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Vertraue mir! Ein Interview mit Stefan Kellner, Gründer von Plazes

In einer Zeit, in der jede Privatperson und jedes Unternehmen im Netz als Informationssender auftreten kann, kommt es vor allem darauf an, dass die User glauben, was kommuniziert wird.

Walmart spürt eine steife Brise im Antlitz ihres eigenen Online-Marketing. Vor wenigen Monaten stellte die Blogger-Szene das Unternehmen bereits einmal an den Pranger, weil der Gemischtwarenhändler Blogger dafür bezahlte, unternehmensfreundliche Einträge in Blogs zu hinterlassen und für einen guten Ruf der Firma zu sorgen. Der Schuss ging nach hinten los. Auch ein zweiter Versuch mit einem MySpace-Klon ging schief.

Die dritte Folge der Wal-Mart-Web2-Orgie zeigt nun die ganze Tragweite des unglücklichen Ansatzes. Im Blog „Walmarting across america“ produzierten zwei freie Journalisten witzige und kuriose Episoden, die sie auf Wal-Mart-Parkplätzen im ganzen Land aufschnappten. Sowohl Idee als auch die Umsetzung bieten wenig Anlass zu objektiver Kritik. Auf der rechten Seite des Blogs prangte deutlich sichtbar der Hinweis: Sponsored by Working Families for Walmart, einer PR- und Lobby-Initiative des Konzerns.

Doch der Ruf ist ruiniert. Die renommierte Business Week lässt sich zu massiver Kritik an der Site hinreißen mit dem Hinweis: Nirgendwo steht, dass Wal-Mart die Flüge der Blogger bezahlt. Die Folge: Das Blog ist dicht. Der männliche Protagonist Jim Thresher muss um seinen Job bei der Washington Post bangen, weil er die Neutralitäts-Policy des Hauses verletzt hat.

In einer Zeit, in der jeder beliebige Identitäten im Netz annehmen und ausleben kann und in der PR-Abteilungen längst perfekt die Klaviatur des viralen Marketing spielen, stellt sich die Frage: Wem glaubt man noch? Wie können Systeme sicherstellen, dass die enthaltenen Informationen in Blog-Kommentaren, Foren oder auf Einzel-Websites verlässlich und glaubwürdig sind.

Bewertungssysteme könnten eine Möglichkeit sein, Glaubwürdigkeit zu beweisen, ähnlich wie Trust-Labels für sichere Bezahlverfahren oder wie das populäre eBay-System. Bewertungssysteme auf Einzelsites funktionieren nur bei hohen Fallzahlen, damit übermäßige Kritik durch Dauernörgler oder Konkurrenten ebenso weggefiltert wird, wie die Aktivitäten der PR-Maschinerie. Folgerichtig versuchen neutrale Bewertungssysteme wie iKarma, hohe Fallzahlen dadurch zu erreichen, dass nicht der einzelne Kommentar eines Bloggers bewertet wird, sondern der Blogger, WebDesigner, Programmierer selbst, egal, wo er gerade aktiv war. Der öffentliche Online-Leumund sozusagen.

Unternehmer, die mit User-generated-Content arbeiten wollen, widmen dem Thema Glaubwürdigkeit höchste Priorität. Stefan Kellner gründete die lokale Find-Maschine Plazes, auf der Benutzer lokale Informationen im virtuellen Stadtraum hinterlegen können. Andere Benutzer können hier zum Beispiel gute Lokale, interessante Sehenswürdigkeiten oder günstige Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Nähe finden.

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Plazes Beta

Das Prinzip funktioniert ohnehin nur mit hohen Fallzahlen. Mit Clickfish ist ein ähnlicher Dienst vor Jahren den DotComTod gestorben, weil zu wenig relevanter Content produziert wurde.

Wie versucht ein Unternehmer wie Plazes-Gründer Stefan Kellner dem Thema Glaubwürdigkeit Herr zu werden. Dr. Web sprach mit dem Hamburger.

Stefan KellnerDr. Web: Welche Rolle spielen Glaubwürdigkeit und Uservertrauen bei Onlineangeboten vor dem Hintergrund einer Demokratisierung des Web und User-Generated-Content?

Stefan Kellner: Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu Onlineangeboten spielen eine sehr
große Rolle, weil die User immer mehr von sich selbst preisgeben. Dabei ist es wichtig, dass die User die volle Kontrolle über Ihre eigenen Daten behalten und auch in der Lage sind, die Auswirkungen Ihres Handels zu überschauen. Das ist nicht bei allen Services der Fall, aber die Comunity deckt solche Missstände in der Regel schnell auf und zwingt die Betreiber, ihre Systeme anzupassen. Für das Vertrauen der User untereinander haben sich über die Jahre neue Arten menschlicher Beziehungen entwickelt, die ständig im Fluss sind.

Dr. Web: Blogs sind derzeit die lebendigste Plattform für User-Generated-Content. Werden die vielen privaten Blogs überleben, oder ist das eine Modeerscheinung, die sukzessive von großen Medien und Marken aufgesogen wird, weil nur die über das nötige Kleingeld zur Finanzierung und über entsprechende Reichweite und Seriosität verfügen?

Stefan Kellner: Ich glaube nicht, dass Blogs momentan die lebendigste Plattform für User-Generated-Content sind. Communities wie MySpace, Facebook, Flickr, StudiVZ etcertera legen ein wesentlich größeres Wachstum an den Tag. Blogs sind aber sicherlich lebendiger was die Verbreitung von Meinungen angeht. Die Medien beteiligen sich zum Teil sehr aktiv an der wachsenden Bereitschaft der User, eigene Inhalte zu veröffentlichen, wie man zum Beispiel an MySpace sehen kann. Das personal publishing (zum Beispiel blogging) ist komplementär zum Journalismus und wird, gleich in welcher Form, Bestand haben, weil eben genau diese Art von publishing von den Medien nicht zu leisten ist. Das muss natürlich nicht heißen, dass einzelne Blogs sich nicht zu einem Medium entwickeln können oder Journalisten auch bloggen.

Dr. Web: Was muss ein Unternehmen tun, um eine glaubwürdige Öffnung der Kommunikationsstrategie zu vollziehen? Ist das Modell „Frosta“ ein Vorbild?

Stefan Kellner: Frosta ist ein Vorbild, sicher. Man muss aber auch sehen, dass Frosta durch seinen Qualitätsanspruch und die Produkte sehr gute Voraussetzungen für eine offene Kommunikation hat. Einem Pharmakonzern, der Tierversuche durchführt, würde ich das nicht unbedingt empfehlen. Eine offene Kommunikation ergibt nur Sinn, wenn sich das Unternehmen der öffentlichen Meinung stellen will und auch bereit ist, mit Veränderungen darauf zu reagieren. Das ist bei den wenigsten Unternehmen der Fall.

Dr. Web: Machen Vertrauens-Labels wie iKarma langfristig Sinn in einem Markt wo die User mit der eigenständigen Bewertung der Seriosität von Angeboten überfordert sind?

Stefan Kellner: Die meisten Systeme dieser Art sind leicht zu missbrauchen und nicht universell akzeptiert. iKarma ist durch seinen Fokus auf Reputation eine große Hilfe und hat gute Chancen zu einem Standard zu werden. Was natürlich noch fehlt sind Schnittstellen, mit denen man iKarma mit anderen Services verbinden kann. Die Anforderungen an die Seriosität von Angeboten unterscheiden sich stark. Beim Online-Shopping will ich sehr sicher sein, die Seriosität einer Meinung in einem Blog spielt keine so große Rolle. Für jede dieser Anforderungen gibt es Lösungen und alle User finden mit der Zeit heraus, wem sie wann vertrauen können. Ich recherchiere zum Beispiel häufig Namen in Google und openBC und lese mir die Erwähnungen im Web durch, um herauszufinden, mit wem ich es zu tun habe.

Screenshot
Das Bewertungssystem iKarma braucht Schnittstellen zur Integration in jede Website

Dr. Web: Sind Medien heute überhaupt in der Lage, eine offene Kommunikation mit dem User zu betreiben?

Stefan Kellner: Ja, warum denn nicht? Die Medien, die ich konsumiere, sind offen und lassen Kommentare und Feedback zu.

Dr. Web: Unter welchen Vorraussetzungen ist es glaubwürdig, wenn eine Marke plötzlich als Herausgeber medialen Contents auftritt?

Stefan Kellner: Die meisten Medien sind schon immer von Marken beeinflusst (wenn nicht sogar dominiert), da werbefinanziert. Ein Inhalt ist dann glaubwürdig, wenn ich dem Sender vertraue und das kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Marke sein. Schlauer agiert die Marke, wenn sie nicht als Sender in Erscheinung tritt, sondern als Mittler der Botschaft eines vertrauenswürdigeren Senders.

NetNews: Herr Kellner, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

Links zum Thema:

Erstveröffentlichung 31.10.2006

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André Belanger: Permanenter Kontakt zum Besucher

Ein Interview mit André Belanger, Manager Online-Marketing bei Cirque du Soleil.

Dr. Web: Herr Belanger, seit wann benutzen Sie eMail als strategisches Marketinginstrument?

Fergus BurnsAndré Belanger: Wir haben damit im Jahr 2000 angefangen. Anlass war die Gründung des „Club“ zur damaligen Show The Dralion Club.

Dr. Web: Hatten Sie eine vordefinierte Strategie oder war es mehr ein Trial-and-Error-Vorgehen?

Belanger: Irgendwie beides. Wir hatten eine Strategie und eine Routine für kontinuierliche Verbesserungen, entsprechend der Ergebnisse aus den Mailings. Gleichzeitig haben wir aber Raum gelassen für Experimente. Der Erfolg beim Dralion Club war so groß, dass wir umgehend daran gingen, einen Club ins Leben zu rufen, der nichts mit einzelnen Shows zu tun hat.

Dr: Web: 2003 installierten Sie ein Strategie-Team zur Verbesserung der Mail-Kampagnen. Wer gehörte zum Team?

Belanger: Eine Vielzahl von Personen waren im ersten Brainstorming beteiligt: das Branding-Team, die Internet-Gruppe oder die Marketing-Experten für die einzelnen Shows. Es war eine Teamleistung der gesamten Marketingabteilung.

Dr. Web: Was ist der strategische Kern Ihrer aktuellen Mail-Marketingausrichtung? Wie zeigt sich das in Registrierung, Datenbank und Mailings?

Belanger: Das Wichtigste ist natürlich, die Leute in den Club zu locken. Dazu muss man herausfinden, was aus Sicht der User die wichtigsten Vorteile sind. Das sind natürlich die Besucher unserer Website, denen wir versprechen, sie zielgerichtet zu informieren. Das sind aber auch Showbesucher und Ticketkäufer, denen wir die Privilegien vor allem im Umfeld der Shows schmackhaft machen.

Dazu gehört natürlich auch, nur relevante Mails zu schicken, also Informationen zum gewählten Spielort, Stories, die dort passiert sind oder Inhalte die dem Club exklusiv vorbehalten bleiben. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, den permanenten Kontakt zum Besucher zu halten, auch wenn der Zirkus nicht in der Stadt gastiert. Dazu setzen wir eine persönliche Ansprache ein, unterschreiben jede Mail und versuchen authentisch zu bleiben. Entscheidend ist, dass man sich zu 100 Prozent an die vom User gegebene Permission hält. Das Ergebnis: Hohe Registrierungszahlen, fehlerfreie Datenbank und sehr hohe Antwortquoten.


Auch auf der deutschen Startseite wird der Club rechts unten beworben

Dr. Web: Warum gibt es die Website nur in Englisch und Französisch?

Belanger: Teile der Websites sind auch in den lokalen Sprachen verfasst, passend zu den Ländern, in denen wir unterwegs sind. Auch die lokalen Emails sind natürlich auf Deutsch. Aber wir trauen unseren Besuchern durchaus zu, die englische Site des Club zu verstehen. Wir sind ein kanadisches Unternehmen und wollen auch so wahrgenommen werden. Auch das ist authentisch.

Dr. Web: Wie viele Clubmitglieder gibt es heute? Wie teilen Sie diese nach Regionen auf?

Belanger: Ich kann Ihnen die genaue Zahl nicht nennen, aber wir haben die Million eben überschritten. 83 Prozent stammen vom amerikanischen Kontinent, 11 Prozent aus Europa, 6 aus Asien.

Dr. Web: Was ist wichtiger bei den Mails: Umsatz oder Branding?

Belanger: Beides. Der kurzfristige Verkauf würde nicht so gut funktionieren, wenn wir keine langfristig starke Marke hätten. Das Feedback der User hilft uns bei der kontinuierlichen Verbesserung.

Dr. Web: Wie messen Sie die Conversionrate? Wie hoch ist sie?

Belanger: Auch hier kann ich Ihnen keine genauen Zahlen geben, aber durch Optimierungsmaßnahmen haben wir die CR der Homepage in den letzten 12 Monaten um 50 Prozent steigern können. Die CR der Mail-Kampagnen liegen kontinuierlich weit über dem üblichen Durchschnitt. Auch hier haben wir durch Verbesserungen im letzten Jahr eine Steigerung von 20 Prozent erzielt.

Dr. Web: Welche Sonderstellung genießen Clubmitglieder im Zelt?

Belanger: Eine halbe Stunde vor Beginn der Show haben Clubmitglieder die Möglichkeit, ihre Tickets gegen nicht verkaufte VIP-Karten zu tauschen. Das Upgrade ist kostenlos. Schon im Vorverkauf bekommen Clubmitglieder die besten verfügbaren Plätze angeboten. Bislang machen wir das in den USA. Noch in diesem Jahr starten wir damit in Europa.

Dr. Web: Gibt es weitere Promotion für den Club?

Belanger: Wir machen permanent Promotion für Clubmitglieder, deren Freunde und Familie. 2004 anlässlich unseres 20. Geburtstages haben wir Mitglieder aufgefordert, ihr schönstes Cirque-Erlebnis niederzuschreiben. Die Gewinner der Verlosung wurden zur Weltpremiere von „Corteo“ nach Montreal eingeladen. Auch zu unserer letzten Show „LOVE“ gab es ein Gewinnspiel. 100 000 Clubmitglieder nahmen teil und die Gewinner bekamen VIP-Tickets für die Premiere, durften über den Roten Teppich eintreten und übernachteten im Fünfsterne-Hotel mit privatem Whirlpool.

Für uns ist besonders wichtig, dass die Promotions eine intensive Verbindung zwischen den Besuchern und dem Cirque schaffen. Für die Besucher sollen einzigartige Momente entstehen. Die Clubmitglieder lieben das.

Dr. Web: Herr Belanger, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

Erstveröffentlichung 07.09.2006

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Fergus Burns: RSS ist Massenmarkt

Interview mit Fergus Burns, Gründer des RSS-Marketing-StartUp Nooked und früher Marketing-Manager bei Microsoft.

Dr. Web: Herr Burns, was bedeutet RSS für das Online-Marketing?

Fergus BurnsFergus Burns: RSS ist die Technik, die Podcasts und Blogs so erfolgreich macht. Es geht nicht nur um Text. Statt dass der Benutzer sich daran erinnern muss, Webseiten zu besuchen oder E-Mail-Newsletter auszuwerten, werden ihm bei RSS die Informationen als Schlagzeilen direkt in seinen Reader gespielt. Das macht den Informationskonsum effektiver. Manche behaupten, RSS sei für das Web, was Timeshift für das Fernsehen bedeutet.

Dr. Web: Was müssen Marketing-Experten oder Geschäftsführer über RSS wissen?

Burns: Für das Marketing ist RSS aus mehreren Gründen attraktiv. Erstens ist es ein vom Benutzer initiierter Informationsstrom, der das Problem von SPAM und überfüllten Eingangs-Briefkörben umgeht. Zweitens hat RSS eine zentrale Bedeutung für die Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder MSN und deren Art, Inhalte zu indizieren. Ein unverzichtbares Werkzeug für jede Suchmaschinenstrategie. Drittens gibt es Ihnen die Möglichkeit des echten One-to-One-Marketing. Die Konsumenten ziehen von diesem Format deutlich mehr Nutzen, als die Veröffentlicher.

Dr. Web: Gibt es Beispiele für erfolgreiche Geschäftsmodelle im RSS-Umfeld?

Burns: Derzeit wird RSS vor allem benutzt, um Nachrichten zu verbreiten. Alle großen Publisher bieten inzwischen RSS-Feeds an. RSS kann aber viel mehr. Es zeigt sich, dass es ein ideales Werkzeug ist, um jedweden Online-Content zu vermarkten. So benutzen inzwischen Amazon, eBay und Expedia das Format um gezielt Produktinformationen auszusenden. Verschiedene Hotelgruppen betreiben bereits eigene „Last-Minute-Feeds“ und der Computerdistributor Tesco offeriert auf diesem Weg sein „Schnäppchen des Tages“.

Dr. Web: Wie würden Sie eine gute RSS-Strategie definieren?

Burns: Die wesentlichen Merkmale einer guten RSS-Strategie sind:
Gute und interessante Inhalte, die Sie den Usern bieten
einfache Subskriptionsmöglichkeit mit einem einzigen Klick
gutes Tracking zur Erfolgsmessung
intensiver Gebrauch von Syndikation, um schnell eine große Abonnentenzahl zu erreichen.

Dr. Web: Wie erfolgreich funktioniert RSS heute? Gibt es Zahlen?

Burns: Aus unseren eigenen Messungen hat sich ergeben, dass die Klickraten in RSS-Feeds wesentlich höher sind, als in vergleichbaren E-Mail-Kampagnen. Vor allem, wenn es um Informationen auf Produktebene geht. Das RSS-Publikum scheint auch eine höhere Affinität zu haben, die Produkte direkt durch diesen Kanal zu kaufen. Es handelt sich dabei ja um eine Klientel, die sich zu 100-Prozent über Opt-In entschieden hat, die Informationen zu bekommen. Das ist sowohl für Werber als auch für Verkäufer von hohem Interesse.

Dr. Web: Können Sie da noch etwas genauer werden? RSS ist ja noch nicht wirklich der Massenmarkt. Gibt es Branchen, Regionen oder demographische Merkmale die bei den RSS-Nutzern häufiger vorkommen?

Burns: Da muss ich Ihnen deutlich widersprechen. RSS ist Massenmarkt, zumindest in den USA. Eine Studie von Ipsos Insight und Yahoo zeigt, dass 27 Prozent der MyYahoo- oder MyMSN-Nutzer auch RSS konsumieren. Das sind 50 Millionen Internetnutzer.

Dr. Web: Liegt das daran, dass Yahoo RSS quasi unterschwellig verbreitet und die Benutzer gar nicht wahrnehmen, dass sie eine neue Technik einsetzen?

Burns: Das ist der Punkt. In der gleichen Studie bekannten sich nur vier Prozent der Benutzer dazu, RSS aktiv zu nutzen. Dabei sehen alle RSS-Feeds in ihren personalisierten Homepages. Und das wird sich steigern, wenn die Browser oder Windows Vista die Technik verstärkt integrieren. Der Benutzer muss in keiner Form dazu „erzogen“ werden, RSS zu nutzen.

Dr. Web: Das betrifft offensichtlich auch den mobilen Sektor.

Burns: RSS und seine Informationshäppchen eignen sich ideal, um auch auf dem Handy abgerufen zu werden. Wir arbeiten zurzeit an einem konkreten Projekt, um RSS-Feeds auf die neuen Handys von Sony/Ericsson und Nokia zu transportieren.

Dr. Web: Herr Burns, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

Erstveröffentlichung 22.08.2006

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Frank Herrmann: Werbung in Spielen

Frank Hermann ist Marketingdirektor bei Electronic Arts. Er sprach mit uns über das „interactive advertising“.

Dr. Web: Herr Hermann, was zeichnet gute Spielewerbung aus?

Frank HerrmannFrank Hermann: Die höchste Aufmerksamkeit erreichen Kampagnen, bei denen das beworbene Produkt integraler Bestandteil des Spiels wird. Ein gutes Beispiel ist die Integration von Intel-Computern ins Portfolio der virtuellen Städtebauer beim Spielklassiker „Die Sims“.

Dr. Web: Welche Zielgruppen kann man durch Spielewerbung erreichen?

Hermann: Eigentlich jede. Die Auswahl eines Spiels ist eine Lifestyle-Entscheidung der Zielgruppe. Die Kenntnis der Zielgruppe führt also zur Spielwahl. Wer 17- bis 24-jährige Männer erreichen will, muss in Action-Games oder anspruchsvollen Strategiespielen werben. Kleinere Onlinespiele erreichen prozentual mehr Frauen.

Dr. Web: Was muss ein Werber im Vorfeld beachten?

Hermann: Die Umsetzung von guter Spielewerbung benötigt ein halbes Jahr Vorlauf. Ist das beworbene Produkt zu früh in den Regalen, verpufft der Werbeeffekt. Der Aberverkaufszyklus eines guten Spiels läuft nicht selten länger als ein Jahr. Gute Spielewerbung nutzt dieses kontinuierliche Branding dadurch, dass die Kampagne langfristig ausgelegt wird, oder das Spiel aktuelle Motive nachlädt.

Dr. Web: Bei „dynamic advertising“ wird der Vorlauf aber deutlich kürzer.

Hermann: Das stimmt. Aber die Frage ist, ob eine Werbung, die von einem Online-Server auf eine definierte Werbefläche im Spiel gestreut wird, die entsprechende Aufmerksamkeit erhält. Wir beobachten die Entwicklung in diesem Bereich sehr genau, werden aber zurzeit noch nicht aktiv.

Dr. Web: Wie erreicht der Werber die Aufmerksamkeit des Spielers?

Hermann: Entwerfen Sie ein Szenario, in dem Ihr Produkt oder Ihre Marke dem Spieler sinnvoll weiterhilft. So könnte ein aktuelles Handy mit GPS einem spielenden Snowboarder bei der Orientierung helfen. Professionelle Spieleentwickler sind in der Lage, Spielszenen zu konstruieren, in denen Ihr Produkt sinnvoll integriert ist. Kontaktieren Sie die Spielefirma rechtzeitig.

Dr. Web: Lässt sich die Response messen?

Hermann: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Der Spielfluss und damit das kreative Konzept eines Spiels dürfen keinesfalls durchbrochen werden. Responseelemente gibt es also nur im Umfeld eines Spiels, etwa auf der Verpackung oder auf einer passenden Website. Wir garantieren unseren Werbepartner Reichweite durch Abverkauf. Die Qualität des Spiels selbst schafft dann das entsprechende Involvement.

Dr. Web: Spielewerbung mit EA scheint ein kostspieliges Unterfangen.

Hermann: Ich gebe zu: Wir sind vom Pricing her stets etwas teurer als der Marktdurchschnitt. Dafür haben wir aber auch eine sehr hohe Qualität in den Spielen. Werbung auf diesem professionelles Niveau erzielt hohe Reichweite mit starken Werten für die Markenwahrnehmung.

Dr. Web: Was bedeutet das in Zahlen?

Hermann: Ein Sponsoring in einem unserer Spiele mit Platzierung auf der Verpackung beginnt bei 500 000 Dollar.

Dr. Web: Herr Hermann, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

Erstveröffentlichung 22.06.2006

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Scholz und Volkmer: Mittendrin, statt nur dabei

Michael Volkmer, Gründer der Wiesbadener Kreativagentur Scholz und Volkmer fordert von Unternehmen die Öffnung in Richtung direkter und intensiver Kommunikation mit ihren Kunden.

Dr. Web: Herr Volkmer, weshalb müssen deutsche Unternehmen in der Online-Kommunikation umdenken?

Michael VolkmerMichael Volkmer: In der Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden stand in den letzten Jahren vor allem „besser, schneller, größer“ im Mittelpunkt. Das entsprach auch der Produktionssituation in der realen Wirtschaft, wo es vor allem um Wachstum ging. Inzwischen sind die fetten Jahre vorbei. Wir müssen uns mit begrenzten Ressourcen auseinandersetzen und agieren auf schrumpfenden Märkten.

Für die Kundenkommunikation bedeutet das, dass wir Abschied nehmen vom Aufbau hohler Imagewelten, die ein Ausdruck der Luftblasen in unserer Überflussgesellschaft sind. Wir müssen lernen, die wirklichen Bedürfnisse unserer Kunden zu verstehen.

Dr. Web: Das mündet vor allem in intensiverer Marktbeobachtung durch Marktforschung?

Volkmer: Auch. Aber wir müssen uns vor allem davon verabschieden, dem Kunden im Monolog entgegen zu treten, wo er keine Möglichkeit zum Feedback hat. An seine Stelle tritt wieder der echte Dialog mit dem, um den es geht, dem Verbraucher.

Dr. Web: Was bedeutet das fürs Marketing?

Volkmer: Für Werbung und Marketing bedeutet das eine Kehrtwende. Nirgends ist das deutlicher zu sehen, als in den digitalen Medien. Wir sprechen zwar seit Jahren von „Interaktion“ und „Relationship Marketing“, doch die wahre Tragweite dieser Ansätze wird uns in den nächsten Jahren erst bewusst werden. Es geht bei „Interaktion“ eben um weit mehr, als die Teilnahme an einem Gewinnspiel oder den Download eines Newsletters, wo der Benutzer seine E-Mail-Adresse hinterlegt. Es geht um echte Interaktion, um Kommunikation mit den Kunden auf Augenhöhe.

Dr. Web: Wie wird sich das Rollenverständnis der Kunden ändern?

Volkmer: Innovative Unternehmen werden verstehen, dem Kunden die Möglichkeit zu geben an der Gestaltung von Produkten und Services aktiv mitzuwirken. Seit Jahrzehnten ist man es gewöhnt, von einer Firmenzentrale aus Positionierungen zu definieren und sie mit einer Flut von Botschaften breit zu streuen. Wir geben zwar ebenfalls eine Richtung vor – das muss man als Werbetreibender auch –, aber gleichzeitig soll der Endverbraucher die Chance bekommen, auf partnerschaftlicher Ebene mit dem Unternehmen zu kommunizieren. Der User von ehemals entwickelt sich also vom Empfänger zum aktiven Teilnehmer. Bei uns in der Agentur sprechen wir von „Human Brand Interfaces“.

Dr. Web: Sind die Unternehmen bereit für eine solche Öffnung?

Volkmer: Mehr und weniger. Einige Unternehmen aus den neuen Medien praktizieren diese Öffnung heute bereits. Amazon nutzt Käufer-Rezensionen als Verkaufsinstrument, Google bindet die Internet-Community in die Entwicklung neuer Dienste ein und Cisco hat eine Plattform eingerichtet, auf der Kunden direkt miteinander Probleme lösen können, ohne dass sich eine Hotline einschaltet. Mit durchschlagendem Erfolg übrigens: Nicht nur die Kosten für den Support sind drastisch zurückgegangen, auch die Kundenzufriedenheit ist rapide angestiegen.

Dr. Web: Das klingt nach Web 2.0.

Volkmer: Auf den entsprechenden Plattformen finden sich bereits viele der Ansätze, die uns zukünftig begleiten werden. Flickr ist eine Bilder-Community, die nur von den Inhalten ihrer Benutzer lebt und auch Wikipedia ist ein Beispiel dafür, dass die Benutzer bereit sind, Inhalte beizutragen, wenn sie das Gefühl haben, dass daraus etwas Neues entsteht.

Dr. Web: Für traditionelle Unternehmen ist das eine Revolution.

Volkmer: Für viele Unternehmen ist es ungewohnt, Schnittstellen in ihr Innenleben zu öffnen. Dabei zeigen Erfolge im Marketing oder im Bereich Forschung und Entwicklung klar, dass das Konzept funktioniert. Unternehmen, die sich öffnen, werden auch in schrumpfenden Märkten dazu in der Lage sein, sich zu behaupten.

Dr. Web: Welche Rolle kommt dabei der Agentur zu?

Volkmer: Mehr als bisher werden wir die Aufgabe haben, Unternehmen zu beraten und als Mittler zwischen Konsument und Produzent zu fungieren. Denn den mündigen Verbraucher zu bedienen, stellt ganz neue Anforderungen. Wir kommunizieren nicht nur zu den Kunden, sondern sorgen dafür, dass das Feedback beim Unternehmen ankommt und dort ernst genommen wird. Wenn wir dem Verbraucher Vertrauen und Selbstbewusstsein im Umgang mit Firmen geben, wird das langfristig auch gesellschaftliche Veränderungen in Gang setzen.

Dr. Web: Herr Volkmer, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

Erstveröffentlichung 20.06.2006

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Jack Aaronson: Keiner will nur einen Ausschnitt sehen

Ein Interview mit Jack Aaronson, Inhaber der US-Agentur Aaronsongroup und Spezialist für Personalisierung und One-to-one-Marketing auf Webseiten.

Dr. Web: In der Dot-Com-Ära war Personalisierung ein überstrapaziertes Modethema. Kommt das jetzt wieder?

Jack AaronsonAaronson: Ja, Personalisierung kommt zurück. Während der Jahrhundertwende wurde das Thema sehr stark in den Vordergrund gehoben, ohne dass die Unternehmen die Bedürfnisse der Nutzer erfüllen konnten, weil die Technik noch nicht gut genug war.

Dr. Web: Was hat sich seitdem geändert?

Aaronson: Ich weiß nicht, ob die Personalisierungsmethoden heute schon gut genug sind. Aber Fakt ist, dass viele Unternehmen das Thema nicht mehr als „nice to have“ ansehen, sondern es als ihre Pflicht verstehen. Sie sehen außerdem, dass es unterschiedliche Techniken der Personalisierung gibt, von denen einige technisch betrachtet nicht besonders aufwändig sind. Eine einfache MyPage muss nicht in komplexen Prozessen das Benutzerverhalten analysieren. Viel besser ist, sie lässt dem Benutzer den Raum zu erzählen, was er gerne mag.

Dr. Web: Hat moderne Personalisierung etwas mit Web 2.0 zu tun?

Aaronson: Web 2.0 basiert teilweise auf der Idee, dass die User das Web so benutzen, wie es für sie Sinn macht. Wie auch immer das sein mag. Das impliziert, dass die Benutzer eigene Strukturen für ihren Bereich des Webs entwickeln. Das ist übrigens auch die Idee des semantischen Webs. Diese Grundfunktionalität wird die Möglichkeiten der Personalisierung auf ein ganz neues Niveau heben.

Dr. Web: Was machen die meisten Unternehmen falsch bei der Einrichtung personalisierbarer Bereiche?

Aaronson: Der häufigste Fehler ist, dass Unternehmen dort unbedingt das abbilden wollen, was gerade cool ist, und nicht das, womit sie Geld verdienen. Eine gute Personalisierungsstrategie, wie wir sie immer wieder für Kunden erarbeiten, fokussiert auch hier auf die Elemente, die dazu führen, dass der Kunde mehr Geld ausgibt.

Außerdem konzentrieren sich viele Firmen im ersten Schritt darauf, eine Technologie zu wählen, die sie einsetzen wollen und machen sich erst dann Gedenken darüber, wie diese implementiert wird. Das ist genau falsch herum. Zuerst müssen die Firmen die Bedürfnisse der Benutzer verstehen, dann die Methode auswählen, mit der sie dass erfüllen und schließlich die Technik, die das leistet. Wir sagen unseren Kunden immer: „Stellt zunächst das Problem in den Raum und sucht dann nach einer Lösung“.

Dr. Web: Sollten Websites versuchen, Personalisierung zu betreiben, ohne dass sich der Benutzer einloggen muss?

Aaronson: Personalisierung ist ein sehr gutes Akquise-Werkzeug. Insofern sollte man die Eintrittsschwellen möglichst niedrig halten. Nehmen Sie das Beispiel Amazon. Der Vorschlag „Benutzer die dieses Buch gekauft haben, haben auch diese CD gekauft!“ ist Personalisierung auf einem niedrigen, aber sehr effektiven Niveau.

Dr. Web: Wie muss die Websites dieses Vorgehen gegenüber dem User kommunizieren?

Aaronson: Der Benutzer versteht den Amazon-Ansatz intuitiv und er hat sicher kein Problem damit, komplementäre Produkte vorgeschlagen zu bekommen. Spannender wird es, wenn das Session-übergreifend geschieht. Stellen Sie sich vor, Sie als Mann kaufen ein Geschenk für einen homosexuellen Kneipenbesitzer, mit dem Sie befreundet sind, bei Amazon. Wenn die Personalisierung dann so weit geht, dass Amazon ihnen andauernd Produkte für Schwule anbietet, wird Sie das vermutlich nicht freuen.

Hier muss man also klar den Kontext im Blick behalten. Jeder Benutzer kann verschiedene Rollen einnehmen. Insofern sollten alle Personalisierungsmaßnahmen mit dauerhafter Wirkung mit ihm abgestimmt werden. Die entsprechende Frage bei Amazon müsste also lauten: „Wünschen Sie, dass wir Ihnen regelmäßig Neuheiten aus dem Bereich Homosexualität vorstellen“. Der Benutzer muss dann sein Einverständnis erklären oder ablehnen.

Im Endeffekt geht es um zwei Dinge: Kontrolle und Vertrauen. Die Website darf dem Benutzer nicht die Kontrolle aus der Hand nehmen. Wenn es Personalisierung gibt, dann entscheidet der Benutzer, wie sie ausgeführt wird. Benutzer, die vom System bevormundet werden, verlieren das Vertrauen und wittern auch gerne Datenmissbrauch.

Dr. Web: Gibt es das Phänomen “Überpersonalisierung”

Aaronson: Die Menschen wollen sich darüber im Klaren sein, dass ihr Web-Browsing umfassend ist und selbstbestimmt abläuft. Keiner will nur einen Ausschnitt von einer Site sehen, sonst hat er Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Hier gilt es eine exakte Balance zwischen personalisierten und generischen Inhalten zu schaffen, damit die Benutzer das Gefühl bekommen, umfassend informiert worden zu sein.

Dr. Web: Was sind derzeit die spannendsten Personalisierungsfeatures auf eCommerce-Websites oder bei redaktionellen Portalen?

Aaronson: eCommerce-Sites sollten mit den Grundfunktionen beginnen. Bestellstatus, Tracking sowie ein robustes User-Konto. Erst danach geht es um cross-selling und up-selling. Bei redaktionellen Angeboten sollte man sich darauf konzentrieren, den Benutzer Präferenzen eingeben zu lassen, nach denen der Inhalt sortiert wird. Sehr wichtig hierbei ist, dass einzelne Artikel per Hyperlink Bezug nehmen auf nahe liegende Themen, damit die Benutzer „dran“ bleiben.

Dr. Web: Wann darf eine Website nicht personalisieren?

Aaronson: Wenn die Inhalte oder Produkte das nicht hergeben. Kleine Läden mit 100 oder weniger Produkten müssen nicht personalisieren. Was wäre der Sinn? Außerdem sollten Sites nie Informationen abfragen, die sie nicht auch wirklich benutzen, um dem Benutzer das Leben leichter zu machen. Wenn Sie einen Shop für Haustierbedarf betreiben und mich fragen, welches Haustier ich habe, dann verlange ich, dass ich nur Informationen bekomme, die dazu auch passen und nicht universelle Ladeninformationen für alle Tiergruppen. Wenn diese Form der Personalisierung nicht geleistet werden kann, dann sollte ein Shop solche Daten auch nicht abfragen, denn es weckt beim Benutzer falsche Vorstellungen und mündet in Enttäuschung.

Dr. Web: Herr Aaronson, vielen Dank für das Gespräch.

Material zum Thema:

Erstveröffentlichung 29.05.2006

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Antje Lindner: Personalisierung ist ein langfristiges Investment

Ein Interview mit Antje Lindner, Program Manager Business CRM bei Hewlett Packard.

Dr. Web: Frau Lindner, bietet HP seinen Kunden personalisierte Websites an?

Antje LindnerAntje Lindner: Wir haben ein dreistufiges System. Für Endkunden und Interessenten, die noch nicht gekauft haben, bieten wir individuelle Newsletter an. Der Benutzer kann seine Profildaten hinterlegen, wie zum Beispiel die Produktgruppe, für die er sich am meisten interessiert, und erhält dann auf ihn zugeschnittene Informationen.

Im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen betreiben wir sehr erfolgreich individualisierbare Portale. Hier kann ein Unternehmen ebenfalls nach Produktgruppen, aber auch nach seiner Branche personalisieren. Er bekommt dann Zugang zu direkten Produktinformationen wie Treiber-Updates, zu Neuheiten, die seine Interessensgebiete berühren und vor allem zu Supportforen, in denen Experten bei der Problemlösung helfen. Seit letztem Jahr gibt es in einigen dieser Expertencenter auch die Möglichkeit, individuellen Support über eine Chat-Plattform zu erhalten.

Für die größeren Business-Kunden richten wir komplett eigene Shops ein. Natürlich finden sie dort einen unternehmensspezifischen Produktkatalog und damit einen komfortablen Weg für weitere Bestellungen. Sie können aber auch exakt die Bestellhistorie für die eigene Kostenkontrolle auswerten, in aggregierter Form oder bis hinunter zum Verbrauch des einzelnen Druckers.

Dr. Web: Wie weit geht die Personalisierung?

Lindner: Im Newsletter sind fast nur individuell angepasste Informationen. Seltener fließen auch generische News ein. Auch die Portale und Shops sind weitgehend individuell. Auf der Startseite findet sich aber stets eine News-Sektion, die auch andere Facetten unseres Angebots beleuchtet.

Die Personalisierung geht sogar so weit, dass wir in postalischen Einladungen zu Events die Reihenfolge der von uns empfohlenen Vorträge an den Profilen der Kunden ausrichten.

Dr. Web: Das hört sich nach viel Aufwand an. Wie überprüfen Sie, ob sich ein Angebot lohnt?

Lindner: Da haben wir inzwischen ein sehr differenziertes Verfahren. Wir prüfen zunächst den Bedarf für ein Angebot mit Umfragen und anhand der Kennzahlen aus der Analyse der Web-Nutzung.
Dann schätzen wir den Wert der Kunden, die wir durch eine neue Maßnahme bei uns halten können. Und daraus errechnet sich die mögliche Investition. Aber man muss eines klar sehen: Diese Form der Kundenbetreuung rechnet sich nie im ersten Jahr. Es ist immer ein langfristiges Investment.

Dr. Web: Lagen Sie bei der Kalkulation schon mal falsch?

Lindner: Wir entdecken immer wieder Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel hatten wir ein sehr aufwändiges Portal für Zubehör und Verbrauchsmaterialien, also Dinge, die eher von der Sekretärin als vom Einkäufer bestellt werden. Da haben wir die Internetaffinität der Zielgruppe überschätzt. In Frankreich zum Beispiel war der Internetzugang für diese Funktionen gar nicht freigegeben – es gab nur eine Art Pool-PC zum Surfen. Da macht dann Personalisierung wenig Sinn. Wir haben daher das Angebot generischer gestaltet.

Dr. Web: Was schätzen Ihre Kunden am meisten, an den individualisierbaren Seiten?

Lindner: Dass sie Arbeitszeit sparen und sich mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Außerdem kommen die Supportforen sehr gut an. Im Portal für unsere DesignJet-Großdrucker haben wir 650.000 registrierte Kunden aus dem Raum Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

Dr. Web: Und was hat HP davon?

Lindner: Vordergründig natürlich zufriedenere Kunden. Das ist uns sehr wichtig. Was man aber auch nicht unterschätzen darf, ist die Tatsache, dass wir durch die Beobachtung des User-Verhaltens sehr viel über die Bedürfnisse der Zielgruppen lernen. So können wir zum Beispiel eventuelle Schwächen bei Produkten sehr frühzeitig erkennen und gegensteuern.

Dr. Web: Frau Lindner, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

Erstveröffentlichung 22.05.2006

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Yahoo: Volker Glaeser im Gespräch

Volker Glaeser ist Director Yahoo! Media & Search. Er sprach mit uns über Personalisierung, Kommunikation, gezielte Werbung und personalisierte Seiten.

Dr. Web: Herr Glaeser, ist Mein Yahoo ein Auslaufmodell?

Volker GlaeserVolker Glaeser: Wie kommen Sie darauf? Es ist alles andere als das. 2006 ist für Yahoo das Jahr der Personalisierung. Die Wachstumsraten in personalisierten Bereichen übersteigen die normale Webnutzung um das Vierfache. Die Content- Partner suchen händeringend nach Plattformen.

Dr. Web: Was bringt das für Ihre User?

Glaeser: Die Personalisierung birgt eine ganze Reihe von Vorteilen für die User. Denn sie können sich ihr ganz persönliches Internet gestalten. Für die Benutzer ist es beispielsweise sehr bequem, wenn sie ihre Bookmarks online verwalten. Dann geht bei einem Systemwechsel nichts verloren.

Ihre persönliche Startseite können Sie so einrichten, dass sie auf einen Blick die für sie wichtigsten Nachrichten-Feeds, Blogs oder ihre eMails sehen. Dadurch entfällt das „Abarbeiten“ verschiedener Seiten zu Beginn einer Surfsession.

Das was wir gerade im Bereich Personalisierung sehen ist erst der Anfang.

Dr. Web: Sie bauen das Modell also aus?

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Volker Glaeser: „Für Yahoo ist 2006 das Jahr der Personalisierung“

Glaeser: Die Personalisierung ist grundlegender Bestandteil aller unserer neuen Services. Beispielsweise haben wir Anfang des Jahres Yahoo 360° gestartet. Dort kann der Benutzer Content-Feeds einbauen und selber bloggen. Er kann Bildergalerien veröffentlichen und das ganze in Layout und Farbe anpassen.

Auch MeinWeb 2.0. ist kürzlich gestartet. Dort können Suchergebnisse abgelegt und getaggt, also mit persönlichen Kommentaren versehen werden. Außerdem können die persönlichen Suchergebnisse von andern Nutzern eingesehen und genutzt werden.

Dr. Web: Wird Yahoo als Blog-Plattform angenommen?

Glaeser: Wir sind überwältigt von der Resonanz und selbst überrascht, wie viele unserer Nutzer scharf darauf sind, einen eigenen Blog zu publizieren, oder die Beobachtung von Blogs zu organisieren.

Dr. Web: Sind die in MeinWeb 2.0 publizierten Daten automatisch öffentlich?

Glaeser: Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil: Der Benutzer kann selbst Freunde einladen und sie zu Nutzergruppen bündeln. Er kann dann jeder Nutzergruppe gezielt eigene Inhalte servieren und wird somit quasi Betreiber seines eigenen Yahoo.

Dr. Web: Gibt es auch neue, persönliche Inhalte?

Glaeser: Ein wichtiges Projekt für uns ist Local Search. Hier können wir die Profildaten des Benutzers direkt in Mehrwert für ihn umsetzen, wenn er das will.

Dr. Web: Wie reagiert die Online-Werbebranche?

Glaeser: Wir sind sicher, dass sie die neuen Möglichkeiten begrüßen wird. Schließlich verbringen die Benutzer auf Seiten, bei denen sie selbst zum Inhalt beitragen, mehr Zeit und kommen regelmäßig wieder. Das erlaubt ganz neue Möglichkeiten bei der Kampagnen-Planung.

Und natürlich wird Targeting, also die Zielgruppen-gerechte Auslieferung von Werbeinhalten, auf Dauer ein spannendes Thema.

Dr. Web: Nutzen Sie die Profildaten auch fürs Targeting?

Glaeser: Wir versuchen, Werbung in den passenden Kontext zu bringen. Gezieltes Targeting anhand von Benutzerpräferenzen findet aber nicht statt. Der entscheidende ist Punkt vielmehr, welche Art von Targeting überhaupt relevant für den Nutzer ist.

Dr. Web: Planen Sie, die unterschiedlichen Dienste langfristig zusammenzuführen?

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Personalisierung heute: Nutzer bauen sich eigene Comunity-Seiten auf mit Bookmarks, RSS-Feeds und Blogs

Glaeser: Das ist die Vision. Eine persönliche Website für die Benutzer zu haben, auf denen sie alles machen können: Inhalte lesen, Videos und Bilder anschauen, aber auch selbst Texte schreiben, Bookmarks veröffentlichen oder Bilder publizieren. Und dazu natürlich intensiv kommunizieren über eMail, Chat und Instant Messaging.

Dr. Web: Herr Glaeser, vielen Dank für dieses Gespräch.

Erstveröffentlichung 16.05.2006

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Inspiration Interviews

Stewart Butterfield und Caterina Fake: Flickr

Flickr gilt heute als eine der Vorzeige-Websites des Web 2.0, des sozialen Web. Der Online-Bilderdienst entstand eher zufällig, wie das Gründerpaar heute offen zugibt. Ein Interview mit Stewart Butterfield und Caterina Fake, den Gründern von Flickr.

Viele Experten waren überrascht, dass ausgerechnet eine Bildertauschbörse zum High Flyer der neu erstarkten Web Economy werden sollte. Aber spätestens nachdem Yahoo für den Bilderdienst Flickr für einen zweistelligen Millionenbetrag übernommen hat, schaut die Branche genau hin.

Was zeichnet Flickr als Symbolfigur für Web 2.0 aus?

  • Offene Schnittstellen: Tausende von Webdesignern und Programmieren nutzen Flickr-Bilder für eigene Anwendungen, etwa für virtuelle Reiseführer.
  • Flexibilität dank Tagging: Die statische Rubrik-Metapher hat als Navigationsstruktur ausgedient. An seine Stelle tritt das „Tag“, das Schlüsselwort. Durch die Freiheit dieses Systems entstehen Adhoc-Bildergemeinschaften, die aus verschiedenen Blickwinkeln zu einem Schlagwort gehören. Die Benutzer selbst definieren die Zugehörigkeit der Bilder zu einem Schlagwort oder neue Tags.
  • Schnelligkeit: Genau dieser Ansatz macht den Dienst extrem schnell und dabei bleibt er navigierbar. Das nutzen User gezielt zur Bebilderung aktueller Themen, etwa mit ironischen Karikaturen zu Werbekampagnen, oder um Privatbilder von Nachrichtenereignissen zu veröffentlichen.
  • Vernetzbarkeit: Tagging und die Umsetzung als RSS-Feeds erlauben jedem Benutzer, Flickr-Bilder in die eigene Seite einzubauen, zu abonnieren oder mit anderen RSS-Diensten zu kombinieren.

Eine nicht unwichtige Rolle dürfte auch spielen, dass der Dienst bislang keinerlei kommerzielles Interesse erkennen lässt. Aber das könnte sich ändern. Yahoo wird die Häufigkeiten der gesuchten Tags ohne Zweifel in irgendeiner Form zumindest statistisch nutzen. Früher oder später wird es verstärkt zu Flickr-Spam kommen, wenn Unternehmen gezielt Bilder dort veröffentlichen um Werbung zu machen.

Frank Puscher sprach für uns mit den Gründern.

Stewart Butterfield und Caterina FakeDr. Web: Erzählen Sie uns über die Entstehung von Flickr.

Caterina Fake: Flickr war ein eigentlich ein Unfall. Wir hatten gerade ein Online-Multiplayer-Game entwickelt, als sich dessen Spieler in der Member-Area selbständig machten. Sie kommunizierten immer mehr und spielten immer weniger. Irgendwann kam Stewart mit der Frage, ob man das Spiel nicht ganz weglassen sollte.

Dr. Web: Wie muss man sich die Erfindung von Flickr vorstellen? War es eher ein kollektiver Prozess oder einzelnes Genie?

Stewart Butterfield: Die ursprüngliche Idee war meine eigene. Aber das war nur ein winziger Baustein. Und in der Tat existiert diese Idee im heutigen Flickr gar nicht mehr. Unmittelbar nach der Idee begann der kollektive Prozess. Alle im Team diskutierten, stritten, johlten und lachten miteinander. Die Ursprungsidee hatte einen Anteil von vielleicht fünf Prozent am Ganzen.

Dr. Web: Gab es einen externen Impuls?

Butterfield: Ja, den gibt es eigentlich andauernd. Die meisten Dinge begegnen mir tagsüber und ich kann sie dann abends im Bett, kurz vor dem Einschlafen bündeln.

Fake: Wir sind beide Online-Junkies. Die Idee, etwas im Bereich Kommunikation zu machen, lag daher nahe.

Dr. Web: Das sieht man: Sie betreiben drei Blogs simultan.

Fake: Nicht mehr, jetzt sind es noch zwei. Das Netz treibt mich. Manchmal habe ich Schlafstörungen. Dann setze ich mich an den Rechner und arbeite an Dingen, die ich tagsüber nicht geschafft habe. Das ist auch kein Problem, so lange man am nächsten Tag nicht im Team funktionieren muss.

Dr. Web: Gibt es in Ihrem Alltag Routinen, mit denen Sie versuchen, kreativ zu sein und neue Ideen zu entwickeln?

Butterfield: Ne. Das ist bei mir jeden Tag anders.

Fake: Die einzige Routine bei mir sind die morgendlichen Corn Flakes.

Dr. Web: War es schwierig, Ihr Team von Flickr zu überzeugen?

Butterfield: Wir teilten uns etwa zur Hälfte in Befürworter und Gegner. Da ging es am Anfang sehr hitzig zu. Nach ein paar Diskussionen konnte ich aber auch die Kritiker für meine Idee begeistern.

Dr. Web: Was ist das Charakteristische an der Website Flickr?

Fake: Das es gar keine Website ist. Flickr ist Peer-to-peer. Wir bieten nur eine Zugangsplattform an. Alles andere machen die Benutzer unter sich aus. Jeden Tag entstehen neue, spannende oder lustige Anwendungen auf der Grundlage der offenen API. Der Flickr-Feed in meiner Site unterscheidet sich komplett von dem, was andere machen. Jeder macht sich sein eigenes Flickr.

Dr. Web: Wie fühlte es sich an, als Yahoo Flickr übernahm? Überwog die Genugtuung, oder bedauerten Sie, die Kontrolle über das Projekt zu verlieren?

Butterfield: Auf jeden Fall tiefe Genugtuung. Heute macht das Arbeiten an Flickr nicht mehr so viel Spaß wie früher, weil uns die Menge an Usern viele technische und auch inhaltliche Probleme bereitet.

Fake: Aber immerhin haben Sie uns nicht dazu gezwungen, Anzug und Kostümchen zu tragen.

Die vielen Flüge zu Präsentationen und Vorträgen haben auch einen großen Vorteil: Ich kann endlich wieder mehr lesen.

Dr. Web: Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie anders machen?

Butterfield: Alles. Aber Trial and Error war ja Teil unserer Strategie. Und außerdem wollten wir so schnell sein, wie möglich. Wir haben am Anfang alles falsch gemacht und machen vermutlich auch heute noch vieles falsch. Aber das ist OK. Wir versuchen, etwas Großes auf die Beine zu stellen und da muss man halt viel experimentieren.

Dr. Web: Frau Fake, Herr Butterfield, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

Erstveröffentlichung 29.03.2006

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Inspiration Interviews

Werben in Blogs: Werbung muss einen Mehrwert haben!

Wie reagiert die Blogger-Szene auf Online-Werbung? Ist das ein Tabuthema oder verstehen die User, dass der Blog-Betreiber eine Einnahmequelle benötigt? Dr. Web sprach mit Johnny Haeusler, dem Betreiber des populären Blogs Spreeblick.

Dr. Web: Herr Haeusler, wie steht die Bloggerszene zum Thema Werbung?

Johnny Haeusler: Grundsätzlich hat die Szene aus meiner Sicht nichts dagegen. Es muss allerdings eine klare Trennung zwischen Inhalten und Werbung gewahrt bleiben.

Dr. Web: Guerilla-Methoden, wie also das Posten von Werbebotschaften in Kommentaren scheidet demnach aus.

Haeusler: Ich wünschte, ich könnte die Frage mit „Ja“ beantworten. Ich erhalte jeden Tag dutzende von Vorschlägen, was ich mir doch „unbedingt“ einmal anschauen soll. Da kann ich nicht ausschließen, dass hier Marketingleute dabei sind, die ihrem eigenen Produkt etwas Gutes tun wollen. Die Grenze ist ohnehin fließend. Wenn ein Webdesigner einen tollen Flash-Film gemacht hat, ist es völlig legitim, dass er versucht, einen Blog-Eintrag dafür zu bekommen, auch wenn er ja letztlich Geld damit verdient.

Unterm Strich kommt es eigentlich nur darauf an, dass die Werbung meinen Lesern etwas bringt. Wenn Unternehmen versuchen, die Kommentare mit Werbe-Spam zu füllen, merken die Blogger das sehr schnell. Dann spricht es sich in der Szene rum und das Unternehmen ist „durch“. In besonders heiklen Fällen, wie bei Jamba kann das sogar in der Szene zu starken Gegenreaktionen führen.

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Johnny Haeusler

Dr. Web: Wenn Coca-Cola also eine tolle Verlosung anbietet, würden sie darüber berichten?

Haeusler: Eine neue Website von Coca Cola ist selten spannend. Die orientieren sich am Mainstream und bieten meinen Lesern nicht genug Neues. Es kann aber Blogs geben, die eine Zielgruppe ansprechen, die genau für solche Botschaften empfänglich ist. In den USA sind beispielsweise Teenie-Blogs extrem populär. Da versuchen die Hersteller von Markenartikeln schon, in die Blogs zu kommen, oder da zu werben.

Dr. Web: Lohnt sich eine strategisch auf Blogs ausgerichtete Kampagne für ein Unternehmen, dass tatsächlich ein für die Szene spannendes Angebot hat?

Haeusler: Warum nicht? Auch meine Leser haben „ganz normale“ Interessen, wie zum Beispiel einen günstigen und schnellen Internetzugang zu bekommen. Wenn ein Unternehmen so etwas anbietet, nimmt die Zielgruppe das an. Allerdings muss der Anbieter wissen, dass sein Angebot sehr genau geprüft wird.

Geht man einmal davon aus, dass ein Produkt tatsächlich gut ist, dann spricht sich das in der Szene sehr schnell herum. Da genügt es, dass ein populärer Blog-Betreiber gute Erfahrungen mit einem Thema gemacht hat und die Szene ist sensibilisiert.

Dr. Web: Welche Erfahrungen hat Spreeblick mit Werbung gesammelt?

Haeusler: Das ist ein spannendes Thema. Da ich sehr kritisch mit Dingen umgehe, kommen nicht viele Werbeangebote. Vor Weihnachten kam eine Anfrage der „Toten Hosen“. Die hatten damals eine neue DVD herausgebracht. Wir haben ein Prerelease auf die Site gestellt und das wurde über 10.000 Mal herunter geladen. Das war natürlich ein Angebot, das sowohl inhaltlich, als auch vom Produkttyp perfekt zu Spreeblick passte. Die „Hosen“ haben für die Platzierung bezahlt, allerdings viel weniger, als in den meisten etablierten Kanälen. Und so war es für alle eine gute Situation.

Dr. Web: Worin liegt denn der Mehrwert der Werbung in Blogs gegenüber anderen Online-Werbeformen?

Haeusler: Die Leute lesen wenigstens. Wo findet man das heute noch. Nein, im Ernst. Unsere Leser sind absolute Power User. Sie beschäftigen sich intensiv mit Online. Sie verbringen viel Zeit mit dem Lesen von Blogs und nehmen in dieser Zeit auch passende Werbebotschaften entsprechend intensiv auf. Außerdem gibt es keinerlei Streuverlust, vorausgesetzt man wählt den richtigen Blog.

Dr. Web: Gibt es große Unterschiede?

Haeusler: Natürlich gibt es thematische Unterschiede. Aber auch hinsichtlich Stil und Professionalität gibt es sehr verschiedene Blogs. Nehmen Sie den US-Anbieter Gorka zum Beispiel. Der beschäftigt zahlreiche Autoren, die intensiv vorher getestet wurden. Das hat die Qualität einer Nachrichtenredaktion. Wer weniger als zehn Einträge am Tag leistet, fliegt da vielleicht raus. Gorka hat seinen eigenen, sehr bissigen Ton. Das ist schon eine starke Marke in der Szene.

Dr. Web: Was muss ein Werber beachten, wenn er sich in die Bloggerszene wagen will?

Haeusler: Das wird ihm der entsprechende Blog-Betreiber schon sagen. Für uns geht es darum, unseren Lesern etwas anzubieten, nicht zu verkaufen. Das höchste Qualitätsmerkmal des Bloggers ist seine Glaubwürdigkeit. Im Zweifel verzichtet er lieber auf eine Einnahme, statt das Vertrauen seiner User zu enttäuschen. Aber natürlich ist da auch ein Stück Erziehungsarbeit dabei. Meine Benutzer verstehen inzwischen, dass ich von etwas leben muss. Und je mehr davon aus dem Blog kommt, umso intensiver kann ich mich darum kümmern. Das steigert letztlich auch die Qualität.

Dr. Web: Und was geht gar nicht?

Haeusler: Flash-Layer gehen nicht. Blinkende Animationen kommen keinesfalls auf meine Seite. Die Blogger favorisieren schlichte Textwerbung, die auch besser zum Stil der meisten Blogs passen. Sie sehen überall Adsense-Anzeigen von Google. Das ist der Prototyp. Die Klickraten sind zwar sicher geringer, als wenn man aggressivere Werbeformen einsetzen würde, aber dafür ist die Qualität des Traffic und damit letztlich die Conversionrate höher.

Dr. Web: Blogs sind der Vorreiter für alles, was heute Web 2.0 heißt. Was bedeutet dieser Begriff aus Ihrer Sicht?

Haeusler: Unternehmen werden lernen, ganz anders mit ihren Kunden umzugehen. Sie werden Schnittstellen offen legen und die Kunden teilhaben lassen, an dem was passiert. Schauen Sie sich die Vorzeige-Site Flickr an. Der Bilderdienst selbst ist ja nicht besonders spektakulär. Es sind die Flickr-Tools, die das Unternehmen so sympathisch machen. Damit stellen allerhand User ganz verrückte Dinge an, und tragen die Marke Flickr in die ganze Welt.

Dr. Web: Herr Haeusler, vielen Dank für dieses Gespräch.

Der Link:

Erstveröffentlichung 20.02.2006

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Inspiration Interviews

Interview: Performance Marketing im Aufwind

Online-Marketing boomt. Andreas Pütz, Direktor Marketing bei Pixelpark erwartet mehr Branding-Kampagnen 2006. Dr. Web Redakteur Frank Puscher sprach mit ihm.

Ganz Deutschland stöhnt unter Abgabenlasten, sinkenden Umsätzen, Arbeitslosigkeit und Bürokratismus. Ganz Deutschland? Nein. Ein kleines Segment der Werbebranche vermeldet Wachstumsraten wie seit Jahren nicht mehr. Die DotCom-Krise ist endgültig überwunden. Online-Marketing hat sich als fester Bestandteil jeder Werbekampagne etabliert und kann im Performance-Marketing seine Vorteile direkt ausspielen.

Dr. Web sprach mit Dr. Andreas Pütz, Direktor Marketing bei Pixelpark in Köln, über die Entwicklung aus Sicht einer der bedeutendsten deutschen Agenturen.

DR. WEB: Herr Pütz. Online-Marketing boomt. Wonach verlangen Ihre Kunden heute besonders?

Pütz: Bei uns geht die Nachfrage eindeutig Richtung Performance-Marketing. Es gibt kaum eine Kampagne, die ohne direkte Erfolgsmessung durchgeführt wird. Sehr gefragt sind Suchmaschinen-Marketing und eMail-Marketing. Und auch Crossmedia-Kampagnen, die Verbindungen zwischen zum Beispiel dem POS und der Online-Werbung schaffen.

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Andreas Pütz setzt noch keine hohen Erwartungen in PodCasts

DR. WEB: Email-Marketing hört sich nicht gerade nach kreativer Spielwiese für eine Spitzenagentur an.

Pütz: Aus Sicht der Gestaltungselemente stimmt das. Auch da stehen wir immer wieder vor der Frage: Was kommt beim Benutzer an. Starke Marken wie Tchibo, bei denen der User weiß, dass tolle Angebote dahinter stecken, begnügen sich mit Plain-Text und setzen auf gut gestaltete Landing-Pages. Das funktioniert bei weniger bekannten Unternehmen nicht. Da gibt es schon einmal Mailings mit StreamingVideo oder Flash.

DR. WEB: SPAM-Filter und PopUpBlocker bleiben also 2006 ein wichtiges Thema?

Pütz. Ja. Das Katz-und-Mausspiel wird weitergehen. Entscheidender Punkt ist die Policy der Werbetreibenden. Jede Werbeform, die zu exzessiv benutzt wird, fordert die Benutzer zu Gegenmaßnahmen geradezu heraus.

DR. WEB: Einige Ihrer Kollegen sehen SuMa-Marketing an einer Wachstumgsgrenze angelangt. Wie sehen Sie das?

Pütz: Es stimmt, dass es in bestimmten Bereichen schwer ist, noch gute Keywords für eine Kampagne zu finden oder zu einem erschwinglichen Preis zu bekommen. Aber gerade da setzt gutes SuMa-Marketing an. Wir erzielen beispielsweise durch geschickt gewählte Kombinationsbegriffe gute Response-Raten und lassen die teuren Einzelbegriffe einfach weg.

DR. WEB: Herr Pütz, welche neuen technischen Entwicklungen im Online-Marketing finden Sie zur Zeit am spannendsten?

Pütz: Es gibt mit Blogs, PodCasting und Mobile ein paar neue Formate, die interessante Möglichkeiten bieten, aber für den breiten Markt funktionieren die noch nicht. 95 Prozent der User wissen heute noch nicht, was ein PodCast ist, und was er ihnen bringen könnte.

Wer heute in einem dieser innovativen Formate wirbt, versucht die Early Adopters zu erreichen. Das ist eine sehr sensible Zielgruppe, was Werbung betrifft.

DR. WEB: Für breit angelegte Kampagnen muss man also technologisch betrachtet kleinere Brötchen backen.

Pütz: Das hat sich seit Jahren nicht geändert. Ein Beispiel: Mit meinem neuen UMTS-Handy kann ich die aktuellen Informationen zur BMW 1er-Kampagne nicht empfangen, weil es irgendeinen Standard nicht unterstützt. Das ist extrem problematisch. Unser Credo bei Pixelpark ist es daher, die einfachsten und vor allem empfangbarsten Instrumente einzusetzen. Im Falle von Mobile ist das die altbekannte SMS.

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Die Bedeutung des Internet als Unterhaltungsmedium steigt weiter

DR. WEB: Ist Online-Marketing inzwischen reif für groß angelegte Branding-Kampagnen?

Pütz: Auf jeden Fall. Es wird im kommenden Jahr viel mehr Branding-Kampagnen geben. Dagegen spielt Targeting keine so große Rolle mehr.

DR. WEB: Das geht dann vor allem zugunsten der ganz großen WebSites. Sind 29 000 für die Woche auf Spiegel.de nicht zuviel?

Pütz: Nein. Es ist viel, aber die Leistung stimmt. Ein breit angelegter Imageaufbau geht nur mit solchen Seiten wie Spiegel.de.

DR. WEB: Spielt die fortschreitende Konvergenz zwischen Internet und Fernsehen eine Rolle in den Überlegungen Ihrer Kunden?

Pütz: Ja. Man wird sicher mehr Video-Inhalte in Online-Kampagnen sehen, weil dafür inzwischen auch die Bandbreiten zur Verfügung stehen. Ich sehe aber noch einen ganz anderen Effekt dieser Konvergenz. Die Benutzer sehen das Internet inzwischen als vollwertiges Informations- und Unterhaltungsmedium. Daher gibt es immer mehr Kunden bei uns, die sich fragen, ob man nicht auf TV-Werbung verzichten kann und das Geld in Online-Werbung steckt.

DR. WEB: Herr Pütz, vielen Dank für dieses Gespräch. ™

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Inspiration Interviews

Fünf Fragen an: Hillman Curtis

Hillman Curtis war ArtDirector bei Macromedia und ist derzeit einer der gefragtesten Flash-Experten. Dr. Web Autor Frank Puscher sprach mit ihm.

AbbildungFrank Puscher: Fünf Jahre Macromedia, sechseinhalb Jahre HillmanCurtis.com. Sie arbeiten seit fast zehn Jahren mit Flash-Technologie. Reicht es nicht langsam?

HC: Das ist ja so, als würden Sie einen Schreiner fragen, ob zehn Jahre Arbeit an der Säge nicht genug sind. Flash ist nur ein Werkzeug. Ein sehr kreatives und mächtiges Werkzeug, aber dennoch nur eines von vielen, die wir im Studio benutzen. Tatsächlich ist meine Arbeit so vielfältig, dass die Arbeit mit Flash nur einen moderaten Prozentsatz unserer Arbeit ausmacht. Wir machen viele große Sites, die nur einen Hauch von Flash bekommen aber dafür immer mehr Video. Es spielt aber letztlich keine Rolle, in welcher Technik das ausgeführt wird. Mein Fokus liegt nur auf der Gestaltung. Die Werkzeuge sind sekundär.

Frank Puscher: Warum benutzen Sie auf Ihrer eigenen Site so wenig Flash?

HC: Da brauch ich es nicht. Die Site ist nichts anderes als ein Portfolio für meine Arbeit. Das ist ihr Zweck. Sie soll im Hintergrund bleiben. Schön in Ihrer Einfachheit und Konsistenz. Ich wollte die typische Flash-Optik vermeiden. Und egal wie sehr Sie sich auch anstrengen, Flash schafft es immer wieder komische Schriftbilder zu zeichnen.

Aber was viel wichtiger ist: Ich hatte mich schon sehr früh dafür entschieden, auf jegliche RollOver-Effekte bei Buttons zu verzichten. Und von diesem Punkt an, ging es plötzlich nur noch darum, die Site so einfach wie möglich zu machen. Und letztlich ist das ganz normales, standard-konformes XHTML.

Frank Puscher: Gibt es da einen Interessenkonflikt zwischen der Benutzbarkeit von WebSeiten und Ihren hohen Ansprüchen an Design?

HC: Nicht im Entferntesten, sie sind ein und dasselbe. Meine Ambitionen gegenüber jeder WebSite ist, dass sie intuitiv bedienbar sein muss, sie muss schnell sein, einfach und sie muss eine starke Botschaft transportieren. Design nur um seiner selbst willen ist mir ein Greuel.

Frank Puscher: Fürchten Sie sich davor mit Ihrer Arbeit einmal im Visier von Usability-Experten wie Jakob Nielsen, Jeff Johnson oder Bruce Tognazzi zu stehen?

HC: Ich kenne Jakob, aber die anderen beiden sagen mir nichts. Noch mal: Die Sites, die ich gestalte sind sehr benutzbar, erwiesenermaßen benutzbarer als Herrn Nielsens eigene WebSite. Ich habe keine Ahnung, was die Herrn Nielsen, Tognazzi oder Johnson zur Zeit tun. Sie sind ziemlich weit weg um nicht zu sagen, die habe ich gar nicht auf dem Schirm.

Frank Puscher: Ihr letztes Buch MTIV handelt von der gestalterischen Inspiration. Hatten Sie heute schon eine?

Hillman Curtis: Ja, ein Lied namens „Jesus Walks“ von Kaye West. Es hat mich gleich in mehrerlei Hinsicht fasziniert. Zum einen das starke, spirituelle Thema, aber auch, weil es ein mainstream Rap-Song ist, der nichts mit Drogen, Waffen oder der Entmündigung der Frauen zu tun hat. Außerdem habe ich einen fantastischen Rapper namens Aesop Rocks entdeckt und Public Enemy wiederentdeckt, als einer unserer Designer bei uns im Büro plötzlich die Anlage aufgedreht hat. Auch das spannende Gemisch von Billy Corrigan als Gitarrist und Jimmy Chamberlain als Schlagzeuger, beide bei den Smashing Pumpkins.

Ich warf heute außerdem mal wieder einen Blick in ein Buch von Tibor Kalman* – das mit seinem Porträt auf dem Cover. Das liegt bei mir ständig auf dem Schreibtisch rum und soll mich vor allem daran erinnern, nach großen Konzepten zu suchen und keine Angst davor zu haben dafür gerade zu stehen.

Und vor allem wurde ich heute vom Geist der Teamarbeit inspiriert. Ich arbeite gerade mit einem sehr, sehr großen und komplizierten Kunden. Ich kam auf die Idee, die einzelnen Mitarbeiter in den Design-Prozess einzubinden. Das macht das ganze Projekt viel positiver.

* Tibor Kalman war der bedeutendste Designer Anfang der neunziger Jahre, als interaktive Medien gerade in Fahrt kamen. Der gebürtige Ungar wurde berühmt für seine Experimente im Design-Magazin Colors, wo er unter anderem die britische Queen zu einer Farbigen machte. Kalman starb 1999 im Alter von 50 Jahren.

Erstveröffentlichung 11.04.2005

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Inspiration Interviews

Fünf Fragen an Jakob Nielsen, Usability-Guru

Ob Guru oder Reibungsfläche, bei Jakob Nielsen hereinzuschauen, das lohnt sich fast immer. Immerhin gilt der 1957 in Kopenhagen geborene Berater als der Usability-Guru schlechthin. Dr. Web Autor Frank Puscher sprach mit ihm.

Frank Puscher: Herr Nielsen, wenn Sie die letzten fünf Jahre zurückblicken, sind eCommerce-WebSites heute benutzbarer als im Jahr 2000?

AbbildungJakob Nielsen: Ja, sie werden auf jeden Fall besser. Die Benutzbarkeit steigt um durchschnittlich etwa vier Prozent pro Jahr an, wenn man die Sites über die Jahre betrachtet. Natürlich gibt es immer wieder ein paar Sites, die bei Redesigns neue Dummheiten einführen, aber im Durchschnitt wird es besser.

Frank Puscher: Welches sind die drei häufigsten Fehler, die Ihnen in Ihren Tests begegnen?

Jakob Nielsen: Die beiden größten Fehler bilden die Kehrseiten die gleichen Medaille. Entweder die Sites haben zu viel oder zu wenig Informationen über Ihre Produkte. Eine ganze Reihe von Shopping-Sites halten so wenig Informationen vor, dass man gar nicht wirklich erfährt, was man bekommt, wenn man bestellt, deshalb bestellen die User nicht. Auf der anderen Seite gibt es WebSites, die so viel komplexe Informationen offerieren, dass Durchschnittsmenschen einfach nicht mehr verstehen, wovon die reden. Es ist sehr wichtig vereinfachte Informationen anzubieten, die in einer alltäglichen Sprache formuliert werden. Ausgestattet mit Hyperlinks können solche Seiten dann Zugang zu zusätzlichen Seiten mit tiefer gehenden Informationen anbieten.

Ein dritter gravierender Fehler ist es, die Benutzer nach zu vielen Informationen zu fragen oder diese Informationen innerhalb des Bestellprozesses zu früh abzufragen, an einer Stelle, an der sich die User noch nicht mit dem Gedanken angefreundet haben, diese Informationen preiszugeben.

Frank Puscher: Gibt es einen Konflikt zwischen Usability und Markenbildung? Viele WebDesigner argumentieren, dass das Usability-Paradigma die Kreativität abtötet und keinen Spielraum lässt für den emotionalen Aspekt bei Web-Auftritten.

Jakob Nielsen: Wer so etwas sagt hat keine Ahnung von der Markenbildung in interaktiven Umgebungen. Dort ist die Marke Ausdruck der Erfahrungen, die ein User macht. Wenn also diese Erfahrung bei der Benutzung einer WebSite umständlich und langsam ist, fühlen die Anwender, dass das Unternehmen sich arrogant verhält oder schlecht auf sie eingeht. Im Gegensatz dazu erzeugt eine Site, die leicht, flüssig und schnell zu benutzen ist, beim Anwender das Gefühl, dass sich die Firma um sie kümmert.

Irgendwie ist das Argument eigentlich irrelevant, denn wenn die Benutzer eine schlechte Usability auf einer WebSite vorfinden, werden sie sie verlassen und gar keine Markenerfahrung machen, abgesehen vom ersten Gefühl der Irritation. Du musst eben ein bestimmtes Niveau an Usability auf Deiner Seite anbieten, sonst existiert die Seite im Auge des Betrachters gar nicht.

Frank Puscher: Sie betrachten das Web immer dezidiert als interaktives Medium. Gibt es keinen Platz für lineare Formate wie Videos und Animationen, die dann gleichzeitig der Information und Benutzbarkeit dienen?

Jakob Nielsen: Doch, doch ist von extrem hoher Bedeutung, dass die linearen Komponenten innerhalb der Anwendung kurz gehalten werden, üblicherweise unter einer Minute. Andernfalls verspüren die Benutzer einen Kontrollverlust. Längere Clips sind natürlich möglich, aber sie sollten die Ausnahme bleiben. Was für die Benutzer so spannend am Internet ist, ist die Möglichkeit, sich zu bewegen und sich das zu nehmen, was sie wollen. Genau das. Das Web darf kein Fernsehen werden, auch wenn wir das technologisch inzwischen leisten könnten.

Frank Puscher: Wie steht’s mit Flash. Wird Flash-Technik mehrheitlich gut oder schlecht eingesetzt?

Jakob Nielsen: Flash kann gut eingesetzt werden. Ich habe einige tolle Konfigurationswerkzeuge und sogar Warenkörbe mit vollständigem Checkout in Flash-Technik gesehen, die leichter und flüssiger zu bedienen waren, als der klassische Seiten-basierte Ansatz. Leider wird Flash eher selten auf diese sinnvolle Weise eingesetzt. Meistens wird Flash für zwecke eingesetzt, die Usability-Kriterien verletzen. Das geschieht etwa bei der Herstellung komplexerer Interfaces, die keinen Standards mehr entsprechen. Die Wahl eines solchen Interfaces ist selten eine gute Idee, es sei denn man will ein Video-Spiel machen.

Frank Puscher: Herr Nielsen, vielen Dank für dieses Gespräch. Website: http://www.useit.com

Dr. Web über Jakob Nielsen: Unsere Auswahl listet Beiträge, die wir im Laufe der Zeit über Jakob Nielsen und seine Arbeit veröffentlicht haben.

Erstveröffentlichung 23.03.2005