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Photoshop-Alternative GIMP ab sofort als native Mac OS X Anwendung verfügbar

GIMP ist eine Bildbearbeitungssoftware, die sich mit Photoshop vergleichen lässt, in vielen Bereichen sogar als ebenbürtig bezeichnet werden kann. Die mächtige, kostenlose Grafikanwendung steht unter GNU-Lizenz als Open Source seit jeher für die meisten nennenswert verbreiteten Betriebssysteme zur Verfügung. Wie unter Linux war es bislang auch unter Mac OS X erforderlich, den unix-typischen Windowsmanager X11 zu installieren, um danach GIMP nutzen zu können. Jetzt macht das Projekt mit dieser Einschränkung Schluss und stellt eine DMG zum Download bereit.

X11 oder selbst kompilieren: GIMP bislang

Es gab bis vor wenigen Tagen zwei Möglichkeiten, GIMP unter Mac OS X zu nutzen. Seit rund fünf Jahren kursieren Anleitungen im Weltennetz, wie man GIMP selbst so kompilieren kann, dass die zusätzliche Installation von X11 nicht mehr erorderlich ist. Eine solche funktionierende Variante ist mir nie unter die Augen gekommen und würde ohnehin für die Zielgruppe der Anwendung nur in Ausnahmefällen in Betracht gekommen sein. Denn welcher Fotobearbeiter ist gleichzeitig Entwickler und mit Umgebungen wie XCode vertraut?

Verbreiteter, weit verbreiteter dürfte daher die schon deutlich länger übliche Methode sein, zunächst Apples X11 zu installieren, um danach GIMP auf den Rechner zu bringen. Das funktioniert, ist aber unbequem und führt zu einer Programmumgebung, die man als Mac-Anwender nicht gewohnt ist. GIMP mit X11 ist vergleichbar komfortabel unter Mac OS X zu verwenden, wie ein Windows-Programm mittels WINE. Also nicht…

Die größten Einschränkungen der Verwendung von X11 liegen auf der Hand. Da die Software nicht in das System integriert ist, funktioniert die Zwischenablage nicht. Die Menüs sind nicht an der üblichen Stelle. Dateizugriffe erfolgen nicht über den Finder, sondern in einer fast schon archaischen Ordneransicht. Die gesamte UI konnte, wenn man ehrlich ist, keinen Blumentopf gewinnen.

Erfreulicherweise sind mittlerweile auch die Köpfe des Projekts zu dieser Überzeugung gelangt und haben GIMP 2.8.2, also die aktuellste Version, als native Anwendung für Mac OS X in der Form einer DMG zum Download bereit gestellt. Mac-Nutzer haben es fortan leicht.

GIMP nativ auf Mac OS X installieren

Nach dem Download der rund 70 MB großen Datei bedarf es des Öffnens des Disk-Images (Langform von DMG). Mac OS mountet die virtuelle Disk und stellt deren Inhalte dar. Das sieht im Falle von GIMP dann so aus.

Sie sehen einen einzelnen Container namens GIMP mit dem bekannten Icon. Diesen ziehen sie nun lediglich in ihren Programme-Ordner wie folgt:

Nun baut sich GIMP innerhalb des Programme-Ordners wie jede andere native Anwendung auch seine nach außen nicht erkennbare Ordnerstruktur und wächst in diesem Zuge auf rund 230 MB an. Künftig reicht ein Doppelklick auf das GIMP-Icon unter Programme, um die Anwendung zu starten. X11 wird nicht mehr benötigt.

Beim ersten Start der Anwendung nach der Installation kommt es offenbar flächendeckend zu einem Fehler, der zum Absturz des Programms führt, jedoch offensichtlich folgenlos ist. Ab dem zweiten Start läuft GIMP zuverlässig und beschert jetzt auch den Mac-Nutzern eine UI, die man auf einem Apple-Desktop erwarten würde, Systemintegration inklusive. Ich werde diese gute Neuigkeit zum Anlass nehmen, erneut eine Lösung von Adobes Photoshop zu versuchen. Mal sehen, wie lange ich dieses Mal durchhalte.

GIMP: Was den Profi stören könnte

Bei der Gelegenheit sei noch auf die immer weniger werdenden Kritikpunkte an GIMP eingegangen. Profis konnten bis vor einigen Wochen zu Recht beklagen, dass GIMP nicht in der Lage war, Bilder in 16 oder 32bit zu bearbeiten. Dieses sog. High Bit Depth Processing befindet sich zwar immer noch nicht im fertigen Produkt, wird aber aller Voraussicht nach mit der Version 2.10 eingeführt. Die Entwicklerversionen haben das Feature bereits.

Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt bezieht sich auf die Nichtverfügbarkeit des CMYK-Farbraums. Nach wie vor unterstützt GIMP diesen, im professionellen Druck auch weiterhin wichtigen Standard nicht nativ. Zwar gibt es ein experimentelles Plugin, eine direkte Unterstützung wäre jedoch wünschenswert. An dieser Stelle sollten sich Printdesigner wohl weniger Hoffnung machen. Vermutlich wird die Unterstützung des Druck-Farbraumes in GIMP nicht kommen.

Die freundliche Mitarbeiterin der Vorstufe meiner Hausdruckerei erklärte mir aber telefonisch, dass die mangelnde CMYK-Fähigkeit GIMPs immer dann unproblematisch ist, wenn es sich um Fotomaterial handelt. Denn die hier erforderliche Umrechnung könnte auch durch die Druckereisoftware noch erfolgen. Schwieriger sei es, wenn man sich etwa im Rahmen einer Schriftauswahl eine Schmuckfarbe (im RGB-Farbraum auf den Bildschirm schauend) ausgeguckt hätte. Dabei hätte man immerhin einen ganz bestimmten Farbton vor Augen, der im Wege der Umrechnung vielleicht nicht so 100%ig getroffen werden könnte.

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Von Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

10 Antworten auf „Photoshop-Alternative GIMP ab sofort als native Mac OS X Anwendung verfügbar“

Und was meint „nativ“ hier… ist Programmschicht und UI nun in Cocoa, Quartz und Objective-C umgesetzt?

Oder steckt dadrunter doch bloß irgendein Qt- oder GDI-Framework?

Gibts nirgends einen Millionär der sein Geld der Community spenden möchte?

Adobe muss verschwinden, wir alle brauchen eine Alternative…

Gimp ist sicherlich eines der besten, wenn nicht sogar das beste kostenlose Bildbearbeitungs-Tool. Von einer Ebenbürtigkeit zu Photoshop darf (leider) keine Rede sein. Nicht nur die Oberfläche ist wesentlich umständlicher zu bedienen, auch der Funktionsumfang ist deutlich geringer. Jeder Profi im Bereich Grafikdesign stößt da schnell an Grenzen.

Für meinen Bedarf ist GIMP eine echte Alternative zu Photoshop und anderen kommerziellen Programmen. Es geht nicht (nur) um den Preis, habe bereits (kleinere Beträge) gespendet. Ein grosser Vorteil ist, dass GIMP – im Gegensatz zu kommerzieller Software – auf allen wichtigen Plattformen läuft!

Ich finde auch das dies ein großer Pluspunkt ist, gerade für die Benutzung unter Linux (z.B. Ubuntu) und einem anderen System. Allerdings gefällt mir persönlich nicht die Art der Fensterverwaltung, das die gesammte Oberfläsche (zumindest unter Ubuntu) in unterschiedlichen Fenstern ist, da muss ich dann doch Photoshop meist wieder den Vorzug gönnen.

Es gibt doch den neuen „Einzelfenster-Modus“, aktivierbar im Menü „Fenster“! Sind mehrere Dateien geöffnet, erscheinen sie neuerdings in Tabs. Die Bedienung wurde stark verbessert.

Ha, da bin ich in meine eigene „Gimp nicht über Packetquelle“ Falle getappt und merke nicht dass das neue Release diese Funktion hat. Vielen Dank, das hat mir jetzt wirklich weitergeholfen! :)

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