Wolken verbreitern den Horizont – CloudComputing (2)

Wer mit CloudComputing spröde, trockene IT-Anwendungen assoziiert, liegt falsch. Eine Reihe innovativer Geschäftsmodelle wird durch die flächendeckende Versorgung mit Rechenpower erst möglich.

Das Grundprinzip der meisten Anwendungen, die heutzutage bereits intensiv auf die Cloud setzen, ist praktisch immer gleich: Die Anwendung selbst ist gar nicht so CPU- und Arbeitsspeicherhungrig, aber wenn die Idee ein Erfolg wird, gehen die Zugriffsraten durch die Decke. Eine intern aufgebaute IT würde da kaum nachkommen. Im Folgenden haben wir Ihnen eine Handvoll Beispiele aufgelistet, die die unterschiedlichen Clouds verschieden einsetzen.

Dctp.tv

Das Web-Fernsehformat von Alexander Kluge ist darum bemüht, eine sehr hohe Bildqualität zu verbreiten. Im Interface kann der Nutzer frei zwischen dem LiveStream und dem Archiv wählen. Die Anwendung wechselt fließend von einem Film zum anderen. Geschuldet dem dokumentarischen Charakter des Kanals, kommt es bei bestimmten Themen zu Spitzenlasten, während andere Beiträge nur von wenigen Nutzern gesehen werden.


DCTPV auf HTML 5? Kein Problem, die Amazon Cloud rechnet die Videos um.

Dctp.tv nutzt die Amazon Cloud sowohl für das Transkodieren des Originalmaterials sowie für den Stream. Adobe- und Wowza-Server werden als Images vorgehalten und bei Bedarf in Form von einzelnen Instanzen vollautomatisch zugeschaltet. Beim Transkodieren des Videomaterials meldet die Cloud die fertigen Videos direkt beim Content Management System von dctp.tv an, wenn sie fertig sind.

Spreed.com

Dass Schwaben das wesentliche Prinzip des CloudComputing schnell durchschauen, liegt in der Natur der Sache, schließlich geht es ums Kosten sparen. Spreed.com ist der virtuelle Konferenzraum zum Mieten. Für nur 99 Dollar pro Jahr, darf man sich weltweit mit bis zu zehn Teilnehmern vernetzen, die Bildschirme austauschen, Präsentationen diskutieren und das Ganze auch als Audio-Dateien aufzeichnen. Clever: Das Starangebot für bis zu drei Teilnehmer ist kostenlos.


Die Spreed-Anwendung zeichnet Onlinekonferenzen auch auf

„Eines unserer großen Probleme war die heterogene Infrastruktur auf Seiten der Kunden“, beschreibt Niels Mache, Vorstand der Stuttgarter Struktur AG die Ausgangssituation vor Nutzung der Cloud. Heute reicht den Kunden ein einfacher Webbrowser zur Teilnahme.

99Designs.com

Überhaupt keinen Überblick über die zu erwartenden Zugriffzahlen hat 99Designs. Im Gegenteil: Das Geschäftsprinzip heißt Crowdsourcing, also die Verteilung von Aufgaben an möglichst viele potentielle Dienstleister.

Im konkreten Fall geht es um Design. Vom neuen Log bis zur Büroeinrichtung, kann sich der geneigte Kunde hier alles entwerfen lassen. Die Designs selbst treten in einem Online-Wettbewerb gegeneinander an. 3,1 Millionen Designvorschläge liegen bisher vor, beigesteuert von 53 000 Designern. 100 000 registrierte Nutzer erzeugen 200 Millionen Seitenaufrufe im Monat.

Offener Wettbewerb statt direkter Agenturauftrag: Corwdsourcing by 99Designs

Chief Technology Officer Lachlan Donald fasst zusammen: „Unsere Infrastrukturanforderungen ändern sich – wie in unserer Branche üblich – ständig. Mit Amazon Web Services müssen wir uns nicht mehr um die Infrastruktur sorgen und können uns ganz unserem Kerngeschäft widmen.“

photoWall

Hohe Skalierbarkeit ist angesichts des schnellen Entwicklungstempos im Netz ein bedeutender Faktor für die Zukunftssicherheit eines Unternehmens. Das gilt derzeit natürlich vor allem für Social-Web- oder mobile Anwendungen.

Schnelles Verbreiten von Handy-Fotos ist das Kerngeschäft von photoWall.

PhotoWall kombiniert beides und erlaubt den Nutzern von Smartphones, ihre geschossenen Bilder direkt auf diverse Filesharing- oder Social-Dienste wie Flickr oder Facebook zu überspielen, zu tagen und dort mit anderen zu teilen. Dabei kommt die S3-Cloud von Amazon zum Einsatz. Phil Easter, CTO und Gründer von AirMe fasst zusammen: „Wir hatten uns eigentlich wegen der geringen Kosten für AWS entschieden. Doch was uns noch besser gefällt, ist, dass man mit AWS sofort neue Server in Betrieb nehmen kann, ohne dies vorher planen zu müssen“.

Aviary Design Suite

Natürlich hat das Konzept der Cloud bestimmte Geschäftsmodelle überhaupt erst ermöglicht. Permanent genutzte Bussinessanwendungen wie zum Beispiel Office Produkte müssen eine extrem hohe Verfügbarkeit aufweisen, auch wenn viele Nutzer gleichzeitig zugreifen.


Der Audio-Editor aus der Aviary Design Suite erlaubt das Editieren von MP3s.

Das gilt natürlich für die Google Apps wie zum Beispiel den Kalender oder Google Docs. Im Google Apps Marketplace hat der Suchmaschinengigant den Weg frei gemacht für Drittanwendungen, die mit den Google Apps zusammenarbeiten und ebenfalls die Cloud nutzen. Eine soclhe Anwendung bzw. ein ganzes Bündel ist die Aviary Design Suite, die sich in Google Docs einklinkt und dort Gestaltungswerkzeuge zur Verfügung stellt, mit denen die Nutzer ihre Standardbriefe, Präsentationsvorlagen oder sogar PodCasts bearbeiten können.

Weitere Anregungen

Präsentationen vom CloudCamp 2009

Google Marketplace für Businessanwendungen aus der Cloud

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Kategorisiert in Webdesign

Von Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.

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