Kategorien
Essentials Freebies, Tools und Templates

Writer Pro: Der beste Markdown-Editor für Blogger und andere Text-Ersteller

Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Kolleginnen und Kollegen ihre Beiträge direkt im WordPress-Backend verfassen. Weniger erstaunt bin ich dann über die Vielzahl vermeidbarer Fehler, wenn ich deren Texte im Nachgang lektorieren und publikationsbereit machen soll. Seit Jahren singe ich das Hohelied der Markdown-Editoren, allerdings mit mäßigem Erfolg. Writer Pro, eine Fortentwicklung des sehr guten Markdown-Editoren iA Writer, inspiriert mich zu einem neuerlichen Versuch.

writerpro-teaser

Writer Pro: iA Writer weitergedacht

iA Writer kennt jeder, der sich auf einem Mac- oder iOS-Device schon einmal mit Schreiben als Thema beschäftigt hat. Vor einigen Monaten schrieb ich einen mehrteiligen Test zu Markdown-Editoren auf dem iPad, worin das Produkt aus dem Hause Information Architects sehr gut abschnitt. Auch auf meinem MacBook kommt die App zum Einsatz. Hier ist sie allerdings eher so etwas wie ein Einwechselspieler. In der Start-Elf steht fast immer ByWord. Writer Pro könnte diese Reihenfolge nachhaltig verändern.

Wer Writer Pro startet, erkennt unmittelbar den augenfälligsten Unterschied. Am rechten Bildschirmrand findet sich in Writer Pro nämlich eine Werkzeugleiste, während der iA Writer zunächst nur den selbst erstellten Text zur Anzeige bringt. Erst am unteren Rand des Textfensters findet sich eine Bearbeitungsleiste, die einige der Features des Writer Pro ebenfalls bietet.

So kennt iA Writer das Konzept des Fokus auf das gerade in Bearbeitung befindliche Textsegment. Zudem lassen sich Texte per Klick formatieren, soweit es grobe Strukturformatierungen, wie Headings, fett, kursiv und durchgestrichen, sowie die Definition von Listen betrifft. Statistische Daten, wie die Zahl der getippten Zeichen, die Zahl der Wörter und die prognostizierte Lesedauer runden das Featureset ab.

Writer Pro greift diese Features auf und ergänzt sie um Funktionen zum professionellen Schreiben. Allerdings verzichtet Writer Pro darauf, Funktionen zur Textformatierung in der Werkzeugleiste verfügbar zu halten. Geben tut es sie noch, verwendet werden sie per Keyboard-Shortcut oder, wie im Standard vorgesehen, durch die entsprechende Markdown-Syntax.

writerpro-in-aktion

Im Segment Statistik kommt bei Writer Pro die Angabe hinzu, wie viele Sätze der in Bearbeitung befindliche Text enthält. Das ist allerdings ein Wert, den ich in 15 Jahren professionellen Schreibens noch nie benötigt habe. Immerhin, er schadet ja auch nicht.

Writer Pro skaliert die Textanzeige, so dass stets die Breite des zur Verfügung stehenden Fensters ausgenutzt wird. Das ist besonders im Vollbild-Modus sehr angenehm und führt zu deutlich besser lesbaren Texten. Der iA Writer verlässt sich hingegen auf eine Schriftart und eine Schriftgröße, unabhängig von der Breite des Bearbeitungsfensters.

Writer Pro: Note, Write, Edit, Read

Im Gegensatz zu iA Writer und seinen ganzen Wettbewerbern setzt Writer Pro nicht auf einen einzelnen Modus Operandi, sondern bietet derer gleich vier. Die Bereiche Note, Write und Edit/Read erhalten dazu jeweils eine eigene Schriftart, die dem Anwendungszweck angepasst sein soll. Wechseln oder anpassen lässt sie sich nicht.

writerpro-edit

Der Hersteller geht davon aus, dass der typische Workflow eines professionellen Text-Erstellers so aussieht, dass er zunächst Notizen (Notes) anfertigt, dann auf deren Basis den eigentlichen Text schreibt (Write) und ihn hernach endfertig editiert (Edit), bevor er ihn noch ein- oder mehrmals am Stück durchliest (Read). Das klingt auf den ersten Blick plausibel, schlägt auf den zweiten aber nicht wirklich durch.

Die verschiedenen Modi des Writer Pro unterscheiden sich lediglich in der verwendeten Schriftart und in der Farbe des Blinkcursors. Lediglich der vierte Modus namens „Read“ ist insofern tatsächlich dem Verwendungszweck angepasst, als es zusätzlich sämtliche Korrekturvorschläge ausgeblendet werden. So bleibt in der Tat nur der Text stehen. Besser wäre es allerdings gewesen, wenn im Read-Modus der Text nicht als Markdown, sondern als HTML-Preview gezeigt würde. So könnte man besser beurteilen, wie er im Browser angezeigt werden wird, was auch dem Anspruch des Lesens eher gerecht würde. Denn die Zielgruppe liest mit Sicherheit nicht das Markdown-Format.

writerpro-read

Die drei Schreibmodi verwendet man entsprechend nach Gusto. Ich entschied mich schnell für den Modus „Write“, da mir hier die Schriftart am meisten zusagt. Alle anderen Hilfen gibt es immerhin hier wie da.

Zwischenfazit: Dem Anspruch, einen Workflow abzubilden, wird Writer Pro nicht gerecht

Die verschiedenen Schreibmodi hätte man sich in der jetzigen Inkarnation sparen können. Für mich als Vielschreiber, womit ich sicherlich zur Zielgruppe des Programms gehöre, bietet sich hier keinerlei Mehrwert. Insbesondere ist ein Workflow nicht definiert durch die Verwendung unterschiedlicher Schriftarten für den gleichen Text. Wäre Writer Pro nicht mehr, dann hätte sich die Software keine Empfehlung verdient.

Syntax-Prüfung: die eigentliche Stärke des Writer Pro

Glücklicherweise bietet Writer Pro eine Funktionalität, die ich so bislang noch nicht gesehen habe. Es handelt sich um die Syntax-Prüfung. Hier behandelt Writer Pro nicht die formal-strukturelle Seite eines Texts, sondern befasst sich mit den Inhalten.

Das Grundproblem: Autoren neigen zu Wiederholungen. Einige mir bekannte Verfasser bauen mitunter ganze Artikel auf einem einzigen, dann stets wiederkehrenden Satzanfang auf. Das tut regelrecht weh beim Lesen.

Mit der neuen Funktion der Syntax-Kontrolle spüren Sie den häufigsten Fehlerquellen nach. Obschon das UI des Writer Pro nur in englischer Sprache verfügbar ist, versteht sich die Software doch auf die Kontrolle deutschsprachiger Texte. Zudem werden die Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch unterstützt. Unter iOS kann Writer Pro allerdings nur mit englischen Texten umgehen.

writerpro-verbs

Mit den verschiedenen Elementen der Syntax-Kontrolle heben Sie wahlweise Adjektive, Nomen, Adverbien, Verben, Präpositionen oder Konjunktionen hervor. Die Hervorhebung erfolgt über den gesamten Text, so dass sich sehr schnell überblicken lässt, von was es wo etwas viel gibt. Editieren könnte man die so hervorgehobenen Stellen nun im Modus „Edit“. Zwingend ist das indes nicht, man kann genauso gut in den Modi „Note“ und „Write“ editieren.

Zwischenfazit: Writer Pro erlaubt die zuverlässige Erkennung der häufigsten Schönheitsfehler langer Texte

Writer Pro ist eine konsequente, nur teilweise überraschend innovative Fortentwicklung des schon immer guten Markdown-Editoren iA Writer. Der sogenannte Workflow, den die Mannen der Tokioter Softwareschmiede um den Gründer Oliver Reichenstein, in Writer Pro implementiert zu haben glauben, kann zwar nicht überzeugen. Dafür reißt die neue Syntax-Kontrolle einiges aus dem Feuer.

Alles in allem ist Writer Pro die neue Referenz im Segment der Markdown-Editoren und für Schreiber kurzer, wie längerer Einzeltexte klar zu empfehlen. Ein Buch würde ich nicht damit schreiben. Da gibt es spezialisiertere, weit fähigere Alternativen.

Writer Pro schlägt mit 17,99 Euro für die Mac- und denselben Betrag für die iOS-Version nicht eben Riesenlöcher ins Budget. Die iOS-App darf aber durchaus als sportlich bepreist bezeichnet werden. Auch auf dem Mac kennzeichnet der Betrag von 17,99 Euro nicht eben ein Schnäppchen, zumal der nach wie vor erhältliche Vorgänger iA Writer für weitaus schlankere 4,99 Euro zu haben ist.

Ich habe Writer Pro dennoch erworben. Mir gefallen die Details wie der skalierende Text und die Syntax-Kontrolle wird mir sicherlich ebenfalls ordentliche Dienste leisten. Im Übrigen hoffe ich auf viel Fantasie bei der Ausarbeitung der bisherigen Rudimente im Wege regelmäßiger Updates. Der Wunschzettel ist lang, fängt beim Thesaurus an und hört bei der Kontrolle der Zeichensetzung noch nicht auf ;-)

Bevor ich es vergesse: Wie schon der Vorgänger setzt Writer Pro auf die iCloud, um Texte zwischen den Devices synchron zu halten. Natürlich können Sie andere Dienste, etwa Dropbox, ebenfalls verwenden, müssen sich dann aber manuell um das Abspeichern im richtigen Verzeichnis kümmern.

Links zum Beitrag:

Von Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

9 Antworten auf „Writer Pro: Der beste Markdown-Editor für Blogger und andere Text-Ersteller“

Der „beste“ Markdown-Editor wäre für mich einer, mit dem sich der HTML-Code schneller exportieren ließe. Das würde zu meinem Workflow gehören. Am besten wäre es, wenn er den Code einfach per Keyboard-Shortcut aus dem Fensterinhalt generieren und in die Zwischenablage kopieren würde. Ohne Klick- und Speicherumwege.

Danke für den Hinweis. Schaut interessant aus, bin jedoch vor ein paar Jahren auf Mac geswitched.

Wunderbarere Artikel, sehr gut geschrieben!

Ich nutzte früher häufig iA Writer, dann den Worpress-Editor im Vollbildmodus und nun Byword. So schreibe ich in Byword und formatiere dann den Artikel mit Bildern direkt im WordPress. Bislang hat das für meine 10.000 Zeichen Posts gut funktioniert.

Die Syntaxfunktion von Writer Pro ist schon genial, aber der Rest ist ein Rückschritt und den Worflow kann ich zwar nachvollziehen, muss aber nicht in der Software durch Funktionieren dargestellt werden. Gibt es eigentlich noch mehr Texteditoren mit dieser Syntaxfunktion?

Ich sehe das auch so: nur über den Umweg mit zwei Dokumenten einen Text zu verfassen sehe ich suboptimal. Da werde ich wohl beim guten alten Block für die Notizen bleiben – obwohl die Visualisierung des Bearbeitungsstatus schon schick ist.

Mir geht auch eine Integration von (Info-) Grafiken und der Export zu den gängigsten Content Management Systemen wie zum Beispiel WordPress ab. Der Dropbox- und iCloud-Export ist als Alternative auch in Ordnung.

Die Syntaxprüfung finde ich äußerst interessant. Gibt es da Einschränkungen bei deutschen Texten, die mit dem englischsprachigen Editor bearbeitet werden?

Meine Reaktion gegenüber Writer Pro ist zwiespältig, deckt sich aber mit deinen Beobachtungen.

Diese Workflow-Geschichte funktioniert so wie sie jetzt ist für mich auch nicht. Wenn ich im ersten Schritt „Note“ Notizen sammle, dann will ich im zweiten Schritt „Write“ nicht auf demselben Blatt Papier arbeiten. Ich dachte erst, ich hätte was nicht begriffen, aber das ist wohl wirklich so. WorkAround ist zwei Dokumente, eines für Notes, eines zum Schreiben, und man wechselt zwischen den Dokumenten, aber so war das ja eigentlich wohl nicht gedacht…

Im Hintergrund gibt es in der iCloud übrigens vier gleichnamige Ordner, und die Dokumente werden von einem zum anderen verschoben. Aber solange meine „Notes“ nicht vom eigentlichen Dokument in „Write, Edit, Read“

Diese Syntax-Kontrolle hingegen ist genau das, was man als Schreiber zur Kontrolle braucht, um zum Beispiel dumme Dopplungen zu finden. Ziemlich pfiffig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.