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Mythos Spam – 7 gängige Legenden und Märchen – Teil 2

Es gibt wohl kaum etwas ärgerlicheres als SPAM. Er nervt, verstopft das Postfach und ist dabei meistens so dilettantisch gemacht, dass man sich berechtigt fragt, wer überhaupt darauf reagiert. Nicht zu letzt deswegen ranken sich mittlerweile viele Mythen und…

Es gibt wohl kaum etwas ärgerlicheres als SPAM. Er nervt, verstopft das Postfach und ist dabei meistens so dilettantisch gemacht, dass man sich berechtigt fragt, wer überhaupt darauf reagiert. Nicht zu letzt deswegen ranken sich mittlerweile viele Mythen und Legenden um die ungeliebten Werbemails. Doch was ist dran an den Geschichten und wer profitiert wirklich von SPAM?

4. Nur die „Bösen Jungs“ spammen
An dieser Behauptung ist durchaus etwas Wahres dran. So untersuchte die US-Handelsaufsicht FTC im Rahmen einer Studie die Inhalte von 1.000 unterschiedlichen SPAM-Mails. Das nicht verblüffende Ergebnis war, dass 96% der e-Mails aus der Kategorie „Finanzen“ und 42% der Mails aus der Kategorie „Produkte & Dienstleistungen“ irreführende und/oder betrügerische Informationen enthielten.

Denkt man an die vielen e-Mails von reichen Afrikanern, die einem im Gegenzug für die Hilfe bei der Ausführung eines Multimillionen Dollar Transfers selbst zum Millionär machen wollen, so sind die Erkenntnisse der FTC nicht verwunderlich. Taucht man hingegen tiefer in die Materie ein, so stellt sich einem die berechtigte Frage, woher viele der angepriesenen Dienstleistungen und Produkte überhaupt stammen. Ohne einen verlässlichen Lieferanten kann kein Spammer große Mengen von zum Beispiel Viagra oder DVDs absetzen.

Aufgrund einer neuen Gesetzeslage, die nicht nur den Versender, sondern auch das werbende Unternehmen in die Verantwortung zieht, laufen in Kalifornien mittlerweile eine Reihe von Untersuchungen große Unternehmen wie beispielsweise Pfizer (Viagra), Disney oder PALM. Ob jedoch die Untersuchungen etwas zu Tage bringen werden, mag zu bezweifeln sein. Dennoch scheint der Ansatz SPAM-Unternehmen die Existenzgrundlage zu entziehen, indem wichtige Hersteller in die öffentliche Kritik geraten, durchaus sinnvoll.


Pfizers Viagra ist bei Spammern beliebt

5. In Deutschland ist SPAM verboten
Diese Behauptung stimmt zum Glück, aber leider nur zum Teil. Die Rechtslage ist seit einigen Jahren insoweit klar, dass deutsche Gerichte die Grundlage für die Unzulässigkeit von SPAM in dem Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb sowie im allgemeinen Persönlichkeitsrecht sehen.

So ist die rechtliche Problematik grundsätzlich keine andere als bei der Versendung eines Fax mit werblichem Inhalt. Unverlangte Werbemails ziehen die Aufmerksamkeit des Betroffenen über Gebühren hinaus in Anspruch und führen zu einer unzumutbaren Belastung des Privatbereichs. Diese Auffassung darf mittlerweile als absolut herrschend bezeichnet werden.

Wer also aus Deutschland unaufgeforderte Werbemails an in Deutschland ansässige Bürger und Unternehmen sendet, macht sich damit strafbar. Gleichzeitig steht dem SPAM-Empfänger ein Unterlassungsanspruch zu, das heißt er kann den Versender abmahnen und zur Unterlassung seines „illegalen“ Treibens zwingen. Dieser Unterlassungsanspruch entsteht dabei nicht nur gegenüber dem Versender, sondern auch gegenüber dem werbenden Unternehmen, sprich in der Regel auch gegenüber dem, dessen Produkte oder Dienstleistungen in der Mail beworben wurden – genauer: der Betreiber der beworbenen Website, der den Versender mit den Massenmailings wahrscheinlich beauftragt hat.

So weit, so gut. Bei der praktischen Durchführung treten hierbei jedoch einige Schwierigkeiten auf: Zum einen besteht der Unterlassungsanspruch nur nach deutschem Recht. Es ist deshalb ungewiss, inwiefern es möglich ist, den Rechtsanspruch auch im europäischen Ausland geltend zu machen. Und, seien wir ehrlich, wer will – ganz abgesehen vom Aufwand gegen z.B. ein spanisches Unternehmen zu klagen – das Risiko tragen, auf den eigenen Anwaltkosten sitzen zu bleiben? Gegen Versender oder Anbieter aus Süd-Amerika, Ost-Europa oder Asien besteht zudem so gut wie gar keine Möglichkeit rechtlich vorzugehen.

6. Das Opt-In Verfahren bringt Sicherheit
Die Definition von SPAM stellt ein weiteres großes Problem dar. Hat ein Nutzer nämlich sein Einverständnis dazu gegeben, Werbemails zu erhalten – zum Beispiel bei dem Abo eines Unternehmens-Newsletters – handelt es sich ja nicht mehr um unaufgefordert zugesandte e-Mails. Diese Definitionslücke nutzen mittlerweile immer mehr Spammer, indem sie das allgemein anerkannte Opt-in-Verfahren zu ihren Gunsten nutzen.

Beim Opt-in-Verfahren erhält der Nutzer nach Abgabe seiner e-Mail-Adresse ein Bestätigungsschreiben über seine Anmeldung. Bis zum Widerruf hat dann der Versender das Recht, zuvor beschriebene Werbeinhalte per e-Mail an den Nutzer zu senden. Da der Versender die IP-Adresse, die Anmeldezeit und das Anmeldedatum hat, ist er rechtlich auf der sicheren Seite.

Doch was passiert, wenn nicht der Nutzer, sondern jemand anderer die Anmeldung vornimmt; und zusätzlich die Anmeldebestätigung ausbleibt oder im SPAM-Filter hängen bleibt? Genau diese Grauzone nutzen in letzter Zeit immer mehr Spammer. Sie lassen einfach ihre im Internet gesammelten Adressen automatisch in ihre „legalen“ Verteiler eintragen.

Natürlich handelt es sich bei den danach versandten Mails immer noch um den gleichen SPAM, es ist nun aber am Nutzer zu beweisen, dass er die Anmeldung nicht vorgenommen hat. In absehbarer Zeit wird sich deshalb wohl auch nur das Double-Opt-In-Verfahren, bei dem der Nutzer noch einmal ausdrücklich durch das Anklicken eines Links in der Bestätigungs-Mail seine Einwilligung bekundet, einen wirksamen Schutz vor SPAM bieten.

7. Gesetze gegen SPAM werden Abhilfe schaffen
Glauben Sie das, nachdem Sie die vorherigen Abschnitte gelesen haben? Natürlich können Gesetze helfen, Spammern den Spielraum einzuschränken. Wirklich helfen werden aber nur internationale Kooperationen und Abkommen. Ob dadurch die SPAM-Flut verringert wird, liegt aber in der Qualität der Zusammenarbeit und an dem Willen der Beteiligten.

Solange Hersteller und Lieferanten mit SPAM-Unternehmen zusammenarbeiten und Spammer zudem noch mit relativ wenig Aufwand Massenmailings aus Asien, Ost-Europa oder Süd-Amerika versenden können, wird die SPAM-Flut nicht aufhören, sondern eher noch wachsen.

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