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Teamwork: Text und Design gehören zusammen

Wer Webseiten designt, gestaltet die Optik der Webseite wie ein Gefäß, in das noch Inhalt hereingefüllt werden muss. Die Trennung von Text und Design ist nicht unberechtigt. Dass eine Person sowohl optisch ansprechend gestalten als auch spannend texten kann,…

Wer Webseiten designt, gestaltet die Optik der Webseite wie ein Gefäß, in das noch Inhalt hereingefüllt werden muss. Die Trennung von Text und Design ist nicht unberechtigt. Dass eine Person sowohl optisch ansprechend gestalten als auch spannend texten kann, ist selten. Je höher die Ansprüche und je größer der Umfang eines Projektes, desto eher arbeiten verschiedene Personen an Design und Text.

Aber entwickelt man Text und Design einer Seite isoliert voneinander, dann verpasst man zumindest Chancen. Häufig bringt die Trennung Probleme und schafft Mehrarbeit. Teamwork hilft — auch Einzelgängern.

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Warum zusammen entwickeln?

In einer idealen Welt würden alle Elemente einer Webseite zusammen entstehen. Nur so könnte man sichern, dass in Gestaltung und Funktion alles ineinander greift. In der Praxis ist das utopisch. Elemente entwickeln sich unterschiedlich schnell. Und wer allein arbeitet, kann nicht alles gleichzeitig machen. Wer räumlich von Kollegen getrennt ist, kann denen nicht ständig über die Schulter schauen.

Aber Entwicklungsstände abzustimmen und fortlaufend aufeinander zu beziehen, hat viele Vorteile:

Elemente, die Text und Grafik unmittelbar verbinden, sind die deutlichsten Beispiele. Ein Logo, ein Slogan, der als Grafik entworfen und auf der Seite platziert wird, die Navigationsleiste — diese grundlegenden Bestandteile der Seite vereinen Text und Design. Natürlich müssen Texter und Designer hier eng zusammenarbeiten.

Offensichtliche Probleme kann man durch gute Kooperation früher erkennen und ausmerzen. Wer Webseiten erstellt, kennt die Beispiele aus der Praxis. Häufig stimmt der Platz auf einmal nicht: Die Navigationsleiste ist zu schmal, der Begrüßungstext rutscht zur Hälfte unter den Fold, die Spalten sind zu breit, um flüssig gelesen zu werden — bei solchen Problemen wünscht sich jeder, das hätte man früher bemerkt. Manchmal sehen Text und Design auch einfach nicht stimmig zusammen aus. Überhaupt sollten Entscheidungen über Schrifttypen und -größe, Zeilenabstände und Spaltenbreite möglichst immer mit echtem Text gefällt werden. Niemand liest Lorem Ipsum-Platzhalter und auch alten Text, den man schon kennt, sollte man nicht verwenden.

Wer an einer Webseite arbeitet, hat sich hoffentlich Gedanken über das Image gemacht, das er prägen will; damit zusammen hängen die Zielgruppe und ihre ästhetischen Vorlieben. Auch wenn man sich vorher abgesprochen hat — in der Umsetzung liegt immer gestalterische Freiheit. Wer sich nicht versichert, dass alle am selben Strang ziehen, der darf sich nicht wundern, wenn das nicht der Fall ist. Schnell wirkt am Ende die Optik wilder, seriöser, oder jünger, als der Text.

Das einfachste Argument für die starke Integration der Prozesse liegt in der Natur des Mediums. Die fertige Webseite vereint alle Bausteine. Der Nutzer sieht am Ende nicht Text und Design getrennt, sondern als Ganzes. Arbeiten auch Texter und Designer gut zusammen, besitzen die Textblöcke eine ansprechende Länge, brechen die Zwischenüberschriften normalerweise nicht um, reflektiert jeder Text, wo auf der Seite er sich befindet.

Aber wie?

Gutes Teamwork ist wichtig. Allein schon der Begriff ist längst zu einer beliebten Worthülse geworden, die irgendwie immer angestrebt wird. An dieser Stelle nachzubeten, wie man zusammen arbeitet, hat also wenig Sinn; dazu gibt es genug Literatur. Statt dessen soll kurz erläutert werden, welche einfachen Regeln sich in der Praxis bewährt haben. Faustregel dabei: Die Zusammenarbeit muss nicht perfekt sein. Aber sie muss besser werden.

Nur regelmäßige Absprachen bringen Klarheit, ob und wie die Kooperation läuft. Öfter als einmal täglich sind die selten nötig. Wird intensiv an einem Projekt gearbeitet, reicht ein Termin einmal pro Woche aber auch nicht aus. Ideale Empfehlungen gibt es also nicht. Bewährt haben sich feste Besprechungstermine einmal in der Woche, in denen mehr Zeit bleibt, um auch Grundsätzliches anzusprechen; dann kurze Absprachen (zum Beispiel in der Mittagspause) nach Bedarf.

Der Ton der Absprachen muss für alle klar verständlich bleiben. Nicht jeder weiß sofort, was Gradients sind, was mit „dynamischem Design“ gemeint ist, was man unter Nominalstil versteht und wieviel Platz 250 Wörter benötigen. Deswegen sind Absprachen immer auch eine Herausforderung an die kommunikativen Fähigkeiten aller Beteiligten. Zielführendes Nachfragen und knappes Erläutern kann man üben.

Absprachen brauchen Verbindlichkeit. Die Zusammenarbeit funktioniert nicht, wenn erst nach einer Woche herauskommt, wer sich welche Freiheiten genommen hat. Natürlich stellt man oft erst im Ausarbeiten fest, was man warum anders machen möchte. Hier ist allerdings eine zeitnahe Benachrichtigung aller betroffenen Mitarbeiter wichtig.

Was zeigefertig ist, muss gezeigt werden. Besser als luftige Beschreibungen, was wie aussieht, ist die direkte Demonstration. Sitzen nicht alle Beteiligten im selben Büro, ist gute Vernetzung wichtig. Auch Entwürfe, die noch überarbeitet werden müssen, sollten gezeigt werden.

Idealer Weise greifen die Komponenten automatisch ineinander. Dass Text und Designänderungen sukzessive in einem funktionierenden Entwurf der Webseite landen, ist leicht umzusetzen. Füttert man ein CMS durch den ganzen Designprozess mit immer weiter entwickelten Entwürfen, wächst die Webseite am Ende wirklich als die Einheit, die sie am Ende bilden sollte.

Leider läuft nicht alles in der gleichen Geschwindigkeit. Das kann man nicht verhindern. Man sollte aber schon darauf achten, dass man nicht Details überarbeitet, während die Partner gerade ihren ersten Entwurf fertigstellen. Als Ideal kann man anstreben, möglichst lange möglichst viel der eigenen Arbeit noch grundlegend ändern zu können. Hat man ein abgesprochenes Ziel erreicht, steht eigentlich die nächste Absprache an, nicht die eigenständige Weiterentwicklung. Im Zweifelsfall hat man hoffentlich andere Projekte, die man in der Wartezeit bearbeiten kann.

Nach jedem Projekt muss eine offene Aussprache folgen. Was hat nicht funktioniert? Wie kann man es besser machen? Was hat zu lange gedauert? Irgend etwas kann man immer verbessern. Und falls viel schiefgelaufen ist, wird die Einigung über Maßnahmen zur Verbesserung überlebenswichtig. Wird die Aussprache nach dem Projekt zum Standard, kann man auch den Frust während der Arbeit besser verdauen. Anstatt sich in der Hochdruckphase zu ärgern, sollte man notieren, was einen stört — und weitermachen.

Hand in Hand

Ist das alles selbstverständlich? Ich bin schon öfter von Kunden angesprochen worden, die ein fertiges Design hatten – nur der Text fehlte noch. Manchmal ist das nicht zu vermeiden, oft allerdings schon. In der Praxis kann man die hier formulierten idealen Bedingungen leider oft nicht umsetzen. Aber anstreben sollte man sie. Gute Webseiten entstehen ab einem gewissen Maßstab nur im Team. Gute Zusammenarbeit entsteht nur aus Planung, Pragmatik und gegenseitigem Respekt. ™

Erstveröffentlichung 02.10.2008

Von Jan Bojaryn

Sprachwissenschaftler, freier Autor und Texter. Befasst sich seit fast 20 Jahren professionell mit Sprache, Webdesign, Usability und Kommunikation im Netz. Schreibt Artikel und Ratgebertexte zu verschiedenen Themen. Liebt guten Text, nutzerfreundliches Design und Currywurst.

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