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Native HTML5 Desktop-Apps mit Mozillas WebRT

Wer sich stets die neueste Nightly-Version des Firefox-Browsers herunterlädt, wird es vielleicht bereits gemerkt haben. Seit vorgestern befindet sich die sogenannte Mozilla Apps Native Install Experience in der Nightly, zumindest derjenigen für Windows und Mac OS. Mittels Apps Native Install ist es möglich, ähnlich der Funktionalität im Chrome-Browser, HTML-Apps im Browser zu installieren. Unter Windows wird sogar ein Desktop-Shortcut erzeugt, so dass der Eindruck einer lokal installierten Software entsteht.


So sieht sich der Mozilla Marketplace perspektivisch

Mozilla WebRT und Native Install: Chrome lässt grüßen

Um Wortschöpfungen ist man im Web seit jeher nicht verlegen. Mozilla spricht gern von der Web Run-Time oder WebRT, meint damit aber im Grunde HTML5 als Sammelbegriff für den Dreiklang aus HTML, CSS und JavaScript. Auf dieser WebRT setzt das Projekt Open Web Apps auf, an dem Mozilla seit geraumer Zeit arbeitet. Open Web Apps beinhaltet das Konzept eines eigenen, von Mozilla betriebenen Marketplace. Nach allem, was bisher besichtigt werden kann, baut Mozilla hier die Funktionalität und Funktionsweise des Chrome Webstore weitgehend nach. Desweiteren gehört zum Projekt Open Web Apps eine extensive Dokumentation, die im Detail erläutert, worauf Developer achten müssen, wenn sie ihre Web-App zu einer installierbaren Anwendung im Rahmen der Apps Native Install machen wollen. Nicht zuletzt stellt man eine JavaScript API, sowie Zugang zu Geräte-APIs mobiler Clients bereit.

Jetzt steht der zum Konzept gehörende Marketplace kurz vor dem öffentlichen Start. Zumindest US-amerikanische Developer sind bereits jetzt aufgefordert, ihre Apps einzureichen. Die flinke Entwicklerschmiede Evernote gehört auch hier wieder zu den Pionieren und hat ihre Web-App bereits untergebracht. Derzeit können jedoch nur an der Betaphase beteiligte Account-Inhaber auf den Marketplace zugreifen. Aussagen zur Funktionalität der Evernote-Umsetzung für den Firefox sind mir daher noch nicht möglich.

Mozillas Native Apps Install Experience: Nicht viel mehr als ein Launcher

Jede Web-App, die die Mozilla WebRT nebst Marketplace nutzen will, muss – wie in Chrome Webstore oder Play Store für Android – mit einer Manifest-Datei ausgestattet sein. Anders als unter Googles Ägide ist es beim Mozilla Marketplace vorgesehen, die Installation auch über Dritt-Websites, etwa die eigene Webpräsenz ermöglichen zu können. So sieht eine einfache Manifest-Datei aus. Unter installs_allowed_from können Sie sehen, welche Websites der Entwickler als Quasi-Repository autorisiert hat:

    {  
      "version": "1.0",  
      "name": "KO Round Timer",  
      "description": "A Workout Timer for Fighting Athletes!",  
      "icons": {   
        "128": "/images/icon-128.png"  
      },    
      "developer": {  
        "name": "Joe Stagner",  
        "url": "http://koscience.com"  
      },  
      "installs_allowed_from": [  
        "http://timer.koscience.com", 
	"https://marketplace.mozilla.org"   
      ],    
      "default_locale": "en"  
    }

Zu beachten ist allerdings, dass man seinen Web-Apps eine eigene Installationslogik beibringen muss, wenn man sie außerhalb des Marketplace installierbar machen will. Die Distribution über den Marketplace erfordert diesen zusätzlichen Aufwand nicht. In diesem Blogpost erklärt Mozillas Joe Stagner ausführlich und anhand von Beispielen, wie man die eigene Installationslogik relativ einfach implementieren kann.

Derzeit unterstützen nur die Nightlies für Windows und Mac das Native Install. Versionen für Linux und Android sollen bald folgen. Unter Windows sorgt der Installationsprozess dafür, dass die Web-App einen Desktop-Shortcut, sowie einen Eintrag ins Startmenü erhält, so dass der Eindruck einer lokal installierten App möglichst originalgetreu nachgebildet wird. Weitergehende Funktionalitäten bedient das Native Install jedoch nicht. So erhält man mit der Installation zwar einen lokalen Launcher, der auch eine passende UI um die App legt, jedoch keine weiteren Offline-Fähigkeiten. Will man seiner App die Möglichkleit zur lokalen Speicherung angedeihen lassen, so erfordert das den eigenhändigen Einsatz anderer Technologien, etwa localStorage, über das Kollege Sven Schannak hier im Dr. Web Magazin vor kurzem schrieb.

Meine Meinung: Ich sehe durchaus ein Potenzial in Mozillas Konzept, allerdings nicht unter klassischen Desktop-Betriebssystemen. Schon den Chrome Webstore nutze ich allenfalls als bunte Bookmarksammlung. Von einem Chromebook, das mit überaus mäßigem Erfolg vor sich hindümpelt, aus betrachtet, sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Mozilla zielt mit dem Native Install unter anderem auf die Android-Plattform. Hier könnte sich das Konzept zum Erfolg entwickeln, aber eben nur hier. Oder bin ich zu pessimistisch und übersehe das Killerargument?

Von Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

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