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Moderne Bildschleudern: Videoblogs

Gerade haben Unternehmen erkannt, welche Potenziale in klassischen Weblogs schlummern, da ist schon der nächste große Trend am Horizont: Nach Text- und Foto-Blogs, folgen nun Video-Blogs. Projekte, die über bewegte Bilder das Tagesgeschehen kommentieren. Die…

Gerade haben Unternehmen erkannt, welche Potenziale in klassischen Weblogs schlummern, da ist schon der nächste große Trend am Horizont: Nach Text- und Foto-Blogs, folgen nun Video-Blogs. Projekte, die über bewegte Bilder das Tagesgeschehen kommentieren.Die weite Verbreitung von Breitbandzugängen, Videobearbeitungsprogrammen und digitalen Videokameras (sogar in Mobiltelefonen) macht es mittlerweile fast jedem möglich, nicht nur private Geschichten fürs Internet zu verfilmen, sondern eigene Dokumentationen zu drehen oder auch Werbematerial zu parodieren. Vor allem aus den beiden letzten Aspekten ergeben sich Gefahren aber auch enorme Chancen fürs Marketing.

Wurden vor 5 Jahren im Internet hauptsächlich lustige Bilder getauscht, sind es seit geraumer Zeit kurze Videos. Ob selbstgemacht, viraler Spot oder Ausschnitt aus einer Fernsehsendung, Filme sind zur Nummer 1 auf allen Fun-Portalen wie Lustich.de, Kqe.de oder autsch.de geworden. Gleichzeitig schießen immer mehr Fan-Film-Projekte wie etwa „Star Wars: Revelations“ oder „Star Wars Tyderium“ aus dem Boden [1], die trotz minimalen Budgets ungekannte Qualitäten erreichen.

Es war es also nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommen würde, nicht nur ein Tagebuch online zu schreiben, sondern regelrecht „live“ per Videobotschaft aus seinem Leben zu plaudern. Die ungeheuren Erfolge halbprofessioneller Dokumentationen wie etwa „Bowling for Columbine“, „Fahrenheit 9/11“ oder „Supersize-Me“ haben ihr übriges zum Aufstieg des kollektiven Aufklärungsjournalismus gegeben. So vlogt (Kurzform für video-bloggen) Amanda Congdon beispielsweise sehr News-orientiert täglich auf Rocketboom.com [2].

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Videoblogs: News von Nutzern für Nutzer (Quelle: rocketboom.com)

Alltagsorientiert mit viel Witz und Humor ist „Steve Garfield’s VideoBlog“[3]. Hier erfährt man beispielsweise, was Steve und seine Freundin in der Woche erleben, bekommt Tipps für die Gartenarbeit oder kann sich an lustigen Episoden aus dem Leben von Steves Mutter (aktuell: sie bekommt die Medikamentenpackungen nicht auf) erfreuen.

VideoBlogs gibt es aber auch im Stile unabhängiger Beobachter. Auf Demandmedia.net [4] sieht man die Macher beispielsweise nicht selbst vor der Kamera, sondern erlebt Interessantes aus der Online- und Offline Welt anhand von Videoschnipseln.

Videoblogs und Werbederivate
Neben lustigen Inhalten oder Berichten zum normalen Tagesgeschehen erstellen Amateur-Video-Journalisten auch Parodien zu gängigen Werbekampagnen oder gleich eigene Werbe-Spots. Besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, haben diesbezüglich kürzlich zwei Community-Werke zu Apples iPod. George Masters schuf den „Apple iPod tribute ad“ – eine multimediale Hommage an das kleine digitale Meisterwerk des Computerspezialisten [5].

Ganz und gar nicht überzeugt von Apples technischer Meisterleistung sind hingegen die Neistat Brothers. Sie drehten eine Dokumentation über „iPods dirty secret“ [6] .

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Apples iPod hat ein „dunkles“ Geheimnis (Quelle: ipodsdirtysecret.com)

Beide Filme stießen auf enormes Nutzerinteresse. Innerhalb weniger Tage zählte der „Tribute Ad“ über 50.000 Viewer, wobei „iPods Dirty Secret“ sogar knapp 200.000 Konsumenten anzog. Um das Interesse an den Spots nicht weiter zu schüren, ließ Apple wahrscheinlich bis heute keinen der beiden Clips verbieten.

Enormes Potenzial: Daten & Fakten zum (Video)Bloggen
Schaut man sich die aktuellen Zahlen zum Thema Bloggen an, bekommt man einen Eindruck davon, wie wichtig das Format „Weblog“ mittlerweile geworden ist [7]:

  • 11% der Online-Bevölkerung haben bereits einmal ein Blog gelesen
  • allein in Nordamerika bloggen mittlerweile über 11 Millionen Menschen regelmäßig
  • weltweit schätzen Marktforscher die Anzahl an Blogs auf 36 Millionen
  • knapp 100.000 neue Online-Tagebücher (im Text, Foto oder Video Format) kommen täglich hinzu

Für Videoblogs allein sieht die Bilanz natürlich noch nicht so gewaltig aus: Experten schätzen, dass es mittlerweile erst ca. 200 gut frequentierte Vlogs gibt. Dennoch listet Google zum Suchbegriff „Videoblog“ bereits über 73.000 Einzelseiten.

Durch die mittlerweile starke Dominanz von kurzen Videos in fast allen Unterhaltungsbereichen des Web, begeistert das Thema „Vlog“ auch die Anbieter von Blog-Services: Google, Yahoo, MSN und andere Portale bereiten derzeit kostengünstige Video-Hosting Lösungen vor. Die weltgrößte Suchmaschine Google hat bereits den Upload von Videos und die Suche in Vlogs in seine Videosuchmaschine integriert.

Bedeutung von Videoblogs für das Internet Marketing
Ob tägliche, wöchentliche oder monatliche Berichterstattung, die Chancen stehen gut, dass Videoblogs in Zukunft ein wichtige Rolle im Internet spielen werden. Nicht nur weil sie dem Medium mehr Leben einhauchen, sondern weil sich viele Sachverhalte einfach besser anhand eines kurzen Films erläutern lassen anstatt über Text.

Wie die obigen Beispiele zu Apples iPod zeigen, müssen sich Unternehmen darauf einstellen, dass die Konsumenten in Zukunft nicht nur kritisch über Produkte schreiben, sondern auch „filmen“, was sie stört. Da man die Inhalte von Videos noch weniger überwachen kann als textbasierte Websites, reicht reaktives Verhalten nicht aus. Nur wer aktiv mit Blogs (Text, Foto und Video) und ihren Machern interagiert, hat überhaupt eine Chance die Meinungsbildung zu seinem Unternehmen und den eigenen Produkten sowie Dienstleistungen zu beeinflussen. Hier sind ein paar Taktiken für einen nachhaltigen Umgang mit Bloggern:

Lernen Sie (Video)Blogger kennen
Zunächst müssen Sie relevante Blogs für Ihr Unternehmen suchen und identifizieren. Hierzu bieten sich spezielle Blogverzeichnisse wie etwa Blogg.de oder B|Logs (weblogverzeichnis.de) an [8]. Sinnvoll ist auch die Suche über Google. Die Suchmaschine schenkt Weblogs seit geraumer Zeit einen Bonus beim Ranking.

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Weblogverzeichnisse helfen bei der Info-Suche (Quelle: blogg.de)

Sind passende Online-(Video)Tagebücher ausgemacht, gilt es einen persönlichen Kontakt herzustellen. Schreiben Sie Kommentare, weisen Sie auf thematisch interessante Webangebote hin – kurz um: Engagieren Sie sich. Nach einer gewissen Zeit können Sie sich auch mal dazu äußern, was Ihr Unternehmen macht und können vielleicht sogar den Blogger dazu bewegen, dass er ihre Leistung einmal online begutachtet. Am besten ist, wenn Sie selbst auch ein Blog unterhalten, dann trifft man auf einem gleichen Level aufeinander.

Versuchen Sie aber niemanden etwas vorzumachen. Wenn Sie die Blogger-Community nur ausnutzen wollen, dann merken das „Amateur-Journalisten“ sogar noch schneller als ihre professionellen Kollegen. Und steht erst einmal ein negativer Beitrag über Sie im Blog, dann bleibt er da wahrscheinlich die nächsten 5 Jahre.

Durchforsten Sie die Blogs dann lieber nur nach Infos. Sie glauben gar nicht wie viel interessante Ideen man bekommt, wenn sich man ein wenig mit der Einstellungs- und Wissenswelt seiner Konsumenten „live“ beschäftigen kann – in Steve Garfields Video-Tagebuch sieht man etwa, welche modernen Gegenstände seine Oma nicht mehr bedienen kann. Interessant: Nur Kleinigkeiten verhindern wichtige Erfolgserlebnisse, die letztendlich die Kundenzufriedenheit ausmachen.

Werbung hausgemacht
Wie soll ein Manager vorgehen, wenn Konsumenten einfach einen Werbespot für oder gegen sein Produkt oder sein Unternehmen drehen? So wie beispielsweise Chris Brower IKEA lobt und gleichzeitig bestimmte Produkte des schwedischen Möbelkonzerns anmahnt [9]? Verbieten lassen ist schwer, denn danach wandern solche Videos – wie früher indizierte Filme – unter die (virtuelle) Ladentheke und werden zum begehrten Tauschobjekt in P2P-Börsen. Die beste Umgangsweise ist solche Berichte durch eine offene Kommunikationspolitik von vorneherein zu verhindern und die Videoblog Szene immer im Auge zu behalten. Häufig kann man anhand von unterschiedlichen Berichten die „Gangart“ eines Vloggers einschätzen und ihn frühzeitig als potentielles „Risiko“ einschätzen. Ansonsten hilft nur ein authentisches Zugehen auf den Urheber, das Beseitigen etwaiger Missstände und ein offener Dialog darüber, inwiefern der Blogger Interesse daran hat, über den Erfolg seiner Aufdeckungsarbeit erneut zu berichten.

Gehen Sie auf eine virtuelle Vlog-Tournee
Auch kleinere Unternehmen müssen Vlogger ernst nehmen. Zwar weniger aus der Tatsache heraus, dass über sie negativ berichtet wird – dafür sind die Nischen der meisten kleineren Firmen zu speziell -, sondern vielmehr als potentielle Multiplikatoren. Wer ein interessantes Software-Tool programmiert oder ein ausgefallenes Produkt entworfen hat, was sich besser zeigen als beschreiben lässt, sollte proaktiv auf Videoblogger zugehen und seine Idee vorstellen. Blogger wie Vlogger suchen ständig nach interessanten Objekten, die sie textlich oder filmerisch verarbeiten können.

Interaktive Produkt-Guides
Vlogs bieten auch aus Unternehmenssicht eine hervorragende Möglichkeit, komplexere Leistungen vorzustellen. Nicht unbedingt aus der Rolle eines unabhängiger Vlogs, sondern als Firmen-Videoblog: Schritt für Schritt wird filmerisch der Nutzen und die Anwendung verschiedener Produkte oder Dienstleistungen vorgestellt.

Derzeit haben deutsche Vlogs wie Safari, NielsBlog oder Tautoko im Vergleich zu den USA durch ihre geringe Anzahl nur wenig Einfluss. Doch auch AdGames wurde wenig Bedeutung beigemessen, bis schließlich mit dem Erfolg von Moorhuhnjagd schnell klar war, dass man über „Internet Spiele“ ein Millionenpublikum erreichen kann. Es reicht ein gut gemachter Videobericht über ein heikles Thema und innerhalb kurzer Zeit erfreuen sich Videoblogs einem Massenpublikum. Seien Sie bereit.

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