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Betriebliches E-Business IMHO

Vorsicht, Windows 8 vorinstalliert: eine Leidensgeschichte

Die folgenden Vorgänge wären noch vor kurzer Zeit, einer Zeit vor Windows 8, wo Kacheln vornehmlich auf Toiletten zu finden waren, völlig problemlos gelaufen. Eine vorinstallierte Windows-Version durch eine höhere Version zu ersetzen, war jahrelang Usus. Die parallele Installation mehrerer Betriebssysteme war ebenfalls ein gängiges Szenario. Und so geriet ich, trotz 25-jähriger Erfahrung mit Windows-Systemen, in eine schier unglaubliche Situation. Lesen Sie selbst…

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Die Ausgangssituation: ein Samsung Serie 7 Chronos mit Win 8

Vor einigen Monaten kaufte ich ein Samsung-Notebook mit i7, 8GB Ram und 1TB Festplatte, Amazon rief dafür nicht unüppige 1.400 Euro auf. Es war zwar deutlich erkennbar, dass das Gerät mit Windows 8, nicht mit Windows 8 Pro geliefert werde würde, aber das war auch in der Vergangenheit bis Windows 7 schon gebräuchlich und stellte sich bislang nie als problematisch heraus.

Irgendwie wurde ich nie so richtig warm mit dem Gerät, blieb lieber bei meinem Macbook. Als sich dann vor kurzem die Festplatte des Samsung lautstark bemerkbar machte, sah ich meine Chance gekommen. Die verbaute 1 TB-Platte erhält ohnehin nirgends Lobeshymnen, sie gilt als Systembremse schlechthin.

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Ich beschloss, mir als Ersatz eine 512 GB SSD, natürlich von Samsung, damit es nicht zu Schwierigkeiten kommen kann, zu beschaffen und darauf dann direkt Windows 7 zu installieren, um nicht länger auf das von mir als nicht Fisch, nicht Fleisch beurteilte Windows 8 festgelegt zu sein. Auch die SSD kaufte ich bei Amazon.

Der Umbau war nicht ganz trivial. Samsung bietet einfachen Slotzugriff nur noch auf den Arbeitsspeicher. Alles andere ist unter einer Komplettabdeckung verborgen. Um an die Festplatte zu gelangen, musste ich die Rückseite entfernen. Hier wäre ich fast an den werkseitig viel zu fest angezogenen Schrauben gescheitert. Kleiner Tipp an Samsung: Nach fest kommt ab.

Einmal mit lautem Geknacke geöffnet, die kalten Schauer über den Rücken ertragen, war der Wechsel der Festplatte gegen die SSD kein Problem mehr. Ich wähnte mich kurz vor dem Ziel…

Apropos Arbeitsspeicher: Der Samsung hat 8 GB in zwei 4GB Riegeln verbaut. Per Klappe kommt man aber nur an einen der beiden 4er Riegel. Wer beide auswechseln möchte, muss das komplette Mainboard ausbauen, denn der zweite Slot befindet sich tatsächlich genau auf der anderen Platinenseite. Durchdacht, oder etwa doch nicht?

Samsung zu Windows 7 Ultimate 64bit: Nicht mit mir, Freundchen!

Jetzt kann es nicht mehr lange dauern, dachte ich bei mir, legte die DVD von Windows 7 Ultimate 64bit ein, startete den Rechner und öffnete das BIOS. Dort änderte ich zunächst nur die Bootreihenfolge so, dass das DVD-Laufwerk als erstes abgefragt würde und startete neu.

Der neuerliche Bootvorgang brach dann mit einer Fehlermeldung ab, die mir bedeutete, ein Secure Boot könnte nicht durchgeführt werden. Da dämmerte mir das bislang ignorierte UEFI-Thema. UEFI, der Ersatz für das bisherige BIOS soll ja den ganzen Bootvorgang sicherer machen, zum Nutzen der Menschheit. Und ist UEFI einmal aktiviert, dann bootet das System nur noch mit dem Betriebssystem, dessen Zertifikate im UEFI hinterlegt sind. Im Falle des Samsung also nur mit Windows 8.

Da passte es gut, dass die aktuelle c’t vom 01.07.2013 sich genau des Themas “UEFI-Troubleshooting” annahm und einen ausführlichen Beitrag brachte, der genau erklärt, was es mit dem BIOS-Ersatz auf sich hat (nichts besonderes), welche Probleme auftreten können (ganz schön viele), wofür UEFI sinnvoll (eigentlich zu nicht viel) und wie man es umgeht, wenn man alternative Betriebssysteme installieren möchte.

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Ganz einfach sei das. Man müsse nämlich lediglich im UEFI das Secure Boot deaktivieren und danach als Betriebssystemmodus CSM wählen. Ich begab mich also flugs ins BIOS/UEFI. Das Abschalten von Secure Boot war schnell gefunden, allein die Wahlmöglichkeit CSM konnte ich nirgends finden. Ein erneuter Versuch, nach abgeschaltetem Secure Boot Windows 7 zur Installation zu bewegen, scheiterte dann auch kläglich.

Ich durchpflügte das Web und fand letztlich die vermeintlich beste Hilfe bei Samsung auf der Supportseite zum Produkt in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Rückbau genau des von mir erworbenen Systems von Win 8 auf Win 7. Die komplette Treiberplattform hatte ich mir zuvor schon herunter geladen.

Aber: Trotz identischer Modellnummer konnte ich die Anleitung nicht gebrauchen. Die Screenshots des BIOS entsprachen nicht dem Interface des in meinem Gerät tatsächlich vorhandenen. Auch Samsung schrieb wieder von CSM, allein, in meiner Firmware gibt es diesen Punkt nicht. Ein Anruf beim Support brachte Klarheit: Nein, Sie können kein anderes OS installieren, Sie müssen bei Win 8 bleiben.

Besonders schön war in diesem Zusammenhang die hanebüchene Aussage des Support-Mitarbeiters: Sie können ja auf ein Android-Phone auch kein iOS installieren. Ich verzichtete auf eine Debatte. Ich war eh schon in Zeitnot.

Zwischenergebnis: Samsung verkauft ein Gerät für immerhin 1.400 Euro und stattet es mit Win 8 aus. Obschon es alle relevanten Treiber auch für Windows 7 gibt, entscheidet sich Samsung dafür, das BIOS/UEFI so zu beschneiden, dass eine Installation eines anderen OS außer Win 8 nicht möglich ist.

Ich fand mich zähneknirschend damit ab.

Samsung zu Windows 8 Pro: So nicht, Freundchen!

Nachdem Samsung den Chronos nicht mit physikalischen Medien geliefert hatte und die eingebaute Festplatte wegen Schwierigkeiten gewechselt worden war, stand mir natürlich die Systemwiederherstellung nicht zur Verfügung. Ich empfand das nicht als Problem, ein Clean Install ist mir eh lieber.

Fuchs, der ich zu sein glaubte, griff ich mir eine ordnungsgemäß erworbene DVD mit Windows 8 Pro und schob sie in das Laufwerk. Nach dem Wiedereinschalten von Secure Boot nahm das Samsung die DVD an und bootete nach einer gefühlten Ewigkeit in das Setup. Dieses schien unauffällig zu verlaufen, ich wähnte mich erneut kurz vor dem Ziel…

Nach dem ersten Hochfahren wollte ich direkt dem domänenbasierten Firmennetzwerk beitreten. Ich fand diese Option in der Systemsteuerung jedoch lediglich ausgegraut vor. Ein Blick in die Systemübersicht brachte Gewissheit. Obschon ich ein Windows 8 Pro Installationsmedium eingelegt hatte, wurde lediglich Windows 8 ohne Pro installiert. Und einer der kleinen, aber feinen Unterschiede ist eben, dass Domänenanmeldungen nur mit der Pro-Version funktionieren.

Ich dachte mir noch nichts böses, sondern rief über die Systemsteuerung die Funktion auf, mit dessen Hilfe man Features hinzufügen, also insbesondere auf die Pro-Version upgraden kann. An dieser Stelle bedarf es eines Product-Keys, der mit den entsprechenden Berechtigungen ausgestattet ist. Alternativ kann man online einen via Arvato für knappe 160 Euro erwerben.

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Ich wähnte mich im Besitz eines hinreichend tauglichen Keys und rief daher den Punkt “Ich habe bereits einen Product-Key” auf. Mindestens ein halbes Dutzend mal tipperte ich den Key ein ums andere Mal ein, nur um jedes Mal die Meldung zu erhalten, dass der Schlüssel nicht verwendet werden kann. Ich probierte es mit drei weiteren Keys entsprechender Windows 8 Pro Vollversionen aus, bis ich schließlich aufgab und bei Microsoft anrief.

Nach einer ersten Anlaufstelle, die sich im Wesentlichen durch kaum als solches zu bezeichnendes Deutsch auszeichnete, wurde ich in die Supportabteilung verbunden, wo mir eine sehr freundliche Dame erklärte, dass es keine Möglichkeit gäbe, die von mir ordnungsgemäß erworbenen Vollversionen auf dem Samsung ans Laufen zu bringen. Das Problem sei der im BIOS hinterlegte Product-Key, der das System bei jedem Reboot wieder auf Windows 8 Core zurück stutzen würde, selbst wenn es einem mit Tricks gelänge, Pro zu aktivieren.

Ich müsse mich entweder an Samsung wenden, wo man eventuell bereit sein könnte (was sie aber nicht glaubte), mir behilflich zu sein bei der Entfernung des BIOS-Keys oder aber ich müsse ein Windows 8 Pro Pack nachkaufen, ein dediziertes Update von Windows 8 auf Windows 8 Pro. Meinen Einwand, dass ich doch bereits legal erworbene Vollversionen von Pro mein eigen nenne, nahm die Dame vom Support zwar mitfühlend zur Kenntnis, blieb in der Sache jedoch unbeugsam.

Schlussendlich entschied ich mich zähneknirschenderweise zum Erwerb des Pro Pack online über den entsprechenden Windows-Dialog, weil ich nicht noch mehr Zeit verlieren wollte. Dort verkaufte man mir dann über Arvato das Pro Pack zum Schnäppchenpreis von knapp 160 Euro, zahlbar per Paypal. Hätte ich noch Geduld gehabt, hätte ich möglicherweise einen Hunderter sparen können, indem ich bei Amazon das Produkt gekauft hätte.

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Andererseits, wer hätte mir garantieren wollen, dass der so erworbene Key dann tatsächlich funktionieren würde?

Windows 8 Vorinstallationen: Lessons Learned

Im Ergebnis hat mich die Umrüstung des Gerätes jetzt fast 600 Euro gekostet, ohne, dass ich das angestrebte Ziel, das Downsizing auf Windows 7 überhaupt erreicht hätte. Dass es Personal Computer geben könnte, die auf ein bestimmtes OS limitiert sind, hätte ich nicht für möglich gehalten. Nicht, weil es das grundsätzlich nicht geben kann, sondern, weil es bei Windows-Geräten in den letzten 25 Jahren nie so war.

Wenn man sich überlegt, warum Samsung ein Interesse daran haben sollte, derart strikt vorzugehen, kommt man kaum zu einem vernünftigen Ergebnis. Es sei denn, und das halte ich in zunehmendem Maße für die plausibelste Erklärung, Microsoft gibt die Vorgehensweise per “Vereinbarung” vor. Wenigstens erfährt Windows 8 so eine gewisse Zwangsverbreitung. Und wenn der Nutzer merkt, worauf er sich da eingelassen hat, dann ist es schon zu spät…

Ich habe meine Lektion gelernt und werde kein Gerät mit vorinstalliertem Windows 8 mehr kaufen. In Sachen Notebook verliert Microsoft mich mit der nächsten Neuanschaffung ganz definitiv vollständig an Apple, wo ich bislang zweigleisig fuhr. Auf einem Macbook kann ich ein Windows meiner Wahl installieren und werde auch nicht vom BIOS darauf limitiert. Denn leider ist für einen ganzen Sack voll kaufmännischer Software, die ich benutzen muss, auch auf Sicht Windows erforderlich. Die meisten dieser Programme laufen nicht mal in einer virtuellen Maschine, so dass ich um native Windows-Installationen auf absehbare Zeit nicht herumkommen werde.

Sollte die Anschaffung eines Desktopgerätes erforderlich werden, werde ich – wie früher – die Teile einzeln kaufen und selber zusammenstöpseln. Die Mainboards, die es im freien Handel gibt, haben zwar ebenfalls alle UEFI, können aber alle auch mit anderen Betriebssystemen gefahren werden, wie die c’t in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt. Verständlich, immerhin wollen die Hersteller von Mainboards eben Mainboards verkaufen, egal für was.

Bevor sich jemand beschwert: Alle Amazon-Links in diesem Beitrag sind keine Affiliate-Links. Wir haben nichts davon, wenn Sie darauf klicken. Also tun oder lassen Sie es.

Im Nachgang will ich noch erwähnen, dass es im Netz Anleitungen gibt, wie man die Setup-DVDs so verbiegt, dass das System selbst bei einem im BIOS hinterlegten Key diesen nicht nutzt. Ich glaube kaum, dass ich das versucht hätte. Aber bei mir war der Zeitpunkt, an dem ich das sinnvoll hätte machen können, eh schon überschritten und noch mehr Zeit wollte ich partout nicht investieren…

Und so schließe ich mit bestem Dank für die intensiven, aber komplett entbehrlichen Erfahrungen an das unheilvolle Duo aus Microsoft und Samsung!

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Hardware Inspiration

Samsung Galaxy Note 2: Interessant…

Seit kurzem kann das Samsung Galaxy Note 2, Nachfolger des ersten sehr großen Smartphones aus Südkorea, käuflich erworben werden. Der prominente Filmemacher Wim Wenders wird als Testimonial eingesetzt. Samsung versucht, das Gerät als ideal für kreative Berufe zu positionieren. Ich fühlte mich angesprochen und sah mir das Gerät näher an.

Mal vorweg: Wenn ich ein Gerät teste, dann nicht anhand der technischen Spezifikationen und Benchmarks, sondern im Alltag. Das Galaxy Note 2 unterstützt mich entsprechend seit zwei Wochen in meinen täglichen Abläufen und begleitete mich bereits auf ein recht rauhes Rock-Festival, auf eine Groß-Baustelle, beim Joggen und auf eine sehr nette Dienstreise nach Freiburg im Breisgau, der sonnigsten Stadt Deutschlands. Die wesentlichen Funktionen, jedenfalls nach meinem Anforderungsprofil, konnte ich so aussagefähig testen.

Mein Fazit: Interessant…

“Interessant”. So umschrieb mein Musiklehrer stets eine Leistung, die ihn nicht überzeugen konnte. Und so will ich das Wort auch erstmalig in diesen Kontext stellen. Ich erkläre natürlich gern warum.

Samsung Galaxy Note 2: Intelligent vermarktet

Samsung bewirbt das Note 2 mit diesem Video:

http://www.youtube.com/watch?v=EHS2_W_k5cI

Man zeige mir eine Person, die ob der dort gezeigten Möglichkeiten nicht in den sofortigen Kaufmodus wechselt und nur noch nach dem Bestell-Button sucht. Und in der Tat bietet das Gerät derlei Möglichkeiten auch an. Allein, sehr praxistauglich sind sie nicht…

Das Galaxy Note 2 ist im Wesentlichen eine größere Variante des Galaxy S3. Das betrifft die Optik und auch die sonstigen Leistungsmerkmale, mit Ausnahme der Displaygröße und des S-Pen.

Der S-Pen ist ein Stift, der wesentlich ist für alle Kreativfunktionen, die das bereits erwähnte Video visualisiert. Anders als andere nachkaufbare Stifte für kapazitive Displays ist der S-Pen deutlich leistungsfähiger, denn das Display reagiert bereits, wenn das Note den Stift nur in der Nähe wahrnimmt. Die Spitze des S-Pen wird bereits ohne Berührung des Displays als kleiner Kreis auf dem Screen angezeigt. Auf diese Weise sind Hover-Effekte möglich. Beim Websurfen funktionieren unter Verwendung des S-Pen Hover-Effekte, die eigentlich auf Mausbedienung ausgelegt waren. In den eigenen Apps macht Samsung extensiv, aber nicht vollumfänglich Gebrauch davon. Das ist eine neue Dimension der Tabletnutzung, allerdings in der Form eines Proof Of Concept.

Samsung Galaxy Note 2: im Alltag kein Knüller

Der Haken an der Sache ist nämlich, dass der S-Pen ansonsten nur da funktioniert, wo die entsprechende App gezielt auf Pen-Nutzung abgestimmt ist. Das ist naheliegenderweise nur bei Samsungs eigenen Apps auf dem Note der Fall. Entsprechend startet das Note 2 beim Entfernen des S-Pen aus dem Gerät ein Widget mit den kreativen Angeboten des Hauses.


Evolution der Smartphones? Von links nach rechts: HTC Sensation, HTC One X, Note 2, Nexus 7

Abseits der Spezial-Apps für den S-Pen, auf die ich später noch zurück kommen werde, bleibt das Note 2 ein übergroßes Galaxy S3. Und in diesem Modus arbeitet man die meiste Zeit des Tages. An dieser Stelle reduziert sich die Faszination der Neuerfindung des Smartphones, wie es Samsung gern bezeichnet, auf Normalmaß.

Denn, so verwendet, ist das Note 2 vor allem eines, klobig und unhandlich. Ich bin fast 1,90 Meter groß, verfüge über entsprechende Dimensionen und kann dennoch das Note 2 nicht bequem in einer Hand halten, geschweige denn, es mit einer Hand bedienen. Sicherlich, ich kann es in der hinteren Hosentasche transportieren. Es passt dort hinein. Auch eine Hemdtasche ist logistisch in Ordnung. Ein relativ geringes Gewicht tut sein übriges.


Note 2 links, Nexus 7 rechts: Größenvergleich

Ohne Hemdtasche beginnt das Problem dann, wenn man sitzen möchte. In der Tasche lassen wäre zu gefährlich, so verwindungssteif wird das Gerät nicht sein. Am Ende sucht man permanent nach Plätzen, an denen man das Note 2 deponieren kann. Ständig schweift der Blick auf diesen Platz, um sicher zu stellen, dass es nicht zwischenzeitlich entwendet wurde. Auf Dauer nervt das.

Die Handlichkeit, speziell wenn es um Einhandbedienung oder die Fotografie geht, ist nicht als solche zu bezeichnen. Man kommt sich vor, als würde man einen Ziegelstein auf Augenniveau heben; nicht vom Gewicht, aber von der Ausdehnung her.

Im Auto wiederum ist die Größe des Geräts ein Vorteil. Während der Fahrt ist ein Smartphone umso besser bedienbar, je größer es ist. Während der Fahrt zittert der Finger, kleine Displays erschweren das Treffen. Andererseits, welche Nutzung überwiegt? In meinem Fall ist es jedenfalls nicht die Fahrzeugnutzung…


HTC One X links mit “echteren” Farben, Note 2 blaustichig, flau

Ein generelles Problem der Samsung-Modelle nervt mich zudem. Das Weiß ist stets hellblau, mindestens flau, jedenfalls nicht weiß. So verfälscht das Note 2 die Darstellung und kann keinesfalls als Highend-Display bezeichnet werden. Besonders auffällig ist der Unterschied, wenn ich es mit meinem HTC One X oder Nexus 7 vergleiche, die beide wirklich ein sauberes Weiß dort zeigen, wo es vorgesehen ist.


HTC One X links, Note 2 rechts: Deutliche Unterschiede in der Farbdarstellung, beide Displays auf 100%

S-Pen und die Apps: Inseln ohne Anschluss ans Weltnetz

Kommen wir zurück auf die speziell angepassten Apps. Neben den S-Pen-Apps baute Samsung einige Widgets mit den bevorzugten Anwendungen, den bevorzugten Einstellungen und so weiter und platziert sie prominent auf einem der Homescreens. Diese Widgets wirken – vorsichtig ausgedrückt – konservativ. Man könnte das Design auch als altbacken, als Neunziger bezeichnen. Dieses Layout dominiert ebenso die speziellen S-Pen-Apps.


Homescreen-Widget Marke Samsung

Hier können Notizen, Memos und andere Formulare handschriftlich bestückt werden. Ich habe im letzten Jahrhundert schon modernere Formulare verwendet. Wer sich der Mühe unterzieht, die Vordrucke zu benutzen, deren Ergebnisse speichert, hat sie auf dem Gerät gespeichert. Eine Cloudintegration müsste man selber entwerfen, ein Zugriff auf die Daten über andere Anwendungen als die S-Pen-Apps ist nicht vorgestaltet.


Homescreen-Widget bei Entfernung des S-Pen aus dem Slot

S-Pen ist im Ergebnis eine – schon recht imposante, aber dennoch – Insellösung, die auf dem Note 2 funktioniert, aber eben nur dort und ohne Interaktion mit anderen Herstellern. Die Geschwindigkeit des Android-Gerätemarkts lässt nicht den Schluss zu, dass sich daran etwas ändern wird. Jeder kocht sein eigenes Süppchen.


Nicht so richtig nützlich: S-Pen Memovorlage

Note 2 und die Rechneranbindung

Android-Smartphones sind an sich bekannt dafür, in Sachen Rechneranbindung völlig problemlos zu sein. In aller Regel reicht es, das Gerät per USB anzustöpseln und schon stehen ein oder mehrere Laufwerksbuchstaben bereit, über die der Zugriff auf die Smartphoe-Inhalte erfolgen kann.

Das Note 2 arbeitet so nicht. Samsung empfiehlt die Installation der Verwaltungssoftware Kies, die für PC und Mac verfügbar ist. Ich lehne ab. Kies habe ich schon im Zusammenspiel mit meinem S2 nur zähneknirschend akzeptiert. Ich brauchte es aber, um Firmwareupdates machen zu können.

Alternativ kann das Note 2 als Mediengerät unter Windows eingebunden werden. Hier erscheint es dann im Arbeitsplatz zwar nicht mit Laufwerksbuchstaben, aber dennoch im Vollzugriff auf die Inhalte. Leider, und das scheint bei Samsung irgendwie ein generelles Problem zu sein, funktioniert dieser Modus nicht zuverlässig. In den unpassendsten Momenten verabschiedet sich das Note 2 aus meinem Windows Explorer und lässt sich nur mittels Neustart zur erneuten Zusammenarbeit bewegen. Das ist nervig und letztlich unnötig.

Unter Mac ist die Installation des Aufsatzes Android File Transfer erforderlich. Dieses Tool gewährleistet unter Mac einen Zugriff wie unter Windows. Das Note 2 erhält keinen Laufwerksbuchstaben, steht aber ansonsten voll zur Verfügung.

Möchte man lediglich Fotos importieren, steht ein expliziter Kamera-Modus auf dem Note 2 zur Verfügung. So erkennt mein iPhoto auf dem Mac das Note 2 in diesem Modus und erlaubt den Import der Camera Roll. Allerdings erweist sich dieser Modus zumindest bei mir als ebenso unzuverlässig wie die Einbindung als Mediengerät, funktioniert mithin mal und mal nicht.

Da lobe ich mir mein ansonsten verwendetes HTC One X, bei dem ich diese Probleme noch nie hatte, was sicherlich nicht zuletzt an der konventionellen Einbindung mittels Laufwerkzuordnung liegen mag.

Samsungs Kamera im Note 2

Smartphoneography ist der Renner. Deshalb will ich noch ein paar Worte zur verbauten Optik verlieren:

Ich habe die Kamera im Samsung Galaxy S2 geliebt. Man sollte meinen, dass nachfolgende Modelle entweder identisch, mindestens aber nicht schlechter sein würden. Die Kamera des Note 2 ist in Ordnung, die Qualität ist nicht erbarmungswürdig. Ein Knüller ist sie indes auch nicht. Jedenfalls ist die Bildqualität des Note 2 kein schlagendes Kaufargument.

Ein paar Beispiele gefällig?

Note 2: Weißes Zubehör für schwarzes Phablet

Ich staunte nicht schlecht, als ich das mitgelieferte Zubehör, ein USB-Kabel, einen Ladestecker und ein In-Ear-Headset, auspackte. In reinstem Weiß werden diese Teile mit dem schwarzen Note geliefert, was zumindest unpassend wirkt.

Nicht bloß Geschmackssache ist die Tatsache, dass der Micro-USB-Stecker zu kurz ausgeführt ist. So sitzt er nicht fest genug im Note, wackelt und hat Luft. Das wiederum führte in meinen Tests dazu, dass das Gerät teilweise nicht geladen wurde, obschon rein optisch der Stecker im Gerät zu sitzen schien und Rechnerverbindungen aus dem gleichen Grunde abbrachen. Eine ähnlich schlechte Ausführung einer Steckverbindung fand ich nur noch bei einer externen USB-Festplatte von Western Digital vor. Da löste ich das Problem, indem ich den Stecker mittels Gewebeband an das Laufwerk klebte. Leider ist das keine probate Lösung für ein Smartphone…

Samsung Galaxy Note 2: Sonstige Auffälligkeiten, Schutzhüllen erforderlich

Optisch macht das Note 2 was her. Es wirkt deutlich eleganter als das Vorgängermodell und täuscht so gekonnt über den Umstand hinweg, dass es – wie bei Samsung üblich – ein Plastikbomber ist. Insofern können alle Kritikpunkte, die schon für S2 und S3 Geltung hatten auch hier angebracht werden.

Natürlich wirkt eine Kunststoffausführung umso negativer, je größer das Device ist. Ich kann nicht beurteilen, wie es nach einem Jahr Dauergebrauch um die Verwindungssteifigkeit des Note bestellt sein wird.

Die hintere Abdeckung ist, ebenfalls üblich, dermaßen dünn ausgeführt, dass man stets in Sorge ist, wenn man sie mal abnehmen oder wieder anbringen muss. Zum Schutz der Rückseite habe ich deshalb ein Hardcase gekauft, nämlich das LuvTab Cover Case, das es hier bei Amazon (kein Affiliate-Link) für günstige 5,99 EUR gibt. Und so sieht es aus:

Würde ich das Note 2 indes dauerhaft zu meinem Begleiter machen, entschiede ich mich für die Ultra Slim Leder Tasche von Supremery, die ebenfalls bei Amazon (kein Affiliate-Link) für schon weniger schlanke 24,95 EUR erhältlich ist. Die Tasche ist preislich zwar überzogen, vor allem in Anbetracht offensichtlicher Verarbeitungsmängel, wie Kleberückstände auf dem Leder. Zudem muss das Case erst einige Tage an der frischen Luft gelagert werden, um den beißenden Geruch los zu werden, der einem entgegen schlägt, wenn man es aus der Verpackung nimmt. Allen Widrigkeiten und kleineren Mängeln zum Trotz ist die Hülle auf Dauer jedoch ein äußerst stabiler Rundumschutz für das teure Note 2. Und so sieht es aus:

Für wen ist das Note 2 das perfekte Smartphone?

Gehen wir einmal davon aus, dass es für das Note 2 eine echte Zielgruppe gäbe. Wer könnte das sein? In jedem Fall ist das Gerät für Personen besonders geeignet, die schlechte Augen haben. Die schiere Größe des Displays, unterstützt durch entsprechende Konfigurationseinstellungen, erleichtert es sehbeeinträchtigten Personen, die Inhalte leichter zu konsumieren.

Die werblich avisierte Zielgruppe der Kreativen ist eher nicht die real existierende Käufergruppe. Zu limitiert sind die Möglichkeiten des Note 2. Zu wenig offen und zu altbacken sind die Lösungen. Und dann kommt noch hinzu, dass die Displaygröße für kreative Anwendungen, das beginnt schon mit den Memo-Templates, doch wieder zu klein ist. Handschrift braucht Platz. 5,5 Zoll reichen nur kleinen Händen mit mikroskopisch präziser Kalligrafie.

Für mich reicht es nicht…

P.S.: Samsungs unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 699 Euro, der Straßenpreis liegt zwischen 550 und 600 Euro. Auch der ist noch mutig. Glücklicherweise gibt es das iPhone, so braucht man sich für nahezu keine Preisauszeichnung mehr zu schämen. Danke Apple…

Alle Bilder im Galerieüberblick: