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Kolumne – Legalisierung von Diebstahl oder die Abschaffung des Urheberrechts fällt aus

Das illegale Herunterladen von Musik und Filmen aus dem Internet ist – trotz aller Abschreckungsversuche der Musik- und Filmindustrie – ein beliebter Freizeitsport. Die wenigsten Diebe sind sich dabei einer Schuld bewusst.

Das illegale Herunterladen von Musik und Filmen aus dem Internet ist – trotz aller Abschreckungsversuche der Musik- und Filmindustrie – ein beliebter Freizeitsport. Die wenigsten Diebe sind sich dabei einer Schuld bewusst.

Und tatsächlich frage ich mich ja selbst, warum noch teures Geld für Musik ausgeben, wenn ich als Verbraucher, die CD mit Kopierschutz plötzlich nicht auf dem Computerlaufwerk abspielen kann oder legal erworbene MP3-Files an den persönlichen Rechner gebunden sind und ich sie nicht einfach beliebig auf meinen MP3-Player, mein Mobiltelefon und auf CD für mein Autoradio übertragen kann. Ich persönlich höre inzwischen wieder meine alten Schallplatten.

In deutschen Großstädten und Ballungszentren entstehen bereits Communities von Musikern, die Ihre Eigenkompositionen bewusst nicht bei der GEMA anmelden und GEMA-freie Konzerte und Festivals veranstalten. Das Café breitpott in Berlin beispielsweise spielt nur noch GEMA-freie Musik von talentierten Newcomern. Die kann jeder sogar kostenlos auf mp3-Player, Handy oder Stick downloaden. Wie die jungen Talente damit allerdings Geld verdienen wollen, ist mir nicht bekannt.

Seine Leistungen zu verschenken gehört ja nicht unbedingt zu den erfolgreichen Geschäftskonzepten. Aber vielleicht spekuliert die nachwachsende Musikerelite darauf, dass es bald das Bürgergeld gibt und arbeiten sowieso nur noch eine Lust- keine Frustangelegenheit mehr sein wird.

Andererseit, wie angenehm und schön es in der Open Source-Welt zugehen kann, erleben wir Webworker täglich mit unter GNU programmierter Software. Viele von uns arbeiten doch bereits lieber mit OpenOffice, Spicebird, Joomla und so weiter und so fort. So wundert es nicht, das ausgerechnet die Piraten-Partei zur letzten Bundestagswahl die Aufweichung des Urheberrechts ins Wahlprogramm schrieb. In der Ultrakurzfassung an den Stammtischen der Nation hieß das natürlich „Piraten wollen das Urheberrecht kippen“.

Die Einführung des Urheberrecht 1907 trug meiner Ansicht nach zur Demokratisierung der Kunst und zur Freiheit von Künstlern bei. Davor war es üblich, dass vor allem der künstlerisch tätig sein konnte, der entweder von Hause aus wohlhabend, Pensionär oder von Staat, Kirche, reichen Bürgern, so genannten Mäzenen unterhalten wurde. Die heutige Fassung des Urheberrechts stammt übrigens von 1965.

Ich gebe es zu, die Marktmacht der großen Musikkonzerne, Moviefabriken und Softwareschmieden scheint heutzutage so manches Pflänzchen der freien Kunst zu unterdrücken. Es könnte aber auch sein, dass einige selbst ernannte Genies einfach nicht den Geschmack der Massen oder wenigstens den einer ausreichend großen Fangemeinde treffen. Das ist weder dem Urheberrecht noch den Konzernen anzulasten.

Oder kann man einem Wirtschaftsunternehmen vorwerfen, wenn es auf die Zusammenarbeit mit potenziell unverkäuflichen Künstlern verzichtet? Das mag ungerecht erscheinen, aber ist wohl eher eine Folge der Marktwirtschaft anstatt böser Zensurwille einer geheimen Weltverschwörung wie es in manchen Webzeitungen kolportiert wurde.

Ich weiß von vielen Songschreibern in regionalen Bands, dass sie lediglich mit dem Verteilungsschlüssel der GEMA unglücklich sind, nicht mit dem Urheberrecht an sich. Denn welcher Künstler möchte nicht als Urheber seiner Werke genannt und gewürdigt sein – auch finanziell?

Das Urheberrecht ist prinzipiell eine gute Idee, weil es geistige Urheberschaft anerkennt und schützt. Ich persönlich bin da ganz und gar gegen den „chinese way of copyright“.

(sl)

Von Ruth Schilling

ist Fachautorin in den Bereichen Marketing, Werbung, Verkauf, Internet und Mitinhaberin der Agentur taula communication, calden.

22 Antworten auf „Kolumne – Legalisierung von Diebstahl oder die Abschaffung des Urheberrechts fällt aus“

Solange es Menschen, Familien, Kinder, etc. gibt die nix zu Essen haben, kein Dach über den Kopf, oder aber schlicht ab absoluten existenz Minimum Leben…

.. sollte man sich lieber darüber mehr Gedanken machen.

OT, aber ist doch so!

Wer setzt denn die Bosheit in die Welt, man müsse vom CD-Absatz leben können? Tatsächliche Musiker werden dies niemals zum Anspruch haben, und hier kenne auch ich genug Beispiele. Musik passiert auf der Bühne, und wird durchaus mehr als anständig vergütet. Natürlich greift das nur bedingt für Retorten und Konsorten, denen nach 20min die Puste ausgeht, weil sie nur für einen Song gecastet wurden.

Wenn sich Hänzchenklein für seine private Homepage meiner Fotos bedient, ist der mir entstandene Schaden gleich null. Wenn das youtube Video mit einem Musikstück unterlegt wird, oder dieses Musikstück in die Homepage eingebunden wird, ist der entstandene Schaden gleich null.

Die reihenweise Abmahnung ist einfach nur abartig und mitunter ja schon zum Geschäftsmodell gewachsen.

Mir ist es nicht an den Verstand zu bringen, wieso z.B. die Live-Doppel-DVD P.U.L.S.E von Pink Floyd einen UVP von 30€ hat. Die Retorte ist ein Mitschnitt eines Konzerts von 1994, an dem die Musiker jeden Tag ~$50.000 für ihre Arbeit verdient haben, ob jetzt abends 2,5 Stunden gespielt wurde, oder nicht. Pink Floyd hat den Grund dafür auf ihrem Album Animals im treffsicheren Titel „welcome to the maschine“ zwei Jahrzehnte zuvor aber selbst ebenso treffend besungen: „we tell you the name of the game, boy, we call it riding the gravy train“.

Gleiches lässt sich für den Rechtsanspruch, der mit fragwürdigen Blüten im Internet übertragen wird, sagen. Ein halbwegs intelligenter Mensch wird nicht annehmen, dass er durch massive Abmahnerei seinen Umsatz steigern könnte.

Ich bin davon überzeugt, dass gute und/oder bedeutungsvolle Musik nach wie vor gekauft wird, das sehe ich an mir, als auch an meinem Umfeld. Die Favoriten werden gekauft, aber es gibt deutlich weniger Favoriten. Man muss sich in Zeiten, in denen ja fast jede joghurt-Packung mittlerweile den eigenen Superhit hat, und man immer und überall mit Musik vollgedudelt wird, fragen, welchen Wert die Musik überhaupt noch in unserer Gesellschaft hat. Sie hat gewiss nicht mehr den Stellenwert der für die Musikindustrie glorreichen 80er. Sie ist mir im Großen und Ganzen beiläufig geworden.

Müssen wir als Gesellschaft überhaupt so viele selbsternannte Künstler durchfüttern?

Die Krux mit dem illegalen Download immaterieller Dinge: Es ist ein Kreuz, irgendwie erwartet heute jeder das er Musik, Bilder, Filme, etc. umsonst aus dem Internet bekommt. Wenn jemand dafür Geld will wehen Klagelaute durch das gesamte Netz und aus den unterschiedlichsten Ecken hört man abstruse Ideen wie man die Problematik lösen könnte (Kulturflatrate…). Diese Vorschläge kommen zumeist von denen die nicht betroffen sind, also keine Künstler, Musiker oder Fotografen sind. Und das Ende des Klagens ist immer, egal was für eine Lösung kommen mag Hauptsache es bleibt umsonst.

Wenn ich hier und jetzt sagen würde ab morgen arbeiten all die Klagenden die „umsonst“ wollen auch umsonst dann will keiner mehr was davon wissen. Dann ist das was völlig anderes.
Ich komme aus der Branche kenne Musiker, Fotografen und Künstler und glaubt mir da sind talentierte dabei. Viele von denen wissen oft nicht wie sie am Ende des Monats ihre Miete zusammenkratzen sollen. Den meisten von denen kommt allein schon bei der Erwähnung der Piraten Partei die Galle hoch. Es ist einfach etwas zu vordern wenn man selbst nicht betroffen ist.

Und egal wie man es nun bezeichnen mag illegales Kopieren, Diebstahl, Schaden… es ist und bleibt eine Ungerechtigkeit gegenüber denen die davon leben müssen.

Natürlich hat sich die Welt weiterentwickelt und natürlich müssen neue Modelle her wie Künstler vergütet werden. Leider war bisher noch nichts wirklich vernünftiges dabei. Und es kann nicht Sinn der Sache sein das am Ende Menschen, wegen der Gier anderer, auf der Strecke bleiben.

@fewe

….. Wenn jemand ein Auto stiehlt und behauptet, er würde zu Fuß gehen wenn er kein Auto hätte, wäre das also auch in Ordnung?

Auch die Unterscheidung zwischen Materiell und Immateriell funktioniert nicht:

Doch!

Die Konstruktion gehört zum Auto. Ohne Konstruktion kein Auto.

Siehe Gesetz: Abs. 1 StGB definiert einen Diebstahl wie folgt:

Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

D.h. das entscheidenede beim Diebstahl ist es, dass einem eine Sache weggenommen wird. Danach hat er die „Sache“ nicht mehr.

Und das passt nicht auf Downloads etc. Ganz einfach weil das Gesetz aus einer Zeit stammt, wo es sowas noch nicht gab.

Deswegen kann man Musik nicht stehlen (außer Musik-CDs).

Es entsteht höchtens ein „Schaden“ durch entgangene Einnahmen. Aber hier stellt sich schon die Frage wie hoch der ist. Denn wieviel % hätten es gekauft… (Einen geschenkten Gaul…..)

Ich habe mal von einem gehört der hatte zig tausende Filme kopiert. Nach der (Film-)Industrie war das ein Schaden von hundertausende Euros. Aber soviel Geld hat der gar nicht verdient…. D.h. den eigentlichen Schaden / entgangenen Gewill kann niemand beziffern. Und klar ist, dass die Musikindustrie mit horrenden Summen Einfluß auf die Politik nimmt.

@Christoph Wagner: Wenn ich jetzt arbeite, dann bekommen meine etwaigen Erben doch auch nicht Jahre nach meinem Tod noch Gehalt dafür, oder?

Wenn jemand mit 20 Jahren bei einem Unfall umkommt, erhält seine Familie – resp. seine Frau, die 90 Jahre alt wird – auch 70 Jahre eine Pension. Das ist der Zweck.

Ja, mit GNU kann man Geld verdienen. Aber nicht die, die die Arbeit machen. Die GNU-Lizenz erlaubt ausdrücklich die parasitäre Nutzung fremder Leistung. Siehe Firefox, die fast 100 Mio. Euro pro Jahr alleine von Google bekommen. _Das_ ist eigentlich das perfekte Ausbeutungskonzept, aber ganz sicher nicht das Urheberrecht.

Es ist niemand genötigt, sich ein Musikstück anzuhören. Wenn er es nicht bezahlen will, dann soll er einfach selbst eines machen oder es bleiben lassen.

@Buzz: Das Gleichsetzen von illegalen Musikdownloads und Diebstahl funktioniert nicht. Dafür müsste zumindest der Beweis erbracht werden, dass ein bedeutender Prozentsatz der heruntergeladen Musik ansonsten gekauft würde.

Wenn jemand ein Auto stiehlt und behauptet, er würde zu Fuß gehen wenn er kein Auto hätte, wäre das also auch in Ordnung?

Auch die Unterscheidung zwischen Materiell und Immateriell funktioniert nicht: An einem Auto ist die Leistung die Konstruktion des Autos. Wenn man also nur das Material und die menschliche Arbeitskraft zahlt, dann müsste das also reichen. Ohne den Konstrukteur wäre das kein Auto und wäre nur ein Haufen Schrott zu verkaufen. Also wird eigentlich für die Konstruktion bezahlt, die auch nur einmal gemacht wird und dann in unzähligen Autos realisiert.

Ich finde es nicht lustig, wenn Künstler durch Abschaffung der Rechte an ihren Werken wieder zu Almosen-Empfängern degradiert werden. Wenn erst über Werbung oder dgl. Geld verdient werden kann – aber nicht mit der eigentlichen Leistung – hat man wieder die Situation wie mit den Mäzenen und Gönnern.

Nicht gut finde ich – was auch andere schon angemerkt hatten -, dass im artikel kein Unterschied zwischen Urhheberrecht und Verwertung durch Dritte gemacht wird. Das, was eigentlich so kritisiert wird – und das ich schon auch so sehe -, ist, dass die Urheber selbst mittlerweise weniger geschützt sind als jene, welche die Werke vermarkten.

1. Was hat das auf Dr. Web zu suchen?

2. Das Gleichsetzen von illegalen Musikdownloads und Diebstahl funktioniert nicht. Dafür müsste zumindest der Beweis erbracht werden, dass ein bedeutender Prozentsatz der heruntergeladen Musik ansonsten gekauft würde.

Vergleiche gefälschte Mode-Artikel aus dem Urlaub: Ich bezweifel, dass auch nur 1% der Leute sich in Deutschland eine echte Louviton-Tasche kaufen würden. Die Gesetzgebung ist hier ebenfalls angemessener: Wer als Urlauber am Zoll erwischt wird, zahlt höchstens eine kleine Strafe, er wird aber sicher nicht auf Zahlung mehrere hunderttausend Euro verklagt und ihm wird beim dritten Vergehen auch nicht das Reisen verboten…

3. Geht es um Verhältnismässigkeit: Für einen Jugendlichen ist schon heute die drohenden Geldstrafe beim Download von Musik und Filmen drastisch höher, als die Strafe die ihn erwartet, wenn er als Ersttäter einen Menschen zusammenschlägt.
Spiegelt das wirklich die Werte unserer Gesellschaft?

4. Klingt das für mich sehr nach bezahlter Meinungsmache. Quellen geprüft?

Best – Buzz

Ein wenig Unterscheidung zwischen Urheberrecht (Autoren, Künstler) und Nutzungsrecht (Verwerter, Labels, GEMA) wäre im Artikel, auch wenn es eine Kolumne ist, schon wünschenswert gewesen. Gerade weil vielen der Unterschied gar nicht bewusst ist.
Ausserdem bedeutet GEMA-frei keinesfalls, dass die Musik kostenlos sein muss.

Kulturflatrate ist natürlich ein interessanter Lösungsweg – auf den Verteilungsschlüssel bin ich schon jetzt gespannt …

Wie sie mit Ihrer Musik Geld verdienen wollen?

Ich nehme an, dass sie für das „Musikmachen“ bezahlt werden. Das war (fast) immer so. Der Musiker hat Geld dafür bekommen, wenn er seine Musik „vorträgt“.

Erst mit der technischen Möglichkeit der Konservierung und Verfielfältigung von Musik hat sich das geändert. Jetzt muss der Künstler im Prinzip nur einmal Musik machen. Geld macht er dann mit dem Verkauf von CDs etc.

Mozart hat auch von seiner Musik gelebt. Es gab auch frührer Opern, Konzerte, Musikkapellen etc. Nur sind die eben (im Erfolgsfall) nicht gleich (extrem) reich damit geworden, weil sie eben „nur“ für ihre Auftritte bezahlt wurden.

Das ist heute bei jedem Bäcker, Schreiner etc. immer noch so. Er muss (egal wie technisch ausgefeilt) die Arbeit jedesmal erbringen.

Anders in skalierbaren Berufen. Hier muss der Musiker, Autor etc. die Arbeit nur einmal erbringen und diese kann (praktisch ohne Kosten) unendlich verfielfältigt werden.

Nicht umsonst gehört Bill Gates (Software), Musiker, Schriftsteller (Harry Potter), Schauspieler etc. zu den reichen Leuten. Bei den reichsten ist kein Bäcker, Schreiner, Mechaniker dabei…… (außer er lässt für sich arbeiten….)

Diese Ungerechtigkeit in Bezug auf andere Berufe ist nicht sinnvoll und ungerecht. Wieso „verdient“ ein toter Elvis noch jedes Jahr Millionen?

Die Entlohnung muss irgendwie im Zusammenhang mit dem Aufwand stehen. Und die ist bei jemanden, der in einem skalierbaren Beruf arbeitet (und Erfolg hat!), nicht mehr gegeben – durch die technischen Möglichkeiten.

Vielleicht gibt es ja auch andere Möglichkeiten wie eine Kulturfaltrate? Z. B., dass Musik etc. mit der Zeit billiger wird und nach X Jahren eben frei verfügbar…

Schon die Artikeleinleitung ist total veraltert: Es ist doch nicht so, dass die Musikindustrie nicht lernfähig ist. In allen größeren Online-Shops sind die Dateien doch jetzt DRM-frei, der Kunde kann also wieder mit seinem Eigentum machen, was er will, es kopieren, an Freunde verschenken etc. pp.

Auch eine Kolumne sollte fundierter sein.
Der Seitenhieb mit den auf das Bürgergeld wartenden MusikerInnen ist pure Polemik und ignoriert völlig, dass es in der CreativeCommons-Szene sehr viele gute und erfolgreiche Modelle dafür gibt, auch mit frei verfügbarer Musik Geld zu verdienen.
Vom Dr.Web Magazin bin ich viel besseres gewohnt: Artikel von Profis über ihre Fachgebiete. Das scheint mir hier nicht der Fall zu sein.

Das Problem ist nicht das Urheberrecht an sich sondern dessen Ausweitung auf praktisch alle Bereiche des menschlichen Lebens und die maximal exzessive Auslegung der Rechteinhaber.

Vor dem Einknicken des Gesetzgebers vor den immer unverschämteren Forderungen der Musikindustrielobbyisten war der private Bereich vom Urheberrecht weitgehend ausgespart, soll heissen, solange mit dem Inhalten der Rechteinhaber kein Handel betrieben oder im weitesten Sinne Geld verdient wurde waren für die Nutzer dieser Inhalte auch keine Sanktionen zu befürchten. Aus dieser Zeit resultiert auch der Umstand, daß es für ein solches Tun beim Konsumenten auch keinerlei Unrechtsbewusstsein gibt.

Leider hat sich das geändert. Die Rechteinhaber nutzen nun das drastisch verschärfte Urheberrecht als Waffe um die aus verschiedensten Gründen immer geringer werdenden Einnahmen kompensieren zu können, und der Gesetzgeber geht in seiner Anbiederung an diese sogar so weit, bürgerliche Grundrechte auszuhebeln nur um Verletzungen gegen dieses „Recht“ besser ahnden und verfolgen zu können; auch um den Preis, daß mit jeder weiteren Verschärfung und restriktiveren Auslegung mehr und mehr Konsumenten kriminalisiert werden.

Insoferne sehe ich den Artikel von Ruth Schilling als viel zu kurz gedacht. Wo soll denn das enden? Auch wenn man es Diebstahl nennt, Unrechtsbewusstsein wird man damit keines erzeugen, und wenn zig Millionen Menschen einmal kriminell sind, dann ist es eben keine Kriminalität mehr.

Das Urheberrecht macht Sinn, aber nur, wenn man es im kommerziellen oder öffentlichen Bereich anwendet, sicher nicht im privaten…

„Oder kann man einem Wirtschaftsunternehmen vorwerfen, wenn es auf die Zusammenarbeit mit potenziell unverkäuflichen Künstlern verzichtet?“

Es leider genau umgekehrt. Bis dato werden allein in Deutschland bis zu 250 Tonträger WÖCHENTLICH auf den Markt geworfen.
Im Popbereich wurde bisher nach dem Prinzip der Risikostreuung gearbeitet; auf 100 Releases kommen vielleicht 10 (hochgegriffen), die den finanziellen Einsatz auch wieder einspielen und die Kosten für die 90 mittragen.
Nur, das liegt nicht daran, dass die Käufer so „arrogant“ wären, einfach nicht zu kaufen, sondern schlicht und ergreifend daran, dass geradezu jeder Müll auf den Markt geworfen wird.
Und auch das nicht, weil die sogenannten Zulieferer (aka Produzenten und Künstler) so unfähig sind, sondern weil die Labels bzw. die A&Rs meist genau diese tonalen Ausscheidungen verlangen, um einen Vertrag zu bekommen.
Und genau diese Politik fand bereits seit Ende der 1980er statt.

Ich weiß wovon ich rede, ich war selbst etliche Jahre als Musikproduzent tätig.
Man erspare der Welt also bitte die unerträgliche Jammerei der Musikindustrie und auch jegliches Mitgefühl mit derselben.

P.S.: Tim Renner (früher A&R Manager, später Vorstandsvorsitzender von Universal, heute Chef von Motor Music) hatte und hat sehr recht.

>> Werte Herrschaften, man kann es nicht oft genug sagen: Das ist kein Diebstahl, sondern Piraterie. Ein bedeutender Unterschied, denkt mal drüber nach.

Werter Herr Peters, das ist weder Diebstahl noch Piraterie (welche neben Diebstahl unter anderem auch Raub und Mord einschließt), das ist illegales Kopieren. Sich mit dieser Assoziation zu „schmücken“ halte ich immer noch für den größten Fehler der Piratenpartei.

Disclaimer: Das soll jetzt auch nicht heißen, dass illegales Kopieren in Ordnung geht. Man kann dafür arbeiten, dass einiges legalisiert wird oder sich an legal Kopierbares halten, aber illegal ist eben illegal.

>> Das illegale Herunterladen von Musik und Filmen aus dem Internet…
>> …Die wenigsten Diebe sind sich dabei einer Schuld bewusst.

Werte Herrschaften, man kann es nicht oft genug sagen: Das ist kein Diebstahl, sondern Piraterie. Ein bedeutender Unterschied, denkt mal drüber nach.

Disclaimer: Das soll mitnichten bedeuten, dass Piraterie in Ordnung geht!

Ein sehr schöner Beitrag zum Thema!

@Zellmi: Natürlich muss Musik (oder sogar weiter gefasst: Kunst) kein Geschäftsmodell sein. Aber in diesem Zusammenhang geht es doch eben um den Schutz derjenigen Künstler, die nunmal Geld mit ihren Werken verdienen wollen. Es steht ja jedem frei, sein Werk z.B. als MP3 zur freien Verwertung auf eine Webseite zu setzen und auf Respekt und Anerkennung zu hoffen.

Ich gebe Dir sogar vollkommen recht: Eigentlich sollten Respekt und Anerkennung zum Schutz der Urheberschaft ausreichen. Aber: Schaust Du Dich einmal im Internet um, wirst Du sehen, dass dies in der Praxis offenbar nicht funktioniert. Genügend Werke, die von den Künstlern nicht zur freien Verwertung freigegeben wurden, sind frei verfügbar. Ein Gesetz muss genau dann her, wenn Menschen etwas nicht alleine geregelt bekommen… und dies ist genau hier der Fall, auch wenn es sicherlich Schade ist. Fast (wenn nicht sogar wirklich) alle Gesetze wären überflüssig, wenn sich jeder daran halten würde, was sich „nunmal gehört“.

Ob der Künstler jetzt von seiner Kunst leben will oder nicht ist aber somit seine Sache. Reichtum umverteilen wirkt jedoch gegen das Leistungsprinzip. Da das Leistungsprinzip aber die tragende Säule unseres Reichtums ist, würden wir so in eine Abwärtsspirale rutschen… von Neid und Missgunst will ich hier gar nicht reden. Immerhin wurde so etwas immer wieder auch in der Praxis versucht und hat eigentlich nur zwei Dinge bestätigt:
1. Wenn alle Menschen gleich sein sollen, wollen immer einige gleicher sein.
2. Aus „Wohlstand für Alle“-Parolen wurde immer Wohlstand für Wenige, Armut für das Volk.

Um jetzt aber nicht zu weit in Systemdiskussionen abzurutschen, die hier ja eigentlich fehl am Platze sind, nun die Kehrtwende zum Ursprungsthema: Gibt ein Künstler seine Werke frei oder sucht andere Vermarktungskanäle, so ist das zu begrüßen. Möchte der Künstler aber Geld für seine Arbeit haben, dann hat man das zu akzeptieren. Abstimmen kann man mit den Füßen: Ist mir das Werk das Geld nicht wert oder bin ich mit dem gewählten Vermarktungskanal nicht einverstanden, dann Kaufe ich es nicht. Der Markt wird das Problem dann regulieren – einer der Vorteile eines freien Marktes.

Das Urheberrecht soll, soweit ich das weiß, auch gar nicht verändert werden.
Was verändert werden soll, ist das Verwertungsrecht (das z.B. dafür sorgt, dass etwas viele Jahre nach dem Tod des Urhebers Sachen noch geschützt sind). Wenn ich jetzt arbeite, dann bekommen meine etwaigen Erben doch auch nicht Jahre nach meinem Tod noch Gehalt dafür, oder?

Weiterhin: „Diebe“ sind etwas anderes als, nennen wir sie mal „Kopierer“. Oder wann wurde etwas heruntergeladen mit dem Ergebnis, dass das Original verschwunden ist?

Wie macht man mit OpenSource-Software (FOSS) Geld? Genau so, wie man mit Musik Geld oder eben auch kein Geld macht. Es hängt vom Geschäftssinn und der Gewinnerzielungsabsicht ab. Wäre ich arbeitslos und würde FOSS schreiben, wäre ich erstmal genauso „erfolgreich“ wie ein Musiker, der von seiner Musik nicht lebt/leben kann/leben will.

Dass es schwierig ist, als kleiner Programmierer oder kleiner Musiker mit seiner Arbeit Geld zu verdienen ist klar und nicht alle halten solange durch, bis sie es endlich geschafft haben.

Und dennoch ist es bewiesen, dass man mit FOSS Geld machen kann.

Es findet seit einigen Jahren (mit GNU hat es „richtig“ angefangen) ein Paradigmenwechsel statt, den man nur schwer nachvollziehen kann: Inhalte werden nicht mehr ausschließlich gegen Geld kreiert, sondern sie dienen als Vehikel für den Verkauf. Dass es völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle mit völlig anderen (meist niedrigeren) Renditen sind, dürfte klar sein.

Dass viele Menschen diesen Paradigmenwechsel nicht verstehen oder noch nicht verstanden haben, kann man gut am Spruch „Was nichts kostet, taugt auch nichts“ ablesen. Wer das sagt, gibt sich imho in dieser Hinsicht als Reaktionär zu erkennen.

GNU/Linux ist kostenlos, taugt aber was. Ich wage mal zu behaupten, dass das halbe Internet mit GNU und Linux läuft. Firefox, Thunderbird, Chrome/Chromium sind kostenlos bzw. „kostenlos“ und niemand würde behaupten, diese Programm würden nichts taugen.

Dass der Musik-, Film- und Fernsehindustrie das nicht passt ist klar, wie auch die Tatsache, dass illegale Kopierer oft keinen Respekt vor den Leistungen von Kreativen haben. Aber was soll man jetzt machen?

Das klassische Urheberrecht scheitert gerade, weil man es nicht an aktuelle Entwicklungen anpasst. DRM ist bereits gescheitert. Alle „Raubkopierer“ in den Knast stecken geht auch nicht. Ich sehe nur einen Ausweg: Eine Kulturflatrate mit einem weit gefassten Kulturbegriff (der auch Software einschließen kann). Wenn man dann noch die verschiedenen bereits bestehenden Kulturgeld-Eintreiber reformiert und vereinheitlicht (GEZ, GEMA, verschiedene andere Verwertungsgesellschaften z.B. VG Wort) würde ich dem gar nicht mal so abgeneigt gegenüberstehen.

Eine Frage, die ich mit immer stelle, wenn ich mal wieder einen solchen Text lese: Warum gehen inzwischen alle davon aus, dass Musizieren per se ein Geschäftsmodell ist? Gut, die Antwort ist klar, die Musik ist in die Fänge der kapitalistisch orientierten Verwerterindustrie geraten. Aber eins ist doch auch klar, das Geschäftsmodell Musik = Medium (Schallplatten, CDs) ist nicht mehr für alle die Musik machen soweit tragfähig, dass wie in den 1980ern und 1990ern jeder der in ein Mikrophon piepst und an einen einigermaßen geschickten Produzenten gerät, damit ziemlich viel Gled verdienen kann. Begabte, kreative, charismatische oder innovative Musiker können auch im MP3-Zeitalter von ihrer Musik leben. Für den Rest kann nur gelten: Okay, wenn es dir Freude macht, du damit aber kein Geld verdienen kannst, dann ist es eben ein Hobby.

Ach ja, und der Schutz eines Urhebers sollte meiner Meinung nach auch in erster Linie was mit Respekt und Anerkennung zu tun haben. Und der kann nicht per Gesetz eingefordert und generell zu einem Geschäftsmodell gemacht werden.

Der Einwand, der jetzt kommen muss, wird mit Sicherheit so lauten, dass man ja auch von etwas leben muss. Stimmt, dass muss man. Aber auch hier ist das kapitalistische System nicht der Weisheit letzter Schluss. Eine so reiche Gesellschaft wie unsere kann durchaus auch per Umverteilung oder Vergleichbarem sicherstellen, dass alle Mensch erst einmal menschenwürdig grundversorgt sind.

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