Kategorien
Webdesign

Scrollen oder Paginieren? Wie lang dürfen Seiten sein?

Der Besucher scrollt nicht gern? Ganz falsch! Was früher galt, stimmt schon seit Jahren nicht mehr. Die Nutzer haben sich längst an lange Seiten gewöhnt, ja, wissen sie sogar zu schätzen. Und vielleicht hat die Erfindung des Mausrads im Laufe der Zeit ihr Übriges getan. Schließlich ist das schnelle Drehen intuitiver als das Klicken durch eine Paginierung – was eben auch daran liegt, dass man unbedingt zielgenau operieren muss, nicht jeder schafft das auf die Schnelle.

Der Besucher scrollt nicht gern? Ganz falsch! Was früher galt, stimmt schon seit Jahren nicht mehr. Die Nutzer haben sich längst an lange Seiten gewöhnt, ja, wissen sie sogar zu schätzen. Und vielleicht hat die Erfindung des Mausrads im Laufe der Zeit ihr Übriges getan. Schließlich ist das schnelle Drehen intuitiver als das Klicken durch eine Paginierung – was eben auch daran liegt, dass man unbedingt zielgenau operieren muss, nicht jeder schafft das auf die Schnelle.

Die Bandbreite spielt heute keine große Rolle mehr, in Zeiten des Online-Videos ist man anderes gewohnt. Tatsächlich sind längere Seiten angenehmer auszudrucken und einfacher mit Blicken zu scannen. Und schließlich muss man auf Einzelseiten länger warten, da sie sich jedes mal neu aufbauen – besonders lästig ist das auf werbeschwangeren Seiten.


Eine typische Paginierung

Den Holzmedien entwachsene Online-Publikationen lieben nichtsdestotrotz die Paginierung. Sie garantiert ihnen mehr Page Impressions und somit mehr Werbeeinnahmen. Zumindest in der Theorie und mit der Einschränkung „noch“. Berüchtigt in diesem Zusammenhang sind die so genannten Klickstrecken  – die Kurztextgalerien. Deren (eingebettete) Seiten bestehen lediglich aus Textschnippseln, zu Dutzenden hintereinander.

Zahlenmaterial

Eine Analyse des Dienstes „Clicktale“ aus dem Jahr 2007 unterfüttert diese Aussagen mit Zahlen: Scrolling Research Report V2.0 Teil 1Teil 2. Clicktale analysiert als Dienstleister Seiten der Nutzer, bietet Scroll-Heatmaps an und hat deshalb einen guten Überblick. Siehe dazu auch mein Artikel Software und Services für eigene Usability-Tests – eine Übersicht

Clicktale zeigt, wie die Aufmerksamkeit der Leser nachlässt mit steigender Länge einer Seite. Nichts anderes hätte man erwartet. Immerhin waren rund 91% von 80.000 für die Studie untersuchten Seiten scrollbar, bei 22% erreichten die Tester den Fußbereich, scrollten also bis ganz nach unten durch. Paginierte Seitenstrecken müssen selbstverständlich ebenfalls mit Verlusten rechnen. Eine Geschichte, auf fünf Seiten umbrochen, sieht vielleicht auch nur jedem zehnten Leser am Ende wieder.


Clicktale: Page areas near the top of the page get about 17 times more exposure than the areas near the page bottom.

Werbetreibende mögen das Scollen nicht, sie verlangen eine Position ihrer Werbemittel „above the fold“ – alles andere ist meist nur zu pauschalen Dumpingpreisen verkäuflich. Clicktale identifiziert den wertvollsten Teil einer Seite in den Pixeln 0-800. Das spricht nicht gegen das Scrollen an sich, man muss aber was die Platzierung angeht bei Werbevermarktung und Bannerplatzierung Rücksicht nehmen.

SEO

Nach meiner Erfahrung hier und im Smashing Magazine resultieren mehr Seiten zwar in mehr PageViews, werden von Suchmaschinen aber weniger goutiert. Google und Co. wünschen sich ordentliche Portionen auf dem Teller. Auch eingehende Links würden sich mehr oder weniger auf verschiedene Seiten verteilen – das betrifft auch die interne Verlinkung.

Unendliche Seiten – kontinuierliches Scrollen

Diese Idee ist im Zuge der AJAX-Revolution bekannt geworden. Ein Script sorgt dafür, dass ohne Unterbrechung immer weiter gescrollt werden kann. Die Seite kommt nie zu einem Ende. Sehr schön sichtbar wird das wenn man die Bildersuche der Microsoft’schen Suchmaschine Bing verwendet. Neue Inhalte werden ständig nachgeladen, eine Paginierung gibt es nicht. Eine weiteres Beispiel findet sich auf bei „Community News“ von Dzone.


Ladeanzeige unten rechts bei Dzone, wird gescrollt, erscheint für einen Moment der Loader

Aus User-Sicht ist nicht viel bekannt. Unendliche Seiten können möglicherweise frustrieren, schließlich kommt man – eine dicke Menge Content vorausgesetzt – praktisch nie zu einem Ende. „Wann ist endlich Schluss?“ wird sich mancher fragen und dabei in Stress geraten.

Technisch funktioniert das, wie erwähnt, mittels AJAX. Kostenlose Scripts dafür kann man etwa hier herunterladen:

Fazit

Keine Angst vor dem Scrollen. Ihre Gäste werden davon nicht überfordert und lehnen die Benutzung von Mausrad und Scrollbalken keineswegs ab. Zu lange Seiten allerdings bringen jeden irgendwann in die Bredouille. Als Faustregel und Mittelwert kann man sich ein rund 5-faches des üblichen Monitorinhaltes merken – das sind 4000-5000 Pixel. Ab dann sollte auch der Freund von Rollbalken eine zweite Seite ins Auge fassen. ™

Artikel im Netz zum Thema

Von Sven Lennartz

Ex Webdesigner, Gründer von Dr. Web und Smashing Magazine. Heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger unterwegs. Schau was er jetzt macht…

6 Antworten auf „Scrollen oder Paginieren? Wie lang dürfen Seiten sein?“

Ja, genau diese Seiten meinte ich. Besonders bei eurer Suche nervt die Pagnierung! Dort wäre nachladen durch Scrolln am effektivsten.

Und warum paginiert drweb.de dann noch? ;) Ich finde das Nachladen per AJAX viel besser als Pagnierung. Ich baue es auch in meinen Projekten ein.

Ich halte grundsätzlich auch nicht viel davon, Inhalte auf mehrere Seiten zu verteilen. Das nervt mich mehr als ein etwas längerer Inhalt auf einer Seite.

Zu viel Inhalt auf einer Seite ist allerdings auch schlecht. Und das muss auch bei einer notwendigen Informationsfülle nicht unbedingt sein, wenn man den Text Leserfreundlich gestaltet.

Wenn es dennoch unvermeidbar ist, eine gewisse Menge Infos in eine Seite zu packen, gibt es Möglichkeiten, das so aufzubauen, dass es den Leser nicht überfordert.

Man kann fett formartierte Zwischenüberschriften einbauen, die zum Weiterlesen animieren, genügend Weißraum zwischen zwei Absätzen lassen, passende Eyecatcher platzieren usw.. Einfach um die Seite aufzulockern.
Bei großen Inhaltsseiten sollte man nach jedem Absatz auch noch eine Sprungmarke einbauen, mit der man durch einen Klick wieder ganz oben landet.

Bei paginierten Seiten beschleicht mich immer das Gefühl, ob ich das für mich Interessanteste wirklich auf der nächsten Seite finde oder doch erst auf der allerletzten Seite.
Da ist das gemütliche Scrollen mit dem Mausrad und das Überfliegen der Überschriften doch viel angenehmer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.