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Heike Thormann 7. Januar 2019

Content-Qualität: So recherchierst du richtig

Nicht nur Profis wie Journalisten müssen für ihre Texte recherchieren. Je hochwertiger deine Online-Texte sein sollen, beziehungsweise je weiter du dich beim Schreiben von deinen Erfahrungen entfernst, desto wichtiger wird eine Recherche auch für Blogger und sonstige Seitenbetreiber. Dieser Artikel verrät, wie du dabei möglichst effizient vorgehst, und Zeit und Nerven sparst.

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Warum noch ein Artikel übers Recherchieren, wenn man doch nur zu „googeln“ braucht? Hast du dich das gerade gefragt?

Ja, Google und das übrige Internet können dir das (Schreib-) Leben sehr erleichtern. Egal, ob Blogger oder Seitenbetreiber: Wer Futter für seine Artikel braucht, kann hier fündig werden.

Er kann sich aber auch in der schieren Masse an Informationen, die im Netz oder anderswo lauern, „einen Wolf suchen“. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr, entweder gar nichts (sprich, nicht das Richtige) oder aber viel zu viel zu finden.

Deshalb gebe ich dir hier ein paar Tipps, wie du effizient recherchierst, strukturiert vorgehst, und Zeit und Nerven sparst.

Schritt 1: Überlege, worüber du schreiben willst

Vielleicht hast du schon eine klare Vorstellung von den zu schaffenden Inhalten. Dann kannst du diesen Schritt überspringen. Alle anderen, die nur eine ungefähre Vorstellung haben, sollten versuchen, diese etwas genauer zu fassen zu bekommen.

Themen gibt es wie Angler am Mittelmeer. (Foto: Pixabay)

Als hilfreich hat es sich erwiesen, wenn du dazu Fragen an den Text stellst. Nehmen wir an, du wolltest etwas über Angeln im Mittelmeer schreiben. Frage dich dann zum Beispiel:

  1. Was fällt mir spontan zu „Angeln im Mittelmeer“ ein? Über welches Wissen verfüge ich? Was könnte ich dazu schreiben? (Wissen klarmachen)
  2. Was weiß ich zu diesem Thema nicht? Was würde ich gern wissen? Was müsste ich noch herausfinden? (Lücken und Handlungsbedarf erkennen)
  3. Was könnte meine Leser beim Thema „Angeln im Mittelmeer“ interessieren? Was könnten sie darüber wissen oder lesen wollen? (Betriebsblindheit überwinden.)

Schritt 2: Überprüfe, was du davon vorrätig hast aka selber weißt

Logisch. Was du selbst an Wissen im Kopf oder irgendwo als Material vorrätig hast, musst du nicht noch recherchieren.

Mach also eine Bestandsaufnahme. Schau zunächst bei dir selbst nach, was du zum Thema „Angeln im Mittelmeer“ vorliegen hast.

Verfügst du über ältere Beiträge, die das Thema streifen, und die du nun verwerten könntest? Oder hast du Zeitungsausschnitte, Kopien, Dateien, ähnliches mehr?

Halte es wie ich und lege dir einen Ordner mit solchen Informationshappen an. Wenn du dann auf ein solches Materialarchiv zugreifen kannst, musst du nicht noch langwierig woanders recherchieren. Ausnahme: Es handelt sich um Dinge, die du leicht (wieder-) finden könntest. Dann ist eine schnelle Recherche effektiver als ein übergroßes Archiv.

Solch ein Ordner kann ganz konventionell eine auf deiner Festplatte oder deinem Cloud-Speicher vorhandene Dateiablage sein. Ich arbeite inzwischen aber lieber mit Diensten wie Evernote und Pocket, bei denen ich im Volltext in meinen eigenen Notizen und gespeicherten Websites recherchieren kann. Das geht weitaus schneller und ist überall verfügbar, wo ich einen Internetzugang habe. Und es funktioniert vollkommen unabhängig von einem konkreten Arbeitsgerät.

Evernote speichert Notizen lokal und in der Cloud. (Screenshot: Dr. Web)

Schritt 3: Wähle für alles andere Rechercheart und Quelle aus

Überlege bei allen Informationen, die du nicht vorrätig hast, wo du sie herbekommen könntest. Dazu hast du mehrere Möglichkeiten:

  • Allgemein zugängliche Quellen wie Fachbücher, Zeitschriften, Branchenblätter, Verbandsschriften oder Software.
  • Interne, das heißt persönliche oder firmeninterne Quellen wie Artikelsammlungen, Mitschriften, Arbeitsmäppchen, Berichte, Protokolle, E-Mails und anderer Schriftverkehr.
  • Diverse Möglichkeiten des Internets wie Suchmaschinen, Verzeichnisse, Themenportale, Social Websites, Newsgroups, Mailinglisten, Netzwerke oder Foren.
  • Tieferer Einstieg in große Datenbestände wie (Online-) Archive, Bibliotheken oder Datenbanken.
  • Expertenbefragungen wie Interviews, Vor-Ort-Termine oder kurze telefonische Rückfragen.

Schritt 4: Nutze mehrere Quellen

Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier und neigt zur Bequemlichkeit. Dennoch ist es nützlich, auch andere Quellen heranzuziehen als deine Lieblings-Suchmaschine, oder die Suche über die ersten drei Treffer hinaus fortzusetzen.

Was sich leicht finden lässt, muss bekanntlich nicht immer gut sein. Und jede Quelle, jeder Autor hat seine eigene Perspektive und seinen eigenen Schwerpunkt. Je mehr Quellen du also in deine Recherche einbeziehst, desto ausgewogener werden deine Informationen, und desto besser kannst du dir ein eigenes Urteil bilden.

Kombiniere dabei mehrere Recherche-Möglichkeiten. Für einen qualitativ hochwertigen Artikel könntest du zum Beispiel in Internet und Büchern recherchieren. Für eine Expertenmeinung könntest du einen Experten per Internet suchen und dann per Telefon befragen. Und so weiter, und so fort.

Schritt 5: Lege deine Vorgehensweise fest

Übertrage all diese Ergebnisse anschließend auf eine Aufgabenliste beziehungsweise einen Rechercheplan. Überlege, in welcher Reihenfolge du vorgehen willst, und halte die nächsten Schritte fest. Setz dir sich am besten auch klare Fristen, damit deine Suche nicht ausufert.

Wenn du sorgfältig gearbeitet hast, musst du diese Liste nur noch Punkt für Punkt durchgehen und eventuell gelegentlich korrigieren. Die eigentliche „Denkleistung“ ist getan.

Schritt 6: Achte auf die Glaubwürdigkeit der Quellen

Gerade, wenn du im Internet unterwegs bist, musst du die Glaubwürdigkeit deiner Quellen immer überprüfen.

Natürlich können auch Bücher eine einseitige Meinung wiedergeben. Der Vorteil solcher von Redaktionen oder Lektoraten erstellten und überarbeiteten Produkte ist aber, dass hier von ausgebildeten Leuten eine erste Auswahl und Überprüfung schon vorgenommen wurde.

Im Internet kann dagegen jeder ungeprüft schreiben und veröffentlichen, was er möchte. Das macht einerseits den Reiz dieses Mediums aus, andererseits aber auch seine Gefahr. Und so findet man neben vielen Perlen auch genug, wovon man besser die Finger lässt.

Versuche deshalb, deine Fundstücke einzuschätzen. Achte zum Beispiel darauf, in welchem Umfeld sich eine Information befindet, ob die Seite einen „seriösen“ Eindruck macht, ob es sich um einen bekannten Experten handelt, ob der Ton sachlich bleibt oder beleidigend wird, ob nur Meinungen wiedergegeben werden oder man auch erläuternde Hintergrundinformationen bekommt, welche Ziele der Verfasser verfolgen könnte, und ähnliches mehr.

Google hilft dir dann am besten, wenn du nicht bloß die ersten drei Suchtreffer abschreibst. (Foto: Pixabay)

Schritt 7: Belege und zitiere

Je nachdem, was beziehungsweise für wen du schreibst und welches Material du verwendest, kann es sinnvoll sein, die Ergebnisse deiner Recherche zu belegen und zu zitieren.

Gib zum Beispiel Expertenmeinungen als Zitat wieder. Führe Studien an. Verlinke auf die Ursprungsquelle. Nenne Buchtipps für die weitere Eigenrecherche der Leserschaft.

Das ist nicht nur ein schöner Zusatznutzen für den Leser. So zeigst du vor allem auch, dass dir ein ausgewogener, sorgfältig recherchierter Text wichtig war. Und natürlich tust du damit auch wieder etwas für die Glaubwürdigkeit deiner eigenen Texte.

Achte lediglich darauf, dass du

a) nicht übertreibst und deine Texte aus lauter Zitatwüsten bestehen (das ruiniert nicht nur das Lesevergnügen, das verstößt auch gegen das Urheberrecht)

b) und deine Quellen korrekt wiedergibst und deutlich sichtbar auf besagten Urheber (das heißt den Autor der Ursprungsquelle) verweist.

Schritt 8: Lege dir eine gewisse Routine zu

Nach und nach wird dir die Recherche für deine Online-Texte immer leichter von der Hand gehen. Gewohnheit und Übung machen den Meister.

Du kannst das Ganze aber auch etwas beschleunigen, indem du eine gewisse Routine in deine Recherche reinzubringen versuchst.

Halte zum Beispiel grundsätzlich die Augen nach interessantem Material auf. Archiviere solche Texte in speziellen Ordnern, schreibe dir die Literaturhinweise auf oder speichere die betreffenden Links ab.

  • Abonniere interessante Newsletter und / oder Blogs.
  • Lass dich von Newsdiensten, Newsportalen oder Tools wie Google Alerts auf dem Laufenden halten.
  • Trage dich in die RSS-Feeds oder Verteiler von Presseportalen ein, um Aktuelles aus deiner Branche oder dienem bevorzugten Themengebiet mitzubekommen.

Und und …

Probier einfach mal was aus, und finde deinen eigenen Weg. Hauptsache, du merkst dir eine Grundregel, die man auch jedem angehenden Journalisten einbläut: Erst denken, dann recherchieren, dann schreiben. Nur so sparst du wirklich Zeit und Nerven.

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.

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