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Jan Bojaryn 25. Januar 2019

Content-Qualität: So gehst du mit Fachbegriffen um

Die Empfehlung ist ebenso beliebt wie billig. „Zielgruppengerecht” soll im Web getextet werden. Also muss sich der Texter dem Kenntnisstand der Leser anpassen. Der kleinste gemeinsame Nenner sagt: „Bloß keinen Fachjargon, keinen Fachausdruck, kein Fremdwort, Kürzel oder Anglizismus verwenden”. Geht das? Natürlich nicht. Aber was geht dann?

Wen willst du eigentlich ansprechen?

Die Entscheidung für oder gegen die Verwendung eines Fachausdrucks musst du laufend neu treffen. Ebenso muss deine Strategie auf die jeweilige Situation passen. Ideale Lösungen gibt es dabei ebenso wenig, wie sichere Standardrezepte. Der ideale Text wäre auf jeden Leser einzeln angepasst. Zwar geht das nicht, aber das wichtigste Kriterium haben wir damit schon identifiziert — die Zielgruppe.

Wen du ansprechen willst, weißt du in der Regel recht genau. Unklar ist dagegen, wen du tatsächlich erreichst. Untersuchungen liefern bestenfalls ein unscharfes Bild der Besucher. Dieses Bild kann mitunter sehr wertvoll sein, wirklich weiter helfen aber konkrete Personen.

Wenn das deine Zielgruppe ist, hast du auf jeden Fall wenig Streuverluste. (Quelle: Pexels)

Besser als „Akademiker beider Geschlechter zwischen 30 und 40 Jahren” kannst du dir den Freund vom Verein vorstellen, der einen Magistertitel besitzt. Konkrete Beispiele führen zwar zu verengten Bildern der Zielgruppe, aber immerhin zu konkreten. Und es ist wichtig, sich konkret überlegen zu können, ob ein betreffender Ausdruck der Beispielperson einleuchtet, oder eben nicht.

In diesem Zusammenhang wird dich unser Beitrag zu User Personas interessieren. Mit Blick auf Content Marketing sind wir ebenfalls nochmal ausführlicher geworden.

So findest du heraus, ob du den Fachbegriff wirklich jetzt einsetzen musst

Bevor du jetzt anfängst, deine Texte zu ändern, solltest du genauer hinaschauen. Dabei solltest du dir die folgenden Fragen stellen.

Ist der Fachbegriff nötig? Wer einmal im Thema ist, erzählt gern mehr als nötig wäre. Auf den Punkt zu kommen, ist gerade im Netz eine hohe Tugend. Ein Text sollte gut gekürzt sein, bevor du an der Umschreibung von Ausdrücken feilst, die gar nicht hätten auftauchen müssen.

Ist er richtig verwendet? Fachausdrücke werden gern dazu benutzt, ungefähr zu formulieren. Wer über Gentrifizierung oder Web 2.0 schwadroniert, weiß manchmal selbst nicht genau, was er sagen will. Dabei ist Fachsprache ausschließlich dazu da, Dinge zu sagen, die man nicht besser allgemeinsprachlich ausdrücken kann.

Wem ist die Bedeutung klar? Hier werden die Beispielpersonen wichtig. Manchmal ist es nicht leicht, zu beurteilen, wer was weiß — gerade bei Netzthemen. „Link” ist inzwischen Allgemeingut (war es aber vor einigen Jahren noch nicht). „Blog” ist für viele immer noch eine Herausforderung, „Newsfeed” fast schon Expertenwissen.

Strategien zur Fachbegriffbehandlung

Grundsätzlich lässt sich fast alles erklären. Aber zuviel Erklärung macht den Text lang, führt zuviel Neues ein und unterfordert den Kenntnisstand derjenigen Leser, die alles schon vorher wussten.

Langweilig darfst du natürlich auch nicht werden. (Foto: Pixabay)

Brav zu erläutern, was sich hinter einem schwierigen Wort verbirgt, ist nur eine mögliche Strategie — und oft nicht die beste. Viele Mittel stehen zur Wahl, wir fassen sie hier grob in drei Kategorien.

  • Vermeidung: Ist das Wort schwierig und seine Bedeutung für den Text nicht zentral, dann lass es einfach weg.
  • Umschreibung: Für viele sperrige Wörter gibt es allgemein verständliche Alternativen. Die müssen nicht genau dasselbe heißen, nur im jeweiligen Kontext dasselbe vermitteln.
  • Übersetzen: Manchmal ist es wirklich am sinnvollsten, ein Wort einmal erklärend einzuführen und ab dann als bekannt vorauszusetzen. Webseiten, die so etwas häufiger machen, sollten ein Glossar führen.

So könntest du vorgehen

Möglichst einfach zu schreiben, ohne die Intelligenz des Lesers zu beleidigen, ist schwierig. Texte, die keiner versteht, kann jeder schreiben. Versuchen wir uns an ein paar Beispielen aus dem Bereich Webdesign, wie man schwierige Wörter in der Praxis entschärfen könnte.

CMS: In diesem Falle würde es nicht sonderlich hilfreich sein, bloß die Abkürzung aufzulösen. Stehen CMS wirklich im Zentrum des Interesses, dann müssen sie genau erklärt werden. Das füllt allein schon einen längeren Text. Setzt dein Designstudio auf CMS, um dem Kunden einfache Bearbeitungsmöglichkeiten zu geben, schreibst du etwa so: „Wir bauen Webseiten, die Sie selber ganz einfach pflegen können. Dazu setzen wir ein Redaktionssystem, auch als CMS bezeichnet, ein.“

PHP ist eigentlich unproblematisch. Denn so ein Fachausdruck gehört nur in Fachtexte, da wird er dann selbstverständlich verstanden. Woanders wird er hoffentlich gemieden.

Usability: Der Begriff ist für Webdesigner wichtig, um Kunden Design-Entscheidungen verständlich zu machen, oder die Notwendigkeit von Tests und Standards zu erklären. Also taucht er zwar häufig auf, wird aber von Lesern häufig genug nicht verstanden. Vermeiden kannst du ihn oft nicht. Zuerst hilft übersetzen, denn die deutsche Bezeichnung (gute) Nutzbarkeit und Nutzerfreundlichkeit versteht sich leichter. Dann hilft oft nur der Hinweis weiter, dass dieser Bereich ein fester Bestandteil professionellen Designs ist und konkrete Auswirkungen auf den Erfolg einer Seite hat. Ins Detail zu gehen (Testverfahren, Erwartungskonformität) schadet oft eher, als es nützt.

Blog kannst du auf Verdacht verwenden. Treibt sich das Publikum nicht selbstverständlich im Netz herum, könntest du überlegen, den Begriff eher als „Web-Tagebuch“ oder „private Nachrichtenseite“ zu übersetzen.

Open Source gehört zur langen Reihe der Begriffe, für die sich Webdesigner begeistern, die Kunden aber meist nicht richtig verstehen. Bisweilen habe ich den Eindruck, dass es sogar Webdesigner gibt, die den Begriff nicht richtig definieren können. Situationsabhängig helfen Umschreibungen weiter. Manchmal ist in einem Text der Hinweis wichtig, dass sich aus dem Open Source-Gedanken eine internationale Szene gebildet hat, die über das Netz Software frei zusammen entwickelt und bereitstellt. Außerhalb des Boulevard kann „quelloffene Software“ völlig ausreichend sein.

Verständlichkeit um jeden Preis?

Allgemeinverständlichkeit ist ein Anspruch, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Ein Text kann nicht von allen verstanden werden. Dennoch ist Verständlichkeit eine der wichtigsten Herausforderungen für jeden, der schreibt.

Noch wichtiger ist aber, interessant zu schreiben. Gerade online wirst du für Langeweile schnell und hart bestraft. Deswegen musst du stets eine Balance anstreben. Wer brav alles ausführlich erklärt, der liefert Infos, die viele Leser nicht haben wollen.

Gute Texte entstehen nur durch ständiges Abwägen zwischen den Polen.

(Der Beitrag erschien erstmalig im November 2008 und wurde seitdem regelmäßig aktualisiert und inhaltlich der Entwicklung angepasst, zuletzt am 25. Januar 2019.)

Jan Bojaryn

Sprachwissenschaftler, freier Autor und Texter. Befasst sich seit fast 20 Jahren professionell mit Sprache, Webdesign, Usability und Kommunikation im Netz. Schreibt Artikel und Ratgebertexte zu verschiedenen Themen. Liebt guten Text, nutzerfreundliches Design und Currywurst.

2 Kommentare

  1. Die besten Empfehlungen wie zu formulieren ist, liefert Google selbst:

    – Suchwort(e) eingeben bei Google (hier: Webdesign).

    – Auf die Vorschläge in den SERPs achten (oben UND unten!).
    Das ist die Sprache meiner Zielgruppe.

    – evtl. für die benötigten Fachbegriffe wiederholen.

    • Für den Anfang eine gute Idee.
      Allerdings wird man, gerade auch in Hinblick auf eine ernsthafte Suchmaschinenoptimierung, auf Dauer kaum um professionelle Tools wie Sistrix, Searchmetrics, Xovi u.a. herumkommen.

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