Usability: Wie einfach ist es, einen Newsletter zu abonnieren?

Newsletter spielen im eCommerce nach wie vor eine bedeutende Rolle. Rund 50 Newsletter habe ich für diesen Artikel bei Online-Shops bestellt. Nur 40% davon arbeiteten mit dem so genannten Double Opt-in-Verfahren, bei dem man nach der Anmeldung eine E-Mail mit einem Link bekommt. Dieser Link muss angeklickt werden, damit die Bestellung wirksam wird. Das Verfahren schützt Versender und Empfänger vor Falschanmeldungen, Doubletten und ungültigen Adressen.

Das Bestellen eines Newsletters sollte keine große Sache sein. Zumindest die Vorgehensweise dürfte allerorts ähnlich ausfallen. Auf das Vorhandensein des Newsletters wird aufmerksam gemacht und dem Kunden das Abonnement möglichst einfach gemacht. Aber ganz so funktioniert es in der Praxis eben doch nicht. Die Shops machen es ihren Kunden nicht selten unnötig schwer.

Die Erfolgsmeldung auf der Website

Nach dem Abschicken erwartet der Besucher eine Bestätigung, dass der Prozess erfolgreich war. Im Normalfall passiert das auch, jedoch nicht immer. Doppel- und Dreifachbestellung sind die zwangsläufige Folge.

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Dieser Anbieter verzichtet auf jede Bestellbestätigung

Heikel kann es werden, wenn AJAX zum Einsatz kommt. Nach dem Absender erscheint keine neue Seite, sondern es wird ein Hinweis eingeblendet. Ist der zu unscheinbar, kann der Besucher ihn übersehen; wird er sonstwo gezeigt, ist das noch wahrscheinlicher. Das passiert etwa bei Lidl. Die Bestätigung wird als grüner Balken ein gutes Stück oberhalb des Formulars eingeblendet und verschwindet nach einigen Sekunden wieder. War der Besteller gerade abgelenkt, muss er an einen Misserfolg glauben.

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Ein weiterer Hinweis: Auf das Öffnen neuer Fenster oder Reiter sollte der Designer verzichten, denn auch sie können leicht übersehen werden – zumal man nicht unbedingt damit rechnet.

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Bestellbestätigung oberhalb der Box

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Das Versandhaus Quelle gibt als einer von wenigen schon vor der Bestellung des Newsletter den Blick auf ein kleines Archiv frei

Die Erfolgsmeldung per E-Mail

Die Anmeldebestätigungen sind durchweg simpel gestaltet. Oft handelt es sich lediglich um Systemmeldung der Versende-Software im ASCII-Format, bar jeder Gestaltung, ohne ein freundliches Wort. Den Anbietern sollte klar sein, dass nicht nur Profis ihre Newletter lesen, ihnen ist nicht immer geläufig, dass ein Abonnement bestätigt werden muss. Der entsprechende Hinweis sollte deutlich herausgearbeitet werden.

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Abo-Bestätigung per E-Mail von shoes.com, das gestaltete HTML-Format ist eine Seltenheit.

Aber auch umgekehrt kann es hier zu einem Problem kommen. Der erfahrene Empfänger klickt, ohne groß hinzusehen, auf den unsubscribe-Link, weil er ihn für den Link zur Double Opt-In-Bestätigung hält. Die Gestaltung ist hier nicht einheitlich. Die Abbestellmöglichkeit ist selbstverständlich wichtig und darf nicht verschwiegen werden, man sollte sie aber nicht zentral in der ersten Nachricht präsentieren, besser in einer Fußzeile.

Pflichtfelder

Je weniger man machen muss, desto besser. Mancher Shopbetreiber wünscht sich allerdings mehr Daten vom Leser. Schlecht beraten ist, wer diese Daten erheben will, bevor der Newsletter bestellt werden kann. Die Leserschaft dürfte sich so in Grenzen halten.

Einen ganz schönen Schrecken jagt man bei Baur dem Lesewilligen ein. Man sieht sich einem wahren Formularmonster gegenüber.

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Gut sind die zusätzliche Auswahlmöglichkeiten, das Format des Newsletters betreffend, sogar an eine sichere Datenübertragung hat man gedacht – das machen nicht viele. Das Formular ist aber viel zu groß, auch wenn es nur ein einziges Pflichtfeld gibt. Der Nutzer wird abgeschreckt und verzichtet auf das Abo.

Besser, man geht umgekehrt vor, Karstadt beispielsweise macht das so. Nach dem Bestellen über die Minimalbox

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erscheint die Erfolgsmeldung und es können weitere Daten eingegeben werden. Man kann, aber man muss das nicht tun. Es wird klar kommuniziert.

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Anderswo wird getrickst. Dieser Shop zum Beispiel verfährt ebenso wie Karstadt. Denkt man…

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Der Submitbutton ist allerdings keiner, denn eine Newsletter-Bestellung wird nicht ausgelöst. Man sieht sich einem zweiten Formular ausgesetzt und fühlt sich möglicherweise genötigt.

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Dasselbe passiert im Online-Schuhgeschäft der Firma Görtz:

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Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Hinter diesem Formular wartet ein zweites.

Recht unklar geht es bei QVC zu. Pflichtfelder sind nicht markiert. Die Standardmethode mit den Sternchen war den Designern augenscheinlich nicht bekannt. Aus dem Hinweis beim Geburtsdatum „freiwillig“ lässt sich vermuten, dass man es ansonsten wohl mit Pflichtfeldern zu tun hat.

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Und sollte man sich bei Elegance wundern, warum so viele Doktoren zur Kundschaft gehören – die Anrede ist eben kein Pflichtfeld, der Defaultwert ist unsinnig.

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Das man es auch mit Pflichtfeldern sehr wohl übertreiben kann, zeigt man bei Grooming Lounge. Satte sieben Zwangsangaben sind nicht von dieser Welt.

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Irritierende Signale

Man muss sich wundern, was einem teilweise so alles vorgesehen wird. Hinter diesen Hinweis

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verbirgt sich nicht etwa ein Newsletter, nein, ein schnödes Kontaktformular wartet auf Freitext-Eingaben.

Auf Minimaltechnik setzten die Schweizer von Twinkle. Wer hier klickt,

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bei dem öffnet sich das E-Mail-Programm, denn hinter dem Klick wartet kein Formular, es handelt sich nur um einen Mailto-Link.

Kein designerisches Glanzstück ist die Bestellbox von Tschibo, der Submitbutton ist einfach viel zu klein.

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Vorschriften gibt es dafür nicht, aber Erfahrungen. Wer als einziger den Submit-Button nach links verlegen muss, darf sich nicht wundern, wenn das den Besucher durcheinander bringt.

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Fazit

Viele Anbieter machen den Prozess der Newsletter-Bestellung unnötig kompliziert. Dabei gilt: je einfacher man es dem Nutzer macht, desto mehr Leser hat der Newsletter später. Tunlichst sollte vermieden werden, was dem Besucher Überlegungen oder Entscheidungen abverlangt. ™

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Schöne Bestellbox: mehr muss gar nicht sein…

Von Sven Lennartz

Ex Webdesigner, Gründer von Dr. Web und Smashing Magazine. Heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger unterwegs. Schau was er jetzt macht…

Ein Kommentar

  1. Gute Zusammenfassung und Bewertung!

    Ein Hinweis wäre noch gut gewesen: In Deutschland gilt der Grundsatz der Datensparsamkeit. Wer also (kostenlose) Newsletter anbietet, sollte sich im Klaren sein, dass er hierfür eigentlich nur die E-Mail-Adresse als Pflichtangabe kennzeichnen dürfte. Anonyme (soweit man das als anonym bezeichnen will) Anmeldungen müssen möglich sein (siehe TMG).

    Sowas dagegen: http://www.move.thecampus.de/Home/MyCampus/RegisternewsletterAnon ist völliger Blödsinn. Diese Anmeldung ist alles andere als anonym :-)

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