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Website-Ausfallsicherheit – Erste-Hilfe Tipps für das kleine Unternehmen

Was ist zu tun, wenn die geschäftswichtige Website ausfällt? Diese Frage stellen sich Unternehmen meist erst dann, wenn es soweit gekommen ist. Es ist allerdings einfach, zumindest ein Lebenszeichen zu geben. Das Szenario Kleine und auch viele mittelständische…

von Rene Schmidt

Was ist zu tun, wenn die geschäftswichtige Website ausfällt? Diese Frage stellen sich Unternehmen meist erst dann, wenn es soweit gekommen ist. Es ist allerdings einfach, zumindest ein Lebenszeichen zu geben.

Das Szenario
Kleine und auch viele mittelständische Unternehmen haben meist weder eigene Server noch besondere hochverfügbare Technik im Einsatz, denn für beides bräuchte das Unternehmen regelmäßig einen Techniker, der oft nicht vorhanden ist. Trotzdem kann die Website ein wichtiges Standbein des Unternehmens sein, zum Beispiel wenn Produkte über sie verkauft werden.

Server- und Programmierungsdienstleistungen werden von Praktikanten meistens mehr schlecht als recht erledigt oder von außen je nach Bedarf eingekauft. Service des Hosters für Rootserver oder Managed Rootserver ist in der Regel nicht viel Wert – entgegen vollmundiger Versprechungen. Das ist bei 10-20 Euro Aufpreis zum normalen Root-Server betriebswirtschaftlich auch nicht zu erwarten. Nehmen Sie die Dinge selbst die Hand – das ist gar nicht schwer.

Vor dem Ausfall: Backup
Machen Sie Sicherheitskopien Ihres Webservers. Die Backups sollten Sie regelmäßig machen, beispielsweise jeden Montag und Donnerstag. Automatisieren Sie so viel wie möglich. Prüfen Sie, ob die Daten überhaupt gesichert werden und ob sie sich schnell zurückspielen lassen. Machen Sie auch Backups von allen wichtigen Datenbanken.

Möglich ist es beispielsweise, Datenbanken durch ein Shell-Skript automatisiert im Dateisystem zu sichern, so dass das gesamte Backup per FTP übertragen werden kann. Danach kann ein anderes Skript alle Dateien in ein Archiv komprimieren und auf einen anderen Rechner übertragen. Ein SSH-Shell-Zugang ist beim Einrichten eines solchen flexiblen Systems eine sehr große Hilfe. Die Automatisierung hat den Vorteil, dass Faulheit oder laxe Auslegung der Backup-Politik menschlicherseits nicht Ihr Geschäft gefährdet.

Kunden informieren
Verfolgen Sie eine offene Kommunikationspolitik Ihren Kunden gegenüber. Auch das dient der Schadensbegrenzung. Informieren Sie offen während des Ausfalls und nach dem Ausfall über weitere Präventionsmaßnahmen. Sie fahren so besser als mit einer Kopf-in-den-Sand-Strategie. Sie zeigen Offenheit und Ehrlichkeit und beweisen, wie wichtig es für Sie ist, für den Kunden da zu sein.

Generell gilt: je mehr Menschen die Website im Schnitt besuchen desto eher sollten Sie Ihre Kunden informieren. Im Zweifel sollten Sie nicht länger als fünf Minuten mit der ersten Information warten, insbesondere wenn Sie das Ausmaß und die Dauer des Ausfalls noch gar nicht abschätzen können.

Anfragen umleiten
Die Kunden zu informieren ist natürlich schwer, wenn das Newsletter-System auch auf dem Webserver liegt und eine Informationsseite wegen des Ausfalls nicht auf dem Webserver hinterlegt werden kann. Doch auch dafür gibt es eine (relativ) einfache Lösung.

Egal, ob Sie einen Rootserver, einen Managed-Rootserver oder ein anderes Hosting-Angebot nutzen: achten Sie darauf, dass das Hosting-Unternehmen seinen Kunden die Möglichkeit gibt, die Nameserver-Einträge der Hauptdomain einer Website zu verändern. Es ist wichtig, dass Sie das selbst machen können, damit Sie nicht vom Wohlwollen des Hosters abhängig sind. Eine Umleitung per Nameserver ist die einfachste Möglichkeit, eine aus dem WWW gefegte Website schnell und ohne technische oder finanzielle Kraftakte wieder online zu bekommen. Wie das genau geht, kann Ihr Hoster am besten erklären.

Das Prinzip: die Hauptdomain Ihrer Website bei Hosting-Unternehmen A lautet zum Beispiel „xyz.de“. Der Webserver ist unter der Subdomain „www.xyz.de“ erreichbar.

  • Schritt 1
    Besorgen Sie sich bei einem anderen Hoster B Webspace und eine Domain, zum Beispiel „test.de“.
  • Schritt 2
    Richten Sie bei Hoster B eine Subdomain ein, zum Beispiel „xyz.test.de“.
  • Schritt 3
    Erstellen Sie im Nameserver für „xyz.de“ bei Hoster A einen CNAME-Eintrag von „www.xyz.de“ auf die Subdomain „xyz.test.de“.
  • Schritt 4
    Unter xyz.test.de können Sie nun entweder ein Backup der Original-Website einspielen oder wenigstens eine Informationsseite für Kunden anbieten. Nach einer gewissen Zeit (ca. 1-2 Stunden) sollten alle Anfragen von www.xyz.de transparent nach xyz.test.de umgeleitet werden – in der Adressezeile des Browsers ist weiterhin die Domain „www.xyz.de“ zu sehen.

Ihr Unternehmen ist nun wieder online und Sie haben nun für die Problemlösung etwas Zeit gewonnen.

Natürlich können auch die Nameserver des Hosters ausfallen. In diesem Fall haben Sie keine kurzfristige Möglichkeit, einzugreifen. Allerdings wird das Problem dann nicht nur Sie betreffen (bei Rootservern und Managed Rootservern), sondern in der Regel viele oder gar alle Kunden des Hosters. Es wäre Selbstmord für das Unternehmen, nicht sofort alle verfügbaren Ressourcen einzusetzen, um das Problem schnell zu beheben.

Erstveröffentlichung 09.12.2005

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