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LTE-Gerüchte vom Tisch: Nexus 4 laut LG eigentlich ein anderes Smartphone

Flugs waren einige Nexus 4 von kundiger Hand auseinander gepflückt. Die technischen Innereien wurden genauer als in einem Obduktionsbericht gelistet. Spekulationen über die Gründe verschiedener Komponenten schossen ins Kraut. Jüngst befasste sich die internationale Gerüchteküche mit dem im Nexus 4 vorhandenen LTE-Modul. Die Tech-Website Techradar erhielt nun nach eigenen Angaben offizielle Aussagen aus dem Hause LG.

Wie vermutet: Nexus 4 ist ein umgebautes LG Optimus G

Die Informationen sind knapp gehalten, aber aussagekräftig. Wie ein Sprecher LGs gegenüber Techradar äußerte, handelt es sich bei den im Nexus 4 verbauten Komponenten in weiten Teilen um die identischen Komponenten, die auch im 2013 nach Deutschland kommenden LG-Flaggschiff Optimus G verbaut werden. Nun sei es mit Blick auf den eingesetzten Snapdragon-Chipsatz von Qualcomm so, dass dieser ausschließlich in Kombination mit einem entsprechenden Prozessor und Modem erhältlich ist. Dieses Modem bringe zwar LTE-Funktionalität mit, sei aber nur dann wirklich nutzbar, wenn weitere wichtige Hardware-Bauteile implementiert werden. Und an genau diesen Teilen, etwa einem Signalverstärker und -filter fehle es im Nexus 4. Ein Funktionsupgrade auf LTE per Firmware ist damit nach Aussage LGs ausgeschlossen. Grund für den Verzicht auf die zusätzlichen Komponenten sollen die preislichen Vorgaben gewesen sein. LG sieht die Platzierung klar: Immerhin sei durch die Verwendung des Snapdragon mit dem Nexus 4 ein Smartphone mit erstaunlicher Performance auf den Markt gebracht worden, nur eben bezogen auf den für 3G, nicht den für 4G.

Diese Aussagen aus dem Hause LG scheinen indes nur zum Teil der Wahrheit zu entsprechen, wie korrespondierende Tests der Tech-Site AnandTech beweisen. Reich bebildert und mit vielen Messwerten unterlegt, zeigt Autor Brian Klug, dass die von LG als nicht vorhanden behaupteten Verstärkereinheiten sehr wohl im Nexus 4 vorhanden sind, allerdings nur solche, die das Band 4, das beispielsweise in Kanada für den Betrieb des LTE-Netzes, verwendet wird, unterstützen. Damit ist es in entsprechenden Regionen der Erde möglich, durch die einfache Aktivierung einer bereits vorhandenen Einstellungsoption in den Genuss der LTE-Verbindung zu gelangen. Deutschland indes gehört aufgrund der Verwendung anderer Frequenzen nicht zu diesen Ländern. Da im Gerät tatsächlich die, für die in Deutschland genutzten, Bänder benötigte Hardware nicht verbaut ist, kann auch mittels Firmware-Update hierzulande keine Veränderung der Situation erwartet werden.

Links zum Beitrag:

  • LG admits reason behind dropping 4G in Nexus 4 – Techradar
  • Nexus 4 Includes Support for LTE on Band 4 (AWS) – Anandtech
  • Nexus 4: Googles neues Smartphone-Flaggschiff definiert den Standard nicht neu – Dr. Web Magazin
  • Google verpatzt Verkaufsstart des Nexus 4 in Deutschland – Dr. Web Magazin
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Google verpatzt Verkaufsstart des Nexus 4 in Deutschland

Es war 9:12 Uhr am Morgen des 13.11.2012, als das mit großem Interesse erwartete Nexus 4 im deutschen Play-Store verfügbar wurde. Ab 9:16 Uhr wurde wieder „Bald verfügbar“ angezeigt und seither schwankt der Status zwischen „In den Einkaufswagen“ und „Bald verfügbar“ munter hin und her. Einer großen Zahl Kaufwilliger ist es bislang nicht gelungen, das begehrte Smartphone käuflich zu erwerben, auch ich konnte keines ergattern.

Vorschlag für Pressemitteilung: „Unerwartet großer Andrang, tut uns leid“

Die Fehlermeldungen sind mannigfaltig. Mir und vielen anderen Nexus-Interessenten sind sie bald alle begegnet. Dabei fing es ganz harmlos an. Zunächst nämlich schien der Kauf ordnungsgemäß abgewickelt zu werden. Nach dem Hinzufügen des Nexus 4 zum Einkaufskorb klickte ich auf „Fortfahren“, das bereits bekannte Popup des Google Wallet öffnete sich. Normalerweise erscheint dort nach einer Weile der Gesamtbetrag, man bestätigt die Zahlung und die Sache ist durch. In meinem Falle blieb das Fenster schlicht leer. Nach einer Weile brach der Vorgang ab.

Ich versuchte es mit verschiedenen Geräten aus verschiedenen Netzen, meldete mich komplett ab und wieder an. Ein Haufen von Fehlermeldungen begegnete mir. Hier eine kleine Auswahl:

Mittlerweile steht der Status des Nexus 4 16 GB stabil auf „Bald verfügbar“. Die 8GB Variante ist angeblich noch erhältlich. Na ja, besser als nichts. Ich klicke auf „Kaufen“, dann auf „Fortfahren“ und… „Hoppla! Bei Ihrer Anfrage ist ein Problem aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.“

Kurze Zeit später sehe ich dieses Fensterchen:

Als ich, um diesen Beitrag abzuschließen, den Shop-Link zum Nexus 4 kopieren will, stelle ich fest, dass die Sektion „Geräte kaufen“ im Play-Store mittlerweile gar nicht mehr aufrufbar ist.

Sorry Google. Aber so darf einem das eigene System nicht aus dem Ruder laufen…

P.S.: Kleines Detail am Rande. Ich hatte, wie vermutlich die meisten anderen, meine E-Mail-Adresse im Play-Store hinterlassen. Man versprach, mich zu informieren, sobald das Gerät verfügbar würde. Ich jedenfalls habe bislang keine solche Mail erhalten. Erstaunlich, oder eigentlich doch nicht?

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Nexus 4: Googles neues Smartphone-Flaggschiff definiert den Standard nicht neu

Ich persönlich freue mich wie Bolle auf das neue Nexus 4 aus dem Hause Google. Es kann nichts Neues. Alle technischen Spezifikationen sind bekannt und auch in anderen Smartphones so vorhanden. Der Formfaktor von 4,7 Zoll, die übliche 8MP Kamera und sonstige Features sind fast schon als etabliert in der Androidwelt zu bezeichnen. Das Nexus 4 setzt an keinem Punkt an, um die Grenzen zu erweitern. Insofern ist es erstaunlich, dass das Gerät dennoch eine so hohe Aufmerksamkeit generiert. Meines Erachtens liegt das an zwei Aspekten: dem puren Android ohne Herstelleranpassungen und dem – verflixt niedrigen – Preis von 349 Euro für die 16 GB Variante.

Googles veränderte Nexus-Strategie

Bislang waren die Nexus-Modelle eher als Geräte für Entwickler gedacht. Zwar hatten sie schon immer auch optisch keinen Hässliche Entlein Status, aber die aufregenden Devices kamen von anderen Herstellern. Das neue Nexus 4 hingegen ist ein echter Hingucker und geizt auch nicht mit der Ausstattung. Wo das Vorjahresmodell Galaxy Nexus noch schwächelte, bietet das Nexus 4 keine Blößen mehr. Mit einer Front und einer Rückseite aus Gorilla Glas wirkt es elegant und – Zufall oder nicht – stark an iPhone-Prinzipien angelehnt. Zudem hängt ein Preisschild an dem Device, das als geradezu revolutionär bezeichnet werden muss. Ein tolles, voll ausgestattetes Smartphone fast geschenkt – wieso der Sinneswandel?

Google hatte vermutlich die Faxen dicke. Da nehmen profitable Unternehmen wie Samsung, HTC und andere das kostenfreie Android-Betriebssystem her und bauen auf dieser Basis schicke Geräte. In Anlehnung an Apples überzogene Preispolitik fühlten sich die Wettbewerber mutmaßlich ermutigt, ebenfalls im Premiumsegment zu wildern. So ging dort, wo die Leistungsfähigkeit der Androiden diejenige des iPhones erreichte oder überstieg, der Preisvorteil, den sich Google durch seine Donation eines kostenfreien OS erhofft hatte, ganz oder teilweise baden.

Jetzt zeigen die Kalifornier den Herstellern, wo der Hammer hängt. Pures Android ist, seit Android Honeycomb und der Definition der Holo-Guidelines für das App-Design, kein hässliches Entlein mehr und kann in vielen Bereichen Apples iOS mindestens das Wasser reichen. Was die Käufer von Android-Hardware teils schmerzlich erfahren haben, ist, dass es stark unterschiedliche Update-Policies bei den verschiedenen Herstellern gibt. Manch einer, wie Sony, stellt sich auf den Standpunkt: „Gekauft wie gesehen.“ Andere bringen zwar Updates, aber sechs bis zwölf Monate nach der Verfügbarkeit seitens Google.

Google hatte versucht, ein Agreement zu erreichen, eine Allianz zu schmieden. Hersteller sollten sich bereit erklären, mindestens für 18 Monate nach Auslieferung zeitnahe Updates zu gewährleisten. Die Allianz hielt keinen Sommer lang. Der Verbreitung kann es perspektivisch nicht nutzen, wenn mit der Entwicklung nicht Schritt gehalten wird. Insbesondere im Wettbewerb mit Apple ist es wichtig, die Technologie auf dem Stand der Technik in die Haushalte zu tragen.

An dieser Stelle unterscheiden sich die Ziele Googles stark von denen der Gerätehersteller. Während Google wesentlich auf die Verbreitung schaut, schauen die Hersteller auf den nächsten Quartalsbericht. Mittlerweile ist das auch den Käufern der Hardware aufgefallen. Pures Android wird stets wesentlich, dramatisch schneller mit Updates versorgt als herstellerspezifische Iterationen. Der teuer kaufende Premiumkunde guckt zu oft in die Röhre. Eine Google-eigene Alternative erscheint hochattraktiv.

Fazit: Google, aber auch die User wollen mehr Cutting Edge Android im Markt!

Nexus 4: Der Preis und die Kompromisse

Um das zu erreichen, ist es erforderlich, die grundsätzlich vorhandenen Preisvorteile durch das kostenlose OS auch im Endverbrauchermarkt umzusetzen. Dass auch das funktioniert, zeigt Google in Kooperation mit LG nun mit dem neuen Nexus 4. Das Nexus 4 bietet alle aktuellen technischen Spezifikationen aus dem Android-Bilderbuch und kostet trotzdem in der 16 GB Variante nur 349 Euro, die 8 GB Variante schlägt mit 299 Euro zu Buche.

Natürlich wird vielerorts nun gemault, 16 GB ohne SD-Slot seien ja völlig unterdimensioniert und ein Phone ohne SD-Slot käme ihnen schon mal gar nicht ins Haus. Als Smartphone-Nutzer der ersten Stunde sage ich: Bullshit!

Als die ersten Smartphones auf den Markt kamen, zumeist Windows CE Geräte, hatten diese kaum Speicher. SD-Speicher und andere Varianten waren unverzichtbar. Das erste iPhone kam im Standard mit 8 GB. Meine iPhones hatten stets nur 16 GB. Klar, da muss man haushalten. Aber, das ist auch gut. Man lernt Disziplin und hält nur noch den Content auf dem Phone, den man tagesaktuell benötigt.

Mit dem Wachstum der Cloud wurde der lokale Speicher immer unwichtiger. Speziell der Platzfresser Musik kann heutzutage prima ausgelagert werden. Auch Google wird ab dem 13. November in Deutschland sein Play Music am Start haben. Bilder werden auf Google+ ohne Platzbegrenzung ausgelagert. Picasa befriedigt den gehobeneren Bedarf.

Ich will keinen Glaubenskrieg vom Zaun brechen, halte es aber für gesicherte Erkenntnis, behaupten zu dürfen, dass der lokale Speicher heutzutage weit weniger Bedeutung hat, als das noch vor wenigen Jahren der Fall war.

Zuguterletzt will ich noch erwähnen, dass es doch tatsächlich ein neues Feature gibt, das hardwaretechnisch neu ist. Das Nexus 4 ist nämlich in der Lage induktiv aufgeladen zu werden. Das funktioniert ähnlich wie bei elektrischen Zahnbürsten, so dass es im Grunde merkwürdig ist, das bislang niemand auf die Idee gekommen ist. Update: Verschiedene Kommentatoren weisen darauf hin, dass Palm bereits 1999 induktives Laden in den Markt mobiler Geräte gebracht hat. Auch aktuell sind Nokia und Samsung mit diesem Konzept auffällig geworden. Das Nexus 4 bietet also in diesem Sinne kein neues Feature, sondern lediglich eines, das sich bislang nicht durchsetzen konnte. Wenn ich mir die Ladezeiten bei meiner elektrischen Zahnbürste so ansehe, kann ich sogar verstehen wieso…

Vom iPhone 4 entlieh sich LG die Idee, die Vorderseite und Rückseite des Phones mit Glas auszustatten. Anders als bei iPhone verwendete man wenigstens Gorilla Glas, dennoch wird auch diese Entscheidung kritisiert. Vielleicht kann man sich auf folgende Vorgehensweise einigen: Wer das Nexus 4 für fehlkonstruiert hält, der kauft es einfach nicht. Ich kann es kaum erwarten, das Dingen in den Händen zu halten…