sind?

Bartel: Dem Nutzer sollte an dieser Stelle die volle Kontrolle überlassen  werden, das heißt zunächst einmal muss das maximal mögliche Suchergebnis zu  seinem Sucheinstieg angezeigt werden. Es sollten noch keine Filterkriterien ausgewählt sein, es sei denn, sie wurden in der Suchanfrage mit übergeben. Dann müssen sie aber auch entsprechend kenntlich gemacht und gestaltet werden.

Wo und in welcher Ausgestaltung würden Sie selbst den Einsatz der Facettensuche Ihren Kunden empfehlen?

Bartel: Von allen Möglichkeiten ist die Darstellung auf der linken Seite der Suchergebnisseite die günstigste. Was sich dann noch pauschal sagen lässt ist, dass die Darstellung in L-Form – wie sie von Otto.de gewählt wird (also Kategorien links und feinere Filterkriterien oberhalb der Suchergebnisseite) ungünstig ist, da das Zusammenspiel von den Nutzern oftmals nicht verstanden wird. Das haben auch andere Studien bereits gezeigt und wurde durch unsere Tests bestätigt.

Was war der gravierendste Fehler, den Sie im Test festgestellt haben?

Bartel: Einige Website-Betreiber scheinen die Filtersuche bewusst verstecken zu wollen, als würden sie sich dafür schämen. Der Filter wurde in unseren Tests von den Nutzern teilweise erst sehr spät wahrgenommen. Das ist schon schwerwiegend, denn alle Nutzer finden die Möglichkeit der Faceted Search ja prinzipiell sehr hilfreich. Dazu muss sie aber natürlich erst einmal gesehen werden. Der Grund lag  unter anderem darin, dass die Interaktionsmöglichkeit zu unauffällig gestaltet war. „Ach so, hier kann ich das ja noch genau auf meine Wünsche einstellen. Das sah für mich nicht so aus, als könnte ICH da etwas machen“, war ein häufig gehörter Kommentar in unseren Tests.

Aber, ob ein Filter leicht oder schwer zu bedienen ist, kann sich sogar an einzelnen Begriffen entscheiden. Um beispielsweise den Preisfilter bei einer eBay-Suche wieder auf alle Ergebnisse zurückzusetzen, muss der Nutzer den Link „löschen“ klicken. Bei vielen Teilnehmern war hier eine Irritation zu bemerken, da sie daran gewöhnt sind, beim Begriff „löschen“ vorsichtig zu sein. „Filter zurücksetzen“ oder „Alle anzeigen“ hingegen bereitete für den gleichen Fall auf den anderen Seiten keine Probleme.

Herr Bartel, vielen Dank für dieses Gespräch.

(sl), ™

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Interview mit Robert Elsner über Relaunch, SEO und Usability

Der Kampf um Provisionen bei der Online-Vermittlung von Hotelbetten ist knallhart. Im Interview mit dem Betreiber der Hotel-Preisvergleichs-Plattform bettenjagd.de, erläutert Robert Elsner die Bedeutung von Bewertungssystemen für die Hotelerie. Außerdem geht es um den Relaunch, die Navigation, die interne Suche und SEO-Aspekte der neuen Site.

Sie können das Interview auch in einer MP3 Version herunterladen.

Herr Elsner, die neue Bettenjagd ist Web 2.0, oder?

Robert Elsner: Ja, Bettenjagd ist Web 2.0.

Wieso? Weil so viel user-generated-content da drin ist?

Elsner: Nein, noch nicht wegen des user-generated-contents, eher wegen der Technik. Wir arbeiten nicht mehr mit kompletten Seiten-Loads, sondern nur der Teil, der sich ändert, wird ausgetauscht. Wir haben natürlich allerhand runde Ecken, die auch Web 2.0 sind und natürlich die intuitive Handhabung des Systems.

Was macht denn intuitive Handhabung bei einem System aus?

Elsner: Für uns bedeutet im Detail zum Beispiel die Autocomplete-Funktion, die es dem Nutzer erlaubt, leichter nach einem Hotel, einem Reiseziel oder einer Sehenswürdigkeit zu suchen, zum Beispiel dem Fernsehturm in Berlin. Die Menüs klappen dann auf, wenn der Nutzer sie benötigt, zum Beispiel beim Kalender. Und wir haben darauf geachtet, alles genau zu erklären. Wenn der Server gerade nach Betten sucht, steht das auch deutlich da, damit der Nutzer weiß, was passiert.

Was macht Bettenjagd eigentlich genau?

Elsner: Es handelt sich um eine Metasuchmaschine für Hotelbetten. Wir durchsuchen aktuell neun Hotelportale, da sind die großen Player dabei, bei booking.com, HRS oder Hotel.de, mit denen haben wir auch begonnen. Jetzt erweitern wir gerade um kleinere, vor allem regionale Anbieter. Wichtigstes Kriterium ist dabei die Verfügbarkeit der Zimmer. Das wären zum Beispiel Hotelopia aus Palma de Mallorca oder Vinere aus Rom, beide sind im Mittelmeerbereich sehr gut. Dann  Lastminute.de, die ja bekannt sind für ein sehr großes Angebot an Warmwasser-Hotels. Und dann noch WildEast, ein Partner für die Nordsee- und Ostseeküste.

Eigentlich sollten doch alle Hotels warmes Wasser haben, oder?

Elsner: Ja, das klappt auch schon bei den meisten.

Was hat sie dazu gebracht, einen Relaunch zu machen. Wie kam das zustande?

Elsner: Bei der ersten Version war es einfach so, dass wir viele Sachen noch nicht realisiert haben, die halt jetzt mit eingeflossen sind. Und dann sind uns natürlich Fehler aufgefallen, die behoben werden mussten. Die Preisanzeige auf der Produktseite war kaum mehr im sichtbaren Bereich. Viele unserer Nutzer sind auch abgesprungen, wenn sie den Namen des jeweiligen Hotelportals gesehen haben, von dem wir ein Angebot beziehen. Die sind dann oft direkt auf die Portalseiten gegangen und haben dort gebucht, weil sie denen mehr vertraut haben als uns.

Desweiteren wollten wir die Suchfilter erweitern und verbessern und das Thema Bewertungen mit aufnehmen, das gerade im Bereich Tourismus angekommen ist. Wir stellen bislang die Bewertungen als Note dar, wollen hier aber auch tiefer ins Detail gehen.

Sie verwenden bisher nur die Bewertungen der anderen?

Elsner: Genau. Aktuell verarbeiten wir die Bewertungen von Booking.com, Hotel.de und Venire. Und wir werden demnächst auch noch auf eigene Bewertungen zurückgreifen können beziehungsweise Kooperationen eingehen mit großen Bewertungsplattformen.

HolidayCheck, TripAdvisor …

Elsner: Genau die beiden nicht, das ist unsere Konkurrenz. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass wir mit Zoover zusammenarbeiten, das ist ein großes holländisches Portal.

Die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie keine redaktionelle Prüfung der Inhalte haben.

Elsner: Das ist richtig.

Da stehen stellenweise sehr beleidigende Bewertungen drin.

Elsner: Ich weiß, das Thema ist bekannt, und mir wurde versichert, dass daran gearbeitet wird. Uns geht es in erster Linie auch nicht um die Darstellung der Bewertungstexte, sondern vor allem um die Noten in Bereichen wir Sauberkeit, Qualität der Speisen und Getränke et cetera.

Sie setzen Google Analytics im Tracking ein. Wo und wie haben sie bei der alten Seite Probleme festgestellt?

Elsner: Das erste, was wir festgestellt haben, war, dass sehr, sehr viele Nutzer schon auf der Startseite abspringen. Das Problem war einfach zu beheben, die haben nämlich den Buchen-Button nicht gefunden. Der Button war etwas unterhalb der Suchmaske und in der falschen Farbe und daher nicht im Fluss.

Falsche Farbe heißt?

Elsner: Hellblau auf hellblau. Jetzt haben wir alle wichtigen Buttons, die eine Funktion auslösen, orange umrandet.

Was waren weitere Optimierungsmaßnahmen?

Elsner: Wir haben einen eigenen Contentbereich für die Hoteliers entwickelt. Dort können sie ihre eigenen Inhalte hochladen. Bisher kriegen wir die Daten von den Hotelportalen. So ist es möglich, die direkte Verbindung zum Hotel herzustellen.

Welche Daten kann der Hotelier pflegen? Was kann er da tun?

Elsner: Er kann komplett alles tun. Er kann Fotos hochladen, er kann Beschreibungen in zehn verschiedenen Sprachen einstellen, er kann die Adresse einstellen, er muss Kontaktdaten hinterlegen. Er kann auch einen Videocode einbinden, also alles, was sein Hotel eben darstellt.

Die Darstellung ist das eine Thema, wie sieht es aus mit direkten Kooperationen.

Elsner: Wir arbeiten schon mit einigen Ketten zusammen in den Bereichen Newsletter, Kundenaggregierung und Bannertausch. Da haben wir schon mit Marriott und TravelCharme zusammengearbeitet. Was wir jetzt noch weiter planen, ist die direkte Einbindung der Ketten inklusive Buchbarkeit. Bisher läuft das, wie bei allen, über Amadeus, Sabre oder die große Onlinedatenbank Pegasus. Bei den Ketten ist es aber so, dass deren Buchungssoftware auch die direkte Onlinebuchung möglich macht. Firmen wie Accor, NH oder BestWestern können wir dann direkt einbinden.

Accounts für Hoteliers ist das Eine, wie steht es mit Accounts für die Nutzer?

Elsner: Ja, das haben wir auch eingebunden, um die Interaktion zwischen den Nutzern und Bettenjagd.de intensiver zu machen. Aber für einige Funktionen muss sich eben der Markt erst noch öffnen. Die Hotelportale müssen vor allem an ihren Affiliateprogrammen etwas ändern. Viele sind aber gerade dran. Was wir jetzt schon umgesetzt haben, ist, dass man Hotelfavoriten speichern kann. Außerdem können wir sowohl die aktuelle Suche abspeichern, als auch historische Suchen. Damit kann der Geschäftskunden zum Beispiel seinem Controller beweisen, dass kein günstigeres Hotel zum fraglichen Termin verfügbar war.

Was heißt „aktuelle Suche speichern“. Da wird doch auch die Verfügbarkeit geprüft und die ändert sich.

Elsner: Nein, auch die Verfügbarkeiten und Preise werden mitgespeichert. Das System zeigt weist den Nutzer dann aber darauf hin, dass die gewünschte Auswahl eventuell nicht mehr zur Verfügung steht, wenn er die Suche sehr viel später erneut aufruft.

Im Wesentlichen geht’s aber darum, die Suchparameter zu speichern.

Elsner: Genau. Auch die Filter, die man gesetzt hat, um die große Menge an Hotels einzuschränken. Das wird alles beibehalten.

Ihre User haben die Funktion bereits entdeckt, obwohl sie noch nicht veröffentlicht wurde.

Elsner: Ja. Wir haben damit begonnen auf den Unterseiten die Funktion anzubieten, das man als Favoriten speichern kann, aber wir haben das bewusst noch nicht kommuniziert, weil wir den ganzen personalisierten Bereich nochmal überarbeiten wollen.

Relaunches haben meistens auch einen SEO-Hintergrund. Auch bei Ihnen?

Elsner: Genau. Im SEO-Bereich hat sich sehr positiv ausgewirkt, dass wir dem Nutzer einen grafischen Zugang zu den Urlaubsregionen in Form einer interaktiven Weltkarte angeboten haben. Die war zwar vorher auch schon da, wurde aber wenig benutzt, weil sie unterhalb des Seitenfalzes versteckt war. Da sich dahinter aber viele allgemeine Erklärungen zu den Regionen und Freizeittipps befinden, hat die Benutzung dieses Bereichs eine besondere Bedeutung für das Google-Ranking.

Dann haben wir noch ein URL-Beautyfying vorgenommen, so dass nicht nur Google sondern auch jeder User anhand des Pfads erkennen kann, wo er sich in unserer Website befindet.  Wenn man sich also durch die Weltkarte klickt, bekommt man einen Link mit bettenjagd.de/hotels/europa/deutschland/mecklenbugr-vorpommern/sasnitz. Desweiteren haben wir die 404-Fehlerseite optimiert, wenn keine Daten gefunden werden. Es geht also immer weiter. Der Google-Bot kann sich mit den angegebenen Links zum Beispiel zu unserem Facebook-Account weiterhangeln.

Sie haben auch ein achtköpfiges Redaktionsteam aufgebaut.

Elsner: Ja, das ist richtig. Die Leute haben insgesamt 5000 Texte geschrieben, die zu den Reisezielen Content liefern, dabei wurde auch darauf geachtet, dass diese Personen einzigartigen Content erstellen. Durch eine Plagiat-Software wurden die Texte vor der Freigabe geprüft.

Was haben Sie im Bereich der Navigation geändert.

Elsner: Wir haben sichtbar gemacht, wo der User sich befindet. Das war vorher nicht der Fall. Es sind genau vier Schritte bis zur Buchungsseite des jeweiligen Partners. Dort sind die Parameter der Buchung bereits voreingestellt. Die Schritte zeigen wir dem Nutzer in einer Kopfleiste an. Es ist immer möglich, auch einzelne Schritte zurückzugehen und zum Beispiel die Suche zu verändern.

Sie haben sowohl auf den Suchergebnisseiten, als auch auf den Übersichtsseiten Google Maps eingebunden. Spontan hätte ich gedacht, das könnte Performance-Probleme bedeuten.

Elsner: Google hat am Anfang Performance-Probleme gemacht, speziell im Bereich Maps. Wir konnten jetzt aber feststellen ,dass die Ausfälle im Bereich Google Maps geringer geworden sind.

Glauben Sie, dass die Maps-Einbindung eine positive Auswirkung aufs Ranking haben könnte?

Elsner: Davon gehe ich aus. Je mehr Google-Produkte man verwendet, umso besser scheint das Ranking zu sein. Es ist eine Annahme, aber unsere Zahlen scheinen das zu belegen.

Wie setzt sich Ihr Traffic überhaupt zusammen?

Elsner: Wir haben derzeit einen sehr großen Anteil über die Adwords-Kampagnen, weil wir derzeit viel dafür tun, noch bekannter zu werden. Dann kommt viel Traffic aus dem Index. Wir arbeiten schon lange Im SEO-Bereich und haben inzwischen auch ein paar Position1-Platzierungen, zum Beispiel zum Keyword „Hotelpreisvergleich“ oder „Billige Hotels in München“. Das sind Dinge, die man halt langfristig betreibt und die jetzt durchaus funktionieren.

Dann haben wir viel Traffic gewonnen, durch Pressearbeit. Wir haben eine PR-Agentur engagiert und das hat sich sehr ausgezahlt. Zwar nur zu bestimmten Spitzenzeiten, aber immerhin. Und inzwischen verzeichnen wir auch sehr viele Direktzugriffe. Es scheint also immer mehr Stammkunden zu geben.

Sie haben im Vortrag skizziert, dass sich der Relaunch für Sie gelohnt hat.

Elsner: Zum einen können wir eine 100prozentige Steigerung der AdImpressions nachweisen. Das liegt aber auch daran, dass wir auf der Startseite erstmalig überhaupt Werbung implementiert haben. Dann hat  sich die Anzahl der PageImpressions auf eigenen Content um 25 Prozent erhöht. Und unsere Conversionrate – gerechnet als Zugriffe pro Buchung – hat sich um 25 Prozent gesteigert.

Zugriffe Homepage zu Buchung?

Elsner: Genau. Wir rechnen das noch nicht auf den User runter, weil wir noch kein anständiges Trackingtool haben. Das haben wir im Laufe des Jahres umgesetzt. Google Analytics reicht nicht, um das wirklich gut zu machen.

Und jetzt, unmittelbar nach dem Relaunch? Gibt’s schon neue Baustellen?

Elsner: Ja. Da sind ein paar Kleinigkeiten, die aus Usability-Sicht durchaus Sinn machen. Zum Beispiel kann man auch etwas zeigen, wenn die Suche eigentlich kein Ergebnis bringt. Wenn ich zum Beispiel „Bayerischer Wald“ zu Weihnachten buchen will, und da wollen viele andere auch hin, kann es sein, dass die Suche kein Ergebnis bringt. Wir müssen den Nutzern zeigen, dass es nicht daran liegt, dass unser Angebot zu klein ist, sondern dass die Zimmer tatsächlich ausgebucht sind.

Desweiteren wollen wir „historische Zimmerpreise“ anzeigen, damit man nicht jedes Mal eine neue Suche starten muss. Die dauert bei uns mit eineinhalb Minuten recht lange. Da sind viele kleine Sachen, die aus meiner Sicht von der Usability her viel mehr Sinn machen. Wir werden auch den Filter ändern. Der ist  jetzt relativ lang geworden und wir werden ihn mit Schiebereglern „over the fold“ bringen.

Herr Elsner, vielen Dank für dieses Gespräch.

(tm), (sl)

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Webanalytics und Usability-Testing als Geschäft: Interview mit Frank Reese

Branchenbeobachter Frank Reese zeigt sich überrascht von der Omniture-Übernahme durch Adobe. Er sieht aber gleichzeitig starke Konvergenzbewegungen zwischen Webanalytics und Usability-Testing und behauptet, dass Jakob Nielsens Zeit vorbei ist.

Herr Reese, wir haben vor 14 Tagen gehört, dass Adobe Omniture übernimmt. Was bedeutet das?

Frank Reese: Das bedeutet zunächst einmal eine große Überraschung. Die ganze Webanalytics-Welt hat sich darüber gewundert, was Adobe mit Omniture will. Völlig unklar. Allein dieser Preis – 1,8 Mrd. Dollar – ist ja absurd. Das sind 35 Prozent über dem Börsenwert.

Irgendwie muss Adobe eine Idee dahinter sehen. Bislang bedient doch Adobe ein ganz anderes Geschäftsmodell, keine Software-as-a-service. Eine Vermutung war, dass sie nun eine kostenlose Software anbieten. So wie PDF und Flash, mit dem sie groß geworden sind. Aber das ist alles unklar. Womit man gerechnet hat, ist das Oracle Omniture übernehmen könnte.

Aber mit Omniture hat sich Adobe den richtigen ausgesucht, oder?

Reese: Ultimativ den richtigen. Den Weltmarktführer mit dem ganz großen Kasten. Omniture ist die Nummer in Webanalytics weltweit.

Sie analysieren den Markt seit mehreren Jahren. Was tut sich?

Reese: In den letzten Jahren hat sich erstaunlich viel entwickelt. Vor zwei Jahren ging es noch vor allem um das Thema Visualisierung. Es gab die Heatmaps, die Clickmaps, das MouseTracking. Also alles Möglichkeiten zu zeigen, was der Nutzer auf einer Website macht.

Und was in den letzten 12 Monaten vor allem gekommen ist, ist das multivariate Testing. Die besseren Tools haben das alle integriert, so dass die Analytics-Nutzer nun auch dezidiert Tests machen können, die zumindest ansatzweise qualitative Aussagen ergeben.

Derzeit angesagt ist natürlich die Integration von Social Web, Twitter, Blogs. Aber das befindet sich erst am Anfang.

Gerade in diesem Bereich wird oft kritisiert, dass die Messgrößen fehlen.

Reese: Ja klar. Das passiert ja alles nicht mehr auf der eigenen Seite. Das ist eine der großen aktuellen Wirkungen dessen, was wir vor zwei Jahren Web 2.0 genannt haben. Die Leute reden über mich, sie reden viel über mich, aber sie tun das woanders. Und ich muss sehen, wie ich da ran komme. Ein Weg führt natürlich über Crawler und die muss man in die Webanalyse integrieren. Zumindest muss man in der Lage sein zeitlich begrenzte Ereignisse einzuordnen. Wann wird besonders viel in Communities über mich gesprochen und welchen Einfluss hat das auf den Traffic auf meiner Seite.

Wo steht Google Analytics heute?

Reese: Von den Top 50.000 Seiten in Deutschland benutzen 20.000 Google Analytics. Also von den Marktanteilen her ist das überragend. Von den Funktionen her ist in den letzten zwei Jahren eigentlich nicht mehr viel passiert. Da muss man sich schon fragen, warum passiert da so wenig. Die Online-Surveys von iPerceptions wurden ja von Avinash Kaushik mitentwickelt. Warum ist so etwas nicht integriert. Social Media findet in Analytics überhaupt nicht statt. Es gibt nur eine recht grobe Einbindung von Flash. Und Im- und Export sind praktisch nicht vorhanden.

Ich würde sagen Google ist hier inzwischen ein Stückchen zurück gefallen.

Sie behaupten derzeit lautstark: Die Gurus sind tot. Was steckt dahinter?

Reese: Der Abschied von den Gurus. Man kann mit Analyticsdaten wunderbar nachweisen, wie falsch Jakob Nielsen mit einigen seiner Empfehlungen liegt. Das ist der ganz konkrete Ansatz. Dahinter steckt aber eine tiefere Erkenntnis. Die ganze Art von Weissagungen-Generierung, diese Gurus – seien es Art Direktoren, Vorgesetzte oder Usability-Experten – sagen, mache es so oder mache es so. Dabei ist es so viel einfacher zu testen. Ich kann den Nutzern einfach verschiedene Vorschläge unterbreiten. Ich mache keinen Masterentwurf mehr sondern ein Angebot.

Und das ist eben keine Test- oder Laborumgebung, sondern es ist real. Dann schaut man, mit welcher Version einer Seite man am meisten Geld verdient.


Bleiben Microsoft und Ciao (eine Microsoft-Tochter) auch dann Omniture-Kunden, wenn Adobe der Eigentümer ist?

Das ist aber doch eben einer der Ansätze von Nielsen: Glaubt den Gurus nicht. Haben Sie ihn gewählt um bewusst zu provozieren?

Reese: Auch das wäre schon ein guter Grund. Aber, nein. Ich habe in sein letztes Buch hineingeschaut und darin steht zum Beispiel „Überschriften sollen nicht clever sein, sie sollen seriös sein“. Das ist natürlich horrender Unsinn. Wenn ich Geld verdienen will im Netz muss ich natürlich reißerische Überschriften machen.

Aber ich glaube, die ganze Usability-Branche befindet sich sehr stark im Wandel. Sie nähert sich den quantitativen Methoden von Analytics immer mehr an. Weg vom Labor, hin zu großen Tests.

Zweitens zielt die Kritik natürlich auch auf die Unternehmen selbst. Die sind viel zu phlegmatisch, wenn es ums Testen geht. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, wenn die bestbezahlte Person im Raum die Entscheidung aus dem Bauch heraus trifft. Da muss man doch nur in die USA schauen. Die Shops dort erreichen zweistellige Konversionsraten, davon können die deutschen nur träumen.

Würde zahlen-orientiertes Vorgehen nicht notwendigerweise dazu führen, dass innerhalb der Branchen alle Seiten gleich werden?

Reese: Das wäre dann wieder so eine Ästheten-Position. Wenn sich in zehn Jahren herausstellt, dass alle Seiten gleich sind, weil sie damit am meisten Geld verdienen … voila, that´s it. Aber das ist unwahrscheinlich. Das wäre allerdings nicht mein Problem.

Aber das ist ja auch so ein Problem der Usability-Leute, dass man nach allgemeingültigen Standards sucht. Ich glaube das Testen mit Analysemethoden mischt das auch auf. Es gibt so viele unterschiedliche Zielgruppen und Kontextsituationen, die benötigen verschiedene Designs. Aber wie werden etwas ganz anderes erleben. Die Auftraggeber werden sich fünf verschiedene emotionale Gestaltungsvorschläge machen und die gegeneinander antreten lassen.

Es wird Zeit, dass die Dinge noch mehr zusammenwachsen, damit sich die Teams eben nicht mehr an ihrer Eigenproduktion berauschen und dabei die Performance aus den Augen verlieren. Ein BMW Car Konfigurator schneidet bei den Nutzern eben nicht gut ab. Wir müssen das emotionale Nutzererlebnis auf den Prüfstand stellen und für die Art Direktoren ist das ein harter Prüfstand.

Herr Reese, vielen Dank.

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Googlebility – Ein Interview mit Marcus Koch

Wie wichtig die Bedeutung der Findbarkeit für die Usability einer Website ist, erörterte Marcus Koch auf seinem stark beachteten Vortrag während des Usability-Kongress 2009.

Dr. Web: Herr Koch, Ihr Vortrag vor einer versammelten Riege von Usability-Experten ging mal wieder um die Themen SEO und SEM. Was gibt es denn da Neues?

Screenshot

Marcus Koch: Ich weiß nicht, was es da Neues gibt, aber neben der Usability ist eben auch die Googlebility wichtig. Kann Google meine Seite lesen, kann Google mit meiner Seite umgehen. Die meisten Sitebetreiber sind darauf angewiesen, weil ihre Besucher nicht nur per Direkteingabe kommen, sondern in Google danach suchen.

Dr. Web: Wenn Sie schon von Google sprechen. Was ist mit Bing?

Koch: Wir freuen uns, dass Bing wächst, gar keine Frage. Die Quasi-Monopolstellung von Google ist für die gesamte Branche nicht wirklich optimal. Aber da muss man auch ganz klar sagen: Bing ist noch auf einer niedrigen Stufe des Wachstums. Da muss noch viel Geschehen, bis wir eine Situation haben wie in den USA, wo Bing bereits einen Marktanteil von 20 Prozent hat.

Dr. Web: Sprechen wir also weiter von Google. Was gibt es Neues?

Koch: Google ist dieses nie enden wollende Geflecht von Beta-Versionen aller Art. Universal Search ist längst noch nicht am Ende der Entwicklung. Im Gegenteil: die Bedeutung steigt.

Dr. Web: Was heißt das im Detail für den einzelnen Sitebetreiber und den Seitenaufbau, zum Beispiel in Bereichen mit Video und Flash.

Koch: Der Websitebetreiber muss generell dafür sorgen, dass sich Google nicht nur aus der HTML-Seite bedient sondern alle Elemente lesen kann und vor allem gut bewertet. Das gilt vor allem auch für das Thema lokale Suche, die immer wichtiger wird. Das ganze Thema SEO wird diversifizierter.

Dr. Web: Was ist mit Flash?

Koch: Das ist nach wie vor ein Problem. Zwar kann Google die Flash-Dateien lesen, aber Google kann sie nicht bewerten. Eine gut aufgebaute HTML-Seite wird von Google meist besser bewertet als Flash-Inhalte.

Dr. Web: Schauen wir mal rüber zu SEM. Welche Rolle spielt der Quality Score?

Koch: Obwohl das Thema schon ein alter Hut ist, rückt es erst jetzt so richtig ins Zentrum des Bewusstseins. Die Optimierung des Quality Score ist nicht mehr Nice to have sondern Must have. Über eine Optimierung lässt sich unheimlich viel Budget einsparen, in dem man weniger für den einzelnen Klick bezahlt und trotzdem in den Top-Positionen eingeblendet wird.

Dr. Web: Jenseits des Quality-Score, was sind die wichtigsten Hebel für die Kampagnenoptimierung?

Koch: Einige der wichtigen Hebel hat Google bereitwillig kommuniziert. Da wäre zum Beispiel die Klickrate, die Kontextrelevanz sowohl der Landing Page als auch des Anzeigentextes. Doch Google misst noch einiges mehr, zum Beispiel ob die Nutzer, die auf eine Anzeige geklickt haben wieder zurück kommen auf die Suche. Wenn das viele tun, erachtet Google die Anzeige zum entsprechenden Suchwort als irrelevant.

Dr. Web: Sie behaupten, dass nichtgeklickte Anzeigen Geld kosten. Warum?

Koch: Das ergibt sich aus der Click-through-rate. Wenn eine Anzeige extrem oft erscheint aber nicht geklickt wird, sinkt die Klickrate. Dadurch habe ich einen schlechteren Quality Score und das führt über die Preissteigerung zu einem erhöhten CPC, wenn ich die Position halten will.

Dr. Web: Werfen wir einen Blick ins Social Web. Welche Rolle spielt Twitter für das Suchranking?

Koch: Absolutes Hypethema, aber für uns derzeit überhaupt nicht Business-relevant. Man muss es im Auge behalten und es gibt sicher Unternehmen, für die ist Twitter heute bereits ein Thema. Unsere Kunden gehören nicht dazu.

Dr. Web: Aber um Backlinks zu generieren muss doch eine SEO-Agentur derzeit die ganze Social Media Klaviatur spielen?

Koch: Für die Generierung von Backlinks ist Social Media sicher ein ganz wichtiges Thema. Aber Backlink-Generierung ist ein Thema, das macht man, aber man spricht nicht darüber.

Dr. Web: Der Einfluss der SEO/SEM-Agenturen ist in den letzten zwei, drei Jahren immer größer geworden.

Koch: Und das geht weiter. Wir erleben in der klassischen Mediasteuerung immer schneller Sättigungseffekte und müssen immer früher angreifen, um zum Beispiel über den Quality Score der Landeseiten das Budget zu optimieren. Wir wandeln uns von der Such- zur Media-Agentur. Das war nicht zuletzt ein Grund, warum die Suchtreffer AG mit Orange8 zusammen gegangen ist: wir verlängern unsere Werkbank.

Dr. Web: Herr Koch, vielen Dank für dieses Gespräch.

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Online Games: Das müssen die Amerikaner noch lernen – Interview mit Heiko Hubertz

Die Firma BigPoint gilt weltweit als starker Player im Markt für kommerzielle Online-Spiele. Gründer und Geschäftsführer Heiko Hubertz erwartet in den nächsten Jahren einen signifikanten Schub für die Werbung in und mit Online-Games. Frank Puscher hat ihn dazu befragt.

Herr Hubertz: Sie kommen gerade aus Leipzig und gehen nächste Woche auf die GamesCom nach Köln. Wieso beides?

Heiko Hubertz: Wir haben uns strategisch dieses Jahr ganz klar für beide Messen entschieden. Sie sind ja eigentlich beide neu. Die Games Convention konzentriert sich verstärkt auf online – nicht ganz freiwillig – das kommt uns natürlich sehr entgegen. In Köln hingegen nehmen wir Kontakt auf zu den großen internationalen Spieleentwicklern und Konsolenherstellern.

Wie war es denn in Leipzig?

Hubertz: Wir sind sehr zufrieden und rechnen sogar damit, dass sich unsere Messekosten direkt über das Folgegeschäft wieder einspielen. Tatsächlich haben wir uns jetzt schon dazu entschieden, im nächsten Jahr wieder nach Leipzig zu gehen. Die Messe ist zwar noch klein, die Termine jagen sich nicht im 15-Minuten-Takt, aber dafür hat man Zeit, sich entspannt und intensiv mit Vermarktern, Entwicklern und anderen Messeteilnehmern auseinander zu setzen.

Von Krise keine Spur?

Hubertz: Nein. Gerade unser Segment Online-Games zeigt tolle Wachstumsraten. Wir haben in diesem Jahr noch 115 offene Stellen zu besetzen. Das werden wir vermutlich gar nicht schaffen. Über die nächsten Jahre wird sich bis zu 90 Prozent des Spielemarktes auf Online-Spiele verlegen.

Woran liegt das? Jahrelang fochten die Konsolen den Streit um die bessere Hardware aus, die ein authentischeres Spielerlebnis ermöglichte und seit dem Erscheinen der Wii mit Klötzchengrafik ist das alles wieder vorbei?

Hubertz: Ich rede ja nicht davon, dass die Konsolen aussterben. Aber das Geschäftsmodell CD-Verkauf wird schwieriger. Bei uns können die User rund um die Uhr neue Spiele probieren und dank des Freemium-Modells bezahlen sie nur, wenn sie das wollen. Selbst das Abo-Modell von World of Warcraft bedeutet ja, dass der Nutzer auch bezahlt, wenn er gerade im Treckingurlaub ist. Für die Spieler ist Freemium das fairste Abrechnungsmodell und für die Entwickler ist Online die günstigste Vertriebsplattform.

Und die Technik?

Hubertz: Vieles davon wird inzwischen von Renderfarmen oder Compute Clouds erledigt. Wir versuchen ja die verfügbare Bandbreite optimal zu nutzen und das sorgt auch dafür, dass die Nutzer auch mit älterer Hardware ein tolles Spielerlebnis haben können. Ein weiterer wichtiger Vorteil der Onlinegames.

Warum sind hier gerade die deutschen Entwickler so gut aufgestellt?

Hubertz: Das ist im Grunde ein Zufall. Da vor zehn Jahren keine Bandbreite für hochperformante Actionspiele da war, haben wir das entwickelt, was mit weniger Ressourcen auskommt und das sind Strategiespiele. Und die Deutschen lieben Strategiespiele. So kamen wir schnell an eine breite Nutzerbasis, mit deren Hilfe wir viel lernen konnten. Heute haben wir einen echten Marktvorsprung. Wir wissen, wofür die Online-Spieler Geld ausgeben.

Die Asiaten haben doch gerade beim Thema virtuelle Güter eine noch höhere Affinität.

Hubertz: Das stimmt. Bei uns muss ein Item stets einen Nutzen bringen, dort reicht es vielleicht auch, wenn es einfach schrill und bunt ist. Aber gerade wegen der besonderen Kultur sind die Spiele aus Japan oder Korea kaum auf Europa übertragbar. Und die Amerikaner, die traditionell im Konsolengeschäft sehr stark sind, haben das komplett verpasst. Big Player wie Electronic Arts fangen gerade erst an zu lernen, wie Online-Games funktionieren.

Gibt es neben Spielgebühren und käuflichen Items auch ein werblich-fundiertes Geschäftsmodell?

Hubertz: Natürlich, aber es steckt noch in den Kinderschuhen. Im Vergleich zu TV, Radio oder Print setzt sich ein Spieler mit einem Werbemittel viel intensiver auseinander, wenn es klug in das Spielgeschehen eingebaut ist. Diese intensiven Kontakte und Reichweiten, die bei uns weit in den zweistelligen Millionenbereich vordringen, werden die Werber auf den Plan rufen.


Im Onlinespiel World of Golf verkaufen die Markenhersteller die gleichen Schläger wie real. Die Spiel-Golfer schlagen damit weiter und genauer.

Aber natürlich müssen wir auch unsere Hausaufgaben machen. Wir müssen den Prozess der Werbeschaltung vereinfachen, wir müssen Metriken anbieten um die Werbewirkung zu messen und es fehlt eine Freiwillige Selbstkontrolle. Daran arbeiten derzeit alle Verbände.

Auf der anderen Seite müssen die Agenturen kreative Konzepte entwickeln. Das beschränkt sich aus meiner Sicht längst nicht auf Werber, deren Produkte tatsächlich im direkten Umfeld eines Spiels zu finden sind, wie ein schneller Nike-Laufschuh in einem Sportspiel. Wir haben in unserem neuen Spiel Poisonville einiges bereits vorbereitet.

Durch Casual Games erreichen Sie ja heute schon viel breitere Zielgruppen als den klassischen Gamer. Wird es demnächst auch Manager-Spiele auf XING geben?

Hubertz: Ich glaube nicht. Social Network Gaming erzielt in den USA bereits sehr hohe Reichweiten, aber ich bin mir nicht sicher, ob das monetär funktioniert. Auf Freizeit-Plattformen wie Facebook vielleicht, auf Business-Plattformen wie XING vermutlich nicht. Meine Idee ist eher, berufliches und Freizeit, sprich Gaming, getrennt zu halten. Alles hat seine Zeit.

Herr Hubertz, vielen Dank für dieses Gespräch.

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Interview mit Christian Eiden: Interne Suche – Die User sind unzufrieden

Die Renovierung der internen Suche steht für viele Site-Betreiber weit oben auf der Prioritätenliste. Berater Christian Eiden beobachtet allerdings, dass die Anbindung an die Webanalyse und die kommerzielle Umsetzung der Erkenntnisse, die man aus dem Suchverhalten der Nutzer gewinnen kann, noch im Argen liegt.

Herr Eiden, Mängel in der internen Suche sind ein Klassiker in jedem Usability-Bericht. Wird dem Thema zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet?

Christian Eiden, Associate Consultant ARITHNEA: Nein. Ich glaube, dass den meisten professionellen Website-Betreibern die Bedeutung der internen Suche inzwischen klar ist. Ich nehme eine deutlich wachsende Aufmerksamkeit für dieses Thema im Markt war.

Worauf führen Sie das zurück?

Eiden: Ganz einfach: Die User sind zu tiefst frustriert, wenn die interne Suche nicht gut funktioniert. Sie sind es inzwischen gewohnt, dass eine Suche nach einem „PC“ im Ergebnis auch eine Verknüpfung zu „Notebooks“ bringt. Sie wollen sich nicht mit der Technik dahinter beschäftigen und spezielle Suchstrategien entwickeln, um zum Ziel zu kommen. Wir beobachten, dass die „erweiterte Suche“ oder die „Profi-Suche“ meistens nur ganz sporadisch genutzt werden. Eher drücken die User den Back-Button des Browsers und geben etwas Neues ein.

Die Großen setzen also auch hier den Standard.

Eiden: Die großen Shop-Betreiber und natürlich Google. Google steht für Geschwindigkeit und Treffer-Relevanz, große Shops stehen für eine ausgefeilte After Search Navigation, durchdachte Filtersysteme und eine spannende Form der Ergebnisdarstellung. Ich hatte gerade einen Kunden, der hat bei jedem zweiten Satz gesagt: Wir machen das einfach so wie Amazon. Praktisch jeder potentielle Neukunde fokussiert derzeit auf das Thema „After Search Navigation“.

Worin liegt die Herausforderung?

Eiden: Die Filtermöglichkeiten dürfen in keinem Fall zu starr sein. Gute Systeme nutzen potenziell viel mehr Metadaten, als sie die Nutzer tatsächlich präsentieren. Sie können die Präsentation dann an das Verhalten und die Auswahl des Nutzers anpassen. Entweder an die des Einzelnen oder eben an die der gesamten Nutzerschaft. Somit wäre eine gute After Search Navigation in der Lage aktuell wichtige Trendthemen in den Vordergrund zu rücken.

Ein Problem von After Search Navigation ist die mangelnde Reproduzierbarkeit von Ergebnissen. Meistens kann der Nutzer nicht einmal Bookmarks setzen.

Eiden: Stimmt. Viele Systeme haben große Probleme mit der Unterstützung von Bookmarks oder dem Back-Button des Browsers. Aus technischer Sicht kann ich nur sagen, dass das nicht nötig ist. Man kann die entsprechenden Parameter mit dem Bookmark speichern.

Einige Anbieter werben derzeit damit, dass man ja die komplette Shop-Navigation als Anfrage an die Suchmaschine ausführen kann.

Eiden: Ich halte das für spannend. Es erzeugt eine sehr konsistente, nahtlose Verbindung zwischen Suche und Navigation. Wir arbeiten derzeit ebenfalls an einem großen Projekt, dass so aufgebaut wird. Das geht aber nur, wenn man diesen Gedanken von Anfang an mit in die Konzeption nimmt. Nachträglich implementieren kann man das kaum.

Leidet darunter nicht die Google-Sichtbarkeit?

Eiden: Wenn man dadurch von statischen auf dynamische Webseiten umstellt, vielleicht schon. In unserem aktuellen Projekt werden die Seiten bereits dynamisch durch den Server erzeugt. Der Unterschied ist also gering. Allerdings muss man sorgfältig mit den erzeugten URLs umgehen.

Das zweite große Trendthema sind die Kampagnen im Rahmen der internen Suche. Was muss man beachten?

Eiden: Idealerweise arbeitet die Kampagne unsichtbar, in dem Sie zum Beispiel einen der verfügbaren After Search Filter so setzt, dass das beworbene Produkt in der Trefferliste oben landet. Wichtig ist natürlich, dass durch die Kampagne nicht die Relevanz der Ergebnisse kaputt gemacht wird. Ob man eine Kampagne als solche kennzeichnet, würde ich von Fall zu Fall individuell unterscheiden.

Nutzen die Unternehmen das potenzielle Wissen über die Zusammenhänge zwischen interner Suche und Kaufprozess?

Eiden: Leider kaum. Sie wissen zwar, welche Begriffe häufig gesucht werden und ob die Mehrzahl der Nutzer eher nach generischen oder spezifischen Begriffen sucht. Sie wissen aber heute noch nicht, welchen Umsatzwert ein bestimmtes Suchwort hat oder ob Sucher, die von Google kommen auch intern die gleichen Suchbegriffe verwenden.

Es wird immer viel davon gesprochen, dass man durch eine Analyse der Suche so viel über die Nutzer erfährt. In der Praxis ist mir noch kein Fall begegnet, wo das richtig gut gemacht wurde. ™

Herr Eiden, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


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Virtuelle Güter verkaufen – Ein Interview mit Christoph Schneider Managing Partner Nexxter

Nexxter bringt Markenunternehmen, Medienhäuser und Spieleentwickler zusammen, um im Netz neue Erlösquellen zu finden. Seiner Ansicht nach hat auch Xing Potential für virtuellen Geschenkverkauf.

Die spannende Frage, die sich aus dem Erfolg der Idee Item Selling ergibt, ist die nach der Übertragbarkeit des Modells. Können die großen Social Networks eigene Währungen implementieren und damit Geld verdienen? Können Themencommunities ihre Mitglieder für virtuelle Güter begeistern? Lassen sich Sonderfunktionen in einer Software als virtuelle Items verkaufen? Und können sogar Content Websites Inhalte bezahlpflichtig machen, wenn sie sich zum Beispiel einem etablierten System des Item Selling anschließen?

Für die ersten drei Fragen gibt es bereits positive Beispiele auch im deutschsprachigen Raum. Nur wurden sie in der Regel nicht als Item Selling bezeichnet. XING oder Stayfriends bieten jeweils eine kostenfreie Basismitgliedschaft an und verkaufen dem Nutzer dann das Premium-Abo. Das ist der klassische Free-to-play-Ansatz der Gamer. Mitmachen kann jeder und das macht auch Spass. Wer intensiv mitmacht benötigt Komfortfunktionen und ist – sofern er von deren Nutzen überzeugt ist – auch bereit dafür zu bezahlen. Daraus entsteht eine kleine Hierarchie zwischen den Mitgliedschaften. Der Statuswert steigt.

Viele Themengemeinschaften nutzen virtuelle Währungen als klassisches Kundenbindungsprogramm. Fahrrad.de führt die Währung Internet-Stars. Wer bestimmte Mengen an Stars erreicht, bekommt Premium-Geschenke. In naher Zukunft will Betreiber Rene-Marius-Köhler auch Rabatte auf reale Einkäufe einräumen.

User-User-Handel

Das spannende Novum am Item Selling ist die Tatsache, dass die Items ein Eigenleben führen, sobald die Nutzer damit agieren dürfen. Das verstärkt deren soziale Bedeutung. So ist eine auf Facebook verschenkte Rose eine kleine Aufmerksamkeit gegenüber einem anderen Nutzer und erfüllt damit den identischen Zweck wie eine reale Rosenschenkung.

Einen Schritt weiter könnten ein Filial-Unternehmen wie Starbucks gehen. Neben der virtuell verschenkten Tasse Kaffee, wäre freilich auch der Kaffeegutschein in interessantes Item; einzulösen in einer Starbucks-Filliale in Ihrer Nähe.

Christoph Schneider, Managing Partner bei Nexxter, einem Produzenten von Onlinespielen, glaubt daran, dass sich virtuelle Items in sehr vielen Einsatzbereichen durchsetzen könnten. Entscheidens ist nur, dass die Nutzer eine emotionale Verbindung aufbauen.

Dr. Web: Herr Schneider, was ist das Geheimnis von gutem Item Selling?

Christoph Schneider: Wichtig ist, dass es kontext-sensitiv geschieht. In einem Strategiespiel für Frauen könnte eine käufliche Miele-Waschmaschine eine Rolle spielen. Das paßt. In der Online-dating-Plattform Smeet kann man virtuelle Rosen verschenken. Gesponsort von Blume 2000. Passt auch.

Dr. Web: Muss das virtuelle Gut einen konkreten Nutzen haben?

Schneider: Es wird immer einen haben, sonst kaufen es die Leute nicht. Für den Schenkenden ist die Anerkennung erfreulich, der oder die Beschenkte kann sogar einen Statusanstieg im Spiel verzeichnen, weil die Rose in ihrem Profil angezeigt wird. Viele Rosen = sehr beliebt. Das ist Bestandteil des Spiels. Aber natürlich kann man das steigern. Man könnte Nachrichten von einem „Rosenkavalier“ in der Inbox hervorheben. Die Lesechancen steigen und somit vielleicht auch die Chancen, jemand kennenzulernen. Ein klarer und sehr realer Mehrwert.

Dr. Web: Gibt es im deutschsprachigen Raum erfolgreiche Beispiele?

Schneider: Kaum. Was Werbung in Spielen angeht und speziell das Thema Item Selling steht hier erst am Anfang. Ferrero versucht über Spiele gezielt Frauen anzusprechen, weil sie wissen, dass Mütter ihre Kinder beim Spielen begleiten. Nutella macht Werbung in ProEvolutionSoccer und intensiviert damit die Verbindung zum Sport, die ja auch in anderen Kanälen hervorgehoben wird.

Und natürlich Wagner Pizza, die mit Big Ski Challenge und Big Mountainbike Challenge sehr erfolgreich sind. Kein Item Selling, aber gutes Sponsoring.

Dr. Web: Sind die Werber in Deutschland bereit, virtuelle Produkte in Facebook zu verkaufen?

Schneider: Kaum. Die wenigsten Unternehmen haben das Thema auf dem Zettel.

Dr. Web: Wächst die Idee virtuelle Güter aus Spielen heraus in andere Webanwendungen?

Schneider: In die sozialen Networks auf jeden Fall. Das ist ja schon in vollem Gang.

Dr. Web: Könnte XING virtuelle Güter verkaufen?

Schneider: Knifflige Frage. XING ist für viele eine eher seriöse Arbeitsplattform, da fehlt mir die emotionale Bindung, die zum Verschenken wichtig ist. Aber vielleicht könnten man bestimmte Premiumfunktionen als virtuelle Güter definieren. Einen Suchagenten zum Beispiel. Es muß halt möglichst einfach sein.

Dr. Web: Herr Schneider, vielen Dank für dieses Gespräch

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User generated Content: Tagclouds werden nicht verwendet. Ein Interview mit Ingo Heinrich

Gute Usability ist ein Muss im Social Web. Stehen den Nutzern zu viele Hindernisse bei der Erzeugung von nutzergenerierten Inhalten im Weg, beteiligen sie sich nicht und die Plattform kommt gar nicht zum Laufen. Anwendungen, die an die Allgemeinheit gerichtet sind, bilden eventuell nur die Geschmacksmuster einiger weniger Spezialisten ab.

Die Social Commerce Plattform Stylefruits wurde von ihren Machern im ersten Angang zu komplex entworfen. Seit Januar arbeiten die Macher konsequent an der Vereinfachung. Das gilt vor allem, wenn die Nutzerbeteiligung das Rückgrat des kompletten Geschäftsmodells ist. Hier stellen die Nutzer aus den Katalogen zahlreicher Online-Shops Outfits zusammen und präsentieren diese den anderen Nutzern. Jeder Artikel ist mit der jeweiligen Produktseite verlinkt und stylefruits.de verdient an den Vermittlungsprovisionen. Geschäftsführer Ingo Heinrich erläutert den Prozess der Usability-Optimierung.

Herr Heinrich, ohne Tagging kann ein System wie Stylefruits nicht existieren, oder?

Ingo Heinrich, Geschäftsführer Stylefruits: Was das Konzept angeht, haben Sie recht, aber wir haben uns ganz bewusst gegen Begriffe wie Tagging oder Tagcloud entschieden. Letztere haben wir inzwischen sogar wieder aus dem Layout genommen, weil sie nicht verwendet wurden. Die meisten unserer Nutzerinnen können mit dem Konzept des Tagging nicht gleich etwas anfangen. Und das, obwohl wir eine sehr junge Zielgruppe unter den Frauen ansprechen.

Wie haben Sie das Dilemma gelöst?

Heinrich: Wir nennen das Ganze „Stichworte“. Und wir fordern die Nutzerinnen sehr dezidiert dazu auf, einige Stichworte zu vergeben, wenn Sie einen neuen Style kreiert haben. Das ist praktisch eine Nebenfunktion des Speicherns. Die Nutzerinnen müssen einen Namen, eine Beschreibung und Stichwörter vergeben. Gerade bei den Stichwörtern kommen teilweise fast poetische Bezeichnungen zustande.

Gibt es weitere Elemente, auf die Sie aus Gründen der Usability verzichtet haben?

Heinrich: Wir hatten mal die Idee, den Nutzerinnen den Upload eigener Produkte aus deren Kleiderschrank zu ermöglichen, damit sie diese mit neuen Produkten zu Styles kombinieren können. Wir haben aber keine Lösung gefunden, die es den Nutzerinnen auf ganz einfachem Weg ermöglicht hätte, freigestellte Bilder online zu bringen.

Wenn Sie so kurz nach dem Start bereits Design-Veränderungen durchführen, müssen Sie das sehr genau analysiert haben.

Heinrich: Das tun wir täglich. Unser Reporting misst täglich die Traffic-Bewegungen und kann so natürlich auch die Conversion-Qualität einzelner Elemente zeigen. Aber die TagCloud ist ja nur abgeschaltet. Wir können Sie jederzeit reaktivieren, wenn wir das Gefühl haben, dass sie den Nutzerinnen etwas  bringt. Und das war beileibe nicht die einzige Änderung. Das Launch-Design sah komplett anders aus, als die Website heute.


Der Grad der Benutzerfreundlichkeit hängt im Social Web eng mit dem Grad an Beteiligungsleistung zusammen

Worin bestehen die Unterschiede?

Wir vereinfachen andauernd. Zum Beispiel hatten wir früher vorgesehen, dass die Nutzerinnen ein neues Produkt zunächst zum eigenen Kleiderschrank hinzufügen und erst von dort die Möglichkeit erhalten, direkt zum jeweiligen Shop und dort auf die Produktseite zu gelangen. Der Zwischenschritt über den Kleiderschrank ist aber dann überflüssig, wenn die Nutzerin den Artikel eben einfach nur kaufen will.

In eine ähnliche Richtung haben wir auch den Outfit-Designer optimiert. Heute zeigt er direkt einen Preis und einen Link zum jeweiligen Shop an. Das ist Conversionrate-Optimierung pur.

Worin liegt die besondere Schwierigkeit bei der Optimierung von Social Media?

Zunächst muss man feststellen, wo sich der Nutzer gedanklich befindet. Es gibt ja eine Unzahl möglicher Benutzungsansätze. Das ist permanentes Trial-and-Error.  Und dann muss man ja auch zwei Seiten sehen. Conversionrate-Optimierung in Richtung Kauf kann zu einer Verschlechterung im Bereich „User generated Content“ führen. In bestimmten Situationen ist für uns das Bewerten wichtiger als das Kaufen, deshalb ist der entsprechende Button auch rot und auffällig. Wir dürfen nicht auf Teufel komm raus optimieren.

Die gängige Meinung lautet doch, rot ist ein Conversion-Verhinderer.

Heinrich: Ja, das kann man hier und da lesen. Für uns gilt das aber nicht. Da wir ein recht ruhiges, ästhetisches Layout haben, wirkt rot sehr auffordernd. Wir haben klar gemessen, das rote Bestellbuttons besser funktionieren.

Anders ist das bei Links im Text. Die werden weniger geklickt, sobald sie rot sind. Hier setzen wir türkis ein.

Belohnen Sie Ihre Nutzerinnen für Beiträge?

Nein. Auch das machen wir anders, als andere Social Shopping Plattformen. Bei uns gibt es nur eine Sternebewertung und die speist sich aus der Qualität des Styles aus der Sicht von anderen Nutzerinnen. Allerdings gebe ich zu, dass wir intern schon darüber diskutieren, ob und wie wir die Zahl der Seitenaufrufe bei den einzelnen Styles in eine solche Bewertung mit einbeziehen. Im Moment wäre ein Style, der von einer einzelnen Betrachterin „sehr gut“ bewertet wird, ähnlich „wichtig“ wie ein Style mit 100 guten und nur fünf schlechten Bewertungen.

Ihr US-Vorbild ist Polyvore. Haben Sie dort Sachen entdeckt, die Sie bei Stylefruits besser machen wollen?

Auf jeden Fall. Polyvore ist gigantisch, die Nutzer können praktisch aus jedem anderen Onlineshop Produkte integrieren. Das bedeutet allerdings, dass die fertigen Styles zum Teil aus sehr heterogenen Produktwelten entstehen. Überspitzt gesagt wird die Prada-Tasche mit dem H&M-Gürtel kombiniert. Dieser Ansatz transferiert aus unserer Sicht nicht so gut in die Realwelt. Solche Käuferinnen gibt es doch nur ganz wenige. Wir pflegen den Katalog selbst ein.


Um möglichst viele Stichwörter zu sammeln, ist die Funktion Teil des Speichern-Dialogs

Dann haben wir großen Wert darauf gelegt, dass die Nutzerinnen auch Produkte und Styles empfehlen können, ohne bei Stylefruits registriert zu sein. Das senkt die Einstiegsschwelle. Und nicht zuletzt das Design. Polyvore ist schon sehr künstlerisch. Stylefruits haben wir bewusst etwas pragmatischer gehalten.

Eine redaktionelle Leistung bei der Katalogpflege bedeutet hohen Aufwand.

Stimmt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass unsere Plattform viel schneller arbeitet, als zum Beispiel Modezeitschriften. Wenn im April die Sonne scheint, werden bei uns Sommerstyles mit Bikinis zusammengestellt und wir müssen uns schnell darum kümmern, die entsprechenden Daten und Bilder zu bekommen. Das redaktionelle Angebot und vor allem der offizielle stylia-Style bieten uns aber auch die Möglichkeit, Aktionen präzise auszulösen oder auf Neuheiten hinzuweisen. Wir haben in letzter Zeit immer mehr Trends auch aus Printmagazinen aufgenommen und den Nutzerinnen präsentiert und das hat die Conversionrate stark gefördert.

Entfernen Sie dann auch Produkte aus dem Sortiment, die bei den Shops nicht mehr verfügbar sind?

Die Nutzerinnen können Sie nicht mehr zu neuen Styles hinzufügen, in den alten Styles bleiben sie aber erhalten. Unsere Nutzerinnen verstehen, dass die Einkaufsmöglichkeit immer davon abhängig ist, ob die Produkte noch auf Lager sind. Und wenn nicht, kann unsere visuelle Suche dabei helfen, optisch ähnliche Produkte zu finden.

Herr Heinrich, vielen Dank für dieses Gespräch. (tm)