Kategorien
E-Business Technik

Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim

Viele Webdesigner haben gerne die volle Kontrolle über ihr Geschäft und ihre Daten. In Zeiten, in denen der Schutz der Privatsphäre immer ungewisser ist, entscheiden sich einige von ihnen, wichtige Daten auf einem eigenen Server zu Hause zu lagern. Auf diese Weise können sie alleine kontrollieren, wer Zugang zu den Daten hat.

Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim

Warum Privatsphäre wichtig ist

Die Opfer eines Einbruchs erzählen häufig, dass die materiellen Schäden nicht ihr Hauptproblem sind. Für sie sind die sekundären Schäden, diejenigen psychischer Natur weitaus schlimmer. Ein Dritter ist in ihre Privatsphäre eingedrungen, wodurch ein Schockzustand ausgelöst wurde. In einigen Situationen hält der Schockzustand im Unterbewusstsein lange Zeit an, sodass Betroffene sich in ihrer eigenen Wohnung nicht länger wohlfühlen. Ihre Lösung: Sie ziehen um.

Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim

Wenn es um den Schutz der Privatsphäre zu Hause geht, scheinen Menschen also sehr empfindlich zu sein. Im Internet ist die Situation hingegen ein krasser Gegensatz. „Ich habe nichts zu verbergen“, heißt es häufig. Auf Facebook wird jeder Schritt dokumentiert, auf Twitter teilt man jeden noch so intimen Gedanken. Vielen scheint nicht bewusst, dass diese Erlebnisse nicht geheim bleiben. Man teilt sie auch nicht nur mit Freunden, sondern einer ungewissen Anzahl von Konzernen – und Geheimdiensten.

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.

Benjamin Franklin

Für Betreiber von Webseiten, Designer und ihre Kunden sieht die Situation ähnlich aus. Indem sie einen Server mieten, müssen sie ihr Vertrauen voll und ganz in den Anbieter legen. Was er mit den Daten seiner Kunden anstellt und wie gut er seine Kundschaft gegen Dritte schützt, ist immer ungewiss.

Diese Ungewissheit möchten immer mehr Menschen ausschließen. Sie wünschen sich volle Kontrolle über ihre eigenen und die Daten ihrer Kunden. Das ist mit der Verwendung eines eigenen Servers möglich.

Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim

Eigene Ansprüche: Wofür möchte ich den Server verwenden?

Webdesigner müssen sich zunächst darüber im klaren werden, wofür sie den heimischen Server genau verwenden möchten. Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Hosting eigener Webseite
  • als E-Mail-Server
  • zur Installation eines CRM
  • als Speicherplatz für ein Cloud-Filehosting

Theoretisch wäre auch das Hosting von Kundenwebseiten möglich, wovon wir an dieser Stelle aber abraten. Mit einem privaten Internetanschluss können Webdesigner keine definierte Uptime garantieren. Da sind Probleme mit Kunden praktisch vorbestimmt.

Je nachdem, welche der oben genannten Aufgaben erledigt werden sollen, kommen unterschiedliche Lösungen in Betracht.

Preis-Leistungsverhältnis Internet: Cent je Mbit

Bevor es um die benötigte Hardware zur Realisierung eines Servers geht, muss zunächst die Internetanbindung geklärt werden. Eines ist von Anfang an klar, ein langsamer DSL-Anschluss ist nicht ausreichend. Webdesigner, die zu Hause einen Server bereitstellen möchten, benötigen eine namhafte Bandbreite, insbesondere im Upstream.

Beim Upstream sind die meisten Internetanbieter, die private Lösungen anbieten, eher sparsam. Das hat einen simplen Grund: Upstream-Bandbreite ist teuer und soll dem Unternehmen keine übermäßigen Kosten verursachen.

Hohe Kosten möchte aber auch nicht der Webdesigner haben. Aus diesem Grund ist das Preis-Leistungsverhältnis von Bedeutung. Um die diesbezügliche Übersicht zu erleichtern, bieten diverse Portale, darunter zum Beispiel das Vergleichsportal preis.de, auf ihren Seiten Hilfestellung an: So kann man etwa bei preis.de den Preis (in Cent) für jedes Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verschiedener Provider ermitteln.

Die nachfolgende Tabelle zeigt das Preis-Leistungsverhältnis verschiedener Anbieter (jeweils beste Angebot):

Anbieter Download- / Uploadrate Cent je Mbit/s
Unitymedia 120 / 5 17
Vodafone 100 / 40 22
Telekom 100 / 40 42
Tele Columbus 150 / 5 20
primacom 150 / 8 23
o2[1] 100 / 40 36
Kabel Deutschland 100 / 6 24
1&1 100 / 20 32
EWE 50 / 10 78
NetCologne 200 / 40 18
M-net 100 / 10 44

[1] Fair-Use-Mechanik: Internet wird nach 500-GB-Traffic auf 2 Mbit/s gedrosselt

Hinweis: Die Tarife vieler Anbieter unterliegen bestimmten Konditionen. Einige von ihnen richten sich nur an Neu- und Wechselkunden. Bei anderen ist der monatliche Preis für einen festgelegten Zeitraum vergünstigt. Das Preis-Leistungsverhältnis gilt folglich nur für einen bestimmten Zeitraum.

Die Uploadraten der verschiedenen Anbieter sind sehr verschieden. Sie liegen zwischen 5 und 40 Mbit/s. Uploadraten von unter zehn Megabit pro Sekunde sind für Webserver nicht geeignet. Weiterhin gibt es einen Anbieter, der ab einer bestimmten verbrauchten Bandbreite die Geschwindigkeit limitiert, wodurch der Webserver unbrauchbar werden würde. Diese Hinweise sind bei der Wahl eines geeigneten ISP für den eigenen Server zu beachten.

Die Hardware: Von Mac Mini bis Raspberry Pi

Ausgestattet mit einem passenden Internetanschluss mit ausreichendem Upstream können Webdesigner sich um die Akquisition der passenden Hardware kümmern. Die Hardware kann mehr oder weniger umfangreich ausfallen, je nachdem, welche Kriterien sie erfüllen muss. Folgende Kriterien sind in jedem Fall dieselben:

  • möglichst geringer Energieverbrauch
  • geringe Anschaffungskosten
  • niedrige Betriebskosten
  • leiser Betrieb
  • leichte Bedienung
  • gute Upgrademöglichkeiten

Meiner Erfahrung nach, sind es besonders die folgenden drei Geräte, die als Server zu Hause infrage kommen.

Mac Mini

Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim

Apple hat eine Zeit lang den Mac Mini in einer Server-Variante ausgeliefert, die nun leider nicht mehr erhältlich ist. Dennoch zeigt das ehemalige Modell, dass der kleine Computer von Apple durchaus als Server geeignet ist. Zusammen mit dem Betriebssystem OS X Server lässt sich der Mini-Computer in einen praktischen, leicht zu bedienenden Server verwandeln. Zu den Features von OS X gehören unter anderem:

  • Dateifreigabe
  • Backup über Time Machine
  • Profilmanager
  • Wiki-Server
  • Kalender, Kontakte und Mail-Server
  • Nachrichten-Server
  • Website-Service (über Apache; PHP und Python möglich)

Ein Mac Mini lässt sich nicht nur als Server, sondern auch Arbeitsmaschine nutzen. Mit simplen Upgrades (SSD und mehr RAM) kann der Kleine seine Stärken zum Vorschein bringen. Weitere Upgrades sind jedoch nicht möglich.

NAS

Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim

Im privaten Bereich haben sich sogenannte NAS (Network Attached Storage) bereits durchgesetzt. Sie sind private Server, die unter anderem dazu dienen, Musik- und Filmstreaming im heimischen Netzwerk zu ermöglichen. Ein NAS kann aber auch genutzt werden, um eine Webseite oder andere Webanwendungen zu hosten.

Der NAS hat den Vorteil, dass sowohl der Betrieb als auch die Bedienung einfach und kosteneffektiv sind. Dieses Gerät wurde schließlich für genau diesen Einsatzzweck konzipiert. Diese Anleitung (PDF; 2,4 MB) zum Hosten einer Webseite für den Synology NAS zeigt, wie leicht die Bedienung dieses Produktes ist.

Raspberry Pi

Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim

Bastler, die keinen hohen Bedienkomfort benötigen, können sich für einen Raspberry Pi entscheiden. Dieser Minirechner ist weitaus kleiner als der Mac Mini. Er richtet sich jedoch an versierte Bastler, die entsprechende Erfahrung und Kenntnisse im Bereich Hardware mitbringen. Sein niedriger Preis und die große Gestaltungsvielfalt machen dieses Produkt aber auch äußerst interessant. Eine Anleitung, wie man einen Raspberry Pi als Webserver nutzen kann, gibt es auf dieser Seite.

(dpe)

Von Redaktion Dr. Web

Unter der Bezeichnung "Redaktion Dr. Web" findest du Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt wurden. Auch Beiträge von Gastautoren sind hier zu finden. Beachte dann bitte die zusätzlichen Informationen zum Autor oder zur Autorin im Beitrag selbst.

9 Antworten auf „Maximale Kontrolle: Server für Webseite und Co. im Eigenheim“

Was ist das denn? Ich kenne keinen Webdesigner oder -Entwickler (mich eingeschlossen), der in der Lage ist, einen Server inkl. Peripherie professionell und sicher zu konfigurieren und zu warten. Leute, die das können, können meist kein Webdesign. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen.

Ja, interessant schon, als Hobby. Markiere den Artikel doch mit „Dieter´s Bastel-Ecke“, damit keiner auf die Idee kommt, er hätte damit eine billige oder gar sichere(re) Alternative zum professionellen Hosting! ;-)

Ich werde täglich mit seltsamen Ideen konfrontiert. Egal, wie tief man die Latte setzt, sie ist noch immer zu hoch … ;-)

So blöd ist die Idee nicht.
Auch wenn wir nie für einen Kunden einen Webserver im Eigenbetrieb in Betracht ziehen würden, haben wir doch einen älteren Mac mit OS X Server ausgestattet. Dort läuft ein kleiner Apache zum Testen sowie unsere Web-Projektverwaltung selfhostet – alle Daten relativ geschützt, da sie unser LAN ja nie verlassen.

So war es auch gedacht und so nutze ich es auch. Bei mir ist es ein Mac Mini 2010. Reicht perfekt für diesen Zweck. An Raspberry PI würde ich mich eher nicht trauen, weil ich keine Zeit habe, um zu basteln.

Interessierten kann ich meine (Linux-)Konfiguration empfehlen: Webserver (auch mehrere) als virtuelle Maschine(n), unabhängig vom Host, kann sogar auf dem MB in den Urlaub mit – ja, stimmt, pervers, habe ich bisher nur einmal praktiziert. Was man dabei leider nicht hat, ist der Komfort der Time Machine. Um die Gesamt-Datensicherung (z.B. regelmässiger Export der VM) muss man sich selbst kümmern.

Schreibe einen Kommentar zu Karl Marx Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.