Newsletterdesign im eCommerce – eine (kleine) Bestandsaufnahme

Sie erinnern sich? Für Dr. Web PLUS habe ich Ende Mai 50 Newsletter abonniert und den Anmeldeprozess untersucht. Wie einfach ist es, einen Newsletter zu abonnieren? Über drei Wochen sind seitdem vergangen. Zeit, sich die zugeschickte Post in Bezug auf Design und Ausstattung anzusehen.

50 Anmeldungen ergeben nach drei Wochen keinesfalls Newsletter von 50 Absendern. Letztlich sind Newsletter nur von 29 Absendern eingegangen. Man fragt sich, warum mehr als ein Drittel der Anbieter die Chance ungenutzt verstreichen ließ – den eigenen Newsletter aber immer prominent auf der Startseite annoncierte. Eine Frequenz von 4 Wochen oder länger, falls das der Fall sein sollte, ist kaum sinnvoll. Die Abonnenten werden den Anbieter längst vergessen haben und sich eher über vermeintlichen Spam ärgern, denn über frische Angebote freuen.

Die höchste Aussendefrequenz erlaubten sich Tschibo und shoes.com mit jeweils 9 Newslettern in 3 Wochen. Die Esprit News erreichen den Posteingang immerhin noch 8 mal.

HTML oder ASCII

Was glauben Sie, wie viele der 29 Online-Händler auf HTML setzen? Es sind alle. 100% machen das, gleichwohl diese kleine Untersuchung nicht für die Newsletter insgesamt sprechen kann. Sie kann lediglich einen Eindruck vermitteln. Selbstverständlich wird der reine ASCII Text auch mitgeschickt (Stichwort MIME = Multipurpose Internet Mail Extensions). Allerdings ist nie ganz sicher, was das E-Mail-Programm anzeigt.

Screenshot
Sieht gut aus, besteht aber ausschließlich aus Grafiken. Wenn man Pech hat, sieht man fast nichts.

Newsletter-Design ist kein Webdesign

Es ist bekannt, Mailclients besitzen im Vergleich zu Browsern nur sehr eingeschränkte Fähigkeiten, die Unterschiede zwischen den Programmen und Versionen sind groß. Man geht deshalb auf Nummer sicher und setzt auf ansonsten tabuisierte Tabellen, altmodische Font-Tags und jede Menge Grafiken.

Angesehen habe ich die Newsletter im E-Mailprogramm Thunderbird. Dieses zeigt wohl per Voreinstellung nie die ASCII-Versionen, lädt aber auch keine Bilder. 22 mal wurde ich gefragt, ob ich Grafiken laden möchte, sieben mal ging das automatisch vonstatten (Baur, Apple, Görtz, I’m Walking, Little Twig, Saddleback, Williams Sonoma). Das sieht zwar schicker aus – die HTML-Post ist im ASCII-Format weidlich unansehnlich – allerdings sprechen Sicherheitserwägungen gegen diese Praxis. Am schlechtesten schneiden diejenigen Newsletter ab, die lediglich Grafiken verschicken, hier sieht man unter Umständen erst einmal gar nichts.

Screenshot
Sieht ausnahmsweise auch ohne den Aufruf der Grafiken noch passabel aus: der Newsletter von I love Jeans.

Screenshot
Dieses Bild ergibt sich mit geladenen Grafiken

Weitere Details

Die Newsletter bestehen praktisch aus nichts anderem als Werbung. Das ist wahrscheinlich so gewünscht und wird auch erwartet. Informationen, auch das könnte ein Newsletter leisten, finden sich weniger häufig. Niemand nummeriert seinen eCommerce-Newsletter, wie das zum Beispiel die Verwender von Nachrichten tun, oder benennt einzelne Ausgaben. Dementsprechend verfügt keiner der Newsletter über ein Inhaltsverzeichnis, bestenfalls zu sehen eine Art Scheinnavigation, die aber nie der Bewegung innerhalb des Newsletter dient (alle sind HTML, die meisten eher kurz), sondern stets auf Webseiten verweisen. Entsprechend ist dann die Aufmachung.

Screenshot
Karstadt im Newsletter

Screenshot
Karstadt im WWW

Eine Selbstverständlichkeit ist der „Unsubscribe-Link“ für alle, die einen bestellten Newsletter wieder los werden möchten. Er war in allen 29 Publikationen enthalten und fand sich stets im Fußbereich. Niemand traute sich, hier zu tricksen.

Die Herausgeber wissen um die Problematik der Darstellung. Rund die Hälfte bot deshalb eine Alternativversion im Web an. Dieser Hinweis war jedesmal da zu finden, wo er auch hingehört, nämlich in den Kopfbereich. In einem Fall wurde im Fußbereich auf eine Druckversion im PDF-Format verwiesen. Auch keine schlechte Idee.

Screenshot
Lidl-Letter mit Hinweisen und Scheinnavigation

Wer Newsletter verschickt, leidet unter Spamfiltern, einige Versender weisen deshalb im Kopfbereich auf das Whitelisting hin und wollen ins Adressbuch eingetragen werden.

Die Größe der Publikationen lag zwischen 6 und 139KB (Baur), von Thinkfree kam der kleineste. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Letter inhaltlich unterschiedlich lang ausfallen. ™

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Webdesign

Von Sven Lennartz

Ex Webdesigner, Gründer von Dr. Web und Smashing Magazine. Heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger unterwegs. Schau was er jetzt macht…

Ein Kommentar

  1. Hi,

    meiner Ansicht nach, bringt den meisten Nutzwert ein Verweis auf eine Newsletter-Website. Wenn schon HTML, dann richtig.

    Viele Grüße,
    Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.