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Mythos Spam – 7 gängige Legenden und Märchen – Teil 1

Es gibt wohl kaum etwas ärgerlicheres als SPAM. Er nervt, verstopft das Postfach und ist dabei meistens so dilettantisch gemacht, dass man sich berechtigt fragt, wer überhaupt darauf reagiert. Nicht zu letzt deswegen ranken sich mittlerweile viele Mythen und…

Es gibt wohl kaum etwas ärgerlicheres als SPAM. Er nervt, verstopft das Postfach und ist dabei meistens so dilettantisch gemacht, dass man sich berechtigt fragt, wer überhaupt darauf reagiert. Nicht zu letzt deswegen ranken sich mittlerweile viele Mythen und Legenden um die ungeliebten Werbemails. Doch was ist dran an den Geschichten und wer profitiert wirklich von SPAM?

Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, dass die Anzahl an unaufgefordert zugesandten e-Mails dramatisch zugenommen hat. Zum Glück bleiben viele dieser Werbeschreiben im SPAM-Filter hängen. Doch bei jeder Mail, die trotzdem den Weg durch die mittlerweile immer aufwendigeren Programmroutinen findet, kommen einem viele Fragen in den Kopf:

  • wer versendet diese Mails?
  • wer reagiert darauf?
  • und vor allem wer verdient an der ganzen Sache?

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich im Laufe der Jahre immer mehr Geschichten rund ums Thema SPAM gebildet haben. Sie alle versuchen, Teile des Mysteriums der ungeliebten e-Mail-Flut zu erklären. Ob Sie damit richtig liegen, ist eine andere Sache. Grund genug sich einmal die gängigsten Mythen genauer anzuschauen.

1. Der meiste SPAM kommt aus den USA?
Dies ist wohl die am weitesten verbreitete Ansicht über SPAM. Doch reicht die Tatsache, dass die meisten Mails in Englisch verfasst sind, für eine solche Behauptung aus? Bei meiner letzten Reise nach New York, fragte ich einfach ein paar amerikanische Kollegen, woher ihrer Meinung nach die meisten unaufgeforderten Werbemails kommen. Sie waren einhellig der Meinung, dass der meiste SPAM aus Europa, Asien oder Russland käme. Komisch, oder? Wo kommt der SPAM denn nun wirklich her?


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Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, ist es zunächst einmal sinnvoll zu unterscheiden, woher SPAM kommt und wer ihn versendet. Dies sind zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe. Ein US-Staatsbürger, der seine verbotenen Mails über einen venezolanischen Provider versendet, bleibt US-Bürger, der Spam kommt aber aus Süd-Amerika. Wenn Sie jetzt sagen, dass ist Haarspalterei, der SPAM kommt ja im übertragenen Sinne immer noch aus den USA. Dann haben Sie Recht.

Doch warum sollte sich ein US-Bürger, Russe, Deutscher oder Chinese als ein solcher zu erkennen geben, wenn er sich bei einem ISP (Internet Service Provider) in Süd-Amerika, Asien oder Ost-Europa anmeldet? Hier beginnt nämlich die wahre Problematik. Wer SPAM professionell betreibt, weiß, dass es illegal ist und setzt alles daran, dass seine Identität nicht bekannt wird. Die Frage, woher unaufgefordert zugesandte Mails kommen, lässt deshalb heute kaum mehr Aufschluss über den Ursprung des SPAM zu. Das Internet ist ein weltweites Massenmedium mit findigen Nutzern überall auf der Welt. Ob heutzutage der meiste SPAM noch von US-Bürgern versandt wird, ist fraglich.

2. Nur 200 Spammer sind für 90% des weltweiten SPAM verantwortlich.
Auch diese Aussage geistert seit längerer Zeit durch das Internet. Woher die Zahl stammt, ist nicht genau bekannt. Basis für die Schätzung ist wahrscheinlich eine Liste des amerikanischen SPAMHAUS PROJECTS. Ihr sogenanntes ROKSO (Register of Known Spam Operators) listet alle Nutzer, die von drei oder mehr unterschiedlichen ISPs (Internet Service Provider) als Spammer gemeldet wurden.

Sie ahnen schon, wo die Probleme dieses Verzeichnisses liegen, oder? Genau, welcher ISP aus China meldet denn einen gutzahlenden Kunden? Zudem muss man wohl davon ausgehen, dass mittlerweile technische Möglichkeiten bestehen, den Ursprung von Massenmailings zu verschleiern. Und in der Tat finden sich in der Liste vornehmlich US-Amerikaner (mehr als 80%), die wahrscheinlich in den Anfangszeiten des SPAM versucht haben, über amerikanische Provider ihre Werbemails zu versenden.

Versender aus Ost-Europa finden sich ebenso selten wie Spammer aus Asien oder Süd-Amerika. Ich will damit nicht sagen, dass diese Liste und vergleichbare deshalb schlecht sind. Nein, man muss es Spammern schon so schwer wie möglich machen. Ob jedoch tatsächlich nur 200 Spammer für 90% des weltweiten SPAM-Aufkommens verantwortlich sind, wirkt bei circa einer Milliarde Internetanschlüsse und e-Mail-Adressen weltweit jedoch unrealistisch.


Nur 200 Spammer sind für 90% des weltweiten Spam verantwortlich? (Quelle: spamhaus.org/rokso/)

3. SPAM wird nicht gelesen und bringt kein Geld
Vor kurzem gab das bekannte US-Magazin Wired Einblicke in die Geschäfte eines Spammers, der für Pillen zur Penis-Vergrößerung wirbt. Durch eine Sicherheitslücke auf einer der vom SPAM-Unternehmen benutzen Sites (goringly.biz) hatten die Verfasser des Artikels die Möglichkeit, Ursprung und Umfang von Bestellungen zu verfolgen.

Innerhalb ihrer vierwöchigen Beobachtung gingen insgesamt 6.000 Bestellungen ein. In der Regel bestellten die Kunden dabei jeweils zwei der 50 Dollar teuren Packungen, manchmal aber auch weitaus mehr. Bei einem Einkaufspreis von 5,00 Dollar pro Packung erzielte das Unternehmen also nur mit dieser Site (eine von vielen, die vom Unternehmen eingesetzt werden) innerhalb von einem Monat einen Deckungsbeitrag (Erlös minus variabler Kosten) von weit über einer halben Millionen Dollar.

Noch erschreckender als die hohen Einnahmen war jedoch die Zusammensetzung der Kunden. Unter den Nutzern, die auf die Betreffzeile „Make your Penis HUGE“ reagierten, fanden sich viele, die es eigentlich besser wissen müssten. Hier ein paar Beispiele:

  • Der Manager eines 6 Milliarden schweren Investmentfonds bestellte zwei Packungen.
  • Ein Restaurateur aus Colorado orderte vier Packungen.
  • Der Geschäftführer eines Unternehmens, dass Flugzeugteile herstellt, nutzte seine American Express Karte, um 6 Packungen (300 Dollar!) zu bestellen.
  • Der Sportlehrer einer Grundschule forderte vier Packungen an.

Weitere Kunden waren ein Chiropraktiker, ein Tiermediziner, ein Landschaftsbauer und viele Angestellte des Militärs. Was des weiteren auffiel war, dass zu den Kunden des Spammers offensichtlich auch zahlreiche Frauen zählten.

Leider nennt Wired keine Zahlen dazu, wie viele SPAM-Mails versandt werden mussten, um die enormen Summen zu erzielen. Es zeigt sich jedoch, dass SPAM durchaus ein lukratives Geschäft sein kann. Aber gewinnträchtige illegale Geschäfte gibt es wohl eine Menge.

Weiter mit Teil 2

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