Wolke statt Rechenzentrum – CloudComputing (1)

Wer umfassende Rechenaufgaben zu erledigen hat, stöhnt unter der Last der Verwaltung der Rechnerumgebung, vor allem, wenn er die IT auf dem neuesten Stand halten muss. Online-Outsourcing kann helfen.

Ein Beispiel aus dem Web-Alltag

Es ist der SuperGAU für einen Video-Dienstleister. Innerhalb von nur wenigen Wochen sorgt eine recht willkürlich getroffene Entscheidung eines populären IT-Unternehmens dafür, dass etablierte Encoding-Techniken in Frage gestellt und durch komplett neue Systeme zumindest ergänzt, wenn nicht ersetzt werden. Nicht nur das neue Material will ins neue Format gebracht werden. Auch das gesamte Archiv gilt es umzurechnen.


Auch der schnell wachsende Spieleanbieter Playfish skaliert die Anwendung vollständig in der Amazon Cloud.

So geschehen beim Konflikt Apple versus Adobe und bei Apples Weigerung, Flash-Videos in iPhone, iPod Touch und iPad zu unterstützen. Da die Apple-Verbreitung in Geschäftsführungskreisen recht hoch ist, wird schnell der Ruf laut, eine WebTV-Website wie dctp.tv möge doch auch auf dem Apfel-Mobil-Fon komfortablen Mediengenuss ermöglichen. Ungeachtet der eher geringen Gesamtreichweite der iRechner sieht sich Nikolai Longolius, der technische Produzent von dctp.tv der Herausforderung ausgesetzt, möglichst schnell eine vollständige HTML5-Lösung an den Start zu bringen. Das Konzept von dctp.tv sieht nämlich vor, dass der Nutzer recht frei zwischen LiveStream und Archiv hin- und her pendeln kann. Eine schier unlösbare Aufgabe, könnte man meinen, doch der Berliner bleibt gelassen. Er kann jederzeit die nötige Rechen-Power abrufen, ohne auch nur ein Kabel zusätzlich in die Wand stecken zu müssen. Longolius und seine Produktionsfirma „Schnee von morgen“ lassen nämlich ihre Videos von einer Amazon-Cloud berechnen. Und steht eine Mammutaufgabe, wie das erneute Transkodíeren des Videomaterials an, dann mietet Longolius eben entsprechend mehr Rechenleistung. Für 14 Cent pro Stunde.

Vor und Nachteile der Cloud

Das Prinzip des CloudComputing versetzt die großen IT-Abteilungen in Unternehmen derzeit in helle Aufregung. Die Idee ist auch zu simpel: IT-lastige Unternehmen wie Google, Amazon oder eBay bauen riesige Rechenzentren auf, um den Betrieb der eigenen Systeme sicherzustellen. Da die Systeme die meiste Zeit unter geringer Last fahren, lassen sich freie Kapazitäten auf dem Markt vermieten und die Abschreibungen der Investitionen nicht nur refinanzieren, sondern eventuell auch Gewinn erwirtschaften.

Aus dem virtuellen Überangebot an Rechenleistung entsteht ein Preisdruck, der es inzwischen immer kleineren Unternehmen ermöglicht, flexibel Computing-Power zuzukaufen, weil die Gesamtkosten stark gedrückt werden. So bietet zum Beispiel der Münchner WebHoster domainfactory virtuelle Rootserver inzwischen schon für vier Cent pro Stunde an.

Potentielle Cloud-Aufgaben sind natürlich Anwendungen mit sehr hohem Rechenbedarf, wie zum Beispiel das Transkodieren oder Streamen von Videos, aber auch das Aussenden von eMail-Kampagnen, die Veranstaltung virtueller Online-Konferenzen aber auch Online-Usabilitytesting Auf der hauseigenen Veranstaltung Atmosphere im letzten September erläuterte Googles Enterprise-Präsident Dave Girouard, dass man die eigene Cloud auch nutzt, um Optimierungen im Interface von Google-Anwendungen zu testen. „Wir verschieben zum Beispiel in GMail einen Button etwas nach rechts und bekommen innerhalb von Minuten zehntausend Datenfragmente darüber, ob die Nutzer damit umgehen können.“

Freilich kennt Cloud Computing auch einen großen potentiellen Nachteil: Vertrauen. Ausgerechnet Google muss sich in den letzten Tagen einige Kritik in Sachen Datenschutz anhören. Geschäftskritische Informationen wie etwa die Adressaten eines Mailings könnten in einer Google-Cloud nicht ausreichend geschützt sein. Anonyme Rechenleistung beim Transkodieren von Videos stuft man unterdessen als problemlos ein.

Der zweite große Kritikpunkt betrifft die Verfügbarkeit des Angebots. Das hingegen, ist meistens nur Sache einer guten Planung. Garantieverfügbarkeiten lassen sich – gegen Aufpreis – fest buchen. Und der Wechsel von einer Cloud in die nächste ist mit Hilfe eines selbst gehosteten Rechner-Images zügig möglich. Je größer allerdings die Anforderungen an die Wolke, um so abhängiger ist der Kunde vom Anbieter.

Wolkenformationen

Die Amazon-Cloud im Rahmen der Amazon WebServices wird als Cloud dritter Ordnung verstanden, die einen großen, aber dennoch limitierten Funktionsumfang bereitstellt. Andere derartige Clouds kommen auch von IBM oder Apple. Es sind Plattform-basierende Clouds Auch Microsofts Cloud (Typ2) und die Google-Cloud (Typ 1) sind proprietäre Rechenwolken die teilweise konkrete Anwendungsdienste integrieren, ansonsten aber frei konfigurierbar sind.


Bildquelle: Diese unterschiedlichen CloudTypen werden nach Ansicht des Anbieters Parralels die Zukunft bestimmen.

Die zweite Kategorie bilden die Wolkentypen vier und fünf. Hierbei handelt es sich um Service-Umgebungen, die dezidierte Rechenleistung für bestimmte Prozesse zur Verfügung stellen, eventuell sogar inklusive Applikationssteuerung. Beim Typ 4 finden man logischerweise Clouds von Telcos und IT-Dienstleistern. Ein Anwendungsbereich wäre zum Beispiel das flexible Bereitstellen von VOIP-Strukturen.

Den Dampf für Wolkentyp 5 produzieren Unternehmen sozusagen selbst. In der Regel werden diese nach außen geschlossen sein, sind aber intern flexibel und lassen sich je nach Anforderung für unterschiedliche Aufgaben einsetzen.

Fortsetzung mit Praxis-Beispielen folgt

(mm),(tm)

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Webdesign

Von Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.