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Schritt für Schritt texten: Die Kleinigkeiten

Die meisten Webseiten bestehen nicht aus langen Fließtexten. Eine gute Webseite ist schließlich kein Buch, sondern multimedial und zergliedert. Oft muss man deswegen keine langen Geschichten, sondern Mikrotexte schreiben. Und gerade hier zählt jedes Wort.

Die meisten Webseiten bestehen nicht aus langen Fließtexten. Eine gute Webseite ist schließlich kein Buch, sondern multimedial und zergliedert. Oft muss man deswegen keine langen Geschichten, sondern Mikrotexte schreiben. Und gerade hier zählt jedes Wort.


Foto: Flickr – KaiChanVong

Lange Texte schreiben kann jeder. Schon in der Schule lernen wir, wie man in einem schönen, zusammenhängenden Aufsatz eine Geschichte erzählt. Was wir oft nicht lernen, ist die Beschränkung aufs Wesentliche. Auf den Punkt zu kommen ist im Netz eine hohe Tugend. In der Reduktion aber liegt die Herausforderung: Je kürzer der Text, desto wertvoller ist jedes einzelne Wort.

Keine Panik

Möglichst kurz und möglichst perfekt texten ist eine Profession für sich. Je nach Perspektive kann man Lyriker oder Werbetexter zu den Meistern dieser Disziplin erklären. Aber wer bereits einen Job hat (zum Beispiel Webdesigner), muss deswegen nicht klein beigeben. Aus der Grundforderung, jeden Text ernst zu nehmen, erwachsen einige einfache Grundregeln für den Umgang mit Textschnipseln auf Webseiten. Die Regeln sind leicht zu befolgen, werden aber gern missachtet. Sorgfalt, nicht Genialität, ist also die wesentliche Zutat für Texte, die schmecken.

Wo was anfällt

Dreieinhalb Bereiche unserer Webseite sind klare Kandidaten für Kurztexte. Das Portfolio ist ein wichtiger Bereich mit unklarer Struktur und mit unklaren Textmengen. Erläuternde Texte zu einzelnen Arbeitsbeispielen wären interessant, werden hier aber ausgelassen. Wir konzentrieren uns auf das bisschen Einleitung, das auf jeden Fall her muss.

Die Kontaktseite muss perfekt sein. Neben der Startseite könnte man sie zu den wichtigsten Bereichen einer Webseite als gelungenem Werbemittel erklären. Hier gibt es viele Standards und wenig Text. Trotzdem ist nicht alles selbstverständlich.

Hilfe oder FAQ-Seiten sind schließlich die anderthalb übrigen Bereiche. In der Regel werden nicht beide Bereiche nötig sein. Richtet sich die Seite auch an Laien, dann sollte der Titel der Seite „Hilfe“ sein, egal, wie sie strukturiert ist. Hier gibt es viele Spielräume und unter Umständen viel zu schreiben. Wir picken uns wenige Beispiele heraus.

Ziele der Texte

Kurze Texte besitzen auf unserer Webseite allgemeine Ziele, die immer gelten.

Auf den Punkt kommen – Wenn der Besucher mit einem bestimmten Ziel vor Augen auf einen Link klickt, dann muss ihm so schnell wie möglich gegeben werden, was er sucht — aber nicht schneller. Wichtiger als originelle Formulierungen ist die unbedingte Verständlichkeit und die Reduktion der Informationen auf das Wesentliche. Trotzdem sollte man von einem niedrigen Kenntnisstand des Publikums ausgehen — es sei denn, man will nur Fachleute ansprechen.

Richtung geben – Ein Kurztext am Anfang einer Seite mit klarer Funktion (die selbst kein Text ist) soll vor allem der Einordnung der Inhalte dienen. Was finde ich wo? Wie sind Inhalte organisiert? Solche Fragen müssen wenn, dann gleich zu Beginn geklärt werden.

Neben diesen groben, übergeordneten Prinzipien besitzt jeder Text individuelle Anforderungen. Damit wir wissen, woran wir arbeiten, formulieren wir diese Ziele. Allerdings sind die mit jedem Projekt anders.

Portfolio – sollte jeder verstehen, also ist wenig einleitender Text erforderlich. Wir gehen von einem jungen Studio aus, das wenig Beispiele zeigen kann. Gäbe es gar keine, sollte man die Rubrik vorerst weglassen. Weil die wenigen Beispiele ohne besondere Anstrengungen in eine kleine, bebilderte Liste passen, ist keine Vorab-Erklärung nötig. Der Text soll Neugier wecken und dem Leser nach Möglichkeit den Bezug zu eigenen Bedürfnissen aufzeigen.

Kontakt – möglichst einfach, einladend, eindeutig. Reaktionszeiten angeben, dazu nur Kontaktmöglichkeiten geben, die auch zeitnah bearbeitet werden.

Hilfe/ FAQ – Hier kann man nichts richtig machen. Zwei gegenläufige Ziele stehen ganz oben. Der Besucher ist wahrscheinlich unzufrieden, wenn er auf „Hilfe“ klickt. Also muss alles möglichst knapp und eindeutig, dazu einfach strukturiert sein. Allerdings erfordern komplexe Themen, von denen es hier gleich mehrere gibt, lange Texte. Möglichst alle häufigen Probleme müssen angesprochen werden. Die Nutzungsmöglichkeiten der Seite müssen erklärt, weitere Hilfsangebote formuliert werden.

Probieren wir‘s:

Portfolio

Jeder Auftrag ist eine neue Herausforderung. Lösungen sind immer individuell. So haben wir anderen Kunden geholfen.

Kontakt

Wollen Sie mehr wissen? Sind Sie an einer Zusammenarbeit interessiert? Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf! Wir antworten 365 Tage im Jahr innerhalb von 24 Stunden. Ob per Mail, Telefon oder per Post.

Felder: Name, Organisation (optional), Ich will kontaktiert werden per (E-Mail, Telefon, Fax, Post), kontextabhängige Felder, Ihre Mitteilung, Abschicken

FAQ

Diese Fragen werden uns häufig gestellt. Schnell zum Ziel kommen Sie, indem Sie Suchwörter in das Textfeld eingeben oder direkt auf Rubriken klicken. Ist Ihre Frage nicht dabei? Dann fragen Sie uns persönlich.

Beispiel 1:
Wie teuer sind die Leistungen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wir erstellen nach Auftrag und Rahmenbedingungen individuelle Angebote. Macht aber nichts: Einen Kostenvoranschlag bekommen Sie von uns gratis und unverbindlich.

Beispiel 2:
Was ist ein CMS?

Ein „Content Management System“, wörtlich übersetzt also ein System zur Pflege und Bearbeitung des Inhalts einer Seite. Mit der auch Redaktionssystem genannten Software sind auch Laien in der Lage, ihre Webseite zu pflegen. Der Einsatz von CMS ist bei uns Standard.

Manöverkritik

Diesmal wird nicht jeder Text einzeln überarbeitet. Das wäre in der Praxis natürlich erforderlich; Möglichkeiten dafür haben wir aber bereits in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie durchgekaut. Stattdessen werfen wir einen kurzen Blick darauf, warum, was, wie getextet wurde.

Im Portfolio wird nur die gebotene Information eingeordnet. Was heißt das Zu-Sehende für den Kunden? In welchem Bezug stehen die Beispiele zu ihm? Drei kurze Sätze sind schneller zu lesen als ein langer. Vielleicht hätte man allerdings den Kunden direkt ansprechen können. Außerdem sind die ersten beiden Sätze nah an der Plattitüde. Geht also vielleicht noch kürzer.

Die Kontaktseite soll einen wichtigen Trick umsetzen, um das Formular zu entschärfen. Der Kunde gibt erst an, wie er Kontakt aufnehmen will, dann wird ihm das entsprechende Formularfeld gezeigt. So ist völlig eindeutig, welche Informationen benötigt werden und warum. Die Fragen wirken freundlich, sind aber nicht besonders originell. Die Gegenfrage schwebt im Raum, ob der Kunde nicht selbstverständlich Kontakt aufnehmen will, er hat ja auf den Link geklickt. Wichtig: Kontaktmöglichkeiten und Reaktionszeit werden genannt. Bevor man kurze Antwortzeiten anbietet, muss aber auch klar sein, wer feiertags auf Anfragen reagiert.

In der Hilfe-Rubrik ist das frühe Angebot zur persönlichen Hilfe wichtig. Besucher, die etwas nicht verstehen, sind verlorene Kunden. Die beiden Beispiele sollen demonstrieren, wie man auf zentrale Fragen verständlich und kurz antworten kann. Die Frage nach dem Preis ist vielleicht zu wichtig, um erst in der Hilfe-Rubrik aufzutauchen. Besonders bei CMS wird darauf geachtet, dass Informationen an dem Informationsbedürfnis des Kunden ausgerichtet sind. „Webseite pflegen“ ist trotzdem etwas schwach als Erklärung. Sicher gibt es Laien, die auch nach dieser Antwort noch nicht weiter wissen.

Auch diesmal konnten wir also nur ein paar Hinweise und Tipps sammeln. Dass auch kurzer Text Sorgfalt verdient und Gestaltungsspielräume lässt, ist hoffentlich klar geworden. ™

Von Jan Bojaryn

Sprachwissenschaftler, freier Autor und Texter. Befasst sich seit fast 20 Jahren professionell mit Sprache, Webdesign, Usability und Kommunikation im Netz. Schreibt Artikel und Ratgebertexte zu verschiedenen Themen. Liebt guten Text, nutzerfreundliches Design und Currywurst.

7 Antworten auf „Schritt für Schritt texten: Die Kleinigkeiten“

Danke für die Anregungen. Meine Internetseiten sind eher das ganze Gegenteil, sie sind sehr textlastig und ich höre es immer wieder, daß manche Menschen tagelang darauf herumstöbern und das auch mögen. Allerdings kommen die meisten Menschen eher aufgrund einer Empfehlung aus dem Bekanntenkreis zu mir und lesen dann eher aus Freude auf meinen Seiten herum.
Mich stört an anderen Seiten vor allen Dingen die viele eingeblendete Werbung, ich halte das für eine schreckliche Unart.
Ich ziehe aber auch vor Menschen, die eine Seite schön und zugleich inhaltlich kompakt halten können den Hut, mir fällt es unglaublich schwer, mich kurz zu fassen.

Danke :-)

Muss aber meinem Vorkommentator Recht geben, den Portfolio-Satz finde ich unpassend.
Ich finde bei einem Portfolio sollte man keine werbenden Sätze benötigen, die Arbeiten sollten für sich sprechen…

Die Beispiel-Sätze zum Portfolio »Jeder Auftrag ist eine neue Herausforderung. Lösungen sind immer individuell.« sind nutzloses Geschwafel, weil sie
a) keine Information enthalten,
b) daher nicht auf den Punkt kommen und
c) 1000 mal in ähnlicher Form irgendwo schon mal aufgetaucht sind.
Sie sind nicht nur ein bisschen Plattitüde, wie in der Manöverkritik erwähnt, sie sind vollkommen nutzlos und können gnadenlos wegfallen.

Folgendes ist sprachlich etwas verquirlt:
»Mit der auch Redaktionssystem genannten Software (…)«

Dieser Stil mag sich zwar in Zeitungen bewährt haben, im Web ist er jedoch schlecht. Das ist nämlich etwas anstrengend zu lesen, da die zweite Bezeichnung »Redaktionssystem« einen Satz später und dann in einem etwas grammatikalisch nicht ganz so einfachen Konstrukt daherkommt.
Es wäre hingegen ein wenig überschaubarer und schneller für den Leser zu erfassen, wenn alle alternativen Bezeichnungen für »Content Management System« im selben Satz erwähnt werden, zum Beispiel so:
»Content Management System (auch: Redaktionssystem)«
Das ist schon mal kompakter und auch lesbarer.

Sehr herausfordernd seine Texte soweit runterzukondensieren, bis die pure Information übrigbleibt, doch vielleicht kommt es auch immer darauf an, was ich von einer Website erwarte. Im Idealfall ist mir das Drei-Stufen-Modell am liebsten. Knackige Schlagzeile, kondensierte Inhaltsangabe in Form einer Einleitung und ein gern auch üppiger Haupttext.

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